Führung in
Organisation
1. Begriff der Führung
Führung ist eine absichtliche, unmittelbare und zielbezogene
Einflußnahme auf andere.
Führung ist die Verhaltensweise einer Person, die im Sinne ihrer
Intentionen das Verhalten formal unterstellter Mitglieder der Arbeitseinheit zu
beeinflussen sucht.
2. Führungsstile
Man kann Führungsstile anhand von zwei Fragen unterscheiden:
-
Wie werden die Mitarbeiter bei Entscheidungen
einbezogen?
parzipativ-demokratisch:
Kurzfristig bewirkt der demokratische
Führungsstil nicht immer Zufriedenheit. Die Entscheidungen führen zu langen
Diskussionen. Die große zeitliche Belastung kann zur Unzufriedenheit führen. Es
ist daher sinnvoll, unwichtige Dinge anders zu entscheiden. Vor allem bei
wesentlichen Entscheidungen wird jedoch das gemeinsame Finden der Lösung
geschätzt. Langfristig führt daher der demokratische Führungsstil zur größeren
Zufriedenheit der Mitarbeiter.
autokratisch:
Kurzfristig sind die Mitarbeiter häufig mit
diesem Stil zufrieden. Er ermöglicht es, die Arbeit mit einer bestimmten
Sicherheit zur Zufriedenheit des Vorgesetzten zu erledigen, da alles im Detail
geregelt wird. Der Zeitaufwand ist geringer als beim demokratischen
Führungsstil. Langfristig kann dieser Stil auch zur Unzufriedenheit führten, da
die Mitarbeiter von allen wichtigen Entscheidungen ausgeschlossen sind.
Laissez-faire:
Trotz der großen Freiheiten sind die Mitarbeiter
kurzfristig und langfristig oft unzufrieden, da sie keinerlei Feedback
erhalten. Sie fühlen sich alleingelassen.
-
An welchen Zielen orientiert sich der Manager?
Sachaufgabenorientierung:
z.B.:
Maximierung der Leistungsfähigkeit, Maximierung von Marktanteilen
Mitarbeiterorientierung:
z.B.:
jedem Mitarbeiter jenen Arbeitsplatz zuordnen, der den Mitarbeiter am meisten
befriedigt
Beispiele für daraus resultierende FS:
-
autokratisch und Mitarbeiterorientiert:
patriachalischer FS
-
autokratisch und Sachaufgabenorientiert:
diktatorischer FS
Entscheidungs- demokratischer FS
Spielraum der (Gruppe
entscheidet frei)
Gruppe
partizipativer
FS
(vorgegebener
Rahmen)
kooperativer
FS
patriachalischer
FS
Entscheidungs-
Spielraum
des
Vorgesetzten autoritärer FS
3. Führungstheorien
Führungstheorien kann man in folgende Modelle bzw. Ansätze einteilen:
Universelle Theorien:
gehen davon aus, daß es „einen besten Weg“ zu
führen gibt, der in allen beliebigen Situationen Erfolg nach sich zieht
Situative Theorien:
bestreiten, daß es diesen „einen besten Weg“
zu führen gibt. Effektive Führung hängt vielmehr davon ab, ob die Person des
Führenden, sein Verhalten und die jeweilige Situation aufeinander abgestimmt
sind und zueinander passen.
Eigenschaftstheorien:
gehen davon aus, daß es relative stabile
Persönlichkeitsmuster gibt, die den Führungserfolg beeinflussen. Im Zentrum
ihrer Analysen steht jeweils die Frage, wer wird aufgrund welcher Eigenschaften
ein Führer, und wie wirken sich diese Eigenschaften auf den Führungserfolg aus.
Verhaltenstheorien:
der Führung legen ihren Schwerpunkt hingegen
auf das beobachtbare Verhalten von Führenden. Im Rahmen dieser Theorien wird
nicht danach gefragt, wer ist Führer, sonder was tut ein Führer und welche
Verhaltensweisen ziehen welche Konsequenzen bei den Geführten nach sich.
4. Führungsverhalten
und Entscheidungssituationen
Verhaltensgitter (Grid) Modell: siehe Buch BO IV/V S114
1.1: Neutralität. Dieser Stil ist von der
„Nur-nichts-Böses-Sehen“ Einstellung geprägt, der zur Ablehnung von
Verantwortung führt. Es werden minimale Anstrengungen zur Erzielung von Output
und zur Befriedigung der Mitarbeiter unternommen. Das Ziel ist, ohne Engagement
in der Organisation zu überleben.
1.9: Der „Glacéhandschuh“-FS.
Große Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse der Mitarbeiter führt zu einer
freundlichen Atmosphäre bei geringem Output.
