Fremde
in der Schweiz
Integration von
Ausländern
1. Vorwort
Die Abschlussklassen der Berufsmaturitätsschule hatten den
Auftrag – als Abschlussprüfung in den Fächern 'Wirtschaft Recht
Gesellschaft' (WRG) und Volkswirtschaftslehre (VWL) - während den
Frühlingsferien eine Projektarbeit zu einem ihnen zugeteilten Thema zu
verfassen. Der Klasse BM2b wurde das Oberthema 'Fremde in der
Schweiz' zugeteilt, aus welchem jede Gruppe ihr Spezialthema aus fünf Vorschlägen
aussuchen konnte.
Unsere Projektgruppe, bestehend aus Roland Baumberger,
Oliver Ladner, Claudia Müller und Andreas Wagner, wählte am
1. März 2002 das Spezialthema 'Integration von
Ausländern'. Nach Abgabe des Grobkonzeptes und Bereinigung desselben,
konnten wir uns am 2. April 2002 an die Arbeit machen. Ziel war es, eine
Dokumentation im Umfang von 20–40 Seiten zu erarbeiten, welche eine gewisse
Eigenleistung und einen logischen Aufbau enthalten würde. Darüber hinaus
müssen wir das Erarbeitete im Rahmen eines 45-minütigen Vortrages am 24. April
2002 im
Design Center der interessierten Öffentlichkeit präsentieren.
Während den letzten zwei Wochen informierten wir uns über
unser Thema, entwarfen einen Fragebogen, werteten diesen aus, machten
Interviews und schrieben an unserem Script. Entstanden ist die nun vorliegende
Dokumentation zum Thema 'Integration von Ausländern'.
2. Einleitung
Was ist Integration überhaupt? Was verstehen wir darunter?
Integration ist ein sehr weiter und dehnbarer Begriff. Er wird von jedem
anders interpretiert und auch anders erlebt. Dieser Tatsache ist es zu
verdanken, dass die Integration überhaupt funktionieren kann. Genauso wie die
Integrationsinterpretation sind auch die Menschen, die integriert werden oder
diejenigen, welche die zu Integrierenden in ihr Leben und die Gesellschaft
einbinden, individuell. Deshalb muss die Integration an die jeweiligen Personen
und deren Bedürfnisse angepasst werden. Die Individualität des Menschen darf
bei allem Integrationswillen nicht vergessen gehen.
Doch nochmals zurück zur Eingangsfrage: Was ist Integration?
Der Brockhaus erklärt Integration als 'Zusammenschluss, Bildung
übergeordneter Ganzheiten'. Besser ist unserer Meinung nach die
Erläuterung des Duden. Hier wird Integration als 'Verbindung einer Vielheit von einzelnen
Personen oder Gruppen zu einer gesellschaftlichen und kulturellen
Einheit'
definiert. Diese Interpretation des Begriffes erscheint uns ziemlich treffend,
geht es doch bei der Integration von Ausländern darum, fremde Menschen in
unsere Gesellschaft aufzunehmen.
Integration wird häufig als Leistung
bzw. Einsatz von einer Seite her beurteilt. Es scheint so, als ob die
ausländische Bevölkerung, welche freiwillig und aus eigener Motivation heraus
in das fremde Land einzog, in diesem nun auch die Hauptverantwortung für das
Wohlfühlen und die Integration zu übernehmen hat. Integration ist jedoch ein
wechselseitiger Prozess: Es hängt sowohl von der ausländischen als auch von der
Schweizer Bevölkerung ab, inwieweit und wie gut Integration realisierbar ist. Wenn die Bereitschaft
zur Integration auf beiden Seiten vorhanden ist, gelingt diese meistens auch.
Sowohl Ausländer als auch Schweizer müssen dazu bereit sein. Nur mit
gegenseitigem Willen ist die Integration zu bewerkstelligen.
Integration sollte jedoch nicht mit
Assimilation, d.h. völliger Aufgabe der eigenen Kultur und Tradition,
verwechselt werden. Damit ein gemeinsames Zusammenleben möglich wird, bedarf es
einer Anpassungsleistung, welche primär von der ausländischen Bevölkerung
geleistet werden muss. Der Beitrag, den die schweizerische Bevölkerung in
Bezug auf die Integration zu leisten hat, kann mit den Begriffen Entgegenkommen,
Mitfühlen, Verstehen, Vermitteln und Akzeptieren wohl am ehesten umschrieben
werden.
Man
sollte nicht versuchen Ausländern unsere Kultur und unseren Lebensstiel
aufzuzwängen sondern ihnen eine gewisse Freiheit im Ausleben ihrer Kultur
ermöglichen. Allerdings darf sich dabei niemand gestört oder belästigt fühlen.
Ansonsten wirken solche Freiheiten als integrationshemmend. Integration stellt
also eine Gratwanderung dar: Einerseits sollte man jeder Volksgruppe die
Möglichkeit bieten, sich auch hier in der Schweiz in einem - soweit möglich -
vertrauten Umfeld zu bewegen, so dass die Umstellung gegenüber dem gewohnten
Leben im Heimatland nicht allzu gross wird, was die Integration erleichtert.
Denn je grösser der Kulturschock, desto grösser die Gefahr, dass sich
Ausländer gegenüber Neuem abschotten. Andererseits muss man aufpassen, dass
mit dem Ausleben der fremden Kultur die Schweizer Bevölkerung nicht vor den
Kopf gestossen wird. Denn es liegt in der Natur des Menschen, Neuem gegenüber
skeptisch zu sein. Auch gottgegeben ist die Tatsache, dass Fremdes, Unbekanntes
und Neues beängstigend oder verunsichernd wirken kann. Angst vor
Identitätsverlust, Angst vor Verlust der eigenen Kultur, Angst vor Struktur-
und Haltlosigkeit treten dabei häufig auf und zwar sowohl auf Ausländer-
wie auch auf Schweizerseite. Diese Angste gilt es durch offenes Aufeinanderzugehen
langsam aber stetig abzubauen. Da sich beide gegenseitig fremd vorkommen und
unsicher sind im Umgang mit den Anderen braucht es eine gewisse beidseitige
Überwindung, um Ausländer integrieren zu können. Die Bereitschaft zur Überwindung
dieser kulturellen Gräben ist leider vielfach nicht oder zu wenig vorhanden,
was die Integration erschwert.
Einige
ziehen sich aufgrund der manchmal unüberwindbar scheinenden, kulturellen
Unterschiede zurück und verkehren mehrheitlich mit den eigenen Landsleuten. Das
gemeinsame Schicksal, welches alle Ausländer miteinander teilen, kann auch dazu
führen, dass sie sich untereinander solidarisieren. Es darf jedoch nicht soweit
kommen, dass sie gegen die einheimische Bevölkerung revoltieren. Genau das gilt es zu
verhindern. Denn es ist kontraproduktiv für die Integration wenn sich die
Ausländer zurückziehen und der Kontakt zur Schweizer Bevölkerung abbricht.
Als
einen der wichtigsten Faktoren in der Integration, erachten wir den sozialen
Kontakt zwischen Ausländern und Inländern. Ausländer die sich häufig mit
Personen anderer Nationalitäten treffen, sind normalerweise besser integriert
als solche, welche vornehmlich den Kontakt mit Landsleuten pflegen. Dasselbe
lässt sich natürlich auch auf die Schweizer Bevölkerung übertragen. Personen
welche oft mit Ausländern zu tun haben, integrieren diese normalerweise besser,
als solche, die vornehmlich mit Schweizern verkehren.
Natürlich
gibt es auch schwarze Schafe, Profiteure und Kriminelle unter den Ausländern,
allerdings darf daraus nicht geschlossen werden, dass alle Ausländer böse
Absichten hegen! Es gibt auch unter den Schweizern Personen, welche ähnlich negativ
auffallen. Trotzdem kommt niemand auf die Idee, die Schweizer Bevölkerung als
generell schlecht abzustempeln. Ein stark integrationshemmender Faktor ist die
Verallgemeinerung. Sei dies nun, dass man z.B. aufgrund einer kriminellen Tat
eines Ausländers seine ganze Volksgruppe der verbrecherischen Veranlagung
bezichtigt oder sei es, dass man eine - uns befremdend anmutende -
Lebenseinstellung einzelner Völker, auf alle Ausländer überträgt.
Pauschalurteile sind hier fehl am Platz. Jeder Ausländer ist individuell und
man sollte kein Urteil über ihn fällen, ohne ihn zu kennen. Auch sollte sich
die Schweizer Bevölkerung hüten, allen Vorurteilen, die durch die Gesellschaft
geistern, Glauben zu schenken. Vielfach erweisen sich Vorurteile als falsch
oder enthalten nur Teilwahrheiten, welche auf keinen Fall auf jeden zutreffen.
Deshalb sind Ausserungen über Ausländer immer mit Vorsicht zu geniessen. Man
kann längst nicht alles glauben, was Mitmenschen oder Medien erzählen, schon
gar nicht wenn es sich um ein so heikles Thema wie die Integration von
Ausländern handelt.
Integration ist mit Kontaktchancen und
Kommunikation gekoppelt. Sie kann erst dann wirklich gelingen, wenn eine
befriedigende sprachliche Verständigung möglich ist. Eine Person ist erst dann
genügend gut in ein neues Umfeld integriert, wenn sie die Sprache einigermassen
gut beherrscht. Deshalb empfiehlt es sich, die Sprachförderung voranzutreiben.
Wirkliche Integration findet nur dann statt, wenn es gelingt, Freundschaften
und enge Beziehungen in der Schweiz zu knüpfen. Integration hat mit Offenheit,
Austausch und einem hohen Mass an Akzeptanz zu tun. Sie kann nur gelingen, wenn
beide daran beteiligten Seiten das Interesse haben, aufeinander zuzugehen und
sich gegenseitig zu stützen.
3.
Geschichte
Die Schweiz war einst selbst ein Auswanderungsland und sie
verfügt auch heute noch mit rund 600'000 Personen über eine
beachtliche Auslandschweizerkolonie. Die Zahl jener, die im Ausland ihr Glück
versuchen, ist seit Jahren zunehmend. Die Schweiz gewährte umgekehrt
verschiedentlich Fremden Zuflucht und Arbeitsmöglichkeiten. Bereits im 17.
Jahrhundert förderten die Hugenotten
durch ihr gewerbliches Geschick den wirtschaftlichen Aufschwung. Eine erste
grosse Einwanderung erfolgte im letzten Jahrhundert zwischen 1888 und 1914 im
Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Entwicklung und der Erschliessung durch
den Bau der Eisenbahnen. Die ausländischen Arbeitskräfte konnten sich damals
frei in der Schweiz niederlassen und verfügten über volle berufliche
Mobilität. Staats- und gesellschaftspolitisch im Vordergrund stand die
Förderung der Assimilation und Einbürgerung. Im und nach dem Ersten Weltkrieg
wurde die internationale Freizügigkeit beschränkt. Es folgte die
Weltwirtschaftskrise der dreissiger Jahre. Der Ausländeranteil ging zwischen
1914 und 1941 von 15,4% auf 5,2% zurück.
