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Rastafari - Der Glauben der Rastas auf Jamaika



Rastafari
Der Glauben der Rastas auf Jamaika

Eine Reihe von Rastafarians bestätigen, daß ihre Religion eine Mischung aus Judentum und Christentum ist; sie nehmen auch den ägyptischen Ursprung beider dieser Religionen an. Die Kirche von Rom und sogar der Rat von Rom, werden betrachtet, besonders babylonisch zu sein: Kam es nicht aus dieser Stadt, daß Mussolini das heilige Land von Athiopien 1935 eindrang? Religionen reflektieren immer das Sozial- und geographische Klima, aus dem heraus sie auftauchen, und jamaikanisches Rastafari ist keine Ausnahme: z.B. ist der Gebrauch des Marihuanas als ein Heil- und Hilfsmittel für Meditation in einem Land logisch, in dem eine besonders starke Belastung ' des Krauts ' frei wächst.

Oneness
Die gesamte Lebensweise der Rastas ist von der 'oneness' bestimmt. Oneness ist Ausdruck des Gefühls der Zusammengehörigkeit zwischen den Rastafarians, aber auch Ausdruck einer universalen Liebe, des Gefühls der Durchdrungenheit von Gott. Viele Rastafarians leben gemeinschaftlich zusammen. Besitz ist indofern nicht bekannt. Im Idealfall wird Land, das benötigt wird, einfach genommen. So steht es im Psalm 24:1:
'Die Erde ist des Herren und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen'
Arglist, Stehlen, Lügen, Habsucht, Eifersucht, Neid, Haß, Verrat sind verurteilungswürdige Verhaltensformen. Es herrscht in vielen Aspekten des Lebens eine Gleichberechtigung, aber nicht weil es Gesetze gibt, sondern einfach durch die konsequente Auffassung von der Allgegenwart Gottes. Sich über einen anderen zu stellen, würde bedeuten, Gott in ihm zu verachten.

Sprache
Ein anderer Ausdruck der Gleichheit spiegelt sich im Rasta-Dialekt wieder, der sog. I'n'I-Sprache (Ich-und-Ich-Sprache): Wenn Rastafarians von Gemeinschaft sprechen, gebrauchen sie statt 'wir' den Ausdruck 'I and I', 'ich und ich'. Ras Historian interpretierte es so:
''Ich' in der normalen englischen Sprache 'I', ist die erste Person. Du, er, sie, es folgen als zweite und dritte Person. Wenn ich und Ich als Rastafarian die Zahlen betrachte, so kommt Eins zuerst. Sogar zwischen dem Zeichen 1 (eins) und I (für 'ich') gibt es eine gewisse Ahnlichkeit. Deshalb betrachte Ich und Ich jedes Individuum, das ein Mitglied der Rastfarians ist, immer als 'I'. Anders gesagt, ein jeder ist immer der Erste. Denn es ist nur die Gesamtheit aller, die dieses ganze Ich bildet und so den vollkommenen Zustand hervorbringt.'
Zur vollsten Entfaltung kommt die Sprache im 'Reasoning', der Gesprächsform der Rastafarians. Während des nächtlichen Rauchens werden Inspirationen mitgeteilt und in langen Gesprächen diskutiert. Hierin ist ein sakraler Akt zu sehen, vergleichbar mit dem Gebet. Die nächtliche Zeit ist zudem die heilige Zeit, da die Tageszeit fest im Griff von Babylon ist.

Dreadlocks
Sie ächten auch das Kämmen und Schneiden des Haares und zitierten die heilige Richtlinie in Leviticus 21:5:
'They shall not make baldness upon their head'
Je länger die Dreadlocks eines Rastafarian, desto länger folgt dieser der Rasta-Überzeugung des heiligen Weges des Lebens, könnte man bezugnehmend auf die Traditionen sagen. Ein Rasta ohne Dreads ist ein 'Baldhead' - er kann nicht ernstgenommen werden.

