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Adel, Rittertum und Burgen - Auserwählt in Gottes Ordnung



Adel, Rittertum und Burgen - Auserwählt in Gottes Ordnung

Die Faszination des Adels ist auch heute noch ungebrochen, und etwas von der Aura des Auserwähltsein und Besonderen scheint sich vom Mittelalter bis in unsere moderne Zeit erhalten zu haben. Kein Mittelaltermarkt kommt ohne Ritterspiele und Turniere aus, die Tausende anziehen. Und seit der Romantik gehören die zahllosen Burgruinen unseres Landes zu den festen Bestandteilen gemütvoller rgangenheitsannäherung.

Ritter - Ideal und Wirklichkeit

Unter einem Ritter verstand man im Mittelalter im Allgemeinen zunächst einen gepanzerten Reiter, egal, ob es sich um den König oder um einen unfreien Dienstmann handelte. Erst im Spätmittelalter wurde dieser Begriff auf den niederen Adel eingegrenzt. Ritter als Berufskämpfer entwickelten sich erst allmählich ab der Karolingerzeit. Ursprünglich waren alle Bauern zur Heerfolge verpflichtet, doch diese entzogen sich immer mehr dieser Aufgabe, indem sie ihr Land einem Grundherrn übergaben, der ihnen dafür Schutz und Militärdienst versprach. Dank der Abgaben der Bauern konnte der Grundherr sich Pferd und Rüstung sowie längere Abwesenheit von seinem Land leisten. Diese Entwicklung war wohl im 10. Jh. abgeschlossen. Die Salier, vor allem aber die Staufer, setzten zur Verwaltung ihres Reichs- und Hausgutes bevorzugt unfreie Dienstmannen ein, die Ministerialen. Sie bildeten für die Herrscher ein verlässliches Gegengewicht gegen den Hochadel, der vorrangig seine eigene Machterweiterung auf Kosten des Königs betrieb. Die Ministerialen konnten unter den Staufern zu höchsten Ämtern aufsteigen. Aus ihnen entwickelte sich im Spätmittelalter der niedere Adel. Neben einer Stammburg, nach der sich das Geschlecht oft benannte, waren Siegel und Wappen ab dem Hochmittelalter unerlässlich.

In der Stauferzeit kam es zur wohl größten Blüte des Rittertums, untrennbar verbunden mit der Minnedichtung. Darin wird das Ideal einer selbstlosen, aber körperlich unerfüllten Liebe zu einer höher stehenden adeligen Dame beschworen. Doch handelt es sich dabei weniger um die Beschreibung der Realität als vielmehr um romantisch verbrämte Dichtung. Auch die übrigen Charaktereigenschaften wie Kampf und Schutz für Witwen und Waisen, Maßhaltung in allen Lebenslagen, Tapferkeit, Milde, Güte, Beherrschung des gesellschaftlichen Umgangs etc., die höfischen Tugenden, scheinen mehr einem von Kirche und Hochadel propagierten Ideal als der Wirklichkeit entsprochen zu haben. Dennoch prägten sie das Selbstverständnis des Adels bis in unsere Zeit.
Vor allem die Bauern dürften ihre Herren wohl weit weniger im strahlenden Glorienschein gesehen haben. Sie hatten nicht nur unter einer hohen Abgabenlast zu leiden, die nach der Agrarkrise des 14. Jh. immer weiter anstieg, sondern auch unter dem Grundübel der Fehde. Letztere war einfach ausgedrückt die von den Grundherren betriebene SelbstJustiz, die diese sich bis zum Ende des Mittelalters herausnahmen. War man beleidigt oder irgendwie schlecht behandelt worden, rief der in dieser Hinsicht äußerst empfindliche Adel schnell einmal die Fehde gegen den Gegner aus. Doch trafen sich dann nicht tugendhafte Recken in edlem Wettstreit, sondern Ritter und Knechte überfielen Dörfer und Gutshöfe des Gegners, um ihn materiell zu schädigen. Was mit den Menschen geschah, die ihre Dörfer und Felder brennen sahen und ihrem gestohlenen Vieh und Getreide machtlos hinterherblicken durften, war den hohen Herren keinen Gedanken wert. Rigoros ging mancher Adelige in einem persönlichen Kleinkrieg gegen Handelsstädte vor, die er schädigte, indem er Kaufleute überfiel. Doch dieses Recht des Stärkeren konnten auch Städte für sich beanspruchen, die sich im späten Mittelalter zu wehrhaften Bündnissen zusammenschlössen. So gingen einige Burgen allzu lästiger Raubritter in Rauch und Flammen auf.
Die Mehrheit der Ritter des niederen Adels begab sich in die Abhängigkeit einer Landesherrschaft. Doch konnte sich vor allem am Oberrhein, in Franken und in Schwaben ein Großteil dieser Niederadeligen seine Unabhängigkeit bewahren. Als Reichsritterschaft unterstand sie nur dem Kaiser. Regional und zeitlich verschiedene Adelsgesellschaften dokumentierten diesen Status nach außen hin.


