REFERAT-MenüDeutschGeographieGeschichteChemieBiographienElektronik
  EnglischEpochenFranzösischBiologieInformatikItalienisch
  KunstLateinLiteraturMathematikMusikPhilosophie
 PhysikPolitikPsychologieRechtSonstigeSpanisch
 SportTechnikWirtschaftWirtschaftskunde  


Bertolt Brecht - Leben des Galilei


Bertolt Brecht: ,,Leben des Galilei'

Bertolt Brecht

Bertolt Brecht war deutscher Schriftsteller, Regisseur und Dichter. Er wurde 1898 in Augsburg geboren. Brecht war ab 1924 vom Marxismus beeinflusst und floh deshalb 1933 nach Hitlers Machtübernahme aus Deutschland. Brechts Werke wurden vom nationalsozialistischen Deutschland verbrannt. Auf seinem langen Exilweg half Brecht mit, mit antifaschistischen Veröffendichungen, Reden, Aufsätzen und Gedichten den Widerstand in Deutschland gegen Hitlers Regime zu stützen. In seinen Werken sind die Themen Unterdrückung, Exil, Krieg und Faschismus häufig zentral. Auch Brechts ,,Leben des Galilei', das zu dieser Zeit in seiner ersten Fassung erscheint, handelt von dem Widerstand einer Minderheit gegen ein totalitäres Regime. Solche Werke, die sich zwar gegen Hitler richteten. aber durch ihre Verschlüsselung trotzem die deutsche Grenze überschreiten sollten, ohne sogleich verbrannt zu werden, waren Brechts Mittel, um die deutsche Leserschaf zu erreichen. Nach der Nachricht von der Spaltung des Uranatoms brachte Brecht an diesem Stück Korrekturen an. Insgesamt entstanden drei Fassungen von'Leben des Galilei'.

1948 kehrte Brecht nach Deutschland zurück, wo er 1956 in Ostberlin starb.

Zusammenfassung

Der Handlungsverlauf des ,,Leben des Galilei' hält sich im Grossen und Ganzen an den Lebenslauf des historischen Galilei Galileo. Das Buch ist in 15 Kapitel aufgeteilt. Jedes Kapitel blendet auf einen Lebensabschnitt Galileis. Die Kapitel folgen einander zwar chronologisch, doch die zeitlichen Abstände zwischen den Kapiteln variieren stark: manchrnal liegen zwischen ihnen Tage, manchmal auch Jahre.

Galilei lebt zusammen mit seiner Tochter Virginia, Frau Sarti, seiner Haushälterin, und ihrem Sohn Andrea in einem ärmlichen Haushalt. Er hält für ein sehr kleines Gehalt Vorlesungen an der Universität in Padua. Galilei lebt in einer forschungsfeindlichen Welt. Die Kirche, die eine dominierende weltliche Macht besitzt, verbietet alle Lehren, die sich nicht mit dem von ihr vertretenen aristotelischen Weltbild decken. Galilei findet nun aber mit seinen Anhängern Andrea Sarti, dem Linsenschleifer Federzoni und Ludovico Marsili ,,die Wahrheit', das heisst, er beweist das kopernikanische Weltbild und zeigt Mängel am aristotelischen auf. Er entdeckt z.B. die Jupitermonde, die es nach aristotelischem Weltbild nicht geben kann.

Die weltliche Macht der Kirche ist stark an das aristotelische Weltbild und an die Loyalität des Volkes gebun­den. Mit Galileis Entdeckungen könnte das Volk zu zweifeln beginnen, ob die Kirche wirklich immer recht habe. Auch die aristotelische Lehre kommt in Bedrängnis und mit ihr die kirchliche Macht. Die Kirche legt Galilei auf seinem Weg der Wahrheitsfindung immer wieder Steine in den Weg: Anfangs der niedrige Lohn, der die Forschungsarbeit erschwehrt; dann setzt die Inquisition Galileis Lehre auf den Index, d.h., sie verbietet seine Lehre. Galilei sieht sich nun in Gefahr, auf dem Scheiterhaufen als Ketzer verbrannt zu werden, weil er auf einem verbotenen Gebiet forscht.

All diesen Hindernissen gegenüber stehen aber Galileis Erfolge. Die wichtigsten Erfolge sind sicher seine wis­senschaftlichen Entdeckungen; oder auch deren Bestätigung durch das Forschungsinstitut des Vatikans. Bald kommt auch ein fortschrittlicher Papst auf den Heiligen Stuhl, ein Mathematiker.

Schliesslich aber muss Galilei seine Lehre unter Androhung von Folter öffentlich zurückziehen und wird ab sofort von der Kirche unter Hausarrest gestellt, kurz, er wird von der Kirche so stark kontrolliert, dass er ihr eigentlich nicht mehr gefährlich werden kann. Die Anhänger Galileis zerstreuen sich. Der kleine Mönch kehrt ,,in den Schoss der Kirche'(S. 120) zurück; Andrea flüchtet nach Holland, Federzoni schleift wieder Linsen. Aber Andrea hat sich noch einmal mit Galilei getroffen. Galilei hat ihm dabei sein letztes, heimlich geschrie­benes Werk ,,discorsi' übergeben, welches Andrea nun nach Holland schmuggelt, wo freie Forschung möglich ist.

