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Der Rassismus - Wurzeln und Dimensionen in Europa



Der Rassismus

Wurzeln und Dimensionen in Europa


"-alle geordnete Gesellschaft schläfert die Leidenschaft ein-"

(Friedrich Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft)

Inhalt:

Was ist Rassismus?


Der Rassist

Die Menschenrassen biologisch betrachtet

Das Altertum

Antijudaismus im Mittelalter

Große Entdeckungen und ihre Folgen

Die ersten Rassentheorien

Rassismus und Politik

Vom "staatserhaltenden" Antisemitismus zum Verbrennungsofen

Der Rassismus in unserer Zeit


Was ist Rassismus?

Wir glauben zu wissen, was das ist: Rasse. Wir glauben zu wissen, daß wir als aufgeklärte Mitteleuropäer nie und nimmer Rassisten sein könnten. Der Rassismus hat mit der "Endlösung" seinen grausigen Höhepunkt erreicht, nie aber zum Ende gefunden. Man kann ihn nicht als abgeschlossen und daher unschädlich ansehen.

In der heutigen Zeit tritt der Rassismus in vielerlei Gestalt auf. Der "klassisch weiße" Rassismus kämpft unter den Namen "Apartheid" seine letzten Schlachten, während auch ein sogenannter "schwarzer" Rassismus, basierend auf Stammesunterschiede, sein Unwesen treibt, der wie im alten Europa zu Massenvertreibungen führt.

In unseren Breiten wagt es der Rassismus nicht mehr, sich offen als solcher zu bekennen. Nur ein paar, mit Pinsel und Dummheit, bewaffnete Irre stellen ihren Unmut auf Gräbern und Synagogen zur Schau. Der Großteil unserer Gesellschaft jedoch nennt sich "Anti-Rassist". Dahinter verbergen sich je Nation und Kultur verschiedenartigste Formen von uneingestandenen rassebezogenen Denken. Gegen die Nordafrikaner in Frankreich, den Pakistani oder Hindu in England usw. Aber dieses Denken muß sich nicht nur gegen die von den Kolonien Zugewanderten richten, sondern auch gegen die seit Jahrhundert Ansässigen wie etwa die Slowenen in Kärnten, die von der deutschsprachigen Bevölkerung noch immer nicht integriert sind.

Der Rassismus ist eine gelebte Erfahrung. Wahrscheinlich ist sie außerdem für jede menschliche und vielleicht sogar jede tierische Lebenswelt charakteristisch:

Immer, wenn jemand mit einem anderen oder einer Gruppe von Individuen in Berührung kommt, die anders sind als er oder die er kaum kennt, reagiert er auf eine Weise, die den Rassismus anklingen läßt.

Demnach wären wir wohl alle Rassisten. Doch nicht ganz. Wir sind zwar in Versuchung den Rassismus in uns aufzunehmen. Wir sind dann in Gefahr uns als Rassisten zu verhalten, wenn wir glauben unsere Privilegien und Güter oder unsere Sicherheit zu verlieren. Dies trifft wohl oft zu, also ist der Rassismus eine weitverbreitete und nicht seltene Reaktion des Menschen.

Das Hervorheben eines wie immer gearteten Unterschieds zwischen den Menschen ist kein Rassismus, selbst dann nicht, wenn dieser Unterschied zweifelhaft ist. Somit ist die Feststellung eines Unterschieds kein Rassismus sondern eine Feststellung. Aber diese Feststellung läßt sich für einen rassistischen Angriff nutzen.

Auch die Bewertung eines Unterschieds zu unseren gunsten ist noch kein ausreichender Beweis für rassistisches Denken. Das ist nur eine recht weit verbreitete Neigung. Wir bringen unsere eigenen Merkmale und Gewohnheiten in den Vordergrund. Erstaunen und Unbehagen über den Unterschied kommt dadurch zur Geltung.

Man wird schließlich erst dann Rassist, wenn man den entscheidenden Schritt tut: die Verwendung des Unterschieds gegen den anderen, mit dem Ziel, aus dieser Stigmatisierung einen Vorteil zu ziehen. Die Behauptung, dieses oder jenes Volk ist einem anderen in der technischen Entwicklung unterlegen, ist kein Rassismus. Man kann darüber streiten, reden und diskutieren.

Erst wenn man daraus den Schluß zieht, dieses Volk beherrschen zu müssen und die Unterschiede als Rechtfertigung und Erklärung gebraucht, ist man vom Rassismus befallen.

Definition

Der Rassismus ist die verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher oder fiktiver Unterschiede zum Nutzen des Anklägers und zum Schaden seines Opfers, mit der seine Privilegien oder seine Aggressionen gerechtfertigt werden sollen. (Albert Memmi)

Die Analyse bringt vier wesentliche Elemente zu Tage:

1.   Nachdrückliche Betonung von tatsächlichen oder fiktiven Unterschieden zwischen dem Rassisten und seinem Opfer.

2.   Wertung dieser Unterschiede zum Nutzen des Rassisten und zum Schaden seines Opfers.

3.   Verabsolitierung dieser Unterschiede, indem diese verallgemeinert und für endgültig erklärt werden.

4.   Legitimierung einer - tatsächlichen oder möglichen - Aggression oder eines - tatsächlichen oder möglichen - Privilegs.

Die rassistische Anklage stützt sich auf einen biologischen und kulturellen Unterschied. Diese beiden Komponenten wechseln sich einander ab, um anschließend allgemeine Rückschlüsse auf die Gesamtheit der Persönlichkeit, des Lebens und der Gruppe des Beschuldigten zu ziehen. Indem der Ankläger auf den Unterschied besteht, bewirkt oder verstärkt der Rassist bewußt den Ausschluß, die Ausgrenzung des Opfers aus der Gemeinschaft oder der gesamten Menschheit.

Der Rassismus des Kolonisators weist darauf hin, das es Unmöglich ist, den Kolonisierten in die Gemeinschaft aufzunehmen und zu akzeptieren. Der antisemitische Rassismus der den Juden als radikal fremdes und befremdendes Wesen darstellt, will die Isolierung und Ghettoisierung des Juden rechtfertigen.

Wenn dem Ankläger die Unterschiede fehlen, werden sie erfunden. Gibt es Unterschiede werden sie zum Vorteil interpretiert. Der Rassist besteht nur auf Unterschiede die er zu seinen Vorteil nützen kann. Diese werden der Wertung des Rassisten unterzogen.

Diese Wertung hilft dem Ankläger seine Überlegenheit und die Unterlegenheit des Opfers darzustellen. In der rassistischen Welt ist der Unterschied etwas Schlechtes. Der Rassist wird alles unternehmen diesen Unterschied zu vergrößern, weil je kleiner er das Opfer macht, desto größer wird er selbst. Wenn der Ankläger seine Überlegenheit endgültig untermauern will, muß auch der Unterschied zu einem endgültigen werden.

Weiters ist der Ankläger bemüht den Unterschied zu verallgemeinern. Das bedeutet die gesamte Persönlichkeit des Opfers ist derart charakterisiert, daß alle Mitglieder seiner gesellschaftlichen Gruppe unter der Anklage zusammenbrechen. Der biologische Unterschied ist dabei verhängnisvoll. Der Unterschied ist in Fleisch und Blut festgestellt. Von nun an ist das innerste Wesen des Opfers anders. Der biologische Unterschied wird zum kulturellen Unterschied erstreckt.

Der Antisemit nimmt die Geldgier eines einzelnen Juden, und verallgemeinert dahin, daß alle Juden habgierig sind. Dieser Mechanismus greift auch auf die notorische Faulheit der kolonisierten oder die Gewalttätigkeit der Schwarzen. Er wird auf die Vergangenheit und die Zukunft ausgedehnt. Das bedeutet der Jude war schon immer habgierig, der Schwarze seit ewig unterlegen. Es bedeutet aber auch das das immer so sein wird.