Eisenharte Kämpfer

Die Kindheit endete auf einer Burg recht früh. Trotz der besseren und vor allem regelmäßigen Ernährung erreichte selbst von den Kindern des Adels meist nur die Hälfte das Erwachsenenalter. Mädchen, die nicht für eine Heirat vorgesehen waren, wurden schon mit sieben Jahren in ein Frauenkloster zur Erziehung gegeben, wo sie dann auch überwiegend blieben. Wen die Eltern zur Heirat bestimmt hatten, zog schon mit vierzehn Jahren zum meist weitaus älteren Ehemann auf dessen Burg. Auch für Jungen endete mit sechs oder sieben Jahren die Kindheit. Wer nicht für ein Leben im Kloster oder Stift vorgesehen war, wurde von den Eltern zu einem verwandten oder befreundeten Ritter als Page zur Ausbildung geschickt. Spätestens mit vierzehn Jahren wurde er zum Knappen und begleitete seinen Ausbilder überall hin. Hatte er Glück, so konnte er im Gefolge eines hochadeligen jungen Mannes diesen auf dessen Ritterfahrt zu fremden Ländern und Höfen begleiten. Zum Abschluss und als Zeichen der Volljährigkeit erhielt er feierlich ein geweihtes Schwert verliehen. Im Spätmittelalter entwickelte sich hieraus die höfische Zeremonie des Ritterschlags, eingebunden in ein aufwendiges Fest.
Mit einem Ritter verbinden wir heute immer noch in erster Linie dessen Rüstung. Sie war nicht nur Statussymbol, sondern lebensnotwendiger Schutz. Genau wie im Burgenbau, der steinernen Rüstung, änderte sich auch die Kampfkleidung des Ritters im Laufe des Mittelalters. Ab dem 11. Jh. wurde ein langes Kettenhemd getragen, das aus einem engen Geflecht von kleinen Ringen aus Eisendraht bestand. Eine Kapuze und Strümpfe aus diesem Material boten zusätzlichen Schutz. Über dem Kettenhemd trugen die Kämpfer einen Waffenrock aus Stoff. Ab dem frühen 13. Jh. wurden einzelne Metallplatten hinzugefügt, die im Laufe von einhundert Jahren immer mehr der Körperform angepasst wurden. Am Ende dieser Entwicklung stand ab 1400 der Plattenharnisch, also das, was wir heute unter einer Ritterrüstung verstehen. Der ganze Körper steckte nun in Metallröhren. Einzelne Städte wie Nürnberg, Augsburg oder Landshut besaßen hoch spezialisierte Rüstungswerkstätten, die nicht nur solide Qualität, sondern auch sündhaft teure Prunkharnische für die hochadelige Oberschicht liefern konnten. Auch der Helm, der anfänglich nur ein Metallkegel mit Nasenschutz gewesen war, wandelte sich über den starren Topfhelm schließlich zum Visierhelm, bei dem man das Gesichtsfeld aufklappen konnte.

Trotz aller Polsterung war es wohl kein Vergnügen, einen längeren Kampf in einer Rüstung zu bestreiten. Gerade der Plattenharnisch des Spätmittelalters machte den Ritter extrem unbeweglich. Nur mit Hilfe eines Knappen kam er noch aufsein Pferd, wobei damals sinnigerweise kleinere Pferdesorten bevorzugt wurden. Diese erhielten ebenfalls eine Panzerung, da der Tod des Pferdes im Kampfauch das Ende des Ritters bedeutete. Auf den mittelalterlichen Schlachtfeldern blieben nur nackte Leichname zurück, denn die Sieger durften immer plündern, vorrangig die teuren Rüstungen ihrer toten Feinde. Die Ritter kämpften, geschützt von ihrem Schild, mit einem Schwert oder einer Lanze, später ergänzt durch Streithämmer und -kolben. Ihre größte Wirksamkeit entfalteten die Ritter, wenn sie in möglichst geschlossener Formation in die Schlacht zogen. Bis ins 15. Jh. bildeten diese gepanzerten Reiter den Kern der damaligen Armeen, die aber zunehmend aus Söldnern bestanden.
Ab dem 14. Jh. wurden Fußtruppen mit Langbogen, die jeweils bis zu einem Dutzend Pfeile mit hoher Durchschlagskraft pro Minute abschießen konnten, oder mit Hellebarden und Spießen zu neuen und gefährlichen Gegnern der Ritter. Handfeuerwaffen und Kanonen waren erst ab dem frühen 16. Jh. so weit fortentwickelt, dass sie ernsthaft im Kampf eingesetzt werden konnten.


Ritter Christi - Kreuzzüge und Ritterorden

Kreuzzüge gehören zu den bekanntesten, aber auch fremdartigsten Erscheinungen des Mittelalters. Blickt man jedoch in die damalige Zeit zurück, finden sich einige Erklärungshilfen zur Entstehung dieser »bewaffneten Wallfahrt«. Im späten 11. Jh. eroberten die türkischen Seldschuken Jerusalem aus der Hand der ägyptischen Kalifen und bedrohten Byzanz. Der oströmische Kaiser sandte einen Hilferuf an Papst Urban II. Dieser erkannte in genialer Weise, welches Problemlösungspotential in einer Befreiung der »Heiligen Stadt« steckte. Denn gerade der französische Adel, dessen Gewalt und Grausamkeit nicht zu bändigen war, hatte sich zu einer wahren Landplage für Kirche und Bauern entwickelt. Nachdem der Versuch eines allgemein anerkannten »Gottesfriedens«, den die Kirche propagierte, beim Adel nur geringe Resonanz fand, verkündete Urban II. 1095 auf der französischen Bischofsversammlung in Clermont die Ausrufung eines heiligen Krieges, an dem die »Ritter Christi« teilnehmen sollten. Nicht ihre christlichen Mitbürger und Untertanen sollten zu Opfern der adeligen Herren werden, sondern die Moslems im Heiligen Land. Da ein solcher Feldzug von vornherein Jahre dauern würde, wäre Frankreich erst einmal auf längere Zeit dieses Problem los. Der Papst war wohl selbst überrascht von der ungeheuren Begeisterung, die sein Plan hervorrief. Abenteuer, exotische Länder, Heldentaten, Ruhm und Reichtum lockten tausende adelige Krieger, ihre Heimat zu verlassen. Wer auf dem Kreuzzug sterben würde, dem wurde von kirchlicher Seite gleich der Eintritt in den Himmel zugesichert. Man konnte aus mittelalterlicher Sicht also nur gewinnen, wenn man dem Schlachtruf »Gott will es« folgte.
Doch zunächst liefen die Falschen los. Ein undisziplinierter, wild zusammengewürfelter Haufen aus Rittern, Abenteurern, Bettlern, Bauern und Pilgern unter der Führung des fanatischen Predigers Peter von Amiens wurde von Bulgaren und Türken ermordet oder versklavt - eine Generation später sollten die Kinderkreuzzüge des frühen 13. Jh. ein ähnliches Schicksal erleiden. 1096 brach das eigentliche Ritterheer auf. Der nordfranzösische, flandrische und deutsche Teil davon zog über das Rhein- und Donautal und richtete entsetzliche Gräueltaten unter der jüdischen Bevölkerung in den Städten an. Ähnlieh grausam verlief drei Jahre später die Eroberung Jerusalems, die sich zu einem einzigen Blutrausch entwickelte. Das nun gegründete Königreich Jerusalem mit seinen weiteren Kreuzfahrerstaaten war ständig bedroht, weshalb weitere Kreuzzüge begonnen werden mussten.