Die anhaltende Hochkonjunktur seit Ende des Zweiten
Weltkrieges liess die ausländische Bevölkerung wieder anwachsen. Der
Ausländeranteil stieg zwischen 1950 und 1970 von 6,1 auf 16,2%. Nach einer
vorerst liberalen Zulassungspraxis, kam ab 1963 eine restriktive
Rekrutierungspolitik zu Anwendung, vorerst in Form betriebsweiser Begrenzungen
und ab 1970 mittels gesamtschweizerischer Höchstzahlen. Auch wenn der 1970
erklärten Stabilisierungspolitik zu keiner Zeit ein festes Zahlenverhältnis zu
Grunde lag sondern stets von einem ausgewogenen Verhältnis zwischen der
ausländischen und schweizerischen Wohnbevölkerung gesprochen wurde, so sind die
ursprünglich ins Auge gefassten Ziele bisher nicht erreicht worden. Nachdem
1974 mit 1'065'000 Migranten bzw. 16,8 % einen Höhepunkt dargestellt hatte,
bildete sich diese Zahl vorwiegend aus konjunkturellen Gründen innert fünf
Jahren auf 884'000 bzw. 14,1% zurück. Die Schweiz musste sich damals den
Vorwurf gefallen lassen, weiterhin eine Rotationspolitik zu betreiben und ihre
Arbeitslosigkeit grösstenteils auf dem Buckel der Migranten zu exportieren.
Seit 1979 weisen die Statistiken, wenn auch mit Schwankungen, wiederum
alljährlich Zuwachszahlen auf. 1998 betrug die ständige ausländische
Wohnbevölkerung 1'348'000 Personen, was
einem Ausländeranteil von 19% entsprach.
Bis Ende der fünfziger Jahre prägten Rotationsgedanken die
schweizerische Ausländerpolitik. Arbeitskräfte aus dem Ausland wurden generell
als Konjunkturpuffer betrachtet; sie sollten im Falle von Rezession und
Arbeitslosigkeit kurzfristig abgebaut werden können. Jeder Stellenwechsel war
bewilligungspflichtig; ein anderer Beruf konnte erst nach zehn Jahren ausgeübt
werden; diese Frist galt grundsätzlich auch für den Familiennachzug.
Aufenthaltsbewilligungen wurden mit Widerrufsklauseln versehen. Ab den
sechziger Jahren wurden diese Einschränkungen nach und nach gelockert, nachdem
sich die pessimistischen Wirtschaftsprognosen nicht bewahrheiteten und es zu
Schwierigkeiten bei der Arbeitskräfterekrutierung im Ausland kam. Trotz der
eingeleiteten Lockerungen war Integrationsförderung damals kein Thema. Arbeit
war reichlich vorhanden und die Schule bemühte sich um eine Assimilation der im
Familiennachzug eingereisten ausländischen Kinder, die möglichst rasch die
Unterrichtssprache zu erlernen und sich in den Klassenverband einzufügen
hatten. In verschiedenen Kantonen wurden Ausländerberatungsstellen geschaffen,
welche Ratsuchende bei konkreten Schwierigkeiten betreuten. Weiterführende
Massnahmen gab es kaum.
In den siebziger und achtziger Jahren fanden in Zusammenhang
mit mehreren Volksbegehren Überfremdungsdebatten statt. Zwar wurden diese
Abstimmungsvorlagen abgelehnt, doch führten sie bei den Migranten zu
nachhaltiger Verunsicherung und erweckten bei vielen den Eindruck, bestenfalls
als Arbeitskräfte nicht aber als Menschen erwünscht zu sein. Sie sahen sich in
ihren Rückkehrwünschen bestärkt und bewegten sich entsprechend in einem integrationshemmenden
Dauerprovisorium. Auf politischer Ebene und seitens der Behörden vermochte man
kein überzeugendes Gegengewicht zu schaffen. Im Bewusstsein, vorhandene
Überfremdungsängste und Schwierigkeiten im Zusammenleben nicht allein mit
zahlenmässigen Begrenzungsmassnahmen abbauen zu können, hat der Bundesrat zwar
1970 die Förderung der gesellschaftlichen Integration der Migranten zum
Bestandteil seiner Ausländerpolitik erklärt, doch fehlte der politische Wille
für eine konsequente Handlungsweise. Die gelegentlichen politischen
Absichtserklärungen stiessen bei den Migranten und bei jenen Kreisen, die sich
da und dort sehr oft ehrenamtlich um eine Integration bemühten, zusehends auf
Skepsis und Resignation. Auch die Aufnahme der Integration in den Zweckartikel
der bundesrätlichen Begrenzungsverordnung BVO im Jahre 1986 vermochte nichts
daran zu ändern. Die alljährlichen BVO-Revisionen boten keinerlei Plattform, um
Integrationsfragen zu thematisieren. Arbeitsmarktliche und quantitative
Betrachtungen beherrschten stets die Diskussionen und Beschlüsse. Um effizient
Integrationsförderung betreiben zu können, fehlten klare politische Grundsätze
und die Mittel für konkrete Massnahmen auf einer breiten Ebene. Lediglich die
Schule bemühte sich, in diesem Sinne tätig zu sein und die Inhalte ihrer
Integrationsarbeit systematisch weiterzuentwickeln. In den neunziger Jahren
gewann die Integrationsfrage nach und nach an politischem Gewicht. Zwei
Faktoren waren dabei von entscheidender Bedeutung. Die grösste Arbeitslosigkeit
seit der Weltwirtschaftskrise der dreissiger Jahre hat die ausländische Bevölkerung
in besonderem Masse getroffen. Die Nachteile langjähriger Versäumnisse in der
Integrationsförderung wurden offensichtlich und belasteten entsprechend die schweizerischen
Sozialinstitutionen. Die Migranten bangten nicht nur um ihre Arbeitsplätze,
sondern auch um ihre Anwesenheitsbewilligungen. Betroffen waren zur Hauptsache
Jahresaufenthalter, aber auch Niedergelassene. Die Bereitschaft zur
freiwilligen Ausreise und Rückkehr in die Heimat war im Vergleich zu den
siebziger Jahren wesentlich kleiner. Auch die anhaltenden Diskussionen um die
Asylproblematik tangierten immer wieder die Arbeitsmigranten, zumal Ausländer-
und Asylfragen sich oft überlappen und die Bevölkerung kaum zu einer
differenzierten Betrachtung und Meinungsbildung in der Lage ist. Einen
grösseren Einfluss auf die Integrationspolitik wird schliesslich das
angestrebte Abkommen der Schweiz mit der EU haben.
In einem Postulat forderte Nationalrat Rechsteiner bereits
1987 eine Bestandsaufnahme zur Integration der ausländischen Bevölkerung in
der Schweiz sowie einen Massnahmenkatalog zur Integrationsförderung. Während
1990 dem ersten Teil des Postulats mit dem Handbuch Ausländer in der
Gemeinde Rechnung getragen werden konnte, sollte eine systematische
Auflistung von Lösungsvorschlägen in engem Zusammenhang mit der Schaffung einer
Gesetzesgrundlage zur Integrationsförderung erfolgen. In seiner Botschaft zur
Totalrevision des Asylgesetzes unterbreitete der Bundesrat dem Parlament im
Dezember 1995 eine entsprechende Vorlage. Kurz zuvor wurde das Postulat
Bühlmann überwiesen, welches einen Integrationsbericht forderte. Als
Diskussionsgrundlage für die parlamentarischen Beratungen des Integrationsartikels
im Bundesgesetz über Aufenthalt und Niederlassung von Ausländern (ANAG)
formulierte die Eidgenössische Ausländerkommission (EKA) im Auftrag des
Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements (EJPD) im ersten Halbjahr 1996
ihre Umrisse zu einem Integrationskonzept. Im Sommer des gleichen Jahres wurde
im Einvernehmen mit dem Vorsteher des EJPD ein Vernehmlassungsverfahren zum
50seitigen Bericht eröffnet. Parallel dazu fand am 17. Januar 1997 die erste
Nationale Integrationskonferenz statt.
Mit der Revision des Bundesgesetzes über Aufenthalt und
Niederlassung von Ausländern (ANAG) und der Einführung des neuen
Integrationsartikels 25a wurde die Integration von Ausländern am 1. Oktober
1999 zu einer Staatsaufgabe gemacht. Der Artikel 25a ANAG stellt damit die
Grundlage der heutigen Integrationspolitik der Schweiz dar. Die Kantone und
Gemeinden müssen aufgrund dieses Artikels die nötigen Strukturen zur
Integration von Ausländern schaffen, um vom Bund Unterstützungsgelder beziehen
zu können.
Auszug aus dem Bundesgesetz über Aufenthalt und
Niederlassung von Ausländern (ANAG):
ANAG Art. 25a
1
Der Bund kann für die soziale Integration von
Ausländern finanzielle Beiträge ausrichten; diese werden in der Regel nur gewährt,
wenn sich Kantone, Gemeinden oder Dritte angemessen an den Kosten beteiligen.
Der Bundesrat regelt das Verfahren.
2
Die vom Bundesrat nach Artikel 25 Absatz 1 Buchstabe i eingesetzte beratende
Kommission ist berechtigt, die Ausrichtung von Beiträgen zu beantragen und zu
eingegangenen Beitragsgesuchen Stellung zu nehmen.
3
Die Bundesversammlung setzt mit dem Budget den jährlichen Höchstbetrag fest.
4. Integration der Ausländer in
den verschiedenen Generationen
4.1.
Erste
Generation
4.1.1. Arbeiter
Diese Migranten sind hauptsächlich wegen der Arbeit in die Schweiz gekommen.
Sie sind nun bereits längere Zeit in der Schweiz und haben sich mehr oder
weniger angepasst.
Der Grund für die Einreise in die Schweiz war die anhaltende
Hochkonjunktur in der Schweiz zwischen 1950 und 1970. Während dieser Periode
erhöhte sich der Ausländeranteil der Bevölkerung von 6,1% auf 16,2%.
Vor allem der Anteil der Italiener an der Gesamtbevölkerung nahm stark zu.
Daneben gab es auch einen nennenswerten Zuwachs von Deutschen und
Österreichern.
Vor 1999 waren keine gesetzlichen Bestimmungen zur
Integration vorhanden und es fand deshalb auch keine eigentliche
Integrationsförderung statt. Ausländer trafen sich häufig nur mit Ausländern
und durch diese Abschottung war – banal gesagt – keine Integration notwendig.
Vielfach findet man heute noch Vereinigungen und Clubs, die in dieser Zeit von
Ausländern gegründet wurden und bis heute das gesellige Beisammensein fördern.
