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Kunst Pop art


Einleitung

I

n den 50er Jahren entstanden in New York, London und Paris neue Kunstrichtungen, die Anfang der 60er als Pop Art, Nouveau Réalisme und Fluxus bekannt wurden. Sie entwickelten sich vor dem Hintergrund der vorherrschenden Abstraktion in der Malerei mit der Verweigerung der realen Umwelt. Ganz im Gegensatz dazu stand die Pop Art, welche alltägliche Gegenstände benutzte um den tieferen Sinn dieser neuen Kunst zum Ausdruck zu bringen. Robert Rauschenberg, ein berühmter amerikanischer Pop Art Künstler, brachte dies wiefolgt zum Ausdruck: "Für mich gibt es keinen Unterschied zwischen Kunst und Leben." Die Pop Art war die erste Kunstrichtung des 20. Jahrhunderts mit grossem Erfolg, welcher darin begründet liegt, dass sie die Bestrebungen der jungen Generation wiederspiegelte. Sie beeinflusste nachfolgende Generationen von Künstlern und erfreut sich auch heute noch grosser Beliebtheit.

Entstehung

D

ie Pop Art entstand eher langsam, vor allem in grossen Städten wie New York, Los Angeles, San Francisco, London, Paris, Düsseldorf und Mailand. Die  Künstler arbeiteten fast ausschliesslich unabhängig voneinander und wurden zunächst als "Neue Realisten" bezeichnet. Die erste gemeinsame Ausstellung fand 1962 in der New Yorker Sidney Janis Gallery statt. Wie die Liste der Keimzentren der Pop Art zeigt, ist diese ein hauptsächlich amerikanisches und europäisches Phänomen. Im Rückblick werden jedoch besonders die Amerikaner und die Engländer wegen ihrer Verdienste um die neue Kunst hervorgehoben.

Pop Art steht als Begriff für eine "nach aussen gekehrte Kunst, die sich ganz der Optik der Grossstadtkultur verschrieb, aus der sie hervorgegangen war." Bedingt durch die unterschiedlichen Verhältnisse in den einzelnen Ländern erlangte die neue Kunstrichtung eine sehr heterogene Art.

Bei vielen löste Pop Art Entsetzen aus. Einer ihrer wichtigsten Kritiker Max Kosloff: "Die Wahrheit ist, die Kunstgalerien werden überschwemmt von dem schwachköpfigen und nichtswürdigen Stil von Kaugummikauern, Backfischen und, schlimmer noch, Straftätern". Seine Meinung schwächte sich jedoch im Laufe der Jahre ab. Oft wurde der Pop Art vor allem von den Expressionisten ein Verrat am langen Kampf der Moderne vorgeworfen. Doch die neue Kunst liess sich von solchen Kritiken und von den moralisierenden linksliberalen Intellektuellen nicht verunsichern. Pop Art blieb jedoch für einige Zeit ein Schmähwort, weshalb sich anfangs einige Künstler nicht als deren Angehörige bezeichnet wissen wollten.

Merkmale

W

ichtig für die Pop Art sind sogenannte "objets trouvés", typische Objekte für eine bestimmte Kategorie von Gegenständen, die dann in Kunst verwandelt werden. Oft sind diese Gegenstände ganz banaler, alltäglicher Natur. An den Nachbildungen des Alltäglichen faszinieren jedoch vielmehr die formale Originalität, die Menschlichkeit und Intimität, als dass sie durch ihre Banalität schockieren würden. Eine der grössten Leistungen der Pop Art Künstler ist die Störung der Menschen in ihrer Selbstgefälligkeit, indem sie als "agents provocateurs" auftraten. Sie versuchten die starren Blickweisen der Menschen zu öffen und zu flexibilisieren. Häufig nutzten sie die Collage sowie die Assemblage[1], um so ihrer Kunst eine Fülle von Quellenmaterial zu öffen, das durch die Massenmedien jedermann gleichermassen zugänglich war. Es ging ihnen auch darum, zu betonen, dass sie lediglich schon vorhandene Materie wiederverwerteten. Zu solchen Materialien gehörten Werbung, Reklametafeln, Photographien, Comic-Hefte, Illustrierte, Zeitungen, Film und Fernsehen und weitere. All dies verwandten sie für ihre Kunst, die dadurch ein klarer Spiegel der Kultur war. Dieses "ready-made" war eine Provokation gegen die konventionelle Vorstellung von künstlerischer Kreativität. Viele, die das Kunstwerk als eine subjektive, persönliche Form der Einflussnahme eines einzelnen Individuums auf die Welt sahen, wurden vom neuen Kunstverständnis schockiert. Die Pop Art Künstler lenkten die Aufmerksamkeit auch auf die Überfülle an Informationen und visuellen Reizen, die uns heute genau gleich wie damals überfluten und überfordern. Es war ihnen auch wichtiger, die Sinneseindrücke neu zu ordnen. Ihrer Meinung nach bedurfte die Welt keiner weiteren Erfindungen, was sich in ihrem Unwillen, Neues hinzuzufügen ausdrückte. Paradoxerweise trug jedoch das ihre zum fieberhaften Produktionszwang und dem Konsumdenken bei.