Interpretation

Der Kurator in Venedig

Der Kurator, ein Vertreter des Staates, hat ein Weltbild und insbesondere ein Wissenschaftsbild, das stellvertre­tend für Venedigs Ober- und Mittelschicht ist. Insbesondere steht es in Einklang mit den Ratsherren und Kauf­leuten. Für den Kurator hat Forschung aus wirtschaftlichen, nicht aber aus religiösen oder ideellen Gründen eine wichtige Position in der venezianischen Politik.

Venedig zieht dadurch, dass es den Schutz der Gedankenfreiheit gewährt, Lehrkräfte an. Galilei: ,,Indem ihr darauf verweist, dass woanders die Inquisition herrscht und brennt, kriegt ihr hier billig gute Lehrkräfte'(S. 18) Es scheint das einzige Land der Umgebung zu sein, das an Leute wie Galilei diese Konzession macht. ,,Neue' Effindungen wie das Fernrohr geraten zuerst in seine Hände. Das wiederum führt zu direkten militärischen Vorteilen. Forschung dient also der Mehrung von wirtschaftlicher und militärischer Macht. Was ist den Rats­herren wichtig an der ,,neuen' Erfindung des Fernrohrs? Es ist ,,ein höchst verkaufbares Rohr' - die Reaktion:

,,Stärkerer Beifall' (5.24); dann erfahren sie, ,,dass wir vermittels dieses Instruments im Kriege die Schiffe des Feinds nach Zahl und Art volle zwei Stunden früher erkennen werden als er die unsern' - ,,Sehr starker Bei­fall' (S.24). Das für Galilei wirklich bahnbrechende an dieser Erfindung, nämlich die damit verbundenen astronomischen Entdeckungen und deren Konsequenzen (vgl. Abschnitt ,,Galilei'/'Die Kirche'), das ist für den Kurator, als Repräsentant für, eine in Venedig weit verbreitete Meinung, nicht nur unwichtig, sondern im Gegenteil eine sehr unangenehme Begleiterscheinung dieser Erfindung, die ihm Galilei beschehrt hat. Denn neben den materiellen Gründen, die für ein Fördern der Wissenschaft sprechen, sprechen im Denken des Kura­tors eine ganze Menge von Gründen gegen eine Förderung der Wissenschaft. Der Kurator denkt hier in Bah­nen, die am stärksten von der katholischen Kirche vertreten werden, die wiederum mit wenigen Ausnahmen sämtliche Bevölkerungsschichten durchdringt:

Die Kirche

Ihre alles durchdringende weltliche Macht rechtfertigt die Kirche nach aussen vor allem damit, dass der von ihr vertretene Glaube, das katholische Christentum, einen wohltätigen, dem Leben Sinn gebenden Charakter habe.

Der Kleine Mönch berichtet uns auf Seite 75/76 viel darüber, wie seine Eltern mit ihrem Elend, ihrer Armut umgehen und wie die Heilige Schrift bzw. ihr Vertreter, die Kirche, diesen Leuten einen Lebenssinn gibt. Er schreibt auf Seite 76 über die Heilige Schrift, ,,die alles erklärt und als notwendig begründet hat, den Schweiss, die Geduld, den Hunger, die Unterwerfung'. Auch Kardinal Bellarmin nimmt für, sich und die Kirchenväter in Anspruch, ,,in eine solche Welt (ist sie etwa nicht abscheulich?) etwas Sinn zu bringen'(S.68). Dies ist das gängige Argument, das die Kirche selbst benützt. um ihre alles durchdringende weltliche Macht zu begründen. Doch Galilei sieht das anders. Über den ,,Stellvertreter des milden Jesus'(S. 76.), also über die Kirche sagt er:

,,Warum stellt er die Erde in den Mittelpunkt des Universums? Damit der Stuhl Petri im Mittelpunkt der Erde stehen kann!'(S. 76/77). Die obersten Vertreter der Kirche wollen die Kirche im Mittelpunkt der Welt sehen, um selbst im Mittelpunkt der Welt zu stehen, also aus einem egoistischen Machtanspruch heraus. Für sie hat eine solche Weltordnung direkte materielle Vorteile. Galilei vergleicht den Reichtum der obersten Kleriker mit der Auster Magnifera (vgl. S.77) und zeigt, dass dieser auf Ausbeutung des Volkes beruht.

,,Das Weltbild des göttlichen Aristoteles mit seinen mystisch musizierenden Sphären und kristallenen Gewöl­ben'(S.46), usw., ,,ist ein Gebäude von solcher Ordnung und Schönheit, dass wir wohl zögern sollten, diese Harmonie zu stören'. Für wen ist dieses Weltbild so ,,wunderschön?

