REFERAT-MenüDeutschGeographieGeschichteChemieBiographienElektronik
 EnglischEpochenFranzösischBiologieInformatikItalienisch
 KunstLateinLiteraturMathematikMusikPhilosophie
 PhysikPolitikPsychologieRechtSonstigeSpanisch
 SportTechnikWirtschaftWirtschaftskunde  

Sucht und ihre Ursachen



Sucht und ihre Ursachen


Einleitung


Der Wunsch nach Rausch, nach vergessen, nach abheben, sich verlieren, raus aus dem Alltagsverdruß, die Sehnsucht nach dem "anderen", die (jugendliche) Neugier und Risikobereitschaft ist wahrscheinlich der entscheidende Antrieb für den Drogengebrauch. Sicher ist es richtig, daß Drogen schaden, ja töten - aber: "Sola dosis facit venum - Nur die Dosis macht das Gift", wie es schon Paracelsus formulierte, der Erfinder der Opiumtinktur Laudanum, die beinahe 500 Jahre allen Mächtigen dieser Welt als Allheilmittel galt. Nicht die Droge ist es, sondern der Mensch, der die Droge unsachgemäß anwendet und damit Probleme bekommt. 

Aber Tatsache ist, daß Drogen einen Ausweg vorgaukeln, eine Lösung der Probleme vortäuschen; sie erzeugen angenehme Empfindungen und blenden schlechte Gefühle vorübergehend aus oder lassen sie erträglich erscheinen. So steigern Drogen das Verlangen, diese Empfindungen wieder und wieder erleben zu wollen.
Damit kann eine Entwicklung in Gang gesetzt werden, an deren Ende man nicht mehr ohne die anregende oder dämpfende Wirkung der Droge auskommt und sie zwanghaft konsumiert. Doch Sucht bedeutet in jedem Fall Unfreiheit. Der abhängige Mensch kann über den Gebrauch des Suchtmittels nicht mehr selbst entscheiden. Dies führt häufig zum Verlust von sozialen Bindungen und zu nachteiligen Veränderungen der Persönlichkeit.




Trotzdem spielen Rauschmittel und Suchtmittel eine aus unserem Leben kaum mehr wegzudenkende Rolle. Ob nun legale Suchtmittel, wie z.B. Kaffee, Nikotin oder Alkohol, oder illegale Drogen wie Heroin, Kokain oder andere Drogen, genossen oder mißbraucht werden oder zur Abhängigkeit führen- in irgendeiner Form hat (fast) jeder damit zu tun. Die Unterschiede zwischen unproblematischer Umgangsweise mit Rauschmitteln und schwerer Abhängigkeit sind gut erkennbar- wie können die vielen Zwischenstufen erkannt werden? Abhängigkeit von Rauschmitteln entwickelt sich nicht selten auch im engeren Familienkreis unbemerkt. Das Übersehen von Anzeichen, geringes Wissen über Rauschmittel, fehlende Informationen über Folgewirkungen oder auch eine völlig unrealistische Selbsteinschätzung können eine frühzeitige Inanspruchnahme von Hilfe verhindern.                            

Auf die Frage, warum Menschen süchtig werden, gibt es bis heute keine eindeutige Antwort. Noch fehlt eine überzeugende Suchttheorie, die eine schlüssige Erklärung liefern könnte, wieso der Tanz auf dem Seil vielen zu gelingen scheint, einige dabei aber immer wieder abstürzen. Auch Biologen und Genforscher sind bis heute den Beweis schuldig geblieben, daß Sucht genetisch bedingt, also erblich ist.                 Drogengefährdung und Abhängigkeit entwickeln sich nicht von heute auf morgen, sondern haben komplexe Ursachengeflechte. Beispiele dafür sind Schwierigkeiten in der Familie, Schule und Beruf, die Trennung von einem geliebten Menschen, wenig emotionale Zuwendung, übersteigerte Leistungserwartungen oder schlechte Zukunftsperspektiven. Suchtforscher führen z.B. den steigenden Tablettenmißbrauch auf die wachsende Beziehungslosigkeit zum Mitmenschen, zu Arbeit und Umwelt, die schnelle Technisierung, Automation und Entpersönlichung der Arbeit zurück.

Was ist Sucht?


Der Begriff Sucht läßt sich auf das Wort siech = krank zurückführen und meint zugleich Erkrankungen der Seele (Eifersucht, Habsucht) und körperliche Krankheiten (Gelbsucht, Schwindsucht). In der Vergangenheit wurden unter psychiatrischem Aspekt mit Sucht unterschiedliche pathologische Verhaltensweisen bezeichnet. 1968 wurde der Begriff "Sucht" von der WHO durch den Terminus "Abhängigkeit" ersetzt. Die WHO definiert Abhängigkeit als " psychisches und manchmal auch körperliches Zustandsbild als Folge der Einnahme einer psychotropen Substanz: Es ist charakterisiert durch Verhaltensstörungen und andere Störungen, die den Drang einschließen, die Substanz ständig oder periodisch zu sich zu nehmen, um deren psychischen Effekt zu erleben, und manchmal, um das Mißbehagen beim Fehlen der Substanz zu vermeiden." Ohne daß bereits Folgeerkrankungen eingetreten sein müßten, versteht man unter Abhängigkeit ein überstarkes körperliches oder psychisches Verlangen, Substanzen einzunehmen, gegebenenfalls aber auch, Verhaltensweisen zu zeigen, bei denen zu erwarten ist, daß sie selbst oder ihre Konsumumstände das betreffende Individuum schädigen werden. Beim Abhängigkeitssyndrom handelt es sich "um eine Gruppe körperlicher, Verhaltens- und kognitiver Phänomene, bei denen der Konsum einer Substanz oder einer Substanzklasse für die betroffene Person Vorrang hat gegenüber anderen Verhaltensweisen, die von ihr früher höher bewertet wurden. Ein entscheidendes Charakteristikum der Abhängigkeit ist der oft starke, gelegentlich übermächtige Wunsch, psychotrope Substanzen oder Medikamente, Alkohol oder Tabak zu konsumieren.

In Abgrenzung zum Abhängigkeitsbegriff wird von Mißbrauch gesprochen, wenn die obengenannten Konsummuster noch nicht (durchgehend) feststellbar sind, das Individuum sich aber bereits schädigt bzw. der Konsum negative soziale Folgen gehabt hat.

Sucht ist eine Krankheit, die in jeder Familie auftreten kann. Jeden kann es treffen; unabhängig vom Alter, Geschlecht, Ausbildung und Beruf. Sucht oder Abhängigkeit ist ein krankheitswertiges Zustandsbild, das einer Behandlung bedarf.


Die typischen Merkmale: Es kommt zu chronischen oder periodischen Rauschzuständen. Bei chronischer Berauschung gibt es keine oder fast keine Phasen von Nüchternheit mehr, das Gehirn und alle Organsysteme des Körpers stehen unter dem ständigen Einfluß einer oder mehrerer Rauschdrogen. Bei der periodischen Berauschung können Phasen von teilweiser oder vollständiger Abstinenz mit Phasen abwechseln, in denen die Kontrolle über das Konsumverhalten gegenüber einer bestimmten Droge völlig verloren geht.