Die Pop Art ist bewusst neutral und sehr vielfältig. Die Kritiker konnten oft in die Werke hineininterpretieren, was sie wollten. So behaupteten beispielsweise einige, Warhol verherrliche die Konsumkultur oberflächlich. Andere waren hingegen der Meinung, dass er sie mit leisem Spott ironisierte bzw. sie sogar der Kritik unterziehe. Warhol selbst sagte, er male, was er am besten kenne als Symbole der erbarmungslosen, unpersönlichen Produkte und schamlos materialistischen Objekte, auf denen Amerika aufgebaut ist. Durch die offene Darlegung ihrer Subjektivität haben diese Künstler in gewisser Weise gegen eines der Wesensmerkmale der Popkunst, ihren nüchtern, kühlen Verzicht auf jede klare Stellungnahme, verstossen.

Die Pop Art hat keine übereinstimmend Einstellung gegenüber ihren Stilformen und Materialien, sie ist alles andere als uniform. Allerdings kann man die Pop Art der englischsprachigen Welt trotz verschiedenster Erscheinungsformen als einheitliche Kunstrichtung mit gemeinsamen Interessen sehen. Von hoher Bedeutung und als prototypischste Arbeit seitens der englischen Pop Art erwies sich Tafel 101. Allgemein lässt sich sagen, dass die europäischen Werke eine eindeutigere Haltung zu ihrem Gegenstand haben als diejenigen von Künstlern der USA.

Für die Pop Kunst hat der Konsumboom der Nachkriegszeit und die Allpräsenz der Medien eine zentrale Bedeutung. Da diese in den jeweiligen Ländern unterschiedlich ausgeprägt sind, haben sie in den verschiedenen Ländern aber auch eine jeweils andere Bedeutung für die Kunst.

Die Künstler der Pop Art haben den Kult des Künstlers als heroisches, isoliertes Individuum gemieden. Ihr Angriff auf konventionelle Geschmacksvorstellungen hat die Wahrnehmungsgewohnheiten verändert und ein Zeugnis des Zeitgeistes geschaffen.

Anfang der 60er hatte sich die Pop Kunst auf breiter Front durchgesetzt und erfreut sich bis heute grosser Beliebtheit.

Warum ist die Pop Art immer noch beliebt ?

§       Sie ist leicht zugänglich für das allgemeine Publikum.

§       Viele können in ihr wiedererkennen, was unser tägliches Leben prägt.

§       Sie veranschaulicht anhand von Dingen, die uns umgeben, ist uns also daher vertraut.

§       Ihre humorvolle Sprechweise drückt sich in einfachen Formen aus.

§       Ihre Direktheit und Farbgebung wirken anziehend.

§       Die Pop Art hat vor allem überdauert, da sie radikal neu definiert, was die Attribute, was die Qualitäten eines Kunstwerkes sein können.

§       Schliesslich herrscht in der Pop Art die Freiheit auf unterschiedlichste Themen mit unterschiedlichsten Methoden und Techniken Bezug zu nehmen.

'In Reaktion auf die Moderne, die die Originalität als Selbstzweck heiligt, haben sie unzählige Möglichkeiten aufgezeigt, wie ein Künstler sich des Zwangs entheben kann, irgend etwas - sei es Geist, Technik oder Bildsprache - zu erfinden, und dennoch imstande ist, etwas hervorzubringen, was neu und durch eine klare Identität gezeichnet ist.'

