REFERAT-MenüArchaologieBiographienDeutschEnglischFranzosischGeographie
  GeschichteInformatikKunst und KulturLiteraturMarketingMedizin
  MusikPhysikPolitikTechnik

DEUTSCH-AMERIKANISCHE BEZIEHUNGEN UND WAHRNEHMUNGSMUSTER




DEUTSCH-AMERIKANISCHE BEZIEHUNGEN UND WAHRNEHMUNGSMUSTER

"Was ich auf Reisen suche, schreibt Wolfgang Koeppen, "ist das Fremdsein ganz und kraß, der Schein der Vertrautheit ist gewichen, die Welt ist neu (), ich verstehe nichts, und das bedeutet die Möglichkeit des Begreifens (zit. n. Buchholz 1987,146).
Amerika - aber nicht nur dieses Land - hat das Verlangen des gebildeten (Reise-)Schriftstellers nicht erfüllt, unmittelbar nach seiner Ankunft in New York heißt es in "Amerikafahrt (1959):
Ich stand in New York. Ich hatte dies oft geträumt, und es war nun wie ein Traum. Der Traum, hier zu sein, hatte sich erfüllt, und wie im Traum gab es keine Fremde. Ich war auch hier zu Hause, und Amerika lag r mir wie ein fester Besitz (Koeppen 1982,14).
Das erwünschte Fremdsein stellt sich nicht ein, denn die Neue Welt ist dem Ankömmling gar nicht neu, r jegliche originäre Erfahrung Amerikas haben sich die Amerika-Bilder im Kopf geschoben und steuern - erkennlnisfördernd oder Erfahrung blockierend - die Wahrnehmung. Warum das Fremdsein sich nicht herstellt, warum die authentische Erfahrung der Neuen Welt illusorisch bleibt, vergegenwärtigt der erste, lange Satz des Reiseberichts mit seiner überwältigenden Fülle n Impressionen, Erinnerungen, Anspielungen, Wortspielen und Klischees:




Die Kasernen der geimpften Kreuzritter auf Europas Boden, der erneuerte Limes am Rhein, Raketenrampen im schwarzen Revier, Versorgungsbasen bei der hohen Schule n Salamanca. Bulldozer, Planierungsmaschinen. Höhlenbohrer, Verstecke für die Angst, Unterstände für die Torheit, die alten Weinberge den Göttern und den Heiligen und dem Umsatz geweiht, das deutsche Vorfeld, die germanische Mitte, des Erdteils gebrochenes Herz, Maginots wiedererstandene Illusionen, die Kolonien der Feldoffiziere und Sergeanten mit dem Indianergesicht. Nachbarschaft und Isolierung, die Main Street mitgebracht, die Kirchen aus dem Koffer gepackt und die Jagd-flugplätze für den Sturm, den Sand und das Vergessen gebaut am Freienreichsstadtrand, die Schulbusse der selbstbewußten Kinder mit den Sicherungssprüchen der schon in die Wiege gelegten Zukunft, Weltherrschaftsaspiranten schüchtern und laut in der Altheidelbergschau, das Gentlemandasein der Whiskyreklame bei deutschem Flaschenbier, mitgereist die Einsamkeit der Prärie, mitgereist die heiße und kalte Luft der Nevadawüste, unvergessen im Getto der Herkunft der gute und böse Wind Chicagos.
Automaten der Liebe und Automaten des Gesanges für den Traum des Nichtalleinseins, Viersternegenerale auf den Elyseeischen Feldern, Funksprüche aus dem Pentagon, die Banner des Atlantikpaktes im freundlichen Wald n Marly-le-Roi, tot die christlichen Könige, magistral die Ansprachen des Präsidenten im Weißen Haus, urbi et orbi, Reden zum Schornstein hinaus, zur Nachrichtenstunde des Rundfunks verbreitete Furcht und Hoffnung, das gute Geld des Marshalls, der feste Dollar für die unterentwickelten Gebiete, der Scheck für die Freiheit, der Scheck gegen den Hunger, der Scheck für das Öl, die Milliarden für die Forschungen n Pee-nemünde, der Rauch für den Mond, die stars and stripes über den Konsulaten und Bibliotheken des american way of life, auf den abendlichen Leinwänden jedem Dorfjungen vertraut die Lichterschlucht des Broadway. Californiens sonnenblanke Straßen, das Familiengebet r dem geöffneten Schrein des Kühlschrankes, die chromstrahlende Manneskraft der Pferdestärken, die Busen und Beine der handelfördernden Schönheitsköniginnen, entzückte Augen, gezückte Pistolen, der große Krieg n Wildwest und die große Schlacht in den Dschungeln der Städte. Gestalten aus Kleinbürger-Sehnsüchten und Unerwachsensein und Triumphe im Lebenskampf, Siege in den Wissenschaften, doch auch die irren Lichter O'Neills, die Durchleuchtungen Tennessee Williams', Faulkners Genie, die Heldensage n Little Rock, das fruchtbare Unbehagen der Reklameagentcn, und dann die Plakate der Luftfahrtgesellschaften, im Sesselschlaf über den Atlantik, du bist schon angekommen, ber du abgeflogen (Koeppen 1982, 7f.).