Rastas, die zur Befragung zur Polizei mußten, wurden dort die Dreads abgeschnitten, als ein Akt der öffentlichen Verleumdung und sozialen Kontrolle über die Bewegung. Rastas sind über diese Grausamkeiten sehr wütend, denn die Dreadlocks sind sehr bedeutsam für ihre spirituelle Überzeugung. Sie glauben, daß sie klarer denken können und Gefahr um sie herum dank der Dreadlocks spüren können. Sie denken, daß es ihnen möglich ist, dank dieser natürlichen 'Rezeptoren', Inspirationen von Jah zu erhalten. Wenn ein Rastafarian sein Haus verläßt, um 'in die Welt' zu gehen, trägt er eine wollende Mütze, den sog. 'tam', die oft die Farbe rot, gold und grün hat.
'Rot, für das Blutvergießen unter den Leidenden seit den Tagen der Sklaverei! Gold, für den Reichtum, den man den Suffarahs gestohlen hat, seit Salomons Tempel erbaut! Grün, für das gelobte Land in Afrika, das die Heimkehr des schwarzen Mannes erwartet.'


4.3.9. The Lion of Judah

'The Lion of Judah shall break every chain and bring us victory again and again'. Dieser zentrale Leitgedanke - von früheren Rastas wie Howell als anti-kolonialer Schlachtruf gegen die italienische Invasion Athiopiens durch Mussolini postuliert - machte weiten Kreisen der jamaikanischen Bevölkerung Rastafari erstmals in der Dimension als Theologie der Befreiung bewußt. 'Every chain' meint jede Form der kolonialen, politischen, sozio-ökonomischen, kulturellen und religiösen Unterwerfung Schwarzer Menschen. Rastafari konfrontiert die soziale Realität der mannigfachen Unterdrückung, 'Babylon System,' mit ihrer Philosophie und Kultur der Befreiung.

Aus der Rasta-Religion hat sich eine Lebens- und Denkweise, Sprache und Musik entwickelt, die als eigenständige Kultur in der jamaikanischen Kultur zu sehen ist.

4.4.4. Ernährungs-Gewohnheiten

'Damit der Kopf denken kann, muß der Körper gesund sein' sagen die Rastas

Rastafarians trinken keinen hochprozentigen Alkohol und lehnen 'künstliche' Nahrung sowie Fleisch ab. Sie glauben, daß Fleisch, Fisch Geflügel oder Eier den Magen zu einem 'Friedhof' machen, da man sich totes Fleisch einverleibt. 'Agridishes' bzw. Nahrung, die in der Erde gewachsen ist, sowie absolut frische natürliche Nahrung ist 'ital'. Ital leitet sich von I und vital = Lebenswichtig ab, verbunden mit der Nebenbedeutung 'natural', natürlich.

Die Nahrung soll gesund und frisch sein, ohne Zusätze von Salz oder chemischen Stoffen zur Färbung oder Konservierung. Dosennahrung gilt ohnehin als 'beerdigte Nahrung'.

Auch die Küchengeräte sollten aus natürlichen Materialien hergestellt werden.

4.4.5. Rastafarians und die Gesellschaft

'Jeder in Jamaika hat eine Meinung über Rastas. Die Mittel- und Oberschicht glaubt, die Rastas sind brutale Hippies, die vernichtet werden sollten. Die Regierung toleriert sie und versucht sie als politische Kraft auszunutzen. Die Polizei betreibt eine Art Krieg mit ihnen, aber von Jahr zu Jahr werden die Rastas angesehener' schreiben Stephens Davis und Peter Simon 1977 in ihren 'Reggae Bloodlines'.

'For years Jamaicans feared the Rasta as a voluntary ascetic who didn´t vote and just smoked herb all day long. Then after many years, people realized that the Rastas have contributed more to jamaican culture than any other group. In time the´ve become the concience of the country. We feel we need them more than they need us' (a young engineer, Reggae Bloodlines, 1977)

Rastas leisten keine Lohnarbeit, denn 'Lohnarbeit ist Sklaverei'. Sie bevorzugen Arbeit als Handwerker, Händler oder Fuhrunternehmer, Maler, Bildhauer, Dichter oder Musiker.

