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Die Verspätung der mecklenburgischen Seele

Die Verspätung der mecklenburgischen Seele

Da sind wir also.
Denn das ist das Erfreulichste. Daß wir wieder zum Rest der Welt gehören. Wir Mecklenburger und wir Vorpommern. Wer weiß, ob wir wirklich vermißt worden sind. Original in unserer Landschaft. Auswanderer gab es immer, ob nach Hamburg oder Amerika. Aber nun nennen wir uns wieder so, wie man uns aus Geschichtsbüchern kennt. Mit unseren angestammten Namen. Die vorübergegangene Zeit der Schweriner, der Rostocker, der Neubrandenburger Bezirksmenschen ist vorbei; die DDR seit 1990 eine Legende, eine unverbürgte Erzählung. Wer will, darf rein ins Land, uns zu besuchen; wer will, darf raus in die Welt. Und das ganz ohne lebensgefährliche oder auch nur lästige rrenkungen an der Grenze. Wovon zumindest die einheimischen Bewohner ihren Gewinn haben - wieweit die Welt es ihren Segen nennen wird und wann, das wird sich zeigen. Nehmen wir das ferne Troja. Es wurde, zugegeben, weder von Mecklenburgern erbaut, noch von Vorpommern zerstört. Aber könnte die Welt Troja wirklich glauben und anfassen, wenn nicht ein Mecklenburger, wenn nicht Heinrich Schliemann aus Neubukow es der Welt zum Beweis ausgegraben hätte? Oder nehmen wir die Seefahrt. Damals, zur Zeit der stolzen Segelschiffe. Die waghalsigsten Kapitäne der Welt sollen mit ihren Matrosen aus Vorpommern gekommen sein, aus Prerow oder Zingst. Unterwegs auf den Weltmeeren, so tapfer, daß keiner ihnen anfangs die Herkunft glauben wollte. Dann aber wußte man von uns, in Rio oder Shanghai.





Und so etwas Großes kann schließlich immer mal wieder aus einem kleinen Land kommen. Daß es heißt: Hut ab. Da kommt ein Mecklenburger oder ein Vorpommer. Aber der eine oder andere wird heute schon wissen, daß wir ganz besondere Leute sind. Auserwählt vom Witz des Schicksals. Und mit Recht zu beneiden. Denn nur hier bei uns, so wurde jedenfalls behauptet, wird die Welt mit Sicherheit erst fünfzig Jahre später untergehen.
Und genau das wird es sein, was uns oft so sehr gelassen erscheinen läßt. Als wären wir döschig ahnungslos und schweigsam stillvergnügt. Als könnte uns eigentlich überhaupt nichts aus der Ruhe bringen. Weil uns so schnell nichts passieren kann. Schließlich werden wir die einzigen sein, die dem Weltuntergang zusehen können. Nicht, daß wir ihn anderen wünschen, aber sollte er kommen, dann werden wir ihn uns eines Tages vom Tellerrand unserer Heimat aus betrachten. Kühl, wie wir sein sollen, und doch tief wehmütig im Herzen. Ungefähr so wie Noah auf den Wellen der Sintflut. Nur trauriger. Das wird es sein. Genau das. Was unsere oft mißverstandene Mentalität ausmacht. Diese, wie Uwe Johnson sagt: Langsamkeit der Mecklenburgischen Seele. Und auch einen Autor wie Uwe Johnson soll uns die Welt erst einmal nachmachen. Diese Riesengestalt aus Wörtern. Aufgewachsen in beiden Landesteilen, ehe er umständehalber in die Welt ging. Um sich an uns zu erinnern. Wie wir sind, wie wir tun, wenn wir meinen. Und wir hätten es wohl selbst schon vergessen, wenn er uns nicht aufgeschrieben hätte. Aus Bescheidenheit. Denn angeben ist nicht unsere Art. Wir prahlen nicht in der Öffentlichkeit.
Wir bleiben, wie ein Zunftgeselle Uwe Johnsons, Hans Fallada aus Greifswald, sagt: immer hübsch in der Geduld. Und das ist wahre Bescheidenheit. In der Geduld bleiben - mit einer Seele, die kein Hehl daraus macht, wirklich eine Spur langsamer zu sein als Seelen anderswo. In einer Zeit der hastigen Weltrekorde, in der alle alles möglichst schnell hinter sich bringen wollen. Wie der Rennfahrer Schumacher (wirklich kein Mecklenburger!) als erster im Ziel anzukommen. Statt die Schönheit der Landschaft für wahr zu nehmen, wie sie sich oft hinter den Absperrungen der Autobahnen zeigt, sie zum Beiwerk zu degradieren. Nein, schnelle Sieger sind wir nicht. Obwohl durchaus blitz-schlagfertig mit unserem niederdeutschen Humor. In unserer plattdeutschen Sprache. Die beweist, daß wir schon vor Jahrhunderten sehr geduldige Leute waren. Daß schon unsere Vorfahren es stur abwarten konnten, ob denn die zweite Lautverschiebung aus dem Süden bis hier oben ankommen würde. Sie kam nicht. Also sind wir ihr auch nicht entgegengegangen. Sondern beim Plattdeutschen geblieben. Lange noch und selbstbewußt, dreist auf die Gefahr hin, daß uns mit unseren altmodischen Konsonanten keiner mehr verstehen konnte.

