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Eine kurze Geschichte der Ebkultur




1. Eine kurze Geschichte der Eßkultur

Essen gehört wie Trinken oder Schlafen zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Ging es dem frühgeschichtlichen Jäger und Sammler zunächst einfach nur darum, durch Nahrungsaufnahme zu überleben, merkte er bald, daß Speisen durch besondere Zubereitung an Geschmack gewannen. Man lernt den Umgang mit Kräutern und Gewürzen. Am Anfang waren er natürlich jeweils nur einheimische Beigaben, die das erlegt Wild oder gesammelte Waldfrüchte im Geschmack bereicherten. Erst als sich verschiedene Kulturen im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende austauschten, wurde unsere Welt nach und nach fast flächendeckend mit allen Raffinessen der Kochkunst bekannt.

Die schmackhafte Zubereitung der Speisen ist allerdings nur die eins Seite der Eßkultur, die andere wird durch die Tischsitten bestimmt. Das selbst die herrschaftlichen Kreisen bis ins 15. Jahrhundert hinein und in einfacheren Bevölkerungsschichten noch bedeutend länger die Finger als einziges Eßgerät dienten, bemühte man sich früh, zumindest in adeliger Gesellschaft gemeingültige Benimmregeln bei Tisch einzuführen. Eine der ältesten Schriften diese Art in deutscher Sprache ist >>Des Tannhäusers Hofzucht<< aus dem 13. Jahrhundert. In dem Text heißt es unter anderem, daß man die Hände und Fingernägel sauber halten soll, damit der griff in die gemeinsame Schüssel bei den Tisch genossen keinen Ekel hervorruft. Ebenso soll man sich während des Essens nicht Kopf oder Kragen kratzen, keine unziemlichen Töne von sich geben und nur hinter vorgehaltener Hand in den Zähnen herumstochern. Von Eßbestecken war zu dieser Zeit jedoch noch nicht die Rede. 



2.     Eßgeräte allgemein

2.1.          Wichtige Herstellungszentren in Europa

Namur (Belgien), Nogend, Langres Rouen (Frankreich), Solingen [das größte Herstellungszentrum in Europa] (Deutschland), Urbino, Lumezzane, Schio, Forno Canavese, Campobasso (Italien), Toledo (Spanien), Eskilstuna (Schweden), Aarau, Basel, Bern, Schaffhausen (Schweiz), Berndorf (Österreich)

2.2.          Eßbesteck und Metalle

2.2.1.     Gold: dient zur Verzierung der Griffe der Bestecke und der Klinge des Messers.

2.2.2.     Silber: wird außer für die Verzierung der Griffe auch für Klingen verwendet (vor allem im liturgischem* Bereichen), den Löffel und auch für die Zinken der Gabel.

2.2.3.     Kupfer: Man nimmt an, daß Messer bereits  4000 v. Chr. aus Kupfer gefertigt wurden, auch wenn sie nicht sehr robust waren und keine Spuren hinterlassen haben.2200 v. Chr. exportierten trojanische Händler Kupferbestecke bis in die Gebiete des heutigen Wiens und Böhmens.

2.2.4.     Bronze: (Legierung aus Kupfer und Zinn): hatte auf Grund der einfachen Legierung und optimalen Haltbarkeit (dem Eisen wesentlich überlegen) großen Erfolg. Die Verwendung von Bronze führte zu einigen ökonomischen Veränderungen großer Bedeutung. Die Abhängigkeit vom Zinn, das nicht überall aufzutreiben war, führte zur Einrichtung großer Handelszweige. Ungefähr um 1500 v. Chr. hatte Bronze alle großen Zentren Europas und Asiens erobert und bezeichnend dafür ist, daß sich in Italien Bronze verbreitet hatte, die mittels einer besonderen Technik mit Arsen verbunden war. Anfänglich wurde Bronze mit einer Technik in offenen Matrizen geschmolzen (Das Metall wurde in Hohlräume gegossen, die in Stein- oder Tonblöcke eingegraben wurden). Erst später erfolgte das Schmelzen komplexerer Gegenstände (im besonderen des Griffes) in "geschlossenen" Formen, die im inneren hohl waren und die an die noch heute gebräuchlichen Schmelzformen erinnern. Für modellierte Formen (für die Eßbestecke betrifft das vor allem die Griffe) wurde ebenfalls die Technik des flüssigen Wachs angewendet. Diese Technik war schon 2000 v. Chr. gut etabliert. So entwickelte sich der Übergang zum Beispiel vom primitiven Messer, dessen Klinge und Zwinge gegossen wurde und dessen Knochen oder Holzgriff mit Nieten an der Zwinge befestigt wurden, zum Messer, dessen Klinge und Griff beide aus Bronze waren, die in einem einzigen Stück gegossen wurden. Was dem Gegenstand eine bessere Robustheit verlieh.

2.2.5.      Messing: (Kupfer und Zink): Römer entdeckten dies Legierung, die sich         hervorragend zum Formguß geeignet hatte und die aufgrund der nahen äußerlichen Ahnlichkeit zu Gold sehr großen Anklang fand.

2.2.6.     Eisen: Die ersten Werke, die aus Eisen meteoristischen Ursprungs geschmiedet wurden sind in Agypten und Mesopotamien zwischen 4000 und 3000 v. Chr. hergestellt worden. Der Nachteil ist, daß Eisen in feuchten Gegenden sehr schwer haltbar war. Da es sehr schnell rostet, kann der Verlauf weniger Jahrhunderte verschwinden. Deshalb sind antike Funde äußerst selten.

Für viele Jahrhunderte konnte es nur bis zur Rötung erhitzt und mit dem Hammer (meist auf Steinambossen) bearbeitet werden. Aus diesem Grund konnten noch keine Eßbestecke mit künstlerisch hohem Wert erzeugt werden. Das blieb dem Bronzeschmied vorenthalten, der auch der Ursprung vieler Mythen und Legenden wurde.

2.2.7.     Besteck der heutigen Zeit: besteht vor allem aus Silber-Kupfer-Legierungen. Für Modelle mit stark ausgeprägten Dekoren wird zu der Silber-Kupfer-Mischung Nickel, Mangan und Zink beigemengt. Für einen besonders silbrigen Glanz wird Chrom und Nickel zugesetzt. Besteckdesignern der heutigen Zeit sind keine Grenzen gesetzt.

3.     Das Messer

 

3.1.          Die Geschichte

Wenn plötzlich ein Stier vor einer Gruppe völlig ausgehungerter Menschen tot hinstürzen würde, und diese wären so wie unsere Vorfahren vor dem Paläolithikum völlig  ausgehungert aber ohne Hilfsmittel und Werkzeuge, so könnten sie diesen großen Berg toten Fleischs nur betrachten, ohne sich zu sättigen. Fingernägel und Zähne wurden ihnen nichts nützen, um die Haut des Tieres zu zerreißen, dieses harte Leder, welches den Tierkörper umschließt. Doch unsere Urahnen wußten sich zu helfen: zerbrochene Kiesel, scharfe Steine, schneidende Obsidiane. Sie waren unbearbeitet, aber nützlich. Und so wurde das Messer geboren.

Dolche und Schwerter zählen nicht zu den Messern. Dolche und Schwerter besitzen an beiden Seiten der Klinge eine Schneide, das Messer nicht. Außerdem sind Dolche und Schwerter Waffen, das Messer hingegen gehört zu den Haushaltsgeräten. Was nicht ausschließt es als Waffe zu mißbrauchen.

Das Messer ist eins der wenigen Objekte, die in allen Kulturen vorhanden sind. Die Menschen haben schon immer die Gegenstände, die ihnen am wichtigsten, die mit ihren Hauptbedürfnissen verbunden sind besonders gepflegt. Messer wurden vor allem an Orten der Essenszubereitung gefunden. Außerdem galt es als beliebtes Tauschobjekt und Handelsgegenstand. Zum Beispiel wurde das Obsidian der vulkanischen Inseln Süditaliens bis nach Dänemark  und England "exportiert". In Länder, in denen sich bemerkenswerte Werkstätten zur Steinverarbeitung befanden.

