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Norwegische Volksmarchen und - sagen




Norwegische Volksmärchen und -sagen


Wenn Hexen Geistern das Leben schwer machen, Riesen Zwerge auslachen, und Drachen eine kleine Fee bedrohen, dann befinden wir uns nicht im neuen Spielberg-Streifen, sondern eher mitten in einem Märchen oder einer Sage - in dem Spiel zwischen Gut und Böse, wo am Ende meist das Gute auf dem Siegertreppchen steht. Märchen werden seit Jahrhunderten mündlich von Generation zu Generation überliefert, und gehören zur Volksdichtung. Sie werden in Phantasiesprachen mit unzähligen Symbolen erzählt.

In Norwegen ist man besonders stolz auf diesen Teil des Kulturerbes, denn sie weisen auf die Wurzeln der norwegischen Kultur hin.


Der Märchenstil


Typisch für diesen Stil der Erzählung ist, daß wir mit einer Einleitungsformel (z.B. "Es war einmal") in die Märchenwelt geschickt werden, und mit einem Schlußsatz (z.B. "Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.") wieder in die Realität zurückgeholt werden. In der Volksdichtung sind Schematisierungen üblich. Zumeist ist der Personenkreis im Märchen begrenzt, wobei der Aschenhans die wichtigste Rolle spielt. Am Anfang ist er immer der Unglückliche oder Verachtete. Er wartet auf den richtigen Zeitpunkt, tritt in das Geschehen ein, und alles wendet sich zum Guten.




Die Zahl Drei und Wiederholungen spielen in norwegischen Märchen eine bedeutende Rolle. Die Schwierigkeiten werden von Mal zu Mal größer; häufig kommt es beim dritten Mal zu einer Lösung. Das Märchen beginnt und endet ruhig - natürlich mit Happy End. Die Guten haben die Belohnung bekommen, die Schlechten bereuen ihre Tat, und wurden bestraft.


Die verschiedenen Arten von Märchen


Norwegische Märchen lassen sich in drei Hauptgruppen einteilen: Tiermärchen, Wunder- und Zaubermärchen und Schwankmärchen.

In den Tiermärchen spielen hauptsächlich der Bär, der Fuchs und der Wolf mit. Auch Märchen mit Haustieren wie Katze, Ziege oder Hund sind beliebt. Sie können zwar sprechen und sich wie Menschen verhalten, doch ihre tierischen Eigenschaften gehen ihnen nicht verloren. Das Thema einer Vielzahl von Märchen liegt einer bestimmten Eigenschaft eines Tieres zugrunde.

Die bedeutendste und größte Gruppe stellen die Wunder- und Zaubermärchen dar. Sie erzählen von besonderen Wesen wie Riesen, Drachen, Trollen, sowie Menschen mit übernatürlichen Kräften. Man findet Phantastisches wie Tarnkappen, Schlösser aus Gold oder gläserne Berge. Die Struktur folgt einem festen Muster: Zuerst wird von einem Unglück oder Schaden berichtet; der Held wird dann mit den nötigen Hilfsmitteln ausgerüstet. Meist trifft der Held auf eine Prinzessin; nach anfänglichen Schwierigkeiten wendet sich alles zum Guten, und er hat "die Prinzessin und das halbe Königreich gewonnen".

Viele Zaubermärchen handeln von Verwandlungen und Trollen - ebenfalls mit glücklichem Ausgang. In norwegischen Volksliedern werden diese Themen oft aufgegriffen. Verwandlungsmärchen haben ihren Ursprung teilweise bei griechischen Mythen, und erzählen davon, wie Menschen oder Tiere in andere Geschöpfe verwandelt werden.

Typisch für die Schwankmärchen ist eine Anhäufung von wunderlichen Ideen und witzigen Einfällen.



Die ältesten Spuren norwegischer Märchen


Märchen haben sich über alle Kontinente hinweg verbreitet. Sie sind eine der ältesten Form der Überlieferung. Bereits in der altnorwegischen Sprache des 12. Jahrhunderts finden wir das norwegische Wort für Märchen (eventyr). Es bedeutet "Ereignis" oder "wunderbare Begebenheit". Obwohl es Märchen schon so lange Zeit gab, wurden sie vor dem 19. Jahrhundert nicht aufgeschrieben. Das lag daran, daß die "high society" Märchen nicht schätzte. Sogar der führende norwegische Dichter Ludvig Holberg (18. Jahrhundert) glaubte, Märchen seien wertlos und sollten verboten werden. Seit der Zeit der Romantik in Deutschland fiel ein anderes Licht auf die Volksdichtung. Von nun an galt sie als Spiegel des Volksgeistes. Diejenigen, die zuerst nicht nur den nationalen und künstlerischen Wert in der Volksdichtung sahen, sondern auch die wissenschaftliche Bedeutung erkannten, waren die deutschen Gebrüder Grimm. In deren Fußstapfen traten schnell die ersten norwegischen Märchensammler und -herausgeber Peter Christen Asbjornsen und Jorgen Moe.


Die Sammlungen von Asbjornsen und Moe


Schon in der Mitte des letzten Jahrhunderts wurde die erste Ausgabe von gesammelten Märchen herausgebracht. Die Ausgaben von Asbjornsen und Moe geben einen Eindruck darüber, was norwegische Märchen sind. Heute sind die beiden zum klassischen Ausdruck norwegischer Märchentradition geworden, und auch außereuropäisch berühmt geworden. Diese Märchensammlung beinhaltet knapp die Hälfte aller in Norwegen bekannten Märchen, vor allem die aus dem Raum Ostnorwegen. Im Laufe der Zeit sind ihre Märchen immer wieder in neuen Ausgaben erschienen. Die Sprache und der Stil sind jedesmal überarbeitet worden, so daß ihr Werk immer ursprünglich war, und dennoch neu belebt wurde.


