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Leitungen

Leitungen


Elektrische Signalübertragung kann drahtlos durch den freien Raum oder drahtgebunden erfolgen. In jedem Fall aber handelt es sich um eine Energieübertragung. Der Hauptunterschied ist der, daß die zu übertragende elektrische Energie im Falle der drahtlosen Übertragung den ganzen materiefreien Raum ausfüllt, während sie bei drahtgebundener Übertragung in einem rohrförmigen Raum konzentriert bleibt, dessen Durchmesser sehr viel kleiner als seine Länge ist. In beiden Fällen erfolgt die Übertragung in physikalisch gleicher Weise. Jedoch ergeben sich bei Benutzung des "führenden" materiellen Leiters Besonderheiten, die die Übertragung einerseits vorteilhaft, andererseits störend beeinflussen.

Hierauf wird im folgendem eingegangen.


Bei jedem beliebigen Stromkreis ist neben der Energiequelle und dem Verbraucher auch die Leitung vorhanden. Sie ist unbedingt erforderlich, damit die elektrische Energie über einen vorgesehenen Weg transportiert werden kann.



Der Querschnitt einer Leitung ist dabei im Prinzip zwar beliebig, in der Praxis kommt jedoch fast ausschließlich die Kreisform zur Anwendung. Für spezielle Fälle sind auch rechteckige, rohrförmige oder ovale Querschnitte möglich.

Im technischen Sprachgebrauch gibt es neben der Bezeichnung Leitung auch den Begriff des Kabels. Darunter Fallen alle mit einer Isolation versehene flexible Leitungen. Kabel stellen also einen Spezialfall der Leitung dar. Es soll allerdings auch noch vermerkt sein, daß in der Fachliteratur eine exakte Trennung zwischen den Bezeichnungen Leitung und Kabel nicht eingehalten wird, weshalb hier auch stets die üblichen Bezeichnungen verwendet werden.

Für die Nachrichtenübertragungstechnik bilden Leitungen eine Möglichkeit zur Übertragung der Signale vom Sender zum Empfänger. Dieses als leitungsgebundene Nachrichtenübertragung oder auch Drahtnachrichtentechnik bezeichnete Verfahren ist der Gegensatz zur drahtlosen Nachrichtenübertragung, auch Funktechnik genannt, bei dem nicht eine Leitung, sondern die Atmosphäre als Übertragungsstrecke dient.



Funktionsprinzip



Leitungen ermöglichen wegen ihres geringen Widerstandes, also der besseren Leitfähigkeit gegenüber ihrer Umgebung, dem Strom den bequemsten Weg. Die Elektronen können sich dabei fast ungehindert bewegen.

Für einen geschlossenen Stromkreis sind im Normalfall zwei Richtungen zu beachten, weshalb bei Leitungen auch zwischen Hinleiter und Rückleiter unterschieden wird.

Bild 1 - Funktionsprinzip


Dabei ist, wie bereits kennengelernt, jeder Stromfluß mit einem magnetischen Feld gekoppelt, während es bei der Spannung ein elektrisches Feld ist. Im Falle periodischer Signalverläufe ist die Frequenz der damit gegebenen elektromagnetischen Welle von Wichtigkeit. Bei großer Wellenlänge gegenüber der realen Leitungslänge können die Verläufe von Strom und Spannung auf der Leitung als konstant angesehen werden. Bei großen Frequenzen, also kleiner Wellenlänge, ergibt sich dagegen eine ausgeprägte Ortsabhängigkeit dieser Werte.



Beispiel:



Es sollen Signale mit f1 = 50 Hz und f2 = 100 MHz betrachtet werden. Daraus lassen sich Wellenlängen berechnen


l1 = l2 =

l1 = l2 =

l1 = 6000 km l2 = 3m



Ein kompletter sinusförmiger Verlauf von Strom und Spannung ist für Signale mit f1 = 50 Hz erst bei einer Leitungslänge von 6000 km feststellbar, für f2 = 100 MHz jedoch bereits bei 3m.


Das Verhältnis zwischen Leitungslänge und Wellenlänge wird besonders bezeichnet und zwar als elektrische Länge einer Leitung.




Elektrische Länge einer Leitung =


 








Leitungstypen



Einteilung von Nachrichtenleitungen nach ihrem Aufbau


Eine Leitung wird dann als homogen bezeichnet, wenn sie ihren Querschnitt nicht ändert und die Leitungseigenschaften längs der Leitung konstant bleiben.


Einfachleitung


Die Grundform einer elektrischen Leitung ist die Einfachleitung. Das ist eine Verbindung zwischen zwei Orten, die aus einem leitenden Draht oder einem anderen elektrischen Leiter besteht. Sie werden nicht als eigentliche Nachrichtenleitungen verwendet, sondern in Sendern und Empfängern zur Weiterleitung der Signalströme. So findet man z.B. auch Einfachleitungen zwischen einer Hochantenne und dem Empfangsgerät sowie zwischen diesem und der Erdung.


Doppelleitung


Die meisten Übertragungswege der Nachrichtentechnik sind als Doppelleitungen ausgeführt. Dabei wird je ein Draht für die Hin- und Rückleitung des Signalstromes benutzt. Hierzu ist auch der Fall zu zählen, daß ein Stromweg durch die Erdoberfläche und der zugehörige zweite durch einen zur Erde parallel verlaufenden Leiter gebildet wird. Allgemein läßt sich eine systematische Einteilung von Doppelleitungen danach vornehmen , ob der Leitungsaufbau symmetrisch oder unsymmetrisch ist. Symmetrisch ist eine Doppelleitung dann, wenn beide Stromwege (Adern) gleichartig sind (Parallelleitung). Unsymmetrisch nennt man eine Leitung, wenn unterschiedliche Stromwege benutzt werden. So ist die obengenannte Doppelleitung mit der Erdoberfläche als Rückleiter unsymmetrisch. Der wichtigste unsymmetrische Leitungstyp ist jedoch das Koaxialkabel, bei dem die beiden Stromwege durch Innenleiter und Mantel gebildet werden.


Mehrfachleitung


Fernmeldekabel sind als Mehrfachleitungen ausgeführt. Das bedeutet, daß symmetrische oder koaxiale Doppelleitungen zu Kabeln gebündelt werden. Besondere Aufmerksamkeit ist bei solchen Systemen dem Isolationswiderstand zwischen den einzelnen Doppelleitungen zu widmen, d.h. die einzelnen Sprechkreise sind so gut voneinander zu isolieren, daß das Übersprechen zwischen ihnen hinreichend klein bleibt.


