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Das christliche Europa




Das christliche Europa

Die Entstehung des Christentums bildete eine neue Epoche der europäischen Entwicklung (Abb. 3.8). Im Folgenden wird auf die bis zur Gegenwart herauf normenbildende Institution der Papstkirche und die geistlichen Hausgemeinschaften, die Orden und Klöster, eingegangen.

Die Papstkirche

Unter Kaiser Theodosius wurde das Christentum im Jahre 391 Staatsreligion und übernahm die hierarchische Ordnung der Reichsverfassung.
Auf die Spaltung von Ost- und Westrom und die darauf fußende Teilung der Organisation des Christentums wurde bereits hingewiesen. Während der Patriarch in Konstantinopel jedoch in direkte Abhängigkeit vom oströmischen Kaiser geriet, konnte sich die Papstkirche zu einer autonomen Macht entwickeln. Hierbei war der geographische Faktor der räumlichen Distanz zwischen Rom und dem Zentralraum des Frankenreiches um Aachen, später dem Deutschen Reich nördlich der Alpen eine ganz wesentliche Voraussetzung.
Der Aufstieg des Frankenreiches zu einer den größeren Teil des Abendlandes beherrschenden Macht hat zur politischen Verbindung zwischen Papst und Frankenkönig und schließlich zur Erneuerung des Kaisertums als eine die Kirche beschützende Macht durch die Krönung Karls des Großen im Jahre 800 geführt.




Nach dem Zerfall des Reiches von Karl dem Großen versuchte die Papstkirche, eine weltliche Leitungsposition zu erlangen. Die Analyse der Briefadressen von Gregor VII. im 11. Jahrhundert lässt die Weltpolitik des Papstes erkennen (Bartlett 1996, S.306f.). 1122 wurde das erste Konkordat zwischen Kaiser und Reich, das Wormser Konkordat, geschlossen. Es bedeutete nach langen Auseinandersetzungen die Anerkennung einer je eigenen Sphäre der beiden Mächte, welche auch spätere Konflikte nicht mehr grundsätzlich ändern konnten. Der Dualismus von Kirche und Staat gehört zu den sozialgeschichtlich erstrangigen Tatsachen Europas.

Wenn auch das Papsttum gegenüber dem Kaiser in seinen Ansprüchen nicht völlig durchgedrungen ist, so gelang es ihm doch, die zentralistische Leitung innerhalb der Kirche durchzusetzen und die Besetzung der Kirchenämter in seine Hand zu bringen. Unter der obersten Gesetzgebungs-, Gerichts- und Verwaltungshoheit des Papstes wurde die römische Kurie der erste voll entwickelte zentrale Behördenapparat in Europa und diente als Vorbild für den modernen weltlichen Flächenstaat.
Aufgrund der Vielzahl und des Umfangs kirchlicher Einnahmen ging ein stetiger bedeutender Geldstrom nach Rom. Die Kurie entwickelte sich zur führenden Finanzmacht des mittelalterlichen Europa. In Zusammenhang mit der päpstlichen Finanzverwaltung entstanden die ersten großen Bankhäuser in Siena und Florenz. Hier wurden der Frühkapitalismus begründet sowie ein eigenes Handelsrecht und die verschiedenen Formen der Handelsgesellschaften entwickelt, die den Römern unbekannt waren. Es entstanden der Wechselbrief als Instrument der Geldüberweisung und des Geldverkehrs und die Buchhaltung, die schließlich zu einer doppelten Buchhaltung wurde und damit eine exakte Ertrags- und Kapitalrechnung gestattete.
1870 beendeten die Truppen Garibaldis die weltliche Herrschaft des Papstes in Mittelitalien. Es blieb nur der Vatikanstaat - mit 0,44 qkm der kleinste Staat der Welt - als Stadtteil von Rom und als Domizil des Papstes erhalten.


Orden und Klöster

Im mittelalterlichen Europa besaßen genossenschaftliche und kommunale Sozialformen, darunter geistliche Hausgemeinschaften, eine große Bedeutung (Mitterauer 1997, S.W)ff.) Seit damals sind Klöster ein ganz wesentliches Element der europäischen Kulturlandschaft. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass sie nur auf der Grundlage weltlichen Besitzes existieren können.

Mit einer umfangreichen, später auf "ora et labora verkürzten Regel gründete Benedikt von Nursia 529 das Kloster Monte Cassino im südlichen Latium, welches im Zweiten Weltkrieg von amerikanischen Bombern zerstört, inzwischen aber wieder aufgebaut wurde. Durch die hohe Wertschätzung der Arbeit, die auch soziale Aktivitäten einschloss, bestand bei den Benediktinern stets eine ausgeprägte Weltoffenheit. Der zwischen 816 und 830 angefertigte Sankt Gallener Klosterplan belegt die Dimensionen eines bene-diktinischen Großklosters in fränkischer Zeit. Er bildete durch Jahrhunderte hindurch das Vorbild für die Struktur des europäischen Klosterbaus (Abb. 3.9). Der auf Pergament mit roter Tinte erstellte Klosterplan stellt eine Klosterstadt mit 55 Gebäudetypen für Krankenhaus, Schule und Hospiz, mit Werkstätten für zahlreiche Holz und Leder verarbeitende Gewerbe, mit Wirtschaftsgebäuden, Herbergen, Ställen usw. dar. Mit einer Schenkung von Wilhelm von Aqui-tanien im Jahr 910 entstand Cluny in Frankreich als Zentrum einer Libertas-Ecclesiae-Bewegung, die eine von Adel und König weitgehend unabhängige Kirche forderte. Um 1000 gehörten über 1.000 Klöster - allerdings vorwiegend in Frankreich - zu Cluny, dessen Abt als "Mönchskönig der zweitmächtigste Mann in der Kirche hinter dem Papst war. An Prunk und Luxus wurden europäische Maßstäbe gesetzt. Von europäischer Bedeutung wurde der von Bernhard von Clairvaux im 11. Jahrhundert aufgewertete Zisterzienserorden für die Kolonisation (Abb.3.10): Als Bernhard 1153 starb, gab es bereits 400 Klöster. Der Orden stand in engem Kontakt mit den Kaisern und kann bezüglich der Landwirtschaft und Montanindustrie in die Ahnenreihe des Kapitalismus gestellt werden (Knieschek 2001, S.Vf).
Mit dem Aufruf Papst Urbans II. zum Kreuzzug 1095 kam es zur Bildung von Ritterorden. Im Folgenden die Gründungsjahre: 1098 die Johanniter, 1128 die Tempelritter und 1190 der Deutsche Ritterorden. Angehörige der feudalen Herrenschicht bildeten als Mönchsritter internationale Heeresverbände mit ausgebauter straffer Organisation.