Das Messer hat sich innerhalb der Geschichte kaum verändert. Doch variiert seine Form hinsichtlich der Nutzung. Messer die oft in Gebrauch sind, werden kaum verziert. Denn je verzierter, desto weniger konnte es genutzt werden.

So wie die Form, hat sich auch das Material der Klinge fast nicht verändert. Doch der Griff wurde aus einer Vielzahl von Materialien hergestellt. Wie zum Beispiel Holz, Glas, Keramik, Leder, Kristall, Kochen, Metall,.

Es entwickelte sich ein neues Konzept der "Serien", und es entstanden Eßbestecke mit demselben Schmuck und derselben Verzierung. In diesem Fall erhielt das Besteck einen besonderen Charakter und Objektwert. Es wurde  mit den anderen Tischgegenständen  gesammelt und weiter vererbt. Das nicht nur auf Grund seines inneren Wertes sondern auch aus dem psychologischen Konzept der "Weiterführung familiärer Traditionen", vor allem wenn die einzelnen Teile mit dem Familienwappen verziert waren.

3.2.          Das Messer allgemein

Zu den Messern zählt die Gesamtheit aller Schneidewerkzeuge, die aus Messern, aus Rasiermessern, Scheren, Streicheisen und einigen chirurgischen Instrumenten besteht.

Die Nützlichkeit des Messers für verschiedene Gebrauchssituationen machten seine Verwendung unabdingbar. Deshalb ist es seit den antikesten Evolutionsepochen des Homo sapiens in jeder Kultur zu jeder Zeit und an jedem Ort vorhanden.

Man muß auch auf die Vielzahl seiner Einsatzgebiete hinweisen. Einer seiner Hauptverwendungszwecke war im Bereich der Künste: zum zuschneiden des Gänsekiels, zum Abkratzen falscher Schriftzeichen auf Pergament, zum einschneiden des Holzes, für Holzschnitte,

3.3.          Bestandteile des Messers

Das Messer besteht aus:

Die Klinge besteht aus Metall wobei in den meisten Fällen Eisen oder Stahl verwendet wurde. Der Griff (das Heft) kann aus verschiedensten Materialien bestehen (Holz, Glas, Keramik, Knochen, Metall,)

3.4.          Einteilung

Es gibt verschiedene Arten von Messern. Die gebräuchlichsten sind unbeweglich (mit festem Griff), andere zusammenklappbar oder mit Klappgriff (die Schneide dieser Messer tritt beim Zusammenklappen in den Griff ein),

Die Geschichte wird vor allem von zwei Arten des Messers bestimmt: dem Unbeweglichen und dem Zusammenklappbaren.

Außerdem teilt man sie nach ihrer Verwendungsweise und Nützlichkeit ein. So spricht man dann von Taschenmessern, Jagdmessern, Küchenmesser, Tischmesser,

3.5.          Kunst und Symbolgehalt

Das erste Auftreten der menschlichen Kultur hat uns ein einziges materielles Zeugnis hinterlassen: abgebrochene Steine (im allgemeinen auch Messer).

Das Messer ist also das erste und hauptsächliche Instrument der gesamten Menschheit.

Man könnte annehmen, daß der Gebrauch des Messers, da es notwendig zum überleben war, die Evolution der gesamten Spezies beeinflußt hat und zur gleichen Zeit die Vernunft entwickelte und ständige Anpassungen oder sogar Selektionen vonnöten machte.

Der Übergang von der dekorativen zur künstlerischen Form vollzog sich zumindest in europäischen Gegenden nicht aufgrund einer Entwicklung in der Verwendung des Gebrauchsgegenstandes, sondern aufgrund der Einsicht, daß auch er Zeugnis von Prunk, Reichtum und Besitzkultur ablegen konnte. Und so wurde das Messer zu einer Art Statussymbol, das mit künstlerischen werten beladen wurden, auch wenn sein Gebrauch und seine Form es nicht verlangten.

Das Messer wird nur sehr selten in der Literatur gefunden, das Konzept ist folgendes: so wie das Messer das Brot schneiden kann, ist es auch in der Lage, das Böse zu teilen, Verbindungen - gut oder schlecht - zu trennen. Es ist ein Symbol der Gewalt und repräsentiert den männlichen Teil der Erde, des häuslichen Wohlstandes, der Frau und in Fruchtbarkeitsriten.

Im 17. Jahrhundert. Erscheint das Messer manchmal als Symbol botanischer Veredelung auf Abbildungen in alchemistischen Büchern. Als Emblem bezeichnet Cesare Ripa in der "Iconologia" die Verleumdung  mit einem Messer in der rechten Hand (Er hält das Messer in der rechten Hand, und deshalb ist der Verleumder  furchtbar), die Zwietracht und ebenfalls die Verzweiflung dagegen mit einem Messer in der Brust. Die Niedertracht wird mit dem Messer in der rechten Hand symbolisiert.(Er hält das Messer in der rechten Hand, um die Natur des Niederträchtigen als bösartig darzustellen. Er ist grausam, da die hauptsächliche Bedeutung des Messers als hieroglyphisches Zeichen von der Grausamkeit abstammt. Es waren die Agypter, die Ocho, den König der Perser mit diesem Zeichen benannten. Er herrschte grausam über alle und veranstaltete in jedem Teil Agyptens, in dem er auftauchte, Mordgelage.(So wird es von Pietro Valeriano in seinem 42. Buch der Hieroglyphen erzählt.)

Aber auch Sigmund Freud erwähnt das Messer nur einmal, im Zusammenhang mit Waffen.

3.6.          Die Szenographie von Banketten

Viele Völker kannten den Genuß des Essens, der sich in prunkvollen Banketten manifestierte und viele verschiedene Formen der Kunst hervorbrachte. Seit Griechenland und Rom waren sie prunkvoll, im hohen Mittelalter genügsam, in der Renaissance prunkvoll, üppig, unnachahmbar. Die Messer wiesen vor allem in der byzantischen und islamischen Welt je nach Verwendung immer mehr Charakteristiken auf.

Berühmtheit erlangte das Bankett, das Papst Johannes XXII 1324 in Avignon gab. Bekannt wurde das von Kardinal Hannibal von Ceccano für Klemens VI ausgerichtete Bankett. Noch bedeutungsvoller wurden die Gedecke des 15. Und 16. Jahrhunderts in Europa. Wie schon gesagt, erreichten die Tischausstattungen mit der Renaissance ihren größten Höhepunkt. Das vielleicht prunkvollste Bankett dieser Zeit, auch "Fasanenbankett" genannt, war das Essen, welches von Philippe dem Guten, Herzog von Burgund, für Lilla am 14. Februar 1454 ausgerichtet wurde. Das Essen umfaßte 400 Gänge, und die Tische waren mit kolossalen Skulpturen, Kompositionen, Allegorien, triumphalen Aufsätzen und wertvollen Geschirr geschmückt. Natürlich fanden sich auch die notwendigen Gegenstände für die Truchsesse (=Hofangestellter), die damit beauftragt waren, das Fleisch zu schneiden und zu tranchieren. Außerdem gab es auch persönliche Messer für geladene Gäste.

Eine wiederkehrende Sensibilisierung für Antikes bereichert die Messer im 17. Jahrhundert mit symbolischen Werten. Die Messergriffe wurden mit Edelsteinen und wertvollen Glasuren verziert. Dieser Geschmack des Adels wurde dann vom Bürgertum imitiert, das im 13. Jahrhundert entstand und sich immer mehr Macht und Einfluß eroberte und das sich mit der Französischen Revolution endgültig etabliert hatte.

3.7.          Das Messer in verschiedenen Kulturen

Zunächst eine allgemeine und nützliche Vorbemerkung: der ferne Osten hat auch hinsichtlich des Messers von denen des Westens sehr unterschiedliche Gewohnheiten. Fleisch und Gemüse werden immer in der Küche zugeschnitten, bevor sie auf den Tisch gebracht werden. Daher fallen die Tischmesser in dieser Kultur weg. Es werden Stäbchen zum, Essen benutzt.