4.1.2. Flüchtlinge
Im Gegensatz zu den Arbeitern kam diese Gruppe aufgrund einer Notlage wie
Krieg, Unruhen oder Unterdrückung in die Schweiz. Der Zustrom an Flüchtlingen
erfolgte seit der Achtzigerjahren und fand seinen Höhepunkt in den
Neunzigerjahren.
Während bei der Arbeitergeneration ein längerfristiger
Aufenthalt in der Schweiz geplant war, ist dies bei den Flüchtlingen meist
nicht der Fall. Die Bindung zur Heimat ist immer noch stark vorhanden und man
erwägt, später einmal zurückzukehren.
4.2.
Zweite
Generation
Nachkommen der 1. Generation sind in der Schweiz geboren und
aufgewachsen. Trotzdem ist ihnen die Kultur der Eltern nicht fremd und sie
beherrschen den Brückenschlag zwischen beiden Kulturen. Man muss auch hier
zwischen den beiden Gruppen der ersten Generation unterscheiden: die Nachkommen
der Arbeitergeneration sind älter als jene der Flüchtlingsgeneration. Aufgrund
dieser Tatsache haben die Nachkommen der Arbeiter meistens schon selbst
Familie. Kinder der ersten Generation der Flüchtlinge sind, falls sie hier
geboren sind, bedeutend jünger, oder haben nicht die ganze Kindheit in der
Schweiz verbracht.
Im Gegensatz zu den Nachkommen der ersten Arbeitergeneration
– die bereits voll integriert sind – muss die Integration besonders bei den
Flüchtlingen der ersten wie auch der zweiten Generation gefördert werden.
4.3.
Dritte
Generation
Die dritte Generation der
Arbeiter entfremdet sich zunehmend von der Kultur und Lebenseinstellung der
Vorfahren. Integrationsbemühungen sind nicht mehr notwendig, da ihre Eltern
auch bereits in der Schweiz aufgewachsen sind.
Die dritte Generation der
Flüchtlinge existiert meist noch nicht, da die Vorfahren erst seit ca.
10-15 Jahren in der Schweiz ansässig sind.
5. Wer soll integriert werden?
Grundsätzlich soll jedem, der neu in die Schweiz kommt, die
Möglichkeit geboten werden, sich zu integrieren und sei es auch nur in
beschränktem Rahmen. Die Integrationspolitik der Schweiz in Bezug auf Asylanten
muss den Grundsatz 'Integration ja; aber nicht zuviel'
befolgen und eine schmälere Integration für Asylanten anbieten, bei welchen die
Wahrscheinlichkeit einer Ausschaffung gross ist. Einerseits muss man sie lehren
wie man sich in der Schweiz verhält und sei es nur, dass sie Termine einhalten
oder den Müll nicht einfach herumliegen lassen, wie sie sich das teilweise von
'zuhause' gewohnt sind. Andererseits sollte man den Asylbewerbern
auch nicht zuviel unserer Kultur vermitteln, da das Aufgeben des bei uns
kennengelernten 'Wohlstandes' eine Ausschaffung für die Asylanten
enorm erschweren würde. Wenn sich die Asylbewerber zu sehr an das Leben in der
Schweiz gewöhnt haben, fällt ihnen die Rückkehr ins Heimatland entsprechend
schwerer.
Dagegen ist es von grosser Wichtigkeit, dass Personen, die
längerfristig in der Schweiz bleiben oder dies zumindest beabsichtigen,
bestmöglichst integriert werden. Denn je besser die Ausländer integriert sind,
desto einfacher gestaltet sich das Zusammenleben zwischen Schweizern und
Ausländern und der Spielraum für Konflikte wird kleiner.
6. Bereiche der Integration
Wer bereits ein fremdes Land bereist hat, dem ist sicherlich
schon der eine oder andere Lapsus unterlaufen. Sei es beim Grüssen, bei der
Kleiderwahl oder bei anderen, allgemeinen Verhaltensregeln.
Nicht anders ergeht es Ausländern, die in
die Schweiz kommen. Unsicherheiten und Unwissenheit bezüglich unseres
Rechtssystems, unseres Lebensstils und unserer Kultur erleichtern den
Ausländern ihre Integration keineswegs. Daneben wirken Rassismus, Einsamkeit
oder Arbeitslosigkeit belastend auf die Psyche. All diese Unsicherheiten und
Angste gilt es im Verlaufe des Integrationsprozesses abzubauen oder zu vermindern.
Ein Fünftel
der Wohnbevölkerung und ein Viertel
der Erwerbstätigen in der Schweiz sind Ausländer. Sie bewältigen einen
beträchtlichen Teil des Arbeitsvolumens und leisten somit einen wesentlichen
Beitrag zu unserem Wohlstand. Deswegen ist es von grosser Bedeutung, Migranten
zu integrieren. Der Prozess der Integration ist langwierig und beruht auf dem
Einsatz des zu Integrierenden und dem der Personen, die mit ihm in Kontakt
stehen. Eine minimale Eigenleistung und Motivation seitens der Ausländer werden
vorausgesetzt, sonst sind alle Integrationsbemühungen wirkungslos.
6.1.
Arbeit
Wie bereits
in der Einleitung erwähnt, ist Arbeit der wichtigste Faktor zur Integration.
Sie verschafft Selbständigkeit und Unabhängigkeit, hilft neue Kontakte zu
knüpfen und fördert das Wirtschaftswachstum. Der Anteil der
Ausländer an der gesamten erwerbstätigen Bevölkerung beträgt – wie oben erwähnt
- rund 25%. Unsere Wirtschaft würde ohne die Mithilfe von Ausländern nicht in
dem Rahmen funktionieren können, wie sie es heute tut. Einen wichtigen Beitrag
an die Schweizer Wirtschaft leisten die ausländischen Arbeitskräfte nicht nur
im Gast-, Baugewerbe oder im Gesundheitsbereich, sondern auch in der Forschung
und in der Computerbranche. Die junge ausländische Wohnbevölkerung trägt zudem
massgeblich zur finanziellen Sicherung unseres Sozialwesens bei.
Ein Ausländer ohne Arbeit wird schnell
einmal als arbeitsunwilliger Profiteur abgestempelt. Unter anderem deshalb ist
es wichtig, Migranten bei der Suche nach Arbeit zu unterstützen, ihnen
Ausbildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten anzubieten und sie den Schweizer
Angestellten gleichzustellen.
Im Bereich der Arbeit ergeht es
Ausländern ähnlich wie Schweizern. Ein arbeitsloser Schweizer ist, genau wie
ein Ausländer, mit seiner Situation nicht glücklich. Wer keine Arbeit hat,
fühlt sich nutzlos und überflüssig. Dieser Umstand kann ganz schön am
Selbstwertgefühl eines jeden Menschen nagen. Was wiederum dazu führen kann,
dass man sich gegenüber anderen verschliesst. Und genau dies ist
kontraproduktiv für die Integration. Unter anderem deshalb wird Arbeit als
wichtigster Faktor zur Integration angesehen. Wichtig zur Integration ist auch,
dass ein Ausländer „auf eigenen Füssen stehen“ kann, dass er also finanziell
unabhängig ist. Wer nicht selbst für sich sorgen kann wird in der Gesellschaft
nicht gleich akzeptiert. Dies gilt schon für Schweizer und für Ausländer erst
recht. Wird ihnen doch schnell einmal der Vorwurf gemacht, nur profitieren zu
wollen.
Auch fördert Arbeit die Zufriedenheit
eines Menschen. Wer zufrieden ist, ist auch offener. Dieser Umstand ist
zwingend erforderlich für eine erfolgreiche Integration.
Nebst Selbstvertrauen, einem guten
Gefühl am Abend und finanzieller Selbständigkeit, kann Arbeit einem auch die
Möglichkeit bieten neue Kontakte zu knüpfen, andere Menschen kennen zu lernen
und sich mit diesen auszutauschen. Gerade dieser Umstand kann einem das
Eingewöhnen in einer neuen Umgebung, ja, in einem fremden Land enorm
erleichtern. Das erlebt jeder von uns auch, wenn wir umziehen und die Arbeitsstelle
wechseln, fühlt man sich am neuen Ort viel integrierter und geborgener, wenn
man unter den neuen Kollegen gut aufgenommen wird und eventuell sogar
Freundschaften knüpfen kann. Nicht anders ergeht es den Ausländern, nur dass
alles für sie, da ein wenig fremder, ein wenig extremer ist. Wenn man sich in
einem Bereich, z.B. bei der Arbeit, wohl und integriert fühlt, ist es viel
einfacher sich im restlichen Leben einzugliedern. Als Basis, woraus man immer
wieder neue Kraft für den Integrationsprozess schöpfen kann, kann Arbeit sehr
nützlich sein.
Auch uns Schweizern hilft es in Bezug
auf den Integrationsprozess enorm, mit Ausländern zusammenzuarbeiten. Man lernt
sich gegenseitig kennen und akzeptieren. Wenn man sich kennt, kann man auch die
Handlungen und den Lebensstil des Anderen besser nachvollziehen. Zum Abbau von
Grenzen, welche anfangs normalerweise bestehen, ist die Zusammenarbeit von
Ausländern und Schweizern unabdingbar. Und wo besteht die beste Gelegenheit zur
Zusammenarbeit als eben bei der Arbeit?
Wichtig dabei ist allerdings, dass ein
Ausländer die Arbeit nicht nur als Pflicht empfindet. Wenn man nicht glücklich
im Job ist, trägt dies auch wenig zur Integration bei. Wenn man den ganzen Tag
nur auf den Feierabend wartet und sich gar nicht versucht, mit den Kollegen
auseinanderzusetzen, ist die Arbeit vom Standpunkt der Kommunikationsförderung
her gesehen nicht sehr hilfreich. Jedoch hilft sie in jedem Fall, die Welt aus
einem anderen Blickwinkel zu sehen. Bei der Arbeit bekommt man zwangsläufig andere
Sichtweisen mit. Verbringt man den ganzen Tag mehr oder weniger nur in den
eigenen vier Wänden ist die Sichtweise eingeschränkt. Da kann auch der Kontakt
zur Familie nicht gross etwas daran ändern. Schliesslich ist die eigene Meinung
mit der der Familienmitgliedern oder auch Personen derselben Herkunft eng
verbunden. Arbeit ist natürlich nicht alles, um andere Sichtweisen kennen zu
lernen, dennoch ist der
Rückzug auf die eigene Ursprungsethnie bei Migranten nach der Pensionierung
besonders ausgeprägt. Es herrscht dann eine Situation vor, die einer Rückkehr
in die heimatliche Umgebung gleicht, welche sich jedoch auf schweizerischem
Boden abspielt. Dies wäre genau das Gegenteil von Integration.
Im Bereich der Schwarzarbeit sind Aufklärung und Beratung nötig.
Trotz eventuell vorhandener Motivation ist es einem Asylanten nicht erlaubt,
seine Arbeitskraft jemandem zur Verfügung zu stellen. Dieser Missstand treibt
viele Asylanten dazu, schwarz zu Arbeiten. Dem Staat entgehen dadurch Einnahmen
und der 'Arbeitnehmer' erhält keine Sozialleistungen. Schwarzarbeit
ist demnach dringend zu verhindern.