Weitere typische Merkmale: Der Abhängige hat den überwältigenden Wunsch, den Suchtmittelgebrauch unter allen Umständen fortzusetzen und sich die Droge unter allen Umständen zu beschaffen. Diese überwältigende Gier nach der Droge stellt einen wirklichen Verlust der Kontrolle durch den Willen dar und bewirkt, daß Süchtige bereit sind, ihren ursprünglichen Lebensplan, ihre Beziehungen zu geliebten Menschen, ihre soziale Identität aufzugeben, nur um den Drogengebrauch fortzusetzen. Menschen, die in einer Verstrickung mit einem Suchtkranken leben, sind nun ihrerseits bereit, zugunsten dieses schwerkranken Menschen ihren Lebensplan, ihr persönliches Glück, ihre Eigenständigkeit aufzugeben, nur um in dieser Beziehung als Helfer da zu sein. Der Abhängige neigt- wenn auch nicht zwingend- dazu, die Dosis der konsumierten Droge zu erhöhen. Diese Neigung beruht auf verschiedene Mechanismen, die im Gehirn wirksam werden, wenn bestimmte zentral wirksame Substanzen fähig sind, in ein "Belohnungssystem im Gehirn" einzugreifen. Dieses spezifische Belohnungssystem im Gehirn ist dafür verantwortlich, daß Gefühle wie Befriedigung, Wohlbefinden, Vergnügen, Euphorie und Lust empfunden und wahrgenommen werden.

Ein weiteres Charakteristikum: Abhängigkeit hat immer eine zerstörende Wirkung und zwar sowohl auf den Betroffenen selbst als auch auf seine nächste Umgebung. Zum Wesen der Sucht gehört es, daß der Verlust der Kontrolle über das Konsumverhalten vor sich selbst und vor allen anderen Menschen verborgen wird, solange es nur geht. Die Verleugnung von Hinweisen auf eine Rauschmittelabhängigkeit ist für Außenstehende oft absurd: Alle merken es, nur die Betroffenen (der Suchtkranke und seine Angehörigen) bemerken scheinbar gar nichts.


Außerdem unterscheidet man zwischen physischer und psychischer Abhängigkeit:     

Die psychische Abhängigkeit ist primär gekennzeichnet durch den Wunsch, sich zentralnervös wirksame, psychotrope Substanzen zuzuführen, um deren positive Wirkung zu erleben und weil eine Anderung des Suchtverhaltens zu Mißbefinden oder Angst führen würde. Erst sekundär, aber dennoch gleichwertig ist der Wunsch, bei Nachlassen der positiven Wirkung der psychoaktiven Substanz, der fehlenden Wirkung bzw. den unangenehmen Entziehungssymptomen zu entgehen und sich die Substanz erneut zuzuführen. Sie ist auch erkennbar an der verminderten Kontrolle über die Suchtmitteleinnahme (im Hinblick auf die eingenommene Menge sowie Beginn oder Beendigung des Konsums), an der Verengung des Lebensstils auf den Suchtmittelkonsum mit Vernachlässigung anderer Lebensbereiche wie Familie, soziales Umfeld usw., und an der Fortsetzung des Konsums trotz destruktiver Folgen, sowohl für die körperliche und seelische Gesundheit als auch für die soziale Integration, sowie an den Verstößen gegen gesellschaftlich übliche Regeln der Suchtmitteleinnahme (zum Beispiel: morgendliches Trinken von Alkohol).

Die physische Abhängigkeit wird als Zustand veränderter Steuerungsmechanismen im zentralen und peripheren Nervensystem aufgefaßt, welcher unter der chronischen Zufuhr abhängigkeitsauslösender Substanzen eine Homöostase (Gleichgewicht) der Zell- und Organfunktion erlaubt. Um dieses neue Gleichgewicht zu erhalten, muß zur Verhinderung eines Entzugsyndroms die entsprechende Substanz bei nachlassender Wirkung ständig zugeführt werden. Bei der physischen Abhängigkeit gewöhnt sich der Körper allmählich an das eingenommene Mittel und reagiert, indem er beispielsweise die Substanz schneller abbaut oder die Empfindlichkeit der Organe abnimmt. Deswegen muss die Dosis des Suchtmittels gesteigert werden, um weiterhin eine Wirkung zu verspüren. Eine körperliche Abhängigkeit wird für Alkohol, Opiate, Sedativa, und Hypnotika (Tranquilizer und Barbiturate) beschrieben.

Weitgehend wird zwischen stoff- und nichtstoffgebundenen Suchtformen differenziert. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, daß Menschen auch von pathologischen Verhaltensmustern derartig bestimmt werden können, daß dies einer Abhängigkeit von Substanzen gleichkommt. Gemeint sind damit die sogenannten Tätigkeitssüchte: Praktisch jede menschliche Tätigkeit, jedes menschliche Verhalten, kann zur Sucht werden. Am häufigsten sind Eßsucht (zum Beispiel Bulimie und Magersucht), Spielsucht und zwanghaftes Stehlen. Aber auch Arbeiten (Workaholic) oder Sporttreiben kann zur Sucht werden, und immer häufiger hört man auch von der Internetsucht.                                   Im Gegensatz dazu stehen die Stoffsüchte, die den Mißbrauch von verschiedenen Drogen meinen. Drogen sind zur Abhängigkeit führende Substanzen, in erster Linie Nikotin, suchterzeugende Medikamente, die sogenannten Rauschmittel und Alkohol. Ihnen gemeinsam ist, daß sie das Bewußtsein oder das Erleben verändern und als 'angenehm' empfundene Gefühle hervorrufen können. Stoffe, die diese Eigenschaften nicht besitzen (zum Beispiel Neuroleptika), eignen sich nicht als Suchtmittel.

Unter Polytoxikomanie versteht man den wahllosen Konsum von mindestens drei Suchtmitteln. Die Kriterien des Abhängigkeitssyndroms werden hierbei durch die konsumierten Substanzen gemeinsam, jedoch nicht notwendigerweise von jeder Einzelsubstanz erfüllt.

Bei der Abhängigkeitserkrankung ist eine Diagnose schwerer (zumindest in der frühen Phase) als bei anderen Erkrankungen, weil es im Wesen der Abhängigkeit liegt, diese zu verniedlichen, zu verheimlichen, zu verleugnen oder sich selbst etwas vorzumachen.

Zu jeder Suchterkrankung gehört auch der wechselnd starke Wunsch, den Substanzgebrauch zu verringern, kontrollieren zu können oder auch ganz aufzugeben. Der Konsum der Substanz muß aber aus einem inneren Zwang fortgesetzt werden, obwohl die Süchtigen und auch deren Angehörige um die Gefährlichkeit wissen. Auf Signale eines sozialen, psychischen und körperlichen Abstieges können Suchtkranke schwer oder gar nicht angemessen reagieren.

Sucht ist also kein genau zu definierender Zustand. Sucht ist ein prozeßhaftes Geschehen, das von einem harmlosen, unmerklichen und schleichenden Beginn bis hin zum Tod führen kann. Bereitet ist dieser Prozeß vom Aufgeben und vom Verlust der persönlichen Identität, der sozialen Beziehungen, der individuellen Lebensplanung und der körperlichen Gesundheit.