3.7.1. China

            Es wurden eine Reihe von Ritualmessern aus Jade, deren Ursprung in Turkestan ist, aus der neolithischen Periode und in der gesamten Periode Shang (17. Jahrhundert - 1025 v. Chr.) gefunden. Die Verwendungsweise ist ungewiß, sie ist aber aufgrund des verwendeten Materials und der wesentlichen Linienführung von großer Schönheit. Man meint er sei Grabbeigabe oder Zeichen der Macht des Standes. In einer typischen Form weist das Ritualmesser aus Jade auf seinem Rücken eine Reihe von Löchern auf, in die verschiedene Griffe aus Leder oder Holz gesteckt werden können. Noch heute ist diese Typologie, jetzt allerdings aus Eisen, weit unter den Bauern dieser großen Republik für den Hausgebrauch oder zum Mähen verbreitet.



3.7.2. Schwarzafrika:

             Allerdings wird das Messer nicht nur in China um die Jahrhundertwende als Tauschmünze genutzt. Auch eine von China recht entfernte und sehr verschiedene Gegend hat die Messer zu diesem Zweck genutzt: Schwarzafrika. Neben den Kaurimuscheln und anderem Muschelgeld, neben allen Gegenständen mit Tauschcharakter oder wertvollen Materialien wie zum Beispiel Salz erscheinen auch die Messer. Typische Geldfunktion haben aber auch die Wurfmesser im Gabun in Angola oder die zeremoniellen Messer  uns Zeichen der Macht in Benin und Nigeria.

            Die Periode Tang (618-907 v. Chr.) war hier vielleicht die wichtigste hinsichtlich der Silberbearbeitung. Das Silber wurde mit großer Fähigkeit und großem Geschmack für die Ausführung der Messergriffe (Messer die nur als Zeichen der Macht oder für Zeremonien dienten, niemals jedoch für den alltäglichen Gebrauch) genutzt.

3.7.3. Japan

Die Metallverarbeitung, die von China nach Japan kam, gibt es erst seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. Es wird Bronze als auch Eisen verarbeitet. In Japan erreicht jedoch Stahl beachtenswerte technische Qualitäten, und das Wesen der Linie erreicht den Gipfel einer unnachahmlichen Kunst.

In Japan erreichte die Kunst des Schwertes und der Messer Werte, die schwerlich in anderen Ländern zu finden sind. Zu bemerken ist, daß das Schwert in Japan wie der Träger selbst verehrt werden. Mit dem Schwert wurde sehr sorgsam umgegangen, das Eisen durfte nie berührt werden. Es wurde zwischen Seidentücher gelegt und dann im heiligsten Teil des Hauses an eigens dafür gedachten Schwerträgern angebracht. Für die Kaste der Samurai stellte es das höchste Gut dar, es stand für das Sein selbst. Es erklärt sich von selbst, daß das Schwert mit besonders religiösen Ritualen hergestellt und wertvollen Kunstformen verziert wurde.

Mit der Periode Muromachi (1338-1573) wird das Schwert nicht mehr an den Gürtel angebracht, sondern in ihn hineingesteckt, und das führte zu einer Veränderung der Accessoires. In die feste, lackierte Holzhülle des Schwertes wird ein schmächtiges, fast zerbrechliches Messer gesteckt, das die Form eines kleinen Dolches hat. Es gehörte zu jedem mittleren Schwert. Es ist sehr unwahrscheinlich, daß diese Messerchen zum kämpfen gedacht waren.

Die Küchenmesser hatten eigene Charakteristiken. Es gibt je nach Zubereitung der Speisen verschiedene Typen, und für jede Speise gibt es eine spezielle Klinge, ohne daß es einen Austausch in den Formen geben könnte. Man könnte sagen, daß jede japanische Stadt ihre eigenen Küchenmesser hat. Dem ist hinzuzufügen, daß jeder spezialisierte Koch beim Meister der Messerhersteller Werkzeuge bestellt, die seiner eigenen Hand und seinem eigenen Gewicht angepaßt sind. Aus diesen Gründen finden wir in diesem Land eine größere Vielfalt als in anderen Ländern.

3.7.4. Indien

In Indien hat das Messer wie auch andere Gebrauchsgegenstände künstlerischen Wert aufgrund der eleganten Form und der reichhaltigen Verzierung, die in harmonischen Proportionen zueinander standen.

Die Verzierung des Griffs mit Edelsteinen, Lackierungen, Überzügen oder Zisilierung ist nicht selten. Eine besondere Verfahrensweise Indiens stellt die eigene Herstellung des Damaszenerstahls, genannt  Bidri, dar. Hierbei wird das Silber mit einer Legierung aus Blei, Zink und Zinn überzogen und dann chemisch geschwärzt. Die Messer wiesen schmächtige Griffe aus Jade auf und waren mit Edelsteinen und Zeichnungen aus Goldfäden verziert. Wichtig für diese traditionelle Fähigkeit waren auch die Elfenbein- oder Knochengriffe. Gewöhnlicher, aber nicht weniger bearbeitet waren auch die Holzgriffe mit Elfenbeinintarsien. Besonders in Kashemir wird noch heute Sandelholz verarbeitet.  

4. Der Löffel

 

4.1. Die Geschichte

Mindesten ebenso alt wie das Messer, wenn gar nicht älter, ist der Löffel. Der älteste Löffel und wohl das ursprüngliche Schöpfungsgerät ist die hohle Hand, mit der man in grauer Vorzeit aus der Quelle schöpfte. Schon bald traten dann an Stelle der Hand natürliche Schöpfgeräte wie Muschel, Schneckengehäuse, Kürbisschälchen oder  auch die Gelenkpfannen eines großen Tieres. Aus Holz und Bein wurde mit dem Feuersteinmesser zunächst die ältesten künstlichen Löffel geschnitzt. Diese Schöpfgeräte führte man wie die hohle Hand an den Mund, um sie mit den Lippen, den Laffen, auszuschlürfen (auszulaffen). So übertrug sich die Bezeichnung >>Laffe<< auf den Schöpfteil des Geräts. Unsere Bezeichnung "Löffel" ist aus dem Althochdeutschen entlehnt, wo er >>leffil<< heißt. Dieses Wort leitet sich vom althochdeutschen Wort Verb >>laffan<< ab, was >>lecken<< bedeutet. Während der Begriff "Löffel" aus der Funktion entwickelt hat, verweist das englische Wort >>spoon<<, verwandt mit dem deutschen Span, noch auf das Holz als ursprüngliches Material zur Löffelherstellung.

Als da über lange Zeit hauptsächlichste Eßgerät - vor allem im bäuerlichen Haushalt - ist es auf vielfältige Weise in Brauchtum und Sprache eingedrungen. Neben der Verwendung als Schimpfwort (Laffel), ursprünglich als Metapher für die "unartig" Essenden, die schlürfenden und laffen den Leute, taucht der Löffel in vielen, heute vergessenen Redensarten auf. >>Mit einem Löffel zwei Suppen versuchen<< steht gleichbedeutend für >>sich zwischen zwei Stühle setzten<<. Hinter der Wendung >>einen Löffel aufheben und die Schüssel zerbrechen<< steht das Bild des Holzlöffels als wertlose Kleinigkeit (1471) betrug der Preis von 100 Löffel 15 Groschen). Bekannter ist hingegen noch >>der Löffel, über den ,man balbiert* wird<<. Diese Redensart zeugt von einem sehr ungewöhnlichen Gebrauch des Löffels, nämlich der Praxis der Barbiere, beim Rasieren der Wangen älterer Kunden mit erschlaffter Gesichtsmuskulatur mit einem in den Mund gesteckten Löffel zu spannen. Man macht sich also viel Umstände, versucht die Natur zu überlisten, woraus verschärft die Bedeutung dieser Redensart für >>übervorteilen, betrügen<< herrührt. Und die Redensart man >>hätte die Weisheit mit Löffeln geschluckt<<, bedeutet, man >>dünkt sich sehr weise<<.