Doch, doch, von all dem liegt heute noch ein Hauch über den sanften Hügeln, wie die rauhe Eiszeit sie hier so mild geschaffen hat. Vielleicht um zu verstehen, daß hier richtige Berge für übertrieben, für protzig, für pure rschwendunggehalten werden, sobald sie mehr als hundert Meter hoch in den heimischen Himmel ragen.
Wer will, kann sich unter den schwer zu zählenden Seen die seinem Gemüt verträgliche Größe auswählen, sich ans Ufer begeben und dem Wasser zusehen, wie der Wind sich seine Wellen darauf macht. Und lernen, was Zeit ist. In den größeren Städten ist jetzt zu manchem Haus die alte Fassade frisch zurückgekehrt. Zum Staunen über die eigene Geschichte. Und noch läßt sich in den Dörfern hin und wieder ein Haus mit zerzaustem Reetdach finden. Aber nein, hier sagen wir: Strohdach. Auch wenn es nicht aus Stroh ist. Ein Haus mit seinen wettergegerbten Balken, seinen Steinen, von denen lange schon der mal geweißte Lehmputz gefallen ist. So ein Haus, das dann glauben lassen möchte, die jüngste rgangenheit hätte vielleicht doch eigentlich noch gar nicht stattgefunden.

Hat sie aber. Und manchmal steht auf den Steinen am Straßenrand nicht nur, wie weit es noch bis zum nächsten Ziel ist. Manchmal steht auch auf einem Stein, daß es KZ-Häftlinge gegeben hat, und daß sie an so einer Straße in den Tod marschiert sind. Und es gibt einen solchen schrecklichen Ort, dessen Name klingen könnte wie in einem fröhlichen Volkslied: Fünf-Eichen.
Was wird werden? Es wird ja schon.
Aber vielleicht müssen wir zugeben, daß wir es noch nicht wissen. Daß wir uns so ganz noch nicht gefunden haben, in diesem Land hier, gleich rechts von Hamburg, und dann bis hin zur polnischen Grenze. Daß manchem die Seele noch ein wenig nachgeht. Das müssen wir wohl zugeben. Obwohl wir doch schon sehr voraus leben.
Das aber mag dem aufmerksam durchreisenden Gast das Spannendste sein. Was wir außer einem Kreidefelsen auf Rügen, den Ivenacker Eichen, außer Barlachs schwebendem Engel in Güstrow oder dem Doberaner Münster noch so an Sehenswürdigkeiten zu bieten haben. Unser lebendes Gesicht. Auf der Straße. Mit der rspätung unserer Seele. Die es verrät, daß wir noch nicht so genau wissen, was die Welt von uns erwartet, zu der wir nun wieder gehören. Vielleicht auch gut so. Vielleicht haben wir in der jüngsten Geschichte zweimal hintereinander zu gleichgültig schnell gewußt.

