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In den wirtschaftlichen Abgrund - Die Weltwirtschaftskrise von 1929




In den wirtschaftlichen Abgrund - Die Weltwirtschaftskrise von 1929


Der Erste Weltkrieg hatte nur Teile und vor allem europäische Gebiete verwüstet. Doch der Zusammenbruch, der dem Ersten Weltkrieg folgte, sollte sich hingegen über die ganze Welt ausbreiten. Überall dorthin, wo man mit marktwirtschaftlichen Transaktionen beschäftigt oder von ihnen abhängig war. Die kapitalistische Weltwirtschaft schien in den Zwischenkriegsjahren völlig zusammenbrechen und niemand wußte, wie sie sich wieder erholen könnte.


Die Operationen einer kapitalistischen Wirtschaft laufen niemals sanft ab und Fluktuationen [Schwankungen] von unterschiedlicher Dauer und Heftigkeit sind Bestandteil dieser Methode. Der 'Konjunkturzyklus' von Aufschwung und Depression war schon im 19. Jahrhundert Unternehmern vertraut, wobei man davon ausging, daß er sich regelmäßig alle sieben bis elf Jahre wiederholen würde. Auf einen weltweiten wirtschaftlichen Boom zwischen 1850 und 1870 folgte schon damals ungefähr zwanzig Jahre wirtschaftliche Verunsicherung und Experten sprachen von einer 'Großen Depression'. Der russische Ökonom Kondratjew entdeckte ein ökonomisches Entwicklungsmuster aus einer Serie von 'langen Wellen', die zwischen fünfzig und sechzig Jahren andauern. Wellen und Zyklen boten Chancen oder schufen Probleme. Karl Marx glaubte, daß Zyklen Teil des kapitalistischen Prozesses seien und war überzeugt, daß sie die Existenz des Wirtschaftssystem an sich gefährden. In dieser speziellen Situation traf dies auch zu, daß die Fluktuationen des Kapitalismus zum ersten Mal das System wirklich von Grund auf zu gefährden schien.





Die Geschichte der Weltwirtschaft ist die Geschichte eines immer schnelleren technologischen Fortschritts und einer zunehmenden Globalisierung. Sogar im Zeitalter der Katastrophe schritt der technische Fortschritt voran. Auch das Wirtschaftswachstum kam nicht zum Stillstand sondern hatte sich nur verlangsamt. Nur die Globalisierung der Wirtschaft schien nicht voranzukommen. Die Integration der Weltwirtschaft stagnierte oder war rückläufig. Die Vorkriegsjahre hatten die größte Massenmigrationswelle der Geschichte hervorgerufen und nun trockneten diese Ströme aus. Der Welthandel erholte sich zwar von den Unterbrechungen durch Krieg und Nachkriegskrise, fiel aber dann während der Weltwirtschaftskrise wieder ab. Diese Stagnation ist überraschend, da der Erste Weltkrieg viele neue Staaten in Europa und im Nahen Osten hervorgebracht hat. Daher müsste der zwischenstaatliche Handel automatisch zunehmen, da jene kommerziellen Transaktionen, die bislang innerhalb eines Staates stattgefunden hatten (z.B. in Österreich-Ungarn), nunmehr dem internationalen Handel zugerechnet wurden. Auch schien der internationale Kapitalstrom während der Weltwirtschaftskrise auszutrocknen, den zwischen 1927 und 1933 gingen die internationalen Kapitalanleihen um über 90 Prozent zurück.


Für diese Stagnation gibt es mehrere Gründe. Einer davon ist, daß die USA began autark zu werden. Dieser Trend zeigte sich folglich auch in Großbritannien und Skandinavien. Jeder Staat wollte alles tun, um seine Wirtschaft gegen die Bedrohungen von außen zu schützen. Unternehmer und Regierungen hatten gehofft, daß die Weltwirtschaft nach der Unterbrechung durch den Weltkrieg wieder zu dem normalen Zustand in den Jahren vor 1914 zurückkehren würde, doch die Wiederanpassung erwies sich schwieriger als erwartet.