Wie anerkannt und erfolgreich der bewaffnete Zug ins Heilige Land geworden war, zeigt sich schon im
2. Kreuzzug (1147-1149), der unter der Führung des deutschen und französischen Königs stattfand. Allerdings kostete es den »Propagandaminister« des Zisterzienserordens und Kreuzzugsprediger Bernhard von Clairvaux einige Überredungskünste, bis Konrad III. im Dom zu Speyer das Kreuz nahm. Am
3. Kreuzzug (1189-1192) beteiligten sich König Philipp II. August von Frankreich, König Richard Löwenherz von England und Kaiser Friedrich I. Barbarossa. Letzterer ertrank unterwegs in einem türkischen Fluss, während Richard Löwenherz auf dem Rückweg in deutsche Gefangenschaft geriet.
Zu den dunkelsten Kapiteln des hier nun einmal wirklich finsteren Mittelalters gehört der 4. Kreuzzug (1202-1204). Der überaus gerissene Doge von Venedig versprach dem eingetroffenen Heer, die Verschiffung ins Heilige Land gegen eine kleine Gefälligkeit zu übernehmen. Die Kreuzfahrer mussten für ihn zunächst eine Stadt in Dalmatien einnehmen, wurden dann aber zum eigentlichen Ziel, Konstantinopel, umgeleitet. So eroberten die christlichen Ritter eine christliche Stadt, wo sie entsetzlich mordeten, vergewaltigten und alles zusammenrafften, was weltliche und kirchliche Schatzkammern der oströmischen Hauptstadt enthielten. Venedig hatte sein Ziel erreicht und seinen lästigsten Handelskonkurrenten ausgeschaltet, während die Kreuzfahrer zurückkehrten, ohne das Heilige Land gesehen zu haben. Immerhin brachten sie erhebliche Reichtümer und bedeutende Reliquien nach Europa, nach deren Herkunft aber keiner so genau fragte. Kaiser Friedrich II. konnte auf dem 5. Kreuzzug (1228-1229) mehr dank seines Verhandlungsgeschickes denn durch militärische Gewalt Jerusalem letztmals befreien. Die beiden letzten Kreuzzüge (1248-1254, 1270), angeführt von König Ludwig IX. von Frankreich, genannt der Heilige, endeten verhängnisvoll. Ende des 13. Jh. fiel mit Akkon das letzte christliche Bollwerk im Heiligen Land.

Diese Niederlage überdauerten die so genannten Ritterorden der Templer, Johanniter und des Deutsehen Ordens, die sich nach dem endgültigen Verlust der heiligen Stätten neue Aufgabenfelder in Europa suchten. Die Johanniter konnten immerhin noch Rhodos und Malta halten. Alle drei entwickelten sich aus einer Gemeinschaft zur Betreuung eines Hospitals für Pilger und Kreuzfahrer in Jerusalem bzw. Akkon. Sie gaben sich jeweils eine eigene Ordensregel, in der sie die Gelübde eines Mönches mit der Kampfbereitschaft eines Ritters verbanden. Eine eigene Tracht machte sie kenntlich.

Nach der Rückkehr nach Europa, woher die durchweg adeligen Mitglieder ja stammten, richteten sie an wichtigen Straßen klosterähnliche Ordenshäuser mit Spital ein, in denen Pilger betreut wurden. Seinem militärischen Auftrag als christlicher Streiter folgte am deutlichsten noch der Deutsche Orden, der sich ab dem frühen 13. Jh. als Kämpfer gegen die heidnischen Preußen einen eigenen Ordensstaat mit zahllosen Burgen schuf. Sitz des Großmeisters war ab 1309 die Marienburg, die allein schon die große Macht des Deutschen Ordens vor Augen führt. Weniger Glück hatten die Templer. Deren Einfluss und riesiges Vermögen trieb den gewissenlosen Machtmenschen König Philipp IV. von Frankreich zu einem infamen Schlag: Gegen die grundlosen Vorwürfe der Gotteslästerung und der Homosexualität, die Ordensritter unter Folter zugaben, sowie die Auflösung des Ordens 1312 durch den Papst waren die Templer machtlos. Alle Mitglieder wurden verhaftet und die Ordensleitung auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Das ganze Vermögen fiel dem französischen König zu, der sein Ziel durch völlige Skrupellosigkeit erreicht hatte.