Gestern

Löwen schon, aber Weißwurscht, Seppelhosen und Gamsbärte sind nicht Mode hier. Obwohl Mecklenburg einmal eine bayerische Erfindung war. Wenn man so will. Oder das Ergebnis eines handfesten Krieges. Denn hier oben lebten noch sehr unchristliche Slawen. Wie beispielsweise die Obotriten, die ihren Hauptort südlich von Wismar hatten, beim heutigen Dorf Mecklenburg, wo immer noch der Rest einer Wallanlage zu erkennen ist, wenn man denn sucht; Einheimische also, die lange Zeit störrisch ihren Unglauben zu verteidigen gewußt hatten. Mal besiegt, mal aufständisch, mal bekehrt, und dann doch wieder abtrünnig - nun aber, 1160, werden sie endgültig von Heinrich dem Löwen, Herzog von Bayern und Sachsen, besiegt. Wobei ihr Fürst Niklot in der Nähe von Schwaan erschlagen wird. Wie es sich für einen demonstrativen Sieg gehört.
Schwerin aber bekommt ein Bistum und von Heinrich das gleiche Recht wie München und Lübeck - eine Stadt werden zu dürfen. Noch regt sich Widerstand, 1164 wird Niklots Sohn Wartislav hingerichtet, wegen Aufsässigkeit, 1166 toben noch die Kämpfe an der Grenze im Osten, als dem Heinrich daheim ein Krieg aus Neid und Mißgunst droht. Und da vollbringt er einen Geniestreich. Der tote Niklot hat noch einen zweiten Sohn, den Pribislav, der sich, wohl vorsichtshalber, zum Christentum bekennt und das verlorene Erbe seines Vaters doch noch regieren darf. Als Lehen. Schließlich kennt der sich mit seinen Landsleuten aus. Und damit auch die zugewanderten Deutschen ihn ernst nehmen, darf sein Sohn, Heinrich Borwin, des Löwen Tochter Mathilde heiraten. Quasi zum Vorleben, wie der Streit um Unterschiede in der Familie bleiben kann.
Ein bißchen wie im Märchen, grausam, aber mit schönem Schluß. Pribislav erhält für seine Anstelligkeit vom Kaiser sogar die Reichsfürstenwürde. Sieger und Besiegte arrangieren sich. Deutscher Fortschritt läßt die Acker ertragreicherwerden -sie könnten auskömmlich miteinander leben, drohten nicht neue Kriege. Aber so beginnt die Geschichte Mecklenburgs. Mit Pommern-Wolgast gibt es 1350 erst noch einen Krieg, aber dann, 1372, taucht Vorpommern schon mal als zukünftiger Partner am Horizont der mecklenburgischen Weltgeschichte auf.

Heute

Und jetzt sind wir wieder da. Mit unserem Stierkopf im Hoheitszeichen an der Autobahn und sonstwo. Statt Hammer und Sichel, wie zu Zeiten der DDR, als Mecklenburg und Vorpommern abgeschafft waren. Seit 1952 zugunsten einer Bekehrung, die uns den letzten Fortschritt der Menschheit bringen sollte. Jetzt aber streckt der Stier unter aufgestellten Hörnern wieder die Zunge raus. Neben Brandenburgs etwas steifem Adler, und dem mehr eitel aufgestellten Gefieder des pommerschen Greifen. Ein wenig furchterregend unfreundlich, könnte man meinen, und vielleicht glauben, die Zunge würde auf einen entgegengesetzten Körperteil deuten, schon die nächsten Nachbarn könnten uns mal. Aber wer so denken will, der weiß wenig über norddeutschen Humor, dessen Feinheit entdeckt sein will, und sei es hinter einem ernsten Stiergesicht.

Nein, ganz so ernst wie unser Stier waren wir nie, wenn auch oft zu gründlich. Und letztlich doch verspielt, wie unschwer am herzoglichen Schloß in Schwerin zu erkennen ist. In seiner jetzigen Gestalt ist es kaum älter als hundert Jahre; umgebaut, als es eigentlich schon nicht mehr Mode war, so umständlich zu wohnen. Aber bitte, auch ein Großherzog hat Seele, mit rspätung, wie hierzulande üblich. Und wir haben unser touristisches Wunder. Mit all seinen Türmen und Türmchen. Mit seiner kaum beachteten Sensation. Daß nämlich an würdigster Stelle im Portal das Reiterstandbild Niklots prangt. Einst hartnäckiger Feind des Mecklenburgbegründers. Aber noch heute schaut er zu uns runter, und nicht in der Pose des Besiegten, eher sinnend, als würde er sich fragen, was wir aus seinem Tod gemacht haben. Sicher nicht ganz unstolz auf seine Nachfahren, die immerhin von 1167 bis 1918 regiert haben. Bei allem verzapften Mist und Blödsinn, besser machen müßten wir es erst einmal. Mit unserem Landtag, der da heute in dieser abenteuerlich-märchenhaften Schöpfung aus Geschichte seine Beschlüsse faßt.

Kein anderes Bundesland kann so viele wunderschöne Alleen vorweisen wie Mecklenburg-Vorpommern. Mancherorts ist es möglich, kilometerweit unter den grünen Dächern von Linden, Buchen und anderen Laubbäumen zu fahren.

