GÜNTER GRASS
Im Krebsgang
Eine Novelle
1. Günter Grass, Leben und Werke
-
geboren am 16. Oktober 1927 in Danzig
- sein
Vater war Deutscher, seine Mutter Kaschubine (slawische Volksgruppe)
- mit
14 Jahren Eingliederung in die Hitlerjugend
- mit
17 von der deutschen Wehrmacht eingezogen und als Panzerschütze eingesetzt
- 1945
kam er aufgrund einer Verwundung Lazarett nach Böhmen
=> amerikanische Kriegsgefangenschaft
-
Bewältigung der Vergangenheit schon in der Kriegsgefangenschaft
-
Grass’ Eltern flüchteten aus Danzig, waren kurze Zeit in der SBZ und kamen
schließlich
Rheinland unter, erst 1946 hört Grass wieder von seinen Eltern und zieht
zu ihnen.
-
1983-92 Mitglied in der SPD
- 1999
Verleihung des Literaturnobelpreises – für sein Lebenswerk
1959: „die
Blechtrommel“
1963: „Hundejahre“ und „Katz und Maus“
(Novelle)
ab dem
Ende der 60iger fast ausschließlich politische und soziale Themen
1969: „Örtlich betäubt“ erfolgreich vor allem
in den USA (gegen den Vietnamkrieg)
1986:
„Die Rättin“ Vision über das Ende
der Menschheit (Nuklearkrieg)
1992: „Unkenrufe“ behandelt deutsch - polnische Beziehungen
2. „Im Krebsgang“ (Feb. 2002)
2.1 Struktur
- Novelle, unterteilt in 9 Kapitel
- Ich Erzähler mit einem „Jemand“ über sich,
der sich später als Autor herausstellt
2.2 Hauptpersonen
Paul Pokriefke,
geb. 30. Januar 1945, Ich – Erzähler
=>
freier, mäßig erfolgreicher Journalist, geschieden
Tulla Pokriefke,
Mutter, aus Danzig
=>
flüchtete `45 vor der roten Armee über die Ostsee in die SBZ und schließlich
nach Westdeutschland. Sie überlebte den Angriff auf die Gustloff und gebar Paul
in dem Moment als die Gustloff sank.
Konrad (Konny) Pokriefke, Sohn (alias Wilhelm, in Ahnlehnung an W. Gustloff)
=>
intelligent, Einzelgänger, lebt nach der Scheidung seiner Eltern bei seiner
Großmutter
Wolfgang Stremplin
(alias David, in Anlehnung an D. Frankfurter, David und Goliath)
=>
Bekannter Konrads aus dem Internet, er gibt vor Jude zu sein
2.3 Inhalt
30. Januar 1895, Geburt Wilhelm Gustloffs in
Schwerin, später treuer Nazi Funktionär
1936 wird er von David Frankfurter, einem
Juden, in Davos erschossen.
30. Januar 1945, das Flüchtlingsschiff
Gustloff sinkt. 7000-9000 Tote, ca. 1200 Überlebende.
-
Tulla (17) überlebt und gebärt Paul exakt in dem Augenblick als die Gustloff
sinkt
30. Januar 1995, 50 Jahre nach dem größten
Schiffsunglück treffen sich die Überlebenden
- auch Konrad ist dabei und wird
in seine Rolle eingeführt die Geschichte aufzuschreiben
1996, Paul stößt auf die Internetseite www.blutzeuge.de, eine rechtsorientierte
Seite zur Ehre
Wilhelm
Gustloffs. Er bemerkt schnell, dass es sein Sohn ist, der die Seite betreibt.
Im Chatroom seiner Seite lernt Konrad
(Wilhelm) Wolfgang (David) kennen. Eigentlich
könnten
sie gute Freunde sein, doch ihre unterschiedlichen Ideologien trennen sie. Oft
streiten sie sich, und schrecken auch vor
historisch belasteten Ausdrücke nicht zurück.
20. April 1997 (Hitlers Geburtstag) Konrad und
Wolfgang treffen sich in Schwerin. An der
ehemaligen Wilhelm Gustloff Gedenkstätte
erschießt Konrad seinen „Freundfeind“.
Konrad
stellt sich anschließend der Polizei, er legt wert darauf, dass alles genau so
abläuft
wie
damals als David Frankfurter Wilhelm Gustloff erschoss.
Im anschließenden Prozess zeigt Konrad kaum
Reue, er wird zu 7 Jahren Haft im
Jugendgefängnis verurteilt, was er selbst auch
als zu milde bezeichnet. In Gefangenschaft
genießt
Konrad einen guten Ruf und hat auch diverse Sonderrechte.
Ein Modell der Gustloff, dass er in
Gefangenschaft liebevoll zusammengebaut hat, zerschlägt
er
eines Tages vor den Augen seines Vaters. Später findet dieser im Internet
jedoch eine Seite
die dem
Verehrer des Blutzeugen, also Konrad gewidmet ist.
3. Interpretation
>> Das nagt an dem Alten. Eigentlich,
sagt er, wäre es Aufgabe seiner Generation gewesen, dem Elend der
ostpreußischen Flüchtlinge Ausdruck zu geben: den winterlichen Trecks gen
Westen, dem Tod in Schneewehen, dem Verrecken am Straßenrand und in Eislöchern,
sobald das gefrorene Frische Haff nach Bombenabwürfen und unter der Last der
Pferdewagen zu brechen begann, und trotzdem von Heiligenbeil aus immer mehr
Menschen aus Furcht vor russischer Rache über endlose Schneeflächen Flucht
Der weiße Tod Niemals, sagte er, hätte man über so viel Leid, nur weil
die eigene Schuld übermächtig und bekennende Reue in all den Jahren
vordringlich gewesen sei, schweigen, das gemiedene Thema den Rechtsgestrickten
überlassen dürfen. Dieses Versäumnis sei bodenlos (S. 99) <<
- Grass ist es wichtig, dass die deutsche
Geschichte nicht von rechten Gruppierungen aufgearbeitet und dabei evtl.
verfälscht wird. Auch seriöse Leute müssen sich diesen Themen widmen.
- Grass verknüpft das Thema Flucht und
Vertreibung mit dem Rechtsradikalismus unseres Alltags und warnt.
- Grass wandelt Geschichte in Literatur, er packt historischen Stoff in eine
verständliche und interessante Lektüre. „Im Krebsgang“ bietet Stoff zum
Gespräch über Vergangenheit, die in die Gegenwart wirkt.
- Titel „Im Krebsgang“ => das Buch zeigt
keinen Fortschritt, sondern nur ein seitliches
vorankommen
Quellen:
http://www.cosmopolis.ch/cosmo8/Grass.htm
http://www.academiabaltica.de/Veranstaltungen/Programm_2003/Programm_12-03/programm_12-03.html