Es geht uns hier nicht um eine philologische Koeppen-Exegese, die möglichst detailliert und eindeutig den Sinn dieser literarischen Bilderproduktion fixiert. Die Passage dient vielmehr der Einführung in das Zeichen- und Signalsystem "Amerika, das sich in einem literarischen Text besonders verdichtet und stilisiert präsentiert. Bei aller Unverwechselbarkeit der Koeppenschen Bildersprache schöpft der Autor doch aus kollektiven Vorstellungsräumen, aus einem kulturellen Gedächtnis, das in zwei Weisen existiert:
einmal im Modus der Potentialität als Archiv, als Totalhorizont angesammelter Texte. Bilder, Handlungsmuster, und zum zweiten im Modus der Aktualität, als der n einer jeweiligen Gegenwart aus aktualisierte und perspektivierte Bestand an objektiviertem Sinn (Assmann 1988,13).
Bezogen auf Koeppens Bilderkaleidoskop umfaßt der ..Totalhorizont den Fundus der deutschen/europäischen Auseinandersetzung mit der Neuen Welt, aus dem der Autor bestimmte Themen, Bildfelder und Grundrstellungen bezieht und in die Perspektive eines deutschen Intellektuellen der 50er Jahre rückt.
Was Koeppen in der Eingangsphase versammelt, sind im wesentlichen Erfahrungen, die Europa mit Amerika im Gefolge des Weltkrieges gemacht hat. Die Vorstellungen entzünden sich an einem Begriff, der bereits in seinem früheren Roman "Tauben im Gras auftaucht. Auch Richard Kirsch, ein Amerikaner, ist "geimpft (), hygienisch erzogen und ausgeschlackt (Koeppen 1974. 36) und begreift sich als Kreuzritter.

Er würde sich's anschauen: das Land der Väter. Es war eine Morgenlandfahrt. Kreuzritter der Ordnung waren sie, Ritter der Vernunft, der Nützlichkeit und angemessener bürgerlicher Freiheit: sie suchten kein Heiliges Grab (ebd.).

