REFERAT-MenüDeutschGeographieGeschichteChemieBiographienElektronik
  EnglischEpochenFranzösischBiologieInformatikItalienisch
  KunstLateinLiteraturMathematikMusikPhilosophie
 PhysikPolitikPsychologieRechtSonstigeSpanisch
 SportTechnikWirtschaftWirtschaftskunde  

STUDIE ENERGIE




STUDIE ENERGIE

Sonnige Zukunft:

Energieversorgung jenseits von Öl und Uran

Inhalt

VORWORT des Herausgebers

ZUSAMMENFASSUNG

Der Ausstieg ist machbar

Sparen als neue Energiequelle

Der Greenpeace-Standpunkt

ERSTER TEIL

Bilanz der Energieverschwendung



Die Plünderung der Energieressourcen

Temperaturanstieg ohne gleichen

Grenzen der Ausbeutung: das Problem Entsorgung

Klima in Gefahr

Der natürliche Treibhauseffekt

Der künstliche Treibhauseffekt

Katastrophe als Dauerzustand?

Unberechenbar: die Rückkopplungen

Die globale Erwärmung: Indizien

Umwelt in Gefahr Erst sterben die Wälder,

Umweltverschmutzer Auto

Die tägliche Ölpest

Atomenergie: geringer Nutzen, große Gefahren

ZWEITER TEIL

Greenpeace-Szenario

Das Greenpeace-Szenario und seine Prämissen Quellen und Modelle

Keine technologische Revolution auf dem Energiesektor

Energiesparen als Quelle der Zukunft

Erneuerbare Energien erobern den Markt

Die Industrie spart Energie

Wirtschaft und Bevölkerung wachsen

Die Haushalte: gleicher Komfort, weniger Energie

Transport und Verkehr: Vier Szenarien

Dienstleistung: riesiges Sparpotential

Ziele

Die Ziele des alternativen Energiezenario

Treibhauseffekt eindämmen

Ausstieg aus fossiler Energie

Globale Angleichung der Einkommen

Ergebnisse

Das alternative Energiesystem

Geschütztes Klima

Umbau des Energiesystems

Maßnahmen zum Umbau des Energiesystems

Preispolitik: Keine Subventionen für fossile Energie

Energiemarkt: Bessere Chancen für Alternativen

Forschung: Alternativen nicht zum Nulltarif

Transport und Verkehr: Maßnahmenbündel

Nord-Süd: Gefälle überwinden

Internationale Abkommen: Wo ein Wille ist,

Internationale Energieagenturen: Neuer Wind

Kosten

Keine Mehrkosten für das neue Energiesystem

Externe Kosten: Was kostet ein Menschenleben?

DRITTER TEIL

Ausblick

Über das Modell hinaus

Ökologische Grenzen respektieren

Jahrzehnt der Entscheidung

Literaturliste

Die vorliegende Kurzfassung basiert auf dem Report:

'Towards a fossil free energy future The Next Energy Transition' (FFES) des Boston Center des Stockholm Environment Institute (Bestelladresse: Greenpeace International, Keizersgracht 176, 1016 DW Amsterdam, Niederlande) im Auftrag von Greenpeace International, 1993

Vorwort des Herausgebers

'Was die Welt uns geben kann, reicht für die Bedürfnisse, aber nicht für die Habgier aller Menschen' - Mahatma Gandhi -

Kohlendioxid (CO2) ist das bedeutendste Klimagas und damit verantwortlich für mehr als die Hälfte des künstlichen Treibhauseffekts. CO2 entsteht, wenn fossile Energieträger - Kohle, Erdöl, Erdgas - verbrannt werden, also bei fast allen Tätigkeiten in der industrialisierten Welt. Jährlich beträgt der weltweite Ausstoß von CO2 22 Milliarden Tonnen, wobei die Industrienationen 75 Prozent in die Luft blasen.

Forscher des Intergovernmental Panel on Climate ein Pool der weltweit angesehensten kamen in ihrem Bericht 'Wissenschaftliche Einschätzung des Klimawandels' zu folgendem Schluß: Die vom Menschen verursachten Emissionen von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen müssen sofort um 60 Prozent reduziert werden, falls ein Interesse besteht, die Erwärmung der Erde auf dem jetzigen Level einzufrieren.

Wie die dafür nötige Wende in der Energiepolitik aussehen kann, hat Greenpeace bereits mehrfach beschrieben. Ende 1991 erschien unter dem Titel 'Ein klimaverträgliches Energiekonzept für (Gesamt-) Deutschland - ohne Atomstrom' eine Studie, die eine ökologisch wie ökonomisch sinnvolle Alternative zur hiesigen Energiepolitik skizziert. 1992 ging Greenpeace mit einer Studie über 'Least Cost Planning' auf ein zentrales Element für den Umbau der Energiewirtschaft ein.

In der hier vorliegenden Publikation wird Greenpeace den weltweiten Ausstieg aus nuklearen und fossilen Energieträgern als langfristig machbaren und erforderlichen Weg darstellen. Wie dringend radikale Eingriffe in die Energiepolitik sind, zeigen die folgenden Trends: - Die größte internationale Umweltkonferenz, die 1992 in Rio stattgefunden hat, verabschiedete lediglich eine unverbindliche Klimakonvention, die den Unterzeichnern keine Verpflichtungen zur Senkung der CO2- Emissionen auferlegte. - Die deutsche Regierung faßte 1990 den Beschluß, die CO2- Emissionen hierzulande um 25 bis 30 Prozent bis zum Jahr 2005 zu drosseln - und dabei blieb es. Bisher gibt es nicht im Ansatz Aktivitäten, um dieses Ziel in die Tat umzusetzen. - Obwohl die dramatischen Auswirkungen auf das Klima hinreichend bekannt sind, steigen die CO2-Emissionen noch. Schätzungen zufolge werden bis zum Jahr 2010 weltweit 30 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr in die Luft geschleudert - Tendenz steigend. - In Schwellenländern wie China, Indien, Lateinamerika oder der GUS werden die energiepolitischen Weichen jetzt gestellt. Was dort heute etabliert wird, prägt die kommenden fünfzig Jahre.

Die Industrienationen, hauptverantwortlich für die Klimaänderung, zeigen nicht die geringste Neigung, die von ihnen angestoßene Entwicklung umzukehren. Im Gegenteil: Sie 'exportieren' das westliche System der Energie- und Ressourcenverschwendung in die Länder des Südens. Skrupelloses Wirtschaften aber untergräbt die Existenz des gesamten Planeten, der Umweltschutz gerät zunehmend ins Abseits. Die Wirtschaft könne weitere 'Belastungen' nicht verkraften, tönt es aus den Schaltstellen von Wirtschaft und Politik im Hinblick auf die Rezession. Ob die Umwelt weitere Lasten tragen kann, wird nicht diskutiert und das, obwohl die gesamte weitere Existenz des homo sapiens auf tönernen Füßen steht.

Die gegenwärtige wirtschaftliche Krise ist keine vorübergehende Rezession, sondern eine tiefgreifende Strukturkrise unseres Wirtschaftssystems. Greenpeace ist der Ansicht, daß eine ökologisch ausgerichtete Reform des Wirtschaftssystems überfällig ist. Ein Beispiel: Viele Produkte des täglichen Bedarfs - von der Waschmaschine bis zum Fotoapparat - sind  selbst bei kleineren Defekten nur teuer oder gar nicht zu reparieren. Häufig ist es billiger, gleich ein neues Gerät zu kaufen, das alte landet nach kurzem Gebrauch auf dem Müll. Der Grund dafür ist, daß die Kosten für Ressourcen (Energie und Material) niedrig und die Abgaben für Arbeitskraft  (Lohnsteuer) hoch sind. So gehen Verschwendung und Rationalisierung von Arbeitskräften Hand in Hand. Diese Entwicklung sollte umgekehrt werden, indem die Ressourcen teurer, die staatlichen Abgaben auf die Löhne niedriger werden - mit dem Effekt einer ökologisch verträglichen Produktion: mit weniger Materialeinsatz und mehr Arbeit.

Matthias Stüwe

Dezember 1993

Zusammenfassung

Der Ausstieg ist machbar

Die vorliegende Studie, die von unabhängigen Stellen, darunter dem bekannten 'Boston Centre des Stockholm Environment Institute' für Greenpeace erarbeitet wurde, beweist: Ein schrittweiser Ausstieg aus fossilen Energieträgern bis 2100 und das rasche Ende der Atomenergie bis spätestens 2010 sind technisch und wirtschaftlich machbar. An die Stelle der fossilen Brennstoffe treten allmählich effiziente Energietechniken und erneuerbare Energiequellen. Mit diesen Maßnahmen ließen sich die globalen Kohlendioxidemissionen binnen vierzig Jahren um die Hälfte und bis zum Jahr 2100 auf Null senken. Dem aber haben viele Befürworter fossiler Energieträger immer vehement widersprochen. 2 Nach Einschätzung der Wissenschaftler ist ein Umbau des Energie-Systems machbar, ohne die Wirtschaft aus den Angeln zu heben oder mit Mehrkosten zu belasten. Dazu müssen Gelder, mit dem der Staat ohnehin das Energiesystem beeinflußt, konsequent in Spartechnologien und erneuerbare Energien umgelenkt werden. Staatliche Eingriffe in das Energiesystem haben eine lange Tradition, bedenkt man die acht Milliarden Mark Subventionen für die deutsche Steinkohle oder die amerikanischen Steuervergünstigungen für die Förderung von Erdöl. Der Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle wird auf der politischen Bühne entschieden.

Sparen als neue Energiequelle

Die Industrieländer, als maßgebliche CO2-Verursacher, nehmen bei der Reduktion eine Schlüsselrolle ein. Sie müssen nun damit beginnen, einen Prozeß umzukehren, den sie selbst verursacht haben. Der allmähliche Ausstieg aus fossilen Brennstoffen geht Hand in Hand mit der Einführung effizienter Energienutzung und einer umfassenden Erschließung umweltschonender, erneuerbarer Energiequellen wie Sonnen- und Windenergie, Biomasse und kleineren Wasser- und Erdwärmekraftwerken. Erneuerbare Energien, die gegenwärtig 14 Prozent der weltweiten Energieversorgung gewährleisten, würden nach diesem Szenario im Jahr 2030 mehr als 60 Prozent der benötigten Energie liefern und im Jahr 2100 den globalen Gesamtenergiebedarf decken. Atomstrom würde nur noch bis spätestens 2010 zum Einsatz kommen. Wenn dieses Szenario verwirklicht wird, ließen sich die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2030 um die Hälfte drosseln. Dadurch verringerte sich der Temperaturanstieg von 0,3 Grad Celsius pro Jahrzehnt binnen 30 Jahren auf 0,1 Grad Celsius pro Jahrzehnt. Allerdings müßte mit dem Umbau der Energiewirtschaft sofort begonnen werden. Für jedes Jahrzehnt, das ohne einen radikalen Wandel in der Energiepolitik verstreicht, muß mit einer zusätzlichen Temperaturerhöhung um 0,4 Grad Celsius gerechnet werden. 

Der Greenpeace-Standpunkt

Den rechnerischen Simulationen liegen Prognosen der Weltbank, des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) und der Vereinten Nationen zur Wirtschafts- und Bevölkerungsentwicklung zugrunde. Deren Voraussagen beruhen auf konservativen Annahmen: daß Wirtschaft und Bevölkerung weiter wachsen, daß der auf Konsum ausgerichtete Lebensstil der Industrienationen nicht angetastet wird und neue Technologien nur begrenzt verfügbar sind. Greenpeace teilt diese wachstumsorientierten Einschätzungen nicht. Das alternative Energie-szenario 'Fossil Fuel Enegy Scenario' (FFES) legt sie zugrunde, um mit anderen Szenarien, etwa des IPCC, vergleichbar zu sein. Greenpeace geht davon aus, daß sich die Industrienationen in Zukunft die Frage nach dem 'Wieviel' stellen und sich am Prinzip 'Genug' orientieren müssen: das heißt, ein begrenzter Konsum pro Kopf und eine Industrie, die nicht mehr auf unbegrenztes Wachstum setzt. Ein anhaltendes Wirtschaften in Richtung Grenzen verfügbarer Ressourcen brächte irgendwann ähnliche politische und militärische Konflikte um Edelmetalle, Wasser oder Holz wie sie schon heute um Öl toben. Auch die wachsende Weltbevölkerung, die das Szenario zugrundelegt, hat langfristig entscheidenden Einfluß auf den Energie- bzw. Rohstoffverbrauch insgesamt. Aber selbst auf der Basis der konservativen Annahmen des Szenarios ist an dem Ergebnis nicht zu rütteln: Die Welt kann in Zukunft ohne fossile Brennstoffe und Atomenergie auskommen. Der Einsatz fossiler Brennstoffe für weitere hundert Jahre, wie die Studie ihn vorsieht, birgt allerdings Gefahren. Eine ernsthafte Beeinträchtigung des Klimas und der Ökosysteme der Erde ist nicht mit Sicherheit auszuschließen. Mit dem vorliegenden Szenario kann lediglich die schlimmstmögliche Entwicklung verhindert werden. Die Auswirkungen eines globalen Temperaturanstiegs sind jedoch kaum kalkulierbar. Das sollte Grund genug sein, Vorsorge zu treffen und die CO2-Emissionen noch scheller als hier vorgesehen zu drosseln. Die Studie offenbart darüberhinaus, daß technikorientierte Antworten mittel- und langfristig nicht mehr greifen werden und die Diskussion um Klimaschutz, bzw. Ökologie allgemein eine neue Qualität erhalten müssen. Dazu gehören Überlegungen zur Eingrenzung des Bevölkerungswachstums, zur Gestaltung eines fairen Nord-Süd-Verhältnisses und zu einem Wandel des Lebensstils in den Industrienationen. In diesem Sinne liefert die Studie Bausteine zu einer globalen Erdschutzpolitik. 

