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Anorexie und Bulimie




Anorexie und

Bulimie
















Die Ursachen

psychosomatischer Essstörungen und Therapiemöglichkeiten








Einleitung


Magersucht und Bulimie - Begleiterscheinungen unserer Zeit, unserer Konsumgesellschaft? Nein. Gegeben hat es sie schon immer, dennoch treten sie seit Mitte unseres Jahrhunderts verstärkt hervor. Immer mehr Menschen, mehrheitlich junge Frauen, sind davon betroffen, nicht wenige tragen über die Jahre hinweg schwerwiegenden Schäden davon.

Eine Studie des amerikanischen "National Eating Disorder Screening Programs" belegt, dass 15% der jungen Frauen an Essstörungen leiden, dass ungefähr 1000 junge Amerikanerinnen jährlich an Essstörungen sterben und dass über 5 Millionen Amerikanerinnen von Essstörungen betroffen sind. Essstörungen sind psychosomatische, also psychisch bedingte Krankheiten, sind Süchte, sind äußerst schädlich für Körper und Geist - und in den schlimmsten Fällen todbringend. Und obwohl die Betroffenen sich über die Folgen ihrer Krankheit genaustens im Klaren sind, sind sie nicht imstande, einen Schlussstrich zu ziehen. Gefangen in den Klauen des Schlankheitswahns, dem Streben nach dem Ideal.


Begriffsdefinitionen


a)     Anorexie


Das Wort ,Anorexie', zu Deutsch ,Magersucht', kommt aus dem Lateinischen (anorexia) und bedeutet soviel wie ,Appetitlosigkeit', wobei diese Erklärung äußerst irreführend ist. Magersüchtige sind nicht appetitlos - ganz im Gegenteil. Das eigentlich erwünschte Hungergefühl, das den Betroffenen Selbstkontrolle vermittelt, ist quälend und zerstörerisch. Schließlich sind sie so aufs Hungern fixiert, dass sich ihr ganzes Denken und Fühlen nur um das Essen, respektive das Nichtessen dreht - der Betroffene hungert sich buchstäblich zu Tode. Selbst wenn sie bereits ein erhebliches Untergewicht aufweisen, halten die Patienten sich für fett.




b)     Bulimie


Das Wort ,Bulimie', zu Deutsch ,Fettsucht' ist ebenso wie die Magersucht eine psychosomatische Essstörung, wenn auch weniger bekannt und bei weitem weniger offensichtlich als die Anorexie. Bei der Bulimie, Fachbegriff ,Bulimia Nervosa' (der Zusatz 'nervosa' weist auf die psychischen Ursachen der Essstörung hin), konsumiert, respektive verschlingt der Patient unmäßige Mengen an Nahrungsmitteln, oftmals verzehrt der Betroffene bis zu 10'000 kcal pro "Heißhungerattacke", und dies innert kürzester Zeit. Unmittelbar nach einem solchen Anfall erbricht er sich (selbstinduziertes Erbrechen) oder nimmt Abführmittel zu sich, um die eingenommenen Kalorien schnellstmöglich wieder loszuwerden.

Oftmals kommen die beiden Süchte auch gekoppelt vor, meist entwickeln sich langfristige Magersüchtige zu krankhaften Bulimikern. Die Unterscheidung der beiden ist schwierig, zwar sind beide Krankheitsbilder jeweils durch typische Merkmale gekennzeichnet, der Übergang ist jedoch fließend. Bei vielen Patientinnen tritt eine Mischung von Symptomen auf, man spricht dann von einer Bulimanorexie.