Im Laufe der Geschichte wurde der Löffel aus den unterschiedlichen Materialien angefertigt und hat dabei die verschiedensten Formen angenommen. Die ältesten Löffel in Syrien und Palästina bestanden aus einer Muschelschale mit angenietetem Stiel. Die jüngere Steinzeit kannte neben Holzlöffel auch solche mit einer Laffe aus Ton, die mit einer Tülle zum Einstecken eines hölzernen Stiels versehen war. Spät, zum Teil erst in hellenistischer Zeit, treten Löffel und Bronze, Silber oder Elfenbein in Erscheinung. Während die römischen Löffel eine ovale Laffe besitzen, bevorzugte man im Mittelalter eine runde Form. Der Stiel variiert in seiner Länge, ebenso der Winkel, in dem er von der Laffe abbiegt. Während die knopfförmige Verdickung am Ende de Stiels zunächst als Eichel, Granatapfel oder Pinienzapfen gestaltet wurde, verwendete man in der Folgezeit auch winzige Ganzfiguren als Abschluß, die oft der religiösen Vorstellungswelt entstammten. Bekanntestes Beispiel hierfür sind die sogenannten Apostellöffel. Ende des 17 Jahrhunderts wurde der Stiel breiter, da man durch veränderte Tischsitten ihn nur zwischen drei Fingern griff und nicht mehr wie bisher mit der Faust umfaßte. Die Achse verlief nun in einer geschwungenen Form, die sich harmonisch der geänderten Handhabung anpaßte. Damit war in der Entwicklung die heutige Grundform erreicht. 

4.2. Bestandteile des Löffels

Der Löffel besteht aus:

4.3. Einteilung

Es gibt verschieden Arten von Löffeln. Am gebräuchlichsten sind vor allem der Suppen- bzw. der Boullion- und der Kaffeelöffel. Den Zweck der Löffel verrät schon ihren Namen. Zum Beispiel: Zuckerstreu- oder Zuckerwasserlöffel, Salz-, Senf-, Sodawasserlöffel, Grog-, Mark-, Marmelade- und Kompottlöffel, Mokkalöffel, Rahmlöffel. Weiters die oft reichverzierten Oliven-, Thunfisch- und Eierschöpflöffel. Für den Gebrach in der Küche: Schöpflöffel in verschiedenen Formen und für vielerlei Verwendung.

4.4. Der Löffel in verschiedenen Kulturen

4.4.1. In Agypten

-waren Löffel aus Stein, Holz oder Elfenbein bereits 5000 v. Chr. bekannt. Daß diese auch der Nahrungsaufnahme dienten, ist durchaus anzunehmen. Wie später bildlich Darstellung zum Beispiel in Gräbern oder an Tempelwänden zeigen, dient besonders reich verzierte Löffel - übrigens oft in Form einer verlängerten Hand - auch als Opferspender bei rituellen religiösen Riten.

4.4.2. In China und Japan

Wie in den meisten anderen Kulturen waren auch hier die Löffel aus Holz und Stein. Später aus Porzellan.

Dieses Eßgerät wurde jedoch ausschließlich zum austeilen der Nahrung verwendet.

5. Die Gabel

 

5.1. Die Geschichte

Die Gabel ist da jüngste Glied des Bestecks. Dennoch hat auch sie sehr alte Ursprünge. Ein Vorläufer von ihr ist zweifellos der Bratspieß, mit dem man ein Stück Fleisch über dem Feuer braten, aber auch zum Mund führen konnte, als einzinkige Gabel gewissermaßen. Diese zwei- oder mehrzinkigig zu machen, ergab sich dann aus praktischen Erfahrungen mit diesem Gerät. Der Weg zur Eßgabel wird wohl vom Bratspieß über die zweizinkige Fleisch- und Küchengabel, weiter über die Tranchier- und Vorlegegabel geführt haben. Im einzelnen ist es für ältere Zeit sehr schwierig zu sagen, welche Phase diese Entwicklungslinie man eine aus dieser Zeit erhaltene Gabel zurechnen muß. Bereits in Babylon kannte man Gabel, wie Ausgrabungen zeigen, doch weiß man auch, daß hier beim Essen gewöhnlich die Finger benutzt wurden.

In Rom gab es jedenfalls neben der Gabel zum Zerlegen des Bratens bereits kleine Tischgabeln, und in Byzanz scheinen Eßgabeln dann bereits zum Gebrauch der vornehmen Leute gehört zu haben. Im allgemeinen blieb die Gabel aber bei Tisch und in der Küche Tranchier- und Vorlegegabel und konnte sich als Eßgabel nur schwer und langsam durchsetzen. Erst am Ende des Mittelalters verbreitete sie sich in Frankreich und Brachte noch mehr als ein Jahrhundert, um auch in Deutschland Eingang  zu finden. So ereiferte sich auch Martin Luther gegen ihren Gebrauch. Im Jahre 1518 soll er einmal gesagt haben:

>>Gott behüte mich vor Gäbelchen!<< Als fremdländische Modenarrheit verspottete sie Hans Michael Moscherosch in seiner >>Geschichte Philanders von Sittewald<< nach während des Dreißigjährigen Krieges. Im 17 Jahrhundert begann ein Wandel in der Ausgestaltung der Gabel. Sie verlor ihre geradlinige Form, hinter der sich der ursprüngliche Bratspieß als Idee noch immer verbarg, und nahm nun, ähnlich wie der Löffel eine geschwungene Form an . Die Zinken, es sind meist vier, bekamen einen schaufelartigen Schwung und zeigten einen Wandel des Gebrauchs an, nämlich nicht nur aufzuspießen, sondern auch aufzugabeln. Speiseteile wurden mit dem Messer auf die Gabel geschoben.

5.2. Bestandteile der Gabel

Die Gabel besteht aus:

5.3.          Einteilung

Die vierzinkige Gabel ist Bestandteil des Fischbestecks, wobei Dreizinkige als Hauptspeis- oder Fleischgabel bevorzugt werden. Weiters bekannt sind die etwas kleineren Kuchen-, Früchte- und die länglich geformte Konfektgabel. Am Hofe sehr beliebt waren die Brötchengabeln, Sardinen-, Mixed-pickles*- und Gurkengabeln.

5.4.          Kunst und Symbolgehalt

Ab dem 16. Jahrhundert war die Gabel zwar schon im heutigen Sinn in Verwendung, aber ihr Gebrauch galt in der Gesellschaft als "unsittlich und lächerlich". Besonders von der Kirche wurde sie verpönt. Nicht nur, weil die vornehmen Damen zweifelhaften Rufs sie zum Essen von Konfekt benutzten. Nein sie verkörperte das "Böse". Die Zinken werden mit dem Teufel in Verbindung gebracht.

5.5. Die Gabel in verschiedenen Kulturen

5.5.1. China und Japan

In diesen Ländern werden die Speisen anstatt mit Gabel und Messer mit Stäbchen zum Mund geführt. Diese Stäbchen bestehen meist aus Bambus, Holz, Elfenbein oder Edelmetallen, von denen manche mit Gravuren und Einlegearbeiten verziert sind. Die frühesten bekannten, dieser Eßgeräte stammen aus der chinesischen Shang-Dynastie (um 1766-1122 v. Chr.) von wo sie sich wahrscheinlich auf die anderen ostasiatischen Länder ausgebreitet haben. Bis heute ißt man im fernen Osten mit Stäbchen. Der Unterschied zwischen chinesischen und japanischen Stäbchen: Die Chinesischen sind länger und haben eine rundere Spitze als die Japanischen.

6. Die Möbel im Stilwandel der Geschichte

6.1. Romanik

Aus der Antike sind kaum mehr original Möbelstücke erhalten, trotzdem weiß man viel von der hohen Wohnkultur der Mittelmeervölker, insbesondere der Griechen und Römer.




Im 9. Jahrhundert n. Chr. bestand das Mobiliar aus Truhen, Kisten, Faltstühlen und Tische(Holzbretter die über Blöcke gelegt werden).

Die wichtigsten Werkzeuge zur Herstellung von Möbeln waren Axt, Beil und Säge.

Schon bald beherrscht die Drechslerkunst das romanische Möbel. Den Zimmerleuten ist die Arbeit am Bau vorbehalten, die Drechsler bauen Stühle und Sitzbänke. Im frühen Mittelalter der romanischen Zeit begannen die Handwerker langsam mit der Spezialisierung. Eines der schönsten Beispiele der romanischen Drechslerkunst sind die fast 7 m langen Bänke des Klosters Albirsbach*, die aus dem 13. Jahrhundert stammen.