Roy Lichtenstein (1923-1997)

'I feel I've  had a good life' (1991)

Curriculum vitae - ausgewählte Daten

1923                           Roy Lichtenstein wird als Kind einer Mittelstandsfamilie in New York geboren.

1939                           Besuch der Kunst-Sommerseminare der Art Students League bei Reginald Marsh.

1940-42          Er absolviert die High School mit dem Wunsch, Kunst zu studieren und Künstler zu werden. Er verlässt New York und schreibt sich an der Ohio State University in der School of Fine Arts ein. Hier wird er stark von Professor Hoyt L. Sherman beeinflusst.

1943-45          Militärdienst in England, Frankreich, Belgien und Deutschland

1946-48          Rückkehr nach Ohio und Abschluss des Studiums im Juni 1946, Beginn des 'Master of Fine Arts'-Studiums und Aufnahme einer Lehrtätigkeit

1949                           Lichtenstein beendet sein Studium an der School of Fine Arts der Ohio State University mit der Magisterprüfung. Er unterrichtet noch bis 1951.

1951                           Lichtenstein präsentiert seine erste Einzelausstellung in der Carlebach Gallery (New York).

1951-57                      arbeitet er in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio als graphischer und technischer Zeichner.

Ende der 50er ,währenddem er in New York lernt, zeichnet er Walt Disney Figuren sowie gegenstandslos abstrakt expressionistische Bilder.

1960                          Er wird Assistant Professor an der Rutgers University in New Brunswick (New Jersey). Über Kollegen lernt er Allan Kaprow, Jim Dine, Clay Oldenburg und George Segal kennen.

1961                          Lichtenstein malt erste Pop Bilder. Dazu überträgt er Cartoonfiguren aus Comicbüchern mit kleinen Anderungen direkt auf grundierte Leinwand.

1962                          Seine Ausstellung in der Leo Castelli Gallery in New York (siehe Artikel aus der FAZ) löst schockartige Reaktionen aus.

1962                           Noch im selben Jahr nimmt er an der Ausstellung 'New Realists' teil.

1963                           lässt er sich von der Rutgers University beurlauben und übersiedelt nach New York. Im nächsten Jahr kündigt er seine Universitätsstelle, um sich voll und ganz der Malerei zu widmen.

1970er                        Jetzt beginnt seine hauptsächliche Schaffensperiode. Er malt Bilder, die andere Malstile parodieren, zum Beispiel den Fauvismus[2], Surrealismus und den Expressionismus. Diese Technik überträgt er später auf Skulpturen und Wandgemälde.

1970                           übersiedelt Lichtenstein nach Southhampton, Long Island.

1997                Lichtenstein stirbt am 29. September in New York (siehe Artikel aus der FAZ und der Washington Post).

Lichtensteins Verhältnis zur Pop Art

'Was ist Pop Art ?'

Lichtenstein:

'Ich weiss es nicht - der Einsatz von kommerzieller

Gebrauchskunst als Gegenstand in der Malerei, vermute ich mal', und 'das einzige, was alle hassten, war kommerziell orientierte Gebrauchskunst.'

Seit Cézanne ist die Kunst extrem romantisch und unrealistisch geworden, sie zehrt nur noch von der Kunst selbst, sie ist utopisch. 'Draussen ist die Welt, sie ist dort.' Die Pop Art blickt hinaus in die Welt, sie ist anti-experimentell.

'Wo liegen die Anfänge Ihrer Ideen über Kunst ?'

'Die Gedanken von Professor Hoyt Sherman (Ohio State University) über Wahrnehmung waren für mich der früheste wichtige Einfluss und wirken immer noch auf meine Vorstellungen von visueller Einheit ein.'

'Ich male sehr direkt, also heisst es, es handele sich um eine exakte Kopie, nicht um Kunst, vermutlich weil es keine Perspektive oder Nuancierung gibt. Das Bild sieht nicht wie das Abbild einer Sache aus, sondern wie die Sache selbst. Die Pop Art wirkt über die Sache selbst. Sie erstellt eine stilistische Intensiviereung der stimulierenden Wirkung, die das Sujet auf mich ausübst, aber der Stil ist, wie sie sagen, 'cool'.'

Ist Pop Art typisch amerikanisch ?