Geschichte der Essstörungen


"Freud vermutete unter anderem eine Furcht vor dem Frausein und der Heterosexualität, andere stellen mit ihr einhergehende Hyperaktivität fest, häufig wird auch der Verdacht überdurchschnittlicher Intelligenz oder ähnlicher unfraulicher Eigenschaften ausgesprochen", so Brumberg in seinem Buch "Todeshunger", worin er die Geschichte der Magersucht vom Mittelalter bis heute aufrollt. Darin erfährt man auch interessante Details wie 'nur Verrückte und Nymphomaninnen essen exzessiv Fleisch", und dass der Grad der Kultiviertheit, des Niveaus und der Bildung antiproportional zur Körpermasse ist.

Kaum eine andere psychische Störung ist in den letzten Jahren so häufig in der Presse erwähnt worden wie die Anorexie. Immer wieder wird von 'Berühmtheiten', insbesondere von Models oder Schauspielerinnen behauptet, sie seien magersüchtig. Das Krankheitsbild der Anorexia nervosa ist erstmals bereits 1873 beschrieben worden. Die Diagnose wird aber erst seit den 70er Jahren häufiger gestellt, wobei nicht eindeutig gesagt werden kann, ob die Krankheit in der heutigen Gesellschaft tatsächlich öfter auftritt, oder ob die gestiegene Aufmerksamkeit dazu führt, dass die Krankheit häufiger diagnostiziert wird. Einen wahrhaftigen Anorexie-Boom hat in den späten 60er Jahren das spindeldürre Model Twiggy (englisch, zu deutsch "Zweig) ausgelöst - Frauen aller Alters- und Gesellschaftsklassen erkannten die von vielen Männern als "Hungerhaken" verschriene Twiggy als Ideal an. Im Jahre 1965 ist nach der WHO ein rapider Anstieg an Neuzugängen in Spitälern zu verbuchen, die aufgrund ernährungsmäßiger Mangelerscheinungen meist zwangseingewiesen wurden, auch die Todesfälle der jungen Frauen durch Freitod oder freiwilliges (Ver-)Hungern nahm drastisch zu. Heute wird in 1000en von Frauenzeitschriften die schlanke Figur propagandiert: es gibt dabei jedoch zwei Fronten. Die einen sind die Befürworter der "gesunden" Figur, d.h des Normal- und des Idealgewichtes, die sich folgendermaßen berechnen lässt:

Normalgewicht = Körpergröße minus 100

Idealgewicht = Körpergröße minus 100 minus 10%

Die andern sind die Vertreter der schlanken Figur, erstaunlicherweise meist Frauen - es hat sich herausgestellt, dass die meisten Männer eine dünne Figur zwar ästhetisch finden, doch für eine Partnerschaft eher eine "normale" Figur mit Vorzügen und Makeln bevorzugen.


Der "Sinn" der Anorexie


Ziel der Anorexie ist der perfekte Körper, gut oder großartig ist nicht genug. Die Patienten haben Angst davor, fett zu sein. Sie leugnen, gefährlich dünn zu sein, wie ihre Selbstwahrnehmung gestört ist. Sie sind besessen von Essen und Diäten, sprechen ständig davon, registrieren jede Kalorie, die sie zu sich nehmen. Sie betreiben ständig und übermäßig Sport. Ein wichtiger Faktor ist ebenso das Gefühl der Selbstkontrolle, das der verwirrte Patient durch die bewusste Nahrungsverweigerung wieder herstellen kann. Etwa 50% der Patientinnen halten ausschließlich Diät, bei den anderen treten aber auch bulimische Symptome (Essanfälle und selbst herbeigeführtes Erbrechen) auf.

Die Sterblichkeitsrate bei Essstörungen liegt in einem Bereich von 5%-20%.



Bezogen auf die Gesamtbevölkerung tritt die Anorexie relativ selten auf. Bei Frauen in der Altersspanne vom 15. bis zum 25 Lebensjahr, die als Risikogruppe für Magersucht gelten, findet sich die Erkrankung allerdings bei ca. 2% der Betroffenen. Es sei erwähnt, dass nur etwa 5% der Erkrankten Männer sind. Anorexie beginnt oft schon in der frühen Jugend, häufig kurz nach dem Einsetzen der ersten Menstruation. Neben diesem Erkrankungsgipfel um das 14. Lebensjahr, tritt die Störung auch etwa im 18. Lebensjahr gehäuft auf.