Am Ende wird der Unterschied auf die Person des Opfers absolut gesetzt. Es entsteht der absolute Kolonierte oder der absolute Jude. Sein Typ ist wohlgemerkt negativ, endgültig und absolut. Im Mittelalter wurde der Jude zur Wiedergeburt des Teufels, und später zum antiethischen Feind der Nationalsozialisten. In diesem Extremfällen wurde der Rassismus zum Mythos. Und ein Mythos löst sich von der Wirklichkeit.


Der Rassist

Keiner möchte als Rassist gelten, und trotzdem gibt es in der heutigen Zeit rassistisches Denken und Handeln. Auf direkte Frage verleugnet sich der Rassist und löst sich in nichts auf: "Ich bin ja nicht ausländerfeindlich, aber" Auf weiteres Drängen würde er beleidigt sein. Also gibt es keine Rassisten. Aber doch gibt es Beispiele dafür wie sich Leute gegenüber anderen rassistisch verhalten.

Die rassistische Argumentation müßte eigentlich schon langweilig und überholt erscheinen. Zu viele Gegenstimmen und tausende von Widerlegungen verschiedenster Art. In den verschiedensten Fachgebieten wurden Angelegenheiten bis ins kleinste Detail als nichtig erklärt. Das alles müßte wohl auch den letzten Rassisten überzeugt haben. Er hört aber nicht auf mit seinen Fehlinterpretationen und wiederholt sich unaufhörlich.

Egal, ob der Rassist Dummheiten oder Wahrheiten von sich gibt, sich abweichend oder normal verhält, wir müssen ihn wohl oder über zuhören, weil er ja derjenige ist der die Schläge austeilt und Beschuldigungen vorbringt. So wahnsinnig diese Argumentationen auch lauten mögen, sie dürften doch mehr über den verraten der sie verbreitet, als über ihre Inhalte. Was sagt also der Rassist, oder besser der der sich selbst verleugnet?

Der Rassist versucht mit seinem System, mit einer gewissen Gliederung seiner Vorstellungen zu überzeugen, mit einer Art rassistischen Theorie. Der gewöhnliche Rassist ist bestrebt, "sein" Publikum zu überzeugen ihm die Wahrheit mitzuteilen. Er kennt sich auf seinem Gebiet gut aus, auf jedem Fall besser als der dem dieses Thema gleichgültig ist, und besser als der Antirassist.

Das liegt daran, daß er mit dem Thema in einem gewissen Zwangszustand steht. Egal wo, Zuhause oder am Arbeitsplatz, überall ist er bemüht, bei Gelegenheit zustimmende Bemerkungen zu provozieren. Es erfüllt ihn mit Freude wenn er Einwänden triumphierend begegnet. Er beruft sich meist auf gelesenes, oder Information, die er glaubt der ganzen Welt mitteilen zu müssen. Er glaubt die Gesprächspartner müßten ihn sogar dankbar, seiner Belehrung über das Schicksal der Menschheit, sein.

So entsteht der Wille zur Überzeugung, mit denen die Menschen beeinflußt werden sollen, um auf eine neue Ordnung der Dinge hinzuarbeiten. Die Betrachtungen des Rassisten liegen weniger als wissenschaftliche Theorie dar, sondern vielmehr als Philosophie. Was soll mit ihr bewiesen werden? Diese Philosophie stützt sich meist auf drei Argumentationsreihen:

1.   Es gibt reine und daher verschiedene Rassen, das heißt biologische Unterschiede zwischen den Gruppen aus denen sich eine Gesellschaft zusammensetzt.

2.   Die reinen Rassen sind den anderen biologisch, gesellschaftlich, kulturell und geistig überlegen.

3.   Diese Unterschiede rechtfertigen die Herrschaft und Privilegien der höherstehenden Gruppen.

Es fällt sogar bei oberflächlicher Betrachtung die Schwäche der Behauptungen und Ableitungen auf. Der Begriff Rasse ist historisch betrachtet aus der Landwirtschaft, wo die Nutzleistung z. B. einer Kuh durch geeignete Zuchtverfahren verbessern werden sollte. Was die Reinheit angeht, so handelt es sich um eine Übereinkunft, die den Interessen der Züchter entsprungen ist. Es geht dabei um eine Stabilisierung eines ausgewählten Zuchtergebnisses.

Die "reine" Rasse ist eine Linie, die vom Menschen festgelegt wurde. Nehmen wir z. B. die Pferde: in einem Fall sind es die Rennpferde im anderen die Zugpferde. Vom unterschiedlichen Körperbau leitet sich ab, daß eines zum Galoppieren, das andere zum Ziehen besser geeignet ist. Wendet man diese Erkenntnis nun auf den Menschen an, so wird nicht mehr erkenntlich, was das überhaupt bedeuten soll. Bis heute hat noch keiner die Absicht gehabt, die Menschen züchten zu wollen.

Unter anderem sind kaum Völker oder Stämme bekannt, die so isoliert leben, daß sie sich noch nie mit anderen Kulturen vermischt hätten. Der Zwang zum Leben und Überleben, haben zu einer andauernden Mischung der Rassen geführt. Es blieb also niemand unter sich. Selbst Herrscherfamilien die das anstrebten, waren nicht vor unehelichen Nachkommen gefeit. Aber nehmen wir einmal an es gibt sie, die sogenannte Reinheit des Blutes oder der Rasse, so ist sie also auf keinen Fall für die Menschheit charakteristisch. Der Begriff "Reinheit" ist Gegenstand der Phantasie.

Es gibt sie dennoch, die Unterschiede der Menschen, und der Rassist wird stets bemüht sein, die neuen Erkenntnisse in dieser Richtung aufzuschnappen. Es gibt zwar keine reinen Rassen, aber die Menschen sind trotzdem verschieden. Wieviele Unterschiede, seien es Augen, Nasen, Hautfarbe sieht man alleine in einer Stadt. Wieviele sind es dann in ganz Europa?

Die einzelnen Typen, sofern man diese dingfest machen könnte, würden doch keine soziale Gruppe bilden. Jedes biologische Merkmal ist zufällig über Nationen, Volksgruppen und Klassen in unterschiedlich großen Anteilen verteilt. Es folgt der Schluß, daß keine Gruppe sich irgendeine Merkmalkonstellation ausschließlich für sich in Anspruch nehmen kann.

Seit kurzem glauben Rassisten eine neue Entdeckung für ihre Argumentation gefunden zu haben: Die Analyse des Blutes enthüllt die Existenz unleugbarer Unterschiede. Nur reichen diese Unterschiede bis auf die Ebene des Einzelnen hinab, somit diese Argumentation verworfen ist. Es hat den Anschein, daß dadurch die rassistischen Theorien sogar noch weiter zurückgedrängt werden. Der Fingerabdruck jedes Menschen dient nun mal nicht zur Kategorisierung. Die menschliche Iris ist in so hohem Grad individuell, daß sie in Zukunft als persönliches, unveränderliches Kennzeichen dient.



Wenn also der Begriff der reinen Rasse zweifelhaft ist, dann wird die Vorstellung von der rassischen Überlegenheit im Namen dieser Reinheit sinnlos. Nehmen wir trotzdem an, dieses Argument der Reinheit wäre gültig. Warum sollte eine reine Rasse einer unreinen Rasse überlegen sein? Was bedeutet biologische Überlegenheit? Warum sollte eine biologische Überlegenheit eine Überlegenheit auf anderen Gebieten zur Folge haben?