Allerdings muß man bedenken, daß die Situation der Rastafarians in Kingston als einem sozialem Spannungsfeld eine andere ist, als für einen Selbstversorger in den Hills. Dementsprechend unterschiedlich wird die Religion ausgelebt.Innerhalb des Rastafari gibt es außerdem verschiedene Gruppierungen: den Nyabinghi-Orden, die Twelve Tribes of Israel, die Ethiopian Orthodox Church, Mystic Revelation of Rastafari Bobo Ashanti u.a., deren Auslegung dessen, was Rastafari ist, unterschiedlich strikt ist.

Die Rastfarians waren schon immer ein Konfliktherd in der jamaikanischen Gesllschaft gewesen. In den 30ern und 40ern wurden sie zwar überwiegend als nicht ernstzunehmende Wirrköpfe angesehen, doch durch Geschehnisse wie den Besuch Haile Selassies 1966, die offenere Haltung der links-liberalen PNP-Partei unter Michael Manley und ihre Aktivitäten auf dem Gebiet der Kunst und Musik änderte sich ihr Ansehen in der jamaikanischen Gesellschaft.



Die Mehrheit der Rastafarians stammt aus der unterpriveligierten Schicht, sie leben in den Wellblech-Ghettos von Kingston und für schwarze Mittelschichtler ist der Rasta noch immer der Prügelknabe.

Auch wegen des Genusses von Ganja geraten sie häufig in Konflikt mit dem Gesetz und die Strafen sind hart. Für die Rastafarians ist die herrschende Strafverfolgung eine massive Unterdrückung und reine Schikane. Das drückt sich auch in der Musik aus.

Auch mit ihrer äußeren Erscheinung ziehen die Rastafarians viel Unwillen auf sich. Sie tragen Dreadlocks und pflegen einen lässigen Kleiderstil. Daß eine solche nonkomformistische Lebenshaltung beim Gegenüber oft Angst und Ablehnung erzeugt, kennen wir auch von unserer Gesellschaft. Oft wird Rasta-Kindern mit Dreadlocks der Besuch der Schule verboten

4.4.7. Ganja

Auch das Ganja-Rauchen ist mehr eine Sache der Männer, denn die der Frauen. Ganja oder Marihuana, auch 'herb' genannt, ist das Brot Jerusalems, Königsbrot, Brot des Lammes, Kraut der Weisheit, Kraut Salomos.


Ganja, Cannabis sativa, ist das heilige Kraut der Rastafarians, von dem an mehreren Stellen in der Bibel gesprochen wird:

'Und die Erde ließ aufgehen Gras und Kraut,
das Samen bringt,
ein jedes nach seiner Art.
Und Gott sah, das es gut war'

(1.Buch Moses 1:12)

Ganja spielt eine wichtige Rolle bei der religiösen Versenkung, da es tiefe und klarere Einsichten in das Leben vermitteln soll. Es soll eine Verbindung mit der Seele herstellen.

'Das Ritual des Herumreichens der Pfeife, der Schluck aus dem Kelch (chalice), ist Teil der Verehrung Jahs; dies wird als eine Anrufung der universalen Kraft des Allmächtigen verstanden. Das Rauchen des Krautes in einer Versammlung symbolisiert Vereinigung und Einheit, I-nity, unter denen, die da vor Jah versammelt sind. Es verbindet die Anwesenden in der Fülle der göttlichen Kräfte, schafft einen vibrierenden Austausch von Meditation zwischen allen, die am Sakrament teilhaben.'
(Itations of Jamaika zit. nach Loth, 1991)

Hierzu der Soziologe und Rastafri Dennis Forsythe:

'Für die Brüder ist Ganja der mystische Leib und Blut von 'Jesus' - das Brandopfer für Gott, aus Feuer gemacht - welches den einzelnen sehen und erkennen läßt den ,lebendigen Gott' oder den 'Gott-im-Menschen'. Sie leiten ihre moralische Berechtigung zum Gebrauch der Kräuter aus ihren persönlichen Erfahrungen mit der Pflanze und auch aus dem Buch der Genesis ab, das den Gebrauch von 'allen Pflanzen, die Samen bringen', gestattet.'