Streifenleitung


Eine Streifenleitung ist eine Sonderform der Mehrfachleitung. Sie werden hauptsächlich für Dezimeter- und Zentimeterwellen (Mikrowellen) verwendet. Hervorzuheben ist, daß sie sich als gedruckte Schaltung relativ billig herstellen lassen (Microstrip). Jedoch ist ihre Berechnung recht aufwendig.


Hohlleiter


Die Übertragungswege in der Höchstfrequenztechnik (oberhalb etwa 3 GHz) werden hauptsächlich als Hohlleiter ausgeführt. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Leitungen mit Hin- und Rückleiter (Doppelleitung) breiten sich hier die elektromagnetischen Wellen im Inneren von rechteckigen oder runden Metallröhren aus.


Oberflächenwellenleiter


An den Grenzflächen zwischen Metallen und Isolatoren (dielektrische Hülle) und auf den Oberflächen dielektrischer Leiter sind elektromagnetische Wellen (Dezimeter- und Zentimeterwellen) ausbreitungsfähig. Eingesetzt werden solche Systeme z.B. als Antennenzuleitungen oder Fernsehverteilerleitungen. Sie sind billiger herstellbar und weisen geringere Dämpfungen auf als Koaxialkabel. Überhaupt ist ein Merkmal aller Wellenleiter, daß ihre Dämpfung mit zunehmender Frequenz abnimmt. Gewöhnliche Leiter weisen gerade das entgegengesetzte Verhalten auf (Tiefpaßwirkung).






Einteilung von Nachrichtenleitungen nach ihrem Verwendungszweck







Übertragungsleitungen für Telefonie und Telegrafie

Freileitungen, Fernmeldekabel;


Trägerfrequenzleitungen

Koaxialkabel, Wellenleiter, Dielektrische Leiter, Sonderleitungen

(z.B. Lichtleiter);


Leitungen für höchste Frequenzen

Koaxialkabel, Wellenleiter, Hohlleiter, Lichtleiter.

 









Freileitungen


Freileitungen waren ursprünglich unsymmetrisch ausgeführt, d.h. die Übertragung erfolgte in einer Einfachleitung, die Rückleitung durch die Erde. Diese Form ist längst aufgegeben. Heute werden symmetrische Doppelleitungen verwendet, also je ein Draht für Hin- und Rückleitung des Stromes.

Für eine Telefonverbindung werden zwei Doppelleitungen benötigt (Vierdrahtverbindung). Um in diesem konkreten Fall den Einfluß magnetischer Wechselfelder aus eventuell benachbarten Starkstromleitungen und elektrostatische Einflüsse klein zu halten, werden jeweils die vier Drähte eines Sprechkreises zu sogenannten Vierern verseilt. Beim Sternvierer sind alle vier Leitungen gemeinsam verseilt, beim DM-Vierer (Dieselhorst-Martin-Vierer) jeweils zwei Paare.


Bild 2 - Verseilung von Vierdrahtverbindungen (Fernsprech-Vierer).

1: Kupferleiter 3: Papierisolierung mit Adernkennzeichnung




Fernmeldekabel


Fernleitungen werden selbstverständlich nicht nur für einen Anschluß verlegt. Man ist an der Verlegung vieladriger Kabel interessiert. Dazu werden Sternvierer oder DM-Vierer lagenweise zu Bündeln zusammengefaßt.

Bild 3 - Aufbau eines Fernmeldekabels

mit 12 Sternvierern


Trägerfrequenzleitungen


Für Fernleitungen wird mit Hilfe der Trägerfrequenztechnik eine Mehrfachausnutzung der Fernmeldekabel vorgenommen. Weil dabei Trägerfrequenzen bis in den MHz-Bereich zu verarbeiten sind, wurden früher Fernmeldekabel mit Viererverseilung nur für direkte Übertragungen eingesetzt. Jedoch existieren heute hochwertige verseilte Kabel, mit denen bis zu 1,4 MHz übertragen werden können. Die eigentlichen Trägerfrequenzleitungen aber für den Bereich zwischen etwa 100 kHz und 3 GHz werden aus Koaxialkabeln aufgebaut.



Leitungen für höchste Frequenzen


Es existieren heute Koaxialkabel und Wellenleiter für Frequenzen bis etwa 10 GHz. Darüber jedoch sind als Leitungen nur noch Hohlleiter brauchbar.


Allgemeine Leitungseigenschaften


Betriebszustände elektrischer Leitungen


Jeder stromdurchflossene Leiter wird von einem elektromagnetischen Feld begleitet, das den Leiter etwa schlauchförmig umgibt. In einem Zweidrahtsystem (Doppelleitung) wird das begleitete Feld im wesentlichen zwischen den beiden Leitungen konzentriert. Diese elektromagnetischen Felder sind die Träger der Energie, die über die Leitung übertragen werden sollen. Das bedeutet, die Felder stellen die Signale dar. Sie breiten sich mit der Geschwindigkeit cs längs der Leitung aus, die im verlustfreien Grenzfall gleich der Lichtgeschwindigkeit ist.


Wellenlänge


Periodischen Schwingungen der Frequenz f kann eine Wellenlänge l zugeordnet werden.

Und zwar gilt


l = , (1)


wenn cs die oben eingeführte Ausbreitungsgeschwindigkeit der elektromagnetischen Felder längs einer Leitung ist. Für den nicht ganz realen Fall, daß sich ein Wechselstrom von 50 Hz mit Lichtgeschwindigkeit auf einer Leitung ausbreitet, folgt aus der oben angeführten Gleichung die Wellenlänge von l 108/50 = 6000 km. Das bedeutet, Leitungen in normalen Lichtnetzen werden immer kurz gegen l sein, so daß sich über die Leitungslängen hin kaum Veränderungen der Strom- und Spannungsamplituden ergeben werden. Ein anderes, realistisches Beispiel sei mit den transatlantischen Telefonkabeln angegeben, auf denen sich die Sprechsignale mit 2 108 m/s über den 3700 km langen Weg ausbreiten, mithin 18,5 ms benötigen. Die Wellenlänge dieser Signalausbreitung liegt im Falle der größten Übertragungsfrequenz von 3,4 kHz bei nur 58,8 km. Das aber bedeutet, daß etwa 63 Perioden auf die Leitung passen, mithin der Wellenvorgang bei der Signalausbreitung "sichtbar" wird.