Bilanz der Energieverschwendung

Die Plünderung der Energieressourcen

Mehr als 400 Millionen Jahre vergingen, bis durch chemische Umwandlungsprozesse und Photosynthese aus organischen 'Abfällen' der Natur die fossilen Bodenschätze der Erde entstanden. Heute verbrennt die Menschheit an einem Tag mehr fossile Energie als sich in tausend Jahren Erdgeschichte gebildet haben. Seit Beginn der industriellen Revolution kletterte der Energieverbrauch stetig. Im Zeitraum von 1860 bis 1985 stieg er um das 60fache. Zwischen 1970 und 1990 wurde die unglaubliche Menge von 450 Milliarden Barrel (1 Barrel = 119,228 Liter) Erdöl, 90 Milliarden Tonnen Kohle und 31 Billionen Kubikmeter Erdgas verbrannt.

Der Zugriff auf die Ressourcen ist höchst ungleich verteilt: 72 Prozent der Energie wird von den Industrienationen - das sind ein Viertel der Weltbevölkerung - beansprucht. Ein Europäer verbraucht beispielsweise durchschnittlich 10 bis 30 mal mehr kommerziell gelieferte Energie als ein Bewohner des Landes der 'Dritten Welt'; die Nordamerikaner bringen es auf das 40fache. Damit emittieren die Bewohner des Nordens 80 Prozent aller Treibhausgase, die die Erde künstlich aufheizen. Temperaturanstieg ohne gleichen Im vergangenen Jahrzehnt sind zahlreiche Studien über die Zukunft von Energiewirtschaft und Klima erschienen - mit düsteren Vorhersagen: Trotz Treibhauseffekts ist in den kommenden vierzig Jahren mindestens mit einer Verdoppelung des Verbrauchs fossiler Brennstoffe und mit einem noch stärkeren Ausbau der Atomenergie zu rechnen - wenn die Menschen mit der Verschwendung fortfahren. Das belegen Szenarien vom Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) beziehungsweise von der amerikanischen Environmental Protection Agency  (USEPA): Nach beiden Modellen erhöht sich der Verbrauch fossiler Brennstoffe bis zum Jahr 2030 um mehr als das Doppelte. Die Kohlendioxidemissionen würden sich bis zum Jahr 2030 weltweit verdoppeln und bis 2100 um 350 bis 450 Prozent erhöhen. Inwieweit sich als Folge hiervon der CO2-Gehalt in der Atmosphäre erhöht, ist von mehreren Faktoren abhängig, z.B. davon, wieviel CO2 in den Ozeanen oder der Vegetation gespeichert wird, wie schnell die Zerstörung der Regenwälder voranschreitet und welche anderen Effekte hinzukommen  (s.Rückkopplungseffekte).

Die Enquête-Kommission des Deutschen Bundestages geht davon aus, daß sich der CO2-Gehalt in der Atmosphäre bei Fortführung der bisherigen Energiepolitik bis zum Jahr 2025 verdoppeln wird.4 Andere Autoren sagen eine Verdoppelung bis zum Jahr 2060 voraus.5 Dies bedeutete nach Einschätzung der Autoren des 'Fossil free energy scenario' (FFES) bis zum Jahr 2100 einen in der Geschichte beispiellosen globalen Temperaturanstieg um vier Grad Celsius, evtl. sogar mehr. Die Folgen für das Klima wären fatal: Auch wenn die Prognosen im Detail variieren, teilen alle Wissenschaftler die Aussage, daß mit einem Temperaturanstieg zu rechnen ist, der höher ist als alle Temperaturschwankungen in den letzten 10.000 Jahren. Was würde ein erhöhter Verbrauch von fossilen Brennstoffen in Zukunft bedeuten? Er hätte nicht nur katastrophale Folgen für das Klima. Hinzu käme ein ungeheurer, mit der Deckung des zusätzlichen Energiebedarfs verbundener technischer und finanzieller Aufwand.

Nötig wären:

-          Die Inbetriebnahme eines 1000-MW-Kohlekraftwerks alle zwei Tage 

-          Die Verdoppelung der Ölförderung in OPEC-Ländern 

-          Die Erschliessung neuer Ölfelder in der Größe des 672 Kilometer großen Feldes von Prudhoe Bay in Alaska alle ein bis zwei Monate

-          Der Bau eines neuen Atomkraftwerks alle sechs bis acht Wochen

-          Nach Schätzungen des IPCC und der USEPA6 müßten in den nächsten dreißig Jahren allein für Kraftwerke weltweit 7.785 Milliarden Dollar hingeblättert werden. Das World Energy Council (1993) beziffert den Kapitalbedarf für den weltweiten Ausbau der Energieversorgung bis 2020 auf ca. 30.000 Milliarden Dollar.

Grenzen der Ausbeutung: das Problem Entsorgung

Die Erde und ihre Bewohner stehen in einem Kreislauf gegenseitiger Abhängigkeit zueinander: Der Mensch entnimmt der Erde Rohstoffe und Ressourcen und 'entsorgt' diese später als Wärme, Müll oder Luftschadstoffe. Die Mengen dieses Rohstoff- und Energieflusses sind begrenzt. Ein limitierender Faktor ist, daß die nutzbaren Rohstoffvorkommen irgendwann zur Neige gehen. Die eigentliche Begrenzung stellt jedoch das Problem der Entsorgung dar. Beispiel Müll: Schon heute versinken die Industrienationen im Müll und bürden anderen ändern - vorzugsweise des Südens - in Form von Müllexporten die Lasten ihres verschwenderischen Lebensstils auf. Der weltweite Atommüllberg wächst ebenfalls stetig, aber noch immer gibt es weltweit kein Endlager für die radioaktive Erblast dieser gefährlichen Technologie. Die Frage ist auch nicht, wann die fossilen Energieträger erschöpft sein werden, sondern wie lange das Ökosystem noch Kapazitäten hat, Schadstoffe zu 'entsorgen'. Entsprechend international anerkannter Strategien zum Schutz des Klimas dürfen bis zum Jahr 2100 weltweit nur noch ca. 300 Milliarden Tonnen Kohlenstoff freigesetzt werden, wenn der Klimakollaps verhindert werden soll. Die fossilen Brennstoffe dieses Planeten würden jedoch ausreichen, um 5000 bis 10 000 Milliarden Tonnen in die Luft zu blasen. Jede Energienutzung ist zudem an Rohstoffverbrauch gekoppelt; dabei entstehen weitere Abfallprodukte, die die Umwelt belasten. Eine intelligente Energienutzung wäre auch ein Beitrag zur Entschärfung des Müllproblems. Ein weiteres Argument gegen die sorglose Plünderung der Ressourcen ist die zunehmende Abhängigkeit vieler Länder vom teuren Import fossiler Brennstoffe, insbesondere von Erdöl. Diese Abhängigkeit führt zur Konkurrenz um knappe Energieträger und zu internationalen Spannungen. Für die Volkswirtschaften zahlreicher Länder des Südens ist die finanzielle Belastung durch horrende

Energieausgaben schon heute untragbar.

Klima in Gefahr

Der natürliche Treibhauseffekt

Seit Millionen Jahren sorgt der natürliche Treibhauseffekt für eine ausgeglichene Temperatur der Erdatmosphäre. Wie die Glasscheiben eines Treibhauses lassen die Treibhausgase (Kohlendioxid, Wasserdampf, Ozon, Lachgas und Methan) die Sonnenstrahlung passieren und halten die reflektierte Wärme in Nähe der Erdoberfläche fest. Ohne den natürlichen Treibhauseffekt herrschten auf der Erde durchschnittlich minus 20 Grad Celsius, und damit wäre sie unbewohnbar. Ein in Millionen Jahren entstandenes, komplexes System ineinandergreifender biologischer und hydrologischer Regelkreise sorgt für ein stabiles Gleichgewicht der Treibhausgase. So nehmen beispielsweise Pflanzen Kohlendioxid auf und geben es bei ihrer Verwitterung wieder an die Umwelt ab. In den vergangenen 160.000 Jahren erlebte die Erde bislang zwei Perioden, in denen die mittlere, globale Temperatur um fünf Grad Celsius unter dem heutigen Mittelwert lag. In diesen Eiszeiten lag Nordeuropa unter meterdicken Schnee- und Eismassen begraben. Diese Entwicklungen vollzogen sich allerdings sehr langsam: Tausend Jahre dauerte es, bis die Erde sich nach einer Eiszeit wieder auf 'normale' Temperaturen erwärmte.

Der künstliche Treibhauseffekt

              Je mehr Treibhausgase in die Atmosphäre entweichen,

              desto mehr Wärme wird in ihnen festgehalten. Mit

              einem Anteil von 50 Prozent am menschengemachten

              Treibhauseffekt ist Kohlendioxid (CO2) der

              Klimakiller Nummer eins; jährlich etwa 22

              Milliarden Tonnen heizen das Klima auf. Hinzu

              kommen andere Treibhausgase wie FCKW (17 Prozent),

              Methan (13 Prozent), Ozon (7 Prozent) und Lachgas

              (5 Prozent). Mehr als 100.000 Jahre lang überstieg

              die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre nie

              0,028 Prozent oder 280 ppm (parts per million =

              Teile je Millionen Teile Luft). In nur einem

              Jahrhundert dagegen, vom Beginn der industriellen

              Revolution bis heute, ist die Konzentration des

              Kohlendioxids auf 357 ppm (= Teile je Millionen

              Teile Luft) angestiegen. Wenn die Menschen am

              verschwenderischen Lebensstil festhalten, wird die

              CO2-Konzentration in weniger als fünfzig Jahren 600

              ppm erreichen. Klimatologen sagen für diesen Fall

              einen so rasanten, globalen Temperaturanstieg

              voraus, wie ihn die Menschheit noch nicht erlebt

              hat.

              Katastrophe als Dauerzustand?

              Wenn die Durchschnittstemperaturen weiter so rapide

              ansteigen, steht dem Planeten Erde

              eine nicht rückgängig zu machende Klimaveränderung

              ins Haus. Die Berichte des Intergovernmental Panel

              on Climate Change (IPCC) für die Jahre 1990 und

              1992 nennen einige der möglichen Auswirkungen einer

              schnellen Erwärmung der Erde:

              - veränderte Niederschlagsverhältnisse und

              Ausdehnung von Dürregebieten

              - Verlust riesiger Landstriche aufgrund des

              anschwellenden Meeresspiegels und der Ausdehnung

              der Meere

              - schwierigere oder nicht mehr gewährleistete

              Wasserversorgung in manchen Teilen der Welt -

              weitgehende Beeinträchtigung der Land- und

              Forstwirtschaft sowie der Fischerei

              - ernsthafte Gesundheitsschädigung des Menschen

              - Aussterben zahlreicher Pflanzen- und Tierarten.

              Die natürlichen Ökosysteme rund um die Welt wären

              nicht in der Lage, sich an den raschen

              Temperaturanstieg anzupassen. Auf der Nordhalbkugel

              wäre damit beispielsweise das Absterben riesiger

              Wälder verbunden, da die Flora und Fauna

              kontinentales, kaltgemäßigtes Klima (boreal)

              benötigt. Hurrikans in den Tropen und Orkane in

              gemäßigten Klimazonen wie Europa werden sich häufen

              und heftiger werden, ein Phänomen, das schon heute

              zu beobachten ist. Millionen von Menschen müßten

              aufgrund des steigenden Meeresspiegels, in Folge

              von Überschwemmungen oder Wüstenbildung ihre Heimat

              verlassen und zu Umweltflüchtlingen werden. In

              Bangladesh würden vermutlich die ertragreichsten

              landwirtschaftlichen Nutzflächen überflutet,

              während im Mittelmeerraum mit großer Dürre und

              Wasserknappheit zu rechnen wäre.

              Unberechenbar: die Rückkopplungen

              Die Realität könnte diese Prognosen sogar noch

              übertreffen. Der IPCC hat darauf hingewiesen, daß

              einige Faktoren unzureichend in die Berechnungen

              eingeflossen sind:

              Beispiel Ozeane: Ein beträchtlicher Teil des CO2

              aus der Luft wird von den Ozeanen aufgenommen und

              von ihnen gelöst (wie Kohlensäure im

              Mineralwasser). Der Treibhauseffekt bewirkt auch

              eine Erwärmung der Ozeane, so daß diese weniger CO2

              aufnehmen. Dadurch gelangt mehr CO2 in die

              Atmosphäre, der Treibhauseffekt verstärkt sich, es

              wird noch wärmer. Dieses wird im Fachjargon als

              'positive Rückkopplung' bezeichnet; die

              Auswirkungen sind negativ.

              Beispiel Methan: Wenn sich Dauerfrostboden und

              Tundra durch den Treibhauseffekt erwärmen, können

              sie enorme Mengen an Methan freigeben. Im Vergleich

              zum heutigen Methangehalt in der Atmosphäre sind

              die noch schlummernden, natürlichen Vorkommen

              dieses Gases gewaltig. Das entweichende Methan

              würde den Treibhauseffekt verschärfen und eine

              weitere, verhängnisvolle positive Rückkopplung in

              Gang setzen. Beide Mechanismen könnten den

              Treibhauseffekt explosionsartig beschleunigen und

              intensivieren. Es gibt auch negative

              Rückkopplungsmechanismen, die den Treibhauseffekt

              abschwächen könnten. Diskutiert wird in diesem

              Zusammenhang beispielsweise der Einfluß von Wolken,

              Wasserdampf oder Gletschern. Doch selbst wenn

              negative Rückkopplungen den Treibhauseffekt

              eindämmen, umkehren werden sie ihn nicht.

              Die globale Erwärmung:

              Indizien

              Die Enquête-Kommission 'Schutz der Erdatmosphäre'

              des Deutschen Bundestages schreibt 1992:

              'Beobachtungen innerhalb der letzten 30 bis 50

              Jahre weisen eindeutig auf eine beginnende

              Umstellung des globalen Klimas hin'. 7 Indizien für

              eine beginnende Erwärmung der Erde:

              - Die sieben wärmsten Jahre, die seit 1860

              verzeichnet wurden, fielen ins letzte Jahrzehnt,

              wobei die Jahre 1990 und 1991 die höchsten

              Temperaturmittelwerte aufwiesen.