Man findet in der gesamten Geschichte absolut keine Rasse, die Vorteile hatte. Hin und wieder findet man einen Volksstamm, der vom Schicksal oder von den Göttern begünstigt wurde. Warum sollten biologisch ähnliche Wesen mit kontrollierten und veredeltem Erbgut überlegen sein? Und vor allem, welcher Art von Überlegenheit?

Weder Gesundheit noch Schönheit ziehen automatisch Intelligenz, Erhabenheit der Gefühle und überragende Geistigkeit hinter sich her. Wenn Muskelkraft oder persönliche Ausstrahlung eine Garantie für die beste Lenkung eines Staates wäre, hätten wir überall Muskelprotze im Parlament sitzen. Von welcher Seite auch immer, der biologische Rassismus erweist sich als unhaltbar. Der Rassist wechselt bei diesen Behauptungen dann die Seiten zwischen Biologie und Psychologie, die ständige Erweiterung der Argumente ist als Flucht anzusehen.

Der dritte Schritt der Beweisführung, fällt demnach flach, weil er auf den beiden hervorgegangenen aufbaut. Wenn nämlich die reine Rasse nicht existiert und auch die biologische Überlegenheit zweifelhaft ist, gibt es auch keine andere Überlegenheit. Manche bevorzugen körperliche Kraft, Schönheit und Jugend, dabei handelt es sich um geschaffene Tatsachen, während der Rassist von Recht spricht. Sehr wohl gibt es Volksstämme die den schnellsten ihrer Männer zu Häuptling machen. Seit kurzer Zeit ist Charme und Geschlecht für den Erfolg als Politiker ausschlaggebend.

Die Argumentation des Rassisten beruht weder auf stichhaltigen Beweisen, noch wird sie widerspruchsfrei entwickelt oder ist in ihren Schlußfolgerungen gerechtfertigt. Es gibt nichts woran man festhalten könnte, weder für die Vernunft noch für die Moral.


Die Menschenrassen biologisch betrachtet

Man kann Menschen auf Grund gewisser Merkmale in "Rassen" mit sehr ungenauen Abgrenzungen einteilen. Die ersten Rassenklassifikationen von Francois Bernier oder Blumenbach beruhten auf den Unterschied der Hautfarbe (weiß, gelb, schwarz). Die Farbe ist aber eigentlich das oberflächlichste Merkmal, weil es zum einen vom Klima und andererseits von der Umwelt abhängt. Im 19. Jahrhundert meinte man, wurden dann bessere Merkmale wie z.B. die Form der Nase, des Unterkiefers oder des Haares gefunden. Im 20. Jahrhundert wurden noch zahlreiche andere Unterscheidungsmerkmale entdeckt, so etwa die Häufigkeit verschiedener Blutgruppen innerhalb einer gegebenen Population oder das Vorkommen gewisser erblicher Krankheiten.

Nun zeigt eine einfache Rechnung, daß, wenn man nur etwa zwanzig der erblichen Merkmale nimmt - ihre Anzahl ist unendlich viel größer -, die verschiedenen Kombinationen, die sie miteinander bilden können, beinahe eine Million erreichen, und daraus müßte man auf eine Million von Menschenrassen schließen. Daher kamen viele Wissenschaftler zu dem Schluß, daß es überhaupt keine Rassen gibt.

Den unterschiedlichen Studien, ein zitierter Autor von Dobzhansky schlug zum Zweck der Genauigkeit eine Liste von mehr als zweihundert Menschenrassen vor, folgten Forschungsergebnisse bei denen die Anzahl der Rassen zwischen sechs und vierzig schwankt. Dazu ein Beispiel, die vierunddreißig Menschenrassen die Th. Dobzhansky unterscheidet:

1.   Nordwesteuropäisch

2.   Nordosteuropäisch

3.   Alpin

4.   Mediterran

5.   Hindu

6.   Turanisch

7.   Tibetanisch

8.   Nordchinesisch

9.   Mongolisch

10.Eskimo

11.Südostasiatisch

12.Ainu

13.Lappisch

14.Nordamerikanisch-indianisch

15.Zentralamerikanisch-indianisch

16.Südamerikanisch-indianisch

17.Feuerländisch

18.Athiopisch

19.Sudanesisch

20.Waldneger

21.Südafrikanisch

22.Khoisan

23.Pygmäen

24.Wedda

25.Negritos

26.Melanesisch

27.Murrayanisch

28.Carpentarianisch

29.Mikronesisch

30.Polynesisch

31.Neo-Hawaiisch

32.Ladino

33.Nordamerikanische Farbige

34.Südafrikanische Farbige

Gewisse Rassen haben Hunderte von Millionen Angehörige, und andere sind vom Aussterben bedroht. Viele gehen bis in die Urzeit zurück, andere (die vier letzten) entstanden aus Mischungen zwischen europäischen Siedlern und Eingeborenen. Wäre es bei der Unterscheidung zwischen Menschenrassen geblieben, wäre die Arbeit der Anthropologen so harmlos gewesen, wie die des Botanikers oder Zoologen. Doch gab es diejenigen, die die Klassifikationen als Ansporn nahmen, über die geistigen oder moralischen Eigenschaften und deren Vor- und Nachteile für die Gesellschaft, zu urteilen.
Das Altertum

Die Zivilisation der Antike

In der Gegenwart wird der Rassismus oft sehr weit ausgedehnt. Er bezeichnet im strengen Wortsinn die Feindschaft gegenüber einer Gruppe von Menschen, denen man zu Unrecht einen gemeinsamen Ursprung zuschreibt. So gesehen scheint die Antike den Rassismus nicht gekannt zu haben. Der Ausdruck "Rassismus" ist neueren Ursprungs. Er wurde in den dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts als Folge des wachsenden Antisemitismus in Deutschland und der Nürnberger Gesetze geschaffen.

"Am Anfang war der Andere". Beinahe jede Zivilisation neigt dazu, sich aufgrund des Fremden zu definieren. Das "Wir" birgt den obersten Platz auf der Stufenleiter, und rechtfertigt die Anwendung von Gewalt. Der Rassismus hat seine Wurzeln in den fernsten Zeitaltern und ist Bestandteil jeder Kultur. Ist das Altertum eine Ausnahme? Der Gegensatz zwischen Griechen und Barbaren führt nicht zu einer grundsätzlichen feindlichen Auffassung und Abwertung vom Barbaren.

Um sich zum Ursprung durchzuringen, sollte man bei ihm beginnen, da wäre einmal der Fall des alten Agypten. Die Zivilisation der Pharaonen hatte, verglichen mit den unmittelbar benachbarten, ohne Zweifel einen unantastbaren hohen Grad an Vollkommenheit erreicht. Dies drückt sich allerdings nicht in Abwertung des Anderen aus. Es gab keinerlei Diskriminierung gegenüber Fremden.

Erst die wiederholten Invasionen durch fremde Heere führte zu den ersten fremdenfeindlichen rassistischen Außerungen. Da waren einmal die syro-asiatischen Söldner die während der Ersten Zwischenzeit (2190-2052 v. Chr.) ein schlechtes Andenken hinterließen. Man wollte sogar eine Mauer bauen, weniger darum, die Fremden abzuwehren, als die Beziehungen wieder zu regulieren. Mit den ägyptische Eroberungen, begannen die unterworfenen Völker allmählich das ägyptische Volk zu unterwandern und tiefgreifenden Einfluß auf die ägyptische Kultur auszuüben. Dies gilt als Anzeichen großzügiger Toleranz.

Dieses Gleichgewicht wurde von den asiatischen Hyksos (1650-1570) zerstört. Die folgenden Hebräer wurden zu deren treuen Bundesgenossen, und das ist der Grund für den Haß der Agypter nach dem Fall des Hyksos-Reiches, und für ihre Vertreibung aus Agypten. Diese Tatsache, bildete später die Grundlage des alexandrinischen Antisemitismus in hellenistischer und römischer Zeit.