Die angelsächsische Welt und Japan versuchten eine Deflation durchzuführen, was ihen zwischen 1922 und 1926 auch gelang. Doch die durch Niederlage und Revolution geschwächte Zone von Deutschland im Westen bis Sowjetrußland im Osten war man einem Zusammenbruch der monetären [der Geld betreffenden] Systeme ausgesetzt. In Deutschland um 1923 war der Geldwert praktisch bei Null angelangt. Die privaten Ersparnisse verschwanden völlig und die deutsche Wirtschaft musste sich in den folgenden Jahren massiv auf Auslandsanleihen stützen. Die Lage der Sowjetunion war ebenfalls kaum besser. Als die große Inflation 1922-1923 unter Kontrolle gebracht wurde war das deutsche Geld endgültig nichts mehr wert. In Polen, Ungarn und Österreich konnte zumindest noch ein kleiner Teil der Geldwertes gerettet werden. 1924 waren diese Nachkriegsorkane dann abgeflaut und mit der Weltwirtschaft ging es wieder aufwärts. Jedoch gab es bei Rohstoff- und Nahrungsmittesproduzenten Probleme und die Arbeitslosigkeit blieb im größten Teil Westeuropas erstaunlich hoch. Nur die Wirtschaft der USA stand mit einer Arbeitslosenrate von 4 Prozent wirklich gut da.


Wenige Jahre später kam die Weltwirtschaft wieder in Schwierigkeiten, jedoch niemand hatte eine so tiefgreifende und weltweite Krise erwartet. Sie begann mit dem New Yorker Börsencrash am 29. Oktober 1929. An diesem 'Schwarzen Freitag' kam es in New York zu massiven Kursstürzen und in der Folge zum Konjunktureinbruch. Die dramatische Rezession der nordamerikanischen Industriewirtschaft weitete sich schon bald auf Deutschland aus. Die Industrieproduktion der USA und von Deutschland fiel um 1931 um etwa ein Drittel. Auch wurde die Nahrungsmittel- und Rohstoffproduktion lahmgelegt. Die Preise für beispielsweise Tee oder Weizen fielen um zwei Drittel und der Preis für Rohseide um drei Viertel. Dies warf all jene Staaten zu Boden, deren Handel von wenigen Grundstoffen abhängig war. Auch die Volkswirtschaften von Österreich, der Tschechoslowakei, von Griechenland, Japan, Polen und Großbritannien wurden erschüttert. Die Bauern versuchten mit dem Anbau und Verkauf von mehr Getreide den Preisverfall abzufangen, was die Preise aber nur noch weiter absinken ließ. Sie standen vor dem Ruin und waren nun auf die Produktion für den eigenen Bedarf angewiesen. In großen Teilen der Welt war dies auch möglich, und somit war zum Beispiel den afrikanischen Bauern eine gewisse Sicherheit gegeben. Brasilien wurde zum Inbegriff für Vergeudung im Kapitalismus und das eigentliche Ausmaß der Depression. Kaffeeplantagenbesitzer versuchten verzweifelt die Krise zu überwinden, indem sie die Lokomotiven ihrer Eisenbahnen mit Kaffe anstelle von Kohle beheizten.