              - Die Verdunstung über den tropischen Mee-ren hat

              zwischen 1949 und 1989 um 16 Prozent zugenommen.

              - Die Oberflächentemperaturen der tropischen Ozeane

              sind zwischen 1949 und 1989 um 0,5 Grad gestiegen.

              - Das rasch fortschreitende Ausbleichen der

              Korallenriffe, die sehr empfindlich auf

              Schwankungen der Wassertemperatur reagieren, ist

              ein trauriges Indiz für den beginnenden

              Temperaturanstieg: Die Korallen stoßen in Folge der

              Erwärmung des Wassers ihre

              Symbiosepartner, die Braunalgen, ab. Die Algen

              bleichen aus und sterben innerhalb weniger Monate.

              - In den letzten 20 Jahren ist die Winddynamik um

              etwa 40 Prozent angestiegen. In den Tropen haben

              die Windgeschwindigkeiten um 20 Prozent und in den

              mittleren Breiten um 15 Prozent zugenommen. In

              wenigen Jahren (1988 bis 1992) traten gleich drei

              Hurrikane auf.

              - Die Gebirgsgletscher schmelzen ab. Seit 1950

              haben die Gletscher in den Alpen etwa die Hälfe

              ihrer Eismassen verloren.

              - Der Meeresspiegel ist in den letzten hundert

              Jahren um 10 bis 20 Zentimeter angestiegen.

              Eskalierende Kosten jüngster Naturkatastrophen:

              OKT. 1987 NW-Europa Unbenannter Sturm $2,5 Mrd.

              SEPT.198 USA Hurrikan Hugo $5,8 Mrd.

              JAN. 1990 NW-Europa Orkan Daria $4,6 Mrd.

              FEB. 1990 NW-Europa Orkan Herta $1,3 Mrd.

              FEB. 1990 NW-Europa Orkan Vivian $3,2 Mrd.

              FEB. 1990 NW-Europa Orkan Wibke $1,3 Mrd.

              JULI 1990 USA Stürme in Colorado $1,0 Mrd.

              SEPT.1991 JAPAN Taifun Mireille $4,8 Mrd.

              AUG. 1992 US Hurrikan Andrew $20 Mrd.

              AUG. 1992 USA Wirbelsturm Iniki $1,4 Mrd.

              Die Versicherungen schlagen Alarm: Die

              Leistungsansprüche und Zahlungen im Zusammenhang

              mit extremen Wetterlagen sind innerhalb der letzten

              25 Jahre weltweit steil angestiegen.

              Umwelt in Gefahr

              Erst sterben die Wälder

              Der Treibhauseffekt mit drohender Klimaänderung ist

              nur eine einzige Folge der verfehlten

              Energiepolitk. Die 'moderne' Art der

              Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen

              verursacht aber noch andere beachtliche Schäden.

              Fast 170 Millionen Tonnen Schwefel und Stickoxide

              werden aus Kraftwerken, Autos und aus anderen

              Quellen jährlich in die Luft geschleudert. Die

              Säureablagerung und die damit verbundene

              Verschmutzung führen zu Waldsterben, Umkippen von

              Seen und zu Erkrankungen der menschlichen

              Atmungsorgane. Allein in Deutschland werden die

              Kosten des Waldsterbens auf jährlich neun

              Milliarden DM geschätzt. Und die

              Giftkonzentrationen steigen immer weiter. Bereinigt

              wurde alleine die Sprache: 'Waldsterben' heißt

              heute 'Waldschäden', der jährliche

              'Waldschadensbericht' mutierte zum

              'Waldzustandsbericht', als ob das Sterben der

              Wälder ein ganz normaler Zustand wäre.

              Umweltverschmutzer Auto

              Es gibt 680 Millionen Kraftfahrzeuge auf diesem

              Planeten, und jede Sekunde kommt ein weiteres

              hinzu. Das heißt: für zwei Neugeborene ein neues

              Kraftfahrzeug. Autos verschlingen mehr als die

              Hälfte des gesamten Erdölverbrauchs. Ein Liter

              Autosprit erzeugt beim Fahren 2,4 Kilogramm CO2.

              Die Städte ersticken in Autoabgasen, und ihre

              Bewohner verbringen die Zeit in Verkehrsstaus.

              Stickoxide aus den Abgas-'Cocktails' verwandeln

              sich in der Luft in 'Sauren Regen', der Menschen,

              Wäldern und Gebäuden schadet. Aus Stickoxiden und

              Kohlenwasserstoffen entsteht bei Sonneneinstrahlung

              Ozon. Dieses bodennahe Ozon (nicht zu verwechseln

              mit dem UV-Schutzschild der Atmosphäre) ist ein

              aggressives Reizgas und mitverantwortlich für

              Waldsterben sowie für Augen-, Rachen- und

              Lungenerkrankungen beim Menschen. Mexiko City

              überschreitet die Smoggrenzwerte der

              Weltgesundheitsorganisation die meiste Zeit im

              Jahr.

              Die tägliche Ölpest

              Zwischen 1980 und 1990 liefen in Westsibirien

              jährlich schätzungsweise 18 Millionen Barrel Erdöl

              aus und zerstörten 55.000 Quadratkilometer des

              empfindlichen Permafrostökosystems. 1989 strömten

              aus dem Tanker der Exxon Valdez vor Alaska 1,4

              Millionen Barrel Öl ins Meer und verursachten ein

              größeres Tiersterben als jede frühere Ölpest. Vier

              Jahre nach dem Unfall fand man verkrüppelte Fische,

              hirngeschädigte Robben, unfruchtbare Vögel und tote

              Schwertwale. Öl ist für Flora und Fauna ein

              tödliches Gift; es kann sich im Fettgewebe der

              Tiere anlagern und chronische Schäden anrichten.

              Wenn es Kleinstlebewesen (Muscheln, Schnecken)

              zerstört, ist die gesamte marine Nahrungskette

              bedroht. So spektakulär die sichtbare Ölpest ist,

              lediglich fünf Prozent der drei bis vier Millionen

              Tonnen Öl, die jährlich die Ozeane vergiften, gehen

              auf das Konto der Havaristen. Der Hauptanteil

              stammt aus Schiffen, die ihre Tanks auf hoher See

              waschen oder aus undichten Pipelines.

              Atomenergie: geringer Nutzen, große

              Gefahren

              50 Jahre hat die Industrie an der Atomenergie

              gebastelt und Milliarden von Dollar in diese

              Technologie gepumpt. Trotz allem deckt die

              Atomenergie nur fünf Prozent des globalen

              Energiebedarfs; ihre Risiken und Gefahren sind

              unermeßlich. Die Katastrophe von Tschernobyl

              verstrahlte über 100.000 Quadratkilometer Land und

              machte es unbewohnbar. Die Atomindustrie gibt die

              Anzahl der Strahlentoten allein in der Ukraine mit

              6000 bis 8000 an, aber unabhängige Stellen gehen

              von deutlich höheren Zahlen aus. Bei den

              Unfallbekämpfungsmaßnahmen waren über 600.000

              Katastrophenhelfer im Einsatz. Nach offiziellen

              Angaben kostete der Unfall die Sowjetunion von 1986

              bis 1989 insgesamt 9,2 Milliarden Rubel (das sind

              nach alter Berechnungsgrundlage umgerechnet 200

              Milliarden Mark). In der Bundesrepublik gab es im

              Zeitraum 1990 bis 1992 691 'meldepflichtige

              Ereignisse' (Behördendeutsch für 'Störfälle').

              Diese Zahl läßt ahnen, wieviele 'Ereignisse' es

              weltweit gegeben haben mag. Wiederaufarbeitung und

              'Entsorgung' von atomarem Abfall sind gefährlich,

              teuer und nutzlos; die Entsorgung ist noch heute

              ungeklärt. Boden aus der Nähe der

              Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) in Sellafield,

              England, ist so verstrahlt, daß er 34.000 mal

              soviel Plutonium enthält wie deutscher Ackerboden.

              In WAAs wie Sellafield oder dem französischen La

              Hague funktioniert die 'Abfallbehandlung' nicht

              nach Plan. Die Anlagen werden daher zu

              Zwischenlagern für in- und ausländischen Atommüll.

              Die Entsorgung radioaktiven Mülls ist 50 Jahre nach

              Einführung der Atomenergie ungelöst. Das hindert

              die Industrie jedoch nicht daran, Jahr für Jahr

              weltweit 150.000 Kubikmeter kontamimierte Abfälle

              wie Kleidung, Werkzeuge, Flüssigkeiten etc. zu

              produzieren; dazu kommen noch pro Jahr 10.000

              Tonnen abgebrannte Brennelemente. Bis zur Mitte des

              nächsten Jahrhunderts werden schätzungsweise

              450.000 Tonnen abgebrannter Brennelemente anfallen.

              Bislang wurden weltweit nahezu 900 Tonnen Plutonium

              produziert - für eine Atomwaffe reichen sieben bis

              neun Kilogramm. Überhaupt ist der Gedanke einer

              'friedlichen' Nutzung der Atomkraft reine Fiktion:

              In einer 1990 erschienen Studie der amerikanischen

              Carnegie Friedensstiftung heißt es: Ohne die Hilfe

              westdeutscher Firmen 'wäre Pakistan heute nicht in

              der Lage, Atomwaffen zu produzieren, wäre Indiens

              nukleares Potential weitaus kleiner und besäßen

              weder Argentinien noch Brasilien die Fähigkeit zur

              Herstellung spaltbaren Materials'.

              Greenpeace-Szenario

              Das Greenpeace-Szenario und seine

              Prämissen

              Die zentrale Frage der Studie lautet: Ist ein

              stufenweiser, weltweiter Ausstieg aus der Nutzung

              fossiler Energieträger und der Atomenergie in einem

              vorgegebenen Zeitrahmen (bis zum Jahr 2100)

              ökonomisch und technisch machbar? Kann auf diese

              Weise die Erwärmung der Erde eingedämmt werden? Die

              vorliegende Studie richtet sich vor allem auf



              Treibhausgase, die durch die Energienutzung

              emittiert werden, allen voran das Kohlendioxid. Die

              Emission anderer Treibhausgase wurde in dem FFES in

              Anlehnung an bestehende Beschlüsse (Montrealer

              Protokoll zu FCKW) oder auf der Basis von

              Untersuchungen zu Methan (CH4) oder Lachgas (N2O)

              (Studien der US Environmental Protection Agency,

              USEPA) berücksichtigt.

              Quellen und Modelle

              Das für Greenpeace erarbeitete alternative

              Energieszenario (FFES) verbindet im wesentlichen

              drei erprobte Computermodelle miteinander. Diese

              analysieren die Entwicklung des Energieverbrauchs,

              seine Auswirkung auf das Klima und die

              wirtschaftlichen Aspekte. Das 'Stockholm

              Environment Institut' und der Berater Paul Waide

              prüften mehr als hundert Berichte über Energie- und

              Klimaszenarien aus den letzten Jahren. So konnten

              die neuesten Daten zu erneuerbaren Energiequellen

              (z.B. Biomasse), zu fossilen Brennstoffen und die

              renommierten Klimamodelle (IPCC 1990 und 1992)

              einfließen. Zudem nahmen die Verfasser eine

              detaillierte Analyse des Transportsektors vor.

              Durch Anderung der Annahmen (z.B. geringeres

              Wirtschaftswachstum, langsamere

              Bevölkerungsentwicklung) entwarfen die Autoren

              verschiedene Varianten des FFES. Die Welt wurde in

              zehn Zonen unterteilt, um die Vergleichbarkeit der

              Modellrechnungen mit anderen Untersuchungen zu

              gewährleisten.

              Die drei Computermodelle

              1. LEAP (Longrange Energy Alternative Planning =

              Langfristige Alternative Energieplanung) ist ein

              Modell des globalen Energieendverbrauchs, das sich

              seit zehn Jahren bewährt hat (z.B. beim 'Kenya

              Fuelwood Project, 1980-82'). LEAP ist mit einer

              internationalen Umweltdatenbank (Environmental Data

              Base) verbunden und wurde für die Schätzung

              künftiger

              Treibhausgasemissionen verwendet. Das Modell

              bewertet den regionalen und weltweiten

              Energieverbrauch nach Sektoren sowie Fragen zu

              Energieressourcen und Technologien.

              2. STUGE (= Sealevel and Temperature Change Under

              the Greenhouse Effect) ist ein Klimamodell des

              Fachbereichs Klimaforschung der britischen

              University of East Anglia. Es befaßt sich mit

              Veränderungen des Meeresspiegels und des Klimas.

              Mit Hilfe dieses vom IPCC anerkannten Modells

              konnten Klimaziele entwickelt und die klimatischen

              Auswirkungen des FFES in seinen verschiedenen

              Varianten beurteilt werden.

              3. ASF (= Atmospheric Stabilisation Framework) ist

              ein Klimamodell der US Environmental Protection

              Agenca (USEPA). Es setzt die Rahmenbedingungen für

              eine Stabilisierung des Klimas. Dieses Modell

              diente dazu, die Ergebnisse von STUGE zu überprüfen

              und Kostenfaktoren zu berechnen. Die Analysen zum

              Energiesektor basieren auf dem häufig verwendeten

              makroökonomischen Edmonds-Reilly-Modell (ER),

              welches Preis- und Einkommensfaktoren in stärkerem

              Maße als LEAP berücksichtigt. Zusammen mit den

              LEAP-Ergebnissen konnten so zusätzliche Kostendaten

              in das Projekt integriert werden.

              Keine technologische Revolution auf dem

              Energiesektor

              Bei der Energieeinsparung und den erneuerbaren

              Energien wird auf bekannte und ausgereifte

              Techniken zurückgegriffen. Rasante

              Technologiesprünge sind nicht vorgesehen. Überholte

              Geräte und Apparate müssen durch energiesparende

              Ausrüstungen ausgetauscht werden, stillgelegte

              Kraftwerke auf der Basis

              fossiler Brennstoffe werden zunehmend durch Systeme

              auf der Grundlage erneuerbarer Energien ersetzt.