Unter persischer Herrschaft (524-402) siedelten sich Griechen, Karer, Juden usw. in Agypten an. Die Griechen und Agypter waren den Juden feindlich gesinnt. Gründe waren das Mißtrauen gegenüber dem hebräischen Monotheismus und den Söldnern im Dienste der Perser usw. Die Griechen maßen dem Bestehen verschiedener Gruppen wenig Bedeutung zu. Aristoteles schrieb den Barbaren, obwohl diese seiner Ansicht nur geboren wurden, um als Sklaven zu dienen, gewisse Tugenden zu. Der Grieche gab sich keine Mühe andere Zivilisationen kennenzulernen, um dann ein Urteil über sie zu fällen.

Rom ist anders

Das Imperium bestand aus einer Vielfalt von Völkern, und sogar die Kaiser waren zeitweise spanischer oder portugiesischer Herkunft oder stammten aus dem Orient. Es scheint als war man fremden Einflüssen gegenüber offen und daß es keine Diskrimination gab. In so manchen Dokumenten jedoch wird die Ansicht vertrieben, daß die Schwarzen aufgrund ihrer Hautfarbe fremdartiger als die Barbaren sind. Man brachte die schwarze Haut mit der Unterwelt, dem Tod, ja sogar mit Kot in Verbindung.

Dieser Behauptung stand die weise Bemerkung Ciceros gegenüber: "Die Menschen unterscheiden sich durch ihr Wissen, aber alle sind gleich, was die Fähigkeit zu wissen betrifft; es gibt keine Rasse, die nicht, von der Vernunft gelenkt, zur Wahrheit gelangen könnte." Die den Juden gemachten Vorwürfe sind religiöser und politischer Art: religiös weil sie am Kaiserkult nicht teilnehmen, barbarische Bräuche haben (Beschneidung, Sabbat), "gottlos" sind und einen Eselskopf anbeten; politisch, wie sie ein rebellisches Volk sind und zahlreiche Aufstände anzetteln.

Das Urchristentum das aus dem Judentum entstanden ist, betonte die Abschaffung aller sozialen und ethnischen Unterschiede. Beispiel Paulus: "Hier ist kein Jude noch Grieche, hier ist kein Knecht oder Freier, hier ist kein Mann noch Weib; denn ihr seid allzumal einer in Christo Jesu". Dieses Toleranzideal verlor allerdings an Bedeutung als das Christentum zur Staatsreligion wurde.
Antijudaismus der Christen

Während des gesamten Mittelalters bis zum Anbruch der Aufklärung ächtete die westliche Gesellschaft Juden, Ketzer, Geisteskranke, Schwärmer, Aussätzige, Heiden usw. Dies weist auf eine starke Feindseligkeit gegen alles, was nicht genau dem starren Rahmen des offiziellen Christentum einfügte, hin. Schon bei der Entstehung des Christentums kam es mit dem Judentum, aus dem es hervorgegangen war, in Konflikt. Seit der Christianisierung des Römischen Reiches gab es antijüdische Gesetze. Populäre Vorurteile wie Ritualmorde, Brunnenvergiftung und die Verbreitung der Pest datieren aus dem Mittelalter. Die Juden wurden zu Aussätzigen der christlichen Gesellschaft.




Die Ermordung Christi und die darauffolgende Strafe Gottes, der Fall des Tempels im Jahre 70 und die folgende Diaspora, waren Hauptargumente der Verleumder des Judentums. Es kam zu einem Wettstreit. Die Synagoge wurde als "eine Räuberhölle und die Zuflucht wilder Tiere gesehen". Andererseits waren die Juden mit der Verfolgung der Christen nicht gerade unglücklich. Diese Tatsachen fanden im Volk Widerhall und führten zur Entstehung eines byzantischen Antisemitismus.

Bis zum elften Jahrhundert litten die westeuropäischen Juden mit wenigen Ausnahmen nicht unter juristischer Zurücksetzung. Wegen ihrer Bedeutung im Wirtschaftsleben standen sie unter dem Schutz der Könige und des städtischen Bürgertums. Der eigentliche Höhepunkt war der erste Kreuzzug um 1096. Die Erwartung des Weltendes, die durch das bevorstehende Jahr 1000 erweckt worden war, führte zu einem religiösen Fieber. Die Christenheit entschloß sich, das Heilige Land von den Ungläubigen zurückzuerobern. Das waren die Juden. Im Rheinland fanden Massenvernichtungen statt; die Opfer mußten sich zwischen der Taufe und dem Scheiterhaufen entscheiden.

Die große Pest von 1348, die für ein Drittel der Bevölkerung den Tod brachte, löste in Europa heftige antijüdische Ausschreitungen aus. Die Juden flohen nach Osten, besonders nach Polen. Die wirtschaftliche Rolle und die konfliktgeladenen Beziehungen dadurch schürten den Haß gegen die Juden. Diese Abwertung führte zu einer Verschlechterung ihres juristischen Status. In Deutschland wurden sie zu Kammerknechten degradiert und aus den meisten europäischen Ländern vertrieben. An den Orten wo sie bleiben durften, wurden sie in Ghettos eingeschlossen. Sie waren verurteilt, ein besonderes Quartier zu bewohnen, welches jeden Abend durch ein Tor geschlossen wurde. Bis ins achtzehnte Jahrhundert waren sie der Willkür und Ausbeutung ausgeliefert.

Der mittelalterliche Antijudaismus, ist aber noch kein Antisemitismus oder Rassismus. Er beinhaltet ausschließlich religiöse Kriterien, und richtet sich nur gegen die Juden, die den Glauben ihrer Väter treu geblieben sind. Ein italienischer Theologe beschrieb das folgendermaßen: " Jude zu sein ist ein Verbrechen, das aber nicht von Christen zu bestrafen ist." Dieses Verbrechen konnte jedoch durch das Taufwasser abgewaschen werden. Die Vorstellung, daß die Taufe nicht genügt, um den ursprünglichen Makel zu tilgen, taucht als erstes im 14. und 15. Jahrhundert in Spanien auf. Ein Teil der Neuchristen gingen weiterhin im Geheimen ihren Glauben nach und wurden durch die Inquisition überwacht und ausgesiebt.

Daher wurden die Gesetze zur Reinhaltung des Blutes erlassen. Sie dienten zur Schranke zwischen den alten und neuen Christen. Letztere waren von allen Ehrenämtern ausgeschlossen. Viele wanderten aus. Diese spanischen Gesetze sind ohne Zweifel als Rassismus zu bezeichnen und mit den Nürnberger Gesetzen zu vergleichen. Sie begründen sich aber eher in Richtung kultureller als biologischer Art.

Andere "Ausgestoßene"

Die rechtliche Diskriminierung der Juden war nicht nur Schicksal derer. Verschiedene ketzerische Sekten erlebten noch viel dramatischere Auswüchse, die in regelmäßigen Zeitabständen auftauchten: Bogumilen, Katharer, Waldenser, die Brüder vom gemeinsamen Leben im Rheinland, chiliastische Gruppen. Während die Juden, im Irrtum verstockt, als Zeugen für die Größe und Wahrheit der Kirche galten, stellten die Ketzer sie in Frage. Sie wurden als Aufwiegler zur Unordnung gesehen und man strafte sie mit Scheiterhaufen und Konfiskation ihrer Güter, Tragen des gelben Kreuzes, Gefängnis oder Verbannung. Aus der Gesellschaft ausgeschlossen hatten sie jedoch die Chance zur Bekehrung.