Immer hoch hinaus - die Burgen

Auch die bedeutendsten Adelsfamilien fingen baulich erst einmal klein und bescheiden an. Denn der erstmals in karolingischer Zeit wirklich fassbare Adel lebte zunächst auf seinen Herrenhöfen, die sich nicht allzu sehr von den strohgedeckten Fachwerkbauten der bäuerlichen Umgebung unterschieden. Mittelalterarchäologen gelingt oft nur anhand der Reste einer qualitativ und quantitativ besseren Ernährung der Nachweis, dass in bestimmten Höfen die »Herren« wohnten.
Ab dem 11. Jh., vor allem aber im 12. Jh. setzte die große Zeit des Burgenbaus ein. Doch von der Salierzeit bis ins späte Mittelalter blieb der Turm das Hauptmerkmal einer Burg, der weit in die Landschaft den Herrschaftsanspruch des Besitzers deutlich machte. Zudem waren Mauern, Türme und Gebäude einer Burg immer hell verputzt, teilweise sogar mit Malerei verziert, so dass sie weithin von ihren Felsen herunter leuchteten. Nicht nur der König, dem eigentlich allein der Burgenbau zustand, baute Wehranlagen zur Sicherung von Reichs- und Hausgut - und in dieser Hinsicht taten sich gerade die Staufer in Südwestdeutschland besonders hervor. Vom Vater Kaiser Friedrich I. Barbarossas, Herzog Friedrich II. von Schwaben, wird anschaulich berichtet, dass er gleichsam am Schweif seines Pferdes immer eine Burg nach sich zog, so viel wie er baute. Auch Bischöfe und Landesherren, denen der König das Burgenbau-recht verliehen hatte, begannen ihre Territorien zu befestigen. Doch die überwiegende Zahl der Burgen dürfte »illegal« vom Adel errichtet worden sein. Nur in seltenen Fällen verlangten König oder kirchliche Grundherren nachträglich deren Abbruch. Meist war nur eine kleine Strafgebühr fällig.
Am Anfang der Burgenentwicklung stand die sogenannte Motte. Diese war ein in Fronarbeit durch die Bauern künstlich aufgeworfener Erdhügel, auf dem sich ein einzelner Wohnturm in Fachwerk oder Stein erhob. Die Wirtschaftsgebäude lagen separat in einer Vorburg. Gesichert war die Anlage durch Wassergräben und Holzpalisaden. Turmhügelburgen wurden nicht nur in der Ebene oder in Talauen, sondern auch auf Bergen errichtet, dann allerdings nur mit trockenem Graben. Mit der Stauferzeit wandelte sich der Wohnturm zum Bergfried, der allein wehr technischen Zwecken diente. Er schützte die Hauptangriffsseite und bildete die letzte Rückzugsmöglichkeit für die Burgbesatzung im Falle einer Eroberung. Deshalb lag sein Zugang auch in großer Höhe und konnte nur mit leicht einholbaren Leitern erreicht werden. Der Bergfried diente auch als idealer Beobachtungsposten. Das Wohngebäude einer Burg, der Palas, leitete sich ab von den repräsentativen Bauten der Königs- und Bischofspfalzen. Hier gab es im Obergeschoss einen großen Festsaal, aber auch einen heizbaren Raum, die Kemenate. Keine Burg verzichtete auf göttlichen Beistand in Form einer eigenen Kapelle. Je nach Finanzlage und Repräsentationsbedürfnis des Erbauers konnte sie als Altarerker oder eindrucksvolles Gotteshaus gestaltet werden. So kopiert die Apsis der Burgkapelle in Winzingen bei Neustadt an der Weinstraße die Gestaltung des nahen Speyerer Domes, eines kaiserlichen Baus. Meist wurde die Kapelle in der Nähe oder sogar über dem Burgtor errichtet, um so den geistlichen Schutz zu gewährleisten- die Kapelle der Reichsburg Trifels etwa liegt über dem Eingang zum Palas. Die Ringmauer war nun mit Zinnen und einem hölzernen Wehrgang versehen, das Tor mit Zugbrücke und Eisengitter gesichert. Erfahrungen aus den Kreuzzügen veränderten und ergänzten die Befestigungsformen.

Im Spätmittelalter stieg der Wohnkomfort der Burgbewohner deutlich an. Trotz Brand- und Kriegsgefahr wurden nun auch die obersten Geschosse oder ganze Gebäude in Fachwerk errichtet. Auch im Innern des Wohn- und Repräsentationsbereichs fand Holz als Wand- und Deckenverkleidung reichlich Verwendung. Kachelöfen lösten die zwar eindrucksvollen, aber wenig effektiven Kamine ab. Fensterglas, meist in Form von Butzenscheiben, wurde nun durchgängig verwendet. Die Aborte, die einfach als Erker vorkragten, waren nun immerhin mit einer Tür verschließbar. In der Wehrtechnik musste man sich aufgrund der Erfindung und Verbreitung der Feuerwaffen einiges einfallen lassen. Zumeist wurde um die alte Ringmauer in einigem Abstand ein so genannter Zwinger gelegt. Dies war eine etwas niedrigere Mauer, die aber durch Zwischentürme mit Schießscharten besonders gesichert war und so ein weiteres Angriffshindernis bot. Ab dem frühen 16. Jh. wurden ganze Batterietürme zur Aufnahme von Kanonen errichtet, die die Hauptangriffsseite sicherten. Pechnasen sorgten dafür, dass der Feind, der das Tor berannte, mit kochendem Pech oder Öl übergössen oder auch mit Steinen beworfen und Pfeilen beschossen werden konnte. Ein gutes Beispiel für die sich wandelnde Wehrtechnik hin in Richtung Festung ist die Hardenburg bei Bad Dürkheim, Residenz der Grafen von Leiningen. Im frühen 16. Jh. wurde die mittelalterliche Burg rundum mit Kanonentürmen und Vorwerken umgestaltet und bedeutend erweitert.
Durch Erbteilungen gelangten immer mehr Burgen in den Besitz mehrerer Familien (Ganerbenburgen), was dazu führte, dass innerhalb des Burgareals mehrere Wohnhäuser entstanden. Da die Grundfläche meist nicht erweitert werden konnte, baute man in die Höhe. Eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Burgen Deutschlands, Burg Eltz, zeigt diese Entwicklung des Spätmittelalters in eindrucksvoller Dichte. Der Burgfrieden sorgte innerhalb einer Ganerbenburg dafür, dass kein Feind durch den missgünstigen Nachbarn eingelassen werden konnte.