Es spricht einiges dafür, daß Ganja von indischen Coolies ins Land gebracht wurde, nennt man denn Ganja auch oft 'collie herb', wobei 'collie' die entstellte Form von Kali, der indischen Muttergöttin ist.Vielleicht wurde 'collie' aber auch einfach aus der Bezeichnung für die indischen Arbeiter 'Coolie' abgeleitet.

Ganja gilt als Nahrung für das Hirn und als Allheilmittel. So hilft es bei Asthma, Erkältung, Magenverstimmung, Fieber, Rheumatismus, Grauem Star und vielem mehr. Es wird von niemanden als schädlich empfunden und selbst für 2-jährige Jungen ist das Rauchen nicht unnormal.

Ganja wird geraucht, aufgebrüht als Tee getrunken, im Essen verwendet und äußerlich aufgetragen. Sein Gebrauch produziert psycho-spirituelle Effekte und hat sozio-religiöse Funktion. Es ruft Visionen hervor, erhöht Einheits- und Gemeinschaftsgefühl, erleichtert Angst und Zorn und bringt Ruhe für den Geist.

Vor 1924 brachten die Briten regulär Ganja in der Karibik und verkauften es an die indischen Arbeiter. In den 60er Jahren dieses Jahrhunderts war der Export von Ganja in die USA ein Multi-Millionen-Dollar-Geschäft - jährlich. Es war hoch durchorganisiert und in der Hand von Kleinbauern und Rastas. Allerdings stehen Produktion, Genuß und Verkauf von Ganja unter Strafe. Trotzdem gilt sein Anbau als wichtiger Zweig der Landwirtschaft.

Reggae-Sänger Ras Midas über Ganja:

'Ich will etwas über das Kraut sagen und darüber, was das Kraut mit unserer Kultur und unserer Musik zu tun hat. Der richtige Name für das Kraut ist Cannabis. Es ist das einzige lebende Kraut in der Schöpfung, das der Mensch sowohl als Tee trinken als auch rauchen kann. Es bringt dich in die Meditation über Jah. Wenn Ich-und Ich meine Ich-und-Ich Musik schaffe, greife Ich-und-Ich zu dem Kraut, und das Kraut führt mich in die Meditation mit Jah. Dann füttert Jah mich mit dem Wort, mit der Lyrik, dem Text und der Melodie, so daß ich das in die Realität herausbringen kann. Deshalb kämpft Babylon gegen das Kraut.

Das Kraut und die Musik sind nach dem Konzept von Rastafari die Heilung für die Völker. Überall, wo das Kraut hinkommt, überall, wo Reggae Fuß faßt, wird Rastafari sein, und das Kraut dort sein, denn du mußt mit dem Kraut kommunizieren, um zu wissen, wer Rastafari ist. Du mußt mit dem Kraut kommunizieren, um die Musik und ihr Konzept zu verstehen'.

Ganja ist die stärkste gemeinsame Erfahrung im Rastafari. Die zentrale rituelle Aktivität der Rastas ist das 'reasoning' über einer glühenden Pfeife. Die Ganja-Pfeife wird 'chalice' genannt. Sie geht von Hand zu Hand um den Altartisch als rituelles Symbol von Erde, Luft, Wasser und Feuer.