Die ideologische Abweichung wurde als Folge ungezügelter Sexualität oder schwerwiegender psychologischer Störungen gesehen. Wichtig, weil sich dadurch ein schlechter Charakter oder angeborene Verworfenheit ableiten ließen. War der Ketzer auf Grund seines Glaubens ausgeschlossen, so war der Aussätzige, weil sein Körper besudelt war. Die Träger gefährlicher Krankheitserreger wurden aus dem Gemeinschaftsleben verstoßen. Sie mußten Kennzeichen tragen. Nichts konnte sie vom Makel reinwaschen. Die Sünden der Väter erloschen nach zwei Generationen.

Auf ihren Weg konnten die Aussätzigen auf andere Umherirrende stoßen, die Geisteskranken. "Narrenschiffe" trugen sie aus den mittelalterlichen Städten weg. Heiden und Ungläubige hatten, wenn sie nicht konvertierten, nur die Wahl zwischen Tod und Sklaverei. Daher soll auch das Wort Sklave sich ableiten. Die Slawen wurden, weil Heiden, versklavt.

Das Mittelalter kannte offensichtlich keine abwertenden Vorurteile gegen Schwarze und Gelbe. Eine ganze Mythologie bildete sich um den Großen Khan rund um Marco Polos Reisebeschreibungen. Spätmittelalterliche Bilder von der Anbetung der Könige, stellten einen von ihnen, Balthasar, sogar mit den Zügen eines Afrikaners dar. Woher kommt also die, im deutlichen Gegensatz zur mittelalterlichen Darstellung des "Anderen", Meinung des abendländischen Menschen in unserer Zeit? Antworten darauf scheinen die Entdeckungen und Begegnungen mit exotischen Bevölkerungen zu geben.
Große Entdeckungen und ihre Folgen

Die Erforschung Afrikas und Entdeckung Amerikas brachten die Europäer mit anderen Völkern und Sitten in Berührung. Die Frage war: stammen diese Menschen von Adam ab? Man kam zum Schluß, daß das Menschengeschlecht auf verschiedene Ursprünge ungleichen Wertes zurückgeht. Andererseits gab es den "Fluch Hams", der auf den schwarzen Afrikanern lastete und sie zu Sklaverei verurteilte.

Erstaunen machte sich über den neuen Menschenschlag breit, der abseits geblieben war und dessen Zivilisation zu der des alten Kontinents im krassen Gegensatz stand. Die Anwesenheit von aus Afrika eingeführten Bevölkerungen und die Existenz von Mulatten änderte die Beziehung der verschiedenen Menschengruppen untereinander grundlegend. Von da an war der Platz in der Gesellschaft unabhängig von der Religion und hing von der Hautfarbe ab. Sie trugen die Keime des modernen Rassismus.

Menschen oder Tiere?

Was waren das für geheimnisvolle Wesen auf die die Konquistadoren stießen? Waren sie Menschen, wie es die päpstliche Bulle von 1537 ihnen zuschrieb, oder waren es Tiere ohne Seele und Intelligenz? Mit Ausnahme der Azteken und der Inkas lebten die amerikanischen Indios noch als Primitive, und diese Lebensweise kam den Europäern ziemlich seltsam vor. Zum einen rückte die Lebensweise sie in die Nähe der Tiere, zum anderen sprach man ihnen aus eigennützigen Gründen nicht ab, Menschen zu sein. Man gebrauchte die Indios als "Arbeitstiere" und diese ertrugen diese Schwerarbeit nicht und erlagen den aus Europa eingeschleppten Krankheiten.

Einer der ersten Historiker Francisco Lopes de Gomara beschrieb diese Situation so: "Die Indianer sind abgesehen von der Farbe wie wir, denn sonst wären sie Tiere und Monstren und würden nicht von Adam abstammen, wie sie es tun". Die enthusiastischen Verteidiger der Indios brachten das Thema des Gegensatzes primitiv/zivilisiert unter die Leute, das große Wichtigkeit erlangen sollte. Der erste Verteidiger, der Dominikaner Las Casas, behauptete in Worten, die als Prototyp antirassistischer Plädoyers gelten können: "Die wilden Völker dieser Erde sind dem unbebauten Erdboden vergleichbar, der Unkraut oder unnütze Dornen hervorbringt, der aber alle natürlichen Kräfte enthält, damit er durch Arbeit und Pflege gesunde und wohltuende Früchte hervorbringen kann."

Die Unterschiede im Ursprung der Menschen

Also die Indios waren zwar Menschen, aber stammten sie auch von Adam ab? Durch die fehlende biblische Aufklärung darüber, stellte diese Frage ein Rätsel dar. Dreierlei Argumente wurden verwendet, um die Abstammung der Indios von Adam zu beweisen:

Annäherung: Es gab in der Bibel Spuren von Amerika. Das geheimnisvolle Ophir, das Ziel der Schiffe Salomos, war nichts anderes als Peru. Die Indios waren die Nachkommen der zehn verlorenen Stämme und als solche mit Adam verbunden;

Deduktion: Amerika war von Stämmen bevölkert, die aus Asien oder Europa gekommen waren. Die Entdeckung der Beringstraße sollte dies später bestätigen.

Vorsehung: Die Indios seien Adams Nachkommen, die abseits der christlichen Offenbarung blieben, um desto besser durch ihren aufsehenerregenden Übertritt zu diesem Glauben Zeugnis für die Wahrheit abzulegen.

Gründe der Minderwertigkeit

Einmal sprach man den Primitiven die menschliche Würde ab, und sodann vertrat man die Polygenese, das heißt die Ansicht, daß das Menschengeschlecht nicht nur einen Ursprung habe. Das Bestehen einer kolonialen Gesellschaft hatte zur Folge, das man den "Anderen" abwertete. Die Abwertung des Indios entsprang der Abscheu, die gewisse Aspekte seiner Zivilisation hervorriefen (Opfer von Kriegsgefangenen usw.) und dem Gegensatz primitiv/zivilisiert. Während die Indianer mit den Heiden Kanaans gleichgesetzt und von den englischen Siedlern ausgerottet wurden, begann man in Europa sie als "gute Wilde" zu deklarieren.

Die Schwarzen hatten nicht dieses Glück. Im Mittelalter noch verschont, brachte die Verpflanzung von Afrikanern nach Amerika beträchtliche Veränderungen in der Einstellung mit sich. Man mußte die Sklaverei rechtfertigen. Dafür zog man den biblischen Fluch heran, der auf den Söhnen Hams lastete. Demnach war Japhet der Urvater der Weißen, Sem der der Asiaten und Ham der der Schwarzen. Gewisse Theologen sahen sogar in der dunklen Haut das Mal, das Kain als Strafe für den Mord an Abel tragen mußte. Man kam zu den Schluß: die Schwarzen waren Sklaven, weil minderwertig, minderwertig weil Sklaven.

Bis dahin unbekannte Ausdrücke wurden in den Sprachschatz aufgenommen: "Neger" (1516), "Kaste"(1615), "Rasse" (Ende des 15. Jahrhunderts) und "Mulatte" (1604). Die Menschheit war nicht unteilbar, sie blieb aber in den Augen der damaligen Menschen eine Einheit. La Peyrere, Bernier und andere waren nur die Vorläufer, die dann zu Krise des europäischen Bewußtseins führte, welches durch die Aufklärung endgültig zum Durchbruch kam.
Die ersten Rassentheorien

In der Aufklärung wird die Anthropologie zur Wissenschaft. Als erstes versuchten es die Wissenschaftler Linne und Buffon aufgrund der Farbe. Aus diesen Klassifizierungen ging fast immer hervor, daß der Vorrang der "weißen Rasse" gebührte. Im 18. Jahrhundert erfand das Zeitalter der Neuerungen gleichzeitig die Idee der Freiheit und Toleranz, auch die Rassenhierarchien.