Männer und Frauen, die in Lohnarbeit standen erlebten diese Krise als eine in Ausmaß und Dauer unvorstellbare Arbeitslosigkeit. Zur schlimmsten Zeit (1932-1933) hatten 29 Prozent der österreichischen und 44 Prozent der deutschen keine Arbeit. Sogar der Aufschwung nach 1933 verringerte die Arbeitslosigkeit in Österreich nur auf 20 Prozent. Der einzige westliche Staat, der die Arbeitslosigkeit überwinden konnte, war Nazideutschland. Eine äußerst dürftige staatliche Vorsorge bei Sozialleistungen, also keine Arbeitslosenversicherung machte die Lage nur noch dramatischer. In den USA gab es praktisch gar keine sozialen Vorkehrungen des Staates. Doch die soziale Sicherheit für Arbeiter war immer lebenswichtig gewesen. Sie brauchten Schutz gegen die Ungewißheiten der Lohnarbeit (Lohnkürzungen, Krankheit, Unfall) und einen Rentenanspruch. Die Arbeitslosigkeit wurde als tiefe und potentiell tödliche Wunde für die Gesellschaft empfunden. Ein Journalist der Londoner Times schrieb während des Zweiten Weltkrieges: 'Abgesehen von Krieg, war Arbeitslosigkeit die meisverbreitete, heimtückischste und zersetzendste Seuche unserer Generation: die typische Zivilisationskrankheit der westlichen Gesellschaft unserer Zeit.'

Unter den Unternehmern, Ökonomen und Politikern war das Gefühl von Katastrophe und Orientierungslosigkeit noch stärker ausgeprägt als unter den Massen. Das Volk wurde von dem Fallen der Agrarpreise und der Massenarbeitslosigkeit zwar hart getroffen, jedoch glaubte es noch eine Lösung für diese Krise finden zu können. Doch die Lage der wirtschaftlichen Entscheidungsträger war dramatisch. Viele Staaten glaubten, daß sie immer höhere Barrieren errichten müßten, um ihre nationalen Märkte und Währungen gegen die weltwirtschaftlichen Orkane schützen zu können.


Die Weltwirtschaftskrise zerstörte den wirtschaftlichen Liberalismus für die Dauer eines halben Jahrhunderts. Sie zwang die westlichen Regierungen, ihre jeweilige Staatspolitik mehr an sozialen als an wirtschaftlichen Überlegungen auszurichten. Die Gefahren, die eine Unterlassung einer solchen Politik mit sich brachte, war eine Radikalisierung der Linken oder wie in Deutschland und auch in anderen Staaten, der Rechten. Auf Grund dessen wurde die Landwirtschaft subventioniert, indem die Preise für Landwirtschaftsprodukte garantiert und Überschüsse aufgekauft wurden. In den USA wurde nach 1933 den Bauern sogar dafür gezahlt, nicht zu produzieren. Was die Industriearbeiter betrifft, so wurde nach dem Krieg 'Vollbeschäftigung' zum Schlüsselbegriff der Wirtschaftspolitik. Der britische Ökonom John Maynard Keynes behauptete zu Recht, daß die Nachfrage, die das Einkommen einer vollbeschäftigten Arbeiterschaft mit sich bringen würde einen Effekt auf eine daniederliegende Wirtschaft hat.


Die Sowjetunion schien immun gegen das Trauma der Weltwirtschaftskrise zu sein. Von 1929 bis 1940 konnte sich die sowjetische Industrieproduktion verdreifachen. Es gab dort ferner keine Arbeitslosigkeit. Die Wörter 'Plan' und 'Planung' tauchten plötzlich als Schlagwörter in der westlichen Politik auf. Sozialdemokratische Parteien, wie in Belgien und Norwegen wandten sich 'Plänen' zu. Sogar die Nazis plagiierten diese Idee, und Hitler verkündete 1933 einen 'Vierjahresplan'.


Weshalb die kapitalistische Wirtschaft zwischen den Kriegen versagt hat ist eine interessante Frage. Die Lage der USA ist sicher ein wesentlicher Teil der Antwort. Die USA waren weit vom Kriegsschauplatz entfernt und ihre Wirtschaft zog aus dem Ersten Weltkrieg Vorteile. 1913 waren die zur größten Volkswirtschaft der Welt geworden und stellten über ein Drittel der gesamten globalen Industrieproduktion her. 1929 war ihr Anteil an der gesamten Weltproduktion über 42 Prozent. Nach dem Ersten Weltkrieg waren die USA zu einer international dominierenden Wirtschaft geworden. Nur die Weltwirtschaftskrise sollte ihre Vorherrschaft zeitweise unterbrechen. Hinzu kam, daß der Krieg sie zu größten Gläubiger der Welt gemacht hatte. Die Briten zum Beispiel mußten ihre weltweiten Kapitalanlagen verkaufen, um den Ankauf von Kriegsmateial bezahlen zu können.