Frauen sind hiervon ausgeschlossen. Rastafrauen rauchen zwar Ganja, aber nicht in der Öffentlichkeit. Ras Norma:

'Babylon know the wisdom you get from smoking ganja and they need to keep you down from your meditation. They keep fighting against I herb you overs? Because it's I herb, it's one special herb to segregate and is herb, no man can make it, it comes from earth, it's a herb of truth and wisdom. I think if ganja was legalized there would let be positivly less problem with cocaine and crack. When people would you smoke herb, it would be a meditation, humbleness put them to i-tate, you overs? But when you drink rum, it's a different scene and you look over, you going to see who is causing the problem. It's the crack, the heroin, cocaine, morphine, alcohol and cigarettes. Herb put you upon humbleness, cause it's a healing herb. In Guayana you can go to jail for three years just for one spliff. Lots of Rastas are prosecuted for herb. Not for killing or thieving from no one, just for smoking the herb. But man need to be free from mental slavery. They kill brother Marley, Peter Tosh, Marcus Garvey for speaking the truth, cause word Bob Marley was putting out fire upon Babylon. If Bob Marley was on the face of the earth in this time, everyone would be Rasta, because he speak the truth and he sign it in his music and truth stands forever. But they can never stop I because if they put I in jail for three years, I when I come out I still have to smoke I herb, because I herb is I divine meditation, I free to do what I need to do. Jah Rastafari, Selassie I be praised.'




4.4.8. Musik

Neben dem Rauchen von Ganja ist die Musik das wichtigste Medium zur Meditation. Man sagt, Rasta sei Religion und Reggae ihre Messe.

Ursprünglich bestand die Musik der Rastafarians nur aus Trommeln und Sprechgesang. Seine Wurzeln liegen im Burru, eine der wenigen säkularisierten Musikformen auf Jamaika. Es wird vermutet, daß diese Musik auf ghanaische oder nigerianische Tradition zurückgeht. Burru war eine der wenigen afrikanischen Musikstile, die die Sklavenhalter erlaubten. Die Trommeln wurden auf den Feldern gespielt, um das Arbeitstempo zu steigern. Der vom Burru übernommene Rhythmus wurde anfangs nicht von den Rastas akzeptiert und setzte sich nur langsam durch.

Aber in den späten 50er Jahren wurde Count Ossies Camp zu einem Kristallisationspunkt der musikalischen Entwicklung. Viele der Musiker, die in der Entwicklung des Ska und des Reggae später eine Rolle spielten, trafen sich bei Ossie zu Jam Sessions: Don Drummond, Rico Rodriguez, Roland Alphonso, Tommy McCook, Cedric Brooks und viele andere. Es flossen Elemente des Jazz, sowie des Mento und Rhythm and Blues in die Rasta-Musik ein.

In den 60ern teilte sich der musikalische Strom. Einerseits nimmt der Einfluß der Rastas auf die Populärmusik Jamaikas weiter zu. Andererseits bildet sich in Abgrenzung zur geschäftlichen Welt Babylons eine orthodoxe Schule des Nyabinghi-Trommels, die den sakralen Charakter der Musik betont. Nyabinghi enthält afrikanisch-stämmigen Elemente wie komplexe Trommel-Rhytmen und offbeat-Muster und synkopischen Pulsschläge mit einem Bass, der den 'Herzschlag' hält.

4.4.8.1. Nyabinghi

Der afrikanische Nyabinghi-Kult ist ein Vorläufer des Rastafari. Das Nyabinghi wurde nach der afrikanischen Königin Njavingi benannt. Der Kult wurde von den Kolonialmächten unterdrückt und verboten und Zuwiderhandlungen wurden mit Schlägen und Gefängnis bestraft. Das Ritual wurde durchgeführt, um vor Fehlschlägen im Leben zu schützen. Das Nyabinghi wirkt als aktive, aber gewaltlose Kontrolle vom Guten über das Böse in der Welt. Die Ursprünge des jamaikanischen Nyabinghi gehen auf Leonard Howell und andere Haile Selassi-Verehrer zurück. In Howell's im Jahre 1940 gegründeter Rasta-Kommune Pinnacle in der Bergregion von Sligoville nahe Spanish Town, entwickelte die geschätze 1600 Rastafarians zählende Gemeinschaft, Nyabinghi als Außerungsform. Heute ist das Nyabinghi die kulturelle Ausdrucksform des Nyabinghi-Ordens, der ältesten Gruppierung von Rastas.