6.2.
Bildung
und Sprache
Der Ausbildungsgrad der Ausländer ist, gemessen an dem der
schweizerischen Bevölkerung, tief.
Die Bildung hängt stark mit der Arbeit beziehungsweise Arbeitssuche zusammen
und ist deshalb besonders zu berücksichtigen. Migranten sollten Grundkenntnisse
in Deutsch und Mathematik vermittelt werden, damit sie sich verständigen und
ihre finanziellen Mittel selbst verwalten können.
Das Problem der Bildungsvermittlung in der Schule führt zu
einem Zielkonflikt, der nicht einfach zu bewältigen ist. Meist genügt die
obligatorische Schule den speziellen Anforderungen der ausländischen Kinder
nicht. Da viel Neues, das erst einmal verarbeitet werden muss, auf sie zukommt,
wäre ein angepasstes Lerntempo nötig. Allerdings soll es auch nicht so sein,
dass Ausländerklassen gebildet werden, da der zwischenmenschliche Kontakt
zwischen Ausländerkindern und Schweizerkindern dabei nicht gefördert werden
würde. Der normale Umgang untereinander ist gerade in jungen Jahren sehr
wichtig, da er - einmal gelernt - später eher als normal empfunden wird.
Die Sprachbarriere erweist sich als eines der grössten
Probleme für die Integration. Mangelhafte Sprachkenntnis führt zwangsläufig zu
Kontakthemmungen seitens der Ausländer. Andererseits müssen Schweizer mehr
Toleranz und Rücksichtnahme zeigen. Nicht jedem Schweizer ist ein anderer
Dialekt geläufig, geschweige denn einem Ausländer. Dieser Umstand darf aber zu
keinem Kommunikationsstillstand führen; beispielsweise kann man sich bei
Verständnisschwierigkeiten in Schriftsprache verständigen. Funktioniert auch
das nicht, bleibt immer noch die altbewährte Kommunikation 'mit Händen und
Füssen'. Vielleicht sollte man sich einfach ein wenig mehr trauen. Viele
Ausländer, die wir in unsere Umfrage einbezogen, haben wollten uns, mit der
Begründung nicht gut Deutsch zu sprechen, zuerst gar keine Auskunft geben. Nach
kurzem Zureden waren die meisten dann doch bereit und die Kommunikation verlief
meist problemlos.
Die Sprache wird zudem aus der Sicht der einheimischen
Bevölkerung zu einem Beurteilungskriterium für 'gelungene' oder
'misslungene' Integration. 'Nicht die gleiche Sprache sprechen
heisst soviel wie nicht dazugehören. Eine Hypothese besagt, dass Altere und
Jüngere nicht die gleiche Sprache sprechen, also auch nicht dasselbe Denken
haben. Der Satz lässt sich zum einen durch den Zusatz ergänzen, ' und auch
nicht die gleichen Gefühle', und zum anderen ohne weiteres auch auf die
Kommunikationsformen zwischen ausländischen und einheimischen Bürgern
übertragen. Die Sprache kann verbinden: Eine gemeinsame Verständigungsgrundlage
schaffen. Sie kann aber auch distanzieren und zur Aufrechterhaltung von Distanz
beitragen. Beispielsweise die verkürzte und grammatikalisch falsche Sprache,
mit der viele einheimische Arbeiter mit ihren ausländischen Kollegen sprechen.
Beispielsweise: 'Du kommen heute fünf Uhr Arbeitsstelle.' Wie kann
unter solchen Umständen der richtige Sprachgebrauch gelernt werden, besteht
doch gerade noch am Arbeitsplatz die Chance, die Sprache regelmässig zu
trainieren. Nach der Pensionierung besteht die Möglichkeit auf regelmässigen,
sprachlichen Austausch immer weniger. Womit die zentrale Bedeutung der Arbeit
in der Integration einmal mehr unterstrichen wäre.
6.3.
Kultur
Integration
bedeutet nicht Assimilation: Niemand soll gezwungen werden, seine eigene
Kultur, Religion und Bräuche aufzugeben. Die vollständige Aufgabe der eigenen
Traditionen und Kultur kann sich sogar integrationshemmend auswirken. Um sich
in einer fremden Gegend zurechtzufinden, braucht man auch Vertrautes. Bereits
kleine Dinge wie das gewohnte Essen oder vertraute Musik können da sehr
hilfreich sein. Migration ist wie das Umtopfen einer Pflanze: Jede Pflanze
braucht noch ein Stück alter Erde. Dieses gibt ihr eine gute Startbasis in der
neuen Umgebung. Von der eigenen Geduld, der emotionalen Stärke und den
Wetterbedingungen am neuen Ort hängt es ab, wie die Wurzeln im neuen Boden
gedeihen.
Die Religion spielt im Leben vieler Kulturen eine zentrale
Rolle und kann bei der Eingewöhnung in der neuen Umgebung sehr wichtig sein.
Sie kann einem Rückhalt bieten. Die Religionsfreiheit sollte in jedem Fall
gewährleistet sein. Allerdings sind gewisse Grenzen zu beachten, Grenzen welche
aus Rücksicht auf die einheimische Bevölkerung nicht überschritten werden
sollten. Sobald es um die Religion geht, driften die Meinungen schnell einmal
auseinander.
Am Beispiel des Schächtens ist dies besonders gut erkennbar.
Für Schweizer ist es schwierig zu akzeptieren, dass Tiere einen unnötig
qualvollen Tod sterben müssen. Für Juden ist diese Prozedur lediglich ein
religiöser Brauch und hat nichts mit dem Ausdruck von Gewalt oder Brutalität zu
tun, trotzdem stösst er in hiesigen Kulturkreisen auf Unverständnis und
Inakzeptanz, was in einer Abneigung gegenüber dieser Religion resultieren kann.
Des weiteren sei das Beispiel des Kopftuches in vielen
muslimischen Kulturen genannt. Bei uns stösst es auf Unverständnis, dass Frauen
in diesen Kulturkreisen ein Kopftuch tragen müssen. Wir empfinden dies als
frauenfeindlich und verachtend. In den jeweiligen Ländern kennt man aber nichts
anderes und es wird als normal empfunden, dass die Frau nur mit Kopftuch aus
dem Haus geht. Wie uns auch Herr Müllhaupt
vom Schweizerischen Roten Kreuz bestätigt hat, können solche unterschiedlichen
Ansichten zu Problemen führen. Viele Frauen sehen die Freiheiten, welche die
Frauen in der westlichen Welt haben und wollen diese teilweise auch für sich
beanspruchen. Dies kann zu Auseinandersetzungen innerhalb der Familie führen.
Herr Müllhaupt sieht in solchen extremen Beispielen kultureller Unterschiede
eine der wenigen negativen Folgen der Integration.
6.4.
Fremdenfeindlichkeit/Rassismus
Fremdenfeindlichkeit ist ein grosses Problem unserer
heutigen Gesellschaft. Teilweise ist es verständlich, dass eine gewisse Skepsis
gegenüber Neuem vorherrscht, allerdings sollte man den Migranten die
Möglichkeit bieten, sich so zu geben wie sie sind. Wenn dieser Wille zum
gegenseitigen Kennenlernen vorhanden ist, sollte auch der Rassismus keinen
Nährboden finden. Oftmals fehlt diese Bereitschaft und man verurteilt die
Ausländer, ohne sie eigentlich zu kennen. Was anonym ist, kann auch problemlos
abgelehnt oder bekämpft werden. Werden die Ausländer dann plötzlich zu
Bekannten, werden sie aus der anonymen Masse
herausgelöst und werden so zu
einem Teil des eigenen Lebensbereiches. Integration hilft also auch präventiv
gegen den Rassismus. Erschreckend waren in diesem Zusammenhang die Ergebnisse
unserer Umfrage: Auf die Frage: 'Wie beurteilen Sie den Ausländeranteil
in der Schweiz?' antworteten 70% mit 'etwas zu hoch' oder mit
'zu hoch'. 26 Prozent waren der Meinung, dass der
Ausländeranteil in der Schweiz gut sei wie er ist und nur bescheidene 4% der
Befragten waren der Meinung, dass der Ausländeranteil auch höher sein könnte.
Viele Schweizer sind der Meinung, dass der Ausländeranteil in der Schweiz zu
hoch sei. Das sind natürlich nicht gerade die besten Voraussetzungen für die
Integration. Wenn die Meinung vorherrscht, dass ein Teil der Ausländer das Land
wieder verlassen sollte, ist die Bereitschaft auch nicht unbedingt vorhanden,
dieselben zu integrieren. Auch diese These hat unsere Umfrage bestätigt. Bei
der Frage, ob die Befragten offen auf Ausländer zugehen, antworteten noch 68%
mit 'Ja'. Dies änderte sich allerdings bei der Fremdeinschätzung. Auf
die gleiche Frage bezogen auf die Schweizer Bevölkerung antworteten schon 55%
mit 'Nein'. Dieser zweite Wert wird wohl eher zutreffen. Der Mensch
neigt oftmals dazu, sich selbst besser einzuschätzen als den Rest der
Bevölkerung. Ausserdem traut sich auch nicht jeder zu sagen, dass er nicht
offen auf Ausländer zugeht und sich somit als fremdenfeindlich zu
'outen'.
Doch was führt zu dieser Ausländerfeindlichkeit?
Hauptsächlich Unsicherheit und Angste vor dem Neuen und Unbekanntem. Viele
schrecken davor zurück, das Vertraute aufzugeben und sich für Neues zu öffnen.
Die beschriebene Ausschlussdynamik entsteht immer aufgrund von Hierachien in
einem sozialen Netzwerk. So wollen die Neuankömmlinge ihre Situation verbessern
und die 'Alten' ihre erhalten. Diese Dynamik muss zu Reibereien
führen. Auffallend ist, dass Abgrenzung und Abwehr immer von oben nach unten
erfolgt. Ist der Status der Neuankömmlinge höher als jener der Einheimischen,
entfällt die Unterschichtungsdynamik (z.B. bei hochqualifizierten ausländischen
Arbeitskräften).
In der bisherigen Erklärung wurde in erster Linie eine
'harmlose' Form von Fremdenfeindlichkeit beschrieben. Leider gibt es
auch eine extreme Art, den Fremden–hass oder Rassismus. Bedauerlicherweise gibt
es heutzutage immer mehr, auch extreme Rassisten in der Schweiz. Die
rechtsextreme Szene hat an Auftrieb gewonnen, was sich zum Beispiel am
Aufmarsch auf dem Rütli am 1. August 2000 gezeigt hat. Diesen Trend gilt es
aufzuhalten, denn jeder Mensch mit rassistischem Gedankengut kann eine Integration
verhindern.