Elektrische Länge einer Leitung


Ob Strom- und Spannungsverläufe auf einer Leitung konstant oder ortsabhängig sind, ist in vielen Fällen von Wichtigkeit. Die Verhältnisse in diesem Zusammenhang drückt man aber nicht absolut beispielsweise über die Leitungslänge l aus, sondern man benutzt dazu den Quotienten von l durch l, weil so unterschiedliche Frequenzen oder Ausbreitungsgeschwindigkeiten berücksichtigt werden.










Man beachte, daß es sich bei dieser "Länge" um eine dimensionslose Größe handelt !!!




Stationärer Zustand


Für den Fall 0 sind keine Veränderungen der Strom- und Spannungsamplituden auf der Leitung wahrnehmbar, d.h. Strom und Spannung haben an allen Punkten der Leitung zu jeder Zeit denselben Wert. Es ergibt sich also ein stationärer Zustand.


Quasistationärer Zustand


Der Grenzfall 0 ist kaum realisierbar. Wenn aber 0,01 gilt, kann man in erster Näherung davon ausgehen, daß Strom und Spannung auf der Leitung nahezu (quasi) konstant bleiben. Für elektrisch kurze Leitungen ergibt sich also ein quasi-stationärer Zustand.





Nichtstationärer Zustand


Wird > 0,01 kann die Ortsabhängigkeit von Strom und Spannung nach Betrag und Phase nicht mehr vernachlässigt werden. Solch elektrisch lange Leitungen weisen im Betrieb ein Verhalten auf, das als nichtstationärer Zustand bezeichnet wird.



Eingeschwungener Zustand


Bei Amplitudenänderungen, insbesondere beim Ein- und Ausschalten, treten Ausgleichsvorgänge auf, die nach einem endlichen Zeitraum abgeschlossen sind. Mit anderen Worten : der gewünschte "einheitliche" Zustand auf einer Leitung stellt sich immer erst nach einer gewissen Zeit ein, wenn nämlich die Ausgleichsvorgänge abgeschlossen sind. Der einheitliche Zustand wird eingeschwungener Zustand genannt (Siehe Bilder 4 und 5).


Bild 4 - Einschalten einer Sinusschwingung                  Bild 5 - Einschwingverhalten bei einer Recht-

eckschwingung




Ersatzschaltungen und mathematische Behandlung


Es ist allgemeiner Brauch, Kondensatoren durch Kapazitäten C und Spulen durch Induktivitäten L darzustellen. In ähnlicher Weise sind für Leitungen Ersatzschaltbilder entwickelt worden, um mit bekannten Symbolen und in anschaulicher Weise Wellenausbreitungen beschreiben zu können. Im Bild wird ein einfaches Leitungsersatzschaltbild gezeigt, in dem zunächst Verluste bei der Wellenausbreitung nicht berücksichtigt sind.


Bild 6 - Einfaches Leitungsersatzschaltbild

Ri : Generatorinnenwiderstand

RL : Lastwiderstand

LL : Induktivität und Cl Kapazität eines Leitungsstückes der

Länge l


Danach wird eine Zweidrahtleitung (Doppelleitung) dargestellt durch Aneinanderreihung von Längsinduktivitäten Ll und Cl. Jeder Strom i in den Leitern erzeugt ein magnetisches Feld und somit pro Leitungsstück der Länge l einen Magnetfluß.


F = Ll i . (2)


Entsprechend erzeugt eine Spannung u zwischen den beiden Leitern ein elektrisches Feld und somit pro Leitungsstück die Ladung


Ql = Cl u .



Ausbreitungsvorgang


Mit den aus den Gleichungen definierten Größen Ll und Cl läßt sich der Ausbreitungsvorgang auf einer mit der Ersatzschaltung beschriebenen Leitung etwa folgendermaßen erklären:

Die Generatorspannung lädt die erste Querkapazität Cl1 auf, wodurch über die erste Längsinduktivität Ll1 eine Spannung aufgebaut wird. Damit beginnt durch Ll1 ein Strom zu fließen, der Cl1 entlädt und gleichzeitig Cl2 auflädt. Dieser Vorgang wiederholt sich von Glied zu Glied, und es entsteht eine Ausbreitung des angelegten Signals mit einer endlichen Geschwindigkeit, die von den Größen Ll und Cl abhängt.



Verfeinertes Ersatzschaltbild


Das einfach Ersatzschaltbild genügt zwar zur qualitativen Beschreibung des Ausbreitungsvorganges, nicht aber für eine quantitative Untersuchung, womit die Herleitung der Leitungsgleichungen gemeint ist. Dazu ergänzt man das einfache Ersatzschaltbild durch Längswiderstände Rl und Querleitwerte Gl d.h. man berücksichtigt ohmsche Verluste, womit das Ersatzschaltbild in der folgenden Abbildung entsteht. Jede reale Leitung kann nun durch Aneinanderreihung solcher Leitungselemente dargestellt werden.



Bild 7 - Verfeinertes Ersatzschaltbild

RL : Ohmscher Widerstand und

GL : Leitwert des Leitungsstückes










Leitungsbeläge


Es hat sich als nützlich herausgestellt, die Leitungsersatzgrößen Rl , Ll ,Gl und Cl nicht absolut, sondern pro Längeneinheit anzugeben. Diese Größen bezeichnet man als Leitungsbeläge und macht sie durch einen hochgestellten Strich erkenntlich. Es entstehen:










Mathematische Behandlung


Um die Leitungsgleichungen herleiten zu können, betrachten wir sehr kleine Leitungselemente der Länge Dl und die auf diese "kurze" Länge bezogenen Beläge. Nun lassen wir Dl sehr klein werden, machen also den gedanklichen Schritt zu einer mathematischen "unendlich kurzen" Leitungslänge. Führt man noch ein rechtwinkeliges Koordinatensystem ein und legt die Leitung in z-Richtung, können wir für die Leitungselemente anstelle von Dl die infinitesimale Längeneinheit dz einführen. Damit ergibt sich folgendes Bild mit einem Leitungsstück der Länge dz. Bezogen auf den Anfang dieses Stückes haben sich am Ende Strom i und Spannung u verändert auf den Betrag


Bild 8 - Leitungsersatzschaltbild mit mathematisch "unendlich"

Kurzer Länge dz und Anderungen von Strom und

Spannungen über diese Länge



I + dz und u + dz. (4)



Das bedeutet, auf dem Wegstück der Länge dz ändern sich Strom und Spannung nach Maßgabe der Leitungseigenschaften. Diese örtliche Veränderung über dem Leitungsstück dz wird mathematisch als partielle Ableitung nach dem Weg angegeben, multipliziert mit der Länge dz des Leitungsstückes (Ebenfalls möglich und im folgendem auch verwendet sind partielle Ableitungen nach der Zeit .)