Das 18. Jahrhundert war gekennzeichnet durch die Kritik an den herrschenden Mächten und Glaubenssätzen im Namen der Gedankenfreiheit, und durch die Katalogisierung der Menschheit im Geiste der erwachenden Naturwissenschaften. Eine Vermischung dieser beiden Strömungen findet man beim bedeutsamsten Fall , den Voltaires: "Wir sagen, daß sie Menschen sind wie wir, daß sie von einem Gott, der für sie starb erlöst werden, und wir halten sie wie Lasttiere zur Arbeit an; man ernährt sie schlechter als diese. Wollen sie fliehen, so hackt man ihnen ein Bein ab. Und bei all dem wagen wir, von Menschenrechten zu sprechen!". Im Gegensatz zu: "Die Rasse der Neger ist eine von der unsrigen völlig verschiedene Menschenart, wie die der Spaniels sich von der der Windhunde unterscheidet . . . Man kann sagen, daß ihre Intelligenz nicht einfach andersgeartet ist als die unsrige; sie ist ihr weit unterlegen.". Sie zeigen neben dem Apostel der Toleranz den Rassisten Voltaire.

Der Katalog der Menschheit

Die Pioniere dieser Katalogisierung und Klassifizierung waren Linne, Buffon, Blumenbach, Herder und viele andere. Die Skala reichte vom Schreckenserregenden bis zum Vollkommensten, vom Monstrum zum Europäer. Jedem der Liste wurden Werturteile zugefügt. Beispiel Linne:

"Europaeus albus: einfallsreich, erfinderisch. Americanus rubescus: mit seinem Los zufrieden, liebt die Freiheit, gebräunt und jähzornig. Asiaticus lurids: habsüchtig, gelblich, melancholisch. Afer niger: verschlagen, faul, nachlässig, schwarz."

Neu war auch die Unterschiede der Menschheit, etwa die Hautfarbe auf klimatische Einflüsse, zurückzuführen. Für Buffon hat die Menschheit zwischen 40° und 50° nördlicher Breite ihre höchste Vollkommenheit erreicht. Die Überlegenheit des Abendlandes über die anderen Völker der Erde war also eine "natürliche" Sache.

Kritik an Mächten und Glaubenssätzen

Das 18. Jahrhundert war vor allem das Jahrhundert, das mit Macht und Glauben aufräumte. Der absolutistische Monarchismus wurde kritisiert, das Christentum in Frage gestellt. Man verbannte die weltliche Macht der Kirche und ihre Einmischung in das Denken und das schöpferische Schaffen. Diese gewaltige geistige Bewegung, die ganz Europa erfaßte, veränderte die Beziehungen zwischen den Europäern und den "Anderen" zusehends. Die Trennung von Religion und Moral bedeutete, daß alle Menschen vor dem Gesetz gleich, auch wenn sie sich im Glauben, in ihren Gebräuchen und Sitten unterschieden, sind. Die spanischen Scheiterhaufen und die Aufhebung des Edikts von Nantes wurden als Schläge gegen die natürlichen Menschenrechte empfunden. Die Indianer profitierten vom Ruf des "Guten Wilden", die Schwarzen wurden zögernd rehabilitiert. Ein sogenannter Antikolonialismus entstand. Er war allerdings nur auf die intellektuelle Elite beschränkt. Die Vorstellung, daß die Sklaverei nicht auf göttlichem Ratschluß beruhe, sondern moralisch begründet ist, setzte sich allmählich durch. Der Nationalkonvent schuf am 4. Februar 1794 die Sklaverei ab, jedoch widerraf Napoleon dies wieder. Die französische Revolution verhalf den Grundsätzen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zum Erfolg.

Der neue Fortschrittsglauben war einer der vornehmlich biologische Sachverhalte als bestimmend ansah. Anstelle der religiösen und kulturellen Klassifizierungen trat die Beobachtung physischer Merkmale. Dies nutzten jedoch viele aus. Die "Trägheit" der Neger oder die kulturelle "Unfruchtbarkeit" der Juden konnten somit wissenschaftlich bewiesen werden. Man interpretierte die Geschichte aufgrund der Rassenkriterien neu. Man wendete die bis dahin nur auf entlegene und exotische Völker Theorien auch auf die abendländische Gesellschaft an.
Rassismus und Politik

Eine der gravierendsten Folgen der französischen Revolution war, daß man dem Bürgertum der "gallischen" Rasse eine Aristokratie der "fränkischen" Rasse gegenüberstellte. Man begann die weiße Rasse in Unterabteilungen aufzuteilen. Der Nationalismus verstärkte diese Tendenz. Durch eine Verwechslung zwischen Sprache und Rasse kam es dazu, daß man einer "arischen" eine "semitische" Rasse gegenüberstellte.

Nach bekannten Theoretikern - Boulainvilliers und Montesquieu - stammten die Aristokraten von den Eroberern ab, die Nichtadeligen von den Galliern. Der Ausdruck "Franke" bedeutete Frei und Echt. In der Restauration erlangte der Streit der beiden Rassen seinen Höhepunkt. Einerseits beabsichtigten die Emigranten das Ancien Regime wiederherzustellen indem sie sich auf das blaue Blut beriefen, andererseits wollte das Bürgertum, der große Nutznießer von 1789, sich seine neuen Rechte nicht rauben lassen. Dieser Streit führte zu drei wichtigen Erweiterungen:

1.   Die Rasse wurde zur Hauptursache politischer Gegensätze;



2.   Die Einteilung der Menschen ging weit über den Umfang des 17. und 18. Jahrhunderts hinaus. So gab es nun "historische" und "Unterrassen".

3.   Gewisse Untergruppen wurden zum Schaden von anderen aufgewertet.

Indien die Wiege der Menschheit?

Als die Bibel in Mißkredit gefallen war, stieg Ende des 18. Jahrhunderts das Interesse an Indien. Unter ziemlich geheimnisvollen Umständen, sei ein Teil der Urmenschen, die Arier, aus der Wiege der Menschheit, Indien, ausgewandert, und somit die Vorfahren der europäischen Völker. Man war sich der Gefahr nicht bewußt, die dieser Ausdruck in sich barg. Anfangs diente der Ausdruck "Arier" dazu, die Indoeuropäer als Gesamtheit, sowohl auf der linguistischen als auch auf der rassischen Stufe gegen die Semiten abzusetzen.

Ernest Renan war einer der ersten, der die arische Sprache über die der Semiten stellte. In Deutschland entwickelte ein gewisser Max Müller ähnliche Theorien. Beide schlossen aus dieser Überlegenheit auch auf eine auf intellektueller Seite. Das wurde von der kultivierten Seite der Bevölkerung rasch als Selbstverständlichkeit aufgenommen. Jetzt traten die Gründerväter des modernen Rassismus hervor.

Gobineau, dem Vater des Rassismus, gelang es all die weitverbreiteten Ideen mit einem wissenschaftlichen Beigeschmack anzustreichen. Jedoch hatte sein Rassismus mit dem der Nazis nichts gemein. Sein Hauptbeitrag war der, daß die Rassenfrage die wichtigste der Geschichte ist, und alle anderen auf den zweiten Rang plaziert. Für ihn waren die Arier "die schönste Rasse von der man je gehört hat. Die Menschen, deren körperliche Erscheinung die Bildhauer zu den Statuen des mythischen Apollo, das athenischen Jupiter, der Venus von Milo inspirierte, waren der schönste Menschenschlag, und Sterne und Erde freuten sich an seinem Anblick." Aber das "waren" war der Grund, daß man erklärte das Verschwinden der großen Reiche war auf die Rassenmischung zurückzuführen. Alle waren einem elenden Untergang geweiht.