6.2. Gotik

Erst in den Jahrhunderten, die in der Kunstgeschichte als Gotik bezeichnet werden, gibt es genauere Kenntnisse der Möbel, weil aus dieser Zeit genügend Beispiele erhalten sind.

Die romanische Kammer hat sich zu einem Aufenthaltsraum erweitert, der durch große verglaste Fenster Helligkeit gewinnt.

Eine Veränderung des Mobiliars von der Romanik zur Gotik hat es nie gegeben, es handelt sich dabei um eine Anderung der Konstruktion. Das gotische Möbel bringt eine neue technische Version.

Man verarbeitet das ungefüge Stollenbrett fast blockhaft.

Die Trennung von konstruktiv tragenden Gliedern und füllenden Flächen, wie sie im Aufbau der Architektur zutage tritt, wird auch im Möbel vollzogen.

In frühgotischer Zeit scheint das Mobiliar zunächst nicht sehr viel reicher zu sein als in den vorausgegangenen Jahrhunderten. Truhe, Brett und Stühle, als Lehnsitze oder Faltstühle geformt, einfache Bänke und einfache Schränke dienen als Möbelierung auch des städtischen Hauses. Erst in der Spätzeit des Mittelalters wird die Zimmerausstattung durch neue Möbeltypen bereichert und die einzelnen Stücke gewinnen durch sorgfältigste Arbeit und reiche Ornamentierung an Ansehlichkeit.

Nun finden sich auch richtige Tische in verschiedenen Konstruktionen. Die über Blöcke gelegten Bretter, deren Primitivität man dann durch ein schönes Tafeltuch verdeckt, werden nur noch in Fällen besonders großer Gastmähler gebraucht, bei denen der gewöhnliche Tisch nicht ausreicht. Dieser Tisch entwickelte sich sehr vielfältig. Sein Gestell besteht oft aus zwei seitlich, geschwungenen Stollenbrettern mit angearbeiteten Kufenfüßen, die untereinander mit einem oder auch zwei durchgesteckten und verpflockten Querhölzern verbunden sind. Auf ihnen ruht die Platte, meist ohne Zarge*.

Eine Weiterentwicklung dieses Typs ist der Kastentisch, der unter der Platte einen flachen Kasten hat. Der Tisch als durchgeformtes Möbel, als unerläßlicher Bestandteil der Einrichtung ist als eine 'Erfindung' der spätmittelalterlichen städtischen Kultur.

Ein zweites , allen späteren Zeiten unentbehrliches Möbel erhält auch erst jetzt seine wichtige Bedeutung und seine entscheidende Ausprägung: der Schrank. Erinnern die frühesten Giebelschränke noch an hochkant gestellte Truhen, so zeigen die ausgebildeten späteren Exemplare eine Beziehung zur Architektur. Der gotische Schrank gewinnt an Volumen. Er wird Höher, breiter und damit zwangsläufig doppeltürig. Viele Modelle sind in ihrer Gliederung deutlich zweigeschossig. Der Schrank steht in dieser Periode am Beginn seiner Laufbahn, jedoch die der Truhe geht dem Ende entgegen. Aus dem primitiven romanischen Kasten wird jetzt ein repräsentatives Schaustück.

Die Stühle zeigen keine neuen Formen.

6.3. Renaissance

In Italien beginnt jene Wandlung, die wir als Renaissance bezeichnen. Ihr äußerliches stilistisches Merkmal ist die Übernahme, die Wiedergeburt (= Renaissance) antiker Formen. Doch liegt die Anderung des Möbelcharakters nicht nur in den Einzelformen. Das Möbel selbst hat eine neue Bedeutung gewonnen. Hinter der verzierten Fassade wirkt die plastische Form des Möbelkörpers bestimmend.

Nicht nur die Kastenmöbel wie Truhen und Schränke, selbst die Stühle mit ihren hohen Lehnen und steifen Armstützen haben diese raumhaltige Form.

In der Technik des Möbelbaus hat sich trotz dem entscheidenden Stilwandel nichts Wichtiges geändert. man verfeinert nur die überkommenden Methoden, besonders bei der Behandlung des Holzes.

Die Truhe erreicht vor ihrem Absterben im Barock, eine höchste Formvollendung mit unendlich variablen Abwandlungen. Als ein besonders attraktives Möbel der Renaissance entpuppt sich die 'Cassaponca' die Truhenbank, die Sitzmöbel und Aufbewahrungsmöbel aufs eleganteste verbindet. In ihr ist das Vorbild des Kanapees aus Empire und Biedermeier angelegt, ein dekorativer Sitz für mehr als einen Menschen.

Der Schrank wird jedoch trotzdem immer beliebter. Er ist hoch, meist zweitürig und bekommt im Sockel jetzt schon häufig Schubladen.

Eine zierliche Abwandlung ist das Kabinett, ein kleiner Querschrank, meist mit zwei Türen auf hohen Fuß gestellt. Manchmal ist er mit einer Klappe statt Türen versehen, so daß ein Schreibtischchen entsteht. Immer aber hat er im Inneren eine vielfache Fächereinleitung.

Tisch und Stühle nehmen an der Ausbildung neuer Möbelformen teil. Neben dem einfachen Stuhl - vier Füße von denen die hinteren oft als Stützen der Rückenlehne durchgehen und gerades Sitzbrett - gibt es Armlehnstühle in unendlichen Varianten. Hohe Rückenlehnen, geschnitzt oder mit Samt und Leder bespannt, niedrige Lehnen bei Scherensessel, die aus dem noch vorhandenen Faltstuhl zu größerer Bequemlichkeit entwickelt sind. Zum ersten Mal tauchen hier gepolsterte Sitze auf. Eine Sonderform sind Schemel mit Lehne, die Tische sind lang, groß und prächtig.

Die schönsten Möbel französischer Frührenaissance sind wahre Wunderwerke feinster Holzschnitzerei und mit wenigen Ausnahmen wirken sie trotz ihrer ornamentalen Fülle nicht überladen. Zu spüren ist aber auch in jedem Stück die in diesem Volke eingeborene 'Elegance', denn selten wirkt ein Möbelstück wuchtig und schwer.

In der zweiten Hälfte, unter den Nachfolgern Franz I den Königen Henri II, Henri III, Henri IV, tritt der tektonische Aufbau des Möbels wieder in Erscheinung. Die Schränke bekommen Architektur-Fassaden.

In Deutschland geschieht der Einbruch der Renaissance ebenfalls über das Ornament. Die in der Spätgotik entwickelten Möbeltypen bleiben bestimmend. Es gibt noch immer Stollenschränke und die viertürige Schrankform, die aus zwei truhenartigen Kästen mit einem Zwischenstück aus Schubfächern aufgebaut ist.

Es gibt auch noch die Intarsia- Möbel, die alle handwerkliche Meisterstücke sind. Ihre Wirkung ist anspruchsvoll und etwas unruhig.

Eine gewisse Unruhe ist auch in den Süddeutschen Stühlen der späten Renaissance zu finden. Die Lieblingsform ist immer noch der Faltstuhl mit geschwungenen Armstützen und lebhaft geschnitztem Lehnenbrett. Es ist dies ein sehr einleuchtendes Beispiel dafür, daß im Endstadium eines Stils, oft sogar schon in seinem Höhepunkt - der ja zugleich die Wende zum Abstieg ist - die Wurzeln weiterer Entwicklung liegen.

Der 30 jährige Krieg 1618-1648 schnitt die deutsche Entwicklung rigoros ab, die erst in der 2. Hälfte des 17 Jahrhunderts zu neuer Blüte erwachen sollte.

6.4. Englisches Zwischenspiel

England ist in der Gotik und Renaissance nicht mit besonders auffälligen oder gar epochemachenden Möbelschöpfungen hervorgetreten, doch im 18. Jahrhundert wurde es Brennpunkt der Interesse. Man braucht nur den Namen Chippendale* zu nennen, der überall geläufig ist. Er wurde als einziger Name neben dem von Boulle zu einer Stilbezeichnung. Möbel à la Chippendale gehören, außer denen des Rokoko, zu den beliebtesten Sitzmöbeln. Das Material der meisten Chippendale - Möbel war nun nicht mehr Nußholz sondern Mahagoni. Es wurde mit Wachs behandelt, wodurch es einen wunderbaren sanften Glanz erhielt, der die englische Möbel auszeichnet.