              Effizienztechnologien und alternative

              Energiequellen werden jedoch erst dann installiert,

              wenn sie - verglichen mit herkömmlichen

              Energieträgern - rentabel sind. Energieintensive

              Produktionen wie z.B. Stahl oder Zement werden

              teilweise durch innovative Materialien (z.B.

              Keramik, Verbundwerkstoffe) ausgetauscht. Konkret

              soll dies z.B. innerhalb des neuen

              Forschungszentrums der Daimler Benz AG erfolgen:

              Ventile, Pleuel und Kolben aus Siliziumnitrid

              könnten das Gewicht von Motoren drastisch

              reduzieren. Untersucht werden sollen auch neue

              Materialien und Sandwichbauweisen für den

              Leichtbau. Die Studie klammert aus: Die Gewinnung

              von Energie aus Gezeitenkraftwerken, die Nutzung

              von Erdwärme durch die 'Hot-Dry-Rock-Technik' und

              Müllverbrennungsanlagen. Der Ansatz ist damit

              konservativ, d.h. nur moderate Veränderungen des

              technologischen Status quo werden angepeilt. Ein

              technischer Durchbruch würde den Umbau des

              Energiesystems beschleunigen und qualitativ

              verbessern. So könnten beispielsweise

              fortschrittliche 'Zwei-Photon'- Leuchtschichten und

              elektrodenlose Lampen den Energiebedarf für

              Beleuchtung noch um die Hälfte des im Szenario

              errechneten Wertes verringern.

              Energiesparen als Quelle der Zukunft

              Die wichtigste Energiequelle der Zukunft ist das

              Energiesparen, und so ist die Energieeffizienz der

              Schlüssel zum FFES. Effizient ist die Nutzung von

              Energie, wenn mit wenig Einsatz von Ressourcen ein

              maximaler Nutzen erzielt wird. Das ist heutzutage

              nicht der Fall. Die USA erhöhten in den vergangenen

              hundert Jahren die Nutzungseffizienz von Energie

              nur um ein Prozent pro Jahr. Viele andere Länder

              überschritten zwischen 1973 und 1986 aufgrund

              staatlicher Maßnahmen und steigender Energiepreise

              eine Jahresrate von 2,5 Prozent. Neue steuer- und

              ordnungspolitische Maßnahmen sind daher für die

              Entwicklung intelligenter Techniken zentral. Obwohl

              die Nutzungseffizienz in den Jahren 1973 bis 1986

              vielerorts erhöht wurde (Energiesparen in Folge des

              Ölpreisschocks), ist das Potential der

              kostendämpfenden Energieeinsparung immens und

              bisher kaum erschlossen. Das ist sehr erstaunlich,

              denn es gibt bereits erprobte Technologien für

              Fahrzeuge, Gebäude, Apparate und

              Industrieverfahren, die den Energieverbrauch bei

              gleicher oder verbesserter Leistung um 15 bis 85

              Prozent senken könnten: hochwärmegedämmte Gebäude,

              die fast nicht beheizt werden müssen, Autos, die

              viermal weniger Kraftstoff verbrauchen und Geräte

              mit einem Stromverbrauch, der 90 Prozent niedriger

              ist als heute generell üblich. Das FFES setzt auf

              eine rasche Verbesserung der Energieeffizienz. Die

              für eine wirtschaftliche Produktionseinheit

              benötigte Energiemenge vermindert sich in den

              kommenden 20 Jahren um 40 Prozent, bis 2030 um 60

              und bis 2100 um 87 Prozent. Die Energieintensität

              sinkt aufgrund intelligenter Nutzung und

              struktureller Anderungen in der Wirtschaft um

              durchschnittlich 2,5 Prozent jährlich in den

              kommenden vierzig Jahren und geht danach pro Jahr

              um weitere 0,5 Prozent zurück. Die Studie nimmt an,

              daß die Energieintensität bis zum Jahr 2030 um 50

              Prozent zu verbessern ist; danach ist eine weitere,

              wenn auch sehr viel langsamere Energieeinsparung um

              30 Prozent zu erwarten. Bis 2030 dürften 20 Prozent

              der Heizwärme durch Kraft-Wärme-Kopplung geliefert

              werden, wobei allmählich von Erdgasbetrieb auf

              Biogas umgestellt wird.

              Erneuerbare Energien erobern den Markt

              'Erneuerbare Energien' verwenden die natürlichen

              Energieströme der Erde und tasten die endlichen

              Energievorräte wie fossile Brennstoffe und

              Atomenergie nicht an. Wenn alternative Energien

              vernünftig eingesetzt werden, sind sie ökologisch

              verträglich. Heute decken diese Energieträger, vor

              allem Wasserkraft und Biomasse, bereits 14 Prozent

              des globalen Energiebedarfs. Seit einigen Jahren

              sinken die Kosten für erneuerbare Energien. Zwar

              sind diese Energiesysteme in der Finanzierung

              teurer, dafür ist der Betriebsaufwand niedriger als

              bei Systemen auf fossiler Basis. Bei niedrigerem

              Zinssatz (acht Prozent oder weniger) sind

              Technologien für Windenergie,solarthermische

              Energie, Biomasseverbrennung, passive

              Solarenergienutzung in Gebäuden (wie z.B. in

              Wintergärten), Wasserkraft und Erdwärme gegenüber

              fossiler Energieversorgung in manchen Ländern heute

              schon konkurrenzfähig. In der Bundesrepublik

              beispielsweise erzeugt ein neues Kohle-Kraftwerk

              Strom zu 0,13 DM und 0,16 DM pro Kilowattstunde.

              Eine Kilowattstunde aus einer modernen

              Windkraftanlage ist für 0,14 DM zu haben. In

              abgelegenen Gebieten ist Elektrizität aus

              Solarzellen schon jetzt günstiger als Dieselstrom;

              sie dürfte sich bis 2010/2015 als kostengünstige

              Alternative zu herkömmlicher Energie aus fossilen

              Kraftwerken erweisen. Weltweit sind die Preise für

              erneuerbare Energiequellen gefallen. Binnen eines

              Jahrzehnts ist Elektrizität aus Windenergie in den

              USA und Dänemark um 70 Prozent billiger geworden.

              Die Kosten für solarthermische Energie sind seit

              1980 um 75 Prozent gesunken und werden sich bis zum

              Jahr 2000 um weitere 25 Prozent reduzieren. Wenn

              die Anlagen und technischen Geräte in

              Massenproduktion gefertigt würden, könnte der Preis

              für Strom aus Solarzellen um 75 Prozent gesenkt

              werden. Heute kostet eine Kilowattstunde 1,30 DM

              bis 3,50 DM pro Kilowattstunde, dann würde der

              Kunde weniger als 0,50 DM bezahlen.11 Aus Analysen

              verschiedener Forschungsinstitute ergibt sich, daß

              erneuerbare Energien in zwanzig bis dreißig Jahren

              mit fossilen Brennstoffen im Preis konkurrieren

              können. Die Studie projektiert einen anfänglich

              bescheidenen Beitrag der direkten Nutzung der

              Sonnenenergie zur Heizkraft: im Jahr 2100 maximal

              20 Prozent in den sonnigsten Regionen, im Jahr 2030

              schon 10 Prozent. Es wird angenommen, daß mehr

              Strom erzeugt wird und die Elektrizität im Jahr

              2100 vor allem durch den Einsatz von

              Elektrowärmepumpen der wichtigste Energieträger

              sein wird. Eine kurzfristige Verwendung von

              Biomasse hängt von der schnellen Verbreitung

              ökologischer Landbaumethoden ab. Das bedeutet

              jedoch nicht, daß weiter im gegenwärtigen Umfang

              und Tempo Wälder abgeholzt und intensive

              Monokulturen betrieben werden. Biomasse und

              Wasserstoff decken den Großteil des restlichen

              Bedarfs.

              Die Industrie spart Energie

              Der Industriesektor gliedert sich in die sechs

              Sektoren Eisen und Stahl, Nichteisenmetalle,

              Nichtmetallische Minerale, Papier und Zellstoff,

              Chemie sowie restliche Industrie (z.B.

              Nahrungsmittel-, Textil-, Maschinen- und

              Montanindustrie). In den Industrienationen ist mit

              einer rückläufigen oder gleichbleibenden

              Grundstoffproduktion zu rechnen, während diese

              Industriezweige in den südlichen Erdteilen

              expandieren. Die Eisen- und Stahlproduktion

              verschlingt gegenwärtig 27 Prozent der gesamten

              Energie im Industriesektor. Verbesserte Verfahren

              wie die Umstellung von

              Sauerstoff-Aufblas-Konvertern auf Lichtbogenöfen

              würde die Effizienz auf 7,4 Gigajoule Energie pro

              Tonne Stahl erhöhen. Damit verdoppelt sich die

              Energieeffizienz in den besten Hütten; in vielen

              Werken in China und Indien kann sie sich sogar

              versiebenfachen. Die Papierherstellung verschlingt

              fünf Prozent des gesamten industriellen

              Energieverbrauchs. Verbesserungen in der

              allgemeinen Betriebsüberwachung, der

              Wärmerückgewinnung und Abfallverwendung, ein

              verminderter Wasserverbrauch und Techniken wie

              Sauerstoffbleichen können bis zum Jahr 2030 zu

              Effizienzgewinnen von 30 Prozent führen. Das

              Szenario geht davon aus, daß alle zehn Weltregionen

              sich im projektierten Zeitraum in den

              wirtschaftlichen Aktivitäten angleichen. Diese

              Entwicklung wird von umfangreichen Einsparungen im

              Energiesektor begleitet. Zum Energiesparen gehören:

              modernste Kraft-Wärme-Kopplung für Raumheizung und

              Warmwasserbereitung, neueste

              Metallproduktionsverfahren, mehr Recycling (vor

              allem von Aluminium), Elektromotoren mit regelbarer

              Drehzahl und effizientere Elektroöfen.

              Wirtschaft und Bevölkerung wachsen

              Im FFES werden zu Vergleichszwecken, wie auch in

              zahlreichen anderen Studien, konservative Annahmen

              getroffen. Die Prämissen basieren auf Prognosen zur

              Wirtschafts- und Bevölkerungsentwicklung, wie die

              Weltbank und das IPCC sie vornimmt. Danach wird

              sich die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2100 auf 11,3

              Milliarden Menschen verdoppeln, die

              Weltwirtschaftstätigkeit wird im gleichen Zeitraum

              um 1400 Prozent ansteigen. Die nördlichen Länder

              halten an ihrem konsumorientierten Produktions- und

              Lebensstil fest, andere Länder übernehmen das

              Wirtschaftssystem der Industriegesellschaften. Eine

              erhöhte Beanspruchung der Ressourcen und Belastung

              der Umwelt (Wälder, Trinkwasser, Ackerland) ginge

              damit einher.

              Die Haushalte: gleicher Komfort, weniger

              Energie

              In vielen Industrienationen können bei der

              Raumheizung bis zu 90 Prozent Energie eingespart

              werden - bei gleichem Komfort. Notwendig ist die

              Kombination starker Wärmedämmung, optimaler

              Regelung sowie effiziente Geräte und

              Heizungsanlagen, bzw. die Installation von

              Fernheizungssystemen. Bei der Warmwasserbereitung

              besteht ein großes Potential, Energie einzusparen

              und die Kohlenstoffemissionen zu drosseln, z.B.

              über Solarwarmwasserbereitern. Je nach Region und

              Technologie kann die Effizienz um 40 bis 300

              Prozent erhöht werden. Die Effizienz von Gasherden

              wäre um 46 Prozent, die von Elektroherden um 33

              Prozent zu steigern. In Kenia, Burkina Faso und

              Niger waren Programme für eine bessere

              Energienutzung beim Kochen erfolgreich. Das FFES

              nimmt an, daß die Anzahl der Personen pro Haushalt

              weltweit sinkt, damit wächst die Anzahl der

              Haushalte schneller als die Bevölkerung;

              Urbanisierung und Elektrifizierung schreiten voran.

              Die Haushalte erhöhen die Effizienz und stellen auf

              andere Energiequellen um. Die Tage

              energieintensiver Dienstleistungen und Geräte sind

              weltweit gezählt. Dieses ist ein Schlüsselfaktor

              der Energiebedarfsprojektionen im Haushaltsektor.

              Das FFES rechnet damit, daß bis zum Jahr 2100

              weltweit eine Standardreihe von

              hochleistungsfähigen Elektrogeräten verfügbar ist.

              Der Energieaufwand für Heizung und Kühlung

              verringert sich durch verbesserte Gebäudeisolation,

              Wärmedämmung, passive Sonnenenergienutzung und

              Fernheizung in gemäßigten Klimazonen.

              Warmwasserbereitung mit Sonnenenergie und

              zunehmende Energieschöpfung aus Sonnenwärme und

              Biomasse folgen zu einem späteren Zeitraum. Die

              Sonnenenergie liefert je nach Region neun bis 36

              Prozent der Energie für die Warmwasserbereitung.

              Das FFES nimmt an, daß in südlichen Ländern der

              Energieverbrauch pro Haushalt zunimmt, da die

              Einkommen steigen und die Nachfrage wächst. Die

              effizientere Energienutzung wird hier durch größere

              Wohnflächen und höheren Komfort ausgeglichen, so

              daß kaum Energie einzusparen ist.