¨     Für die armen Bauern der Campagna (stellvertretend für, das gemeine Volk), weil es ihrem Leben in Armut einen Sinn verleiht. Die Armut ist eine Folge der ausbeuterischen Praxis der Kirche, und dieses ,,wunderschöne' Weltbild ist das Mittel, damit das Volk diese Armut auch erduldet. Es begründet aber nur den Sinn der Armut, während Galilei klar sieht, dass diese Armut gar nicht nötig wäre. Dadurch verwandelt sich diese Schönheit, dieses tröstende, lebenssinngebende Weltbild des Aristoteles und der Kirche in einen Vorwand, der die Campagnabauern mit Lebenslügen hinhalt. während sich die Machtträger in der Kirche ihre wohlhabende Stellung sichern.

¨     Für die Vertreter der Kirche. Die aristotelische Lehre und das Christentum lässt in ihnen Selbstverherr­lichung aufkommen. Am Beispiel des sehr alten Kardinals hat sich nun ein egozentrisches
Selbstbewusstsein herausgebildet (vgl. S.62). Die Kirche verherrlicht sich selbst als Institution Gottes. Damit einher geht eine Verachtung des gemeinen Volkes, welches ja nicht zum ,,besten Teil (S. 109) der Welt zählt.

Der christliche Glaube und die aristotelische Lehre sind die Grundpf'eiler, die die Macht der Kirche sichern. Denn nach Aristoteles steht die Erde tatsächlich im Mittelpunkt des Universums, und das Christentum erklärt die Kirche als die weltliche Institution Gottes.

Da man nun aber durch ,Galileis' Fernrohr, das mittlerweile überall zu haben ist, jederzeit sehen kann, dass dieses die Kirche verherrlichende Weltbild nicht stimmt (die Jupitermonde passen nicht in das ptolemäische/aristotelische Weltensystem), kommt einerseits die Macht der Kirche ins Wanken. Wenn die Erde nicht im Mittelpunkt des Universums ist, wieso sollte dann die Kirche im Mittelpunkt der Erde stehen? Sobald sich die bisher gläubigen Campagnabauern diese Frage stellen, werden sie den durchdringenden Einfluss der Kirche als nicht mehr legitimiert ansehen und sich dagegen zu wehren beginnen.

Andererseits stellen sich neben diesen konkreten Sorgen um den Einfluss der Kirche auch für deren Vertreter die Frage, wie wahr die aristotelischeikirchliche Weltsicht ist. Wie gehen sie mit dem sich abzeichnenden Widerspruch zwischen Beobachtung und der als wahr angesehenen aristotelischen Weltsicht um? Als Clavius Galileis Entdeckungen bestätigt, herrscht ,,Totenstille'(S.62); sie rührt daher, dass für, die kirchli­che Obrigkeit das von ihnen vertretene Weltbild nicht nur ein die weltliche Macht absicherndes Argument gegen aussen darstellt, sondern klar auch eine verinnerlichte Vorstellung vom Universum und ihrer eigenen Stellung darin ist. Da Clavius bestätigt hat, dass dieses Weltbild nicht der Realität entspricht, stellen sich für, die Vertreter der Kirche nun existenzielle Fragen; die bisherigen Antworten darauf haben auch für, die Kirchenvertreter selbst an Glaubwürdigkeit verloren. Die damit einhergehende Verunsicherung wird mit groben Ausserungen und vor allem mit Drohungen gegen Galilei überspielt.

In dieser Situation der Verunsicherung gibt es für, die kirchliche Obrigkeit nur noch einen Ausweg, um den Zerfall ihrer Macht und ihres Weltbildes aufzuhalten: Sie muss die Vernunft als oberste Instanz zur Findung der Wahrheit ablehnen, und das tut sie auch: Barberini: ,,Ich halte die Vernunft für, unzulänglich'(S.67); ein Mönch: ,,was ist besser, eine Mondfinsternis drei Tage später als im Kalender steht zu erleben oder die ewige Seligkeit niemals?'(S.60); der zweite Astronom: ,,muss der Mensch alles verstehen?'(S.60).

Eine schöne Stelle auf Seite 106 zeigt deutlich, in welche Widersprüche sich diese Strategie verstricken muss:

,,Was käme heraus, wenn diese alle' () ,,nur noch an die eigene Vernunft glaubten, die dieser Wahnsinne für, die einzige Instanz erklärt!'. Es ist ein verzweifeltes Auflehnen gegen das, was ist, aber nicht sein darf. Die Kirche muss jedoch die Vernunft zumindest nach aussen ablehnen, um ihre Macht und ihren Einfluss zu be­wahren.

Galilei und seine Anhänger

Der kleine Mönch

Der Kleine Mönch, Fulganzio, bildet eine wichtige Ausnahme zu dem Bild, das Brecht von der Kirche zeich­net.