Epidemiologie


Die Dunkelziffer bei Abhängigkeitserkrankungen ist vermutlich sehr hoch. Man geht davon aus, daß in Deutschland mindestens 2-5% (also 0,8-4Mio.) der erwachsenen Bevölkerung alkoholabhängig sind. Die Anzahl der Medikamentenabhängigen (teilweise auch doppelabhängigen) ist noch schwerer anzugeben und wird mit 1,2 Mio. angenommen. Bei den (illegalen) Drogenabhängigen ist von ca. 120 000 Personen auszugehen, gelegentliche Konsumenten nicht mitgezählt.

Hinter diesen nüchternen Zahlen verbergen sich nicht nur große medizinisch-psychiatrische, individuelle und familiäre Probleme, sondern auch gigantische volkswirtschaftliche Folgekosten (jährliche Alkoholschadensumme: ca. 50 Milliarden DM aufgrund von Behandlungskosten, Kuren, Arbeitsunfähigkeiten, Frühberentung, Arbeits- und Verkehrsunfallfolgen usw.).

Mehr als ein Drittel der stationären Aufnahmen in psychiatrischen Kliniken wird durch Abhängigkeitskranke bestimmt. Ein wesentlich größerer Teil der stationären Aufnahmen erfolgt aber darüber hinaus in medizinischen Kliniken zur Behandlung körperlicher Folgen, oft in Verkennung der tatsächlichen Erkrankung. 

In den letzten Jahrzehnten ist vermehrt zu beobachten, daß die Abhängigkeitsentwicklung bereits im Kindes- und Jugendalter einsetzt, und daß höheres Lebensalter keinen Schutz vor einer später einsetzenden Abhängigkeit bietet. Bei den Frauen steigt der Alkoholkonsum linear mit dem Einkommen. Spielte früher Armut häufig eine auslösende Rolle, so sind heute eher Einsamkeit, Streß, Angst, depressive Stimmung, aber auch Wohlstand der Grund.


Atiologie (Lehre von den Krankheitsursachen)

Wie kommt es zur Entstehung von Sucht?


Für all die unterschiedlichen Faktoren, die bei der Suchtentwicklung eine Rolle spielen, gibt es eine Fülle von zum Teil widersprüchlichen, nahezu übereinstimmenden und sich wiederholende Theorien und Veröffentlichungen. Bewährt haben sich sogenannte multifaktorielle Erklärungsansätze. Sie gehen von einem Ursachenbündel aus.


Dieses Ursachenbündel wird dabei als ein komplexes Geschehen definiert, in dem sich:

psychologische/psychogenetische,

somatische/genetische,

gesellschaftliche/sozigenetische und

drogenspezifische Faktoren


gegenseitig beeinflussen.





INDIVIDUUM

Psychologische/ psychoanalytische Erklärungsmodelle:


Triebpsychologischer Ansatz:

Diesem Ansatz nach dienen Alkohol und Drogen dazu, Unlust zu vermindern und Lust zu maximieren. Dabei wird unterschwellig eine Genußsucht unterstellt, die anfangs bei manchem Kranken vielleicht eine Rolle gespielt haben könnte. Wahrscheinlicher ist jedoch, daß sie vom Gesunden in den Kranken hineininterpretiert wird, wodurch dann auch mangelnde Therapiemotivation mit erklärt würde. Tatsächlich fällt jedoch bei den schwer und rückfällig Suchtkranken eher eine Unfähigkeit zum Genuß auf. So wurde schon früh der Standpunkt vertreten, daß den Süchtigen nicht eine übermäßige Triebhaftigkeit zum Trinken verleite, sondern vielmehr die Unfähigkeit, auf andere Weise Lust und deren Befriedigung zu erleben.


Ich- (struktur-) psychologisches Modell:

Dieses Modell geht davon aus, daß das Symptom, also zum Beispiel der Alkoholmißbrauch, nicht mehr der Ausdruck eines Konflikts, sondern Resultat eines Defekts in der Struktur der Persönlichkeit ist. Die Suchtsubstanz übernimmt die Funktion eines Selbstheilungsversuchs. Der Abhängige erlebt Reize und Affekte nicht differenziert und spezifisch, sondern wird von ihnen förmlich überrollt. So stellt zum Beispiel der Alkohol ein probates Mittel dar, diese andrängenden Ur-Affekte in den Griff zu kommen. Er spielt also eine Schutzrolle, was man bedenken muß, wenn die Therapie Abstinenz zur Vorraussetzung hat.

Das strukturpsychologische Modell für die Ursachen zum Beispiel von Drogen- und Alkoholmißbrauch, die sogenannte "Plombierungstheorie" bildet jedoch keinen ausreichenden Erklärungsansatz für die insbesondere in psychiatrischen Kliniken behandelten "Selbstvernichtungstrinker", wie sie hier plastisch genannt werden sollten,  um ihre Autodestruktivität zu charakterisieren. Man muß wissen, daß Abhängigkeit auch als "fraktionierter Suizid" umschrieben wird. Die Suizidrate ist zum Beispiel bei Alkoholkranken bis zu 75 mal höher als in der übrigen Bevölkerung, wobei die Suizidhandlung oft die Alternative zum Rückfall zu sein scheint oder anders betrachtet, der Rückfall zugleich die Inszenierung eines ernsthaften Suizidversuchs ist.




Objektpsychologisches Modell:

Bereits in den 30er Jahren wurde auf den mächtigen Haß und den Sadismus als eigentliche Triebkräfte der Sucht hingewiesen. Mit dem Konsum werden nicht nur diese Triebkräfte vernichtet, sondern vor allem die Persönlichkeit selbst. Dieser orale und letztlich autokannibalistische Mechanismus tritt an die Stelle reiferer Abwehrformen, wie sie zum Beispiel die Verdrängung darstellt. Durch das Trinken verschlingt der Süchtige sein nach außen verlagertes Über-Ich, das zudem, wie es in einem Aphorismus heißt, "alkohollöslich" ist. Diese Überlegungen erklären zumindest im Ansatz auch, warum bei Abhängigen mit Abschreckung (aversiven Behandlungsformen) keine Erfolge zu erzielen sind.


Verhaltenstheoretischer Ansatz:

Hier wird von lerntheoretischen Vorstellungen ausgegangen im Sinne von klassischem und operantem Konditionieren, wobei positive und negative Verstärkung an Entstehung und Aufrechterhaltung der pathologischen Verhaltensweisen beteiligt sind. Das Spektrum verhaltenstherapeutischer (Rückfall-) Prävention umfaßt die Bestimmung rückfallkritischer Situationen, das Einüben von neuem Verhalten in diesen Momenten, die Steigerung der Bewältigungszuversicht und vieles anderer mehr.




Systemisch-familientherapeutische Sichtweise, Co- Abhängigkeit

Nicht zuletzt die Erfahrung, daß vielfach in familiären Konstellationen ein Wechselspiel zwischen dem Patienten und den anderen Familienmitgliedern stattfindet, das an Entstehung und Aufrechterhaltung der Abhängigkeit stark beteiligt ist, hat die Entwicklung eines spezifischen Erklärungsansatzes gefördert, gemäß dem nicht mehr der isolierte Symptomträger Ziel der Behandlung ist, sondern das (Familien-) System.

An dieser Stelle ist der Begriff der Co-Abhängigkeit zu erwähnen. Gemeint ist damit eine Verhaltensweise, die direkt oder indirekt die süchtigen Mechanismen des Abhängigen aufrechterhält, beispielweise durch übergroßes Verständnis, durch Vertuschung, aber auch durch Streiterei.