Wichtigste Voraussetzung zur Errichtung einer Burg war deren wehrtechnisch günstige Lage. Während in flachen Landschaften wie dem Niederrhein und Norddeutschland meist nur die Möglichkeit der Wasserburg blieb, errichtete man ansonsten bevorzugt Höhenburgen. Durch steile Hänge war, zumindest bis zur Verbreitung von Kanonen, ein wirkungsvolles Angriffshindernis gegeben. Seltener wurde eine Bergspitze, meist aber eine felsige Bergnase ausgewählt. So hatte man zwar eine günstigere Lage zur zu kontrollierenden bzw. zu sichernden Handelsstraße im Tal, nahm aber das Angriffsrisiko vom höheren Außengelände in Kauf. Hier sicherte man sich durch Trockengräben, hohe Schildmauern und den Bergfried aufwendig ab.

Eine Grundvoraussetzung zur Anlage einer Burg war die Sicherstellung der Wasserversorgung. Zwar konnte man es sich leisten, frisches Quellwasser aus dem Tal von Mägden zur Burg hochschleppen oder das Wasser von höher gelegenen Quellen mit Holzrohrleitungen in die Burg leiten zu lassen. Die jüngst erforschte wohl aufwendigste Wasserversorgung fand sich jedoch in Blankenheim in der Eifel. Zur Residenz der Grafen von Manderscheid-Blankenheim wurde das Wasser erst mittels Aquädukt über ein Tal, dann durch einen Tunnel durch den Bergrücken in die Brunnenkammer im Burgareal geleitet.
Im Belagerungsfall war man existenziell darauf angewiesen, ausreichend Trink- und Brauchwasser innerhalb der Mauern zu haben. So wurde einer der teuersten Ausgabeposten beim Burgenbau die Anlage von Tiefbrunnen. Erfahrene Brunnenbauer tieften Schächte von rund 20 bis manchmal sogar 140 Meter in den Fels, bis sie eine wasserführende Schicht erreicht hatten. Das größte Problem war hierbei, die Arbeiter in einer so großen Tiefe noch mit ausreichend Frischluft zu versorgen. Daneben gab es in jeder Burg auch im Boden eingetiefte Zisternen, in denen das Regenwasser von den Dachflächen gesammelt wurde.
Das Leben auf einer einfachen Ritterburg darf man sich nicht allzu aufregend vorstellen. Denn in den wenigsten Zeiten musste sie sich als Wehranlage bewähren, sondern diente meist als Verwaltungsmittelpunkt einer größeren oder kleineren Grundherrschaft. War ihr der Geleitschutz über eine Straße übertragen, so sorgten durchziehende Händler, Pilger und Adelige für etwas Abwechslung. Während die Sommermonate noch ganz erträglich waren, bildete der Winter wohl jedesmal eine harte Belastungsprobe für Körper und Seele. Aus den dicken, oft feuchten Steinmauern und dem Fels kroch allmählich die Kälte in die Knochen. Die Fenster waren dann meist mit Läden verschlossen, während Öllampen und Kienspane schwaches, aber stark rußendes Licht spendeten. Viel zu tun gab es zudem auch nicht. Die Größe einer Burgbesatzung war im Normalfall nicht allzu umfangreich. Neben dem Burgherren mit seiner Familie lebte meist nur ein kleineres Gesinde dauerhaft hier. Schon im Spätmittelalter verließen zahlreiche adelige Herren ihre Burgen und zogen in bequemere und geselligere Stadthöfe um.

Im 19. Jh. erlebte der Burgenbau eine glanzvolle Wiedergeburt. Romantik und Mittelalterbegeisterung gingen hier eine einmalige Verbindung ein. Den Anfang machten die Preußenprinzen, die nach dem Anschluss des Rheinlandes durch den Wiener Kongress 1815 begannen, die Ruinen einiger Burgen des Mittelrheintales wieder aufzubauen. Am schönsten verkörpert Schloss Stolzenfels bei Koblenz, der Mittelalter-Traum König Friedrich Wilhelms IV. von Preußen, diese romantische Wiederbelebung des Ritter-Gedankens. In der zweiten Hälfte des 19. Jh. gingen auch immer mehr reich gewordene Bürger und Fabrikanten daran, ihren Villen ein burgartiges Aussehen zu geben. Schloss Drachenfels bei Bonn und die Cochemer Reichsburg sind Paradebeispiele dieser bürgerlichen Mittelalter-Sehnsucht. Die Krönung dieser Bewegung gelang allerdings König Ludwig II. von Bayern, der im späten 19. Jh. mit Schloss Neuschwanstein den in aller Welt bekannten Inbegriff deutscher Burgenromantik schuf.

