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Das Schwarzwaldhaus



Das Schwarzwaldhaus

Schwarzwaldhäuser gelten dem Schwarzwaldbesucher als das Idyll schlechthin: Gemütlich sind sie, und die bäuerlichen Besitzer scheinen sie von Hand gemacht zu haben. Dabei hätten früher die meisten Bauern sofort auf Handarbeit verzichtet, wenn sie Waschmaschine, Traktor und Zentralheizung gehabt hätten.

Kurze Wege waren für den Schwarzwaldbauern arbeitserleichternd, und er mußte sparsam heizen. So wurden die einst nebeneinanderliegenden Gebäude zum Wohnen, für die Viehhaltung und das Speichern von Getreide unter einem Dach vereint. Auf diese Weise entstanden riesige Holzhaus-Konstruktionen, die Ständer-Bohlen-Bauten, immer mit großen Firstsäulen, die am Erdboden begannen und bis zum Dach hinaufragten, um es zu stützen. Das Dach selbst war mit Stroh gedeckt, was später verboten wurde, weil es leicht Feuer fing. Deshalb sind solche Strohdächer heute fast nur noch an Museumshäusern zu besichtigen.

Das prächtigste Beispiel eines Schwarzwaldhauses ist der »Vogtsbauernhof« von 1570, der im Gutacher Freilichtmuseum den Typ des Gutacher Hauses vertritt. In diesem Landesteil herrschten die Herzöge von Württemberg, die 1568 eine Bauordnung erließen, nach der sich natürlich auch das Haus des Vogtes zu richten hatte. Nach dieser BauOrdnung sollte die Küche mit Steinmauern in der Mitte liegen, und ein Schlot war zwingend vorgeschrieben. Von den heimischen Bauern übernommen waren das typische, tief hinabgezogene Dach; die Veranden wiederum kamen aus dem Elsaß.


Das traditionelle Kinzigtaler Haus steht auf einem Sockel aus Buntsandstein, in dem sich gleichzeitig der Stall befindet. Drei Türen führen dort hinein. Darüber liegt ein Wohngeschoß, über dem sich wiederum, bis zum Dach, eine Scheune ausbreitet. In diese kann man praktischerweise ebenerdig hineinfahren, denn das Kinzigtaler Haus wurde so zum Hang gestellt, daß eine hinten angebaute Brücke gleich in den ersten Stock mit der Scheune hineinleitet.

Das sogenannte Heidenhaus steht, jedenfalls in seiner jüngeren Form, parallel zum Hang, und die Küche reicht bis zum Dach des zweigeschossigen Gebäudes. Auch hier kann man in den Heuboden, über dem Stall gelegen, einfahren. Heiden sollen diese Häuser gebaut haben: Häu waren es Höfe vom Oberlauf der Gutach, in den vorderösterreichischen Gebieten gelegen. Der Vogtsbauernhof lag dagegen im protestantischen Herzogtum Württemberg.
Nicht von der Konfession, sondern von der Religiosität der Bauern sprechen das Kreuz im Herrgottswinkel der Stube oder ein Bild des hl. Wendelin am Stall. Heidnisch wirken dagegen die fast unleserlichen, vielleicht magischen Zeichen, die man überall einritzte oder schnitzte: Sterne, Bäume, Andreaskreuze.

Eine Kapelle machte aus vielen Anwesen fast schon einen Herrensitz. »Bauernfürsten« nennt dann auch der Schwarzwälder Schriftsteller Hansjakob die Hofbesitzer, die ihre Knechte, Mägde und andere Dienstboten als »meine Völker« anredeten. Der Hof war ihnen das höchste Gut, deshalb mußte auch durch Nachfahren für seine Erhaltung gesorgt werden. Vielleicht hatte die Bauerstochter im Kinzigtaler Haus ja deshalb eine abgelegene Schlafkammer, in der sie heimlich, aber geduldet Freier empfangen konnte; denn schon vor der Hochzeit wollte man die Qualität der künftigen Herren testen.

Viel ärmlicher als bei den Bauernfürsten ging es im südlichen Schwarzwald zu. Das Hotzenhaus hatte nur ein Erdgeschoß bis zum Beginn des Daches, und um alle vier Seiten herum lief ein verdeckter Umgang. Im Innern war es sehr dunkel. Solche Unannehmlichkeiten braucht der Schwarzwaldreisende nicht mehr auf sich zu nehmen. Am interessantesten ist sicher die Schlafstube eines Bauernfürsten, heute, in modernen Zeiten, mit Telefon, Tund Bad. Solche Häuser gibt es beispielsweise noch im Glottertal bei Freiburg.














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