Mit dem Begriff der "geimpften Kreuzritter wird zu Beginn mehreres zugleich vermittelt: Ironie gegenüber den amerikanischen Besatzertruppen, die sich ll Sendungsbcwußlsein und immunisiert gegen alles, was mit ihrem - im Sinne Koeppens - pragmatischen Weltbild unvereinbar ist, in Europa einnisten. "Kreuzritter rufen zudem r dem Hintergrund des Kalten Krieges die Vorstellung n einem gerechten Krieg wach. Vertraute Signale aus dem Fundus des europäischen Kulturerbes werden mobilisiert gegen die Bilder n einer militanten, amerikanischen "Zivilisation, die sich "auf Europas Boden breit macht. Haltungen und Bewertungen Koeppens sind ins Implizite verlagert. Das abgerufene Bildmaterial arrangiert sich - bewußt oder unbewußt - z.B. in Oppositionen wie "hohe Schule n Salamanca und "Versorgungsbaden. "Planierungsmaschinen, die unterschwellig und raumsymbolisch die hohe Kultur Europa, Amerika jedoch e, flache Nützlichkeit zuschreiben. Koeppen weiß, daß er Amerika nicht als raussetzungsloser Betrachter erreichen wird. Er assoziiert zur Bilder aus den Vorstellungsräumen "amerikanische Besatzungsmacht in Deutschland, "Weltmacht Amerika, des "american way of life im Kino Hollywoods. Nicht zufällig gipfelt seine Bildparade in der literarischen amerikanischen Kultur, jenem Imaginationsraum, der dem gebildeten Reisenden wohl am ehesten wahre Erfahrung verbürgt. Es verwundert also nicht, wenn die Bilderflut auf die Pointe zuläuft: () "du bist schon angekommen, ber du abgeflogen und wenn, wie es wenig später heißt, New York "noch in all seiner Fremdheit vertraut war. Ein Rezensent kritisiert etwa, daß Koeppens Vor-Bilder "ein unverstellt-individuelles In-den-Blick-Nehmen behindern und "die konkrete Beobachtung des Subjekts auflösen im allgemeingültigen Zitat (Buchholz 1987, 145). Dahinter steht einmal mehr die illusorische Vorstellung n unverstellter, objektiver, individueller, authentischer Fremdwahrnehmung, die in der raussetzungslosen, originären Betrachtung der wirklichen Wirklichkeit das Heilmittel sieht, Vorurteile abzubauen und Stereotype zu überwinden. Wenn auch Koeppen, wie eingangs zitiert, noch diesem Wunsch ("das Fremdsein ganz und kraß) nachzuhängen scheint, trifft ihn diese Kritik wohl kaum. Eine Oualität des Textes liegt gerade darin, daß er sein Vorwissen und sein imaginiertes Amerika bereits im ersten Satz assoziativ ausbreitet und damit bewußt macht, durch welche unabdingbaren Filter er Amerika wahrnimmt. Und damit ist er Ende der 50er Jahre weiter als viele gutgemeinte Bemühungen zur Theorie und Praxis der Völkerverständigung und des interkulturellen Austauschs heute. Eben diese idealistisch-pädagogische Hoffnung, das Insistieren auf der Überwindung n stereotypisierter Wahrnehmung machen hier grundsätzlichere Überlegungen zur Fremderfahrung und zum Bildbegriff nötig.

Überlegungen zum Bildbegriff

Die traditionelle Vorurteils- und Stercotypenforschung arbeitet mit einer ganzen Reihe von Prämissen, die - wie zunehmend deutlich wird - der Komplexität des Erlebens und Erfahrens einer fremden Kultur nicht gerecht werden können. Pointiert formuliert: sie hat im Grunde das Stereotyp der Stereotypen festgeschrieben. Das immer wiederkehrende Abfragen einer begrenzten Anzahl festgelegter Eigenschaften bewegt sich innerhalb eines künstlichen Schemas. Wenn gefragt wird: "Sind die Deutschen ehrlich, arrogant, ehrgeizig, friedliebend? so weckt dies gegebenenfalls erst die Bereitschaft zu undifferenzierter Verallgemeinerung. Die Art der Fragestellung und deren statistische Aufbereitung präparieren einen kohärenten, überwiegend kognitiven Bestand an Kenntnissen und Urteilen heraus, der in der Vorstellungswelt der Befragten so nie existiert. Nicht zu übersehen ist ferner, daß in erheblichem Maße Wertvorstellungen der Forscher unreflekticrt in die Fragekategorie und deren Auswertung einfließen. Dagegen mutet es fast harmlos an, daß positive Äußerungen gerne als hoher Kenntnisstand, negative jedoch als Vorurteile verbucht werden. Wenn sogar so etwas wie Gesetze in der wechselseitigen Wahrnehmung von Kulturen postuliert werden, wie z.B. in der Sache nicht unbegründete "psychologische Gesetzmäßigkeiten (Koch-Hillebrecht 1977, 235-250), so liegt dies nicht zuletzt daran, daß mit "harten Erhebungsmethoden komplexe Bilder aus ihren Bedingungszusammenhängen herausgelöst werden. Eine inkonsistente, vielfältig transformier- und funktionalisierbare Imagerie verliert bei dieser Reduktion auf scheinbar objektive Begrifflichkeiten ihre bewegliche Vielgestalligkcit und Farbigkeit. Dem fluiden Charakter der Bilder angemessener sind noch weitgehend unerprobte "weiche, qualitative Erhebungsmethoden, die ihn in seinen jeweiligen Zusammenhängen erfassen und belassen. So gesehen ist es z.B. wenig relevant, wenn man gemessen hat. daß 65,5 Prozent der befragten Studierenden aus vier staatlichen amerikanischen Universitäten die Westdeutschen für fleißig halten (vgl. Stapf, Stoebe, Jonas 1986.106).
Um bei diesem willkürlichen Beispiel zu bleiben: interessanter wäre es zweifellos zu erfahren, welche Wertvorstcllungen sich mit Fleiß in welchen Schichten und Sozialmilieus, bei Männern und Frauen, in welchen Altersgruppen oder Ethnien verbinden. Nicht minder wichtig wäre die Frage nach Genese und Erwerb, nach individueller oder gesellschaftlicher Bedeutung solcher Vorstellungen. Ein solcher differenzierter Befund erschließt sich erst mit gleichermaßen differenzierten Fragestellungen.