Maschengleichung


Mit den eben definierten Strom- und Spannungsänderungen lassen sich aus den Kirchhoffschen Gesetzen für das Leitungselement aus Bild 8 Leitungsgleichungen herleiten. Eine erste folgt durch Verwendung der Maschenregel, wonach in einer Reihenschaltung eines geschlossenen elektrischen Kreises die Summe aller Spannungsabfälle konstant ist (2. Kirchhoffsches Gesetz). Danach ergibt sich :


U = R´dz i + L´dz + u + dz. (5)



Knotengleichung


Eine zweite Gleichung folgt durch Verwendung der Knotenregel, wonach in einer Parallelschaltung eines geschlossenen elektrischen Kreises die Summe aller Ströme konstant ist (1. Kirchhoffsches Gesetz). Somit lesen wir aus dem Bild ab


I = G´dz u + C´dz + i + dz (6)



Differentialgleichungen der elektrischen Leitung


Werden die oben dargestellten Gleichungen durch dz geteilt, entsteht ein Gleichungssystem, das die Basis für alle Betrachtungen der Leitungstheorie bildet:






(7)






Es handelt sich hier um sogenannte Differentialgleichungen, in denen Strom und Spannung miteinander verkoppelt sind. Oft sind die Leitungsbeläge R´, L´, G´, C´ nicht alle existent, oder es sind mitunter die Beläge so unterschiedlich groß, daß die kleineren vernachlässigt werden können, wodurch sich das oben angeführte Gleichungssystem vereinfacht. Sind z.B. L´ und C´ sehr klein, folgt :


= - R´i und = - G´u . (8)


Daraus erkennt man formale Ahnlichkeiten mit dem ohmschen Gesetz, wenn beachtet wird, daß und Widerstand bzw. Leitwert pro Längeneinheit bedeuten.


Leitungsgleichungen

Zur Lösung der Gleichungen 7 verwenden wir Sinusschwingungen der Frequenz w, deren Augenblickswerte geschrieben werden als :


x(t) = Re ejwt


Oder mit dem Effektivwert

(9)

X =

= X

x(t) = Re [ejwt


Wir setzen diese Gleichung in Gleichung 7 ein, indem wir für die allgemeine Größe x Spannung u bzw. Strom i schreiben. Außerdem wird verwendet, daß die zeitlichen Ableitungen ergeben :


[ X ejwt ] = jwX ejwt = jw (10)


weil die Ableitung einer e-Funktion diese wieder eine e-Funktion ergibt und die innere Ableitung den Faktor jw ergibt. Wir können somit im folgenden stets für den Faktor jw einsetzen. Damit folgt schließlich :


X = = - (R´+ jwL´) i


u(t) = Re = - Re [(R´+ jwL´) I ejwt (11)


i(t) = Re = - Re [(G´+ jwC´) U ejwt


Die partiellen Ableitungen d () konnten durch normale ersetzt werden, weil nur noch die Ableitungen nach z übriggeblieben sind.


Differentialgleichungen für U und I


Die oben beschriebenen Gleichungen sind erfüllt, wenn gilt




(12)



Dies sind die Differentialgleichungen der Effektivwerte von Spannung und Strom im eingeschwungenen Zustand. Zur Lösung dieser Gleichungen differenziert man die erste


Gleichung nach z und setzt aus der zweiten Gleichung in die erste ein :


= (R´+ jwL´) (G´+ jwC´) U                                                         (13)


Setzen wir zur Abkürzung g = (R´+ jwL´) (G´+ jwC´), erhalten wir :









(14)








Lösung der Wellengleichung


Lösungen der Wellengleichung (14) sind


U1 e-gz und U2 egz



Integrationskonstanten


wobei U1 und U2 beliebige komplexe Konstanten sind. Die allgemeine Lösung der Wellengleichung folgt aus der Addition beider Teillösungen, also






(15)







Lösung für den Strom


Eine Lösung für den Effektivwert des Stromes erhält man, wenn man die erste der Gleichungen (12) nach I aufgelöst und für U die Lösung für die Spannung Gleichung (15) eingesetzt wird :


= -(R´+ jwL´) I                            = g U


= g (U1 e-gz - U2 egz (16)


I = - = (U1 e-gz - U2 egz


Durch einsetzen von g (Gleichung 14) entsteht :


= wird diese Zeile quadriert, erhält man :


kürzt man hier das (R´+ jwL´) weg, erhält man :


daraus erhält man dann als Endergebnis den





(17)




Nun ergibt sich für den Strom




(18)










Integrationskonstanten U1 , U2


In den Lösungen für die Spannung Gleichung 15 und den Strom Gleichung 18 sind noch die Integrationskonstanten U1 und U2 zu bestimmen. Das gelingt, indem man beispielsweise Strom und Spannung am Anfang a der Leitung, also bei z = 0 betrachtet. Es folgt aus Gleichung 15 :


U(0) = U1 + U2 = Ua   U1 = Ua - U2


I(0) = (U1 - U2) = Ia U2 = U1 - Ia Z dieses U2 oben einsetzen :


U1 = Ua - U1 + Ia Z daraus ergibt sich :


U1 = und U2 = (19)



Leitungsgleichungen


Durch einsetzen der Integrationskonstanten Gleichung 19 in Gleichung 15/18 entsteht die sogenannte physikalische Form der Leitungsgleichungen :







(20)







Eine andere Schreibweise der Leitungsgleichungen ergibt sich, wenn die Koeffizienten Ua, Ia, ZIa und Ua / Z zusammengefaßt werden :


U(z) = Ua - ZIa

(21)

I(z) = Ia - .