Der französisch-preußische Krieg von 1870/71 verstärkte den Nationalismus und die Schwärmerei für den blonden Arier in Deutschland. Chamberlain der in seinen Buch "Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts" die Deutschen auf ihre Vormachtstellung in der Rassenfrage einschwor, war für die Nazis der Grundstein. Was sie daraus machten, ist bekannt.

Die Verdienste der Wissenschaft

Die Vergleiche der Hirnschale eines Schwarzen mit der eines Weißen, Gesichtsprofilwinkel, Form der Lippen, dienten dazu, daß man allmählich glaubte eine "wissenschaftliche bewiesene Minderwertigkeit feststellen zu können. Dies kam sehr gelegen, war man ja gerade dabei riesige Reiche in Afrika und Asien zu gründen. So nahm man sich also das Recht Schwarze und Gelbe zu beherrschen. Das anthropologische Schrifttum ist zum großen Teil ein Werk von Arzten oder Kolonialbeamten. Man wollte das Auftreten des wissenschaftlichen Rassismus mit wirtschaftlichen Gründen erklären und ihn auf den Kolonialismus und den Imperialismus zurückführen.

Der Glauben an die Vererbbarkeit rassischer Merkmale und der Glauben an eine Beziehung zwischen Physis und Moral war geboren. Der Franzose de Lapouge (1854-1936) teilte die Menschen aufgrund ihrer Schädelform ein. Die eine physische Eigenschaft entsprach jenem Charakterzug, der mehr oder weniger Fähigkeit zum Überleben besaß.

Diese Schlußfolgerungen waren nun nur noch auf die damalige Welt anzuwenden und in die Praxis umzusetzen, schließlich hatte man Angst der Mensch könnte aussterben.
Vom "staatserhaltenden" Antisemitismus zum Verbrennungsofen

Die erste Veränderung ergab sich aus der Umwandlung des Judentums in eine Rasse. Bisher hatte man es allgemein als eine Religion angesehen. Unter dem Einfluß des Ariertums betrachtete man die Juden nunmehr als Semiten und Angehörige einer minderen Rasse. Die Bekehrung zum Christentum wusch sie also nicht mehr rein.. Die Juden waren mit ursprünglichen Makel gezeichnet.

Eine der Wurzeln des Antisemitismus ist der erwachende Sozialismus, der den industriellen Kapitalismus mit dem Judentum identifiziert. Es entstand eine enge Verbindung zwischen Judentum und Kapitalismus. Die Ablehnung der modernen Welt war nicht der einzige Gedanke, den man damals entwickelte. Der Jude bekam eine Art bedrohlichen Charakter. Der französische Antisemitismus wollte den demütigenden Verlust Elsaß-Lothringen kompensieren. Eine Reaktion der Sieger wie der Besiegten, prangerte den Juden als fremdartig und vaterlandslos an. Der Mythos bewirkte, daß die Trennung zwischen Ariern und Juden auch in der Politik zum Tragen kam.

Die Juden konnten niemals zu wirklichen Bürgern ihres Wohnlandes werden. Diese Situation führte zum Konflikt, da die arische Partei mit allen Mitteln versuchte, ihre beherrschende Rolle zu bewahren. Drumont in Frankreich und Stoecker in Deutschland bedienten sich beim Vergleich von jüdischem und arischem Geist vornehmlich psychologischer Kriterien. Um die Mischehen waren wilde Phantasievorstellungen entstanden und die Idee der sexuellen Beschmutzung durch den Juden, von einem Virus, das er und seine Nachkommen beherbergten, das nicht auszurotten war und das insgeheim die christliche Gesellschaft durchsetzte, war geboren.

Vor diesen Ideologien entstanden in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts in Frankreich, Deutschland und Österreich-Ungarn politisch einflußreiche antisemitische Bewegungen. Anlaß war die geringfügige Krise, die man aber den Machenschaften jüdischer Finanzmänner zuschrieb. Der Franzose Drumont gründete eine Zeitschrift, die die Juden und das Judentum unablässig angriff. In Frankreich erlebte der Antisemitismus durch die Affäre Dreyfus seinen Aufschwung. 1894 wurde Alfred Dreyfus, ein Offizier jüdisch-elsässischer Abstammung, verhaftet und wegen Spionage zugunsten Deutschlands zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurteilt. Die Rechte machte sich das sofort zunutze und entfesselte eine heftige antijüdische Kampagne.

Deutschland erwies sich als besonders fruchtbar für antisemitisches Gedankengut. Die bekanntesten Anhänger waren Richard Wagner, der Sozialist Dühring, der Pfarrer Stoecker und der Historiker von Treitschke, der den Satz sprach: "Die Juden sind unser Unheil". Im Jahre 1880 brachte eine Unterschriftensammlung zur Einführung von Maßnahmen gegen die Juden 200.000 Unterschriften zusammen.

Der Unterschied zwischen Frankreich und Deutschland war sehr groß. Einigkeit gab es nur in der Tatsache, daß man die Juden als Schädlinge ansah. Eine Gruppe deutscher Gelehrter, vor allem der Historiker Mommsen, protestierte öffentlich gegen die antisemitischen Kampagnen, und Nietzsche verspottete sie seinerseits. Europa war von Hirngespinsten durchlaufen und erklärte seinen geistigen Bankrott. Wie kam es zu Ausschwitz und zur Ausrottung von sechs Millionen Menschen? Antwort geben die Folgen des Ersten Weltkriegs und der russischen Revolution, ebenso wie die Entstehung totalitärer Regierungen mit antisemitischer Gesetzgebung.

Die russische Revolution

In neutralen Staaten, die die Alliierten unterstützten waren die Juden zahlreich. Die russische Revolution entfesselte eine antisemitische Kampagne. Die zaristische Regierung wurde im März 1917 gestürzt, und durch eine gemäßigte Regierung ersetzt, die ihrerseits durch einen bolschewistischen Staatsstreich im Oktober 1917 gestürzt wurde. Unter den Bolschewiken befanden sich viele Juden: Trotzkij, Zinowiew, Kamenew, Uritzkij . . . Auch in den Begründern und Führern der kommunistischen Parteien im Westen sehr viele Juden: Rosa Luxemburg, Kurt Eisner, Paul Levy in Deutschland, Bela Kuhn in Ungarn. Trotzkij wurde von Lenin beauftragt, den Waffenstillstand mit Deutschland auszuhandeln.

Als Lenin aus der Schweiz mit deutscher Hilfe nach Rußland zurückgekehrt war, glaubte man, daß die russische Revolution ein Ergebnis einer jüdisch-bolschewistisch-deutschen Verschwörung ist, die den Alliierten den Todesstoß versetzen sollte. Im Mittelpunkt standen die gefälschten "Protokolle der Weisen von Zion". Dieses von Orchana, der zaristischen Geheimpolizei gefälschte Buch war angeblich ein Bericht über die Debatten einer geheimnisvollen jüdischen Weltregierung, deren Absicht es war, sich die christlichen Völker zu unterwerfen. Wie der Kapitalismus ein teuflisches Werk reicher jüdischer Bankiers. Diese Verschwörung bedrohte die ganze Welt, und nur der Kampf gegen die Juden konnte diese Bedrohung tilgen.