Ein ertragreiches Verfahren besteht zum Beispiel darin, Bilder in ihrer jeweiligen kommunikativen Einbettung. z.B. mittels Erzählungen über das Fremde und Andere, zu erheben und zu analysieren. Dazu können etwa biographische Methoden (oral history) treten, die individuelle und kollektive Muster der Entstehung und Aneignung von Fremdbildern aufspüren. Wesentliche Gesichtspunkte des hier zu entwickelnden Bildbegriffs haben wir damit bereits benannt. Wir alle schöpfen, wie am Beispiel Koeppen gezeigt, aus einem kollektiven kulturellen Gedächtnis, einem - wenn man so will - imaginären Archiv, in dem die weit zurückgreifenden Erfahrungen von zum Teil jahrhundertealten Bildbeständen versammelt sind. Im Blick auf Amerika spricht Harold Jantz von "basic assumptions and fundamental myths that underlie the whole German (and European) image of America, subtly influenc-ing its shape, lines and coloring (Jantz 1977, 37). Trotz der rapiden Zunahme von immer unübersichtlicheren und in sich widersprüchlichen Informationen und Vorstellungen bleiben solche Grundmuster wirksam und formen und färben - weitgehend unbewußt - das aktuelle Bild von Amerika. Dazu gehören etwa die Vorstellung vom Goldenen Primitivismus, dem Edlen Wilden mit den Assoziationen von ursprünglicher, nicht durch Geschichte und Zivilisation korrumpierter Natur. Dazu gehört ferner der historische Mythos von der Westwanderung der Kultur, Amerika als Land der Verheißung, als Land der - unvermeidlich zitierten - unbegrenzten Möglichkeiten und der Zukunft. Es scheint so. als ob dieses besonders intensive utopische Traumbild leicht in ein nicht minder radikales Schreckbild umschlägt. Amerika erscheint dann als Land des maßlosen Kapitalismus, der ungezügelten Expansion, als aggressive Weltmacht, gepaart mit materialistischem Egoismus. Solche uns allen bezeichnenderweise wohlvertrauten Grundmuster fungieren häufig als Bezugsrahmen der Wahrnehmung und Deutung, wobei durchaus widersprüchliche Orientierungen koexistieren können.
Um noch einmal auf die Bestimmung des kulturellen Gedächtnisses im Sinne von Jan Assmann zurückzukommen: wir verstehen unter "Archiv die Gesamtheit der potentiell abrufbaren Erfahrungssedimenle, Mythen, Bild- und auch Wissensbestände. Es ist leicht vorstellbar, daß unterschiedliche Individuen und unterschiedliche Gruppen zu unterschiedlichen Zeiten unter sich verändernden Rahmenbedingungen die Bilder des kollektiven Reservoirs auf je eigene Weise abrufen, perspektivieren und in diesem Prozeß fortlaufend aneignen und verändern. Dieses umfassende Forschungsprogramm kann hier nicht durchgehend empirisch fundiert eingelöst werden.
Wir konzentrieren uns im folgenden auf die bereits genannten Problemkomplexe: psychologische Voraussetzungen der Selbst- und Fremderfahrung, kul-tur- und gruppenspezifische Aspekte des Bilderwerbs und -gebrauchs und historische Knotenpunkte, die die wechselseitige Wahrnehmung von Kulturen nachhaltig und folgenreich beeinflussen. Und schließlich fragen wir nach den jeweiligen individuellen und sozialen Funktionen von Bildern.