'Nyabinghi means war, but the weapon it use is love, because only love can conquer evil. But if love can't conquer the evil in a person, then the final judgment will be dreadful, which could be no other, than death to black and white downpressors'.
(Ras Colwin in einem Reasoning (vgl. ebd., S. 28))

Nach der Zerschlagung Pinnacles durch die Polizei im Jahre 1954 zogen die meisten Rastas nach Kingston, wo sie erst recht unter dem Eindruck der gewaltsamen Zerstörung ihrer Häuser und Pflanzungen, Nyabinghi, den spirituellen Krieg gegen Babylon, zu einer Grundlage ihrer Existenz machten.

Nyabinghi als Philosophie äußert sich kulturell in sogenannten Grounation-Feiern und Versammlungen (issembly) von Rastafarians, die mehrere Tage oder Wochen dauern, der Lobpreisung von Haile Selassie I und dem niedersingen Babylon's gewidmet sind.

Während im Tabernakel, dem geheiligten Platz rund um den Altar von Melchizedek, tanzende Rastafari-Brüder und -Schwestern die vernichtende Kraft des kosmischen Feuers beschwören, sorgt ein fireman dafür, daß die meterhoch brennende Feuersäule hinter dem Eingang des Versammlungsortes nicht kleiner wird. Sie symbolisiert sowohl die elementarste und reinigende Kraft des Armagiddeon als auch jene Feuersäule, deren Licht die Kinder Israels aus Babylon zurück in das gelobte Land geführt haben.

Sie fördern die Einheit von Rastafari und geben Gelegenheit, in Reasonings doktrinelle Positionen dynamisch weiterzuentwickeln. Darüberhinaus repräsentieren sie eine ersehnte 'Ruhepause' von den earthal runnings - den Alltagsplagen - in Babylon. Nyabinghi Issemblys finden regelmäßig zu bestimmten Anlässen wie dem Geburtstag Haile Selassies, dem Jahrestag seiner Krönung zum King of the Kings oder seines Besuches in Jamaika statt, können aber auch aus anderen Gründen einberufen werden, z.B. während eines Staatsbesuches, allerdings nicht zu deren Ehren, sondern um sie spirituell zu bekämpfen.

Neben der gemeinschaftsstiftenden Funktion hat Musik bei den Rastas auch einen individuellen Aspekt:

'Also angenommen, ich komme abends heim und fühl mich wirklich mies. Hab den ganzen Tag nichts rangeschafft. Ich komm also heim, und statt, daß ich meine Frau schlag oder die Kinder rumscheuche, nehm ich lieber meine Trommel und spiel ein bißchen riddim, weißt du. Und gleich gehen alle mit, der ganze yard. Ist doch so! Und auf einmal wird einem der Kopf frei von allem Arger, so frei, daß ich manchmal sogar eine Idee krieg, wie ich am nächsten Tag klarkommen kann.'

Heute wird Reggae und Rasta häufig synonym verwandt, meist aber zumindest in einem Atemzug genannt. Doch gegen solche Gleichsetzungen setzen sich die Mitglieder des Nyabinghi-Ordens zur Wehr.

'Reggae is some sort of a mix-up, mix-up business. Only Nyabinghi music is divine and pure Rastafari Musik.'
Winston in einem reasoning

Ihre musikalische Außerung wird von den Anhängern dieses Ordens als eigentliche Rasta-Musik eingeschätzt: Nur Nyabinghi-Gesänge dienen der Verehrung von Jah und können durch die Kraft von word, sounds and power - ohne die artifizielle elektrische Energie der Verstärkeranlagen - Babylon niedersingen.

Im Gegensatz zum Nyabinghi-Orden gibt es auch Rastafari-Orden, die nicht so strikt denken. So nutzt z.B. der Orden der 'Twelve Tribes of Israel' Reggae als Transportmittel für ihre religiösen Inhalte. Reggae ist ihre kulturelle Außerungsform.