Leider gibt es immer einige Fanatiker, welche eine extreme
Meinung vertreten. Das tragische am Rechtsextremismus ist, dass einigen wenigen
Fanatikern immer mehr Leute Glauben schenken und sich auch zu rassistischen
Parolen und Meinungen hinreissen lassen. Aufgestachelt durch die Medien und
den teilweise schlechten Ruf von Ausländern in der Gesellschaft wird
Rechtsextremismus immer populärer. Viele, vor allem jugendliche „Neonazis“
wissen gar nicht recht wofür sie eigentlich einstehen. Genau dagegen versucht
beispielsweise das CHILI,
ein Projekt des SRK, vorzugehen, indem es Jugendliche über diese Thematik
aufzuklären versucht. Daraus wird ersichtlich, dass das Problem der Integration
von Schweizer- und Ausländerseite her angepackt werden muss.
Fairerweise gilt es zu erwähnen, dass Fremdenfeindlichkeit
keineswegs nur ein Phänomen der Schweiz oder der westlichen Welt ist. Wie
unsere Umfrage bestätigt hat, gibt es auch viele Ausländer, welche gegenüber
Menschen anderer Herkunft eine ablehnende Haltung einnehmen. Auch dies ist
schlecht für eine Integration. Denn ein gutes Verhältnis sollte nicht nur
zwischen Schweizern und Ausländern herrschen, sondern auch unter Ausländern
verschiedener Volkszugehörigkeit. Erst wenn der Wille zum Abbau all dieser
Barrieren von allen Seiten vorhanden ist, kann eine Integration stattfinden.
6.5.
Soziales
Umfeld
Das Ziel der Integration besteht darin, einen möglichst
natürlichen Umgang zwischen Ausländern und Schweizern zu schaffen - sowohl im
beruflichen wie auch im privaten Leben.
Wer irgendwo fremd ist, fühlt sich allein und einsam. Das
geht uns nicht anders als den Ausländern. Ein gutes soziales Umfeld ist für
jeden von uns wichtig. Erst wenn das Umfeld stimmt, kann man sich öffnen und
sich irgendwo in eine neue Gesellschaft integrieren. Die Förderung von
Kontakten und Beziehungen ist ein wichtiger Punkt eines jeden
Integrationsprojekts. Auch Ausländer sollen sich frei bewegen und wohlfühlen
können, nicht bloss 'geduldet' werden.
Eine heikle Situation ist auch die der Frau: Sobald der
Ehemann arbeitet, liegt die Verantwortung für den Haushalt bei der Frau. Sie
wird indirekt vom Gesellschaftsleben ausgeschlossen. Mit dieser Isolation
nehmen auch Hemmungen zu, sich am öffentlichen Leben zu beteiligen.
Es muss beachtet werden, dass
insbesondere Migranten, die finanziell schwach sind, wirtschaftliche
Unterstützung benötigen. Dieser Teilgruppe der Migranten fällt es viel
schwerer, sich anzupassen, da sie sich beispielsweise keinen zusätzlichen
Deutschunterricht und schon gar keine andere Weiterbildung leisten kann. Dies
erschwert die Stellensuche erheblich, da Deutschkenntnisse erforderlich sind
und teilweise auch Computerkenntnisse vorausgesetzt werden.
Ausländische Experten dagegen werden
beispielsweise im IT-Sektor benötigt und ihnen wird eine entsprechende
Ausbildung – falls überhaupt notwendig – angeboten und auch finanziert. Diese
zweite Gruppe ist bei der Integration nicht zu berücksichtigen.
7. Projekte
Damit sich die Ausländer so gut wie möglich in der Schweiz
integrieren können, haben sich immer mehr Institutionen gebildet, die dies
durch ihre Projekte ermöglichen wollen. Diese Projekte umfassen jeden Aspekt
der Integration.
Die Integration von Ausländern ist eine neue Aufgabe des Bundes.
Erst der 1999 in Kraft getretene Integrationsartikel
im Ausländergesetz ermöglichte eine Integrationsförderung auf Bundesebene.
Der Bund unterstützt neu Integrationsprojekte in der ganzen Schweiz finanziell.
Die Vielfalt der Aufgaben im Bereich Integration ist enorm.
Eine Fokussierung auf einige Schwerpunkte drängt sich auf. Aus diesem Grund
wurde bereits vorgängig eine Prioritätenordnung erlassen. Genehmigt wurden
insbesondere Projekte, die auf die Realisierung von konkreten Aktivitäten im
Hinblick auf einen der vorgesehenen Schwerpunkte ausgerichtet waren:
- Förderung
der sprachlichen Kommunikationsmöglichkeiten: Sprach und Integrationskurse
- Fort-
und Weiterbildung von Schlüsselpersonen (Lehrkräfte der Kurse in heimatlicher
Sprache und Kultur, sozial engagierte Gemeinschaftsmitglieder, Seelsorger)
in der Integrationsarbeit
- Partizipation:
Die Förderung der Teilnahme am gesellschaftlichen Leben in der Schweiz
- Spezielle
Projekte und Aufträge auf nationaler Ebene
Die Anzahl an Projektgesuchen für 2002 sind sehr erfreulich,
denn sie wurden auch aus einigen Regionen, die bei den Projekten 2001 schlecht
oder gar nicht vertreten
7.1.
Neue
Sprach- und Integrationskurse
In der Stadt Zürich werden Neuzuzügern Sprach- und
Integrationskurse angeboten, die auf ihre Lebenssituationen abgestimmt sind.
Die Stadt überprüft die bestehenden Angebote, vernetzt und ergänzt sie.
Sie hält Sozialhilfeempfänger zum Besuch der Kurse an und
stellt die Kurse den Neuzugezogenen an Einführungsveranstaltungen vor.
7.2.
'Arbeit
statt Fürsorge'
Sowohl in der Privatwirtschaft als auch bei der öffentlichen
Hand gibt es Arbeiten, die heute nicht ausgeführt werden, weil für sie kein
existenzsichernder Lohn bezahlt werden kann. Solche Arbeiten sollen in Zürich
Sozialhilfeempfängern angeboten werden. Der für die Sozialhilfe ausgegebene
Betrag soll für Arbeitsleistungen eingesetzt werden.
Die Stadt trifft gegenwärtig die Vorbereitung für zwei
Projekte: Das Projekt 'Sauberhalten von öffentlichen Plätzen' und
die Aktion 'Sauberes Tram'. Im einen Fall arbeitet das
Sozialdepartement mit dem Tiefbau- und Entsorgungsdepartement, im anderen mit
den Zürcher Verkehrsbetrieben (ZBV) zusammen. In beiden Projekten werden
gemischte Gruppen mit schweizerischen und ausländischen Sozialhilfeempfängern
gebildet.
7.3.
Color-Treff,
In der alten Mühle 21, 4900 Langenthal
Sonntag, 7. April 2002, 14.00 Uhr. Andreas
Wagner und Oliver Ladner erscheinen pünktlich zum Termin mit Frau Reber und
Frau Lauber-Agbor vom Color-Treff Langenthal. Während der folgenden
zwei Stunden brachten die beiden Damen uns die Tätigkeit ihrer Institution
näher.
Zweimal monatlich finden am Sonntagnachmittag im Rahmen des
Color-Treff Veranstaltungen zur Integration von Ausländerfrauen statt. Träger
ist das Schweizerische Arbeiterhilfswerk (SAH). Der Color-Treff wurde
ursprünglich von Susanne Reber und Erika Lauber-Agbor, zwei interkulturellen
Animatorinnen, ins Leben gerufen. Als der Mietvertrag für die Räumlichkeiten
auslief und sich trotz intensiver Bemühungen der Initiantinnen bei der Stadt
und der Kirche kein Ersatzraum finden liess musste das Projekt eingestellt
werden. Auf Jahresbeginn hat der Kanton nun das Asylwesen reorganisiert:
'Aufgaben in diesem Bereich werden nicht mehr in den Gemeinden, sondern
auf regionaler Ebene wahrgenommen', erklärt René Schwyter, SAH-Projektstellenleiter
in Langenthal.
So wurde am Sonntag, 20. Januar 2002 der Color-Treff wieder
eröffnet. Er erfreute sich von Anfang an grossem Zustrom. Im Schnitt erscheinen
zu den Treffen jeweils 15 Frauen aus der Region Oberaargau.
Ziel des Color-Treffs ist die Integration asylsuchender
Frauen aus der Region. Männer sind nicht in dieses Projekt involviert. Der
Grund dafür liegt darin, dass sich viele Frauen in Gegenwart ihrer Männer nicht
trauen, sich zu öffnen und ihre Meinung und Probleme zu kommunizieren. Dies
rührt daher, dass Frauen - vor allem in islamischen Religionen - ihrem Mann
unterstellt sind und es deshalb nicht wagen, eine Meinung zu vertreten, die der
des Mannes nicht entspricht.
Im Color-Treff wird den Frauen in den
Bereichen Gesundheit, Erziehung, Alltagsbewältigung, Asylverfahren und Sprache
geholfen. Dazu gehören auch – für uns – alltägliche Dinge wie
Waschmaschinenbenutzung, Formulare ausfüllen, Arztbesuche, Zahlenverständnis
oder Mülltrennung. Wichtig bei der Integration von Ausländern ist ihr soziales
Umfeld: Viele Ausländer fühlen sich nach ihrer Einreise einsam und
alleingelassen, da sie ihre ganze Familie und ihren Freundeskreis
'zuhause' zurückgelassen haben. Es wird deshalb versucht, den
Ausländerinnen mit diesem Projekt eine Plattform zum kulturübergreifenden
Dialog zu bieten. Ausländerinnen können an jedem zweiten Sonntag Frauen mit
denselben Problemen treffen und sich mit diesen austauschen, gemeinsam über
Probleme diskutieren und Lösungen suchen. Die Leiterinnen des Color-Treff
stehen dabei beratend und unterstützend zur Seite. Nebst der Möglichkeit zur
Kontaktaufnahme und –pflege im Color‑Treff unterstützt diese Institution
Ausländer bei der Stellensuche. Denn Arbeit wird allgemein als der wichtigste
Faktor zur Integration angesehen. Dieses Projekt soll Ausländern helfen, sich
besser in der Schweiz zurechtzufinden und somit die Selbständigkeit fördern.
Abschliessend bleibt noch die Meinung der Initiantinnen zu
erwähnen, wonach alle Leute mehr miteinander kommunizieren und offener
aufeinander zugehen sollten. Ausserdem muss man mit Vorurteilen aufräumen und
darf nicht den Fehler begehen, alle Ausländer in den gleichen Topf zu werfen.
7.4.
Lehrstellenprojekt
Das Projekt der Eidgenössischen Ausländerkommission zur
Verbesserung der beruflichen Zukunft junger Migranten, welches 1998-2000
durchgeführt wurde, zeigte, dass seitens der ausländischen Eltern nach wie vor
ein grosses Bedürfnis nach Informationen über Schul- und Berufsbildungssysteme
besteht.