              Transport und Verkehr: Vier Szenarien

              Die FFES-Analyse des Transportsektors konzentriert

              sich in erster Linie auf PKW, Lieferwagen,

              Motorräder und LKW. Dagegen bleiben

              Eisenbahn/Straßenbahn, Schiffs- und Flugverkehr

              ausgeklammert. Der Anteil dieser Sektoren am

              Gesamtenergieverbrauch im Bereich Verkehr betrug

              1990 etwa 30 Prozent. Heute fahren weltweit 680

              Millionen Fahrzeuge umher (430 Millionen PKW, 110

              Millionen Lieferwagen, 110 Millionen Motorfahrräder

              und 30 Millionen Schwerlastwagen). Wenn die

              Verkehrsspirale sich weiter dreht, sind es im Jahr

              2030 1.620 Millionen Kraftfahrzeuge; bis 2100

              wächst ihre Zahl dann auf stattliche 4.930

              Millionen an. Mike Walsh erarbeitete vier

              Szenarien: ein Modell, das den Status quo

              unverändert läßt, und drei Szenarien, die jeweils

              die Auswirkungen von verschiedenen Technologien und

              politischen Maßnahmen auf den Energieverbrauch im

              Verkehrssektor beleuchten. Zu diesen Maßnahmen

              zählen:

              - Effiziente Energienutzung (sparsamere Autos)

              - Verbesserte Technologien zur Emissionsreduktion

              - Kontrollierte Zulassung von Straßenfahrzeugen

              - Einführung nichtfossiler Kraftstoffe im

              Transportsektor

              Szenario 1 präsentiert die Folgen für den

              Energieverbrauch und die CO2-Emissionen, wenn wir

              weitermachen wie bisher. Die zwei

              Übergangsszenarien beschreiben die Konsequenzen für

              den Fall, daß Energie besser genutzt und Emissionen

              reduziert werden (Szenario 2) und für den Fall, daß

              zusätzlich die Anzahl von Fahrzeugen beschränkt

              wird (Szenario 3). Szenario 4 berücksichtigt außer

              den Parametern 1-3 die Einführung nichtfossiler

              Kraftstoffe. Dieses Szenario wurde in das

              Hauptprogramm LEAP integriert. Der Benzinverbrauch

              für den weltweiten Fahrzeugpark verringert sich:

              von einem Verbrauch von 8,4 bis 7,3 Liter bei 100

              Kilometern pro Stunde heute auf 4,2 bis 3,6 Liter

              bis zum Jahr 2030. (Auch diese Annahme ist moderat,

              denn es gibt schon jetzt Modelle, die 2,5 Liter

              verbrauchen). Die Gesamtanzahl der Kraftfahrzeuge

              steigt bis 2010 auf maximal 960 Millionen auf,

              1.150 Millionen im Jahr 2030 und auf 1.600

              Millionen im Jahr 2100. Alternative Kraftstoffe

              kommen auf den Markt, und solarelektrische und

              Solar-Wasserstoff-Systeme werden zwischen 2015 und

              2020 konkurrenzfähig. Sie decken im Jahr 2030 etwa

              30 Prozent und im Jahr 2100 schon 80 Prozent des

              Spritverbrauchs für Kraftfahrzeuge.

              Dienstleistungen: riesiges Sparpotential

              In Gebäuden des Dienstleistungssektors besteht ein

              großes Energiesparpotential, da Energie für

              Beleuchtung, Raumheizung und Kochen viel

              effizienter als bisher eingesetzt werden kann. In

              den USA könnte der Energieverbrauch laut Angaben

              des Büros für Technologieabschätzung (Congressional

              Office of Technology Assessment) in den nächsten 25

              Jahren um die Hälfte gesenkt werden. In Thailand

              kann bei Beleuchtung 70 Prozent Energie, bei

              Klimatisierung und Ventilation 33 bis 26 Prozent

              eingespart werden - ohne finanzielle Nachteile. Im

              Dienstleistungsbereich wird eine Verbesserung der

              Energieeffizienz um jährlich 2,5 Prozent von 1988

              bis 2010 und um 1,8 Prozent von 2010 bis 2030

              angenommen. Daraus ergibt sich, alle Regionen

              zusammengefaßt, bis 2030 eine 60prozentige

              Einsparung von Energie.

              Ziele

              Die Ziele des alternativen

              Energieszenarios

              Das Szenario hatte ein zukünftiges Energiesystem zu

              entwerfen, das die folgenden Vorgaben erfüllt:

              Treibhauseffekt eindämmen

              Die globale Erwärmung (von der vorindustriellen

              Zeit bis zum Jahr 2100) muß unter zwei Grad Celsius

              liegen, der Temperaturanstieg je Dekade darf 0,1

              Grad Celsius nicht übersteigen. Der Meeresspiegel

              soll sich von 1990 bis 2100 um höchstens 20 bis 50

              Zentimeter erhöhen, das ist ein Anstieg um zwei bis

              fünf Zentimeter pro Jahrzehnt.

              Diese Zielvorgaben basieren auf der Studie 'Targets

              and Indicators of Climate Change', (Report for the

              Advisory Group for Greenhouse Gases, AGGG; Swart,

              R.J., & Rijsbermann, F. R.), die 1990 im Vorfeld

              des IPCC (Intergovernmental Panel of Climate

              Change) erstellt wurde.

              Ausstieg aus fossilen Energieträgern

              Der Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle wird

              stufenweise, aber konsequent vollzogen. Die

              Verbrennung fossiler Energieträger endet im Jahr

              2100. Die Atomenergie hat keine Zukunft: Sie ist

              ökologisch schädlich, birgt ungeheure

              Sicherheitsrisiken und die Gefahr einer

              Proliferation von Atomwaffen. Im FFES ist der

              Ausstiegstermin das Jahr 2010. Erneuerbare Energien

              werden schrittweise eingeführt. Bestimmte

              Technologien wie große Wasserkraftwerke,

              Müllverbrennungsanlagen sowie bestimmte

              Aufforstungsarten kommen aus ökologischen Gründen

              nicht in Betracht.

              Globale Angleichung der Einkommen

              Ein Viertel der Weltbevölkerung im Norden

              konsumiert mehr als 70 Prozent der weltweit

              kommerziell bereitgestellten Energie, während

              dreiviertel der Weltbevölkerung (vorwiegend in

              'Dritte-Welt'-Ländern) mit weniger als 30 Prozent

              Vorlieb nehmen. Das Gefälle zwischen Arm und Reich

              ist ungerecht und unhaltbar. Und: Wo Armut, Hunger

              und Obdachlosigkeit herrschen, kann nicht ernsthaft

              der Schutz der Umwelt und des Klimas gefordert

              werden.

              Solange diese Ungleichheit fortgeschrieben wird,

              ist an eine durchgreifende Umweltpolitik nicht zu

              denken. Die Studie verfolgt daher das Ziel, die

              durchschnittliche Einkommensdifferenz zwischen den

              reichsten und den ärmsten Regionen der Welt von

              heute 14:1 auf nicht mehr als 2:1 im Jahr 2100 zu

              verringern.

              Atomausstieg jetzt

              Die großen Energieversorger haben die Klimagefahr

              entdeckt. Handeln, so verkünden sie in riesigen

              Anzeigen, sei das Gebot der Stunde, 'damit die Erde

              nicht zum Treibhaus wird.' Atomkraftwerke zum

              Schutz der Erdatmosphäre - als gebe es keine

              Atomkatastrophen, keine Wiederaufarbeitung, keinen

              ewig strahlenden Müll und keinen Plutoniumhandel.

              Nach 50 Jahren weltweiter Anstrengung und

              billionenschwerer Investitionen - allein in

              Deutschland waren es 12 Milliarden Mark - deckt die




              Atomenergie heute weniger als fünf Prozent des

              Primärenergiebedarfs. Atomstrom ist der teuerste

              und gefährlichste Weg, CO2-Emissionen zu vermeiden:

              Stromeinsparung, Kraft-Wärme-Kopplung und die

              Nutzung erneuerbarer Energien drosseln CO2, sind

              umweltschonend und erheblich kostengünstiger als

              Atomstrom. Hätten die Verantwortlichen in der

              deutschen Politik und Wirtschaft in den siebziger

              und achtziger Jahren anstatt in Atomenergie in

              Technologien für einen effizienten Energieeinsatz

              investiert, wären die CO2- Emissionen im Jahre 1987

              um circa 40 Prozent niedriger gewesen. Die

              Atomtechnik verschlingt ungeheure Summen und

              blockiert alternative Entwicklungen. Der Ausstieg

              aus der Atomenergie würde den Weg freimachen für

              den Umbau des Energiesystems und zu einem wirksamen

              Schutz des Klimas.

              Ergebnisse

              Das alternative Energiesystem

              Das alternative Energieszenario zeigt, daß der

              gesamte Energiebedarf in Zukunft ohne fossile

              Brennstoffe und Atomenergie gedeckt werden kann.

              Dieses Resultat ist selbst mit den konservativen

              Annahmen, wie sie die Studie zugrundelegt, zu

              erzielen: daß die Wirtschaft weiter wächst, daß am

              Lebensstil der Industrienationen nicht gerüttelt

              wird und die Weltbevölkerung sich verdoppelt. Wenn

              die im FFES vorgeschlagenen Maßnahmen auf

              politischer und technischer Ebene umgesetzt werden,

              sind folgende Ergebnisse möglich:

              - Die Energieintensität13 sinkt aufgrund

              effizienterer Nutzung und struktureller

              wirtschaftlicher Anderungen um 2,5 Prozent

              jährlich.

              - Der Beitrag erneuerbarer Energien zur globalen

              Energieversorgung erhöht sich um 540 Prozent und

              deckt fast zwei Drittel des weltweiten Bedarfs bis

              zum Jahr 2030.

              - Bis zum Jahr 2005 werden die CO2-Emissionen der

              Industrieländer um 20 Prozent gedrosselt. Global

              erreicht der CO2-Ausstoß aus fossilen Brennstoffen

              im Jahr 2000 einen Höhepunkt und nimmt danach

              deutlich ab.

              - Bis zum Jahr 2030 sinken die CO2-Emissionen

              weltweit um 50 Prozent (demgegenüber steigen sie um

              100 Prozent, wenn nichts unternommen wird). Ab

              2100, also mit dem Ausstieg, wird kein weiteres

              Kohlendioxid aus fossilen Brennstoffen mehr

              emittiert.

              - Obwohl die CO2-Emissionen sinken, erhöht sich der

              Gesamtenergieverbrauch im Laufe der kommenden

              vierzig Jahre um 16 Prozent.

              - Die über den Gesamtzeitraum (1988-2100)

              emittierte Kohlenstoffmenge übersteigt nicht 314

              Milliarden Tonnen.

              Effiziente Energienutzung

              Keine andere Option eröffnet kurz- und

              mittelfristig so wirksame und kostengünstige

              Möglichkeiten, den Treibhauseffekt zu senken wie

              der effiziente Einsatz von Energie. Die tatsächlich

              vorhandenen Einsparmöglichkeiten wurden selbst im

              Umfeld der Erdölkrise in den siebziger Jahren bei

              weitem nicht ausgeschöpft. Bei gleicher oder

              besserer Energiedienstleistung bestehen z.B. im

              Verkehrssektor, in der Industrie, in Haushalten

              etc. Einsparpotentiale von 15 bis 90 Prozent. Bis

              zum Jahr 2030 kann der durch Wirtschafts- und

              Bevölkerungswachstum steigende Energiebedarf durch

              den Einsatz effizienter Technologien ausgeglichen

              werden. Eine verbesserte Energieintensität von

              jährlich 2,5 Prozent wird projektiert; nach 2030

              sinkt diese Rate auf 0,5 Prozent. Bedingt durch

              anhaltendes Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum

              steigt der Energieverbrauch nach 2030 stetig an.

              Bis zum Jahr 2030 wird durch den Umstieg von Kohle

              und Öl auf Erdgas ein wichtiger Beitrag zur

              Minderung der CO2- Emissionen erreicht. Dieser ist

              Teil einer umfassenden Strategie, die

              Energieeinsparungen klar den Vorrang gibt; Kohle

              und Öl werden nur dort durch Erdgas ersetzt, wo der

              Einsatz regenerativer Energien kurzfristig nicht

              machbar ist. Es versteht sich von selbst, daß beim

              Einsatz von Erdgas effizienteste Technologien

              (Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, Brennwertkessel)

              verwendet werden. Da bei der Förderung und dem

              Transport von Erdgas Methan frei wird und die

              Treibhauswirksamkeit dieses Gases noch 25 mal höher

              ist als von CO2, ist eine effektive Minderung der

              Emissionen unerläßlich.

              Erneuerbare Energiequellen

              Die Weichen für den Einsatz erneuerbarer

              Energiequellen müssen in den nächsten Jahren

              gestellt werden, damit diese ab dem Jahr 2030

              stärkere Verbreitung finden können. Die

              Erschließung der vorhandenen

              Energieeinsparpotentiale in den nächsten

              Jahrzehnten ist aus ökologischen wie ökonomischen

              Gründen Voraussetzung für den breiten Einsatz

              erneuerbarer Energien. Im Jahr 2000 decken die

              erneuerbaren Energiequellen etwas mehr als 20

              Prozent des Gesamtenergiebedarfs, 2010 sind es

              bereits 26 Prozent und 2030 über 60 Prozent.

              Biomasse - also Holz und organische Abfälle in

              festem, gasförmigem oder flüssigem Zustand - und

              Windenergie liefern in den kommenden vierzig Jahren

              den größten Teil dieser Energiequellen. Bei der

              Biomassegewinnung werden CO2- neutrale

              Anbaumethoden zugrundegelegt. Nach dem Jahr 2030

              nimmt der Beitrag der solarphotovoltaischen,

              solarthermischen Technologien und anderer

              Sonnenenergiesysteme, die mit Wasserstoff als

              Speicher- und Transportmedium arbeiten, ständig zu;

              der Anteil deckt im Jahre 2100 annähernd 80 Prozent

              des Weltenergiebedarfs.

              Haushalt

              Trotz eines weltweiten Bevölkerungswachstums, der

              zunehmenden Zahl von Haushalten und eines insgesamt

              höheren Elektrifizierungsgrades sinkt der

              Energieverbrauch der Haushalte bis zur Mitte des

              nächsten Jahrhunderts auf etwa 47 EJ (Exa Joule)

              und steigt bis zum Jahr 2100 auf 54 EJ, was dem

              Niveau von 1988 entspricht. Im Süden verdoppelt

              sich der Engergieverbrauch, im Norden geht er um

              circa 67 Prozent zurück.

              Transport und Verkehr: Vergleich zweier Szenarien

              Die CO2-Emissionen aus fossilen Kraftstoffen sinken

              bis 2030 um mehr als 40 Prozent und bis 2100 um 100

              Prozent.

