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Die Syphilis

Die Syphilis


Die Syphilis ist die gefährlichste und wegen ihrer Spätfolgen die unheimlichste der Geschlechtskrankheiten, da sie unbehandelt zu einer schweren und vielfach tödlichen Infektion des ganzen Körpers führt.

Bei der Belagerung Neapels im Jahre 1494 durch die Söldner des französischen Königs Karl dem Achten erstmals epidemieartig erstmals auftretend, verbreitete sie sich in alle Länder Europas, auf ihrem Weg Entsetzen und Siechtum hinterlassend. Die Annahme, daß die Lues von den Matrosen des Kolumbus aus Amerika eingeschleppt wurde, gilt heute als widerlegt. Die ursprünglich als Franzosenkrankheit bezeichnete Lustseuche erhielt erst im 16. Jahrhundert nach einer Personenbeschreibung in einem Gedicht des Italieners Fracastoro den Namen Syphilis.

Hervorgerufen wird die Syphilis durch die Spirochaeta pallida, ein schlankes, korkenzieherartig gewundenes Stäbchen mit zugespitzten Enden, das lebhafte Eigenbewegungen in mehreren Richtungsebenen aufweist. Der sehr empfindliche und außerhalb des Körpers nur wenige Stunden lebensfähige Erreger wurde verhältnismäßig spät, nämlich im Jahre 1905, durch den Zoologen Fritz Schaudinn entdeckt. Die Spirochäten sind in den auf übliche Weise gefärbten Präparaten nur schwer zu erkennen, leicht hingegen im Dunkelfeld auf Grund ihrer charakteristischen Rotations- und Beugungsbewegungen. Da in der Mundhöhle sehr ähnliche, aber harmlose Spirochätenarten als Schmarotzer leben, muß der mikroskopische Nachweis besonders sorgfältig vorgenommen werden.




Der Primäraffekt:


Eine kleine Haut- oder Schleimhautverletzung ist Voraussetzung für das Angehen einer Infektion. Dringen durch solch eine winzige Wunde Spirochäten aktiv in den menschlichen Organismus ein, so bildet sich nach etwa drei Wochen an der Eintrittsstelle ein kleines, derbes, völlig schmerzloses Knötchen, das eine leichte Schuppung aufweist. Es wächst sodann ziemlich rasch in die Breite und Tiefe und wird damit zum etwa münzgroßen Primäraffekt (=harter Schanker). Der Primäraffekt ist derb bis knorpelhart, von braunroter Farbe, völlig unempfindlich und läßt Entzündungsmerkmale in der Umgebung vermissen. Mit oder ohne Behandlung heilt der Primäraffekt ab, meist unter Hinterlassung einer pigmentierten Narbe. Natürlich kann ein Primaraffekt auch an anderen Körperstellen als an den Genitalien auftreten, zum Beispiel an den Fingern, an den Brustwarzen oder im Mund, wenn diese Körperteile mit Infektionsquellen in Kontakt gebracht werden. Auf ähnliche Weise kommen auch die seltenen außergenitalen Infektionen zustande, wenn frisch infizierte, wie Rasiermesser, Tassen, Gläser, Zahnbürsten oder Bestecke, knapp danach von Ahnungslosen benützt werden. Doch auch in diesen Fällen muß eine Verletzung vorliegen oder mit dem betreffenden Gegenstand gesetzt werden. Das kann auch bei Arzten berufsbedingt bei Operationen, Untersuchungen oder Sektionen der Fall sein, denn in Leichen können die Spirochäten noch mehrere Tage lebensfähig bleiben.


Das Sekundärstadium:


Von der 5. Bis 6. Woche an verliert die Syphilis ihren lokalen Charakter, und die Spirochäten beginnen vom Primäreffekt aus in den Körper auszuschwärmen. Sie benützen dazu vorerst die Lymphwege, so daß zur völlig schmerzlosen Schwellung der regionalen Lymphdrüsen, also meistens der Leistendrüsen kommt. Das ist auch der Zeitpunkt, wo die Wassermannsche Reaktion, der Nachweis der Syphilis im Blut, erstmalig positiv werden kann. Damit geht das Primärstadium allmählich zu Ende und das Sekundärstadium beginnt in der 9. Krankheitswoche mit einer Massenausschwemmung von Spirochäten in die Blutbahn. Die Folgen sind typische Ausschläge, die sich über große Körperflächen in symmetrischer Anordnung verteilen. Sie bleiben, ohne nennenswerte Erscheinungen zu machen, mehrere Wochen bestehen, verschwinden auch ohne Behandlung, kehren aber in Abständen wieder. Daneben bilden sich örtlich begrenzt, an Hautstellen, die ständiger Reizung durch Berührung von Hautfalten, Schweiß oder Reibung ausgesetzt sind, die luetischen Papeln, nässende Stellen, die bei besonders starker Höhen- und Breitenentwicklung zu den breiten Kondylomen ausarten. Papeln und Kondylome, die sich mit Vorliebe an den Genitalien, in der Aftergegend und auf den Schleimhäuten des Mundes ausbreiten, sind höchst infektiös, da sie von Spirochäten wimmeln. Von ihnen erfolgen auch die meisten Ansteckungen. Dieses Austoben der nunmehr generalisierten Syphilis an Haut und Schleimhäuten dauert rund vier Jahre. Erfolgt auch weiterhin keine Behandlung, so ist mit Beginn des 5. Krankheitsjahres das Tertiärstadium erreicht, das einen ganz anderen, vor allem aber bösartigen Verlauf nimmt.