Was genau ist Coabhängikeit?

Als coabhängig bezeichnet man Menschen, die in enger Beziehung zu Suchtkranken stehen, allerdings durch ihr sehr am Helfen orientiertes Verhalten keine Lösung aus den Suchtmechanismen bewirken, sondern eine Verfestigung suchterzeugenden Verhaltens erlauben und fördern. Es bedeute ein Mitagieren von Verhaltensweisen, die es dem Betroffenen extrem erschweren, aus seiner Sucht auszusteigen und selbstständig zu werden- z.B., indem sie die Schuld für die Sucht ihres Kindes immer "außerhalb" suchen oder sich durch ihr Mitleid leiten lassen. Manche Eltern möchten zwar das Suchtproblem bereinigt wissen, halten aber nichts davon, wenn ihr Kind erwachsen und selbstständig wird und damit eigene Lebenswünsche hat, die sich von denen der Eltern deutlich unterscheiden. Manche Partner wollen zwar das störende Symptom der Abhängigkeit beseitigt haben, sind aber mit einem beeinflußbaren, willensschwachen Partner durchaus einverstanden.

Die Beziehung der Coabhängigkeit ist sehr heikel, da Eltern oder Partner bewußt ihr Bestreben immer als gut für die suchtkranken Angehörigen erleben und "ja nur das Beste" wollen. Eltern tun vordergründig alles, damit ihr Kind wieder auf den "richtigen Weg" kommt. Kein Partner wird behaupten wollen, gerade durch die Abhängigkeit des Lebenspartners psychisch zu profitieren. Der Hinweis auf eine Coabhängigkeit wird ohne ausreichende Erklärung als böswillige Unterstellung erlebt. 

Das Grundmuster von Coabhängigkeit ist die "Abhängigkeit von der Abhängigkeit Nahestehender" und das zunehmende Aufgeben eigener Entscheidungen und eigener Selbstständigkeit - alles, um dem Süchtigen zu "helfen". Das Hauptkriterium dieser "Hilfe" ist, daß sie über mehrere Jahre keine echte Veränderung, insbesondere keine Verbesserung der Situation bringt. Die Verhaltensweisen des coabhängigen Menschen verändern sich trotz dieser Erfahrungen nicht, sondern verstärken sich eher noch. Die Verstrickung in eine Coabhängigkeit geht- so wie die Suchtentwicklung beim Abhängigen- prozeßhaft und fortschreitend vor sich. Das anfangs ganz verständliche Helfenwollen entwickelt sich zu einer immer enger werdenden Spirale. Der Endpunkt ist das Gefühl, daß die eigene Person nur mehr als unermüdlicher Helfer, ohnmächtiger Kontrolleur und Bestrafer existiert.


Einige Kennzeichen coabhängiger Menschen:  

Coabhängige haben Schwierigkeiten,

eine angemessen Selbstachtung zu entwickeln.

Grenzen in Beziehungen zu ziehen.

die eigene Realität (das Erleben des eigenen Körpers, das Denken, das Gefühlserleben,       das eigene Verhalten) zu reflektieren.

Bedürfnisse und Wünsche in gleichberechtigten- im Gegensatz zu regressiven, von kindlichen Erwartungen geprägten- Beziehungen zu erkennen und auf angemessene Weise zu erfüllen.

die allgemeine Realität angemessen zu erfahren und ausdrücken zu können.


Coabhängige Personen zeigen mindestens drei der folgenden Merkmale:

Verleugnung der Realität

emotionale Beeinträchtigung, auch mit dramatischen Ausbrüchen

Depression

übermäßige Wachsamkeit und Mißtrauen

Zwänge, zwanghafte Rituale

Angste

eigener Substanzmißbrauch (Alkohol, Medikamente)


Neurobiologische Vorstellungen

Auch neuro- und molekularbiologische Kenntnisse über die Entstehung von Abhängigkeit sind zu berücksichtigen. Eine Vielzahl von Transmittersubstanzen und Rezeptoren sind im Gespräch, seien es Endorphine, Alkaloide, Serotonin, Noradrenalin, GABA und andere Substanzen. So ist es naheliegend, den Suchterkrankungen auch auf neurochemischem Wege entgegenzutreten, zum Beispiel durch die  Vergabe von Rezeptorenblockern bei Opiatabhängigen, durch sogenannte Anti-Carving-Substanzen ( Suchthunger vermeidend/lindernd) an Alkoholkranke oder im weiteren Sinne von Unverträglichkeit bewirkenden Präparaten.


GESELLSCHAFT


Kulturelle und religiöse Konstellationen hindern oder fördern bestimmte Konsummuster. Bei Verbot und Tabuisierung zum Beispiel von Alkohol, hält sich die Abhängigkeitsentwicklung in engen Grenzen, da die Zahl derjenigen, die süchtig werden, direkt abhängig ist von der Zugänglichkeit der Substanz und dem daraus folgenden Pro-Kopf-Konsum. Je höher dieser in einer Bevölkerung ist, desto größer ist auch die Zahl der Abhängigen. Die Funktion von (früher) Armuts- und (jetzt auch) Wohlstandsalkoholismus ist ebenso zu erklären. Es gibt bezogen auf den Alkohol beispielsweise Abstinenz-, Ambivalenz- und Permissivkulturen. Arbeitslosigkeit, Einsamkeit, Streß, Beziehungs- und Interesselosigkeit und Peer-group-Verhaltensmuster können sich mit persönlichkeitsbestimmten Faktoren ungünstig verbinden.


In gesellschaftlicher Hinsicht sind außerdem alle sozialen, kulturellen und politischen Aspekte gemeint:

  • die allgemeine Wirtschaftslage,
  • die Gesetzgebung;
  • die für die jeweilige Gesellschaft gültigen Wertesysteme, zum Beispiel im Hinblick auf Konsumsitten, Leistungsanforderungen und -belohnungen. Welche Einstellung zu welchen Drogen ist opportun, beziehungsweise wie sanktioniert wird (einstellungsbedingte Toleranz).
  • Die Einflüsse von Werbung und Modeerscheinungen spielen ebenso eine wichtige Rolle, wie das Verschreibungsverhalten von Arzten bei Medikamenten mit Suchtpotential (iatrogene Sucht).

SUBSTANZ


Das Suchtpotential der einzelnen Substanzen ist unterschiedlich. Man kann sagen, daß die substanzeigene Gefährdungskomponente desto größer ist, je eindeutiger, schneller und erwünschter der Effekt nach erfolgter Applikation ist.

Die von einem Mittel ausgehende Suchtgefährdung läßt sich auch an der Relation von Verordnungs- oder Einnahmehäufigkeit und der Anzahl der daraus resultierenden Abhängigkeitsentwicklungen ablesen. Demnach haben beispielsweise Alkohol und Tranquilizer  (da viel konsumiert und verschrieben) eine relativ geringe und Heroin oder Kokain eine sehr hohe Suchtpotenz, wobei die Faktoren Mensch und Gesellschaft hier eine geringere Rolle spielen.


Die Trias der Entstehungsursachen: Mensch, Mittel und Milieu

Eine der bekanntesten und akzeptierten Erklärungsansätze ist die "Trias der Entstehungsursachen der Drogenabhängigkeit" (nach Ladewig, 1979). In diesem Modell werden die Faktoren Mensch, Mittel und Milieu/Gesellschaft miteinander verbunden.