              Szenario 1: Alles wie gehabt

              Dieses Szenario geht davon aus, daß im gesamten

              Zeitraum keine wesentlichen politischen Maßnahmen

              oder technologischen Veränderungen initiiert

              werden. Die in einigen Regionen bereits

              eingeführten Maßnahmen im Verkehrssektor fließen

              jedoch mit ein. Darüber hinaus wurden zwei weitere

              Annahmen zugrunde gelegt:

              - Die Kraftstoffeffizienz bei PKW und Lieferwagen

              erhöht sich um bescheidene zwei Prozent jährlich

              von 1993 bis 2030. Danach bleibt der Status quo

              erhalten. Motorräder, Schwerlastwagen und Autobusse

              verbrauchen genau so viel Sprit wie heute.

              - Die Zahl der Kraftfahrzeuge (heute 680 Millionen)

              wird nicht eingeschränkt und ein weiteres Wachstum

              dieser Branche einkalkuliert: Im Jahr 2030 gibt es

              danach auf der Welt 1.620 Millionen Kraftfahrzeuge,

              bis 2100 wächst ihre Zahl auf 4.930 Millionen.

              Wenn dieses Szenario Wirklichkeit wird, steigen die

              CO2- Emissionen des Transportsektors bis zum Jahr

              2030 um 68 Prozent, im Jahr 2100 liegen sie um 490

              Prozent höher als heute.

              Szenario 2: Ausstieg aus fossilen Kraftstoffen

              Die Fahrzeuge verbrauchen weniger Kraftstoff, ihre

              Anzahl wird beschränkt, und allmählich kommen

              Vehikel auf den Markt, die nicht mit fossilem

              Kraftstoff betrieben werden. Folgende Annahmen

              wurden zugrunde gelegt:

              - Während die Fahrzeuge heute durchschnittlich 8,4

              bis 7,3 Liter auf 100 Stundenkilometer verbrauchen,

              sinkt der Treibstoffverbrauch bis zum Jahr 2030 auf

              4,2 bis 3,6 Liter.

              - Die Gesamtanzahl der Fahrzeuge wird auf 960

              Millionen im Jahr 2010, 1.150 Millionen im Jahr

              2030 und 1.600 Millionen im Jahr 2100

              eingeschränkt.

              - Alternative Kraftstoffe kommen auf den Markt,

              solarelektrische und Sonnenenergie- Wasserstoff

              - Systeme werden zwischen 2015 und 2020

              konkurrenzfähig werden. Sie decken 2030 ca.30

              Prozent und 2100 ca.80 Prozent des

              Energieverbrauchs für Kraftfahrzeuge.

              Unter diesen Bedingungen sinken die CO2-Emissionen

              aus fossilen Kraftstoffen bis 2030 um mehr als 40

              Prozent und bis 2100 um 100 Prozent.

              Industrie

              Zwei Hauptentwicklungen bestimmen den

              Energieverbrauch und die CO2- Emissionen: zum einen

              das Wachstum, der Strukturwandel im

              Industriebereich und innerhalb der einzelnen

              Sektoren, zum anderen die Frage, welche

              Technologien und welche Energieträger zum Einsatz

              kommen. Das FFES geht davon aus, daß der

              industrielle Energieverbrauch von 90 EJ (1988) auf

              196 EJ (2.100) ansteigt - und zwar überwiegend nach

              2030. Bis etwa 2030 greifen effizienzverbessernde

              Maßnahmen und können das globale Wirtschafts- und

              Bevölkerungswachstum sogar überkompensieren. Der

              Süden wird einen ähnlichen Strukturwandel wie der

              Norden durchmachen: von energieintensiven

              Industrien hin zu energiesparsameren

              Dienstleistungen.

              Dienstleistungen

              In keinem anderen Bereich steigt der

              Sekundärenergieverbrauch so massiv an wie in

              diesem, wo Handel, Gesundheit, Bildung,

              Kommunikation und vieles mehr zusammengefaßt sind.

              Der Verbrauch verdreifachte sich zwischen 1988 und

              2100, wobei der Strukturwandel von Schwer- und

              Grundstoffindustrie hin zu Dienstleistungen im

              Norden bereits im Gang ist. Wie in den Haushalten

              eröffnen sich auch im Dienstleistungsbereich

              immense Einsparmöglichkeiten (besonders beim

              Heizen, Kühlen und Beleuchten). Bei der Verwendung

              elektrischer Geräte (Computer, Kopierer etc) kann

              ebenfalls reichlich Strom eingespart werden.

              Untersuchungen über die USA, Thailand und die

              OECD-Länder weisen auf Effizienzpotentiale von 40

              bis 80 Prozent bis zum Jahr 2030 hin, was einer

              jährlichen Rate von 2,5 bis 5 Prozent entspricht.

              Geschütztes Klima

              Wenn die Maßnahmen des alternativen

              Energieszenarios in die Tat umgesetzt werden,

              verringert sich die Gefahr einer akuten

              Klimaveränderung wesentlich. Die Mittel sind jedoch

              zu schwach, um eine Klimakatastrophe ganz

              auszuschließen. Die nächsten 40 Jahre werden für

              die Zukunft des Klimas und damit für die Erde

              entscheidend sein. Wenn weiter sorglos CO2 in die

              Atmosphäre geblasen wird, wird die Erwärmung

              voranschreiten. Jedes Jahrzehnt des Zögerns

              bedeutet für unseren Planeten einen

              Temperaturanstieg von 0,4 Grad Celsius. Das FFES

              will den globalen CO2-Ausstoß binnen eines

              Jahrzehnts einfrieren und die Emissionen der

              Industrienationen bis 2005 um 20 Prozent

              vermindern. Wenn global die CO2- Emissionen bis zum

              Jahr 2030 halbiert werden und der gesamte

              Kohlenstoffausstoß aus fossilen Brennstoffen sich

              bis zum Jahr 2100 auf 314 Milliarden Tonnen

              einpendelt, wird sich der globale

              Temperaturmittelwert gegenüber der vorindustriellen

              Zeit noch immer um 1,5 Grad Celsius erhöhen.

              Allerdings verringert sich der Temperaturanstieg

              von heute 0,2 bis 0,3 Grad Celsius pro Jahrzehnt

              auf weniger als 0,1 Grad Celsius im Jahr 2030. Erst

              ab 2070 beginnt die Durchschnittstemperatur zu

              fallen. Der Anstieg des Meeresspiegels übersteigt

              22 Zentimeter nicht.Im FFES werden also die

              Zielvorgaben der Studie zum Schutz des Klimas

              erfüllt. Veränderungen für einen wirksamen Schutz

              des Klimas stellen sich langsam ein. Die bis heute

              angestoßene Temperaturerhöhung ist nicht rückgängig

              zu machen, riesige Schadstofffrachten sind bereits

              in die Atmosphäre entwichen. Mit den Maßnahmen des

              FFES kann der dramatische Trend jedoch aufgehalten

              werden. Ohne die Verwirklichung des Szenarios wird

              die Temperatur global um vier Prozent, der

              Meeresspiegel um 66 Zentimeter ansteigen - Tendenz

              weiter steigend. Aber auch wenn die Ratschläge des

              FFES befolgt werden, besteht keine Gewähr, daß

              Klima und Umwelt wirksamen Schutz erfahren. Dieses

              könnte erst durch eine noch schnellere Drosselung

              der CO2- Emissionen bewirkt werden als hier

              vorgeschlagen.

              Umbau des Energiesystems

              Maßnahmen zum Umbau des Energiesystems

              Die Frage, ob in Zukunft ein umweltschonendes

              Energiesystem eine Chance hat und ein dramatischer

              Klimawandel abgewendet wird, entscheidet sich auf

              der politischen Bühne. Die technischen Mittel für

              den Umbau des Energiesystems sind im wesentlichen

              vorhanden. Bisher brauchten neue Energieträger etwa

              fünfzig Jahre, bis sie zehn Prozent des

              Weltenergiebedarfs decken konnten. Mit den

              Maßnahmen des FFES können erneuerbare

              Energiequellen ihren Anteil an der

              Gesamtenergieversorgung innerhalb der nächsten

              vierzig Jahre von 14 Prozent auf über 60 Prozent

              steigern. Im gleichen Zeitraum erhöht sich die

              Energieeffizienz jährlich um mehr als 2,5 Prozent.

              Das ist keine Utopie. Bereits zwischen 1973 und

              1986 wurde, ausgelöst durch die Ölkrise, in vielen

              Ländern Energie in gleichem Umfang und mehr

              eingespart; politische Maßnahmen waren Motor dieser

              Entwicklung. Folgende Maßnahmen führen laut FFES

              zum stufenweisen

              Umbau des Energiesystems mit der für den Schutz der

              Klimas erforderlichen Reduktion des CO2-Ausstoßes:

              - Ausstieg aus der Atomkraft

              - intelligente, d.h. effiziente Energienutzung

              - rasche Einführung ausgewählter Technologien zur

              Nutzung erneuerbarer Energiequellen

              - Umstellung auf fossile Brennstoffe mit geringerem

              Kohlenstoffgehalt

              - Stopp der Abholzung und ökologisch tragbare

              Aufforstungsmaßnahmen (zur Aufnahme von

              überschüssigem Kohlenstoff)

              Zur Umsetzung solcher Schritte sind weitreichende

              politische Maßnahmen erforderlich. Die Politik muß

              sich in den kommenden Jahrzehnten in all jenen

              Bereichen umorientieren, in denen das neue

              Energiesystem gefördert und die Tradition der

              Verschwendung beendet werden kann. Dazu gehören:

              - Preispolitik

              - Energiemarkt

              - Forschung und Entwicklung

              - Transport und Verkehr

              - Das Nord-Süd-Gefälle

              - Internationale Abkommen

              - Internationale Energieagenturen

              Die Entwicklung dieser neuen Politik würde durch

              verbindliche internationale Abkommen über den

              Schutz des Klimas initiiert.

              Preispolitik: Keine Subventionen für

              fossile Energie

              In den vergangenen fünfzig Jahren förderte die

              Politik fossile Energieträger und Atomenergie z.B.

              durch Gesetzgebung und Subventionen. Damit greift

              die Politik massiv in den Markt ein und behindert

              die Verbreitung kostengünstiger, effizienter

              Technologien im Bereich erneuerbarer Energien. Eine

              korrigierte Energiepreispolitik allein wird die

              globale Erwärmung nicht verhindern. Als Teil einer

              umfassenderen Strategie jedoch ist sie unerläßlich,

              da sie Investitionsentscheidungen beeinflußt.

              Folgende Maßnahmen führen im FFES zur Umgestaltung

              des Energiesystems:

              - Einführung einer Energiesteuer, die zunehmend die

              tatsächlichen Kosten der durch fossile Brennstoffe

              und Atomenergie verursachten Schäden

              berücksichtigt. Bisher werden diese Kosten

              (z.B.Gesundheitsschäden, Waldsterben,

              Luftverschmutzung) der Allgemeinheit aufgebürdet.

              - Eine schrittweise Erhöhung des Energiepreises auf

              ein Niveau, das mindestens zweimal über dem

              heutigen Erdölpreis liegt.

              - Förderprogramme für die Entwicklung erneuerbarer

              Energien, wie sie in Deutschland, Großbritannien,

              Italien, Holland, Dänemark und verschiedenen

              amerikanischen Bundesstaaten bereits gewährt

              werden.

              - Verpflichtung der Energieversorger,

              umweltschonende, erneuerbarer Energien zu

              angemessenen Preisen zu verkaufen. Einige

              Unternehmen in den USA ( z.B. Bonneville Power,

              Sacramento Municipal Utility und Pacific Gas und

              Electric (PG&E)) gehen mit gutem Beispiel voran.

              - Anderung der Verordnungen, innerhalb derer die

              meisten Gas- und Elektrizitätsgesellschaften

              agieren. Finanzielle Anreize für den Verkauf von

              mehr Gas oder Elektrizität darf es nicht mehr

              geben.

              - Streichung der Subventionen für die

              Fossilbrennstoffe und Atomindustrien, die sich

              allein in den USA jährlich auf 44 Milliarden Dollar

              belaufen (Preise 1984). Auch die Steuerfreibeträge

              für Erdöl- und Erdgasexplorationen sowie eine Reihe

              anderer Zuschüsse, z. B. Steuererleichterungen für

              Firmenautos, sind aufzuheben.

              - Keinerlei staatliche Finanzierung mehr für

              Forschung und Entwicklung im Bereich fossile

              Brennstoffe und Atomenergie, ausgenommen Mittel für

              Sicherheits- oder Stillegungsmaßnahmen.

              Energiemarkt: Bessere Chancen für

              Alternativen

              Neben einer neuen Energiepreispolitik ist eine

              Marktregulierung nötig, damit die Monopolstellung

              der Energiekonzerne aufgebrochen wird. In den USA,

              Japan und den meisten westeuropäischen Ländern

              funktioniert die Kontrolle bei Baunormen,

              Geräteleistung und Sicherheit. Genauso wesentlich

              ist sie zur Förderung einer größeren

              Energieeffizienz. Die politischen Maßnahmen dazu

              lauten:

              - Neue, an Effizienz orientierte, bindende

              Energiestandards für Geräte, Kraftfahrzeuge,

              Gebäude, Industriemotoren und Technologien.

              Staatlich festgesetzte Standards sind in Ländern

              wie Deutschland, Japan und USA bereits wirksam.

              - Integrierte Ressourcenplanung (IRP): Die Gas- und

              Elektrizitätswirtschaft müssen verpflichtet werden,

              vor dem Bau neuer Kraftwerke den finanziellen

              Aufwand zu projektieren (einschließlich

              Umweltkosten), mit den Kosten für Maßnahmen zur

              Effizienzverbesserung und/oder zur Nutzung

              erneuerbarer Energiequellen zu vergleichen und der

              kostengünstigeren Variante den Vorzug zu geben.