Die totalitären Bewegungen

Faschismus und Nazismus waren der Wendepunkt in der Geschichte des Antisemitismus. Nach dem Marsch der Schwarzhemden auf Rom im Jahre 1923 ergriff Mussolini die Macht. Zu Beginn war er keineswegs rassistisch. Erst nach dem deutsch-italienischen Pakt von 1938 erließ Mussolini Rassengesetze, die den Nürnberger Gesetzen nachgebildet waren. Die Lage in Deutschland war anders. Die Weimarer Republik mußte bedingungslos kapitulieren. Der Vertrag von Versailles beraubte es Elsaß-Lothringen im Westen und ein Teil im Osten mußte an Polen abgetreten werden. Deutschland wurde gedemütigt und auf die Stufe einer zweitrangigen Macht zurückgestellt.

Wie war dieser Zusammenbruch zu erklären? Die Antwort war parat: durch einen Dolchstoß. Zusammen mit den Bolschewiken und den Alliierten hatten die Juden ein riesiges Komplott gegen Deutschland geschmiedet, indem sie im Hinterland die Moral untergruben und pazifistische Ideen verbreiteten und sogar die Niederlage und die Zerstückelung des Reiches in Kauf nahmen. Der Jude Rathenau, Außenminister der Regierung, die das "Diktat" von Versailles unterschrieb wurde 1922 ermordet, und Deutschland erlebte eine antijüdische Kampagne durch den künftigen Naziführer Julius Streicher.

Der in Österreich geborene Adolf Hitler stand unter dem Einfluß des antisemitischen Bürgermeisters von Wien Lueger. Sein Antisemitismus war keineswegs eine Erfindung, sondern von den Phantastereien seines Idols Richard Wagner und Chamberlains inspiriert. Für Hitler waren, wie es das 1925 erschienene Buch "Mein Kampf" beweist, die Juden nicht zu assimilieren. Durch Mischung mit der arischen Rasse befleckten sie diese. Vor allem aber hatten sie den teuflischen Plan gegen die Welt geschmiedet.

Die 1929 ausgebrochene Krise mit Millionen von Arbeitslosen führte zum Triumph der Nazis. Nach seiner Ernennung zum Reichskanzler 1933 unterdrückte Hitler die Demokratie und führte die blutige Diktatur ein. Am 7. April 1933 wurden die Juden von öffentlichen Amtern und vom Anwaltsstand ausgeschlossen. Die ersten Konzentrationslager wurden errichtet und nahmen Sozialdemokraten, Juden Liberale und Kommunisten auf. 1935 wurden die "Nichtarier" geächtet, Mischehen verboten und die Juden sozusagen von allen Berufen ausgeschlossen. Im Alltag wurden sie Quälereien ausgesetzt.

Die Ermordung eines Attachés der deutschen Gesandtschaft, von Rath, durch den polnischen Juden Grynszpan war der Anlaß zur "Kristallnacht in Deutschland (9./10. November 1938), bei der Synagogen, jüdische Läden und Wohnhäuser zerstört und Tausende von Juden verhaftet wurden. Allmählich wurde der Plan Hitlers sichtbar, den er 1939 ankündigte: "Wenn es dem internationalen Judentum gelingt, die Völker in Europa oder anderswo in einen Weltkrieg zu stürzen, wäre das Ergebnis nicht die Bolschwisierung Europas und der Sieg des Judentums, sondern die Ausrottung der jüdischen Rasse in Europa . . . "

Der Nazi-Genozid

Der Blitzsieg der Truppen von 1939/40 unterwarf die meisten westlichen Länder und Polen der Naziherrschaft. So kam fast die gesamte jüdische Bevölkerung Europas unter den Stiefel der Nazi. Die Juden mußten sich registrieren lassen, und in der besetzten Zone von Juni 1942 an den gelben Stern tragen. Die deutschen Juden wurden nach Polen verschleppt und in unmenschlichen Ghettos (Lodz, Bialystok, Warschau, Wilna) zum langsamen Tod verurteilt.

Zunächst noch unkoordiniert und unsystematisch, wurde bei der Wannsee-Konferenz jedoch die physische Ausrottung aller Juden beschlossen. Diese Aufgabe wurde dem berüchtigten Eichmann übertragen. Die Länder in denen Widerstand herrschte waren selten. In den Niederlanden folgte auf die ersten Deportationen ein Generalstreik der Hafenarbeiter, in Dänemark drohte der König Christian X. den gelben Stern zu tragen, wenn seine jüdischen Untertanen dazu gezwungen würden.

Aber es gab noch andere Gruppen von Europäern, welche Hitler vollständig zu vernichten befahl: die Zigeuner. Zwar gab es keine Rassentheorie, dieses Volk stammt sogar aus Indien und ist somit "arisch", aber waren die Zigeuner unerwünscht. Die Anzahl der umgebrachten Zigeuner, läßt sich nicht genau angeben, Schätzungen bewegen sich um 200.000. Die der jüdischen Opfer war etwa dreißig mal so groß.

Das rassistische Reich

Das rassische Reich sollte gut die Hälfte des Kontinents erreichen. Wie wären die Rassen behandelt worden? Man unterschied zwischen germanischen, slawischen und lateinischen Völkern. Die erstgenannten galten als "Herrenrasse". Die "verwandten" Völker standen den Deutschen um nichts nach, wurden allerdings als Verräter und Verjudet behandelt, weil sie dem Kniefall vor dem Führer verweigerten. Das deutsche Wachstum sollte mit verschiedenen Mitteln gefördert werden. Diese waren etwa Geburtenprämien, Familienzulagen, Vergünstigungen für vielköpfige Familien.

Die slawischen Untermenschen sollten Zwangsarbeiter werden, die niedrigste Arbeiten zu verrichten hatten und strenger demographischer Kontrolle unterworfen werden. Die Schulbildung müsse auf Lesen und Schreiben beschränkt bleiben, schließlich wollte man nicht riskieren, daß man Elemente fördert die zum Widerstand verleiten.
Der Rassismus in unserer Zeit

Seit 1945 haben sich im Westen die Ansichten grundlegend geändert. Es wagt niemand, sich offen zum Rassismus zu bekennen oder ihn mit angeblich wissenschaftlichen Gründen zu verteidigen. Warum? Da ist einmal das Entsetzen vor den Naziverbrechen. Die Europäer fühlen sich in gewisser Weise an den Verbrechen mitschuldig. Es vollzog sich eine beachtliche intellektuelle Revolution. Die Entwicklung der Kommunikationsmittel, das Auftreten neuer, den Unterschieden gerechter werdender Theorien brachten viele Vorurteile zum Verschwinden.

Schließlich darf man die Auswirkungen der antirassistischen Gesetzgebung in vielen Ländern und die Tätigkeit internationaler Organisationen nicht vergessen. Dennoch überlebt ein "traditionalistischer" Antisemitismus. Da ist zum Beispiel einmal der Konflikt zwischen den Israelis und den Arabern, der die Gefahr birgt, daß der Haß weiter geschürt wird und sogar eine rassistische Bedeutung erhält.

Die Lage in Westeuropa ist trotz einiger dunkler Punkte (Schändung jüdischer Friedhöfe, Hakenkreuzschmierereien, Briefbomben usw.) weniger beunruhigend. Gewisse Soziologen sprechen von einer Toleranzschwelle. Das bedeutet solange eine Minderheit zehn Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht, ist sie zu ertragen, jenseits dieser Schwelle nicht mehr. Seit einigen Jahren haben sich Attentate und rassistische Akte vervielfacht: Schlägereien, Angriffe auf Häuser und heftige Kampagnen in der darauf spezialisierten Presse.

Das Fremdarbeiterproblem trifft man in fast allen Ländern Westeuropas an. So stellt der Rassismus, obgleich abgeschwächt, noch immer eine wirkliche Gefahr dar. Der erste Schritt zur Bewältigung dieser Geißel ist der, zu verstehen, welche Ursachen ihr zugrunde lagen, welche Sehnsüchte und Hoffnungen sie in der Vergangenheit erweckte.










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