Die Ursachen der Anorexie


Bei der Entstehung der Anorexie wirken verschiedene Faktoren zusammen, die sich gegenseitig beeinflussen.


a)     Biologische Einflüsse


Man vermutet, dass bei vielen anorektischen Patientinnen eine Störung derjenigen Hirnregion vorliegt, die für die Steuerung des Essverhaltens, der sexuellen Aktivität und der Menstruation zuständig ist. Es ist allerdings auch möglich, dass die Funktionsstörung dieser Hirnregion erst im Laufe der Erkrankung, z.B. als Folge des Gewichtsverlustes, auftritt und nicht eigentliche Ursache der Sucht ist. Für eine biologische Verursachung der Magersucht sprechen jedoch Untersuchungen, die zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass der eineiige Zwilling von einer anorektischen Patientin ebenfalls an Magersucht leidet, etwa 50% beträgt. Bei zweieiigen Zwillingen liegt diese Wahrscheinlichkeit bei unter 10%. Diese Ergebnisse belegen, dass eine genetische Veranlagung an der Entstehung der Anorexie beteiligt ist.


b)     Psychologische Einflüsse


Da die Anorexie besonders häufig während der schwierigen Entwicklungsphase der Pubertät einsetzt, ist man zu dem Schluss gekommen, dass die Erkrankung auftritt, wenn der junge Mensch sich von den ihm gestellten Anforderungen überfordert fühlt. Während der Pubertät entwickelt sich das Mädchen zur Frau und der Junge zum Mann, und muss eine entsprechende neue Identität finden. Fühlt sich die Betroffene davon überfordert, entsteht ein tiefes Gefühl der Unsicherheit. Für viele Patienten scheint der Versuch, Kontrolle über ihr Körpergewicht ausüben zu können, ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. Das Körpergewicht wird eine wichtige Quelle für ihr Selbstwertgefühl.


In den Familien anorektischer Patienten sind häufig bestimmte Verhaltensmuster festgestellt worden. Die Patienten werden oft von ihren Eltern stark behütet, d.h. dass auch in der Familie nicht angemessen auf die Entwicklung des Kindes zum Erwachsenen reagiert wird. Ebenso scheinen Konflikte in der Familie in vielen Fällen nicht angesprochen zu werden. Allerdings handelt es sich bei diesen Feststellungen um reine Beschreibungen typischer familiärer Verhaltensmuster; es ist durchaus möglich, dass diese nicht die Ursache, sondern die Folge der Erkrankung sind. Das Krankheitsbild der Anorexie ist gerade für die Eltern sehr besorgniserregend, was dazu führen kann, dass sie ihr Kind schützen und von Konflikten fernhalten möchten.


c)     Gesellschaftliche Einflüsse


In westlichen Gesellschaften hat sich das Schönheitsideal seit Anfang der 60er Jahre immer mehr in Richtung eines sehr schlanken Körpers entwickelt. Paradoxerweise ist es auf der anderen Seite durch relativen Wohlstand und ein Nahrungsüberangebot gleichzeitig zu einem Anstieg des Durchschnittsgewichts gekommen. Übergewicht wird insbesondere bei Frauen gesellschaftlich sehr negativ bewertet. Übergewichtige Männer werden als stattlich bezeichnet, Frauen hingegen als fett. Durch Werbung und Filme erhält man den Eindruck, dass nur schlanke Frauen erfolgreich und beliebt sind, dicke Frauen sind entweder graue Mäuse oder 'Ulknudeln'. Gerade junge Frauen, die während der Pubertät körperliche Veränderungen durchlaufen und erst ein Gefühl für ihren 'neuen' Körper entwickeln müssen, können durch dieses Schlankheitsideal stark verunsichert werden.