Wie norwegisch sind die Märchen?


Es ist schwierig, das typisch norwegische an einem Märchen festzulegen, da sie über die ganze Welt wandern, und man gewissen Züge überall wiederfindet, die vorher für norwegisch gehalten wurden. Trotzdem kann man sagen, daß der norwegische Märchenstil von Objektivität geprägt ist. Das Thema kann sehr übernatürlich sein, doch die Erzählweise ist sehr realistisch. Auch Illustrationen geben den Märchen oft ihren "realistischen Touch". Der realistische Stil verzichtet auf das Schildern von Gefühlen und berichtet kaum von Einzelheiten.


Märchenerzählung und Märchenerzähler


Obwohl sie Volksmärchen heißen, durften sie nicht von jedermann erzählt werden. Nur wenige Leute beherrschten die Fähigkeit, lange und komplizierte Wunder- und Zaubermärchen zu erzählen. Sie mußten ein gutes Gedächtnis und Erzähltalent haben. Jedesmal wurden die Märchen ein wenig anders erzählt, der Erzähler gab dem Märchen damit seine persönliche Note. Deshalb kann man auch nicht sagen, daß eine bestimmte Erzählung eines Märchens die richtige ist. Zu den Märchenerzählern gehörten hauptsächlich Tagelöhner, Diener und Reisende. Zwischen dem Geschlecht der Hauptfigur und dem Erzähler gab es oft einen Zusammenhang. Bei einer männlichen Heldenfigur wurde das Märchen natürlich auch von den Herren der Schöpfung erzählt. Er konnte das erzählen, was er gern vollbracht hätte. Märchen dienten als eine Art Tagtraum, in die sich Erzähler und Zuhörer hineinträumen konnten.






Volkssagen


Im Gegensatz zum Volksmärchen steht die Volkssage, über die häufig gesagt wird, sie sei wahr. In der Volkssage wird das Leben so beschrieben, daß die Menschen sich eher darin wiederfinden können. Eine Sage ist kürzer als ein Märchen und abhängig von Ort und Zeit.


Mythische Sagen


Norwegens Natur ist ein ständig wiederkehrendes Thema in den Sagen. Sie sind oft bis zum heutigen Tage lebendig. Vor allem ein rauhes und gebirgiges Land wie Norwegen hat eines Vielzahl von Sagen zu bieten, die mit Naturphänomenen verbunden sind. Mythische Sagen handeln von übernatürlichen Geschöpfen.


Beispiele:

Draugen ist der Geist aller, die ihr Leben auf See verloren haben. Er wird hörbar, wenn jemand zu ertrinken scheint.

In Flüssen und Seen kann man die Bekanntschaft mit Nöck machen, der versucht, durch seinen Gesang Menschen zu sich ins Wasser zu locken.

Trolle spielen eine wichtige Rolle in norwegischen Sagen. Heute sollen Schluchten, oder riesige Steine auf die ehemalige Existenz von Trollen hinweisen.

Die Unterirdischen gehören zum wichtigsten Teil der norwegischen Sage. Sie werden im Gegensatz zum Menschen oft als "niedere Wesen" beschrieben, weil sie nicht unter der Sonne, sondern in Bergen oder unter der Erde leben, obwohl ihre Welt der der Menschen sehr ähnlich ist. Oft sagt man, man könne die Unterirdischen in den Bergen hören. Manchmal wurden Leute von den Unterirdischen ins Berginnere gelockt, kehrten nicht immer zurück. Umgekehrt können auch Unterirdische in unserer Welt erscheinen.


Historische Sagen


Grundlagen für diese Art von Sagen finden wir in zum allergrößten Teil in der neueren Zeit. Viele erzählen von der Pest in den Jahren 1349/50 in Gestalt einer alten Frau, die mit einem Besen und einem Spaten durch das Land zog. Dort wo sie kehrte, starben alle. Wenn der Spaten zum Einsatz kam, blieb das Gebiet von der Pest verschont.

Eine andere große Gruppe von historischen Lokalsagen handelt von Beamten. Die Sagen aber, die am besten erinnert werden, sind die über seltsame Priester. Vertreter der Kirche, die mit der Dorfbevölkerung in Streit lagen, waren vorherrschende Gestalten.


Glauben die Norweger an ihre Sagen?


Im Gegensatz zu Märchen, die hauptsächlich in einer übernatürlichen Welt spielen, glauben die Leute eher an Sagen, die auf wahren Tatsachen beruhen könnten. Sagen sind im Grenzgebiet zwischen Realität und Phantasie einzuordnen.

Man kann nicht genau sagen, ob Sagen auf tatsächlichen Ereignissen beruhen. Häufig werden sie so erzählt, als seien sie wahr. Menschen, die an die Existenz von zum Beispiel Unterirdischen im Berginneren glauben, glauben auch an die Sagen. Da dieser Volksglaube mehr und mehr verschwindet, dienen Sagen immer häufiger zur Unterhaltung.

Trotzdem hat die Volksdichtung auch heute noch einen hohen Stellenwert in Norwegen!



"Einander kennenlernen heißt lernen, wie fremd man einander ist."

(Christian Morgenstern)











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