Winston Rodney (Burning Spear) bezeichnet in einem Interview Nyabinghi als Quelle seiner Inspiration:

'The feelings of Nyabingi coming through the music and the music is coming through the feelings of the Nyabinghi. One Order.'

Und Freddie McGregor sagt in einem Interview:

'Weder die Musik und die Texte eines Bob Marley noch irgendeines anderen Reggae-Stars (sofern sie Rastafari-Inhalte vermitteln) lassen sich ohne Nyabinghi - die roots ihres Ausdrucks und ihrer vibrations - verstehen.

Aber Nyabinghi ist eben nur eine Ausdrucksform der Rasta-Musik. Die jamaikanische Musikwissenschaftlerin Pamela O´Gorman schrieb schon 1972:

'Durch die gesamte Geschichte von Ska, Rock Steady und Reggae zieht sich als roter Faden die Stimme der Rastafaris. Mal ist sie stärker, mal schwächer. Sie bringt eine neue Sprache in die Texte, einen liturgischen Charakter in die Melodie und der Rasta-Rhythmus überlagert den Pop-Rhythmus'

Während politische Parteien wie die sozialdemokratische PNP mit Wahlslogans wie 'Power for the people' um Stimmen warben, reflektiert Reggae das Selbstbewußtsein und die Erfahrung der Mehrheit, die mit ihren Künstlern erstmals echte Repräsentanten ihres Kulturschaffens frei wählen und damit 'Power of the people' ausdrücken. Das ist die eigentliche kulturelle Revolution hinter dem 'Phänomen' Reggae. Wenn junge Jamaikaner heute von 'klassischer Musik' reden, so meinen sie damit nicht Bach oder Beethoven, sondern - klar - Bob Marley, Burning Spear oder Mutabaruka.

Die Musik bleibt ein einigermaßen autonomes Medium der Kommunikation, solange die Interpreten nicht nach internationalem Starruhm streben. Denn wenn Fragen der optimalen Vermarktung ihre Schatten auf die textlich vermittelten Inhalte werfen, wird auch Reggae zum Opfer kultureller Fremdbestimmung und zum kurzlebigen aber gewinnbringenden 'style and fashion'.

Die Mitglieder des Nyabinghi-Ordens lehnen den Reggae als korrumpiert ab. Sie meinen, daß Reggae keine Rasta-Musik sei, da ihre Interpreten das Wort Gottes gegen Geld verkaufen würden und niemand könne zwei Herren - Jah Rastafari und dem Dollar - dienen.

Für viele Rastas bedeutet ein Einlassen auf das Reggae-business hingegen eine durchaus legitime und die letztlich aufrichtigste 'Organisation' des Überlebens in Babylon. Zugleich das verabscheute System niederzusingen ('to chant down Babylon') und dafür noch vom System selbst bezahlt zu werden, entspreche - Larry in einem Reasoning zufolge - voll und ganz den gerechtfertigten Intentionen mancher Rastas.

Anders als die Rasta-Philosophie entstand der Reggae in den urbanen Ghetto-Bezirken. Die Musik war vorerst ein Organ der unterdrückten jugendlich urban sufferers. Erst mit dem stärker werdenden Einfluß von Rastafari auf das Medium Reggae - Mitte der Siebziger Jahre - bekam es eine globale Orientierung, die Trenchtown und Soweto zu Synomymen für ein und dasselbe Unrecht machten. Reggae ist in seinen Ursprüngen die Ausdrucksform der Schwarzen Jamaikaner, die einen Weg zu kultureller Identität und Selbstvertrauen finden wollen.

.4.9. Rastafari-Kunst

Neben der politischen Wirkung ist Rastafari auch eine starke kulturelle Kraft. Rastafari beschwört eine Kreativität, die sich umfassend auf die gesamte Lebensweise bezieht. Doch nicht nur in der Musik kommt dies zum Ausdruck. Auch in der Poesie und Schriftstellerei, wie in der bildenden Kunst. In diesem kurzen Kapitel wird es um die visuelle Kunst der Rastafaris gehen.