Die im Laufe des Projektes hergestellten Kontakte mit
Personen aus albanisch-, bosnisch-, kroatisch-, mazedonisch-, portugiesisch-,
serbisch-, spanisch- und türkischsprechenden Gemeinschaften haben eine solide
Grundlage für künftige Aufklärungsarbeit im Berufsbildungsbereich geschaffen.
Ziel dieses Projektes ist es, ein Kontaktnetz zu schaffen,
welches die Zusammenarbeit von Organisationen und Personen, die auf
verschiedenen Ebenen mit der Berufsbildung junger Migranten konfrontiert sind,
ermöglicht und fördert.
Dadurch soll eine bessere Information der Ausländer über das
Schweizer Schul- und Berufsbildungssystem und eine bessere berufliche Zukunft
für junge Migranten erreicht werden.
7.5.
Projekte
des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK)
7.5.1.
CHILI 'Konflikttrainings'
Gewalt unter Jugendlichen hat viele Gesichter: Schlagen,
Drohen, Erpressen, Lästern, Beleidigen oder Ausgrenzen als destruktive
Versuche, Konflikte zu bewältigen, kommen an jeder Schule und in jedem
Jungendzentrum vor.
CHILI ist ein Konflikttraining, das Jugendliche dazu
ermutigt, Probleme offen anzusprechen, bevor Frustration und Gewalt ausarten
können. Die CHILI-Projektwochen wirken präventiv und machen Jungendlichen Mut
zu konstruktivem Konfliktverhalten.
7.5.2. 'Mitten unter Euch'
Dass viele fremdsprachige Kinder bei uns leben, ist eine
Tatsache. Man kann darüber fluchen, die Achseln zucken, oder man kann
versuchen, etwas Konstruktives daraus zu machen. Im Rahmen dieses Projektes
besuchen fremdsprachige Mädchen und
Jungen einmal in der Woche einheimische Gastfamilien. Sie können unsere Sprache
trainieren und verbessern und lernen ein Stück 'Schweizer Alltag'
kennen. Die Begegnungen helfen, Gemeinsames oder Neues zu entdecken und Fremdes
besser zu verstehen. Der Austausch wird zu einem Gewinn für beide Seiten.
7.5.3. 'Mémoires migrants'
Dieses Projekt ermöglicht eine Zusammenkunft zwischen
älteren Migranten und Schülern aller Nationalitäten.
Die älteren Migranten werden in verschiedene Schulklassen
eingeladen, um zu berichten, wie sie die Integration in der Schweiz empfunden
haben. Die Schüler sollen mit diesem Projekt die Integrationsprozesse besser
kennen lernen und lernen offen mit Menschen anderer Nationalität umzugehen, sei
dies mit gleichaltrigen oder älteren Personen.
8. Integration als Voraussetzung
zur Einbürgerung
Nicht jedem Migranten fällt das Leben in der Schweiz leicht.
Wir haben eine andere Sprache, eine andere Kultur, eine andere
Lebenseinstellung, andere Rechte und Pflichte und eine andere Religion.
Es ist wichtig, dass
sich Ausländer von Beginn an darum bemühen, sich so gut wie möglich
anzupassen. Die Aufgabe jedes Schweizers liegt darin, solchen Menschen ein
Gefühl von Akzeptanz zu vermitteln, denn manche Migranten erhoffen sich, nach
einigen Jahren in der Schweiz das Schweizerbürgerrecht zu erlangen. Um dieses
Ziel zu erreichen, müssen jedoch zuerst einige Hürden genommen werden.
8.1.
Kriterien
8.1.1. Auf Bundesebene:
- Insgesamt
12 Jahre Wohnsitz in der Schweiz sind Vorausetzung. Vor
Gesuchstellung muss man die letzten 5 Jahren lückenlos in der Schweiz und
die letzten 3 Jahren am selben Ort wohnhaft gewesen sein.
- Eingliederung
in die schweizerischen Verhältnisse
- Beachtung
und Einhaltung der schweizerischen Rechtsordnung
- Keine
Gefährdung der inneren oder äusseren Sicherheit der Schweiz
- Mindestens
gebrochene Deutsch Kenntnisse
- Nicht
mehr als 2 Betreibungen
- Kein
Strafregistereintrag
- Einhaltung
der Steuerpflicht
8.1.2. Auf Kantonsebene:
- Wohnsitzvoraussetzungen
(wie Bund)
- eigene
kantonale Eignungsvoraussetzungen
8.1.3. Auf Gemeindeebene:
- Wohnsitzvoraussetzungen
(wie Bund)
- eigene
kommunale Eignungsvoraussetzungen
Für die Einbürgerung ist es sehr wichtig, dass sich die
Ausländer in schweizerische Verhältnisse eingliedern sowie sich auch den
schweizerischen Lebensgewohnheiten, Sitten und Bräuchen anpassen. Darunter ist
zu verstehen, dass sie einen deutschschweizer Dialekt verstehen und sich in
schriftdeutscher Sprache ausdrücken können, sowohl angemessene Kenntnisse über
den schweizerischen Staat, als auch über die Rechte und Pflichten der Bürger
besitzen.
Des weiteren ist ein guter Ruf von grosser Bedeutung. Über
diesen verfügt man, wenn einerseits im Strafregister weder Verbrechen oder
Vergehen noch zahlreiche oder schwerwiegende Übertretungsstrafen eingetragen,
sowie andererseits im Betreibungsregister keine Betreibungen vermerkt sind.
Die Bewerber dürfen in den letzten drei Jahren vor der
Einreichung des Einbürgerungsgesuchs keine staatlichen Fürsorgeleistungen
bezogen haben. Die hier formulierten Anforderungen gelten für den
Gesuchsteller, sowie dessen Ehepartner. Für die Kinder gelten diese
Anforderungen nur in zumutbarem Rahmen.
Die eidgenössische Einbürgerungsbewilligung ist eine
Voraussetzung für die nachfolgende Einbürgerung des Bewerbers in der Gemeinde
und im Kanton, da Gemeinden und Kantone eigene, zusätzliche
Einbürgerungsvoraussetzungen kennen.
Schweizer Bürger wird erst, wer auch in der Gemeinde und im Kanton
eingebürgert wurde. (dreistufiges Verfahren)
8.2.
„Nur
eine weltoffene Stadt ist eine Weltstadt“
Die Integration von Migranten in unserm Land beschäftigt uns
seit einigen Jahren und wird dies auch weiterhin tun. 1999 hat der Stadtrat von
Zürich in seinem Bericht zur Integrationspolitik ein breites Massnahmenpaket
für ein besseres Zusammenleben geschnürt. Daraus sind viele verschiedenartige
Projekte entstanden, die jetzt umgesetzt werden. Auch die Kampagne ist Teil dieses Pakets. Nach der ersten Welle
im Herbst 2000 werden dieses Mal die Menschen in den Mittelpunkt gerückt. Die
Kampagne will ein positives Zeichen für ein vielfältiges Nebeneinander und
Miteinander setzen.
9. Interview vom 11. April 2002
mit Herrn Müllhaupt, Zuständiger für Migration beim Schweizerischen Roten Kreuz
Um 10.00 Uhr empfing uns Herr Müllhaupt höflichst in der
Eingangshalle und offerierte uns etwas zu trinken. Kurz darauf begannen wir
mit dem Interview.
Als erstes ging er auf die Frage zum Begriff
'Integration' ein. Er teilte uns mit, dass Integration ein Thema sei,
welches überall von Bedeutung ist. Nicht nur in Bezug auf Ausländer, sondern
auch im täglichen Leben jedes Schweizers fänden Integrationsprozesse statt,
beispielsweise beim Wohnungs-, beim Stellen- oder Schulwechsel.
Um dem Trend vorzubeugen Integration mit Gewalt in
Verbindung zu bringen, würden gewisse Projektleiter des CHILI
immer wieder Konflikttrainings in Klassen durchführen. Dabei kommt es nicht auf
die Zahl der Ausländer in den jeweiligen Klassen an. Die Jugendlichen würden so
ihre Verhaltensmuster kennen lernen und für einen offenen, konstruktiven Umgang
mit Konflikten sensibilisiert werden. Sie würden Handlungskompetenzen für
schwierige Situationen, denen sie in ihrem Alltag begegnen, erarbeiten.
Herr Müllhaupt erklärte uns, dass ihm auch andere Punkte
wichtig erscheinen. Beispielsweise die aktive Partizipation der Ausländern an
Integrationsprojekten. Ausländer zu integrieren heisse nicht nur, sie an
Projekten teilnehmen zu lassen, sondern sie bereits bei der Planung und
Umsetzung des Projektes mitwirken zu lassen. Integration sei ein gegenseitiger
Prozess. Alle seien daran beteiligt. Es gehe dabei nicht um eine einseitige
Anpassung der ausländischen Person, sondern um ein fortwährendes, aufnehmendes
Aushandeln von Normen und Werten zwischen kürzlich Eingewanderten, bereits hier
niedergelassenen Ausländern, sowie Schweizern.
Auch habe die Integration heute einen anderen Stellenwert
als früher.
Damals habe der Schweizer Staat gedacht, dass die Ausländer
nur in die Schweiz kommen um zu arbeiten und nach einigen Jahren wieder in ihre
Heimat zurückkehren würden. Doch damit habe man sich getäuscht.
Viele Ausländer brächten ihre Kinder in der Schweiz zur
Welt. Diese besuchten die Schweizer Schulen und gewöhnten sich an das Leben in
der Schweiz. Dadurch empfänden sie nur noch einen kleinen Bezug zum
'Heimatland'. Für diese Ausländer sei es nicht so einfach
zurückzukehren wie man sich das vorgestellt habe. Die Realität sei anders
gewesen als die Politik sich gedacht habe. Die Schweiz sei mit der Tatsache
konfrontiert worden, dass viele Ausländer hier blieben und noch immer bleiben
würden, denn bei uns gehe es ihnen besser und sie hätten bessere Chancen für
ihre Zukunft. Des weiteren betonte Herr Müllhaupt, dass Migranten einen Fünftel
der Bevölkerung in der Schweiz ausmachen würden. Aus diesem Grund könne man
nicht mehr die selben Meinungen vertreten, wie man sie einst vertreten habe.
Die Kantone hätten dieses Problem schon bald erkannt und
entsprechende Massnahmen getroffen. Der
Kanton Neuenburg beispielsweise sei einer der Ersten gewesen, in dem Ausländer
über das passive Wahlrecht verfügen würden.
Der Bund habe die Massnahmen der Kantone anerkannt und
versuche allenfalls neue Wege in der Integrationsfrage zu gehen.
Neben dem CHILI mit seinen 'Konflikttrainings'
existieren noch viele andere Projekte zur Integrationsförderung.
Herr Müllhaupt hat uns neben dem CHILI die Projekte
'Mitten unter euch' und 'Mémoires migrants' vom SRK
präsentiert, welche in der Dokumentation genauer erläutert werden.