              - Finanzierungsprogramme für DSM (Demand Side

              Management), das sich stärker an Dienstleistungen

              für den Kunden orientiert. Bisher machten die

              Energieversorgungsunternehmen (EVU) dann Gewinne,

              wenn viel Energie verkauft wurde. Ein ständig

              steigender Energieverbrauch erschien wünschenswert,

              Energiesparen hingegen 'schadete' den EVU. Mit der

              neuen Managementmethode von DSM bieten die EVU ein

              Service-Paket an, das dem Kunden hilft, den

              Energieverbrauch einzuschränken. Für diese Beratung

              kommt der Kunde auf, der zum Ausgleich weniger Geld

              für Energie aufwenden muß. So bringt Energiesparen

              beiden Seiten, Anbietern und Kunden, Nutzen und

              trägt gleichzeitig zur CO2-Reduktion bei.

              DSM-Ausgaben verdoppeln sich in den USA von 3,1

              Milliarden Dollar jährlich auf etwa 7 Milliarden

              bis zum Jahr 1995. Ausgaben zwischen 10 bis 20

              Milliarden Dollar jährlich wären wirtschaftlich und

              würden das Klima schützen. Integrierte

              Ressourcenplanung und DSM sind heute in den USA an

              der Tagesordnung, werden in Europa in Ländern wie

              Holland, Dänemark und Norwegen zunehmend eingeführt

              und in Polen sowie der Tschechischen Republik aktiv

              gefördert.

              - Kaufprogramme nationaler und lokaler Behörden,

              d.h. Starthilfe für Effizienztechnologien und

              Solaranlagen, damit diese sich auf dem Markt

              behaupten können.

              - Gründung von Zentren für Effizienztechnologien

              und erneuerbare Energien im

              früheren COMECON (ehemaliger Wirtschaftsverbund in

              Osteuropa) und in vielen südlichen Ländern, in

              denen fast keine Daten über Energieverbrauch,

              Energiepreise und Geräte bzw. Anlagen verfügbar

              sind.

              Forschung: Alternativen nicht zum

              Nulltarif

              Für den schrittweisen Ausstieg aus dem

              herkömmlichen Energiesystem ist auch ein Umdenken

              in der Energieforschung und -entwicklung notwendig.

              Das zeigt schon ein Blick auf die Etats der

              Mitgliedsstaaten der Internationalen

              Energieagentur: Nur 12,5 Prozent ihres

              Jahresbudgets 1990 in Höhe von 7,675 Millionen

              Dollar waren für erneuerbare Energien und

              Energieeinsparung bestimmt. Mehr als 70 Prozent

              indessen verschlangen Förderprogramme für fossile

              Brennstoffe und Atomenergie. Alle Fördergelder für

              die Forschung und Entwicklung im Bereich fossiler

              Brennstoffe und Atomenergie müssen umgelenkt werden

              in erneuerbare Energien und Energieeinsparung.

              Transport und Verkehr: Maßnahmenbündel

              Eine Umstrukturierung des Energiesektors kann vor

              dem Transportsystem nicht haltmachen. 19 Prozent

              der CO2-Emissionen stammen direkt aus den

              Auspuffrohren der Fahrzeuge. Im Verkehrsbereich

              steigen die CO2-Emissionen schneller als in allen

              anderen Bereichen. Zu den erforderlichen Maßnahmen

              gehören eine integrierte Transportplanung,

              autofreie Innenstädte, verbindliche Standards für

              den maximalen Benzinverbrauch, die Förderung

              alternativer Kraftstoffe und der weitere Ausbau des

              öffentlichen Verkehrs. Der Spritverbrauch ist

              drastisch zu senken und die Fahrzeuganzahl zu

              beschränken. Allmählich werden Fahrzeuge eingeführt

              werden, die keine fossilen Kraftstoffe benötigen.

              Nord-Süd: Gefälle überwinden



              Obwohl die Kohlenstoffemissionen im Süden rasch

              zunehmen, bleibt der Norden Vorreiter: Die

              wenigen Industrienationen verursachen mehr als die

              Hälfte des gesamten Kohlenstoffausstoßes; in den

              kommenden vierzig Jahren wird diese Menge noch

              erhöhen. Eine Milliarde Menschen, hauptsächlich auf

              der Südhalbkugel, verfügt nur begrenzt über Energie

              zum Kochen, Heizen, Beleuchten und Transportieren.

              Gerade diesen Menschen bürdet der Norden die

              Hauptlast seiner unheilvollen Klimaaktivitäten auf.

              Beispielsweise würden sich die Wüsten im nördlichen

              Afrika, in Arabien und Zentralasien um hunderte

              Kilometer ausdehnen. Der Teufelskreis beginnt sich

              zu drehen, wenn die Armut, so schlimm sie schon für

              die Leidenden ist, noch das Umwelt-Desaster

              verschärft. An eine durchgreifende Umweltpolitik

              ist nicht zu denken, solange die Mehrzahl der

              Regierungen um das Überleben ihrer Bewohner kämpfen

              muß. Die Industrieländer des Nordens haben für eine

              Korrektur der weltweit ungleichen Verteilung der

              Ressourcen zu sorgen. Außerdem ist es notwendig,

              daß sie zu einer globalen, umweltverträglichen

              Entwicklungspolitik beitragen, die die Fehler der

              Industrieländer nicht wiederholt. Die

              Enquête-Kommission zum Schutz der Erdatmosphäre

              empfiehlt deshalb: 'Die absehbaren Klimaänderungen

              werden bisher weit überwiegend von den

              Industrieländern verursacht. Mit Blick auf die

              Folgen für das Klima ist die bisherige

              Wirtschaftsweise nicht verallgemeinerungsfähig;

              ihre Nachahmung durch die Entwicklungsländer würde

              die Risiken ökologischer Katastrophen erhöhen. Die

              internationale Gemeinschaft wird aufgefordert,

              klimavertägliche Wirtschaftsformen zu finden und zu

              verwirklichen, in denen kein Land mehr zu Lasten

              anderer Länder, zu Lasten der Nachwelt und zu

              Lasten der natürlichen Mitwelt wirtschaftet.

              Folgende Maßnahmen sind in der Nord-Süd-Politik

              erforderlich:

              Schuldenerlaß für den Süden

              Eine entscheidende Maßnahme wäre die Erleichterung

              der Schuldenlast. Die Verschuldung des

              Südens beläuft sich derzeit auf 1,4 Billionen

              Dollar. Die dem Süden abverlangten Tilgungs- und

              Zinszahlungen ziehen ein Nettokapital von jährlich

              etwa 50 Milliarden Dollar vom Süden in den Norden

              ab. Diese enorme Schuldenlast macht vielen Ländern

              schon die Ernährung ihrer Bürger unmöglich. Sie

              können sich auf keinen Fall Investitionen in

              Effizienztechnologien und erneuerbare Energien

              leisten, selbst wenn dadurch langfristig

              Einsparungen erzielt würden.

              Weltbank muß umdenken

              Die Weltbank gibt jährlich direkt drei bis vier

              Milliarden Dollar für Energieprojekte aus und

              finanziert Kredite in Höhe von 20 Milliarden

              Dollar. Diese Kredite werden hauptsächlich für

              riesige Staudämme, Kohlekraftwerke und Straßen

              verwendet, also für umweltschädigende

              'Mammutprojekte' ineffizienter Energienutzung.

              Weniger als ein Prozent der Gelder sind für

              Effizienztechnologien und kleine Anlagen zur

              Nutzung erneuerbarer Energie bestimmt. Die

              Förderung dieser beiden Energiequellen sollte aber

              zu einem wesentlichen Kriterium der Geldvergabe

              werden. Darüber hinaus müssen die großen

              multilateralen Entwicklungsbanken ihre Politik

              endlich an Umwelt-und Klimabelangen orientieren.

              Kein Export von Technologiemüll

              Der Norden verkauft seine ausrangierten,

              umweltzerstörenden Technologien gern (und billig)

              in den Süden. Diese Exporte von Technologiemüll

              müssen unbedingt verhindert werden - mit

              finanzieller Unterstützung für die Zielländer und

              mit Gesetzen. Den Entwicklungsländern ist der

              Zugang zu neuen, umweltschonenden Technologien zu

              erleichtern. Damit würden sich die Möglichkeiten

              jener Länder verbessern, eigene, angepaßte

              Technologien zu entwickeln.

              Internationale Abkommen: Wo ein Wille

              ist

              Auf der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in

              Rio de Janeiro im Juni 1992 einigten sich 150

              Staaten per Unterzeichnung einer 'Klimakonvention'

              darauf, 'die Treibhausgas Konzentrationen in der

              Atmosphäre auf einem Niveau zu stabilisieren, auf

              dem ein gefährlicher, vom Menschen verursachter

              Wandel des globalen Klimas noch verhindert werden

              kann.' Leider ist dieses nicht mehr als eine

              Willensbekundung. Das Vertragswerk verlangt von den

              Unterzeichnern lediglich, die Emissionen auf den

              Stand von 1990 einzufrieren - ohne zeitliche

              Vorgaben.

              So ist die Konvention nur als erster Schritt zu

              betrachten und dringend durch eine Verpflichtung

              der Unterzeichner zur CO2-Reduktion zu ergänzen.

              Wenn eine neue Energiepolitik tatsächlich

              vorangetrieben werden soll, müssen strenge

              Protokolle über Energieeffizienz und erneuerbare

              Energie ausgehandelt werden. Diese würden den

              Unterzeichnerstaaten massive Auflagen machen und

              sie zu einer Umsetzung der Maßnahmen in einem

              festgelgten Zeitraum verpflichten. Eine Beteiligung

              der Schwellen- und Entwicklungsländer ist

              unerläßlich.

              Internationale Energieagenturen: Neuer

              Wind

              Keine der etablierten internationalen

              Energieagenturen läßt sich von Umweltbelangen

              leiten. Internationale Organisationen fördern Erdöl

              (OPEC), Kohle (Internationale Energieagentur) und

              Atomkraft (Internationale Atomenergie-

              Organisation). Transnationale Gesellschaften machen

              sich für Öl, Kohle, Gas und Atomenergie stark. Es

              besteht keine entsprechende internationale

              Organisation für Effizienztechnologien und

              erneuerbare Energien. In den letzten zehn Jahren

              beliefen sich die Energiekredite multilateraler

              Entwicklungsbanken wie der Weltbank auf insgesamt

              mehr als 50 Milliarden Dollar. Weniger als ein

              Prozent der Weltbank-Darlehen für Energie entfiel

              auf die Förderung eines effizienteren

              Energieverbrauchs und dies, obwohl solche

              Investitionen rentabler sind als Aufwendungen für

              neue Energieangebote. Greenpeace befürwortet die

              Gründung einer neuen internationalen Agentur für

              die Entwicklung und Förderung von erneuerbaren

              Energien und Effizienztechnologien: TREEs

              (Technologies for Renewables and EnergyEfficiency).

              Die Agentur TREEs könnte als Zentralstelle für

              Energiekredite, Forschung und Entwicklung,

              Technologieaustausch, Ausbildung und Information

              dienen. Sie würde auch gewährleisten, daß die

              Vereinten Nationen, Entwicklungsbanken und andere

              Organisationen Maßnahmen ergreifen, um die CO2 -

              Emissionen drastisch zu senken. Eine in

              Industrieländern erhobene Abgabe von einem Dollar

              auf jede Energieeinheit (entspricht einem Barrel)

              nicht erneuerbarer Energie würde Jahreseinnahmen

              von mehr als 50 Milliarden Dollar für die

              Finanzierung einer solchen Agentur einbringen.

              Kosten

              Keine Mehrkosten für das neue

              Energiesystem

              Natürlich sind ökonomische Analysen über einen

              Zeitraum von hundert oder mehr Jahren mit großen

              Unwägbarkeiten verbunden. Dennoch läßt sich zeigen,

              daß die Kosten des fossilfreien

              Energieszenarios niedriger, eventuell gleich hoch

              sind wie die Ausgaben für eine Fortsetzung der

              gegenwärtigen, weltweiten Energiepolitik. Die

              Verbraucher bezahlen möglicherweise mehr für eine

              Energieeinheit, benötigen aber weniger Energie für

              die gleiche Beleuchtung, Heizkraft und Mobilität.

              Das FFES ist bei der Einführung neuer Technologien

              in den nächsten zwanzig oder dreißig Jahren

              zurückhaltend, um den finanziellen Rahmen in

              Grenzen zu halten. Es berücksichtigt nur

              Technologien, die wirtschaftlich gewinnbringend

              oder zumindest nicht mit erheblichen Mehrkosten

              verbunden sind. Der Schwerpunkt liegt auf

              erprobten, marktnahen Technologien. Windenergie

              beispielsweise ist heute in günstigen

              geographischen Lagen bereits wirtschaftlich, die

              Nutzung von Sonnenenergie hingegen rentiert sich

              nach diesem Modell erst zwischen den Jahren 2010

              bis 2015. Das Boston Centre des Stockholm

              Environment Institute bewertete über 100 Studien

              über die potentielle Senkung des Energiebedarfs und

              der Kohlendioxidemissionen. Dazu gehörten die

              amerikanischen Studien 'America's Energy Choices'

              und 'Energy, Efficiency, Developing Nations and

              Eastern Europe' sowie die europäische Studie

              'Energy and Climate Change'. 'America's Energy

              Choices' zeigt, daß die CO2 Emissionen bis 2030 um

              70 Prozent herabgesetzt und dadurch 2,3 Milliarden

              Dollar eingespart werden können. 'Energy

              Efficiency, Developing Nations and Eastern Europe',

              eine amerikanische Studie, kommt zu dem Schluß, daß

              eine effiziente Energienutzung bis zum Jahr 2025

              den kumulativen Kapitalbedarf in Osteuropa und im

              Süden von 4.657 Milliarden auf 2.320 Milliarden

              Dollar weltweit und von 7.785 Milliarden auf 4.111

              Milliarden Dollar vermindern würde. 'Energy and

              Climate Change' befaßt sich mit den fünf größten

              westeuropäischen Ländern und projektiert für das

              Jahr 2020 CO2-Reduktionen bis zu 58 Prozent. Daraus

              ergeben sich für den Verbraucher Einsparungen

              zwischen zwei und 27 Prozent gegenüber heute.