Abgrenzung nach unten - Reichsfürsten und Landesherren

Im Mittelalter hatte sich noch kein abstrakter Staatsbegriff herausgebildet. Das riesige Reich funktionierte vielmehr vorrangig aufgrund persönlicher Bindungen als sogenannter Personenverbandsstaat, ein Begriff, der auch in der Lehenspyramide anschaulich wird. Der König verteilte Land als Lehen an die weltlichen und geistlichen Reichsfürsten, die wiederum Grundbesitz an ihre Vasallen weitergaben. Als Gegenleistung wurden Heerfolge und Treue gefordert. Ursprünglich waren Lehen nur auf Lebenszeit vergeben und konnten beim Tod des Lehensnehmers oder Verletzungen seiner Vasallenpflicht wieder eingezogen werden. Im Laufe der Jahrhunderte mit schwankender Königsmacht in den verschiedenen Landschaften des Reiches wurden die Lehen aber immer mehr als erblich betrachtet und automatisch an die Söhne weitergegeben. Die Zustimmung des Königs oder des Fürsten war dann nur noch Formsache. So konnten sich Dynastien entwickeln, die dank geschickter und sorgfältiger Heiratspolitik Macht, Besitz und Einfluss beständig vermehrten. Gesichert wurde der Besitz durch Burgen und Städte.
Die Gruppe der Reichsfürsten, die im Rang unmittelbar hinter dem König folgten, ist erst Ende des 12. Jh. klar fassbar. Sie bestand nicht nur aus rund35-40 weltlichen Fürsten, sondern auch aus knapp einhundert Bischöfen, Reichsäbten und -äbtissinnen. An der Spitze der Reichsfürsten standen die Kurfürsten.
Durch Aussterben vieler hochadeliger Familien schon im Hochmittelalter konnten die Erben allmählich große Landesherrschaften aufbauen, vor allem nach den Zugeständnissen Kaiser Friedrichs II. in den sogenannten Fürstengesetzen 1231/32. In jahrhundertelangem Ansammeln von Besitz- und Herrschaftsrechten gegen den Widerstand konkurrierender Familien fand diese Entwicklung im Spätmittelalter einen gewissen Abschluss. Das Fehlen männlicher Nachkommen oder Erbteilung aufgrund mehrerer Söhne gefährdeten das Erreichte. Landstände, die sich als beratendes Gremium des landsässigen Adels entwickelt hatten, etablierten sich als Gegengewicht zum Landesfürsten und wirkten stabilisierend innerhalb der oft irrationalen Politik des Landesherrn. Die Landesfürsten verfolgten recht bald nur noch ihre Eigeninteressen auf Kosten des Reiches. Die nach dem Aussterben der Staufer zunehmend schwachen deutschen Könige standen dieser Entwicklung machtlos gegenüber. Noch in unserem föderalen Aufbau der Bundesrepublik Deutschland, bei dem die Bundesländer grojse Macht besitzen und oft Länder- gegen Bundesinteressen durchsetzen, spiegelt sich die spätmittelalterliche Zerrissenheit Deutschlands abgeschwächt wider.

Einen starken Zugewinn an landesherrlicher Selbstständigkeit bedeutete für viele Reichsfürsten die Einführung der Reformation in der ersten Hälfte des 16. Jh. Damit gewannen die Landesherren die kirchliche Oberhoheit und konnten eine eigenständige Landeskirche etablieren, die bis heute Bestand hat. Der Grundbesitz der aufgelösten und enteigneten Klöster erweiterte zudem das Territorium nicht unbeträchtlich, während die Klosterschätze in die Münze wanderten. Im Augsburger Religionsfrieden !555 gestand Kaiser Karl V. notgedrungen den Landesfürsten die alleinige Bestimmung der Religion ihrer Untertanen zu, da er ihre Unterstützung im Kampf gegen die nach Zentraleuropa vorrückenden Türken dringend benötigte.

Wehrhafte Repräsentation -die Residenzen

Im Gegensatz zum Deutschen Reich, das nie eine Hauptstadt erhielt, entwickelte sich die Residenz des Landesfürsten zum Mittelpunkt der Landesherrschaft. Hier wohnte nicht nur der Graf oder Herzog mit seinem Gesinde, sondern ihn umgab ein ganzer Hofstaat nach dem Vorbild des Königshofes. Doch wurden die meisten Territorien bei weitem straffer regiert als das Deutsche Reich, denn die Residenzen waren zentrale Verwaltungsmittelpunkte, wo nicht nur der landsässige Adel Spitzenfunktionen einnahm, sondern auch zunehmend studierte Beamte. Dank einer funktionierenden Bürokratie ließen sich Besitzrechte, Steuern und grundherrliche Einnahmen weitaus besser kontrollieren und einfordern. Nach dem Vorbild der Klöster und Städte entstanden geordnete Archive, die von der Kanzlei gepflegt wurden. Residenzen waren meist mit einem Stift verbunden, da so nicht nur für das Seelenheil und kirchliche Repräsentation gesorgt war, sondern die studierten Kleriker ebenfalls als loyale Beamte eingesetzt werden konnten.

Ab der Stauferzeit sind erstmals feste Residenzen der Landesfürsten nachweisbar. Sie orientierten sich unübersehbar an den Pfalzen des Königs, mit dem sie teilweise in erbitterter Konkurrenz oder in treuer Gefolgschaft verbunden waren. Am besten erhalten sind aus dieser Zeit die Wartburg als Residenz der Landgrafen von Thüringen und die Burg Dankwarde-rode Heinrichs des Löwen nebst Löwendenkmal und Stiftskirche in Braunschweig. Schon bei den staufer-zeitlichen Residenzen ist zu beobachten, dass sie in oder bei bestehenden bzw. eigens gegründeten Städten entstanden. Der Landesherr förderte seine Residenzstadt besonders großzügig, da sie ihm nicht nur Steuereinnahmen brachte und die Versorgung mit Luxus- und Alltagsgütern sicherstellte, sondern ihm auch als willkommene Folie der fürstlichen Repräsentation dienen konnte. Der landsässige Adel unterhielt teils recht aufwendige Stadthöfe nahe der Residenz des Landesherrn. Fehlte eine Stadt, so wurde die Burg des Landesfürsten durch einige Burgmannensitze erweitert und aufgewertet. Die mittelalterliche Residenzstadt erwies sich als Modell der Zukunft. Selbst in der heutigen Bundesrepublik behielten Städte, die in der Vergangenheit diesen Rang innehatten ihre zentralisierende Funktion. So residierten in Bonn einst die Erzbischöfe und Kurfürsten von Köln, in Mainz der Primas der deutschen Reichskirche, in Magdeburg ein weiterer Erzbischof, in Berlin und Potsdam die Hohenzollern, in München die bayerischen Witteisbacher, in Düsseldorf die Herzöge von Berg, in Schwerin die Herzöge von Mecklenburg, in Hannover die Weifen, in Saarbrücken und Wiesbaden die Nassauer, in Stuttgart die Herzöge von Württemberg und in Dresden die Wettiner.

