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Erarbeitung eines Kommunikationsmodells








Bei den Sprachdefinitionen wurde deutlich, dass Sprache vor allem unter zwei Hauptaspekten gesehen werden muss: unter funktio­nalem Aspekt, als Kommunikationsmittel, und unter formalem Aspekt, als Zeichensystem. Damit kann die Linguistik als Hauptgebiet sowohl der Kommunikationswissenschaft als auch der Semiotik (Zeichentheorie) gesehen werden. Um das zu verdeutlichen, werden im Folgenden der sprachliche Kommunika-tionsprozess anhand eines einfachen Modells erarbeitet und einige zeichentheoretische Entwürfe behandelt.



Kommunikation ist rständigung durch Informationsvermittlung. Ihre Prozesse sind so alltäglich, dass uns deren Kompliziertheit erst bewusst wird, wenn rständigungsprobleme auftauchen. Um solche verstehen und lösen zu können, ist es notwendig, sich grund­sätzlich über die Elemente des Kommunikationsprozesses und die Faktoren, die ihn beeinflussen, klar zu werden.

Dazu kann – wie bei anderen komplexen Phänomenen – ein Modell dienen. Modelle sind schematische Darstellungen komplizierter Objekte oder Vorgänge. Sie vereinfachen und beschränken sich auf das Wesentliche. Wir benutzen täglich einfache Modelle – vom Busfahr bis zur Gebrauchsanweisung.



Wie kann nun ein Kommunikationsprozess als Modell dargestellt werden? Dazu gehen wir von einem einfachen Dialog als Beispiel aus:



Studentin: “Hier! Ich war in der Bibliothek. Du wolltest doch das neue Vorlesungsverzeichnis.”

Student: “Danke. – Mensch, du bist ja wie’ne Mutter zu mir.”



Die 4 Elemente dieses Dialogs – 2 Personen und ihre Außerungen – ergeben als Prozess zunächst folgendes Schema, wobei die Terminologie zum Teil aus der Nachrichtentechnik stammt:



Sprecher (/Hörer) Text1 (Außerung) Hörer (/Sprecher)

(=Sender) (=Nachricht) (=Empfänger)

(=Emittent) (Mitteilung) …(=Rezipient)





Text2 (Reaktion)



Doch dieses simple Modell gibt nur einen ganz oberflächlichen Ein­druck wieder. Die Funktionsweise von Kommunikationsprozessen ist weitaus komplizierter.

Die Kommunikation beginnt mit der Intention (Absicht) des Spre­chers, dem Hörer etwas mitzuteilen, z.B. ihn etwas zu fragen, ihm etwas zu befehlen oder dgl., wir sagen: einen Sprechakt (eine Sprechhandlung) zu vollziehen, um eine bestimmte Reaktion beim Hörer zu erreichen, und sei es nur das Zur-Kenntnis-Nehmen und rstehen. Bei der Intention (im weiteren Sinne) können wir das Motiv (warum etwas gesagt wird), das Thema (worüber gesprochen wird) und die Form (wie es gesagt wird) unterscheiden.



So äußert die Studentin das Wort hier und zwei Aussagesätze (Form) über ihre Abwesenheit und seinen früheren Wunsch (Thema), was unschwer als Aufforderung zur Kenntnisnahme (hier = Hinweis auf das Vorlesungsverezeichnis), als Erklärung, woher das Vorlesungsverzeichnis stammt, und als Begründung für ihre Handlungsweise (vgl. das Wort doch) verstanden werden kann. Also liegen 3 Motive vor, wobei Aufforderung und Begründung in diesem Beispiel redundant (überflüssig) scheinen. Solche Redundanzen finden sich aber auf allen Ebenen der Kommunikation in Fülle. Sie helfen, die rständigung zu sichern – „Doppelt hält besser“. Ob man hier nun 3 Sprechakte ansetzt und sie etwa in einen „Kommunikationsakt“ zusammenfasst, ist Definitionssache.

Das Sprechen/Schreiben selbst geschieht mehr oder weniger bewusst nach grammatischen Regeln auf verschiedenen Stufen. Das Sprechen wird von paralinguistischen Erscheinungen (non­verbale Zeichen) wie Gestik und Mimik begleitet. Dieser ganze Vorgang heißt (En-)Kodierung.

Die Sprecherin benutzt das entsprechende Vokabular, Tempus, Wortstellung, Aussprache, Intonation usw.