Da die mathematische Form von


= sinh x


und


= cosh x


ist, folgt daraus die mathematische Form der Leitungsgleichungen :






(22)





Aus diesem Zusammenhang ergibt sich dann das Aik aus den A-Parametern :


U1 = A11U2 + A12 (-I2)


I1 = A21U2 + A22 (-I2)


wobei :


gw = g z (z=l)


T        Aik =                                                        (23)



Telegrafengleichung


Wenn wir aus den bisher verwendeten Leitungsgleichungen den Strom eliminieren, erhält man eine Differentialgleichung für die Spannung u. Dazu differenzieren wir die erste Gleichung partiell nach x, die andere partiell nach t :


                              






Setzt man aus der rechten Gleichung und aus den Leitungsgleichungen in die linke Gleichung ein, so ergibt sich :






(24)





Diese partielle Differentialgleichung mit konstanten reellen Koeffizienten bezeichnet man als Telegrafengleichung für die Spannung u. Wie man leicht erkennen kann, hätte man bei Eliminieren der Spannung die gleiche Differentialgleichung für den Strom i erhalten; d.h. wenn uns der Strom interessiert, brauchen wir nur in die zuletzt geschriebene Gleichung u durch i ersetzen.





Wellenausbreitung


In diesem Abschnitt sollen die Leitungsgleichungen interpretiert werden und damit die Ausbreitung von Wellen auf Leitungen diskutiert werden.


Zeit- und Ortsabhängigkeit


Die komplexen Leitungsgleichungen sind für eine Diskussion in Gleichungen für die Augenblickswerte u und i umzuformen, denn nur daran lassen sich die orts- und zeitabhängigen Vorgänge auf Leitungen ablesen. Dazu verwenden wir für die Ausbreitungskonstante die Form g a + jb und weiterhin den Zusammenhang zwischen Augenblickswert und Effektivwert : x = Re X e jwt

Daraus folgt :




U = U1 e -gz + U2 e gz u(t) = Re U e jwt


egz = e az e jbz g a + jb


u(z,t) = Re [U­1 e -az e -jbz ejwt + U2 e az e jbz ejwt

(25)

i(z,t) = Re .


Weiterhin wird verwendet, daß :


Re [e az] = e az und e jj = cos j j sin j


wodurch :


Re [ e j (wt - bz)] = cos (wt - bz)


Re [e j (wt + bz)] = cos (wt + bz)


Damit ergibt sich :



(26)




Grafische Darstellung


Eine Interpretation der Gleichungen führt zuerst zu der Erkenntnis, daß sowohl Strom als auch Spannung aus jeweils zwei Anteilen bestehen, die mit den Indizes 1 und 2 gekennzeichnet sind. Zu erkennen ist auch, daß beide Teile Kosinusschwingungen der Kreisfrequenz w sind, deren Gesamtphase -bz bzw. +bz beträgt.


Der Spannungsverlauf der Gleichung


u(z,t) = e -az cos (wt - bz) + e az cos (wt + bz)                   (27)


ist im unteren Bild wiedergegeben :



Bild 9 - Grafische Darstellung von Gleichung 27 mit einfallender

und reflektierter Welle





Einfallende Welle


Der erste Anteil von Gleichung 27 stellt eine nach rechts (in z-Richtung) verlaufende Welle dar, deren Amplitude längs der Leitung mit e -az abnimmt - dies ist die einfallende Welle mit der Ausbreitungsgeschwindigkeit :



bPhasenkonstante

(28)

wKreisfrequenz



Reflektierte Welle


Ebenso gilt, daß der zweite Anteil von Gleichung 27 eine nach links (in negativer z-Richtung) verlaufende Welle beschreibt, deren Amplitude längs der Leitung ebenfalls mit e a(-z) = e -az abnimmt. Weil im hier verwendeten Beispiel am Anfang der Leitung eingespeist wird, kann es sich nur um eine vom Ende der Leitung reflektierte Welle handeln.









Anpassung


Ein wichtiger Sonderfall ergibt sich, wenn vom Ende der Leitung keine Welle reflektiert wird. Dazu muß entweder die Leitung unendlich lang sein, so daß am Ende keine Energie mehr ankommt, mithin auch nichts reflektiert werden kann. Oder es muß die am Leitungsende eintreffende Energie vollständig von einem Verbraucherwiderstand absorbiert werden. Die Bedingungen für das Verschwinden der rücklaufenden Welle lautet nach Gleichung 20 :

Ua - ZIa = 0.


Das bedeutet, wenn der Abschlußwiderstand R = Z wird, gibt es keine Reflexion am Leitungsende.












Reflexionsfaktor


Im allgemeinen Fall kann man nicht von einer Anpassung ausgehen, vielmehr wird ein beliebiger Abschlußwiderstand zu berücksichtigen sein, so daß mit Reflexionen zu rechnen ist. Nehmen wir an, daß die Leitung mit einem beliebigen Widerstand R abgeschlossen ist, die Spannung über diesen Widerstand also beschrieben werden kann als Ue = RIe. Dann können wir mit Gleichung 20 schreiben :


U(z) = (R + Z) Ie e -gz + (R - Z) Ie e gz (29)


Daraus bilden wir das Verhältnis der rücklaufenden Welle :


(30)


und es ergibt sich der Reflexionsfaktor :





(31)




Eine andere Schreibweise ergibt sich, wenn das komplexe Widerstandsverhältnis z = R/Z eingeführt wird :




(32)



Leerlauf


Bei Anpassung wirkt der Abschlußwiderstand R = Z für die Leitungswelle so, als wenn die Leitung "unendlich" weitergeführt würde. Recht bildlich wird manchmal gesagt, daß die Welle sozusagen überlistet würde, weil sie im Abschlußwiderstand R = Z eine Fortführung der Leitung zu sehen meint und darum ahnungslos in diesen Widerstand hineinwandert. Mathematisch wird dieser Fall durch einen Reflexionsfaktor r = 0 beschrieben. Ein weiterer Sonderfall ist der einer leerlaufenden Leitung, wenn also eine Leitung mit einem sehr hohen Widerstand abgeschlossen ist (im Grenzfall unendlich groß). Praktisch wird dieser Fall durch eine am Ende offene Leitung realisiert, wobei der sehr hohe Abschlußwiderstand durch die Luft zwischen den Leitungen gebildet wird. Mit den beiden Gleichungen für den Reflexionsfaktor ergibt sich für R = ein Reflexionsfaktor für


Leerlauf : r = 1.


Das bedeutet, die einfallende Welle wird vollkommen reflektiert.