Im letzten Drittel des 18. Jahrhundert finden sich hauptsächlich lyraförmige* Ornamente, Palmblätter oder auch drei Federn, das sogenannte 'Prinz of Wales' - Ornament.

Die Beine der Tische und Kommoden werden vierkantig und kanneliert.

6.5. Barock

Seine besondere und reife Ausprägung erfährt der Barock in den bürgerlichen Niederlanden und im höfischen Frankreich.

Die gedrechselten, gewundenen Säulenbeine vor allem an Tischen und Stühlen, deren erstes Erscheinen noch ins 16. Jahrhundert zurückreicht, werden nun obligatorisch.

Am deutlichsten zeigt sich der neue Stil an den Schränken. Sie behalten zwar im Frühbarock noch ihre viertürige Unterteilung, doch wird die geometrisch betonte, plastisch vorstoßende Flächenfüllung das neue Gefühl für das Raumvolumen betont. Im Gegensatz zu den mit überreichem, kleinteiligen Ornament belasteten Möbeln der späten Renaissance wirken diese Schränke ruhig und vornehm. Die mächtigen zweitürigen Schränke um Mitte des 17 Jahrhunderts, sind Möbeln von ausgesprochener, repräsentativer Wucht. Kastenmöbel im Zimmer wird die Kredenz, jetzt zum Büfett erweitert, dem Schrank vorgezogen wegen ihrer doppelten Verwendbarkeit: Aufbewahren und zur Schaustellen.

Die Möbel sind tischlergerechte Handwerksarbeit, von den gedrechselten, gewundenen Säulen und den Kugelfüßen bis zu den vorragenden oft stark verkröpften Gesimsen.

Der Königshof in Frankreich bestimmt eindeutig die Richtung auf das Luxusmöbel. Die mit reichster Marketerie* mit Schnitzerei, Vergoldung und Bronzezierarten geschmückten Möbel, die hier im Auftrag der Krone entstehen, sind eigentlich das, was wir im allgemeinen mit dem Begriff Barock verbinden. In dieser Epoche gewinnt Paris seine maßgebende Stellung als Vorbild für Wohnkultur, Geschmack und Mode, die es dann durch Jahrhunderte behaupten sollte.

Es entstand auch ein neuer Möbeltyp - die Kommode, die seit dem Barock ein nicht mehr aus dem Zimmerensemble wegzudenkendes Möbelstück geworden ist. Sie ist die Nachfolgerin der Truhe und verdrängt sie völlig. Die Kommode ist ein Kastenmöbel mit zwei bis drei Schubladen, deren Körper auf mehr oder minder hohe Beine gestellt ist, behält ihre hervorragende Stellung praktisch bis in unsere Zeit.

Die Sitzmöbel, vom Armlehnstuhl (dem Fauteuil) bis zum Hocker (Taburett), der jetzt erst als gepolsterter, lehnloser Sitz entsteht mit Leder oder Seide bezogen, bilden eine Sitzhierachie in der Höfischen Zeremonie. Lehnstühle waren den Mitgliedern der königlichen Familie vorbehalten.

Im übrigen werden die typischen Barockformen, schraubenförmige Säulenbeine, Kugelfüße, geschwungene Baluster*, überall verwendet. In den Schnitzereien, die von ausladender, plastischer Qualität sind, entwickelt sich aus dem Bandelwerk der spätestens Renaissance ein im wahrsten Sinne 'barocker' Knorpel- und Ohrenmuschelstil, der erst um 1700 durch eine üppig geschnitzte Ornamentik von Akanthusranken, Blumen, Früchten und Putten abgelöst wird.

Marketerie*, der wir in den Möbeln von Boulle begegnet sind, löst die Intarsie der vergangenen Jahr-

hunderte ab. Aus dünnen Furnieren verschiedenfarbiger, oft auch exotischer, kostbarer Hölzer geschnitten, wird sie in geometrischen Mustern, aber auch in figürlichen Szenen dem einfachen Holzkern aufgelegt. Ihre Wirkung ist nicht viel anders als in der Intarsie*, an ihre handwerkliche Exaktheit, an ihren künstlerischen Geschmack werden die gleichen hohen Forderungen gestellt.

6.6. Rokoko

Die Möbelentwicklung im 18. Jahrhundert - der Stil des Rokoko - ist eigentlich nur die letzte Phase der im 17. Jahrhundert begonnen Barockbewegung. Sie ist Höhepunkt und Ende eines sehr bewegten, auf die Statik des Möbels wenigstens in der äußeren Erscheinung verzichtenden Stils, in der sich zwischen den ruhigen, architektonischen Möbeln der Renaissance und den ebenfalls sehr strengen, an klassischer Architektur geschulten Möbeln des Empire über ganz Europa ausbreitet.

Für die Oberflächengestaltung der Möbel wird auf Jahrzehnte hin die Marketerie wichtig, die während der Régence eine hohe künstlerische Qualität erreicht.

Die geschwungenen Formen der Möbel machten die Furnierung in großen Stücken unmöglich, höchstens auf Flächenfüllungen der Schränke oder auf einer Tischplatte blieb Gelegenheit für eine einheitlich geschlossene Holzfläche.

Eine große Rolle spielen jetzt auch die Bronzeverzierungen, die die Kanten der Möbel verkleiden und ihre Umrisse betonen.

Die Möbelmacher  im 18. Jahrhundert waren Künstler, denn keine Zeit ist erfinderischer gewesen in der Schaffung neuer Möbeltypen als das goldene Jahrhundert einer bis in letzte Verfeinerungen überspitzten höfischen Kultur.

Neben dem Sessel mit Armstützen und einer geschwungenen Lehne, die niedriger ist als die steife, zu würdevollster Haltung zwingende des Barocks, taucht die Bergère auf, eine Sesselform mit geschlossenen und gepolsterten Seitenlehnen, die mit der Rückenlehne eine schalenartige Einheit bilden. Der Sitz ist meist durch ein mit dem gleichen Bezug wie die Lehnen versehenes Auflagekissen gepolstert.

Tische gibt es in vielfältigsten Variationen, vom einfach oder doppelt aufzuklappenden Spieltisch bis zum kleinen Beisatztischchen auf hohen geschwungenen Beinen mit oder ohne Schublädchen.

Ein Lieblingsmöbel der Régence und des Rokoko ist die Kommode, die große wie die kleine. Die letzteren machen den Beisatzlichen Konkurrenz, denn dadurch, daß diese zierlichen Möbel auf hohen Beinen außer ihrer Abstellplatte zwei oder drei kleine Schubladen haben, sind dem Tischchen überlegen. Die Stützen der Tische erscheinen schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Karyatidenform*. Die Lehnen der Sessel mit ihren nach unten spitz zulaufenden Säulenbeinen werden langoval, die der Kanapees sind häufig ein breitgelagertes Oval, dessen Tapisseriebezüge* ein streng symmetrischen Vasen- und Rankenornament zeigen.

In Deutschland nennt man die Epoche Louis XVI 'Zopf' bezugnehmend auf die damals aufkommende Perückenform der Herren, die mit einigen gepackten Löckchenrollen an den Schläfen, im Nacken den in einem schwarzen Band zusammengefaßten Haarschopf als Zopf erscheinen läßt. die lang herabhängenden, dünnblättrigen Ornamente an Möbeln und Wandbekleidungen erinnern wirklich an diesen eingeengten Zopf, so daß die merkwürdige Bezeichnung zu Recht besteht. Denn gegenüber dem Rokoko hat die neue Stilversion etwas Beengendes, eben 'Zopfiges'.

6.7. Directoire und Empire

In Frankreich unterbrach die Französische Revolution die Entwicklung der Möbel ins Klassizistische.

Was die Möbel des Directoire von denen des Louis XVI unterscheidet, ist ihre kompakte Form, die noch durch die Verwendung naturfarbener Mahagonihölzer betont wird. Das Empire übernimmt wieder die reinen Architekturformen von Säulen, Giebel und Pfeiler für die Schauseiten seiner recht kompakten Möbel.