Der Landesherr konnte kraft seiner unbeschränkten Herrschaft willkürlich seine Hauptresidenz verlegen. Dies geschah meist nach einer Landesteilung, wo das Territorium unter mehreren erbberechtigten Söhnen in verschiedene Linien aufgespalten wurde. Starb einer dieser neuen Familienzweige wieder aus, endete meist auch die Blütezeit der neuen Residenz. Gebaut wurde zu allen Zeiten, so dass nur Residenzschlösser und -bürgen, die aus irgendwelchen Gründen ihre Funktion verloren, ihre Gestalt unverändert bewahrten. Auch die Rangerhöhung des Landesfürsten durch den Kaiser konnte einen Neubau auslösen. Ein schönes Beispiel hierfür ist das Marburger Schloss, das der erste Landgraf von Hessen durch die Erhebung in den Reichsfürstenstand 1292 repräsentativ ausbauen ließ. Da seine Nachfolger die Residenz nach Kassel verlegten, blieb mit der Kapelle und dem gewölbten Saal, der zu den größten Profanbauten des Mittelalters gehört, ein exemplarisches Beispiel französisch und niederländisch geprägter fürstlicher Baukunst erhalten. 1336 und 1356 wurden die bisherigen Grafen von Jülich zu Markgrafen bzw. Herzögen erhoben. Um ihren neuen Rang nach außen hin zu dokumentieren, ließen sie innerhalb ihrer Residenzburg Nideggen einen der größten Saalbauten errichten, den es in Deutschland gab. Leider ist er nur als Ruine erhalten.
Die schönste noch heute erhaltene Residenz des Spätmittelalters findet sich in Meißen. Die Albrechtsburg mit ihren prunkvoll gewölbten Sälen, die unmittelbar neben dem gotischen Dom hoch auf einem Felsen über der Elbe liegt, bildet bis heute ein Paradebeispiel fürstlichen Bauwillens.
Der vornehmste unter den weltlichen Kurfürsten, der Pfalzgraf bei Rhein, ließ im Laufe des 16. Jh. seine Burg oberhalb von Heidelberg zu einer wehrhaften und repräsentativen Verbindung aus Schloss und Festung ausbauen. Gleich fünf Palastbauten, von denen zwei zu den Spitzenleistungen der Renaissance gehören, umstehen heute als Ruinen den Innenhof. Gewaltige Kanonentürme und Gräben passten noch am Ende des Mittelalters die Residenz der neuen Waffentechnik an. In Landshut an der Isar residierten zeitweise die Herzöge von Niederbayern in ihrer mittelalterlichen Burg Trausnitz hoch über den Bauten der Bürger. 1537-1543 ließ sich Herzog Ludwig X. nach einem Besuch im italienischen Mantua mitten in der Stadt einen perfekten Renaissance-Palazzo nach dem Vorbild von Urbino errichten. Er zeigt anschaulich, wie durch italienischen Einfluss sich im 16. Jh. die bisher vereinte Funktion von Wehr- und Repräsentationsbau in Schloss und Festung trennte.
Residenzen waren Wehr- und Wohnbauten sowie Verwaltungsmittelpunkte, bildeten aber auch den glanzvollen Rahmen für prächtige Feste des Hofes. Gerade in der hochadeligen Festkultur konnte sich der Landesherr so nicht nur in den Tugenden der Gastfreundschaft und Freigiebigkeit präsentieren. Hiermit band er auch seine Vasallen an sich und dokumentierte Reichtum und Macht gegenüber seinen hochadeligen Standesgenossen. Ein wichtiger Bestandteil eines höfischen Festes war das Turnier. Entstanden aus einer reinen Kampfübung der Reiterkrieger wandelte es sich zum gesellschaftlichen Großereignis. Hier konnten sich die Männer in perfekter Selbstdarstellung üben, weshalb kirchliche Turnierverbote wirkungslos verhallten. Im Glanz ihrer Rüstungen, dem bunten Waffenrock nebst Helmzier und dem mit dem Wappen versehenen Schild hatte jeder Ritter seinen großen Auftritt. Auch die Pferde waren dank kostbarer Sattel, Panzerung oder bunten Decken miteinbezogen. Schöne Damen überreichten dem Gewinner dann seinen Preis. Im Zweikampf traten die Ritter meist mit einer stumpfen Lanze gegeneinander an. Trotzdem kam es immer wieder zu schweren Verletzungen, was wie bei heutigen Autorennen den Reiz für die Zuschauer aber noch steigerte. Auf einem Turnier kämpften nicht nur Ritter, sondern auch der Hochadel bis hin zum König. Im Spätmittelalter fanden Turniere meist in Großstädten statt, da sich der hauptstadtlose König hier gerne aufhielt. Zudem waren die Unterbringungsmöglichkeiten für die oft mit riesigem Gefolge anrückenden hochadeligen Herren dort einfach besser. Festbankett und Tanz bildeten immer den glanzvollen Abschluss.

Besonders Familienfeste wie Hochzeiten, Geburt eines Stammhalters, aber auch Begräbnisse des Landesfürsten wurden mit allem erdenklichen Prunk begangen. Die Feste waren auch hier in erster Linie nicht Selbstzweck zur persönlichen Unterhaltung. Vielmehr galt es immer, den Rang der Dynastie nach außen zu zeigen.

Marburger Schloss

Die Fachwerkaltstadt Marburgs staffelt sich mit ihren Gassen und Plätzen von der Lahn den steilen Schlossberg empor. Beherrscht wird das einmalige Ensemble von der ersten Residenz der Landgrafen von Hessen, die in seltener Vollständigkeit erhalten blieb. Jüngste Ausgrabungen förderten bedeutende Reste einer Burganlage des n. Jh. zutage, die vom Innern des Westflügels aus zu sehen sind. Nach dem Aussterben der Thüringer Landgrafen im Mannesstamm setzte sich in einem langjährigen Erbfolgestreit Sophie von Brabant, Tochter der hl. Elisabeth, für ihren minderjährigen Sohn Heinrich im hessischen Landesteil durch. Nahe dem Grab ihrer Mutter, das zum bedeutenden Wallfahrtsort geworden war, errichtete sie ihre Residenz auf dem Schlossberg. Die 1288 geweihte Schlosskapelle mit ihrer prächtigen frühgotischen Ausmalung sowie der Saalbau des späten 13. Jh. mit dem Festsaal im Obergeschoss sind einmalige Zeugnisse fürstlicher Repräsentation dieser Zeit. Nach dem Tod Heinrichs 1308 verlegte sein Sohn die Residenz nach Kassel, so dass Schloss Marburg in einen Dornröschenschlaf versank. In der zweiten Hälfte des 15. Jh. wurde es nochmals für kurze Zeit Residenz und wohnlich erweitert.

geöffnet Apr. bis Okt. von Dienstag bis Sonntag: 10-18 Uhr, Nov. bis März von Dienstag bis Sonntag: 11-17 Uhr
www.marburg.de

Burgen des Mittelrheintals

Ein wichtiger Bestandteil des UNESCO-Welt-kulturerbes Mittelrhein zwischen Bingen und Koblenz sind die zahlreichen Höhenburgen.