Zum Thema 'Integration als Voraussetzung zur
Einbürgerung' erklärte uns Herr Müllhaupt, dass das Verfahren fragwürdig
sei. Es wüsste auch nicht jeder Schweizer die Antwort auf gewisse Fragen, die
den Ausländern beim Einbürgerungsgespräch gestellt würden.
Die letzte Frage, die wir Herrn Müllhaupt stellten, war,
welche Probleme oder Schwierigkeiten die Integration für Ausländer habe. Am
schwierigsten gestalte sich die Situation für die Asylbewerber, da sie stets in
Ungewissheit leben müssten lautete die Antwort unseres Experten darauf. Die
Ungewissheit darüber wie der Asylentscheid ausfallen würde sei sehr bedrückend
und wirke sich integrationshemmend aus. Aus diesem Grund solle man die
Asylanten nicht zu sehr integrieren. Das klinge zwar ziemlich hart, sei jedoch
unabdingbar. Eine vollkommene Integration würde bei den Asylanten eine falsche
Erwartungshaltung auslösen, welche bei negativem Entscheid zu grossen
Enttäuschungen führen könne.
Man solle die Flüchtlinge immer wieder damit konfrontieren,
was wäre, wenn sie bleiben könnten respektive vor allem was wäre, wenn sie
gehen müssten. Die Auseinandersetzung mit diesen Gedanken könne ihnen eine grosse
Hilfe sein.
Zu guter Letzt erklärte uns Herr Müllhaupt noch etwas über
die Organisation, die Grundwerte und über die Hauptzielsetzungen des SRK.
9.1.
Die Organisation des SRK
9.2.
Rotkreuzgrundsätze
Die
sieben Rotkreuzgrundsätze wurden an einer Internationalen Rotkreuzkonferenz in
Wien im Jahre 1965 verkündet. Sie haben bindenden Charakter und sind Grundlage
für jede Rotkreuztätigkeit.
Der
Grundsatz der Menschlichkeit sei der wichtigste Rotkreuzgrundsatz. Er sei der
wahre Motor der Bewegung. Aus ihm würden sich die weiteren Grundsätze der
§
Unparteilichkeit
§
Neutralität
§
Unabhängigkeit
§
Freiwilligkeit
§
Einheit
§
Universalität
ableiten
lassen.
9.3.
Hauptzielsetzungen
des SRK
- Menschliches
Leben erhalten und schützen
- Gesellschaftliche
Integration und soziale Würde der Menschen erhalten oder wiederherstellen
- Gesundheit
des Menschen erhalten, fördern oder wiederherstellen
10. Leitbildervergleich
Für unseren Vergleich wurden vier Leitbilder, welche sie
zusammengefasst im Anhang finden, zur Integration von Ausländern aus verschiedenen
Regionen der Schweiz ausgesucht. Auf der einen Seite haben wir die
Leitbilder der Städte Bern und Winterthur, welche eine Pionierrolle in
Sachen Integrationspolitik in der Schweiz übernommen haben.
Auf der anderen Seite wollten wir einen Vergleich
zwischen Westschweiz und Ostschweiz anstreben. Dazu wurden das Leitbild des
Kantons Genf und dasjenige der Stadt St. Gallen berücksichtigt. Allgemein wird
die Westschweiz liberaler dargestellt als die Ostschweiz. Wir wollten wissen,
ob sich das auch in den Leitbildern äussert.
Als Basis der heutigen Integrationspolitik gilt sicherlich
der neue Integrationsartikel 25a ANAG. Einige Städte
wie Bern, Winterthur und Basel verstanden es, eine Pionierrolle in der
Ausarbeitung eines Leitbildes einzunehmen. Sie erarbeiteten Grundsätze und
Überlegungen, die von anderen Kantonen und Städten übernommen wurden.
Das Leitbild der Stadt Bern erscheint uns inhaltlich
und optisch am ausgereiftesten. Es ist übersichtlich gegliedert und intelligent
aufgebaut. Die Grundaussagen sind klar ersichtlich und werden mit treffenden
Handlungsvorschlägen ergänzt. Unter dem Titel Organisation werden die neu
geschaffenen Stellen genau aufgelistet und deren Tätigkeiten erläutert.
Die städtischen Direktionen und Institutionen machten sich
genügend Gedanken zum Thema Integration von Ausländern und erwähnen die
Integration als 'eine unverzichtbare Aufgabe für grössere Städte.'.
Die Stadt Bern setzt sich vor allem in den Bereichen Sprache und Bildung und
dem Bereich Arbeit für Verbesserungen ein, sei es das Erlernen der deutschen
Sprache oder die Verbesserung des Zugangs zum Arbeitsmarkt für Ausländer.
Als weitere wichtige Punkte werden die Verbesserung der
Information über Rechte und Pflichten und der Abbau von Fremdenfeindlichkeit
aufgeführt.
Das Leitbild der Stadt St. Gallen ist für uns am
ehesten mit demjenigen der Stadt Bern vergleichbar. Es gliedert sich ebenfalls
in Grundsätze, welche jenen der Stadt Bern ähnlich sind, obwohl die Grundsätze
der Stadt St. Gallen etwas mehr ins Detail gehen. Die Organisation entspricht
in ihren Grundzügen ebenfalls derjenigen der Stadt Bern.
Als hauptsächlicher Unterschied zum Leitbild der Stadt Bern
muss aber aufgeführt werden, dass sich die Behörden der Stadt St. Gallen noch
nicht sicher sind, wie und mit welchen Mitteln sie die Integration
verwirklichen wollen. Die konkreten Ziele und Massnahmen sind leider nicht
ersichtlich. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass das Leitbild der Stadt
St. Gallen erst seit kurzem besteht.
Die von uns vermutete, eher konservative Einstellung der St.
Galler Behörden konnte nicht nachgewiesen werden. Im Bereich Integration lassen
sich solche Unterschiede zwischen West- und Ostschweiz in keiner Linie
feststellen.
Zusammen mit dem Leitbild der Stadt Bern stellt
dasjenige der Stadt Winterthur eine Basis für alle in der Schweiz
ausgearbeiteten Leitbilder dar. Es stützt sich auf eine Leitidee ab und
verfolgt einige Ziele. Auch hier findet man speziell aufgelistete
Handlungsvorschläge.
Ein Beispiel ist uns bei der Bearbeitung des Winterthurer
Leitbildes allerdings sofort ins Auge gestochen. Die Kommission, welche das
Leitbild erarbeitet hat, spricht hier von der Massnahme: 'Deutschkurse als
Gegenleistung für den Bezug von Unterstützungsleistungen.'
Diese Massnahme erscheint uns sehr strikt, kein anderes von uns
bearbeitetes Leitbild sieht eine solch
rigorose Lösung vor.
Die Organisation teilt sich auch hier auf verschiedene
Stellen auf. Die Stadt Winterthur kann auf jahrelange Erfahrung im Bereich der
Integration zurückgreifen. Schon seit bald 30 Jahren existiert eine
Koordinationsstelle für Integration, welche ausländische Personen fachlich
berät und unterstützt. Wir denken, dass sich diese Pionierarbeit sicher positiv
auf alle Beteiligten auswirkt.
Vom Kanton Genf erhielten wir nur einige
Gesetzesblätter, was eine vollkommene Prüfung leider nicht möglich machte. Es
zeigten sich aber auch hier die gleichen Ansätze wie in allen anderen Leitbildern.
Interessant wäre sicher gewesen, wenn wir noch über einige
Vorschläge an Massnahmen aus dem Kanton Genf verfügt hätten. Auf den
Gesetzesblättern sind nur 3 allgemeine Punkte erwähnt, die keine konkreten
Schlüsse zulassen.
Das Gesetz des Kantons Genf lässt daher viel Spielraum zur
Gestaltung der Integration offen.
10.1. Schlussfolgerung
In allen Gegenden der Schweiz haben sich die Behörden in die
neue Lage hineinversetzt. Die Integrationsarbeit wird nicht mehr nur von privaten
Institutionen getragen, sondern wird nun auch zu einer staatlichen
Pflicht .
Der Gesetzesartikel ANAG 25a wurde von allen grösseren
Städten und den Kantonen umgesetzt und es wurden zum teil qualitativ
hochstehende Leitbilder erarbeitet.
Die Anliegen der Ausländer werden überall ernstgenommen und
deren Integration wird vorangetrieben.
Aufgrund der Auswertung unseres Fragebogens, sehen wir, dass
die grundlegenden Probleme der Ausländer in den Leitbildern erkannt wurden. Es
bestehen entweder Lösungen durch Institutionen (Projekte) oder durch den Staat
(Massnahmen).
Handlungsspielraum besteht noch im psychologischen Bereich
und in der Betreuung von Migranten. Die befragten Ausländer sind jedoch
sichtlich dankbar um jede Hilfe, die ihnen angeboten wird.
11. Analyse
des Fragebogens
Während der Befragungsperiode vom 5. bis 12. April 2002
befragten wir 73 Personen zu unserem Thema. Der Hauptteil des Feedbacks
stammt aus dem Oberaargau und Emmental von 16-25jährigen Befragten
verschiedenster Nationalitäten.
Es interessierte uns, welche Aussagen sich aufgrund der gestellten Fragen
machen lassen, was der Grund für die Erarbeitung dieser Analyse war.
11.1. Zu Frage 1 des Fragebogens
Mit welchem
Begriff verbinden Sie dieses Bild?
Wir
unterteilten die Antworten in verschiedene Kategorien, da sehr vielfältige
Resultate zurückkamen:
- Werbung
Diejenigen, denen spontan Werbung einfiel, nannten entweder
'Benetton' oder 'Hilfswerke' wie z.B. UNICEF.
- Gleichheit
Einige
Befragte verbanden das Bild mit den Begriffen 'Gemeinsamkeit',
'Gleichberechtigung' oder 'Miteinander' . Weniger,
aber auch genannt wurde 'Brüderlichkeit'.
- Zusammenleben
'Multikulturalität', 'Zusammenhalt' wie auch
'Artenvielfalt' wurden häufig genannt. Weitere Nennungen:
'Hilfe', 'Toleranz', 'Weltfrieden' und
'Freundschaft'.
- Symbole
Jemand
verband das Bild mit 'Kinder'. 'Gut und schlecht'
war auch eine Ausserung, welche gefallen ist.
- Emotionales
'Zusammenhalt', 'Freundschaft' oder 'Liebe'
waren die meistgenannten Begriffe. Weniger oft wurde
'Geborgenheit' genannt.
- Andere
Nennungen, Witziges oder Negatives
Einige
konnten keine Assoziation mit dem gezeigten Bild herstellen. Diese Gruppe
nannte 'nichts' bzw. 'Hände'. Im Bereich der
witzigeren Antworten sind Ausserungen wie 'Handcreme',
'Tanzen' oder 'Handfächer' anzusiedeln. Jemand fand,
dass dieses Bild mit 'Hass' umschrieben werden kann.