Die Folgen der Magersucht - Symptome und Auswirkungen


a)     Körperschema-Störung


Bei anorektischen Patientinnen kommt es zu einer Störung der Wahrnehmung des eigenen Körpers. Auch wenn sie im Laufe der Erkrankung schon extrem viel Gewicht verloren haben, überschätzen sie ihren Körperumfang und halten sich für zu dick.

Infolge der verzerrten Wahrnehmung des eigenen Körpers bemühen die Betroffenen sich, ihr vermeintlich zu hohes Gewicht zu reduzieren. Das Essen nimmt einen zentralen Stellenwert im Leben der Betroffenen ein. Sie verwenden viel Energie darauf, Hungergefühle zu unterdrücken oder bereiten mit großem Eifer wahre Festmahle für andere zu, an denen sie aber selbst nicht teilnehmen. In Hinblick auf die Veränderungen des Essverhaltens lassen sich zwei Gruppen von anorektischen Patientinnen unterscheiden:


b)   Gewichtsverlust


Neben der strengen Diät setzen viele Anorektikerinnen zusätzlich Appetitzügler, Abführmittel und sportliche Betätigung ein, um abzunehmen. Durchschnittlich verlieren anorektische Patientinnen 45-50% ihres Ausgangsgewichts. Liegt das Körpergewicht um mindestens 15% niedriger als das Normalgewicht, wird die Diagnose der Anorexie gestellt. Viele Patientinnen magern bis auf 30 Kilogramm ab.


c)  Körperliche Veränderungen


Durch den Gewichtsverlusts und die Mangelernährung kann es zu schwerwiegenden körperlichen Schäden kommen. Aufgrund von hormonellen Störungen bleibt die Menstruation meist aus, Männer werden meist impotent. Bei Beginn der Störung vor der Pubertät wird die körperliche Entwicklung meist stark verzögert. Auch Verlangsamung des Herzschlags, niedriger Blutdruck, Absinken der Körpertemperatur, Hautprobleme, flaumartige Behaarung des Rückens, Muskelschwäche, Haarausfall und Wassereinlagerung im Gewebe können als Folgen der Anorexie auftreten. Der Mineralstoffhaushalt ist in der Regel gestört. Diese körperlichen Befunde werden durch die Mangelernährung verursacht und verschwinden meist vollständig, wenn sich das Essverhalten langfristig normalisiert hat. Durch die konstante Mangelernährung wird der Energieverbrauch herabgesetzt. Infolgedessen führt normale Nahrungsaufnahme unter diesen Umständen kurzfristig zu einer Gewichtszunahme.


d)   Psychische Veränderungen


Bei anorektischen Patientinnen steht das beharrliche Streben, dünner zu werden im Vordergrund. Verbunden damit besteht eine extreme Angst vor einer Gewichtszunahme. Schon eine Zunahme von wenigen Gramm, die aufgrund des gesenkten Energieverbrauchs ja schon nach recht geringer Nahrungsaufnahme folgen kann, löst regelrechte Panik aus. Das führt zu einem erneuten Versuch, das Eßverhalten (noch strenger) zu kontrollieren. Die Patientinnen befinden sich also in einem regelrechten Teufelskreis. Häufig zeigen sich bei den Betroffenen auch depressive Symptome und starke Reizbarkeit.




Der "Sinn" der Bulimie


Ziel der Bulimie ist es --  genau wie bei der Anorexie - den perfekten Körper zu bekommen. Ebenso steht auch hier der ständige Gedanke, das permanente Verlangen nach Essen im Vordergrund. Die Patientin kann sich die Nahrungsaufnahme, den Genuss, nicht verweigern und macht sich in Heißhungerattacken über maßlose Esswarenmengen her. Die Patientin kann das Essen in normalen Mengen nicht mehr genießen, ihr Kopf schreit nach Übersättigung, nach dem Völlegefühl. Anders als in der Anorexie ist der Gewichtsverlust in der Bulimie begrenzt, meist kaum vorhanden, da nur ein Bruchteil (man spricht von etwa 1/3) der eingenommenen Kalorien durch Erbrechen wieder ausgeschieden wird. Man nimmt an, dass ca. 5% der Frauen der Risikogruppe davon betroffen sind.