Strom- und Spannungsverlauf


Um den Strom- und Spannungsverlauf auf einer Leitung und am Leitungsende diskutieren zu können, setzen wir in der physikalischen Form der Leitungsgleichungen (20) die "Endwerte" von Strom und Spannung ein (Ie und Ue) und beziehen außerdem die Ausbreitungskonstante z auf die Leitungslänge l; dann folgt


U(z) = (Ue + ZIe) e g (l-z) + ( Ue - ZIe) e -g (l-z)

e-gz = eg (l-z) T l = 0       (33)

I(z) = ( + Ie) e g (l-z) - (- Ie) e -g (l-z)


Nun verwenden wir, daß für eine am Ende offene Leitung Ie = 0 gelten muß, so daß aus der Gleichung für Leerlauf entsteht :





(34)







Die Gleichung für den Strom ist mit Z multipliziert, um in dem unten angeführten Bild denselben Maßstab verwenden zu können. Am Ende der Leitung, bei z = l also, werden die Gleichungen zu :


U(z=l) = Ue und Ie(z=l) = 0.


Auf der Leitung selbst haben Strom und Spannung den gleichen oszillierenden Verlauf, jedoch so gegeneinander verschoben, daß der Strom dort minimal wird, wo die Spannung maximal ist und umgekehrt dort Strommaxima liegen, wo die Spannung minimal ist.


Bild 10 - Strom und Spannungsverlauf bei Leerlauf am

Leitungsende





Kurzschluß


Ein idealer Kurzschluß ist dadurch gekennzeichnet, daß R = 0 gilt. Damit ergibt sich nach Gleichung 31 ein Reflexionsfaktor für


Kurzschluß : r = -1.


Das bedeutet, die einfallende Welle wird wie bei Leerlauf vollkommen reflektiert, nur ist nicht die reflektierte Welle am Ende der Leitung in Phase mit der einfallenden, sondern bei Kurzschluß sind einfallende und reflektierte Welle um 180° phasenverschoben. Mit der Bedingung, daß für die am Ende kurzgeschlossene Leitung Ue = 0 wird, entsteht aus Gleichung 33 für Kurzschluß :






(35)






Am Ende der Leitung wird


U(z=l) = 0 und I(z=l) = Ie .


Auf der Leitung selbst haben Strom und Spannung wieder den gleichen oszillierenden Verlauf, nur haben sie gegenüber Leerlauf sozusagen ihre Rollen vertauscht. D.h. Bild 10 gilt auch für Kurzschluß, wenn Strom und Spannung ausgetauscht werden



Bild 11 - Strom- und Spannungsverlauf bei Kurzschluß am

Leitungsende


Verlustlose Leitung


Der Sonderfall einer verlustlosen oder dämpfungsfreien Leitung ist besonders leicht faßbar. Dann sind nämlich R´ und G´ gleich Null und es gilt a = 0. D.h. die exponentielle Anderung von Strom- und Spannungsamplituden verschwindet; Strom und Spannung haben über die ganze Leitungslänge eine konstante, ungedämpfte Amplitude. In der dreidimensionalen Darstellung im Bild auf der nächsten Seite erkennt man, daß die komplexen Verläufe von Strom und Spannung im Falle der verlustbehafteten Leitung einen Rotationskörper bilden, dessen Mantel sich in z-Richtung exponentiell verjüngt. Im Falle der verlustlosen Leitung entartet dieser Rotationskörper in einen Kreiszylinder. Die Schraubenlinien auf den Rotationskörpern geben den Einfluß der Phasenkonstanten b wieder (Imaginärteil von g


Bild 12 - Rotationskörper der komplexen Strom- und

Spannungsverläufe

Links : verlustbehaftete Leitung (a

Rechts : verlustlose Leitung (a


Stehende Wellen


Für im Leerlauf oder Kurzschluß betriebene verlustlose Leitungen ergibt sich folgende Besonderheit : Der Reflexionsfaktor ist dem Betrage nach gleich Eins, d.h. hin- und rücklaufende Wellen haben entlang der Leitung gleiche Amplitude. Jedoch addieren sie sich einmal zum doppelten Wert der Einzelwelle, zum anderen heben sie sich gerade auf. Strom und Spannung sind um 90° in der Phase verschoben, so daß sich das unten angeführte Bild ergibt. Man bezeichnet diesen Sonderfall mit dem Ausdruck stehende Wellen



Bild 13 - Verlustlose Leitung im Leerlauf oder Kurz-

Schluß führt zur Ausbildung stehender Wellen

Phasenverschiebung zwischen Strom und

Spannung beträgt 90°


Eingangswiderstand


Gemäß Bild 14 kann eine Doppelleitung als Vierpol aufgefaßt werden. Der Zusammenhang zwischen Strömen und Spannungen an den Klemmenpaaren am Anfang a und Ende e der Leitung ist durch die Leitungsgleichungen bestimmt. Dabei ist zu bedenken, daß der räumliche Verlauf von Strom und Spannung längs der Leitung durch den gegebenen Leitungsabschluß erzwungen wird. Darum wird oft von Bedeutung sein, wie groß der Widerstand am Anfang der Leitung in Abhängigkeit von Leitungsabschluß und Leitungslänge ist. Dieser Eingangswiderstand ergibt sich aus :





Ra =


Bild 14 - Doppelleitung als Vierpol


Berechnung des Eingangswiderstandes


Zur Berechnung des Eingangswiderstands einer Leitung gehen wir von der mathematischen Form der Leitungsgleichung aus. Jedoch verwenden wir dabei nicht die auf den Leitungsanfang bezogenen Formen Gleichung 22, sondern wir formen die auf das Leitungsende bezogenen Gleichungen 33 entsprechend um. Es ergibt sich :


U(z) = Ue cosh g (l-z) + ZIe sinh g (l-z)


I(z) = Ie cosh g (l-z) + sinh g (l-z) .


Am Anfang der Leitung ist z = 0. Somit folgt :                    


U(z=0) = Ua = Ue cosh gl + ZIe sinh gl


I(z=0) = Ia = Ie cosh gl + sinh gl .