- 'Integration' – die perfekte Antwort -
wurde ungefähr dreimal genannt.
|
Definition Ausländer
|
Definition Schweizer
|
|
Einbezug in die Gesellschaft
|
Anpassen aber nicht assimilieren
|
|
Keine Ausgrenzung
|
Völkerverständigung
|
|
Sprache und Kontakt suchen, einleben
|
Respekt
|
|
Anpassung
|
Eingliederung von Volksgruppen
|
|
Richtig verhalten
|
Kontakt, Sprache
|
|
Anpassen ans System
|
Gleichberechtigung, Akzeptanz
|
|
Finanzielle Hilfe
|
Minderheiten anerkennen
|
|
Nicht frech sein gegenüber Schweizern
|
keine Diskriminierung
|
|
Gleiche Rechte für alle
|
gleiche Rechte und Pflichten
|
11.2. Zu Frage 2 des Fragebogens
Was
bedeutet Integration?
Wir wollten mit dieser Frage analysieren, ob die
Vorstellungen der Schweizer Bevölkerung mit denen, der Ausländischen
übereinstimmen. Unsere Frage ergab folgende Antworten (Auszug):
Daraus lässt sich ableiten, dass Schweizer verglichen mit Ausländern eine
andere Auffassung von Integration haben. Ausländer beziehen Integration viel eher
auf ihre eigene Situation oder auf sich selbst. Manche fassen den Begriff
Integration zu eng auf– für sie bedeutet Integration, dass sie bzw. ihre
Vergangenheit und Kultur hier nicht erwünscht seien. Sie verwechseln
Integration teilweise mit Assimilation, also Anpassung, was nicht das Ziel der
Integrationspolitik sein soll.
Die Meinungen der Schweizer unterscheiden sich dagegen sehr stark. Auch
hier gibt es eine Gruppe, die mit Integration Assimilation (Anpassung)
verbindet. Der andere Teil der Schweizer gibt Antworten, die das Zusammenleben
betreffen. Begriffe wie 'Respekt' oder 'Akzeptanz' sind
vergleichsweise treffender als jene der ersten Gruppe der Schweizer oder
mancher Ausländer.
11.3. Zu Frage 6 des Fragebogens
Ist ein
Unterschied der Probleme zwischen verschiedenen Nationalitäten feststellbar?
Gab es überhaupt Probleme?
Die Probleme, mit denen sich die Ausländer konfrontiert
sehen, sind auf Erlebnisse oder ihre persönliche Situation bezogen.
Ausgrenzung, Rassismus oder Inakzeptanz wurden genannt. Grundsätzlich lassen
sich keine nationalitätsspezifischen Probleme erkennen, es kann aber die
Schlussforderung gezogen werden, dass Migranten aus ferneren Ländern grössere
Probleme mit unserer Kultur und Lebenseinstellung haben, als solche aus
umliegenden Ländern.
11.4. Lassen sich die Probleme der
Ausländer überhaupt mit den Zielen der Leitbilder bzw. der Integrationspolitik
verbinden? Werden diese Probleme behandelt?
Die Vorgaben und festgehaltenen Ziele der verschiedenen
Leitbilder werden – soweit wir dies beurteilen können – eingehalten und die
grundlegenden Probleme erkannt. Zu Problemen, die bei den Ausländern
auftauchen, bestehen entweder Lösungen durch Institutionen (Projekte) oder
durch den Staat (Massnahmen). Ein Punkt, der nirgends berücksichtigt wird, ist
die psychologische Betreuung. Wahrscheinlich wären die Kosten für eine
professionelle Unterstützung zu hoch. Flüchtlinge wären jedoch sicherlich
dankbar um jede Hilfe, die ihnen geboten würde, um z.B. Kriegserlebnisse
verarbeiten zu können.
Das Leitbild der Stadt Genf hingegen lässt viel Spielraum
zur Gestaltung der Integration offen, da es relativ allgemein abgefasst ist.
11.5. Zu Frage 10 und 11 des
Fragebogens
Offenheit
gegenüber Fremden
In unserem Fragebogen war die Frage enthalten, wie offen der
Einzelne auf Ausländer zugeht, und inwieweit dies die gesamte Bevölkerung tut.
Das Resultat der beiden Fragen erstaunte uns nicht
besonders: Sobald es um die eigene Person geht, neigt man dazu, sich besser
darzustellen als andere. Geht es aber um die Allgemeinheit, wird man kritisch.
In diesem Sinne ist diese Frage mit Vorsicht zu geniessen. Deshalb ist eher
die Einschätzung über die gesamte Bevölkerung massgebend und der Realität
entsprechend.
11.6. Zu Frage 7 des Fragebogens
Unterstützung
der Migranten bei der Integration
Zunächst erstaunte uns bei der Frage, wer Migranten bei der
Integration behilflich war, dass kein einziger Befragter eine Organisation
nannte. Wir denken, dass ein Anteil der Stimmen bei 'ich selbst' diesen
zuzuschreiben sind.
Viele konnten von ihren Familienangehörigen profitieren, sei
es beim Austausch am Mittagstisch oder sonst wie. Auch Freunde (Nationalität
fragten wir nicht) sind für Migranten wichtige Hilfen zur Integration.
Weiter muss man bei der Gruppe 'ich selbst'
zwischen denjenigen unterscheiden, die wirklich auf sich selbst gestellt waren
und denen, welche Hilfe beanspruchen konnten.
Uns erstaunte die relativ häufige Nennung der Arbeitgeber,
denn diese bemühen sich anscheinend um das Wohl ihrer Angestellten. Den
ausländischen Arbeitnehmern wird vor allem Im Bereich der Wohnungssuche und
Schulung geholfen.
Schweizer jedoch halfen direkt oder persönlich eher wenig.
Wohl auch aus dem Grund, weil Schweizer in den anderen Gruppen – ausser
'Familie' – vorkommen und möglicherweise nicht erwähnt wurden.
Der persönliche Kontakt mit Schweizern wäre der direkteste
und wirkungsvollste Weg für Ausländer. Erschwerend wirkt jedoch, dass immer
noch Vorurteile und Unsicherheiten auf beiden Seiten bestehen, deshalb braucht
es Mut, den ersten Schritt zur Kontaktaufnahme zu machen.
12. Schlusswort
Die Integration von Ausländern stellt eine grosse Aufgabe
unserer heutigen Gesellschaft dar. Integration ist aber ein weiter und
dehnbarer Begriff.
Die Schweiz hat sich der Aufgabe angenommen, Ausländer
korrekt zu integrieren. Die vorher hauptsächlich von privaten Organisationen
durchgeführte Integrationsarbeit wurde neu auch zu einer Staatsaufgabe.
Beide Seiten - sei es der Staat oder die
privaten Organisationen - versuchen die Integration durch verschiedene
Programme und Projekte zu erleichtern. Die Vielfältigkeit dieser Programme und
Projekte lässt darauf schliessen, dass man sich in der Schweiz im Klaren
darüber ist, wie wichtig die Integration der Ausländer für die heutige
Gesellschaft ist.
Eine gute Integration verhindert Rassismus und
Fremdenfeindlichkeit und hilft den Ausländern sich in die hier herrschenden
Lebensprozesse einzuordnen. Der Integrationsprozess kann in verschiedenen
Bereichen stattfinden, sei es bei der Arbeit, in der Bildung, beim Erlernen der
deutschen Sprache oder im täglichen Leben. Jeder dieser Bereiche stellt einen
Teil eines grossen Puzzles dar, dass die Ausländer langsam zu lösen haben. Mit
der Unterstützung von Institutionen und dem Staat können sie das auch schaffen.
Die Integration stellt einen gewichtigen Teil im
Einbürgerungsprozess dar. Wer eingebürgert werden möchte, muss vollständig in
unserer Gesellschaft integriert sein. Die heutige Integrationspolitik soll
Ziele wie die Einbürgerung nicht zu Wunschvorstellungen werden lassen, sie soll
vielmehr den Weg zu ihnen ebnen.
Zu einer erfolgreichen Integration braucht es immer zwei
Seiten. Integration bedarf einer gewissen Anpassung des Ausländers, aber auch
einer offenen Aufnahme der Schweizer. Ohne Gegenseitigkeit läuft nichts. Die
Ausländer sind also auch gefordert und müssen von sich aus den Willen
erbringen, sich zu integrieren.
Auf diesem Wege möchten wir Frau Reber und Frau Lauber-Agbor
vom Color-Treff Langenthal, Herrn Müllhaupt vom Schweizerischen Roten Kreuz für
die geleisteten Interviews, den Staatskanzleien der Kantone St. Gallen und
Genf, den Stadtverwaltungen Bern und St. Gallen für die uns zugestellten
Leitbilder und den vielen Passanten und Personen, die unseren Fragebogen
ausgefüllt haben, recht herzlich für die geleistete Mitarbeit an unserem
Projekt danken.
§
Internet
(alle Adressen aufgerufen zwischen 02.04.2002 und 10.04.2002)
o
http://home.tiscalinet.ch/s.alcinkaya/alter_migration.htm
o
http://home.tiscalinet.ch/s.alcinkaya/schul_integration.html
o
http://www.gfs.ch/publikationen/migration/
o
http://www.efriz.ch/cgi/sfc.pl?a=/sys/htm/menu.html&b=/archiv/002/a-2.html
o
http://www.admin.ch
o
http://www.bfa.admin.ch
o
Gnesa, Eduard. 13.09.2000.
Integration von Ausländerinnen und Ausländern. http://www.admin.ch/cp/d/39bf8f5b@fwsrvg.bfi.admin.ch.html.
(09.04.2002)
o
http://www.srk.ch
o
http://www.auslaender.ch/integration/publikationen/jahresbericht01_d.pdf
o
http://www.auslaender.ch/integration/publikationen/die_integration_der_migrantinnen_d.pdf
o
http://www.brueckenbauer.ch/INHALT/0007/07interv.htm
o
http://www.brueckenbauer.ch/INHALT/0036/36iview2.htm
§
Literatur
o
Leitbilder
§
Gemeinderat
der Stadt Bern, Leitbild zur Integration in der Stadt Bern, Bern 21999
§
Stadtrat
der Stadt St. Gallen, Integrationskonzept der Stadt St. Gallen, St. Gallen 12001
§
Stadtrat
der Stadt Winterthur, Integration in der Stadt Winterthur, Winterthur 12000
§
République et canton de Genève, Loi sur l'intégration des
étrangers, Genève entrée en vigueur le 15. 09.2001
o
Gemeinderat
Baar, Schlussbericht Integration von fremdsprachigen Kindern und Jugendlichen
in der Gemeinde Baar, Baar 2001
o
Eidgenössische
Ausländerkommission EKA, Jahresbericht 2001, Bern 2001
o
Bundesamt
für Statistik, Pressemitteilung, November 2001
§
Interviews
o
Color-Treff,
Frau Reber und Frau Lauber-Agbor, In der alten Mühle 21 4900 Langenthal
o
Schweizerisches
Rotes Kreuz (SRK), Abteilung Migration, Herrn Müllhaupt, Bern