5.5: Eine angemesse Systemleistung wird durch
einen Ausgleich zwischen der notwendigen Leistung und der Erhaltung der
Arbeitsmoral auf einem befriedigenden Niveau möglich. Es werden kleine
Fortschritte gemacht, aber langsam und in viel geringerem Ausmaß, als
tatsächlich möglich wäre. Es wird viel Gewicht auf Regeln und „organisierte“
Verfahren gelegt.
9.1: Produzieren um jeden Preis. Die hohe
Effizienz in der Produktion ist verbunden mit einer minimalen Beachtung der
Mitabeiter. Durch diesen Stil können kurzfristig Erfolge erzielt werden, jedoch
nicht auf längere Zeit. Dieser FS bringt Mitarbeiter dazu, sich gegen das
System zu wenden, und setzt so den persönlichen Einsatz der Mitarbeiter für die
Betriebsziele herab.
9.9: Die Erledigung der Arbeit durch engagierte
Mitarbeiter führt zu einer hohen Leistung bei gleichzeitiger hoher Zufriedenheit
der Mitarbeiter. Von der Führung her werden hohe Standards gesetzt, um klare
Betriebsziele durch Engagement und Hingabe zu erreichen. Es besteht
Bereitschaft zur Konfrontation mit Problemen, die gelöst werden müssen.
Reifegradtheorie: siehe Buch BO IV/V
S115
Grundidee:
Je weniger „reif“ Mitarbeiter für
die Erfüllung einer Aufgabe sind, desto „aufgabenbezogener“ muß geführt werden!
-
In Entscheidungssituationen, für die die Mitarbeiter
nur geringe Reife (Kenntnisse, Motivation, Fähigkeiten) mitbringen, muß stark
aufgabenbezogen geführt werden. Auf die Einstellungen und Interessen kann wenig
Rücksicht genommen werden.
-
In Entscheidungssituationen, für die die Mitarbeiter
mittlere Reife mitbringen, muß die Aufgabenorientierung Mittel sein, um die
Mitarbeiter nicht zu demotivieren, die Mitarbeiterorientierung jedoch hoch um
die Ansätze zur selbständigen Entscheidung zu entwickeln.
-
Sind die Mitarbeiter in der Lage, die Aufgaben
selbst zu bewältigen so ist delegieren das angemessene Verhalten, d.h. der
Vorgesetzte greift in den Entscheidungsprozeß nicht mehr ein.
Gefahren der Theorie:
Vorgesetzte bevorzugen in der Regel ein
bestimmtes Führungsverhalten und haben Schwierigkeiten, wenn sie ihr
Führungsverhalten einer bestimmten Situation anpassen sollen.
Sie schätzen daher ihre Mitarbeiter immer so
ein, daß das Führungsverhalten gerechtfertigt wird.
5. Führungstechniken
(Managementkonzeptionen)
Folgende Anforderungen sollen von Managementkonzeptionen erfüllt
werden:
-
sie sollen einen wirkungsvollen Beitrag zur
Bewältigung der Führungsaufgaben leisten;
-
sie sollen die selbständige und verantwortliche
Bearbeitung abgegrenzter Aufgabengebiete ermöglichen;
-
Vorgesetzte und Mitarbeiter sollen gleichermaßen in
das Management-Konzept einbezogen werden;
-
sie sollen ermöglichen, die Leistung des einzelnen
Mitarbeiters und auch des Vorgesetzten genau und unvoreingenommen zu ermitteln.
5.1.
Management by objectives (Führung durch Zielvorgaben)
Hauptaufgaben des Managers sind hierbei:
-
Ziele mit dem Mitarbeiter zu vereinbaren,
-
die Zielerreichung zu kontrollieren.
Die detaillierte Planung der Maßnahmen zur
Zielerreichung und deren Durchführung wird den Mitarbeitern überlassen.
Demzufolge wird auch nur kontrolliert, ob bzw. inwieweit die Ziele erreicht
wurden, nicht jedoch welche Maßnahmen wann und wo gesetzt wurden.
Voraussetzungen:
-
die Aufgabengebiete werden geordnet und genau
bestimmt;
-
die Aufgabengebiete werden den einzelnen
Mitarbeitern zur selbständigen Bearbeitung überlassen;
-
die Mitarbeiter erhalten die Befugnisse, notwendige
Entscheidungen in ihrem Arbeitgebiet selbst zu treffen;
-
die Mitarbeiter müssen die Verantwortung für die
Erfüllung ihrer Ziele übernehmen, mehr Selbständigkeit bedeutet zugleich mehr
Verantworung;
-
der Mitarbeiter muß für die Folgen seiner
Entscheidungen einstehen und kann sich nicht mehr auf den Vorgesetzten berufen.
