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Freundschaft - freundschaft




Freundschaft - freundschaft

Eine von Gen Raeithcl unternommene Analyse europäischer Urteile über Amerika und die Amerikaner erbrachte ein eigentümlich konsistentes Negativbild: Amerikaner sind nicht nur geist-. kultur- und geschichtslos, sondern auch rastlos, seelenlos und bindungslos. In diesem rdikt tauchen affektive Bewertungen auf. die sich, bei allen Variationen im einzelnen, mindestens seit dem 19. Jahrhundert durchhalten. Man fragt sich, was bleibt eigentlich von den Amerikanern übrig, wenn sie so viel von dem "los sind, was in deutscher oder europäischer Perspektive zur Grundausstattung der Menschen gehört? Übrig bleibt ein merkwürdig unfixierles Phantombild: Amerikaner sind nicht oder in geringem Umfang festgelegt im Raum (Rast- und Bindungslosigkeit). sie sind genausowenig fixiert durch die Zeit (Geschichts- und Kulturlosigkeit), und sie sind offensichtlich weniger sozial eingebunden (Seelen- und Bindungslosigkeit). Die amerikanischen Deutschland-Bilder erweisen sich, schon aufgrund des geringeren Gewichts eines einzelnen europäischen Landes, als wesentlich weniger affektiv und aggressiv. Zaune und Hecken beobachten Amerikaner in Deutschland nicht nur um die Häuser und abgeschirmten Privatbereiche, sondern, wie gesagt, auch um die Menschen selbst, die ihnen distanziert, abweisend und kühl. Fremde und Fremdes ausgrenzend erscheinen. Wechselseitig sprechen sich Deutsche und Amerikaner, mit solchen Vorurteilen ausgestattet, die Fähigkeit zur Freundschaft ab. Die Klage über amerikanische Oberflächlichkeit steht gegen die über deutsche Reserviertheit: die Anrede you oder Du und Sie sorgen hinreichend für Mißverständnisse auf beiden Seiten.



Im Kontakt führen die kulturell geprägten Erwartungs- und rhaltensmuster häu zu Irritationen. Hier haben wir es mit Erfahrungen zu tun, die die Persönlichkeit tiefer berühren und mit einem rein rationalen interkulturellen Lernen nicht aus der Welt zu schaffen sind. Ohne die Anmaßung, hier fertige Konzepte liefern zu können, scheint uns in diesem Bereich der Beziehungen die Erweiterung des kognitiven Lernens um eine affektive Erfahrungsdimension unverzichtbar. So hilft wohl weder das Festhalten am Eigenen, noch die nur scheinbar weltläue Identifikation mit dem Fremden, sondern ein schwer beschreibbares, in der konkreten Begegnung zu entwickelndes Erkennen und Anerkennen des Anderen ohne rleugnung der eigenen Kultur.
Martin Walser hat das Freundschaft-/nen

Vereine

Mehr als die Hälfte aller Bundesbürgerinnen und Bürger sind in zirka 200 000 Vereinen organisiert. Wandern. Singen, Kegeln. Skatspielen, Turnen. Schwimmen. Radfahren. Schießen. Religion. Zierfische und Taubenzucht, kein Interesse, das hierzulande nicht sogleich eine organisierte Vereinsform annimmt. Im Hinblick auf Reichweite. Funktion, gesellschaftlichen Einfluß und innere Ver-faßtheit trennen jedoch bundesweite Organisationen wie einen ADAC, das Rote Kreuz und den deutschen Fußballbund auf der einen Seite, und auf der anderen einen Schach- oder Kleintierzuchtverein Welten. In erster Linie interessiert uns in diesem Zusammenhang das für das deutsche Vereinswesen grundlegende Verhältnis von Bürger und Staat wie auch die unterschiedlichen Ausprägungen des Vereinslebens selbst.

Die Zugehörigkeit zu Kirche, Nachbarschaft und Zunft im Aneien Regime war keine frei gewählte; dieser enge Lebenshorizont gab eine Wertorientierung vor, die weder auf das Individuum, noch auf die Gesellschaft gerichtet war, sondern auf die Gruppe zielte und nicht von Reflexion, sondern von der Tradition bestimmt blieb.

Mit dem Öffentlichen, Allgemeinen befaßt sich (...) ausschließlich die Obrigkeit, ihr obliegt die Sorge für das Gemeinwohl. Das Private ist vom Öffentlichen im wesentlichen getrennt, die Polarisierung beider Bereiche wird fixiert im Verhältnis von privatem und öffentlichem Recht (Nipperdey 1976,179).

Die Loslösung der Individuen aus den traditionellen Bindungen dieser von Sitte und Anstand zusammengehaltenen Lebenswelt führte, wie man häufig betont hat, zu einer Vereinzelung, die seit der Mitte des 18. Jahrhunderts in zunehmendem Maße in vielfältigen Zusammenschlüssen wie patriotischen, gemeinnützigen, wissenschaftlichen, landwirtschaftlichen, ökonomischen Gesellschaften und Freimaurerlogen aufgehoben wurde. In immer neuen Wellen entfalteten immer neue soziale Gruppen diese Geselligkeits- und Organisationsform für die Realisierung ihrer Interessen und Bedürfnisse. Von Anfang an verstehen sich dabei die Vereine als Mittler zwischen Gesellschaft und Staat und übernehmen öffentliche Aufgaben in privater Regie. Dabei lassen sich im Anschluß an Nipperdey modellhaft vor allem drei Etappen mit jeweils unterschiedlicher Akzentuierung des Bürger-Staat-Verhältnisses festhalten. Während es den aufklärerischen Gesellschaften des späten 18. Jahrhunderts um das Recht auf freie Assoziation ging, verlagerte sich die Zielsetzung in einer zweiten Phase (um 1800) vor allem auf die Gebiete der Bildung und des Sozialen: Vereine nehmen sich nun einer Vielzahl von öffentlichen Belangen an. Diese Verschiebung der Grenze zwischen Privat und Öffentlich führt, wie Nipperdey betont, nicht zur Trennung von Staat und Gesellschaft, sondern verbindet sie (vgl. Nipperdey 1976, 203). Schließlich wird, was vorher eher latent wirksam war. manifest: das Freiheitsrecht entwickelt sich zu einem politischen Recht. Erinnert sei an die Turner und Sänger zur Zeit des Vormärz und der Revolution von 1848: in dieser Phase bilden sich Vereine heraus, die zur Bühne der politischen Selbstverständigung werden und den Bürgern als Instrument zur Durchsetzung ihrer politischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Interessen und Rechte dienen. In den Revolutionsjahren von 1848/49 trat vollends die ganze Vielfall der modernen Interessenpolitik zutage.