Die Johanniter errichteten auf Zypern (1291 bis 1310), Rhodos (1310 und 1522) und Malta (1530 bis 1798) jeweils eigene Staaten. Der Deutsche Ritterorden schuf im Baltikum den damals modernsten Staat Europas, der vom Hochmeister Albrecht von Brandenburg-Preußen 1525 säkularisiert wurde.
Aufgrund der Armut in den großen Städten entstanden Anfang des 13. Jahrhunderts die Bettelorden: 1216 die Dominikaner und 1223 die Franziskaner (Ordo Fratrum Minorum), welche Wanderpredigt, Mission, Krankenpflege und Armenfürsorge als primäre Aufgaben ansahen. Ende des 13.Jahr-hunderts bestanden bereits 590 Konvente und 58 Dominikanerinnenklöster. Dominikaner und Franziskaner spezialisierten sich in der hochmittelalterlichen Bildungsbewegung auf die Predigt und intensivierten die schulische und universitäre Tätigkeit. Mit Albertus Magnus, Thomas von Aquin, Meister Eckhart und Heinrich Seuse einerseits, Bonaventura, Roger Bacon und Wilhelm von Ockham andererseits besaßen beide Orden Protagonisten mittelalterlichen Denkens in ihren Reihen (Knie-schek2001, S.17).
Im Zeitalter der Gegenreformation erfolgten weitere Ordensgründungen, von denen die 1531* entstandenen Jesuiten durch ihren Jahrhunderte währenden Einfluss auf den Universitäten und als fürstliche Berater von besonderer Bedeutung waren.
In Klöstern entwickelte sich die europäische Form des Lernens als das Lernen in Gruppen. Alle Institutionen, wie Arbeits-, Waisen- und Krankenhäuser, Gefängnisse, Internate und Kasernen, sind der Disziplinierungsanstalt Kloster nachgebildet. Disziplinierung bedeutete die Einhaltung einer genauen Zeiteinteilung von Gebet, Arbeit und allen sonstigen täglichen Verrichtungen. Sie wurde von den Manufakturen des 18. und 19, Jahrhunderts übernommen (Knieschek 2001, S. 20). Im aufgeklärten Absolutismus wird das "Polizeistaberl mit den Polizeiordnungen ein Ausdruck systematischer sozialer Disziplinierung.

Max Weber hat dem Klosterwesen eine bedeutende Funktion für die politische und gesellschaftliche Entwicklung Europas beigemessen. Die Disziplinierung der Europäer in Armee, Verwaltung, Schule und Kirche bildete die Voraussetzung für die Demokratisierung im 20. Jahrhundert (ebenda, S. 21). Die Entwicklung der Klöster ist jedoch keineswegs eine bis in die Gegenwart heraufreichende Erfolgsgeschichte. Der erste entscheidende Einbruch in das Klosterwesen erfolgte durch die Reformation. Das Beispiel von Luther setzte nicht nur von unten her dem Klosterwesen in den protestantischen Ländern ein Ende, sondern gab dem Landesfürsten die Möglichkeit des Einziehens von umfangreichen Besitzungen, eine Tendenz, die sich nochmals im Zeitalter der Aufklärung wiederholte, als zum Beispiel Joseph II. in der Donaumonarchie 1091 Klöster enteignete (Plöckl, HRG 2, 1978, S.«t36), um dem entstehenden Verwaltungsapparat des Staates die notwendig gewordenen Bauobjekte zuteilen zu können.
Nichtsdestoweniger hat sich das Ordenswesen bis heute erhalten, und zwar weniger als geistliche Institution, sondern vielmehr in vielen Fällen als wichtige lokale sozioökonomische Institution. In geschickter Adaptierung an die Bedürfnisse der Zeit haben zuerst große Klöster in den Städten frühere Wirtschaftsgebäude in Wohnhöfe umgestaltet und damit die Agrarrente in eine neue rentenkapitalistische Form transformiert. In ländlichen Räumen wurden Klöster zu Zentren des Manufakturwesens und der Industrie, haben aber auch Bildungsaufgaben - wie das höhere Schulwesen an sich gebunden. Nach der Wende sind auch die orthodoxen Klöster wieder zugänglich geworden (Abb. 3.11) und ebenso wie die Meteroaklöster in Thessalien (Abb.3.12) zu Objekten des Fremdenverkehrs geworden.














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