Nach seiner Überzeugung bleibt die wichtigste Aufgabe der Kirche jene, den Gläubigen Lebenssinn zu ver­leihen. Dass Galilei (durchs Fernrohr) gesehen hat, dass das kirchliche Weltbild nicht stimmt, das beschäftigt ihn: ,,Ich wusste nicht, wie ich das Dekret, das ich gelesen habe, und die Trabanten des Jupiter, die ich gesehen habe, in Einklang bringen sollte.'(S.74). Fulganzio lässt sich von der Vernunft leiten, wie auch seine Be­gründung, wieso ,,der Seelenfrieden Unglücklicher'(S. 77) gefährdet sei, sehr rational ist (vgl. S.75/76). Ent­sprechend leicht fällt es Galilei, Fulganzio zu zeigen, dass die höchsten Beweggründe der Kirche keine wohltätigen sind. Fulganzio wird so zum Anhänger Galileis, ohne aber seinen christlichen Glauben aufzuge­ben. Der kleine Mönch (S.90):'Gott machte die physische Welt, Ludovico; Gott machte das menschliche Ge­hirn; Gott wird die Physik erlauben.' Fulganzio ist ein eher armer und kein hoher Geistlicher. Er muss mit seinem Weltbild nicht die eigene weltliche Macht absichern und kann sich daher vorurteilsfrei mit neuen Fragen auseinandersetzen. Dies zeigt, dass die Vereinigung von Bibel und Wissenschaft nicht aus religiösen, sondern anderwertigen (materielle) Überlegungen heraus verunmöglicht wird. Brecht drückt durch Fulganzio klar aus, dass er durchaus einen Weg sieht, um Religion und Wissenschaft zusammenzuführen, und er gibt auch der katholischen Kirche eine Chance, diesen Wandel nach Fulganzios Vorbild zu vollziehen. Nach Galileis Widerruf gibt Fulganzio die Forschung auf und kehrt ,,in den Schoss der Kirche' zurück (S.120). Man kann vermuten, dass ihm die Vernunft als Hoffnung geblieben ist, dass er aber in seiner Mittel- und Machtlosigkeit nicht wie Galilei weiterkämpfen will, sondern nach seinen Möglichkeiten weiterhin Seelen-frieden durch den Glauben vermitteln wird.

Galilei

Die Figur des Galilei ist von anfang an sehr widersprüchlich angelegt. Ihn kennzeichnen einerseits seine Ver­nunft, andererseits seine Sinnlichkeit.

Galilei gehört zu einer neuen Generation von Forschern (wie auch Kopernikus und Giordano Bruno), die die Forschung nicht mehr nur als das Behandeln von Hypothesen betrachten, sondern als die Suche nach der Wahrheit.Vor ihnen liegt das offene Buch der Welt, in dem sie durch Beobachten und Kombinieren die Wahr­heit lesen können. Dieses Verständnis von Forschung hat für sie, anders als für den Philosophen und den Mathematiker im Gefolge von Cosmo, hohen philosophischen und moralischen Gehalt. Für den Glauben gibt

es nur noch dort Platz, wo keine Forschungsresultate vorliegen, ansonsten richtet sich der Glaube immer nach den neu gewonnen Erkenntnissen und kann nie im Widerspruch zu diesen stehen.

Ebenfalls während des ganzen Buches für Galilei grundlegend wichtig ist die Sinnlichkeit, wenn er sagt:'ich kaufe gern Bücher, nicht nur über Physik, und ich esse gern anständig. Bei gutem Essen fällt mir am meisten ein.'(S.31). Forschung scheint ihm geradezu körperliche Lust zu bereiten; sein Schönheitssinn wird verletzt, wenn die Venus in seinem Weltbild ohne Phasen ist (vgl. 5.78); andererseits zeigt die Pestszene (Kapitel 5), dass Galilei sich nicht losgelöst von allen körperlichen Gelüsten der Forschung hingibt: S.55:'Aber ihr könnt einen doch nicht hier verhungern lassen! Heda! Heda!'. Hungrig kann Galilei nicht forschen! Forschergeist und Sinnlichkeit stehen bei Galilei in einer engen Beziehung, die ihn sehr sympathisch machen. Gerade durch seine Sinnlichkeit wird Galilei immer auch für sich selbst forschen, nie nur um der Wahrheit willen.

Galileis Bild von der Wissenschaft ändert sich während des Buches häufig, wenn es auch nie seinen positiven Charakter verliert:

Zu Anfang ist Galileis Bild von der Vernunft ein reichlich naives, wenn auch einleuchtendes: ,,Ja, ich glaube an die sanfte Gewalt der Vernunft über die Menschen. Sie können ihr auf die Dauer nicht widerstehen. Kein Mensch kann lange zusehen, wie ich - er lässt aus der Hand einen Stein auf den Boden fallen - ein Stein fallen lasse und dazu sage: er fällt nicht.'(S.34/35). Da seiner Meinung nach der Vernunft auf die Dauer keiner widersteht, erwartet er, dass die eben entdeckten Jupitermonde bald auf das gängige Weltbild wirken werden. Doch dann trifft er auf den Florentiner Hof und später auf die Kardinäle Bellarmin und Barberini und muss einsehen, dass Vernunft und Wahrheit nicht überall beliebt sind. Seine einfache Formel ,,ich glaube an die Vernunft'(S. 68) heisst noch lange nicht, dass alle an die Vernunft glauben und diese auch wollen. Spätestens nach dem heiligen Dekret sieht Galilei klar, wie das Ablehnen der Vernunft mit der Macht der Kirche zusam­menhängt (vgl. Kapitel ,,Die Kirche' weiter oben).