Setzen wir diese Gleichungen zusammen mit Rl = Ue / Ie in Ra = ein, entsteht :


Ra = Z


oder





(38)





Sonderfälle des Eingangswiderstandes


Nach Gleichung 38 ist der Eingangswiderstand Ra eine Funktion des Abschlußwiderstands Rl. Weitere Informationen sind aus diesem komplexen Ausdruck jedoch nur schwer zu entnehmen. Darum sollen zwei Sonderfälle betrachtet werden :


Leerlaufwiderstand nennt man den Eingangswiderstand, der sich für eine am Ende leerlaufende Leitung ergibt. Dann ist Ie = 0, und es entsteht aus Gleichung 35 :


Ra (Leerlauf) = Z coth gl                                                           (39)


Kurzschlußwiderstand heißt der Eingangswiderstand, wenn Ue = Rl = 0 ist. Dann folgt


Ra (Kurzschluß) = Z tanh gl.                                                     (40)


Mit Hilfe des unten angeführten Bildes können wir schließen, daß für hinreichend große Argumente hyperbolischer Tangens und Kotangens gleich 1 gesetzt werden können. Daraus folgt :










Bild 15 - Verläufe von tanh x und coth x



Leitungskonstanten


Im Kapitel Leitungsgleichungen wurden die für die Wellenausbreitung auf Leitungen maßgeblichen Größen Ausbreitungskonstante g und Wellenwiderstand Z definiert; beide hängen von den Leitungsbelägen R´, L´, G´ und C´ ab. Für diese sechs, eine Leitung charakterisierenden Größen wurde folgende Einteilung eingeführt :










Primäre Leitungskonstanten


Die Berechnung der Leitungsbeläge ist in der Regel äußerst schwierig. Hier sollen darum am Beispiel Koaxialleitung nur grob qualitativ die Frequenzabhängigkeiten der Beläge angegeben werden. So ergibt sich die erfreuliche Tatsache, daß Induktivitätsbelag L´ und Kapazitätsbelag C´ von der Frequenz nahezu unabhängig sind. R´ und G´ jedoch sind stärker von der Frequenz abhängig. Für hohe Frequenzen gilt :


                     und G´ w


Im unten dargestellten Bild sind diese Abhängigkeiten dargestellt. Bei tiefen Frequenzen weicht R´ von der Proportionalität zur Wurzel aus der Frequenz ab und läuft bei w = 0 in den Gleichstromwerto .



Bild 16 - Widerstandsbelag R´ und Leitwertbelag G´ als Funktion

der Frequenz für eine Koaxialleitung


Sekundäre Leitungskonstanten


Aus den Gleichungen 14 und 17 wissen wir, daß für die sekundären Leitungskonstanten gilt :


g = = a + jb


Z = .


Es sollen für ein paar wichtige Sonderfälle Näherungen für g und Z angegeben werden.


Verlustlose Leitung


Sind keine Verluste vorhanden, ist also a = 0, muß nach Gleichung 14 auch R´= G´= 0 sein. Dann folgt sofort Z = und b w . Der Wellenwiderstand wird also reell und frequenzunabhängig.


Freileitungen


Für diesen wichtigen Leitungstyp (Telefon) gilt, wenn der Leitungsquerschnitt genügend groß ist, daß der Ableitungswiderstand verschwindet (G 0), der Induktivitätsbelag aber groß wird, also wL´ >> R´ angenommen werden kann (außer bei ganz niedrigen Frequenzen). Dann ergeben sich :


Z = , a = und b w .


Wellenwiderstand und Phasenkonstante stimmen also mit den Ergebnissen der verlustlosen Leitung überein.



Leitung mit geringem Querschnitt


Wenn der Leitungsquerschnitt klein wird, muß man tiefe und hohe Frequenzen getrennt betrachten. Bei tiefen Frequenzen kann G´ 0 und R´ wL´ angenommen werden. Damit ergibt sich Z = und a b = . Bei hohen Frequenzen stimmen Z , a und b mit den Ergebnissen für Freileitungen überein.


Verzerrungsfreie Leitung


Eine Leitung wird als verzerrungsfrei bezeichnet, wenn Dämpfung und die in Gleichung 28 angegebene Ausbreitungsgeschwindigkeit auf der Leitung unabhängig von der Frequenz sind. Die Bedingung dafür lautet :




Verzerrungsfreie Leitung




Damit ergibt sich a = R´ . Z und b stimmen wieder mit den Ergebnissen der verlustlosen Leitung überein.


Ergebnisse für Z , a und b


In der nachfolgenden Tabelle sind die eben ermittelten Ergebnisse für Wellenwiderstand sowie Dämpfungs- und Phasenkonstante (real- und Imaginärteil der Ausbreitungskonstanten

g) gesammelt. Das auffälligste Ergebnis ist, daß bei hohen Frequenzen immer Z gegen und b gegen w gehen.



Leitungstyp



Bedingungen


Z


a


b


Verlustlose Leitung (Höchstfrequenz)


R´= G´= 0





w


Freileitung


wL´ >> R´


w

Leitung mit geringem Querschnitt bei tiefen Frequenzen (stark gedämpft)


R´ >> w




Leitung mit geringem Querschnitt bei hohen Frequenzen (schwach gedämpft)


wL´ >> R´

wC´ >> G´





w


Verzerrungsfreie Leitung





w

Bild 17 - Frequenzabhängigkeit von a und b Bild 18 - Begriffe "starke" und "schwache" Dämpfung

Bild 19 - Ortskurven U (x/l) und I (x/l) bei Wellenwiderstandsabschluß

Phasengeschwindigkeit


Die mit Gleichung definierte Ausbreitungsgeschwindigkeit von Leitungswellen wird Phasengeschwindigkeit genannt. Diese Bezeichnungsweise rührt daher, daß die Ausbreitungsgeschwindigkeit v = w b das Wandern der Nulldurchgänge von Strom oder Spannung und damit die zeitliche Anderung der Phase beschreibt (Ausbreitung der Wellenphase). Für sämtliche in der Tabelle angegebenen Fälle mit b w ergibt sich für die Phasengeschwindigkeit :




(41)




Diese wichtige Gleichung besagt, daß unter den gegebenen Bedingungen die Phasengeschwindigkeit praktisch von der Frequenz unabhängig ist.


Gruppengeschwindigkeit


Das Wandern der Nulldurchgänge auf Leitungen muß nicht notwendigerweise mit derselben Geschwindigkeit geschehen wie das Ausbreiten der in den Leitungswellen enthaltenen Energie. Darum hat man neben der Phasengeschwindigkeit die Gruppengeschwindigkeit eingeführt, deren mathematische Beschreibung lautet :





(42)




Sie ergibt sich also als Ableitung der Frequenz nach der Phasenkonstante. In vielen Fällen ist jedoch v = vg .Wenn aber v vg gilt, sagt man, die Leitung hat Dispersion (Auseinanderlaufen).