Ursachen von Schwierigkeiten und Fehlern:
-
die Ziele wurden nicht kooperativ festgelegt, sondern
vom Vorgesetzten bestimmt;
-
die Ziele wurden ungenau festgelegt;
-
die Ziele wurden aufgrund falscher Schätzungen
festgelegt;
-
es treten Konflikte zwischen einzelnen Zielen auf;
-
Es sind unvorhersehbare Entwicklungen eingetreten;
-
Der Vorgesetzte entscheidet, wo der Mitarbeiter
entscheiden sollte, er micht sich in dessen Arbeitsgebiet ein.
5.2.
Management by exception (Führen nach dem
Ausnahmeprinzip)
Hierbei geht man davon aus, daß es für die
einzelne Führungskraft weder notwendig noch möglich ist, jederzeit alles selbst
zu bestimmen. Die Führungskraft behält sich nur die wichtigsten Enscheidungen
vor. Die übrigen Aufgaben werden zur selbständigen Bearbeitung und Entscheidung
an die Mitarbeiter übertragen.
Da sich Abweichungen zwischen den
angestrebten Zielen und den tatsächlichen Ergebnissen nicht vermeiden lassen,
werden Abweichungsbereiche festgelegt. Man unterscheidet zwischen Normalfällen
und Ausnahmefällen.
Die Normalfälle werden vom Mitarbeiter allein
erledigt. Nur Ausnahmefälle werden der Führungskraft gemeldet und von ihr
unterschieden.
Voraussetzungen:
-
Die Arbeitsgebiete der einzelnen Mitarbeiter müssen
genau festgelegt werden;
-
Die Mitarbeiter erhalten Entscheidungskompetenzen
für die selbständig zu bearbeitenden Aufgabengebiete;
-
Die Mitarbeiter übernehmen die Verantwortung für die
Richtigkeit und Zweckmäßigkeit ihrer Entscheidungen;
-
Der einzelne Mitarbeiter muß für sein Arbeitsgebiet
die Soll- und Vorgabewerte kennen.
5.3.
Management by delgetion (Führen durch Delegation
von
Verantwortung -
Harzburger Modell)
Hierbei soll ermöglicht werden, die
Verantwortung von oben nach unten zu übertragen. Die hierarchische
Grundkonzeption der Unternehmens und der Verwaltung bleibt dabei erhalten.
Grundzüge des Harzburger Modells:
-
Die Mitarbeiter erhalten einen festen
Aufgabenbereich mit bestimmten Kompetenzen, in dem sie selbständig handeln und
entscheiden.
-
Die betrieblichen Entscheidungen werden von den
Mitarbeitern durch Teamarbeit jeweils auf den Ebenen getroffen, wo sie sich als
notwendig erweisen.
-
Die Verantwortung ist nicht mehr auf die oberste
Spitze konzentriert. Sie ergibt sich aus den Aufgaben und Kompetenzen, die
zusammen auf die Ebene übertragen werden, die sich damit beschäftigen muß.
Voraussetzungen:
-
Der Vorgesetzte muß wirklich delegieren wollen. Er
muß die Initiative der Mitarbeiter im Mitdenken und Mithandeln schätzen.
-
Die Mitarbeiter müssen bereit sein, Verantwortung zu
übernehmen.
Mögliche Einwände:
-
Die Führung im Mitarbeiterverhältnis ist nicht
demokratisch, wie es den Anschein hat, sondern es ist versteckt autoritär bzw.
dirgistisch. Der Mitarbeiter erhält zwar bestimmte Befugnisse entsprechend
seinem Aufgabenbereich, er wird jedoch vom Vorgesetzten mit Hilfe eines
Kontrollplanes kontrolliert.
-
Der Vorgesetzte kann das Ausmaß der Mitarbeit
unterschiedlich gestalten. So besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen
einer Dienstbesprechung und einer Mitarbeiterbesprechung. Während bei der
Dienstbesprechung nur Anweisungen und Informationen gegeben werden, ist bei der
Mitarbeiterbesprechung ein Mitdenken und
Initiative seitens des Mitarbeiters erwünscht.
-
Das Harzburger Modell ist ferner oft bürokratisch
und damit nicht wirksam. Jeder Mitarbeiter hat seinen Delegationsbereich, aber
diese Bereiche sind nicht funktional miteinander verbunden. Es mangelt oft an
Kooperation unter einer gemeinsamen Zielsetzung.
5.4.
Management by motivation (Führung durch Motivation)
Bei dieser Managementmethode versucht man,
die Unternehmensziele und die Ziele der Mitarbeiter möglichst in Einklang zu
bringen, so daß die Mitarbeiter die Unternehmensziele zur Gänze zu ihren
eigenen Zielen machen und danach handeln.
Wesentliche Merkmale:
-
kooperatives Festlegen von Zielen
-
Delegation von Verantwortung
-
Vermenschlichung des Arbeitsplatzes
-
Ausreichende Berücksichtigung der Bedürfnisse der
Mitarbeiter