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Die Wörter des Diktators: Hitlers tragische Zeitalter, durch seine Wörter gesehen









„Nicht durch die Prinzipien die Humanität lebt der Mensch oder ist er fähig, sich neben der Tierwelt zu behaupten, sondern einzig und allein durch die Mittel brutalsten Kampfes.“

(aus: Adolf Hitler, mein Kampf)







Mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzlers begann in Deutschland das so genannte Dritte Reich. Es wurde damit eine nationalsozialistische Diktatur errichtet, die das Land in die größte Katastrophe seiner Geschichte führte. Der Nationalsozialismus lehnte jede demokratisch-pluralistische Gesellschaft ab und wandte sich in einem extremen Antisemitismus gegen die Juden. Nach Hitlers Rassenideologie war die germanische (arische) Rasse den „minderwertigen“ Rassen überlegen. Als „minderwertig“ wurden r allem die Juden und die Völker zu vernichten und dem deutschen Volk durch eine Expansion nach Osten weiteren Lebensraum zu sichern. So wurden Juden aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen. Sie durften keine Geschäfte mehr führen, jüdische Betriebe wurden aufgelöst. Juden konnten keine Theater, Kinos, Veranstaltungen besuchen; sie wurden n deutschen Schulen und Universitäten entfernt, ihr Privateigentum musste abgeliefert werden. Im Januar 1942 wurde auf der Wannseekonferenz in Berlin die Endlösung der Judenfrage besprochen, d.h. die Maßnahmen zu Ermordung der europäischen Juden. Es begannen Massendeportationen n Juden, die in den besetzten Teilen Europas wohnten. Die Konzentrationslager-Häftlinge lebten und arbeiteten unter unmenschlichen Bedingungen und grausamen Folterungen. Das durchschnittliche Leben eines Häftlings wurde auf wenigen Monaten festgelegt, in Auschwitz dauerte es durchschnittlich 52 Tage. Die Haftlinge wurden auch zu medizinische Experimenten missbraucht, die oft tödlich verliefen. Insgesamt fielen der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik über 6 Millionen Menschen zum Opfer.



Tod der Kultur



„Wo man Bucher verbrennt, da verbrennt man am Ende auch Menschen“. (Heinrich Heine)



Im Marz 1933 wurde das Ministerium für Volksaufklärung und Proanda unter Joseph Goebbels errichtet. Durch eine skrupellose Proandatechnik übte das Ministerium eine starken Druck auf wissenschaftliche Institutionen und auf das kulturelle Leben aus. In Deutschland wurde n den Nazis eine „völkische Kultur“ proiert. Ab 1940 wurden in deutschen Kinos antisemitische Filme gezeigt, oder der so genannte „Dokumentarfilm“, in denen die Juden als heimatlose, wurzellose Kosmopoliten beschrieben wurden, die die „arische“ Gesellschaft infiltrieren. Die „schmierigen“ Gettos der Juden wurden ebenfalls gezeigt. Diese Filme sollten zur Rechtfertigung der Judenverfolgung dienen.







THOMAS MANN- Eine Hitlerrede 1933



Die folgenden Überlegungen sind den Tagebüchern 1933 entnommen. Zur Zeitpunkt der Machtübernahme war Thomas Mann im Urlaub in der Schweiz. Wegen der Verfolgungen der Nazis kehrte er nicht nach Deutschland zurück und ließ sich in der Nähe Zürichs nieder. Er ist im Exil in den USA und in der Schweiz gewesen, weil er gegen Hitler und Nationalsozialismus war.





