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Der Ausbau des Hauses Europa




Der Ausbau des Hauses Europa

Der Ausbau des Hauses Europa war der Begriff der 1990er Jahre, von Gorbatschow geprägt, medial rmarktet, mit dem das Grundprinzip des europäischen Einigungsprozesses angesprochen wurde: der Begriff des Hauses, ein Terminus, mit dem im 18. Jahrhundert die europäischen Dynastien, allen voran die Habsburger, erfolgreich ihre Territorien rgrößert haben. Sie taten dies mittels der Politik der Vereinigung oder Abrundung der jeweiligen Hoheitsgebiete durch Eherträge zwischen den Herrscherhäusern.
In das 21. Jahrhundert transferiert, könnte der von den Habsburgem übernommene und auf die Europäische Union angewandte Spruch daher lauten: "Andere mögen Kriege führen, du, glückliches Europa, schließe Verträge.
Damit ist die entscheidende Aussage getroffen. Sie lautet: "Was die EU ist, ist sie durch Verträge. Es hat ein halbes Jahrhundert in Anspruch genommen, das Haus Europa zu schaffen. Die Namen von Städten markieren die Schritte der geographischen Konstruktion von Europa durch die Aufnahme weiterer Mitglieder und eine entsprechende Erweiterung des Territoriums. Insgesamt sind 5 Erweiterungsschritte erfolgt, darunter der letzte 2004, welcher die Teilung Europas annulliert und West und Ost reinigt hat.

Die Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) 1951

1950 schlug der französische Außenminister Robert Schuman (1886-1963) die Integration der westeuropäischen Kohle- und Stahlindustrie vor: "Europa lässt sich nicht mit einem Schlage herstellen und auch nicht durch eine einfache Zusammenfassung: Es wird durch konkrete Handlungen entstehen, die zunächst eine Solidarität der Tat schaffen (Robert Schuman, Deklaration fundamentale de la CECA, Paris, 9. Mai 1950, in: Idee Europa, 2003, S.320).


Am 9. Mai 1950 präsentierte also Robert Schuman seinen mit Jean Monnet, dem Leiter des französischen Wiederaufbau- und Modernisierungsprogramms, erarbeiteten Plan für eine Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS, französisch: CECA). Er bezeichnete die Gemeinschaft "als historische Initiative für ein organisiertes und lebendiges Europa, die für die Zivilisation unerlässlieh sei, "ohne sie könne der Frieden der Welt nicht gewahrt werden. Der jahrhundertelange Gegensatz zwischen Frankreich und Deutschland müsse ausgelöscht werden. Die Zusammenlegung der wirtschaftlichen Interessen werde zur Hebung des Lebensstandards und zur Schaffung einer Wirtschaftsgemeinschaft führen (ebenda).
Die USA förderten die Initiative angesichts der Wiederaufrüstung der Sowjetunion, die, wie seit September 1949 bekannt war, sich im Besitz der Atombombe befand. Am 18. April 1951 unterzeichneten Frankreich, Deutschland, die Benelux-Staa-ten und Italien in Paris den Vertrag über die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl.

Ein Blick auf die Karte des europäischen Mittelalters belegt, dass es sich um einen Nachbau des Reiches von Karl dem Großen handelte. Der Begriff von Kerneuropa ist angebracht. Die Befugnis, Entscheidungen über die Kohle- und Stahlindustrie in diesen Ländern zu fällen, erhielt ein unabhängiges, übernationales Gremium, die so genannte "Hohe Behörde. Ihr erster Präsident war Jean Monnet, der nochmals zitiert sei: "Wir können nicht oft genug wiederholen, dass die sechs Länder, aus denen die Gemeinschaft besteht, die Pioniere eines erweiterten Europas sind. Dessen Grenzen sind nur durch diejenigen festgelegt, die noch nicht beigetreten sind. Unsere Gemeinschaft ist keine Vereinigung der Produzenten von Kohle und Stahl: Sie ist der Beginn Europas (Idee Europa, 2003, S. 322).

Die Römischen Verträge 1957

Die EGKS war ein derartiger Erfolg, dass ihre sechs Gründungsmitglieder nach wenigen Jahren übereinkamen, eine Integration weiterer Bereiche ihrer Wirtschaft vorzunehmen. 1957 unterzeichneten sie die Verträge von Rom und gründeten damit die Europäische Atomgemeinschaft (EURATOM) und die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG). Die Verträge wurden auf dem römischen Kapitol unterzeichnet. Mit diesem symbolischen Ort knüpfte die Gemeinschaft an die republikanische Tradition der Antike als historischer Auftrag zur Erfüllung des Vertragswerkes an. Die EWG verfolgte die Integration Europas als Wirtschafts- und Währungsunion, Zollunion und als Gemeinsamer Markt. Es war das Verdienst von Charles de Gaulle, die Gemeinsame Agrarpolitik, GAP, 1961 forciert zu haben. Andererseits wandte er sich gegen ein supranationales Europa und ebenso gegen den Beitritt Englands, das er wegen seiner Bindung an die USA von der EWG fernzuhalten wünschte. Charles de Gaulle vertrat den Hegemonieanspruch Frankreichs in Europa und gleichzeitig die Idee eines "Europas der Vaterländer sowie die Idee eines militärisch von den USA unabhängigen Europa.
1960 besaß Frankreich die Atombombe, 1966 trat es aus der NATO aus.