Abschließend wird der Text durch ein physikalisches Medium übertragen, entweder direkt oder mit technischen Hilfsmitteln. Dabei können diverse Störungen auftreten und die Kommunikation beein­trächtigen, z.B. laute Nebengeräusche (technisch: “Rauschen”).

Der Hörer dekodiert den Text, um die Intention des Sprechers zu verstehen. Dieser Vorgang darf jedoch nicht als direkte spiegelbild­liche Umkehrung der Sprecherseite verstanden werden. (Auch die oft gebrauchte Formulierung, der Sprecher äußere eine Vorstellung V mit dem Ziel, eine möglichst identische Vorstellung V’ beim Hörer zu erzeugen, erfasst noch nicht das Wesentliche des Kommunika­tionsaktes.)

Der Hörer kann übrigens auch Informationen aus dem rhalten des Sprechers entnehmen, die dieser gar nicht intendiert hat, etwa rle­genheit wahrnehmen.

Mit der Reaktion des Hörers beginnt, streng genommen, ein neuer Kommunikationsakt, bei dem die Rollen vertauscht sind.

Der Sprechakt des Studenten kann als Danken identifiziert werden und, wenn der rgleich wie ’ne Mutter eine positive Bedeutung (Liebe, Fürsorge) impliziert, auch als Lob.

Bei der Kodierung und Dekodierung ist aber noch zu berück­sichtigen, dass zwischen den Kodes (Bedeutungen und gram­matische Regeln) der Partner je nach Herkunft, Alter usw. Unter­schiede bestehen, die die rständigung beeinflussen.



Ebenso können auch die Konnotationen (emotionale und wertende Nebenbedeutungen der Begriffe) abweichen.

Z.B. könnte das Wort Mutter auch die Assoziation aufdringlicher Bevormundung erwecken, wodurch der Sprechakt des Lobens in die Nähe von Kritik verschoben werden würde.

Schließlich spielen bei der Produktion und Einschätzung sprachlicher Handlungen ganz allgemein soziale Erfahrungen und Normen eine Rolle.

So können die Anrede du und burschikose Ausrufe wie “Mensch!” nicht in beliebigen Situationen verwendet werden (wenn sich auch in den letzten Jahrzehnten eine allgemeine Lockerung verkrusteter rhaltensnormen abzeichnet).

Bisher ist der Kommunikationsprozess auf die Personen und ihre Außerungen beschränkt geblieben. Er wird aber darüberhinaus von der gesamten Situation beeinflusst, zunächst im engeren Sinne des “Wo? Wann? Mit wem? Unter welchen Bedingungen?”, darüber­hinaus aber auch von vielen weiteren Faktoren der außersprachali­chen Wirklichkeit.

Der knappe Redestil der Studentin könnte z.B auf Zeitmangel oder Abgespanntheit zurückzuführen sein; seine Antwort wiederum auf die aktuelle Wichtigkeit und Dringlichkeit hindeuten, gerade jetzt das Dokument zu erhalten; usw.

So kann ein detailliertes (jedoch keineswegs ausschöpfendes) Kom­munikationsmodell erstellt werden, in das alle möglichen Parameter und Faktoren integriert werden. Im Laufe der Zeit sind zahllose Modelle vorgeschlagen worden, von sehr einfachen bis hin zu solchen mit Hunderten von Faktoren. Es wurde oben gesagt, dass Modelle vereinfachen und sich auf das Wesentliche beschränken, dass sie also abstrahieren. Obwohl manche Kommunikations­modelle sehr detailliert sind, enthalten sie doch immer nur einen Bruchteil der zahllosen Elemente, die zu einer realen Situation gehören. Die übrigen sind aber für die rständigung in den meisten Fällen so belanglos wie etwa die Haarfarbe der Kommunika­tionspartner.



Modelle dienen auch der Anwendung wissenschaftlicher rsu­che. Um z.B. die Hypothese zu beweisen, dass das Alter eines Sprechers Einfluss auf seine Sprachproduktion hat, müsste eine rsuchsreihe so arrangiert werden, dass Sprecher verschiedenen Alters in genau gleichen Situationen beobachtet werden, bei der also alle übrigen Einflüsse möglichst konstant gehalten werden. Die Schwierigkeiten solcher “rsuche” liegen auf der Hand.









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