„Las abends in einer fränkischen Nazi-Zeitung, die man mir sonderbarer Weise geschickt hat, die Rede des „Führers über Kultur. Erstaunlich. Dieser Mensch, Exponent der kleinen Mittelklasse mit Völksschulausbildung1,die ins Philosophieren geraten ist, ist wahrhaftig eine kuriose Erscheinung. Gar kein Zweifel, dass es ihm, im Gegensatz zu Typen wie Göring2 und Röhm3, nicht um den Krieg, sondern um „die deutsche Kultur zu tun ist4. Die Gedanken, die er darüber, hilflos, sich immer wiederholend, unter beständigen Entgleisungen5 und in einem erbarmungswürdigen6 Stil, aneinander reiht7, sind die eines hilflos bemühten Klippschülers8. Sie könnten rühren9, wenn sie nicht n so grauenhafter Unbescheidenheit10 zeugten. Nie haben die Mächtigen, die Tatmenschen des Weltgeschäftes, der Politik Conrad Felixmüller, Der Agitator, 1920 sich angemaßt11, auf diese Weise die Lehrer eines Volkes, ja der Menschheit zu spielen. Weder Napoleon, noch Bismarck haben das getan. Sie haben eine Ordnung, eine Grundlage geschaffen, nach ihrer Vision erzwungen, auf der das höhere, geistige Leben, Wissenschaften u. Künste dann blühen oder nicht blühen mochte. Sie haben n diesem geistigen Leben staatlich gefördert u. ausgezeichnet12, was ihnen nützlich schien und auch gewaltsam unterdrückt, was ihnen entgegen war. Aber nie haben sie m Katheder herab der Nation eine Kulturtheorie, ein Kulturprogramm dozierend rgeschrieben, obgleich ihre geistige Kapazität sie unvergleichlich mehr dazu befähigt hätte13 als die dieses armen Burschen. Freilich, sie kannten noch nicht den „totalen Staat, der nicht allein eine Machtgrundlage, sondern alles umfassend ist und auch die Kultur, ja r allem sie, kommandiert, der weiß wie sie sein soll und sie, diktatorisch, ausschließlich und ohne Widerspruch das Wort führend, auf seine in heißem Ringen14 autodidaktisch und durch schrecklich lückenhafte15 Lektüre erworbenen Begriffe reduziert. Der totale Staat ist unter allem anderen der Staat Platons, in dem die Philosophen regieren, - ein Philosoph, ein n der Zeit geistig umgewirbelter16 und n ihrer leidenden Unordnung zur Macht getragener Handwerker, der seine Hysterie mit Künstlertum, seine hilflose Angeregtheit17 mit Denkertum verwechselt und es ohne Skrupel und Zweifel unternimmt, einem Volk n der geistigen Vergangenheit des deutschen seine stümperhaften18 Meinungen aufzudrängen. Der Nationalsozialismus ist eine Philosophie Erinnert man sich, mit welcher bescheidenen Ehrerbietung der Gewerkschaftler Ebert19 sich den kulturellen Dingen näherte, so erkennt man, welchen grausigen Weg die Demokratie seitdem genommen hat.

(Aus: Thomas Mann, Tagebücher 1933 – 1934)





1. Hitler hatte die Realschule in Linz besucht.

2. Gö[h]ring, Hermann Göring (1893-l946) war 1933 preußischer Ministerpräsident, später Reichstagspräsident und Oberbefehlshaber der Luftwaffe. Er wurde im Nürnberger Prozess zum Tode verurteilt und beging Selbstmord

3. Röhm, Ernst Röhm (1887-l934) war der Führer der SA und in den Jahren 1933-34 Reichsminister. Auf Befehl Hitlers wurde er 1934 umgebracht

4. jdm um etw zu tun sein, sich für etw. interessieren

5. die Entgleisung (-en), Abweichung, Abschweifung

6. erbarmungswürdig, Mitleid herrrufend

7. aneinander reihen, nebeneinander stellen

8. eines hilflos bemühten Klippschülers, eines Grundschülers, der sich vergebens anstrengt

9. rühren, innerlich bewegen

10. Unbescheidenheit, Arroganz

11. sich anmaßen, sich ermächtigt fühlen

12. auszeichnen, hier: herrheben

13. obgleich ihre geistige Kapazität sie unvergleichlich mehr dazu befähigt hätte, obwohl sie dazu viel fähiger gewesen wären