Die Schränke und Kommoden werden rechteckige Kuben, begrenzt durch Säulen und gegliedert höchstens durch Boden und Nischenmotive. Nie vorher ist ein Stil so gleichförmig gewesen.

Neben den verglasten Schränken für Bücher und Porzellane, die in neuen Formen auftauchen, ist der Schreibschrank mit der aufklappbaren Vorderseite ein sehr beliebtes Möbel dieser Zeit.

Die Merkmale der Empire-Möbel sind Schlichtheit, Klarheit von Einfachheit ebenso wie die der 'Biedermeiermöbel'. Die Bezeichnung 'Biedermeier', die ebenso wie die Bezeichnung 'Impressionismus' oder 'Barock' zunächst als spottsüchtige Abwertung entstanden ist, kommt wahrscheinlich von einer Witzfigur der 'Fliegenden Blätter', einer humoristischen Zeitschrift des 19. Jahrhunderts.

6.7.1. Wien und das übrige Österreich

Das Biedermeiermöbel hat in Wien seine eleganteste Ausbildung erfahren. Im Jahre 1816 gab es schon 875 unabhängige Kunsttischler 1823 sogar 952.

Fast alle Biedermeiermöbel sind unbekannter Herkunft.

6.7.2. Ende der Biedermeiermöbel

Ab 1830 fließen starke historisierende Motive ein. Jetzt werden die Möbel oft mit schwergewichtigen Schnitzereien überzogen und es kommt zu unschönen Auswüchsen. Zu den interessantesten Gestalten des Möbelhandwerks im 19. Jahrhundert gehört zweifellos Michael Thonet, dessen Werk in seinen Anfängen noch dem Biedermeier angehört. Um 1830 begann Thonet Experimente mit Buchholz. Sein Ziel war die Massenproduktion, dicke Furniere in Holzform verleimt und im Leimbad in gewünschte Form gepreßt.

Das Biedermeier ist weniger steif als das rein klassizistische Empire. Es läßt geschweifte Beine und gerundete Lehnen zu. Es hat überhaupt eine Neigung zur Rundung. Das Biedermeier, sicherer noch als das Empire ist ein aus der Zeit geborener Stil, der die Bildungen aus dem Ende des 18. Jahrhundert weiterführt.

6.8. 19. Jahrhundert:

Schwerfällige Stühle mit vier runden Pfosten, dazwischen sind Sitzbretter eingehängt, die oft mit einer Zarge versteift sind; Rücken- und Seitenlehnen mit gedrechselten Mustern.

In Island und Norwegen hat sich auch noch eine Sonatenform der germanischen Kastensitze lange erhalten; mit breiten Sitzbrettern und betonten Rückenlehnen. Die Balkenenden waren oft mit Tierköpfen geziert, die an Thronsitze für den Herrscher des Hofes erinnern.

Als dritter Stuhltyp ist in den romanischen wie in allen vorausgehenden und fast in allen nachfolgenden Jahrhunderten der Faltstuhl oder Klappstuhl vorhanden. Er findet sich in der Prähistorie ebenso wie in Agypten, Griechenland und Rom.

Neben Sitz- und Bettstatt ist die Truhe das unentbehrlichste Möbel des Mittelalters. Sie dient zur Aufbewahrung jedes Gutes, von kaiserlichen und königlichen Silberschätzen bis zu Kleidern. Sie wurde mit Leder und Eisenbeschläge verschönert oder mit kostbaren Stoff überzogen.

6.9. Jugendstil

Es ist erwiesen, das seine ersten Verfechter (Henry van de Velde, Richard Riemerschmied, Bernhard Pankok, Peter Behrens, Bruno Paul), nicht nur für ihre Zeit erstaunlich, schockierend Neues schufen, sondern mit ihren Theorien auch den Grundstein für die weitere Entwicklung schufen. Die Möbeln sind gerade und schlicht, aber wirken trotzdem leicht und elegant und sind sparsam ornamentiert mit in die Flächen gesetzten floralen Ornamenten. Die Betonung der Linie als ein Spannungsträger, sowohl in der Architektur wie im Möbel, im Umriß wie im Ornament, ist das typische Merkmal des Jugendstils. Diese Kraft der Linie ist in allen guten Jugendstilmöbeln zu spüren. Einlagen aus exotischen Hölzern, Perlmutter und Elfenbein sind ein Charakteristikum des Wiener Jugendstils.

Der Jugendstil hat uns bis an die Grenze unserer eigenen Zeit gebracht. er gehört nicht mehr zu den alten, gewachsenen Stilen, sondern war eine bewußt gestaltete und geförderte Stilbewegung.

Die Gründung der Wiener Werkstätten 1903 festigte die handwerkliche Herstellung, dort war man auch bemüht um die Erstellung preiswerter Möbel für weniger geldkräftige Verbraucher. Otto Wagner's Schüler (Olbrich Josef Hoffmann und Koloman Moser) schufen die Wiener Abart des Jugendstil in der Architektur.



Der Jugendstil ist in bewußtem künstlerischen Willen entsprungen.

6.10. 20. Jahrhundert

In der Frühzeit der Modernen Architektur werden neu erdachte Formen - 'vegetabile' oder 'florale' aus der Natur, aber auch Formen, die sich aus der Verwendung neuer Materialien ergaben - als Ergebnis der industriellen Revolution dem historischen Denken entgegengesetzt. In diesem Dekorationsstil, als 'Jugendstil' oder 'Art Nouveau' ist heute zu hohen Ehren gekommen. Die Entwerfer kreierten geschwungene Möbelteile, in konservativer Technik aus Holz geschnitten. Das Jugendstilmöbel blieb aufgrund seiner teuren Konstruktion einer kleinen Sicht elitärer Kunstliebhaber vorbehalten. Die Bugholzmöbel waren durch industrielle Großserien in alle Teile der Welt gelangt, bekannt geworden und geschätzt als billiges Konsummöbel. Der Jugendstil hat das Bugholzmöbel inspiriert. In bekannten Kaffeehäusern waren die Stühle Thonetstühle.

Ein Speisezimmerstuhl mit gepolstertem Sitz - der in den Rücken übergeht und sich der Körperform anpaßt - nahm schon um 1902 die Schalenform der Sitzmöbelentwürfe eines Charles Eames und Eero Saurinen (1941) vorweg. Schaukelstühle und Armlehnsessel, alle mit streng geometrischen und verstellbaren Rückenlehnen, wurden um 1905 von Josef Hoffmann entworfen und durch die Firma Kohn gefertigt. der Armlehnsessel erscheint unter dem Namen Moderner Salon-Lehn-Stuhl.

In Wien entstand in wenigen Jahren ein neuer Bugholzstil. Die entwürfe aus der Zwischenkriegszeit von Josef Hoffmann, Adolf Schneek und Josef Frank beweisen letztlich die große Pionierleistung, die in den Jahren zwischen 1900 und 1910 erbracht wurde.

Durch die Beschäftigung der Architekten mit dem Problem der Bugholztechnik aus dem 19. Jahrhundert zu einem Bestandteil ihrer Architektur und im weiteren Verlauf dadurch für die Experimente mit Einrichtungen im Bereich des sozialen Wohnbaus als nun bewährtes Möbel verwendet.

6.11. Die Entwicklung des Thonets seit 1918

Noch in den letzten Jahren vor dem 1. Weltkrieg wurde der Export sowohl nach Südamerika als auch nach Rußland weiter ausgebaut. Die Lieferungen nach Rußland gewannen immer mehr an Bedeutung, denn es konnten große Mengen von Bugholzmöbeln abgesetzt werden. Nach dem Krieg wurden viele Firmen zerstört und es mußte alles neu aufgebaut werden. Die Entwürfe dieser Zeit wurden abgewandelt und verändert und dem Markt angepaßt. Einige Firmen Produzieren neuen Modelle, die schwerer, kompakter wirken und die Bugholztechnik bediente sich oftmals des rechteckigen oder quadratischen Querschnitts.

Die Anzahl konservativer Modelle mit Anlehnung an die Biedermeierzeit oder an englisch Vorbilder (Chippendale) ist beträchtlich. Hier wird das langjährig entwickelte Bugholzverfahren - die klassischen Konsumstühle ebenso wie manche der neu entwickelten Modelle - erfüllte die gestellten Bedingungen ein einfaches, preiswertes Möbel, das formal den Überlegungen der Modernen Architektur entsprach.