'Jedermann bezeichnet Pop Art als amerikanische Malerei, in Wirklichkeit ist sie eine industrielle Malerei. Amerika wurde vom Industrialismus und Kapitalismus früher und härter getroffen, und seine Werte scheinen in gewisser Weise pervertierter.' Europa wird industriell bald so sein, wie die USA, damit wird die Pop Art universell.

Die Pop Art hat vier ganz grosse Namen hervorgebracht: Rauschenberg, Johns, Warhol und Lichtenstein. 10 Jahre nach Warhol ist auch Lichtenstein, dreiundsiebzig-jährig in New York, gestorben. Er wurde berühmt mit 'monumentalen Rasterbildern tropfender Pinselhieben, die auf sublime Weise das 'Action Painting' des Übervaters Willem de Kooning verhöhnten. Lichtenstein unterwarf sich der unentrinnbaren, ja totalitären Konsumkultur und ihrer Alltagskonographie. Reiche Bildquellen erschloss er aus dem Angebot der Comic-Fabrikation. Er isolierte Einzelmotive, redigierte und monumentalisierte sie sorgfältig und machte sich ihre Popularität zunutze. Seine weinenden Mädchen, seine schwebenden Liebespaare, die ratternden und stampfenden Kriegsbilder, die Sprühdosen-, Wollknäuel- oder Steckdosengemälde avancierten zu neuen Ikonen der Kunstwelt. Europa war verblüfft und fasziniert, Amerika verhielt sich reserviert.

Er bestand darauf, dass ihn das Sujet, also die Vorlagen der Comics oder der Werbung, gleichgültig, blosser Vorwand für die artifizielle Verarbeitung seien. Darin entwickelte Lichtenstein seine Meisterschaft. Seine Methode lässt sich eher von der Designästhetik ableiten als von den Mythen des Kunstschaffens.

Lichtenstein war das Gegenteil eines innovativen Selbstverwirklichungskünstlers. Er lehnte radikal Intuition und Handschrift ab.

Im Affront gegen den abstrakten Expressionismus wiederholte sich in seinen Augen ein leitmotivischer Konflikt der Kunstgeschichte, das polemische Verhältnis der Klassizisten gegen die Romantiker, Ingres gegen Delacroix, Poussin gegen Rubens. Dabei sieht sich Lichtenstein selbst in der Rolle des Klassizisten.'

Er hat gegenüber der Kunst an sich eine völlig andere Meinung als Rauschenberg (vergleiche Einleitung Zeilen 12 und 13): 'Kunst ist Schein, sie spiegelt immer nur sich selbst.' Um dies zu illustrieren benutzte er häufig einen Spiegel, der 'zur Allegorie gegenstandsloser Kunst' wird.

Mich beeindruckt vor allem die Aussagestärke seiner Bilder trotz der Einfachheit der Mittel, derer er sich bedient. Es gelingt ihm, mit einem sehr flächigen und farbenfrohen Malstil und der Rasterpunkttechnik, für welche er berühmt ist, starke Eindrücke zu hinterlassen.

Mai 1994 (AP Photo)

Literaturverzeichnis

·       Janis Hendrickson 'Roy Lichtenstein - Die Ironie des Banalen' 1997 erschienen im Benedikt Taschen Verlag

·       Washington Post, Tuesday, September 30, 1997

·       Frankfurter Allgemeine Zeitung, Mittwoch, 1. Oktober 1997

·       Pop Art: Katalogbuch zur Ausstellung 'Die Pop Art Show' im Museum Ludwig, Köln (22.1.-21.4.92). Hrsg. v. Marco Livingstone. 3. Aufl. 1994. 312 S. m. 183 Farbtaf. u. 131 SW-Abb. 30 cm. ISBN: 3-7913-1414-9 , - PRESTEL, M.-




[1] [frz. Zusammenfügung], eine scheinbar willkürliche Anordnung vorfabrizierter Objekte (z.B. Nägel, Tuben, Brillengestelle oder Pappbecher), die anscheinend nichts miteinander verbidet; Integration von wiklichkeitselementen im Kunstwerk; Vorväter Dadaisten, populär durch Arman und Spoerri

[2] Richtung der nachimpressionistischen frz. Malerei, parallel z. dt. Expressionismus; Gruppe 'Les Fauves' (die Wilden), seit 1905, setzt anstelle des Tupfengewebes der Impressionisten ungebrochene Farbflächen und schwarze Konturen; Vertreter: Matisse, Derain, Vlaminck











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