In den 1960er Jahren ging die innere Durch-strukturierung der Gemeinschaft weiter. 1967 entstanden die drei Organe der Europäischen Gemeinschaft: eine gemeinsame Kommission und ein gemeinsamer Ministerrat sowie das Europäische Parlament.

Nach Charles de Gaulles Ausscheiden aus der französischen Politik änderte Willy Brandt die deutsche Ostpolitik. Als deren Ergebnis wurden 1973 beide deutschen Staaten als UN-Mitglieder akzeptiert. Damit war die Teilung Europas und Deutschlands scheinbar zementiert. Niemand konnte damals voraussehen, dass sie nur noch weitere 16 Jahre fortdauern sollte.

Nordwest- und Südwesterweiterung der EG

Das Ausscheiden Charles de Gaulles aus der Europapolitik hatte noch eine weitere Konsequenz, nämlich die erste geographische Erweiterung der EG. Zwei Jahrzehnte nach der Gründung der EGKS, im Jahr der Anerkennung der Selbständigkeit der DDR, erfolgte die Aufnahme von Großbritannien, Irland und Dänemark in die Europäische Gemeinschaft. Damit formierte sich Westeuropa einschließlich Westdeutschlands und separierte sich von dem Raum, der im Osten des Eisernen Vorhangs nahezu zu einem geistigen Niemandsland verkümmerte. Die Staatengemeinschaft wuchs mit dieser ersten Erweiterung von 168 Mio. (1958) auf 256 Mio. (1973) Einwohner an. Der große Abstand von zwei Jahrzehnten zwischen der Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl und der ersten Erweiterung verweist auf die Tatsache, dass nach dem ersten großen Schwung des Zusammenschlusses insgesamt nationale Interessen wieder die Oberhand gewonnen hatten. Diesen nationalen Interessen fielen auch die Bemühungen der Gründerväter um eine gemeinsame politische Organisation und ebenso um eine gemeinsame militärische Organisation zum Opfer.

Es dauerte weitere eineinhalb Jahrzehnte von der Nordwesterweiterung der EG bis zur wichtigen Erweiterung nach dem Südwesten. In der Zeitgeschichte wird der Abschnitt zwischen 1973 und 1986 auch gerne als eine Periode der Eurosklerose angesehen. Zwar wurde 1981 Griechenland als Mitglied in die EG aufgenommen, doch erfolgte diese Aufnahme mit Rücksicht auf die NATO, welche den räumlichen Anschluss an das NATO-Mitglied Türkei verbessern wollte. Mit der Aufnahme von Spanien und Portugal im Jahre 1986 war die Atlantikfront der Europäischen Gemeinschaft geschlossen, gleichzeitig ergab sich jedoch die Notwendigkeit, mit Rücksicht auf die innere Kohäsion neue Strukturprogramme zum Abbau der regionalen Disparitäten zu entwickeln. Mit der Südwesterweiterung begann die erfolgreiche Regionalpolitik der EG (vgl. Kapitel 5). Die EG umfasste damit 1986 12 Staaten mit insgesamt 321 Mio. Einwohnern und erhielt ihre bis heute gültige internationale Symbolik.


Das Geodesign von Europa 1989

Es ist ein historischer Zufall, dass im Jahr 1989, knapp vor der Beseitigung des Eisernen Vorhangs und der Aufhebung der Teilung Europas, eine aus der französischen Raumordnung stammende Sichtweise als popularisierter Sachverhalt einen breiten medialen Effekt erzeugt hat. Es handelt sich um die Konzeption der Megalopolis und des Sunbelts in Europa von dem französischen Geographen Brunet, der eine funktionelle Analyse von 165 Agglomerationen der Europäischen Gemeinschaft durchgeführt und unter dem Titel "Les villes euro-peennes veröffentlicht hat. Die Detailuntersuchungen gingen jedoch über die Analyse der Funktionen von Städten und die Gewinnung von Stadtprofilen hinaus und erbrachten die Grundlage für die raumordnungspolitische Gliederung der Europäischen Gemeinschaft. Die Publikation hat sehr rasch eine außerordentliche Popularität gewonnen, da sie im Stil des Geodesigns die in Nordamerika verwendeten griffigen räumlichen Großkategorien Megalopolis und Sunbelt auf die Europäische Gemeinschaft übertragen hat (Abb. 4.20). In der seither immer wieder veröffentlichten und überarbeiteten Raumordnungsskizze von Westeuropa wurden vier Gebiete unterschieden:

1. Das metropolitane Rückgrat von Europa bildet die westeuropäische Megalopolis, im Jargon der Medien als "Banane popularisiert. Sie beginnt im Norden mit London und reicht über das so genannte "Goldene Dreieck nach Süden bis in den Raum von Mailand in Oberitalien.
2. Der Freizeitgesellschaft dieser Megalopolis dienen die Freizeitsiedlungen im Raum des Sunbelts. Die Analogien zu Nordamerika sind offensichtlich.
3. Zwei Peripherien stehen den Kernräumen gegenüber: eine atlantische von Irland über Wales bis Nordportugal und eine mediterrane, welche Südspanien, Süditalien und Griechenland umfasst. Die 1989 von der EU-Kommission ins Leben gerufenen Regionalprogramme dienen dem Ausgleich der Nord-Süd-Gegensätze zugunsten der wirtschaftlich unterentwickelten Staaten im Süden, wie Spanien, Portugal, Griechenland, welche als politisch "junge Demokratien in die Europäische Gemeinschaft aufgenommen wurden.
Nun ist die Teilung Europas seit eineinhalb Jahrzehnten vorüber. Es zählt zu den interessanten Verzögerungseffekten in der Wahrnehmung der geänderten politischen Verhältnisse, dass die Bananenkonzeption noch immer die internationale Literatur bestimmt und inzwischen von der Geographie auch in die Sozialwissenschaften und in das Management diffundiert ist.
Es ist das Verdienst von tschechischen Geographen, 1992 als Erste die Konzeption der Megalopo-lis durch eine zweite ökonomische Achse von Wien über Prag nach Berlin und Kopenhagen erweitert zu haben. Darin spiegelte sich die sehr rasche Reaktion der so genannten Visegräd-Staaten auf die Auflösung des Warschauer Paktes wider, ebenso die Akzeptanz des wieder entdeckten Mitteleuropabegriffes mit Deutschland und Österreich.
Die Osterweiterung der EU hat nunmehr eine klare Doppelung der Megalopolis bewirkt. Damit ist die Teilung Europas überwunden. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts bestimmt diese Konzeption die wissenschaftliche Literatur und die Medien.

Von der EG zur WWU

Der Zusammenbruch des COMECON und die Auflösung des Warschauer Paktes 1989 brachten der EG den enormen Entwicklungsschub der 1990er Jahre. 1992 begründete der Vertrag von Maastricht die Europäische Union und die Wirtschafts- und Währungsunion (WWU), was die Einführung einer einheitlichen europäischen Währung unter der Aufsicht einer europäischen Zentralbank bedeutete. Die vierte Erweiterung 1995 rundete das Terrain der EU bis zum ehemaligen Eisernen Vorhang, der als Wohlstandskante bis heute weiter besteht, ab und brachte die bisherigen Mitglieder der 1960 gegründeten EFTA, die neutralen Staaten Österreich, Finnland und Schweden, als neue Mitgliedsländer in die EU. Mit insgesamt 15 Mitgliedstaaten zählte die EU im Jahr 1995 381 Mio. Einwohner.
Am 1.1.2002 erfolgte die Einführung einer einheitlichen Währung. Damit entstand die Eurozone, der sich bisher nur drei Staaten der nördlichen und nordwestlichen Peripherie nicht angeschlossen haben, nämlich Großbritannien, Dänemark und Schweden.
Die größte Herausforderung und das wichtigste Arbeitsprojekt der 1990er Jahre bestand jedoch in der Vorbereitung der Integration der von der Decke des Kommunismus befreiten Staaten Mittel- und Osteuropas. Die Vorbereitungen hierzu begannen auf dem EU-Gipfel in Kopenhagen 1993. Die Etappen der Verhandlungen sind heute Geschichte.

Mit dem Beitritt von zehn neuen Mitgliedstaaten am 1. Mai 2004 hat die Europäische Union den mit Abstand größten Erweiterungsschritt getan. Die Bevölkerung der Union ist damit von 381 auf 455 Mio. gewachsen. Das bedeutet, dass die neuen Mitglieder einen Anteil von 16% an der Bevölkerung der EU-25 haben. Mit einer Fläche von 0,739 Mio. qkm beträgt ihr Anteil 19% der Fläche der EU-25.















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