Die Ursachen der Bulimie


Die Ursachen sind ähnlich wie in der Anorexie in biologische, psychologische und  gesellschaftliche Einflüsse unterteilt, die dieselben Ursprünge haben.

Wie oben erwähnt, ist die Bulimie nicht wie die Anorexie eine komplette Genussverweigerung, sondern vielmehr ein verzweifeltes Anklammern. Oftmals haben rein bulimisch essgestörte Patienten auch einen stärkeren Sexualtrieb als Anorexiker.


Die Folgen der Bulimie - Symptome und Auswirkungen


a)   Physische Auswirkungen und medizinischen Komplikationen bei der Bulimie


Ahnlich wie in der Anorexie zeigt der Patient eine verringerte Herztätigkeit und Körpertemperatur sowie einen Rückgang des Kaloriengrundumsatzes. Bei Frauen kommt eine unregelmäßige oder ausbleibende Menstruation vor, bei Männern Impotenz. Die feine Körperbehaarung (Körperflaum) nimmt zu, während das Kopfhaar ausfällt. Die Haut ist blass und trocken, es stellen sich Kreislaufschwächen ein und Schwellungen oder Taubheit an Händen und Füßen oder im Gesicht. Bei Bulimikern sind ebenfalls gerötete und gereizte Hautstellen an den Händen festzustellen durch das selbstinduzierte Erbrechen.

Das größte Risiko besteht, wenn selbstherbeigeführtes Erbrechen, Missbrauch von Medikamenten und extreme sportliche Betätigung zusammen auftreten. Diese Kombination von Maßnahmen zur Gewichtskontrolle erhöht das Risiko von Herzproblemen durch Muskelschwund oder auch durch Störungen im Elektrolythaushalt.

Der Gebrauch von Abführmitteln führt gewöhnlich zu Eiweiß- und Mineralienmangel. Bulimiker leiden häufig an Magen/Darm-Beschwerden: Blähungen, Völlegefühl, Sodbrennen, Unterleibsschmerzen und Verstopfung. Die Speiseröhre wird durch das wiederholte Erbrechen gereizt.

Selbst beigefügtes Erbrechen führt nicht zwangsläufig dazu, dass die Kalorien, die vorher, z.B. bei einem Essanfall, zu sich genommen wurden, wieder abgegeben werden. Tatsächlich werden bis zu zwei Drittel der aufgenommenen Kalorien im Körper behalten. Je länger eine Person den Zyklus Essen/Erbrechen beibehält, um so mehr Kalorien werden vom Körper nicht mehr abgegeben. Anfangs werden die Betreffenden zwar Gewicht verlieren, der Körper stellt sich im Lauf der Zeit aber auf dieses Verhalten ein. Das Erbrechen führt auch dazu, dass das natürliche Völlegefühl verloren geht, so dass Häufigkeit und Ausmaß der Essanfälle mit der Zeit ansteigen. Übermäßige Diät, z.B. durch Überspringen von Mahlzeiten oder der Gebrauch von Appetithemmern, erhöht die Gefahr von Essanfällen noch.

Abführmittel und entwässernde Medikamente sind gefährlich und unwirksam, wenn es darum geht, Kalorienaufnahme zu vermeiden. Abführmittel zeigen ihre Wirkung erst dann, wenn der Hauptteil der Nahrung bereits verdaut und die Kalorien bereits aufgenommen worden sind.