Trias der Entstehungsursachen


oder anders aufgezeichnet:


Droge

Verfügbarkeit,

Dosis, Applikationsart,

Suchtpotenz, Drogenwirkung


MIßBRAUCH



Abhängigkeit


Individuum



(Persönlichkeit)

Frustrationstoleranz,

Ich-Stärke,

neurotische Entwicklung


Umwelt

"Broken home".

Elterliches Vorbild,

Erziehungsfehler,

Gruppenzwänge,

Konsumgesellschaft,

Freizeitvakuum,

Konfliktsituation,

Ideologie



Eine Rolle spielen also:

  • der Suchtkranke selbst, seine aktuelle Lebenssituation:

Aktuelle Schwierigkeiten, Probleme oder Besonderheiten, seine bisherige Lebenserfahrung, besonders die der ersten Lebensjahre, sein Bild von sich und der Welt, das gerade in der Pubertät und in Krisen großen Schwankungen unterworfen ist, sind von großer Bedeutung. Wichtig ist dabei, ob ein Mensch die Erfahrung gemacht hat, daß sich Probleme mit Hilfe der Familie, mit Hilfe von Verwandten, Freunden oder professionellen Helfern lösen lassen oder ob alle unterstützen, ohne Veränderungen zu erwarten. Tatsache ist, daß manche Menschen aus den genetischen Gründen unterschiedlich auf Rauschmittel reagieren und verschieden schnell eine körperliche Abhängigkeit entwickeln. Diese Faktoren sind auf keinen Fall als unausweichliches Schicksal zu verstehen, sondern als eine besondere Gefährdung, die ernstgenommen werden muß.

  • die sozialen Gruppen, in denen der Betroffene lebt:

Seine Herkunftsfamilie mit all ihren Besonderheiten aufgrund religiöser, sozialer oder kultureller Verbundenheiten. In ihr erlebt jedes Kind erstmals den Umgang mit Rausch- und Genußmitteln, vor allem mit legalen Substanzen wie Alkohol, Nikotin, aber auch Medikamenten. In der Jungendzeit löst sich der Pubertierende langsam aus dem Familienverband mit den dort gültigen Werthaltungen und Normen. Der Freundeskreis wird wichtiger, in ihr will der Jugendliche bestehen und anerkannt werden. Dort gelten  Regeln, die von den Vorstellungen der Eltern zumeist deutlich abweichen. Im Erwachsenenleben ist das Gleichgewicht zwischen Berufsleben, Partnerschaft/Familie und Freizeitleben/Freundeskreis für das Wohlbefinden entscheidend. In Krisenzeiten kann der Anschluß an andere Suchtkranke eine fatale Entwicklung begünstigen und den Einstieg in süchtiges Verhalten bahnen.

  • die Rauschmittel:

Die Art der Wirkung, ihre Fähigkeit, rasch abhängig zu machen, die Art und Weise wie sie angewendet werden, und die Erreichbarkeit für Konsumenten. Verfügen z.B. Jugendliche über ein sachlich richtiges Wissen, so können sie die Gefährdung bei Experimenten besser einschätzen als Jugendliche, die Drogen idealisieren und ihre Gefahren verleugnen. Bloße Abschreckung, auch gut gemeinte, wirkt bei Gefährdeten eher eine Anziehung als Abschreckung. Für Erwachsene gilt wie für Jugendliche: Sachliche Information ist wichtig, genügt allein jedoch nicht.

  • die Verfügbarkeit von Rauschmitteln:

Von Seiten des Marktes gibt es nur wenig Beschränkung. Legale Substanzen, wie Alkohol, Zigaretten oder auch manche Medikamente sowie Kombinationen mit koffeinhaltigen Getränken sind für Konsumenten meist ohne Beschränkung erhältlich, auch wenn dies nicht immer z.B. den Jugendschutzbestimmungen entspricht. Das Angebot an illegalen Substanzen auf dem Schwarzmarkt ist in den letzten Jahren größer geworden.


Alle diese Aspekte der verschiedenen Faktoren der Entstehungstrias entfalten ihre mannigfache unterschiedliche Wirkung.
Deutlich wird dabei, daß in diesem komplexen Geschehen die oben genannten Faktoren nicht im Sinne eines Ursache - Wirkungs - Mechanismus verstanden werden dürfen. Also: Diese Ursache hat immer diese Wirkung. Vielmehr beeinflussen sich die Faktoren gegenseitig in einem Wechselwirkungsverhältnis. Der einzelne Mensch trifft dann eine auf ihn passende Entscheidung. So führt zum Beispiel ein schlechter sozialer Status nicht zwangsläufig in die Sucht, er kann vielmehr zu starker Solidarität und einem positiven Zusammengehörigkeitsgefühl führen. Ebenso sind natürlich umgekehrte Prozesse möglich.


Warum ist das Suchtrisiko in der Pubertät besonders hoch?


Die Pubertät, das Alter von ca. 11 bis 15 Jahren, ist eine Zeit des Umbruchs, der  Veränderung, begleitet von heftigen Gefühlsregungen. Es ist eine Zeit der Experimente, der Neugier, der Erprobung und der Auflehnung. Es ist die Zeit der schrittweisen Ablösung vom Elternhaus und der ersten sexuellen Erfahrungen und Beziehungen. Berufsentscheidungen fallen, in verschiedenen Bereichen wollen Jugendliche Autonomie erfahren und erproben, brauchen aber einen Schutzraum, in dem sie nicht volle Verantwortung für ihr Tun übernehmen müssen. Es ist Aufgabe der Elterngeneration für solche angemessenen Freiräume zu sorgen. Die Jugendlichen müssen Gefühle, Triebregungen und verschiedenste Impulse in sich aushalten lernen und diese zu einem Ganzen, ihrer Persönlichkeit, integrieren. Geführt werden sie dabei von Erfahrungshunger, starker Neugierde und Kritikbereitschaft. Bestärkt und beeinflußt werden diese Gefühle vom Freundeskreis, der wichtige Funktionen für die Orientierung des Jugendlichen hat. Es folgt eine Abwendung von den Werten der Herkunftsfamilie hin zu den Werten der Jugendgruppe.

In der Pubertät kann auch vorübergehend das Interesse an Sekten, Okkultismus, politisch extremen Gruppierungen etc. besorgniserregende Ausmaße annehmen. Bisweilen vergeht dieses Interesse wieder, ohne daß es zu Schäden für den Jugendlichen oder die Gemeinschaft kommt. Eltern sollten hier aber wachsam sein und die Beeinflußbarkeit ihres Kindes nicht unterschätzen.

Bei derart massiven inneren und äußeren Vorgängen ist das Interesse von Jugendlichen an verschiedenen Drogen und deren Wirkungen verständlich. Die in der Pubertät besonders große Neugierde ist jedoch nur ein möglicher Auslöser für Drogenkonsum. Der Wunsch, die Welt zu verstehen, die Sehnsucht nach mystischen Erlebnissen und die leichte Fluchtmöglichkeit vor Anforderungen und Problemen spielen eine sehr große Rolle. Verstärkt wird diese Tendenz durch das große Drogenangebot und den Gruppendruck der Gleichaltrigen.