Galilei will weder die Unterdrückung der Vernunft noch die daraus folgende Unterdrückung des Volkes akzep­tieren. Galilei glaubt nach wie vor an die Überzeugungskraft der Vernunft, doch er meint: 'Es setzt sich nur so viel Wahrheit durch, als wir durchsetzen; der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein.'(S.78). Sein Plan ist also, die Wahrheit durchzusetzen. Doch er argumentiert nicht mehr gegen die Kirche und Staatsmänner, sondern appelliert an die Vernunft des Volkes, das sich nur deshalb unterdrücken lässt, weil ihm der Glaube an die Vernunft ausgetrieben wurde. Sein Hintergedanke: ,,wenn sie (die Campagna­bauern /B.T) nicht in Bewegung kommen und denken lernen, werden ihnen auch die schönsten Bewässerungs­anlagen nichts nützen.'(S.79). Galilei scheint jetzt wirklich dabei zu sein, eine sozialverantwotliche Wissen­schaft auf- und der egoistischen, kirchlichen Welt entgegenzustellen. Er meint dazu (allerdings erst viel später):'Ich halte dafür,dass das einzige Ziel der Wissenschaft darin besteht, die Mühseligkeit der mensch­lichen Existenz zu erleichtern. Wenn Wissenschaftler, eingeschüchtert durch selbstsüchtige Machthaber, sich damit begnügen, Wissen um des Wissens willen aufzuhäufen, kann die Wissenschaft zum Krüppel gemacht werden'(S. 125)

Wie schon dargestellt richten sich Galileis Pläne direkt gegen jene der Kirche. Als man ihn daher unter Androhung von Folter zwingen will, seine Lehre zurückzurufen, gibt er nach. Mit seiner Aussage ,,Unglücklich das Land, das Helden nötig hat.'(S. 114) hängt er seine Vorreiterrolle, sein Heldendasein, an den Nagel und erwartet nun von all den Unterdrückten, dass sie sich selbständig aus ihrer geistigen und materiellen Unter­drückung befreien. Warum? Es war schon immer seine Meinung, dass das Volk die wissenschaftliche Revolu­tion tragen müsse und nicht ein Vorreiter, ein Held. Diese Begründung für seinen Widerruf nimmt er erst Jahre später zurück, als er sich selbst für, den Widerruf als Verbrecher bezeichnet. Er gibt dann zu, dass er sich die Qualen der Folter ersparen wollte und sich dafür seiner Verantwortung der Menschheit gegenüber entzog. War seine Forschung nun wirklich immer dem Volk verpflichtet, wie er sagte? In diesem Fall hätte er nicht widerrufen dürfen. Auch Galilei sieht das so. Er sagt: ,,Wer die Wahrheit nicht weiss, der ist bloss ein Dummkopf. Aber wer sie weiss und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher' (S.81). Nach seinem Widerruf meint er konsequenterweise:' Ich habe meinen Beruf verraten. Ein Mensch, der das tut, was ich getan habe, kann in den Reihen der Wissenschaftler nicht geduldet werden.'(S. 126)

Galilei verurteilt sich selbst, nicht aber die Wissenschaft, die für ihn immer noch den einzig richtigen Weg darstellt, um Gerechtigkeit und Wahrheit in die Welt zu bringen. Auch ist er der Meinung, dass ein neues Zeitalter angebrochen ist (vgl. S.126/127, aber auch schon S.8/9): Das Zeitalter der Neuerungen, der Wissen­schaft.

Es scheint, dass Galilei nicht die geeignete Figur ist, um der Wissenschaft zum Durchbruch zu verhelfen. Er verkennt seine Lage trotz dem weitsichtigen Warner Sagredo zum Teil haarsträubend und bleibt im entschei­denden Moment nicht aufrecht. Doch bleibt er uns sympathisch. Denn die Umstände, unter denen er die Wis­senschaft verraten hat, zeigen nichts anderes als seine tiefe Verbundenheit zu den Aufgaben der Wissenschaft:

Denn diese darf sich nie von den ureigensten Interessen des Menschen entfernen, und genau das tut auch

Galilei nicht: Die Vermeidung von körperlichen Schmerzen ist für jeden Nicht-Helden und die gesamte Menschheit das zentrale Grundprinzip, und genau diesem weicht Galilei nicht aus. So bekennt er sich gleichzeitig mit seinem Verrat zum Lebensprinzip - alles in allem eine sehr natürlich wirkende und deshalb wohl symphatische Person.

