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Gigantomania kolossal - Das ehemalige Reichsparteitagsgelände



Gigantomania kolossal - Das ehemalige Reichsparteitagsgelände

»The times they are a'changin« krallte sich 1978 Bob Dylans heisere Stimme den 70 000 Fans auf dem Zeppelinfeld ins Ohr. Sie hatten sich wahrhaftig geändert, die Zeiten! Der Protestsänger mit dculsch-jüdischen Vorfahren trat an ebendem Ort auf, wo 40 Jahre zur Adolf Hiller während der Reichsparteitage seine völkischen Hassliraden losließ, tausendc dem Führer zujubelten, Wehrmachtsparaden den furchlliaren Ernstfall problen, Arleiter der Faust- des RAD (Rcichsarbeitsdienst) mit geschultertem Spaten exerzierten. Dylan hatte sich das Reichsparleitagsgclände für sein Konzert ausbedungen, ein Manifest ganz persönlicher Art.

Rein pragmatisch hatte sich die NS-Führung nach dem erfolgreichen Deutschen Tag (1923) die traditionell rote Hochburg zur Stadt der Rek:hsparteitage erkoren - beste Verkehrsanbindung, Lage in Deutschlands Mitte, Frankenführeri Julius Streicher als fanalischer Manager fürs Grobe. Der ideologische Unterbau wurde erst nachträglich geliefert: das Dritte Erbe des Ersten Reichs, symbolisiert in der Großen Straße, die genau aul die Kaiserljurg zielt, für Aufmärsche gedacht war und nie genutzt wurde, weil man nach dem Überfall auf Polen nicht nur Deutschland beherrschen wollte, sondern »morgen die ganze Welt«.



Diese hochfahrende Mischung aus Größen- und Rassenwahn! Fassungslos blickt man um sich und begreift nichts. Die Steine schweigen. Ob nun Zcppelin-Hauptlribüne (deren flankierende Säulenhallen in den 1960ern weggesprengt wurden) oder der Torso der Kongresshalle, die das Colosseum Roms an Monumentalität noch überbieten sollte - es wurde geklotzt. Theatralische Bauten, perfekte Inszenierung! Wenn Albert Speer, Hitlers Proanda-Dekorateur, Generalbauinspektor und späterer Rüstungsminister mit Flakscheinwerfern auf den Türmen des Zeppelinfelds einen l.ichtdom simulierte oder Hitler im l.uitpoldhain mit der Blutfahne der Hcldcn des Münchner Putschs die neuen Standarten weihte, stockte den Zuschauern der Atem. Das Deutsche Stadion hingegen, das nach Speers Plänen mit 405 000 Plätzen das größte der Welt werden sollte, blieb Baugrube und füllte sich zum Silbersee, kontaminiert mit Bauschuft des zerstörten Nürnberg und Deponiegiften. Baden verboten im TodesteichTriumph des Willens', n Leni Riefenstahl auf dem Reichsparteitag 1934 emphatisch verfilmt, tobte sich im Krieg aus. Was tun mit der Erbschaft? Im Luitpoidhain ist im Verwischen der Spuren Gras über das Terrorregime gewachsen. Auf dem Boden der Reichs-Lager-siedlung, in der SS und H| kampierten, entstand die Trabantenstadt Langwasser. Das städtische Stadion, noch 1928 als rbildlich mit der Goldenen Olympiamedaille ausgezeichnet, war für Kampfspiele der Hitlerjugend und Ringelpietz des BDM (Bund Deutscher Mädel) missbraucht worden. Zum Frankenstadion entnazifiziert, ist es nun u. a. Arena des 1. FCN und Bühne für Rock im Park














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