Der Gebrauch von entwässernden Mitteln hat praktisch keinen Einfluss auf die Kalorienaufnahme des Körpers. Ein Gewichtsverlust wird einzig durch den Flüssigkeitsverlusterzielt. Beim Erbrechen wird der Zahnschmelz durch die Magensäure angegriffen. Durch das Putzen der Zähne nach dem Erbrechen wird keine Abhilfe geschaffen, sondern lediglich die Säure stärker in die Zähne geschrubbt.

Depressionen, Apathie, Unausgeglichenheit und zwanghafte Fixierung auf das Essen können ebenfalls durch unzureichende Nahrungsaufnahme verursacht werden.


b)     Prognose


Nach einer Behandlung zeigt sich bei etwa 30% der Patientinnen eine vollständige Besserung, d.h. sie erreichen zumindest annähernd das Normalgewicht und haben regelmäßig ihre Menstruation. Bei 35% lässt sich zwar eine Gewichtszunahme feststellen, der Bereich des Normalgewichts wird allerdings nicht erreicht. Das Krankheitsbild bleibt bei ca. 25% der Betroffenen chronisch bestehen. Auch nach einer Gewichtsnormalisierung hält bei vielen Betroffenen die verzerrte Einstellung zu Gewicht und Figur an. Generell sind die Besserungschancen aussichtsreicher, wenn die Erkrankung früh begonnen hat. Bei einem sehr frühen Beginn vor dem 11. Lebensjahr ist die Voraussage dagegen deutlich schlechter.




Wer ist von Essstörungen betroffen?


In der Vergangenheit wurde angenommen, daß nur Mädchen im Teenager-Alter und junge Frauen von dieser Essstörung betroffen werden können, und sie stellen noch immer die Mehrzahl der Befallenen. Allerdings findet sich Magersucht mehr und mehr bei Personen beiderlei Geschlechts und jeden Alters, sogar bei Kindern, denen (durch Kino, Fernsehen, Freunde oder die Familie) der Eindruck vermittelt wird, dass die äußere Erscheinung alles entscheidend ist. Manche Personen, wie Athleten und solche, bei denen die körperliche Erscheinung beruflich eine Rolle spielt (z.B. Tänzer, Turner, Skispringer, Läufer, Ringer und Models) sind dafür besonders empfänglich.


Therapiemöglichkeiten


Die Behandlung beginnt mit einer medizinischen Untersuchung, um den Zustand des Patienten zu bestimmen. In manchen Fällen ist die Einweisung in ein Krankenhaus notwendig. In der Regel wird eine kombinierte Therapie mit Unterstützung von Arzt, Ernährungsberater und Psychotherapeut benutzt, um die physische Gesundheit

wiederherzustellen und gestörte Selbstwahrnehmung zu überwinden. Die Familie und Freunde können wertvolle Unterstützung bringen, und Selbsthilfegruppen können von

Nutzen sein.

Die Therapie der Anorexie ist in zwei Abschnitte unterteilt. Vordringlichstes Anliegen ist zunächst eine Gewichtszunahme, um den körperlichen Folgeschäden entgegenzuwirken. Insbesondere wenn das Körpergewicht unter 75% des Normalgewichts liegt, die körperliche Verfassung lebensbedrohlich ist oder aufgrund der depressiven Verstimmung Selbstmordgefahr besteht, sollte die Behandlung zunächst im Krankenhaus stattfinden.

Da bei anorektischen Patientinnen oft nur wenig Einsicht hinsichtlich der Schwere ihrer Erkrankung besteht, müssen bei körperlicher Lebensbedrohung oft zunächst Nährstoffe durch Infusion zugeführt werden. So bald wie möglich sollten die Betroffenen die Verantwortung für ihre Gewichtszunahme aber selbst übernehmen. Dabei kann es sinnvoll sein, bestimmte Belohnungen anzubieten, die sie für Erfolge bei der Ernährungsumstellung erhalten.