              Greenpeace-Berater Paul Waide gab die Daten in ein

              makroökonomisches Modell ein, das Brennstoffpreise,

              Einkommen und den damit verbundenen Energiebedarf

              errechnet. Das Modell sieht vor, daß alle Mittel

              aus staatlich finanzierten Forschungs- und

              Entwicklungsprojekten für Atomenergie und fossile

              Brennstoffe abgezogen und auf erneuerbare Energien

              und Effizienztechnologien verlagert werden. Weiter

              werden strenge Vorgaben für eine CO2-Reduktion,

              Standards für Energieeffizienz und eine

              Kohlenstoffsteuer

              vorgeschlagen, die innerhalb von 65 Jahren von

              17,20 auf 150 Dollar pro Tonne ansteigt. Eine

              Besteuerung der Atomenergie ist nicht mehr nötig,

              da diese ab 2010 ausläuft. Die gesamten

              Energiekosten sind im FFES niedriger als in

              herkömmlichen Energieszenarien. Außerdem fallen im

              FFES die hohen Kosten der durch fossile Brennstoffe

              verursachten Umweltschäden weg. Damit werden

              umfangreiche Mittel für Investitionen in

              Effizienztechnologien frei. Der Einsatz

              regenerativer Energien und die Erhöhung der

              Energieeffizienz ist nicht mit Mehrkosten

              verbunden, wie die Studien zeigen.

              Externe Kosten: Was kostet ein

              Menschenleben?

              Externe Kosten sind monetarisierbare (in Geld

              bewertbare), negative Effekte, die nicht in die

              wirtschaftlichen Kalkulationen der

              Energieproduzenten und -verbraucher eingehen und

              insbesondere nicht in der Preisbildung enthalten

              sind.16 Was wir heute für Energie (Sprit-,

              Heiz-öl-, Stromrechnungen) bezahlen, spiegelt nicht

              annähernd die tatsächlichen Kosten wider, die mit

              dieser Energienutzung verbunden sind. Für die

              Ausgaben, die durch Waldsterben, Gebäudeschäden,

              Luftverschmutzung und Klimaveränderung entstehen,

              zahlen nichtdiejenigen, die diese Schäden

              verursachen.

              Beispiel Treibhauseffekt:

              Bis zum Jahr 2030 wird der Treibhauseffekt die

              Menschheit 907 Billionen Dollar kosten, so das

              1992 veröffentlichte Ergebnis der Studie 'The Costs

              of Climate Changes', die von der Brüsseler EG-

              Kommission beim Fraunhofer Institut für

              Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI) in

              Auftrag gegeben wurde. Schäden an bebauten und

              unbebauten Ländereien durch den ansteigenden

              Meeresspiegel bezifferten die Forscher mit 2,9

              Billionen Dollar, Sturmschäden mit 200 Milliarden

              Dollar und das Sinken der Agrarproduktion mit 550

              Milliarden Dollar. Wenn man die Kosten für die in

              den nächsten Jahrzehnten auftretenden Schäden heute

              auf die Verursacher umlegen wollte, dann müßten

              diese je Tonne ausgestoßenes CO2 485 Dollar mehr

              bezahlen. Dadurch würde sich der Strompreis

              verachtfachen und der Benzinpreis verdoppeln.

              Allein die Deutschen müßten für die Klimafolgen

              jährlich 520 Milliarden Mark aufbringen. Die

              Berechnung und

              Bewertung von externen Kosten im Detail ist

              schwierig. Wieviel ist der Erholungswert des Waldes

              wert? Welchen Preis hat eine aussterbende Tierart?

              Wieviel kostet ein Menschenleben? Daß die

              'Internalisierung dieser externen Kosten' aber eine

              Vervielfachung der bisherigen Energiepreise

              bedeuten würde, ist unumstritten.

              Ausblick

              Über das Modell hinaus

              Greenpeace bat das 'Stockholm Environment

              Institute' und andere Berater, verschiedene

              Varianten des FFES zu erarbeiten. Diese Varianten

              ergeben sich aus unterschiedlichen Annahmen:

              geringeres Wirtschaftswachstum, langsamere

              Bevölkerungsentwicklung, veränderter Lebensstil weg

              von Quantität und hin zu Qualität, verschiedene

              Kosten für Energieträger und unterschiedlich

              schnelle Einführung von Effizienztechnologien.

              Folgende Annahmen wurden in acht Varianten des FFES

              verändert:

              - ein um 20 bzw. 35 Prozent vermindertes

              Wirtschaftwachstum

              - ein wirtschaftlicher Strukturwandel (weniger

              Schwerindustrie, mehr Dienstleistungen)

              - niedrigere Weltbevölkerung (6,4 bzw. 8 Milliarden

              Menschen, statt 11 Milliarden)

              - die langsamere Einführung von

              Effizienztechnologien

              - ein niedrigerer Energieverbrauch pro Kopf. Auf

              der Basis dieser Annahmen wird global wesentlich

              weniger Energie verbraucht - mit bedeutsamen

              Effekten: Die Bodenfläche, die bis zum Jahr 2100

              für die Erschließung erneuerbarer Energie

              bereitgestellt werden muß, sinkt von den

              veranschlagten neun Prozent der Wälder, Wiesen und

              des Kulturlandes auf weniger als drei Prozent. Die

              Kohlenstoffemissionen können schneller reduziert

              werden - und zwar um annähernd 60 Prozent bis zum

              Jahr 2030. Der kumulierte Kohlenstoffausstoß der

              Jahre 1988 bis 2100 sinkt auf 284 Milliarden

              Tonnen. Allein diese Angaben legen dar, wie

              grundlegend ein schnelles Handeln ist. Wird dagegen

              die Geschwindigkeit der Einführung von

              Effizienztechnologien um ein Drittel herabgesetzt,

              erhöht sich der Kohlenstoffausstoß um 27 Prozent

              auf fast 400 Milliarden Tonnen bis zum Jahr 2100.

              Ökologische Grenzen respektieren

              Energie ist die Grundlage des Lebens. Ohne die

              Sonnenwärme wäre der Planet Erde kalt und unbelebt.

              In den vergangenen 200 Jahren koppelten sich die

              Menschen zunehmend von den natürlichen

              Sonnenenergieströmen ab, um auf immer größere

              Mengen endlicher Ressourcen wie fossile Brennstoffe

              und Uran zu bauen. Diese jedoch belasten die Erde

              und ihre Bewohner in einem noch nie dagewesenen

              Ausmaß. Der Raubbau an den Ressourcen

              zerstört die Ökosysteme und bedroht die

              Lebensgrundlage aller Lebewesen. Die Erde gibt, was

              die Lebewesen brauchen, in Hülle und Fülle, aber

              nur, wenn die ökologischen Grenzen respektiert

              werden. Das Überschreiten dieser Grenzen, also die

              leichtsinnige Verschwendung von Energie, stellt das

              Überleben zukünftiger Generationen in Frage. Der

              Energiehandel ist

              ein Milliardengeschäft, an dem einige der weltweit

              größten und mächtigsten internationalen

              Gesellschaften beteiligt sind. Die Auswirkungen

              dieses Geschäfts auf die Umwelt werden von den

              Gesellschaften, die sie verkaufen, und von den

              Staaten, die wirtschaftlich davon abhängen, nicht

              oder kaum beachtet. Das muß sich ändern, sonst wird

              die Zukunft in noch stärkerem Maße als heute von

              chaotischen Klimaänderungen, Atomunfällen, Wald-

              und Artensterben und der Bedrohung unserer

              Gesundheit geprägt sein. Das heutige Energiesystem

              ist unzeitgemäß, es basiert auf einer extremen

              Ungleichheit. Ein Viertel der Weltbevölkerung im

              Norden verschleudert knapp zwei Drittel der

              weltweit kommerziell produzierten Energie. Der

              Norden muß seinen Lebensstil ändern und der

              Energieverschwendung Einhalt gebieten. Die Energie

              in Industrie, Büros, Haushalten und

              Transportsystemen kann problemlos auch intelligent

              eingesetzt werden. Wahrer Fortschritt beginnt, wo

              mit einem Minimum an Energie ein Maximum an Nutzen

              gewonnen wird. Der Ausstieg aus Atomenergie und

              fossilen Brennstoffen ist an der Zeit. An die

              Stelle dieser umweltzerstörenden Energiegewinnung

              können sofort erneuerbarer Energiequellen treten.

              Eine effizientere Energienutzung verlangt neue

              Technologien, neue Industrieinfrastrukturen und

              neue soziale Systeme. Mit angemessener

              Unterstützung seitens der Politik können diese

              unerschöpflichen Energiequellen in Zukunft den

              weltweiten Energiebedarf zu vernünftigen Preisen

              decken. Wird die Wahl der erneuerbaren Energien mit

              Bedacht getroffen, ist mit nur geringen Schäden für

              die Umwelt zu rechnen. Gigantische Staudämme oder

              Monokulturaufforstungen, wie sie die Politiker

              favorisieren, sind nicht tragbar. Die Zerstörung

              des globalen Ökosystems, z.B. durch weitere

              Abholzung, darf sich nicht fortsetzen. Alternativen

              in Forstwirtschaft, Landwirtschaft und Industrie

              müssen auf vernünftigen Grundsätzen beruhen und die

              Bedürfnisse der Bevölkerung berücksichtigen.

              Jahrzehnt der Entscheidung

              Ziel der Entwicklung ist die weltweite Angleichung

              der Lebensqualität und eine Verringerung der Kluft

              zwischen Arm und Reich. Dadurch würde ein

              geringeres Wachstum der Weltbevölkerung erzielt und

              der Energiebedarf sich verringern. Die Menschheit

              hat im Verlauf ihrer Geschichte wiederholt und mit

              enormen Konsequenzen für Umwelt und Lebewesen von

              einer schädlichen Energiequelle zur nächsten

              gewechselt: vom Holz zur Kohle, von der Kohle zum

              Erdöl. Obwohl die tatsächlichen Umwälzungen in der

              Energieversorgung Jahre in Anspruch nehmen, fällt

              die Entscheidung zur Umstellung meist innerhalb

              relativ kurzer Zeit. Wir brauchen ein 'Jahrzehnt

              der Entscheidung'. Die Welt steht am Scheideweg.

              Die rapide Zerstörung von Ökosystemen, schwindende

              Rohstoffvorräte und eine Belastung der Atmosphäre,

              der die Menschheit zum Opfer fallen könnte, prägen

              den Alltag. Selbst wenn man die (ganz realen)

              Möglichkeiten einer Klimaveränderung ausklammert,

              bestehen zwingende Gründe für eine Abkehr von

              fossilen Brennstoffen und Atomenergie: schwindende

              Ressourcen, Luftverschmutzung,

              Gewässerverunreinigung, radioaktive Verseuchung,

              Verbreitung von Atomwaffen, wachsende Atommüllberge

              sind die zu lösenden Probleme. Greenpeace ist

              überzeugt, daß bei der Planung der

              Energieversorgung die ganz reelle Gefahr einer

              Klimaveränderung berücksichtigt werden muß.

              Umweltschonende Energie ist für den Schutz der Erde

              und ihrer Bewohner unerläßlich. Die Risiken, mit

              Energie weiter zu prassen wie bisher, sind viel zu

              groß. Ein Leben ohne fossile

              Brennstoffe und ohne Atomenergie ist möglich. Und

              wenn die Bewohner der Erde die Atmosphäre und damit

              ihre eigene Zukunft schützen wollen, dann gibt es

              keine andere Wahl.

              Literaturliste

              Sean McCutcheon: Flüsse unter Strom - Megawattdrama

              James Bay/Kanada, Raben Verlag München, 1992

              Al Gore: Wege zum Gleichgewicht der Erde, S.

              Fischer Verlag, Frankfurt/M., 1992

              Ein klimaverträgliches Energiekonzept für

              Gesamtdeutschland - ohne Atomstrom, Greenpeace

              Studie, 1991

              Enquête Kommission: 'Schutz der Erdatmosphäre' des

              12. Deutschen Bundestages, 1. Bericht, Economica

              Verlag, Bonn, 1992

              Heinfried Wolff, Klaus Masuhr, Jan Keppler: Die

              externen Kosten der Energieversorgung,

              Schäffer-Poeschel Verlag Stuttgart, 1992

              Reiner Klingholz, Hartmut Graßl: Wir Klimamacher S.

              Fischer Verlag, Frankfurt/M., 1990

              Least-Cost Planning - Der Weg zum Umbau unseres

              Energieversorgungssystems, Greenpeace Studie, 1992

              Meadows, Donella und Dennis: Die neuen Grenzen des

              Wachstums, Deutsche Verlags Anstalt Stuttgart, 1992

              Eva Müller: Das Ende der Ölzeit - Strategie für

              eine saubere Wirtschaft in Deutschland, Fischer

              Taschenbuch Verlag, 1993

              Rosenkranz/Meichsner/Kriener: Die neue Offensive

              der Atomwirtschaft, C. H. Beck Verlag München, 1992

              Dieter Seifried: Gute Argumente: Energie C.H. Beck

              Verlag München, 1991

              Solar Energy Research Institute et al: The

              Potential for Renewable Energy An Interlaboratory

              White Paper Golden Co.

              March, 1990

              Stockholm Environment Institute-Boston Center:

              Towards A Fossil Free Energy Future - The Next

              Energy Transition, A

              Technical Analysis for Greenpeace International,

              1993

              Gerd Rainer Wagner: Unternehmung und ökologische

              Umwelt, Verlag Franz Vahlen München, 1990

              Ernst U. von Weizsäcker: Erdpolitik - Ökologische

              Realpolitik an der Schwelle zum Jahrhundert der

              Umwelt,

              Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 1990

              Öko - Institut Freiburg/Br.: Energiereport Europa

              S. Fischer Verlag, Frankfurt/M., 1991

              Mc Gowan 1989, T.: 'Energy Efficient Lighting',

              Electricity: Efficient End-Use and new Generation

              Technologies and their

              Planning Implications. Lund University Press, Lund,

              Sweden, 1989










Haupt | Fügen Sie Referat | Kontakt | Impressum | Datenschutz







Neu artikel