Fremdwahrnehmung

Zum Credo der interkulturellen Pädagogik gehört die Überzeugung, daß man erst in der Erfahrung des Fremden zu sich selbst komme. Das schließt an vertraute bürgerliche Selbstfindungskonzepte an, in denen das jugendliche Subjekt auf die Reise geschickt wird, um seinen Horizont zu erweitern und im Durchgang durch die fremde Kultur "reif zu werden. Identität auszubilden. Die Beliebtheit solcher Sinnkonstruktionen kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß ihre Voraussetzungen und Bedingungen längst fragwürdig geworden sind. Spätestens seit Freud gilt die Vorstellung von einer selbstbestimmten, autonomen Ich-Identität nicht mehr uneingeschränkt. Das Diktum Freuds, daß "das Ich nicht Herr sei in seinem eigenen Haus (Freud 1917, GW XII. 11), berührt auch unser Problem der Fremdwahrnehmung. Wenn das Sammeln von Erfahrungen in der Fremde als Weg zur Bildung des Individuums verstanden wird, so steht dahinter die Auffassung von einer überwiegend kognitiven, vernünftigen Ich-Findung. So trivial es ist, es muß doch immer wieder betont werden, in welchem Maße affektive und unbewußte Anteile in die Begegnung mit dem Fremden eingehen. Projektionen, Gegenübertragungen, die Faszination des Exotischen und Xenophobie sind überwiegend unbewußte Vorgänge, die das Verhältnis zum Fremden immer prägen.

Der Ethnopsychoanalytiker Mario Erdheim versucht modellhaft zu fassen, wie sich in der psychischen Entwicklung des Individuums die Voraussetzungen für die Beziehung zum Fremden ausbilden. Ausgehend von der frühkindlichen Phase - die erste Erfahrung des Fremden löst Angst aus, fremd ist, was "Nicht-Mutter ist - betont er in stärkerem Maße den Wandel der "Repäsentanz des Fremden in der Adoleszenz. Die Repräsentanz des Vaters als erste Instanz der Kultur bedarf der Umwandlung und Erweiterung, um zur Kulturimago zu werden (Erdheim 1988, 240). Der Ethnopsychoanalytiker nimmt an,

daß diese Repräsentanz des Fremden ebenso entwicklungsfähig oder stagnierend sein kann wie diejenigen von Mutter und Vater; sie kann - kontaminiert von den elterlichen Repräsentanzen - die archaischen Züge behalten, die wir in vielen Feindbildern erkennen können, oder sie reift mit der Ich-Entwicklung heran zu einem das Interesse und die Neugierde wachhaltenden Moment des Lebens (ebd. 240).

Bei aller notwendigen Verkürzung kann man also annehmen, daß der gelungene oder nicht gelungene "Abschied von den Eltern, Urvertrauen oder Angst als Erbe der Familiengeschichte darüber mitentscheidet, ob das Fremde als Bereicherung oder als Bedrohung des Eigenen erlebt wird. Was die Bedrohung durch das Fremde angeht, so entsteht sie nicht zuletzt, im Sinne des psychoanalytischen Projektionsbegriffes, durch die Abspaltung unterdrückter Ich-Anteile. Projektion erscheint immer als Abwehr, in der das Subjekt dem Anderen - sei es eine Person oder eine Sache - das zuweist, was es für sich selbst verleugnet oder abwehrt.














Haupt | Fügen Sie Referat | Kontakt | Impressum | Datenschutz







Neu artikel