Langfristig kann eine Normalisierung des Gewichts jedoch nur erreicht werden, wenn auch die Ursachen der Anorexie behandelt werden. Aufgrund der Vielfalt der Faktoren, die an der Entstehung der Störung beteiligt sind, umfasst die Therapie verschiedene Komponenten:


In der Therapie sollen die Patientinnen die Richtigkeit ihrer Vorstellungen zur Bedeutung von Gewicht und Figur überprüfen. So soll z.B. eine Betroffene hinterfragen, ob Schlankheit tatsächlich mit beruflichem und privatem Erfolg im Zusammenhang steht. Hat man auf diesem Weg herausgefunden, was die Patientin sich vom Schlanksein erhofft, kann mit ihr besprochen werden, auf welche andere Weise sie diese Ziele erreichen kann. Sie lernt, dass ihr Selbstwertgefühl nicht allein von ihrem Gewicht abhängt.


Da bei der Bulimie kein gesundheitsgefährdendes Untergewicht vorhanden ist, muss die Patientin nicht künstlich ernährt werden. Hauptziel der Therapie ist es, ihr Selbstbild zu hinterfragen und gegebenenfalls zu korrigieren.


a)   Körperorientierte Therapie


In der körperorientierten Therapie sollen die Betroffene ein besseres Gefühl für ihren Körper bekommen, so dass sie auf ihre Körpersignale (z.B. Hunger) angemessen reagieren und ihren Körperumfang realistisch einschätzen können.

Generell soll mit anorektischen Frauen die Bewältigung von Problemen geübt werden. Dabei werden gemeinsam mit der Patientin verschiedene Lösungsalternativen entwickelt, die sie bei alltäglichen Schwierigkeiten anwenden kann, bei denen sie sonst auf ihr gestörtes Essverhalten als Mittel der Bewältigung zurückgegriffen hat.


b)   Familienorientierte Therapie


Die familienorientierte Therapie wird insbesondere bei jüngeren Anorektikern eingesetzt, die noch bei ihrer Familie wohnen. Dabei soll die Familie darauf hingewiesen werden, wie sie auf das gestörte Essverhalten der Patientin reagiert. In diesem Zusammenhang kann es hilfreich sein, wenn der Therapeut an Mahlzeiten in der Familie teilnimmt. Manchmal beschäftigen die Familienmitglieder sich so stark mit der Anorexie, dass sie sich um andere Probleme nicht mehr kümmern können oder wollen. Die Betroffene erhält auf diese Weise die ungeteilte Aufmerksamkeit, und die Familienmitglieder müssen sich nicht mit sich und ihren eigenen Konflikten beschäftigen. Wird diese Reaktionsweise, die zu der Aufrechterhaltung der Störung beitragen kann, unterbrochen, tritt häufig eine Besserung ein. Gerade die Eltern erleben es meist als sehr erleichternd, wenn sie im Umgang mit der Erkrankung ihres Kindes von einem Therapeuten unterstützt werden.


























Quellenangaben


Literatur


Monika Gerlinghoff, Herbert Backmund, Norbert Mai: Magersucht und Bulimie. Verstehen und bewältigen. Taschenbuch - 269 Seiten (1999); Beltz Fachbuch

Monika Gerlinghoff: Magersüchtig. Eine Therapeutin und Betroffene berichten.

Taschenbuch - 219 Seiten (1996); Piper, München

Ulrike Karren: Die Psychologie der Magersucht. Erklärung und Behandlung von Anorexia nervosa. Taschenbuch - 144 Seiten (1990); H. Huber, Göttingen

Joan Jacobs Brumberg: Todeshunger. Die Geschichte der Anorexia nervosa vom Mittelalter bis heute. Gebundene Ausgabe - 281 Seiten (1994); Campus Verlag



Websites


http://www.rcpsych.ac.uk/public/help/anor/anor_frame.htm

http://www.aabainc.org/general/bulimia.html

http://www.wissen.de














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