Andrea Sarti

Andrea Sarti sagt schon mit eif Jahren: ,,Ich möchte auch Physiker werden, Herr Galilei.' (S.21) Galilei ist zweifellos sein Vorbild und bleibt es auch. Die Brisanz dieser Figur liegt in der häufig etwas oberflächlichen Sicht der Dinge. Das von Andrea in himmlische Höhen gelobte Ideal der ,,reinen' Wissenschaft birgt die Ge­fahr in sich, dass es sich von seinen moralischen Verpflichtungen löst, welche Andrea übrigens lange Zeit gar nicht wahrzunehmen scheint. Anfangs noch unverfänglich kindlich, interessiert er sich sehr für Astronomie, damit er Frau Sarti beeindrücken kann (S.12: ,,Ich habe es ihr nur gesagt, damit sie sich wundert.'). Schon befremdend wirkt der etwas allzu schnelle und einfache Wechsel von der Nachricht über den Tod von Andreas Mutter zu Andreas Frage ,,Müssen sie es Ihnen jetzt glauben?'(S.56). Aber endgültig ernst zu nehmen ist Galileis Tadel: ,,Andrea, du musst lernen, vorsichtig zu denken.'(S.85). Zu guter letzt der von Andrea im Brustton der Überzeugung gesagte, nicht wahre Satz: ,,Da er niemals widerruft.'(S. 109) oder auf Seite 112: ,,Also: es geht nicht mit Gewalt! Sie kann nicht alles! Also: die Torheit wird besiegt, sie ist nicht unverletzlich! Also: der Mensch fürchtet den Tod nicht!' all diese Ausserungen zeugen von einer sehr idealisierten Sicht von der Wissenschaft, die nie so differenziert ist wie jene von Galilei. Andrea lernt von Galilei sehr viel, denkt aber bis zuletzt kaum selber weiter. Vielversprechend trägt Andrea das gedankliche Erbe von Galilei (eher sym­bolisch, aber auch konkret in Form der ,,Discorsi') in die Zukunft der Wissenschaft. Die letzten Zeilen des Bu­ches zeigen einen solidarischen Andrea mit viel Gerechtigkeitssinn. Die Frage ist nur, ob er am Erbe von Galilei selber weiterdenken kann, was immer auch auf ihn zukommt.

Die Aufgaben der Wissenschaft

Der historische Galilei war und ist einer der bedeutendsten Wissenschaftler überhaupt; er gebrauchte als erster die Mittel der wissenschaftlichen Beweisführung. Die für die Literatur in diesem Zusammenhang aber wichtigere Tatsache ist die mit der Aufstellung dieser Prinzipien eng verbundenen philosophischen und moralischen Fragen. So sind gerade heute all die Fragen rund um die Wissenschaft und deren Aufgaben/Pflichten, die sich Galilei als einer der ersten stellen musste, wieder von zentraler Bedeutung. Brechts ,,Leben des Galilei' zeigt neben Galilei, der die wohl bedeutendsten Fragen zu diesem Thema formuliert, auch viele andere Figuren mit ganz unterschiedlichen Auffassungen zur Frage nach der Aufgabe/Funktion der Wissenschaft. Bei den Ratsherren und dem Kurator von Venedig z.B. finden wir eine rein utilitaristische Haltung gegenüber der Wissenschaft, wobei wir bei deren klaren Interessen für militärische Erfindungen am Horizont schon die drohende Atombombe aufziehen sehen. Auch Andrea Sarti hat in jüngeren Jahren ein moralisch be­denkliches Wissenschaftsbild, wozu Galilei später sagt: ,,Die Kluft zwischen euch (den Wissenschaftlern /B.T) und ihr (der Menschheit /B.T) kann eines Tages so gross werden, dass euer Jubelschrei über irgendeine neue Errungenschaft von einem universalen Entsetzensschrei beantwortet werden könnte.'(S. 126). Sowohl bei Galilei wie auch (etwas später) bei Andrea reift dann ein Wissenschaftsbild heran, in dem sie sich mehr und mehr als Wissenschaftler auch verantwortlich fühlen für die Konsequenzen, die die Forschungsergebnisse und Erfindungen für die Menschheit haben könnten oder haben sollen - Fragen, die heute für jeden Wissenschaftler neben der Forschung absolut erstrangig sind. Der kleine Mönch wiederum bringt Leben in die Diskussion über das Verhältnis von Wissenschaft und Religion. Für die kirchliche Obrigkeit schliessen sich Religion und Wissenschaft gegenseitig aus, während der kleine Mönch (wie auch Galilei) sie gut in seinem Weltbild zu verei­nigen weiss. Es ist offensichtlich, dass Brecht vor allem Galileis Wissenschaftsbild und das religiös-wissen­schaftliche Weltbild des kleinen Mönchs als positive Neuerungen sieht, die gegen die herrschende Ordnung Veränderungen hervorgerufen haben. Die negativen Seiten der Wissenschaft werden zwar als mögliche zukünf­tige Gefahr dargestellt, nicht aber als die bereits herrschende Realität wenige Jahre später nach dem Abwurf der Atombombe. Zu erwähnen ist ebenfalls das Wissenschaftsbild der Frau Sarti, die jedoch im Verlauf des Buches umkommt (vgl. S.56). In einer Zeit, wo Wissenschaft erst gerade (wieder-)entdeckt wird, haben grosse Teile des gemeinen Volkes keine Ahnung von dem, was Wissenschaft ist und was sie alles aufdecken könnte. Zentral für. die Durchsetzung der Vernunft und der Wissenschaft ist, wie Galilei oft betont, dass gerade auch diese Leute die Wissenschaft mit ihren Anregungen kennenlernen.