Ebenso wie der Reggae haben sich Rasta-Kunst und Kunsthandwerk im eigentlichen Sinne erst in den letzten 40 Jahren entwickelt. Wolfgang Bender schreibt im Ausstellungkatalog zur Rastafari-Ausstellung, daß der Rasta-Künstler der Rastafari in Reinkultur sei, da Kreativität zentral ist für die Gesamtheit der Rasta philosophy and culture.

Stilistisch läßt sich keine Einheitlichkeit finden, außer der Tatsache, daß der großer Teil der Arbeiten nach europäischem Verständnis der naiven Kunst im weitesten Sinne zuzuordnen ist. Was die Künstler und Künstlerinnen miteinander verbindet, ist ihr Bekenntnis zu Rastafari. Dies drückt sich in der Verwendung bestimmter Zeichen, Motive und Symbole aus. Außerdem teilen die Rasta-Kuntschaffenden eine bestimmte Einstellung zu schöpferischer Arbeit, die sich von unserer Idee von Kreativität unterscheidet. Es wird zum Beispiel zwischen sakral und profan nicht strikt unterschieden.

Alles Verwend- und Nutzbare wird mit Rasta-Symbolen und dem Rasta-Dreiklang von Red, Gold and Green geschmückt. Dadurch bekommt es gewissermaßen den Rasta-Stempel aufgedrückt, wird neu bezeichnet und der Rasta-Kultur einverleibt.

Verwendet werden die verschiedensten Materialien wie Holz, Metall, Karton, Leinwand, Kürbis, Ölfaßdeckel, Wolle, Stoff, Wände und Mauern. Die meisten Künstler können sich ihr Handwerkszeug gar nicht leisten und verwenden daher alles, was sich anbietet und irgendwie eignet. Auch die Gegenstände, die Benutzt werden sind unterschiedlicher Natur: Kleider, Plattenhüllen, Gefäße, Möbel, Töpfe und ein ganzes Haus. (Nämlich das vollständig aus Korb geflochtene Haus von Bongo Silly).

Die visuelle Rastafari-Kunst hat in erster Linie ihre funktionale Rolle zu spielen und vorrangig der Verbreitung der Rasta-Inhalte zu dienen. Das übergreifende Motiv, die Überwindung der von Menschen gemachten Trennung und die Wiederherstellung der Einheit, begründet das Gemeinsame der Bewegung, die auf den ersten Blick diffus und heterogen erscheint.

Zu den zentralen Motiven gehören - natürlich - Portraits von Haile Selassie I. Diese Reproduktion von teils nachgedruckten Fotografien waren die ersten Objekte der Rastafari-Kunst. In ihrer Form ähneln sie christlichen Votivbildern. Dargestellt werden auch historische Personen wie Marcus Garvey und Paul Bogle, berühmte Musiker wie z.B. Don Drummond oder Sportler, wie der jamaikanische Kricketspieler Frank Worell. Afrika selbst, als regelrechte Landkarte ist ein weiteres wichtiges Motiv. Ebenso wie der 'Black Star Liner', das Transportmittel zur Rückkehr nach Afrika.

Szenen aus dem täglichen Leben finden sich in Rasta-Arbeiten nur relativ selten. Das liegt vor allem daran, daß die Künstler sich zu allererst als Propagandisten einer anderen, besseren Wirklichkeit verstehen. Das bei weitem häufigste Motiv ist der Löwe. Er ist das Emblem der Rastafari, ihr Wappentier, denn der Löwe gilt als das afrikanische Tier par excellence und als König aller Tiere. Weil sich Haile Selassie und anderem auch als 'Lion of Judah' titulierte, steht der Löwe auch für diesen und symbolisiert den Messias.

Wolfgang Bender schreibt im Ausstellungskatalog, daß dieses Kunst im Alltagsleben und im städtischen Erscheinungsbild 1991 längst nicht mehr so präsent war wie noch 10 Jahre zuvor.










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