Fast alle wurden durch die Raubkriege Ludwigs XJV. von Frankreich im späten 17. Jh. zu Ruinen, einige davon im 19. Jh. nach dem Erwachen der Rheinromantik in den Formen des Mittelalters wieder aufgebaut. Zwei mittelalterliche Burganlagen nehmen einen besonderen Rang ein, die Marksburg bei Braubach als einzige unzerstörte Höhenburg am Mittelrhein und der Pfalzgrafenstein als Zollburg inmitten des Stroms. Die Marksburg bietet ein Musterbeispiel der Wehrtechnik im Burgenbau von der Gotik bis in die frühe Neuzeit, deren Bastionen und Zwinger den Kernbau mit Palas und dem markanten Bergfried schützend umfassen. Heute ist sie Sitz der Deutschen Burgenvereinigung. Der Pfalzgrafenstein bestand ursprünglich, ähnlich dem Mäuseturm bei Bingen, nur aus einem Steinturm auf einer Felsenklippe im Rhein. Er diente der Sicherung des Rheinzolls für den Kurfürsten von der Pfalz und wurde noch in der ersten Hälfte des 14. Jh. durch die fünfeckige Wehrmauer gesichert, die die Burg wie ein Schiff im Fluss erscheinen lässt. Zusammen mit der pfalzgräflichen Burg Gutenfels, einem gut erhaltenen Bauwerk der Stauferzeit, bildet der Pfalzgrafenstein eine der schönsten Rheinansichten.

Marksburg nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen: l.Apr. bis Anfang Nov.: 10 -17 Uhr, 6. Nov. bis Ende März: 11 -16 Uhr
www.marksburg.de

Burg Eltz

In einem engen Seitental der Mosel findet sich das besterhaltene Beispiel einer Ganerbenburg, die mit ihren vier turmartigen Wohnbauten vor dem Besucher wie ein Traumbild des Mittelalters aufsteigt. Nie zerstört und in Teilen bis heute bewohnt haben sich nicht nur die überwiegend spätmittelalterlichen Gebäude erhalten, sondern auch grojle Teile der Innenausstattung. Besonders eindrucksvoll ist Haus Rübenach mit seinen Wandmalereien, dem Altarerker mit Glasmalereien sowie dem mittelalterlichen Schlafzimmer samt Himmelbett. Etwas oberhalb der Burg liegt die Ruine derTrutz-Eltz, einer Belagerungsburg, die Erzbischof und Kurfürst Balduin von Luxemburg in der Eltzer Fehde in den 1330er Jahren anlegen liejs. Am eindrucksvollsten bietet sich Burg Eltz dar, wenn man eine kleine Wanderung vom Moselkern aus durch das schöne Tal des Eltzbachs unternimmt und plötzlich vor den hochragenden Mauern steht, die der Wald freigibt.

Nur mit Führung zu besichtigen: l.Apr. bis 1. Nov.
tag!. 9.30 -17.30 Uhr
www.burg-ehz.de

Ganz in der Nähe von Burg Eltz liegt mit Schloss Bürresheim bei Mayen eine ähnlich gut erhaltene Burganlage, die bis in die 1930er Jahre durchgehend bewohnt blieb und dann samt Inventar an das Land verkauft wurde. So kann auch hier in spätmittelalterlichen Mauern adelige Wohnkultur besichtigt werden, die in diesem Bauwerk allerdings auch eine barocke Erweiterung umfasst.

Nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen: 1. Apr. bis30.Sept.: 10-18 Uhr, 1. Okt. bis30. Nov. und l.jan. bis 31. März: 10-17 Uhr, im Dezember geschlossen
www.burgen-rlp.de

Albrechtsburg Meißen
Hoch über der Elbe ragt ein einmaliges Ensemble aus gotischem Dom, Bischofsschloss und Albrechtsburg auf. 1471-1500 errichtete der Baumeister Arnold von Westfalen erstmals in Deutschland wohl nach französischem Vorbild ein spätgotisches Residenzschloss. Da noch während der Bauzeit die Wettiner ihre Hauptstadt nach Dresden verlegten, erfüllte die Albrechtsburg nie die ihr zugedachte Funktion, blieb aber genau deswegen unverändert im Erbauungszustand erhalten. 1521-1524 konnte Jakob Heilmann aus Schweinfurt die Planungen zu Ende führen. In den Jahren 1710-1863 befand sich in den Räumen die berühmte Porzellanmanufaktur. Gewaltige Keller-substruktionen tragen ein höchst filigranes Bauwerk. Besonders reich verziert ist der vorgebaute Treppenturm mit seinen Galerien, der im Innern das Wunderwerk der Wendeltreppe birgt. Fast alle Innenräume sind prachtvoll gewölbt, wobei keines der Zellengewölbe dem anderen gleicht. Im späten 19. Jh. schufen Dresdner Akademielehrer die Ausmalung im Sinne eines Geschichtsdenkmals.

Öffnungszeiten Museum Albrechtsburg: März bis Okt.: 10 -18 Uhr, Nov. bis Feh.: 10-17 Uhr
www.albrechtsburg-meissen.de








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