Eigenschaften spezieller Leitngen

Koaxialkabel


Für Frequenzen ab etwa 100 kHz werden heute überwiegend Koaxialkabel verwendet. Vor allem im MHz-Bereich bis hinauf zu etwa 3 GHz ist das Hauptfeld für Koaxialkabel, weil hier dieser Leitungstyp bei geringen Abmessungen sehr niedrige Dämpfungsverluste aufweist und die koaxiale Bauweise besonders sicher gegen Störbeeinflussungen ist. Weiterhin gilt als vorteilhaft, daß die Dämpfung auf Koaxialleitungen witterungsunabhängig ist.


Prinzipieller Aufbau


Der prinzipielle Aufbau eines Koaxialkabels ist in Bild 20 dargestellt. Es ist ein massiver Innenleiter (Kupferdraht) von einer Isolation und einem rohrförmigen Außenleiter umgeben, wobei der Außenleiter durch einen isolierenden Mantel geschützt ist. Durch diese koaxiale Anordnung ist der signalführende Innenleiter gegen äußere Störfelder weitgehend abgeschirmt.


Bild 20 - Prinzipieller Aufbau

eines Koaxialkabels


Fernsprechkoaxialkabel


Für das öffentliche Fernsprechnetz wurden nach 1945 vom CCITT international Koaxialkabel genormt (CCITT: Comite Consultatif International Telegraphique et Telephonique, etwa : Internationaler beratender Ausschuß für den Telegrafen- und Fernsprechdienst). Bei der sogenannten CCI-Normaltube 2,6/9,5 handelt es sich um eine Ausführung mit einem kupfernen Innenleiter von 2,64 mm Durchmesser, der gemäß Bild 21 durch scheibenförmige Distanzstücke aus Polyäthylen oder Teflon geschoben ist. Darum wird ein aus einem Kupferband gebogener Außenleiter von 9,52 mm Durchmesser geschoben, der durch dünne Stahlbänder stabilisiert und durch einige Lagen Papierband geschützt ist. Mehrere solcher Leitungen werden zusammen zu Fernmeldekabeln verseilt. Oft sind sie auch zusammen mit Doppelleitungen oder Vierern verseilt.




Bild 21 - Koaxialkabel für das öffentliche Fernsprech-

netz

Wellenwiderstand


Eine wichtige Bestimmungsgröße für das Koaxialkabel ist der Wellenwiderstand Z, der im allgemeinen eine komplexe Größe ist. Für praktische Anwendungen genügt jedoch die Kenntnis des Realteiles. Man erhält ihn aus dem Logarithmus des Verhältnisses der Durchmesser vom Außenleiter D und Innenleiter d (Bild 22)




(43)




Der Verlauf dieses Wellenwiderstandes ist im Bild 23 dargestellt, jedoch multipliziert mit der Wurzel aus der Dielektrizitätskonstanten.


Bild 23 - Wellenwiderstand von Koaxialkabeln in Abhängigkeit

Bild 22 - Bestimmungsgrößen                         vom Durchmesserverhältnis

Für den Wellenwiderstand von

Koaxialkabeln

Dämpfungskonstante


Eine weitere wichtige Beschreibungsgröße ist selbstverständlich die Dämpfungskonstante a. Für Fernsprech- und Empfängerkoaxialkabel kann die im Kapitel "Leitungskonstanten" angegebene Näherung für Leitungen mit geringem Querschnitt bei hohen Frequenzen benutzt werden, also :



a = .


Mit der ebenfalls eingeführten Näherung Z = kann die obige Gleichung geschrieben werden als



(44)



Die Dämpfung setzt sich also zusammen aus einer Längsdämpfung aR und einer Querdämpfung aG . Man wünscht sich aR klein und aG groß. Dies wird möglich, wenn Z groß ist. Verwenden wir Gleichung 43, wird ersichtlich, daß Z groß wird bei einem großen Verhältnis D/d. Koaxialkabel mit großem Außendurchmesser werden darum ein günstiges Dämpfungsverhalten aufweisen. Bild 24 zeigt den Einfluß des Außendurchmessers D auf die Dämpfung mit Z = 60 W


Bild 24 - Einfluß des Außendurchmessers eines Koaxialkabels auf die

Dämpfungskonstante mit Z = 60 W


Grenzen der Störsicherheit


Die koaxiale Anordnung wird mit Recht als besonders störsicher angesehen, weil der Außenleiter den Innenleiter abschirmt. Jedoch sind immer noch Fälle denkbar, in denen das zu übertragende Signal nicht vollständig gegen Störungen abgeschirmt wird. Diese zumeist geringen Störeinwirkungen spielen aber dann eine große Rolle, wenn Koaxialleitungen zur Übertragung niedriger Spannungen benutzt werden sollen (Meßleitungen).



Fernmeldekabel



Fernmeldekabel bestehen aus Kupferleitern von 0,4 bis 1,5mm Durchmesser. Um die Kapazität der Kabel klein zu halten, werden die Kupferleiter zunächst mit einer feinen Papierschnur umwickelt (0,2 mm ), darüber kommt dann ein Papierband in Form eines Röhrchens. Die so isolierten Leiter werden paarweise oder, meistens, als Vierer zu einer Grundeinheit verseilt. Wie in Kapitel "Leitungstypen-Freileitungen" beschrieben, unterscheidet man dabei Sternverseilung und DM-Verseilung. Die Paare oder Vierer werden auf verschiedene Weise gebündelt, woraus die sogenannte Kabelseele entsteht. Bild 25a zeigt, wie Sternvierer in konzentrischen Lagen zur Kabelseele verseilt werden. In einem Beispiel sind dies 600 Vierer, d.h. diese Kabelseele besteht aus 2400 Leitern. Manchmal werden Sternvierer zu Bündeln und erst diese Bündel zu Kabelseelen verseilt (Bilder 25b und 25c). Bild 26 links gibt den kompletten Aufbau eines Fernsprechkabels an. Das Bild 26 rechts zeigt ein ausgeführtes Fernmeldekabel.




Bild 25 - Aufbau von Kabelseelen aus Sternvierern; a) konzentrische Lagen, b) und c) gebündelte Sternvierer



Bild 26 - Links : Aufbau eines Fernsprechkabels mit Kabelseele in konzentrischer Lagenverseilung

Rechts : ausgeführtes Fernmeldekabel







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