Das Tertiärstadium:


Charakteristisch für diesen tertiären Krankheitsabschnitt sind die Gummen, derbe, schmerzlose Knoten, die entweder von der Haut oder den Organen und Geweben des Körpers ihren Ausgang nehmen. Ihr  seltsamer Name kommt von der gummiartigen Flüssigkeit her, die sich nach ihrer allmählichen Erweichung und bei Durchbruch zur Körperoberfläche hin aus ihnen entleert. Gummen hinterlassen scharf ausgestanzte kraterförmige Geschwüre und tiefe Zerfallshöhlen. Dies führt einerseits zu schweren Organschäden, andererseits zu starken Verunstaltungen, besonders wenn Gesichtsknochen mitzerstört wurden.

Doch auch Gehirn und Rückenmark bleiben im Tertiärstadium, das sich bis zum Lebensende erstreckt, von der Syphilis nicht verschont. Luetische Veränderungen der Gehirnarterien bedingen Blutungen ins Gehirn mit allen ihren bösen Folgen. Jeder Schlaganfall vor dem 50. Lebensjahr ist daher immer auf Syphilis verdächtig. Gummen treten ebenfalls im zentralen Nervensystem auf, und luetische Veränderungen der Hirnhäute und des Rückenmarks führen zu den verschiedensten neurologischen Ausfallserscheinungen. Es gibt eigentlich kein bekanntes Krankheitsbild, das die Lues nicht vortäuschen und nachahmen könnte. Die beiden typischen syphilitischen Späterkrankungen des Zentralnervensystems sind Rückenmarksschwindsucht (Tabes dorsalis) und die fortschreitende Gehirnerweichung (progressive Paralyse), die meist erst 10 bis 15 Jahre nach erfolgter Ansteckung zum Ausbruch kommen. Wegen dieser außergewöhnlich langen Latenzzeit wurden sie erst spät als Folgezustände einer Syphilis erkannt. Bei der Tabes sind besonders die Hinterstränge des Rückenmarks betroffen, deren Degeneration die Tiefensensibilität  des Körpers weitgehend aufhebt. Daher ist ein Tabiker nicht mehr in der Lage, die Stellung seines Körpers im Raum und die seiner Gliedmaßen bei Bewegungen ohne Zuhilfenahme seiner Augen zu kontrollieren. Diese Unsicherheit im Bewegungsablauf führt zur Entwicklung des typischen Schleudergangs der Tabiker. Der Verlust der Sehnenreflexe an den Knien, die Starre der Pupillen bei Lichteinfall, Blasenbeschwerden, die bis zur Inkontinenz führen, Schwinden der Potenz und die tabischen Krisen, heftige Schmerzattacken, besonders in der Magengegend, sind Ausdruck der steten Ausweitung der Erkrankung. Bei der Gehirnerweichung (progressive Paralyse) kommt es zur fortschreitenden Degeneration der Großhirnrinde mit all ihren Folgen für das Denken und Handeln des Betroffenen. Grobe Ungeschicklichkeitshandlungen, die der Persönlichkeit des Kranken in keiner Weise entsprechen, größenwahnsinnige Ideen und typische Sprachstörungen sind Symptome des unaufhaltsamen Abbaues in der Hirnrinde. Die von Wagner-Jauregg entdeckte, äußerst wirksame Malariabehandlung der Paralyse, die vorher kaum heilbar war, hat unzählige Menschen vor der sicheren Verblödung bewahrt.

Die furchtbarste Folge der Syphilis ist wohl ihre Übertragbarkeit auf die Nachkommenschaft. Die Frucht wird von der erkrankten Mutter über den Mutterkuchen (Plazenta) Infiziert. Je nach Zeitpunkt der Ansteckung stirbt der Fötus entweder in der zweiten Schwangerschaftshälfte ab und wird tot geboren oder das Kind kommt mit allen Zeichen einer angeborenen Syphilis zur Welt. Es kann aber auch erscheinungsfrei geboren werden, und nach Jahren, manchmal erst in der Pubertät, gelangt die Erblues zum Ausbruch.

Setzt die Behandlung der Syphilis im frühen Primärstadium ein, so darf heute mit Sicherheit eine restlose Ausheilung erwartet werden. Je später aber behandelt wird, um so fraglicher werden die Dauerfolgen. Daher sollte bei jeder verdächtigen Veränderung an den Genitalien ärztlicher Rat eingeholt werden, um die verhängnisvollen einer zu spät entdeckten Syphilis sicher zu vermeiden.






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