Doch es kann durchaus sein, daß jemand die oft schwierige Zeit der Pubertät gut bewältigt, aber in späteren Lebenskrisen ein Mißbrauchs- oder Suchtverhalten entwickelt. Es gibt in jedem Leben unabwendbare Krisenzeiten, die gleichzeitig sowohl die Chance auf gute Bewältigung und Weiterentwicklung, aber auch das Risiko des Scheiterns in sich bergen.

Lebenskrisen können sein:

Ablösung vom Elternhaus

Eintritt ins Berufsleben

Probleme bei der Partnerwahl, Unzufriedenheit mit der eigen Lebensform

vom Paar zur Familie- von der Dyade zur Triade- Kinder in die Partnerschaft integrieren

Verlust des Partners durch Trennung, Scheidung oder Tod

chronische Angst vor Arbeitsplatzverlust, Arbeitslosigkeit

wenn die Kinder aus dem Haus gehen

soziale Probleme wie Wohnungsverlust, Verschuldung, Existenzverlust

Pensionierung

eigene Krankheit oder schwere Erkrankung naher Angehöriger

Migration


Aber in all diesen möglichen Lebenskrisen, von denen einige für alle Menschen unvermeidbar sind, kommt es darauf an, wie wir damit umgehen und welche Lösungsstrategien uns zur Verfügung stehen. Die erste und wohl prägendste Lernerfahrung macht man in der Regel in seiner Kindheit und Jugend. Spätere Korrekturen und Nachlernen sind in jedem Lebensalter möglich, wenngleich sie mehr Engagement und Bereitschaft erfordern.


Gibt es Faktoren, die einer gesunden Entwicklung abträglich sind?


Die Erziehung hat einen großen Einfluß auf die Entwicklung eines Menschen. Aber die Geister scheiden sich an der Frage, welcher Erziehungsstil der beste sei. Richtige Erziehung bedeutet für jeden etwas anderes. Ein Grundwert guter Erziehung könnte die respektvolle Förderung der Fähigkeiten des Kindes sein, damit es sich zu einer ausgewogenen Persönlichkeit entfalten kann, die um ihre Stärken und Schwächen in Liebesbeziehungen, Freundschaften und Gruppen weiß. Wie das erreicht werden kann, ist nicht in einem Rezept mit wenigen Sätzen zu beschreiben. Es gibt dennoch gewisse Verhaltensweisen, die Suchtverhalten fördern oder verhindern können.


Für Suchtverhalten förderlich ist:

wenn Kinder wenig Zuneigung erfahren und kaum auf Interesse, statt dessen auf emotionale Gleichgültigkeit ihrer Lebenswelt ihren Belangen gegenüber stoßen;

mangelnde Konsequenz im Erziehungsstil oder bei den Vorgaben, an denen sich Kinder orientieren sollen, unvorhersehbare Großzügigkeit oder Strenge, die keine Orientierung geben;

wenn Regeln aufgestellt werden, aber nicht auf deren Einhaltung geachtet wird;

wenn Jugendliche durch übertriebene Besorgtheit und Beschränkungen daran gehindert werden, in angemessener Weise Erfahrungen zu machen und dabei ihre Stärken und auch ihre Grenzen zu erfahren.


Hat ein Kind nie gelernt "nein" zu sagen, kann es auch schwer "nein" sagen bei dem Angebot, Alkohol oder Drogen zu konsumieren. Dieses "Nein-Sagen" muß erlernt werden dürfen. Das heißt, das Kind wird möglicherweise Auseinandersetzungen mit den Eltern führen, auch wenn sie unangenehm und anstrengend sind.

Das Vorbild von Eltern ist von großer Bedeutung. Von ihnen erlernt das Kind erstmals den Umgang mit Rauschmitteln. Es wird neugierig und lernbegierig den Umgang der Eltern mit Alkohol, Nikotin oder auch mit bestimmten Medikamenten beobachten.

Das Vorbild und der Gruppendruck im Freundeskreis ist ab dem Jugendalter häufig von großer Bedeutung, denn neben dem Elternhaus hat vor allem der Freundeskreis großen Einfluß auf Jugendliche. Die Bewertung, die Anerkennung durch die Clique und die Freunde zählt meist mehr als die Einschätzung und die Meinung der Eltern. Im Freundeskreis finden auch die ersten "Experimente" mit Drogen statt. Das erste geheime Zigarettenrauchen, der erste Schluck Alkohol sind wichtige pubertäre Rituale, die es seit Jahrhunderten gibt. Nun ist entscheidend, ob das Kind gelernt hat, sich gegen sozialen Druck und Gruppennormen durchzusetzen und auch einmal "nein" zu sagen, obwohl die anderen zu einer Handlung auffordern.  Die meisten Jugendlichen sind bei der Suche nach einer eigenen Identität sehr neugierig auf verschiedene Lebensmöglichkeiten. Besonders reizvolle Vorbilder sind dabei häufig Menschen, die die Werthaltung der Eltern in Frage stellen. Das erklärt die vorübergehend oft sehr große Anziehungskraft von Randgruppen für Jugendliche aus "ordentlichem" Elternhaus. Gerade in dieser Zeit ist es wichtig, daß die Jugendlichen Akzeptanz, Halt und wohlmeinende Auseinandersetzung erfahren. Eltern sollten jedoch nicht versuchen, die Freunde ihres Kindes prinzipiell schlecht zu machen. Sie können den sozialen Umgang ihres Kindes nicht mehr bestimmen. Wichtig ist es, mit elterlicher Fürsorge das soziale Leben des Kindes zu beobachten und eine gute Gesprächsbasis zu erhalten. Wenn die Jugendlichen das Vertrauen haben, bei ernsten Problemen mit der Hilfe ihrer Eltern rechnen zu können, werden sie diese im Erntfall auch annehmen. Rechnen Jugendliche aber nur mit Strafe, Entwertung und Ablehnung, werden sie ihre soziale Orientierung immer weiter weg vom Elternhaus suchen.




Vorbildhaltung


Es kann durchaus sein, daß Kinder von Eltern, deren Umgang mit Rausch- und Suchtmitteln vorbildlich ist, trotzdem Drogen konsumieren. Drogenkonsum kann auch der (vorübergehende) Versuch eines Jugendlichen sein, sich von der Welt der Erwachsenen abzugrenzen, um zu zeigen, daß er mit ihr nicht einverstanden ist und anders leben möchte. Oft werden illegale Drogen in der Jugendkultur konsumiert, um sich vom legalen Drogenkonsum der Erwachsenen (Medikamente, Alkohol und Nikotin) abzuheben.


Ursachen der Alkoholabhängigkeit


Um die Entstehung der Alkoholabhängigkeit zu erklären werden zwei unterschiedliche Modelle herangezogen: Aus biologisch-medizinischer Sicht ist Alkoholismus die Folge genetischer Dispositionen und Stoffwechselabweichungen im Gehirn. Aus soziologisch-psychologischer Sicht ist süchtiges Trinken die Folge seelischer Verletzungen und ungünstiger sozialer Bedingungen.

Die Grundfrage lautet also: Wird man als Trinker geboren oder erst dazu gemacht? Die Wahrheit liegt vermutlich in der Mitte. Man geht davon aus, daß sich bei Alkoholismus biologische, psychologische und soziale Faktoren in sehr komplexer Form gegenseitig beeinflussen.