Treppengiebel und Fachwerkhäuser prägen die Silhouette der alten Hansestadt Wismar. Besondere Attraktion des großen Marktplatzes ist die Wasserkunst, ein zwölfeckiger Pavillon mit geschwungenem Kupferdach.

Von Bad Doberan, mit seiner ehemaligen Klosterkirche, über das älteste Seebad Deutschlands Heiligendamm nach Kiihlungsborn zuckelt die Bäderbahn "Molli. Der altertümliche Zug mit seinen Wagen ist nicht nur eine Attraktion für Dampflokfans.

Heiligendamm, die "weiße Stadt am Meer, ist das älteste Seebad Deutschlands. Es wurde durch Herzog Friedrich Franz I. im Jahre 1793 gegründet.

Vom jenseitigen Ufer der Warnow aus ist der Blick auf Rostocks Stadtsilhouette besonders attraktiv. Der Backstein der St.-Marien-Kirche, die alten Speicher und die im Stil alter Kaufmannshäuser neuerbauten Wohnhauser bilden mit ihren kräftigen Rottönen einen Kontrast zum Blau des Wassers. Rostock ist nach wie vor eine bedeutende Wirtschaftsmetropole im Ostseeraum.

Die Häuser auf dem Hohen Ufer von Ahrenshoop sind durch den unaufhaltsamen Küstenrückgang gefährdet. An diesem stillen Ort war Ende des 19. Jahrhunderts auf Initiative des Malers Paul Müller-Kaempff eine Künstlerkolonie entstanden.

Der 1909 gegründete Ausstellungspavillon Kunstkaten in Ahrenshoop bot Künstlern die Möglichkeit, ihre Werke der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Die bizarren Kreidefelsen sind Wahrzeichen der Insel Rügen. Der Maler Caspar David Friedrich machte sie durch seine Gemälde berühmt.

Das größte Seebad Rügens ist Binz. Hier ein Blick von der wiedererrichteten Seebrücke auf das Kurhaus, eines der vielen schönen Beispiele der Bäderarchitektur der Jahrhundertwende an der Ostsee.

Eine Stadt zum Vorzeigen hatte Fürst Wilhelm Malte zu Putbus gewünscht, als er Anfang des 19. Jahrhunderts die Rügensche Residenz ausbaute. Nach seinen Plänen entstand dieses Theater am Rande des Schloßparks.

Die Hansestadt Stralsund ist vom Meer geprägt. Vom Selbstbewußtsein der Stralsunder Kaufleute zeugt, daß den unteren Teil des Rathauses die Wappen der sechs wichtigsten Handelsstädte zieren. Hinter der Schmucktassade aus dem 15. Jahrhundert sind die massigen Türme der stolzen Nikolaikirche zu erkennen.

Der Dichter Gerhart Hauptmann ernannte die 18 Kilometer lange Insel Hiddensee zum "geistigsten aller deutschen Seebäder. Die Grashü-gellandschaft erstreckt sich vom fast siebzig Meter hohen Dornbusch, auf dem auch der weiß gestrichene Leuchtturm steht, bis zum ausgedehnten Vogelschutzgebiet Gellen am Südzipfel der Insel.

Gerhart Hauptmann kam im Juli 1885 von Rügen aus zum ersten Mal nach Hiddensee. Viele weitere Besuche folgten. 1930 kaufte er in dem Örtchen Kloster als Sommersitz Haus Seedorn, das noch heute eine Gedenkstätte ist

Auch das gibt es noch auf Usedom: Im Achterwasser zwischen Gnitz und Lieper Winkel inspizieren Fischer aus Warthe täglich die von ihnen ausgebrachten Reusen.

Im Boom der wilhelminischen Gründerjahre fand Usedoms Aufstieg zu der deutschen Bäderinsel statt. Im Sommer traf man sich in Bansin (Foto), Heringsdorf oder Ahlbeck.

Auf Pfählen in die Ostsee gebaut liegt die Seebrücke von Ahlbeck, dem größten Seebad der Insel Usedom.

Der größte der rund achthundert Seen Mecklenburgs, der Müritzsee, hier bei Röbel. Ein riesiges Naturparadies mit Fischadlern und brütenden Wasservögeln.

Eingebettet in die alte Stadtbefestigung der Stadt Neubrandenburg liegen schmucke Fachwerkhäuser, die sogenannten Wiekhäuser. Sie dienten ursprünglich der rteidigung der Stadt, später boten sie den Armen preiswerten Wohnraum.







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