Neben diesen Fragen um das Wesen der (Natur-)Wissenschaft stellen sich Brecht Fragen, die sich mit dem Phänomen des Hitlerregimes und seinen Greueltaten beschäftigen. Die katholische Kirche zu Zeiten Galileis wie auch Hitlers Regime sind totalitäre Machtsysteme, die auf Ungerechtigkeit basieren. Wie kommt es, dass ein ganzes Volk seinen Gerechtigkeitssinn, sprich seine Vernunft, verliert und sich nicht mehr wehrt? Wie

kann die Vernunft und der Widerstand gegen die Unvernunft wiedererweckt werden? Und viel tiefer: Wie sehr hat der Mensch sich die Vernunft überhaupt einverleibt, dass er diese so sehr zu verdrängen weiss? Galilei hat damals die Vernunft im Bereich der Wissenschaft zwar nicht sofort, dafür langfristig durchsetzen können. Mit dem Aufkommen von Hitlers Regime zeigt es sich, dass der damalige Siegeszug der Vernunft nun einen deutli­chen Rückschlag erlitten hat. Die Ursachen dafür, dass sich Unvernunft (seitens der Unterdrückten) bzw. Ungerechtigkeit (seitens der Unterdrückenden) durchsetzt, sind sowohl in Hitlers Regime als auch zu Galileis Zeiten hauptsächlich machtpolitische Interessen (nebst der Kirche wendet sich auch Ludovico aus diesem Grund von der Wissenschaft ab, vgl. S.91192). Sich dagegen zu wehren ist Aufgabe des Volkes wie auch der Wissenschaft(-ler).

Wo bleibt der Glaube?

Der kleine Mönch wirft in seinern Gespräch mit Galilei (S.75/76) die Frage auf, wo in dessen Weltbild der Lebenssinn bleibe. In seiner Situation geht Galilei verständlicherweise nicht auf diese Frage ein, denn es geht hier um viel konkretere Dinge als philosophische Sinnfragen: Darum, dass z.B. Fulganzios Eltern schuften und leiden, ,,zwischen strotzenden Weinbergen, am Rand der Weizenfelder'(S.76). Damit ist Fulganzios Frage aber noch nicht abgetan, wer oder was in Galileis Weltbild die Aufgabe der Sinnstiftung übernimmt. Galilei antwor­tet auf Sagredos Frage: ,,Wo ist Gott?'(S. 33) ausweichend, endlich aber:'In uns oder nirgends!'(S.33). Im weiteren sagt Galilei mehrmals, er sei ein gläubiger ,,Sohn der Kirche' (z.B. S.68,S.78). Galilei hat dem Volk, dem ,,Pack', wie er es nennt (S.92), den Glauben erschüttert und ihm die Vernunft angeboten, doch er hat keinen ,Glaubensersatz' geliefert. Ich verstehe Fulganzios Eltern sehr gut, wenn sie nicht auf Galilei hören wollen und sich an der Kirche festhalten. Diese verspricht ihnen noch die ewige Seligkeit, jener fordert nur, sie sollten sich davon lösen. Um es anders auszudrücken: Im seelsorgerischen Bereich hat das Christentum gegenüber Galileis Forschergeist eindeutig die Nase vorn. Dass sich Religion und Wissenschaft vereinen las­sen, ist zwar Fulganzio und Galilei klar, nicht aber dem gemeinen Volk. Denn diese Vereinigung erfordert Denkanstrengung (vgl. Abschnitt ,,der kleine Mönch' weiter oben) und Bereitschaft zu Verunsicherung. Die Sicherheit in Glaubens- und Sinnfragen aber wollen grosse Teile des Volkes nicht aufgeben. Es ist die einzige Sicherheit, das einzig tröstliche, das ihnen in ihrer trostlosen Welt bleibt.

Und die Atombombe?

Brecht wusste noch nichts vom Abwurf der Atombombe über Hiroshima, als er diese erste Fassung des ,,Leben des Galilei' schrieb. Seine Zweit- und Drittfassung dieses Buches berücksichtigen diese Tatsache, nicht aber seine erste Fassung. Ich muss daher dieses Buch auch nach diesem Gesichtspunkt hinterfragen, auch wenn es natürlich spannender wäre, dies bei den späteren Fassungen zu tun.