Genetische Veranlagung und biochemische Prozesse


Schon seit Anfang der achtziger Jahre ist bekannt, daß es bei einem kleinen Teil der westeuropäischen und weißen nordamerikanischen Bevölkerung genetisch bedingte Abweichungen bei der sogenannten Alkoholdehydrogenase (ADH) gibt, die für den Stoffwechselprozeß, durch den Alkohol im Körper chemisch abgebaut wird, von zentraler Bedeutung ist. Bei Ostasiaten ist diese Abweichung die Regel. Da die ADH beim Abbau von Alkohol eine entscheidende Rolle spielt, lag die Vermutung nahe, daß genetische Faktoren auch bei der Entstehung von Alkoholabhängigkeit von Bedeutung sind.

Inzwischen hat die Forschung der biochemischen Vorgänge im Gehirn weitere Erkenntnisse gebracht. Es gibt Menschen, in deren Gehirnstoffwechsel weniger oder unregelmäßiger sogenannte Botenstoffe (Neurotransmitter) wie Gaba (Gamma-Aminobuttersäure), Endorphine, Serotonin und Dopamin zirkulieren, die für unser Wohlbefinden zuständig sind. Diese Menschen haben stärkere Stimmungsschwankungen als andere und sind unter Abhängigen überrepräsentiert. Eine genetische Disposition hierfür liegt wahrscheinlich bei einem Teil der Bevölkerung vor.

Durch Drogen wie Alkohol gelingt es den Konsumenten, die Produktion einiger dieser "Wohlfühl"-Botenstoffe anzuregen, die Bildung anderer Botenstoffe wie beispielsweise Glutamat (das für die Erregung zuständig ist) zu dämpfen und künstlich ein stärkeres Wohlgefühl herzustellen. Suchen Alkoholkonsumenten diese Stimmungsaufhellung zu oft, tritt eine Gewöhnung - Toleranzsteigerung genannt- ein. Sie bewirkt, daß das Gehirn, wahrscheinlich um sein altes Gleichgewicht wiederzufinden, immer weniger positive und immer mehr negative Botenstoffe von sich aus produziert. Fällt die Suchtmittelzufuhr weg, wird die starke Unter -bzw. Überversorgung als extremes Unwohlsein empfunden. Dadurch entsteht wahrscheinlich das Verlangen nach erneuter Zufuhr des Suchtmittels: Der Alkoholabhängige muß wieder trinken, um sich "normal" zu fühlen.

Die diesem Mechanismus zugrunde liegenden Vorgänge sind allerdings sehr komplex  und lange noch nicht endgültig geklärt. Besonders die verbreitete Behauptung, daß bestimmt Gene erwiesenermaßen Alkoholismus verursachen, ist eine unzulässige Vereinfachung. Man kann bestenfalls davon sprechen, daß genetische Komponenten bei Suchterkrankungen wahrscheinlich mitwirken. Aufgrund des heutigen Wissenstands läßt sich Folgendes sagen: Suchtgefährdung entsteht aus einer Vielfalt von Kombinationen zwischen Vorveranlagung und Risikofaktoren. Bei einem Teil der Bevölkerung gibt es Hinweise für eine genetische Vorveranlagung (Prädisposition) zu emotionaler Labilität, die mit einer höheren  Suchtgefährdung einhergeht. Das Zusammenwirken biologischer und sozialer Faktoren läßt sich vergleichen mit einer Vorveranlagung für Krebs, Diabetes, Rheuma, Allergien und andere Stoffwechsel- oder Immunstörungen, die als Krankheit jedoch erst auftreten, wenn sie durch extreme Faktoren ausgelöst werden.

Allerdings gibt es auch Menschen, die wahrscheinlich keine Vorveranlagung zur Suchtgefährdung mitbringen und trotzdem abhängig werden. Sie wurden wahrscheinlich im Laufe ihres Lebens sehr vielen Risikofaktoren ausgesetzt. Wenige Menschen werden offensichtlich selbst bei einer stark mit Alkohol verknüpften Lebensführung nicht suchtkrank, wie beispielsweise viele Weinbauern.


Psychosoziale Risikofaktoren


Für viele Menschen sind schwierige Lebenssituationen, scheinbar unüberwindbare Probleme in Beruf und Familie oder extreme Erfahrungen in der Vergangenheit die Auslöser dafür, daß sie in Alkoholabhängigkeit geraten. Sie werden von Fachleuten als psychosoziale Risikofaktoren bezeichnet.

Wichtige Erkenntnisse in dieser Hinsicht brachte eine Langzeitstudie der Universität Berkeley in Kalifornien. Die Forscher hatten bei cirka 1000 Personen von deren dritten bis 18.Lebensjahr gezielt die Zusammenhänge zwischen Persönlichkeitsentwicklung und späterem Suchtmittelgebrauch untersucht. Sie konnten die 18-jährigen Personen schließlich in etwa drei gleich große Gruppen unterteilen:


Ein Drittel der untersuchten Personen ließ sich als Gelegenheitskonsumenten bezeichnen. Sie nahmen hin und wieder Suchtmittel wie Alkohol zu sich, waren aber nur in geringem Maße suchtgefährdet.

Ein Drittel nahm häufig Suchtmittel zu sich und mußte als gefährdet bis abhängig eingestuft werden.

Ein Drittel lebte fast oder vollständig abstinent.


Betrachtet man nun die Persönlichkeitsentwicklung dieser drei Gruppen, fällt Folgendes auf: Das Drittel der Gelegenheitskonsumenten wies in der Regel über den gesamten Beobachtungszeitraum hinweg positive Merkmale auf. Die Betroffenen schienen als Kinder und Heranwachsende relativ glücklich gewesen zu sein und stammten aus intakten Familien. Sie wiesen ein gutes Selbstwertgefühl auf, waren sozial akzeptiert sowie lebens- und experimentierfreudig, wozu offensichtlich auch das gelegentliche Experimentieren mit Suchtmitteln gehörte.

Bei den anderen beiden Dritteln war dies ganz anders: Sowohl die Suchtgefährdeten als auch die Abstinenzler fielen durch geringes Selbstwertgefühl, Einzelgängertum und andere soziale und emotionale Schwierigkeiten auf. Außerdem stammten sie überwiegend aus schwierigen Familienverhältnissen, wo das Suchtproblem kein Fremdwort war. Vereinfacht gesagt schienen sie als Kinder und Heranwachsende eher unglücklich gewesen zu sein. Beide reagierten aber bezüglich der Suchtgefährdung völlig gegensätzlich. Die einen benutzten Suchtmittel und versuchten dadurch, ihre emotionalen und sozialen Probleme in den Griff zu bekommen. Sie waren suchtgefährdet. Die anderen spürten oder erkannten anscheinend ihre potentielle Suchtgefährdung und reagierten mit großer Vorsicht oder Abstinenz.


Herkunftsfamilie


Man weiß heute, daß viele Alkoholiker aus Alkoholikerfamilien kommen. Dabei läßt sich nicht klären, ob das Kind einer Alkoholikerfamilie beim Heranwachsen so vielen psychosozialen Risikofaktoren ausgesetzt ist, daß es mit höherer Wahrscheinlichkeit alkoholkrank wird, oder ob es diesem Schicksal nur schwer entgehen kann, weil die genetische Veranlagung so bestimmend ist. Beides wirkt zusammen; zu beeinflussen sind allerdings nur die Risikofaktoren, von denen die familiären Umstände offensichtlich mit die größere Rolle spielen, wie zahlreiche Beispiele zeigen.