Die zahlreichen neuen Vereine. Komitees. Verbände. Klubs, Assoziationen und Kongresse verrieten, in welchem Maße die Gesellschaft in Bewegung geraten war. Die politischen Grundströmungen, die auch durch die Vereine mobilisiert und kanalisiert wurden, drängten durchweg auf überregionale, wenn möglich gesamtdeutsche Formen und Interessenvertretung (Wehler 1987 Bd.II, 725).

Bei allen historischen Wandlungen der Vereinslandschaft im einzelnen blieb bis ins 20. Jahrhundert hinein die politische und soziale Homogenität der jeweiligen Vereinsmilieus erhalten. Es gab - zumindest im ideologischen und programmatischen Selbstverständnis - kaum Gemeinsamkeiten etwa zwischen bürgerlichen und Arbeitervereinen. Diese zur Weimarer Zeit höchst differenzierte politische und kulturelle Vielfalt des Vereinslebens wurde mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten rücksichtslos eingeebnet und zwangsweise in die "Volksgemeinschaft überführt. Die neue bundesrepublikanische Vereinsslruktur der Nachkriegszeit erwuchs jedoch weniger der Gemeinschaftserfahrung in den NS-Verbänden als vielmehr der Erinnerung an die lähmende Zersplitterung in der späten Weimarer Zeit. Bei gleichzeitigem Verzicht auf politische Auseinandersetzung ist der heute dominierende Vereinstyp bestimmt durch eine weitgehende Einbindung unterschiedlicher Schichten. Natürlich ist das wieder einmal eher ein Modell: Die Unterschiede zwischen einem kleinstädtischen Sportverein und einem Hamburger Golfclub bedürfen keines weiteren Kommentars, regionale und milieugebundene Traditionen bleiben auch heute gültig.

Die Vereinsfamilie

Wir haben bisher in dieser Skizze des deutschen Vereinswesens die Zielsetzungen und Sachinteressen in den Vordergrund gerückt. Mindestens ebenso wichtig, mit einer gelegentüchen Tendenz zur Verselbständigung, ist das Innenleben der Vereine, die Geselligkeit der Vereins-Familie. Hier geht es nicht mehr um die konfliktgeladene Gesellschaftserfahrung, sondern - wie so häufig in Deutschland - um harmonisches Gemeinschaftsgefühl. Zwar waren im Verein des 19. Jahrhunderts Geselligkeit und Sachintcresse eng verbunden, dennoch blieb er eher eine Vorschule öffentlicher Praxis. Während die politischen Anteile zunehmend von Parteien und Verbänden aufgenommen wurden (ohne daß auf den Kitt der Geselligkeit verzichtet werden konnte), entwickelten sich die Vereine zu einem Hort der Gemütlichkeit. Was heute so biedermeierlich klingt, Namen wie "Harmonie, "Concordia oder "Eintracht, stand einstmals für bürgerliche Vereinigungen, die an der demokratischen Entwicklung einen nicht zu unterschätzenden Anteil hatten. Heute überwuchert in vielen Vereinen die organisierte Gemeinschaft das jeweilige Sachinteressc. "Vereinsfamilie - das ist unmittelbare Zuwendung und volle Übereinkunft, da paßt nichts Fremdes dazwischen (Bausinger 1984. 136). Vereins-Familie, das ist durchaus wörtlich zu nehmen und bedeutet die Übertragung der im Privaten geprägten Verhaltensmuster in den öffentlichen Bereich. Wie die Familie soll der Verein ein Zuhause bieten, das zumindest zeitweise das Eintauchen in die geschlossene Well Gleichgesinnter erlaubt und so das störende Fremde fernhält.

Die typisch deutsche "Vereinsmeierei ist nicht zu Unrecht oft verspottet worden. Dennoch sollten die skurrile Geschäftigkeit, das Ritual der Sitzungen und das hohle Pathos der Festreden nicht vergessen machen, daß auch diese Vereine ihren Beitrag zur sozialen Integralion leisten. Die Vereinsforschung hebt neben anderem die Bewußtmachung. Formulierung und Vertretung von individuellen wie von Gruppeninteressen hervor, sie verweist auf die Leistungen der Vereine bei der Demokratisierung der Gesellschaft sowie für die Statussicherung des einzelnen.
Eine idealtypische Beschreibung des deutschen Vereins, wie sie hier ausgeführt wurde, orientiert sich eher am traditionellen Modell. Ausgeblendet bleiben dabei der Stadt-Land-Gcgensatz, die steigende Attraktivität weniger formeller Freizeitclubs und privatwirtschaftlicher Sportcenter. In der Vorstandssitzung etwa des FC Bayern München, wo Manager Millionen bewegen, ist von traditioneller deutscher Vereinsgemütlichkeit kaum noch etwas zu spüren.














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