Die USA waren in den zwanziger Jahren die größte Exportnation der Welt und nach Großbritannien auch der größte Importeur. Aus diesem Grund sollten sie auch zum eigentlichen Opfer der Krise werden. Zwischen 1929 und 1932 fielen ihre Importe wie Exporte um 70 Prozent. Doch die genuinen [echten] europäischen Wurzeln des Übels sollten damit nicht unterschätzt werden. Auf der Friedenskonferenz von Versailles im Jahre 1919 wurden Deutschland riesige Reperationen für die Kriegskosten und Schäden der Siegermächte auferlegt worden. Dazu wurde im Friedensvertrag die sogenannte 'Kriegsschuldklausel', die die Alleinverantwortung von Deutschland für den Krieg konstatierte, hinzugefügt. Das eigentliche Ziel aller Alliierten war, Deutschland in einem Zustand der Schwäche zu halten. Jedoch erlegte die USA auch den Alliierten Schulden auf. Diese Summen waren beinahe so hoch wie die Summen, die Deutschland zahlen sollte. Alle Zahlungen wurden 1932 eingestellt. Nur Finnland hat seine Schulden gegenüber den USA beglichen.


Nach 1932 war dann das Schlimmste überwunden. Japan konnte bis Ende der dreißiger Jahre sein Produktivitätsniveau gegenüber der Zeit vor der Krise fast verdoppeln und die deutsche Wirtschaft lag 1938 25 Prozent über dem Niveau von 1929. Doch die Welt verharrte in Depression. Am sichtbarsten war dies in den USA, wo man versuchte durch eine neue Wirtschaftspolitik, den New Deal, die Krise zu bekämpfe, dies aber nicht wirklich zum versprochenen  Erfolg führte.

Roosevelt wollte mit dem New Deal eine gerechtere soziale Ordnung mit Ausgleich zwischen Unternehmern und Arbeitern. Der Staat förderte notleidende Industrien und Farmer, auch ermutigte man den Zusammenschluß der Arbeiter in Gewerkschaftsverbänden, die die Arbeits- und Lohnbedingungen regelten. Nun erhielt auch die USA eine soziale Gesetzgebung. Dennoch wurde der wirtschaftliche Aufschwung nicht erreicht, erst die Kriegsproduktion während des 2. Weltkrieges konnte dieses Problem lösen.


Die Weltwirtschaftskrise wirkte sich unmittelbar auf die Politik und das Denken der Gesellschaft aus. Bis Mitte der dreißiger Jahre gab es nur noch wenige Staaten, deren Politik sich nicht völlig von der, die vor dem Crash bestanden hatte, unterschieden hätte. In Europa, mit Ausnahme von Schweden und Spanien, und Japan gab es einen harten Rechtsdruck. Internationale kommunistische Bewegungen außerhalb der Sowjetunion war durch die Depression in einen Zustand der Schwäche zurückgeworfen worden. 1934 war Frankreich das einzige Land in Europa, in dem die Kommunisten politisch noch eine genuine Rolle spielte. Aber nicht nur der kommunistische Sektor verschwand. Mit Hitlers Sieg verschwand auch die Sozialdemokratische Partei Deutschlands und Österreichs. Außerhalb von Europa bor sich ein anderes Bild. Nordamerika bewegte sich ziemlich deutlich nach links. Die USA experimentierten unter ihrem neuen Präsidenten Franklin D. Roosevelt mit dem relativ radikalen New Deal.












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