Die konservative Linie der in Wien entworfenen Möbel blieb mitbestimmend für eine Richtung der Innenarchitektur, die neu aus der Tradition der Wagnerschule, der Wiener Werkstätte und bedeutende Lehrer wie Tessenow, Josef Hoffmann, Oskar Strnad und Josef Frank gewachsen und eher traditionsgebunden war. Die Luxusmöbel mußten sich den neuen, veränderten Umständen anpassen, eine Besinnung auf die Biedermeiertradition konnte nicht ausbleiben. Die Architekten gestalteten in Zusammenarbeit mit gut geschulten Tischlern einfache, gut proportionierte Möbel.

Als dann die Konstruktion von Stahl Rohrmöbeln einsetzt, scheinen manche der Entwerfer zu einer strengen Konzeption des Stuhlaufbaus inspiriert zu haben. Eine Weiterentwicklung des reichen Vokabulars der klassischen Bugholzstühle war ein Ende gesetzt worden, in der Polarisierung von Tradition und avantgardistischem Denken hatte der Thonetstil sein Ende gefunden.

7.     Bilder

 

7.1.          Essen und Trinken allgemein

Das Essen und Trinken zeigt historische und gesellschaftliche Bedingungen einer Zeit auf.

Soziale Unterschiede: was kommt auf den Tisch?

Religion:                      Fastengebote

Nahrungsgebot:          war früher abhängig von klimatischen Regionen,

Die Geräte auf dem Tisch geben uns Auskunft, wie gegessen wurde. Auch die Technologie der Nahrungszubereitung unterliegt einem Wandel.

Bei der bildlichen Darstellung von Essen und Trinken war meist keine Dokumentation beabsichtigt. Sie stand vorerst in Zusammenhang mit der christlichen Iknologie*, die später waren oft mit Repräsentationsabsichten verbunden.

7.2.          Das Stilleben

Es gibt Blumen-, Früchte,- Jagd- u. Frühstücksstilleben, in denen der Vatinsgedankezu finden ist (= denk daran, Ruhm und Reichtum sind vergänglich).

Das Stilleben entwickelte sich aus den Küchen- und Marktstücken der Niederländer. Meist wurde im Bildhintergrund ein religiöses Thema dargestellt. Den Größen Teil des Bildes nimmt der Vordergrund ein, auf dem der wirtschaftliche Erfolg in riesigen Anhäufungen der landwirtschaftlichen Produkte gezeigt wird.

Eines der bekanntesten Stilleben ist das Öl auf Kupfer gemaltes Bild "Großes Schauessen" von Georg Flegel.

Flegel steht für die beginnende Vereinfachung der Eßgewohnheiten in der Wende vom 16. Zum 17. Jahrhundert.

Der Betrachter gewinnt durch einen hohen Standpunkt eine Nähe zu den appetitlich angepriesenen Genüssen. Zitronen, Orangen, und der aufgeschnittene Granantapfel galten wie der Zwergpapagei für das wohlhabende Patrizitat als repräsentative Verweise auf das Exotische.

Das ausgesuchte Tafelgeschirr, besonders die teuren Gläser , unterstreichen den repräsentativen Gedanken. Im Zentrum ragt das Zuckerwerk auf, das ein wesentliches aufkommenden "Delikatessenkultus" war. Mit süßen und daher auch teuren Speisen versuchte das gehobene Bürgertum, seinen sozialen Status darzustellen. Trotzdem fehlen dem Bild nicht die früheren religiösen Aspekte (Wein, Brot und Nüsse).

7.3.          Vincent Van Gogh

"Die Kartoffelesser", ein 82cm x114cm großes, Öl auf Leinwand Gemälde, das nicht nur die psychische Verfassung des Künstlers , sondern auch die bedrückende soziale Situation der Kleinbauern und Tageslöhner widerspiegelt.Aus der eigenen Erfolgslosigkeit heraus und verbunden mit einem missionarischen Sendungsbewußtsein identifiziert sich van Gogh mit den untersten Sozialen Schichten und ihrer schweren Arbeit.

Die realistische Gesinnung, die sich hinter den "Kartoffelessern" verbirgt und die in dem düsteren Bild zum Ausdruck kommt, steht den idealisierenden Abbildungen von üppig gedeckten Tafeln und Tischen des wohlhabenden Bürgertums völlig entgegen. Hier geht es nicht um Rituale und geschliffene Manieren bei Tisch, sondern um dürftigste Ernährung als existenzielle Notwendigkeit, um den Alltag des prozentual größten Teils der Bevölkerung.

Der Sozialhistoriker Jürgen Kucybski zitiert den Meresburger Arzt Dr. Kröber, der in einem Zeitungsartikel schreibt: "Während unsere Voreltern, denen die Kartoffeln unbekannt waren, mit einem kräftigen Roggenbrot mit Kleie gebacken, reichlich Hülsenfrüchte und wenn sie es haben konnten, was aber bei jenen Nahrungsmitteln nicht erforderlich ist, mit einem Stück Fleisch sich nährten, wobei sie gesund, kräftig und stark blieben; ist bei unser ärmeren Volksklassse die Kartoffel das Haupt-, ja man kann fast sagen, das einzige Nahrungsmittel geworden . . ."

7.4.          Eduard Manet

"Das Frühstück im Grünen", ist das bekannteste Öl auf Leinwand Bild des Künstlers. Wir sind hier die Betrachter eines Picknicks. Das Essen und trinken im Freien ist keine neues Motiv, schon Lucas van Valckenborch zeigt im 16. Jahrhundert den Gegensatz einer Stadtansicht zu einer Landpartie, im 17. Jahrhundert und in der Rokokozeit finden wir zahlreiche Bilder, deren Tischvergnügung im Freien stattfinden. Unsere Hauptfiguren frönen einem der sonntäglichen Freizeitvergnüglichkeiten des größstädtischen Bürgertums: dem Picknick im Freien, neben dem Baden oder Pferderennen einer der beliebtesten Vergnügungen. Das einfache Picknick auf unserem Bild - Brot, Obst und ein Getränk - sollen die gespielt unbeschwerte Lebensweise in einer Zeit zeigen, in der das Bürgertum seine Repräsentationen bevorzugt in den reichlich ausgestatteten Wohnungen bei Empfängen und Essen demonstrierte.

(* Penzes Martina, Graf Barbara*)

Worterklärung der mit * gekennzeichneten Wörter im Anhang

 

 

 

 

Anhang

 


 

Erklärungen:

 

Baluster                       kleine, meist gedrungene, stark profilierte Säule

Chippendale                Thomas Chippendale, engl. Kunsttischler (18. Jahrhundert)

Intarsien                      Einlegearbeiten in Holz

Karyatiden                  weibl. Statuen, d. d. Gebälk eines Bauwerks tragen

Liturgie                       der in den christlichen Kirchen in geregelter Form geführter Gottedienst

Marketerie                  siehe Intarsien

Mixed-pickles             in Essig eingelegtes Gemüse

Zarge                            Einfassung, Seitenwand (Fachsprache)


Quellenverzeichnis

 

1.     Eine kurze Geschichte der Eßkultur: "Bestecke" Bernd Scheel

2.     Eßgeräte allgemein: "Das Messer" Gabriele Mandel

3.     Das Messer: "Das Messer" Gabriele Mandel

4.     Der Löffel: "Bestecke" Bernd Scheel

5.     Die Gabel: "Bestecke" Bernd Scheel

6.     Die Möbel im Stilwandel der Geschichte:       "Biedermeier" Lydia L. Dewiel

                                                                                "Ullstein Möbelbuch" Elfriede Feber

                                                                                "Thonet" Karl Mang

7.     Bilder: "Vincent van Gogh uns sein Leben" Eduard Marsöger

Bilderverzeichnis

Messer-, Gabel- und Löffelbeschreibungen: "Bestecke" Bernd Scheel

Postkarten: Hofburg, Ausstellung "Tafelsilber"

Modernes Besteck: Werbekatalog von Berndorf-Besteck










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