Galileis Vorstellungen über die Möglichkeiten und Chancen der Wissenschaft sind in dieser Hinsicht eindeutig zu blauäugig. Nach seinem Widerruf verurteilt er zwar sich selber, die Wissenschaft bleibt davon aber un­berührt. Sie kann im Gegenteil Leute wie Galilei in ihren Reihen nicht dulden (vgl. 5.126). Die Wissenschaft bleibt für Galilei der Hoffnungsträger, um die von Unvernunft beherrschte Welt zu verbessern. Galilei sieht zwar, dass immer sozialverantwortlich geforscht werden muss, doch ist das heute nicht mehr ganz so einfach. Die Aufforderung, für die neuen Entdeckungen geradezustehen und diese zum Wohle der Allgemeinheit umzusetzen, das ist heute angesichts der rasanten Wissensvermehrung nicht mehr so einfach wie zu Galileis Zeiten und damit auch nicht analog in unsere Zeit umsetzbar (falls Brecht diese Aufforderung Galileis über­haupt an unsere Zeit richten wollte). Galilei überschaute die Wissenschaft noch, Newton auch. Aber was be­deutet Verantwortlichkeit für eine Entdeckung in einer Zeit, wo die Wissenschaftler sich nur noch in einem sehr eng begrenzten Forschungsgebiet auskennen, nicht aber darüber hinaus? Einsteins Entdeckung des E=mc2 führt auf direktem Weg zu Hiroschima und Tschernobyl. Klar war Einstein für diese Ereignisse nicht verantwortlich. Oder doch? Jedenfall ist die Verantwortung der Wissenschaft heute nicht mehr klar definiert, sondern stets ein hoch umstrittenes Diskussionsthema. Wissenschaft ist längst nicht mehr nur Wahrheitbringer und erleichtert längst nicht mehr nur ,,die Mühseligkeit der menschlichen Existenz'(S. 125), sondern ist immer auch Damoklesschwert, Nutzen und Risiko in einem.

,,Ich halte die Vernunft für unzulänglich'?

Kann man die Vernunft ablehnen? Diese Frage war für mich die harteste Knacknuss während meiner Arbeit an diesem Theaterstück. Immer wieder verwirrte mich die Verachtung, die die Kleriker der Vernunft entgeger­brachten und wie die dabei offenkundigen Widersprüche sie im Normalfall kalt liessen. Mit grösster Selbstver­ständlichkeit wurden Aussagen gemacht, die für mich lange schlicht nicht nachvollziehbar waren.
Als ich die ablehnende Haltung der Vernunft gegenüber, die ich doch nie wirklich verstand, während des gamzen Buches immer wieder antraf kam in mir allmählich Unmut auf. Die Kleriker wiederholten ihre Ablehnung der Vernunft immer und immer wieder und ich dachte, ich hätte langsam begriffen, in welchem Rahmen diese Leute dachten. Warum also die wiederholten Aussagen, die kaum je eine neue Seite der Denkweise der Kirche zeigten? Was war für Brecht so entscheidend an diesen Sätzen, dass er ihnen im Vergleich zu Galileis Aussagen so viel Platz einräumte? Ich fand die Kleriker langweilig, weil sie immer etwa dasselbe erzählten. Galileis hochaktuelle Aussagen dagegen kamen für mich eher zu kurz, das Wesentlichste ist auf wenigen Seiten und sehr ,,konzentriert' in Galileis Selbsturteil zusammengefasst (ca. S.121-127). Diese Seiten waren hochanspruchsvoll und ich habe den Eindruck, dort vieles nicht verständen zu haben.

Sehr überzeugt hingegen hat mich Galileis Experiment mit Frau Sarti, das den fundamentalen Stellenwert der Vernunft im Alltag jedes Menschens zeigt (vgl. S.35/36).

Warum vergewaltigen die Kleriker zu Galileis Zeiten ihre Vernunft, um ihren Glauben zu behalten, wo sie sich doch bei alltäglichen Dingen auf die Vernunft verlassen? Sicher, um sich ihren Lebenssinn innerhalb ihres Glaubens zu erhalten. Aber opfern sie nicht mit der Vernunft gleichzeitig einen Teil ihrer selbst? Bemerkenswert ist ja, dass sie ihren Glauben und die alltägliche Welt nicht trennen. Ich hätte keine Mühe mit der Auffassung, dass sich der Glaube nie (mit der Vernunft) überprüfen liesse, dass dies eine Welt für sich sei. So lassen sich Glaube und Vernunft trennen. Doch eben diese Trennung gibt es hier nicht. Was geglaubt wird (z.B. die Sphären, Jupiter hat keine Monde) muss Wirklichkeit sein, und gleichzeitig wird die Wirklichkeit, z.B. im Alltag, immer mit der Instanz ,,Vernunft' beurteilt und bearbeitet (analog zu Galileis Experiment mit Frau Sarti, S.35/36). Salopp gesagt, überschneiden sich die Kompetenzbereiche von Vernunft und Glaube.

Quellen:

Herbert Knust,'Grundlagen und Gedänken zu Verständnis des Drarnas','Bertolt Brecht','Leben des Galilei',

Verlag Moritz Diesterweg

Encarta 96 Ency'clopedia, Microsoft

Student Reference Library, Mindscape

Bertolt Brecht,Leben des Galilei, Suhrkamp Verlag

Albert Einstein,Leopold Infeld, ,,Die Evolution der Physik', rororo

M.Vowe/R. Wiedemann, ,,Inflnitesimalrechnung'











Neu artikel




Haupt | Fügen Sie Referat | Kontakt | Impressum