14. in heißem Ringen, unter großen Anstrengungen

15. lückenhaft, mangelhaft, fehlerhaft, inkomplett

16. um gewirbelt , verwirrt

17. die Angeregtheit, Versuche zu denken

18. stümperhaft, unllkommen, schlecht

19. Ebert, Friedrich Ebert


Textanalyse



Die Nazis erhoben einen weltanschaulichen Totalitätsanspruch und fühlten sich ermächtig, auch über Kultur zu bestimmen. Hier sagt Thomas Mann, dass Hitler kein hinreichendes kulturelles Niveau hat, um sich über Kultur zu äußern. Z.B.: „Dieser Mensch, Exponent der kleinen Mittelklasse mit Völksschulausbildung ,die ins Philosophieren geraten ist, ist wahrhaftig eine kuriose Erscheinung.“. Nämlich hatte Hitler keine wichtige Schulen besucht, sondern nur die Realschule in Linz.

„Aber nie haben sie m Katheder herab der Nation eine Kulturtheorie, ein Kulturprogramm dozierend rgeschrieben, obgleich ihre geistige Kapazität sie unvergleichlich mehr dazu befähigt hätte als die dieses armen Burschen.“ In diesem Satz bezieht Mann sich auf Napoleon und Bismark, die eine starke Ordnung geschaffen haben, aber sie haben nie die Kultur kontrolliert, als Hitler dagegen getan hat.

Napoleon und Bismark waren autoritär, unterdrückten ihre Gegner, aber schrieben sie kein Kulturprogramm r, obwohl sie mit mehr Autorität über Kultur hatten äußern können. Auch Ebert war in kulturellen Dingen zurückhaltend.

Hitlers Gedanken, die immer wiederholend sind, sind mit den eines hilflos bemühten Klippschülers vergleicht.

„seine in heißem Ringen autodidaktisch und durch schrecklich lückenhafte Lektüre erworbenen Begriffe reduziert.“

Hier dringt Mann auf Hitlers Kultur und er hebt in einer starken und direkten Weise Hitlers Unwissenheit herr.

Er macht das auch mit Ironie, z.B.

„Gar kein Zweifel, dass es ihm, im Gegensatz zu Typen wie Göring und Röhm, nicht um den Krieg, sondern um „die deutsche Kultur zu tun ist.“ Nämlich ist der Satz in einer ironischen Weise zu interpretieren: wie Göring und Röhm ist Hitler letztendlich an dem Krieg interessiert. Er gibt nur r, dass es ihm um Kultur gehe.

In seiner Rede, beurteilt Mann denn Aufbau und die Formulierung Hitlers Gedanken. Er sagt dass, seine Gedanken einer hinter den anderen gereiht werden, und sich wiederholen. Sie sind auch oft Abschweifungen und sie werden in einem schlechten Stil ausgedrückt.

In diesem Text wird Hitler mit diesem Ausdrücken bezeichnet: „Dieser Mensch“, „Exponent der kleinen Mittelklasse“, „kuriose Erscheinung“ ,“ hilflos bemühten Klippschülers“, „Burschen“, „Philosoph“, „Handwerker“. Hitler spiegelt die kulturelle Leere seiner Zeit wieder, deswegen wird er als Produkt seiner Zeit angesehen. Er stellt den Befreihungswillen Deutschlands nach dem ersten Weltkrieg. Er beutet die Sprache und alle möglichen Mittel um die Macht zu ergreifen. Er ist kein Künstler, sondern ein Hysterischer. Er ist kein Denker, sondern ein Handwerker. In diesem Text werden Hitler Arroganz, Dilettantismus, Unwissenheit, Oberflächlichkeit rgeworfen. Im Text sind Anführungszeichen, Pünktchen, und kursiv gedruckte Wörter rhanden, weil Mann Abstand auf ironischer Weise nimmt.









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