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DER KONJUNKTIV




DER KONJUNKTIV

 

a)     Der Konjunktiv im HS:

1)     In Wunschsätzen (coniunctivus optativus)

Einleitung:     utinam

Verneinung:   ne



Übersetzung:

·       Erfüllbar gedachte Wünsche der Gegenwart:             Konj. Präs.

Utinam di omnia bene vertant!               Die Götter mögen alles zum Guten wenden!

·       Unerfüllbare Wünsche der Gegenwart:           Konj. Impf.

Utinam viveret!                           Wäre er doch noch am Leben!

·       Unerfüllte Wünsche der Vergangenheit:         Konj. Plqperf.

Utinam illum diem ne vidissem!            Hätte ich doch jenen Tag nicht erlebt!

2)     In Aufforderungssätzen

·       coniunctivus hortativus:

= Aufforderung an die 1.Pers.Pl.:                    Konj. Präs.

Verneinung:         ne

Nos animo ne deficiamus!                                  Wir wollen nicht den Mut verlieren!/ Verlieren wir nicht den Mut!

·       coniunctivus iussivus:

= Gebot an die 3.Pers.                           Konj. Präs.

Verneinung:         ne

Hunc librum legat!                                              Er soll dieses Buch lesen!

·       Coniunctivus prohibtivus:

= Verbot an die 2.Pers.                          Konj. Perf.

Verneinung:         ne

Ne me expectaveris!                                           Erwarte mich nicht!

 

3)     In Aussagesätzen:

·       Coniunctivus potentialis:

= Ausdruck einer Möglichkeit oder einer bescheidenen Außerung

Verneinung:         non

Er wird im Deutschen mit einem Modalverbum (können, müssen, sollen, dürfen) übersetzt.

+    Gegenwart:                                        Konj. Präs./ Konj. Perf.

      dicat = dixerit:                                               er könnte sagen

+    Vergangenheit:                                              Konj. Impf.

      Quis tum auderet haec dicere?                      Wer hätte dies damals zu sagen gewagt?

·       irrealis der Gegenwart:

Nemo hoc diceret.                                               Niemand würde dies sagen.

·       irrealis der Vergangenheit:

Nemo hoc dixisset.                                             Niemand hätte dies behauptet.

·       coniunctiv dubitativus:

= zweifelnde Frage an die 1.Pers.

Talem virum non diligam? Non diligerem?       Einen solchen Mann soll ich nicht lieben? Hätte ich ihn nicht lieben sollen?

b)     Der Konjunktiv in GS:

Die Zeitsetzung für den Konjunktiv wird durch das Gesetz der Zeitenfolge, der Consecutio temporum, bestimmt.

Wesentlich ist die Zeitstufe der Handlung im übergeordneten Satz; sie liegt entweder in der Gegenwart (Zukunft) oder in der Vergangenheit. Die Zeit im übergeordneten atz bestimmt die Zeitsetzung im untergeordneten Satz.

Das Lateinische berücksichtigt stärker als das Deutsche das Zeitverhältnis (vorzeitig, gleichzeitig, nachzeitig) der Handlung im untergeordneten Satz zu der im übergeordneten Satz.

Übergeordneter Satz                                                 Untergeordneter Satz

Zeitstufe                                                                    Zeitverhältnis

Gleichzeitig

vorzeitig

Nachzeitig

Präs., Futur I u. II.

Konj. Präs.




Konj. Perf.

-urus sim

Impf., Per., Plqperf.

Konj. Impf.

Konj. Plqperf.

-urus essem

1)     ut- Sätze:

sind gleichzeitig.

·       Abhängige Begehrsätze (Befehl- oder Wunschsätze)

Einleitung:                       ut = dass

Verneinung:                     ne = dass nicht

Verwendung nach Verba des Befehlens, Wünschens, Bittens (imperare, optare, orare, rogare, monere, petere a, hortari,):

MERKE: Nach Verba des Fürchtens (timeo, vereor) steht ne (dass) b.z.w. ne non (oder ut: dass nicht).

Das indirekte Reflexiv vertritt, wie auch im Finalsatz und im indirekten Fragesatz, das Subjekt des übergeordneten Prädikats und wird mit dem Personalpronomen übersetzt.

Lucius rogavit, ut sibi satim de itineribus narrarent.

Lucius bat, sie mögen ihm sogleich über die Reisen erzählen.

Lucius bat, ihm sogleich über die Reisen zu erzählen.

·       Finalsätze (Zwecksätze):

Einleitung:                       ut = damit, um zu

Verneinung:                     ne = damit nicht

Steht im Finalsatz ein Komparativ, so wird der Gliedsatz mit quo eingeleitet.

Turrim ascendunt, quo omnia accuratius videant.

Sie besteigen einen Turm, damit sie alles um so genauer sehen (können).

·       Konsekutivsätze (Folgesätze):

Einleitung:                       ut = so(dass)

Verneinung:                     ut non = so(dass) nicht

Auf den konsekutiven Charakter des ut- Satzes weisen oft Wörter wie sic, tam, adeo, tantus u.ä. hin.

Nox tam brevis est, ut finem et initium lucis exiguo discrimine internoscas.

Die Nacht ist so kurz, dass du Ende und Anfang  des Tageslichtes kaum (nur mit geringem Unterschied) unterscheiden kannst.

·       Konzessivsätze (Einräumungssätze):
Einleitung:                       ut = wenn auch

Verneinung:                     ut non = wenn auch nicht

Ut desint vires, tamen est laudanda voluntas.

Wenn auch die Kräfte fehlen, ist dennoch der gute Wille zu loben.

2)     cum- Sätze:

·       cum narrativum (erzählendes cum):

+ Konj. Impf. = als

+ Konj. Perf. = nachdem, als

Romani, cum in eas regiones venissent, hiberna aedificaverunt.

Als die Römer in diese Gegenden kamen (lat. vorzeitig!), legten sie Winterlager an.

P. & I., cum omnia visitavissent, domum redierunt.

Nachdem P. & J. alles besichtigt hatten, kehrten sie nach Hause zurück.

·       cum causale (begründendes cum):

= da, weil

cum a te neglecta sint, quae sine ulla causa alii praedicant.

weil du verachtet hast, was andere völlig grundlos rühmen.

·       cum concessivum (einräumendes cum):

 = obwohl, obgleich

Im HS weist bisweilen tamen auf den Konzessivsatz hin.

Cum per valetudinem posses, venire tamen noluisti.

Obwohl es dir gesundheitlich möglich war (möglich gewesen wäre) wolltest du dennoch nicht kommen.

·       cum adversativum (gegenüberstellendes cum):

= während (dagegen)

Neque fas esse existimant ea litteris mandare, cum in reliquis fere rebus, publicis privatisque rationibus, Graecis litteris utantur.

Auch halten sie es für frevelhaft, dies schriftlich niederzulegen, während sie in fast allen übrigen Belangen, in öffentlichen und privaten Angelegenheiten, die griechische Schrift zu verwenden,










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