Die Risikofaktoren in solchen "Herkunftsfamilien" sind der Mangel an Zuneigung, fehlende konstruktive Auseinandersetzungen, vorgelebter Suchtmittelmißbrauch und extrem widersprüchliches Verhalten, wenn die Eltern den Kindern gegenüber nur unter Alkoholeinfluß liebevoll sind und sonst weder Zeit noch Liebe in die Eltern-Kind-Beziehung investieren.

Konflikte werden meist nicht geklärt, sondern so lange verdrängt, bis der Druck sich irgendwann entlädt, was dann Gewalt und den Mißbrauch von Medikamenten, um die unerwünschte Situation zu verdrängen, zur Folge hat. Die Kinder in solchen Familien sind ratlos, fühlen sich häufig schuldig und lernen, aus Angst vor derartigen Auseinandersetzungen ihre eigenen Konflikte ebenfalls so lange vor sich her zu schieben, bis das Faß überläuft und die Wut und die Enttäuschung mit den falschen Mitteln bekämpft wird. 

Aber nicht nur unerklärliche Stimmungsschwankungen, lange Zeit verdrängte und dann eskalierende Konflikte, Mißbrauch von Alkohol und anderen Suchtmitteln wirken sich ungünstig auf die Entwicklung von Kindern aus. Auch mangelnde Zuwendung oder Überbehütung, Unzuverlässigkeit und viele andere für Problemfamilien typische Erscheinungen belasten die Kinder emotional und fördern suchttypische Verhaltensweisen. Auf dieser Basis entstehen Angste, geringes Selbstwertgefühl, Hemmungen, Kontaktstörungen und weitere innere und äußere Streßfaktoren. Schließlich muß ein solches Kind nur noch die lindernde Wirkung von Alkohol erfahren, um seine eigene Trinkerkarriere zu beginnen.


Soziales Umfeld von Heranwachsenden


Bereits im Kindergartenalter imitieren manche Kinder das dominante Gebaren ihrer Eltern oder anderer Vorbilder und verstecken dahinter ihr geringes Selbstwertgefühl, Scham und Angste. Andere Kinder mit ähnlichen emotionalen Unsicherheiten orientieren sich daran, denn das Verhalten ihrer "starken" Vorbilder erscheint durchaus erfolgversprechend. Anstatt sich gegenseitig die Angste vor Bloßstellung, vor Versagen und vielen verschiedenen Situationen, versuchen viele Jugendliche die anderen mit Statussymbolen zu beeindrucken und unverwundbare Stärke nach außen hin zu demonstrieren. Die meisten von ihnen versuchen mit einem "altbewährten" Mittel ihre inneren Unsicherheiten und Angste zu überspielen und nach außen hin souverän und "cool" zu wirken -dem Alkohol Zusätzlich fördern Trinkgelage im Freundeskreis die Gruppenidentität und sorgen dafür, daß sich besonders Jugendliche mit labilem Selbstbewußtsein und hoher Suchtgefährdung zusammenschließen.


Gesamtgesellschaftliche Situation


Während die heutige Situation in den wohlhabenden Ländern davon geprägt ist, daß Alkohol leicht verfügbar und attraktiv ist, wird in den ärmeren Regionen und Gesellschaftsschichten nach wie vor das Elend in Alkohol ertränkt.

Ersatzhandlungen prägen vielfach das Leben; tiefergehende und langfristige menschliche Beziehungen, die in stabilen sozialen Gemeinschaften entstehen, werden immer seltener. Die auf eine Vielzahl von Kontakten und kurzfristigen Lustgewinn ausgelegten Beziehungen zwischen "sehr flexiblen" Singles werden dagegen immer häufiger und der Alkohol wirkt hier kontaktfördernd und enthemmend.




Berufliche Situation


Streß wie Arbeitsplatzunsicherheit oder Arbeitslosigkeit, dauernde Über- oder Unterforderung, schwierige Chefs, Kollegen- oder Mitarbeiter -Mobbing, unklare Anforderungen, hoher Leistungsdruck, Eintönigkeit oder zu häufiger Jobwechsel, wird nur allzu häufig  mit Alkohol zu verdrängen versucht.

Schichtarbeiter, die große Schwierigkeiten haben, auf Dauer ihren  Wach- Schlaf- Rhythmus den Vorgaben anzupassen, neigen eher dazu, Alkohol und andere Substanzen zur Steuerung ihres Schlafes und ihres Wohlbefindens einzusetzen. Ahnliches gilt für Manager, die ständig in der Welt herumfliegen und dabei oft erhebliche Zeitunterschiede verkraften müssen, ohne sich entsprechende Anpassungszeiten zu gönnen.

Für Vertreter und anderer Vertriebsleute sind gute Kontakte das wichtigste Kapitel, und Alkohol erleichtert beides ungemein.

Politiker sind ständig auf Empfängen und Versammlungen, bei denen getrunken wird. Außerdem leiden sie darunter, daß ihre Arbeits- und Lebensziele so schwer plan- und faßbar sind. Jeder in diesem Beruf steht unter ständiger kritischer Beobachtung und kennt den Erfolgsdruck, die Angst vor dem Versagen und sicher auch das Gefühl der Einsamkeit trotz vieler Kontakte. Ahnliches gilt für Unternehmer, Unternehmensberater, Journalisten und viele andere mehr.("Risikoberufe")

In der heutigen Zeit  ist jedoch kein Berufszweig mehr ausgenommen von zunehmenden Anforderungen und Streß; daher kann die berufliche Situation für alle zum Gefährdungspotential werden.


Wenn man also dem Phänomen Sucht verständnislos gegenübersteht, so ist das nicht verwunderlich. Bis heute ist es nicht genau gelungen, die Frage der Suchtentstehung in einer allgemein gültigen Form zu beantworten. Lange Zeit hat man angenommen, daß es einen bestimmten Persönlichkeitstyp oder bestimmte psychische Störungen gibt, die für die Suchtentstehung verantwortlich sind. Durch wissenschaftliche Forschungen konnte belegt werden, daß es weder einen suchtspezifischen Persönlichkeitstyp gibt noch einen typische "Suchtfamilie". Man hat herausgefunden, daß es nicht eine Ursache für süchtiges Verhalten gibt, sondern daß eine Vielzahl von Faktoren, die in dem meistens mehrere Jahre dauernden Prozeß einer Suchtentwicklung zusammenwirken, darüber entscheiden, ob jemand Suchtprobleme bekommen wird oder nicht. Im Einzelfall- und jede betroffene Familie ist ein Einzelfall- gilt es, durch eigene Überlegungen oder in einer Behandlung das individuelle Zusammenspiel der wesentlich beteiligten Faktoren zu erfassen.  


Quellen:


Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie

Machleidt, Bauer, Lamprecht, Rose, Dachser

Zum Thema Sucht

Broschüre des Bundesministeriums für soziale Sicherheit und Generationen

Alkohol- Kein Problem?

Klaus Dietze und Manfred Spicker










Haupt | Fügen Sie Referat | Kontakt | Impressum | Datenschutz







Neu artikel