Sehr geehrte Damen
und Herren,
Ich verweigere unter
Berufung auf Artikel 4, Absatz 3, Satz 1 des Grundgesetzes den Kriegsdienst an
der Waffe. Anliegend erhalten Sie ein polizeiliches Führungszeugnis vom XX.XX.XX,
meinen ausformulierten Lebenslauf, sowie eine ausführliche Darlegung der
Beweggründe meiner Gewissensentscheidung.
Ich bitte um
Anerkennung meiner Entscheidung.
Mit freundlichen
Grüßen
Lebenslauf
Ich wurde am XX.XX.19XX
in München als Sohn von Mutter, geborene Mädchenname,
und Vater geboren.
Ich
lebe bis heute in der elterlichen Wohnung in XYZ und habe einen 2
Jahre jüngeren Bruder.
Ab September 19XX
besuchte ich die Grundschule XYZ . Seit dem September 19XX
besuche ich das Gymnasium XYZ, welches ich voraussichtlich im
Juli 19XX mit der allgemeinen Hochschulreife verlassen werde.
Meine sportlichen
Aktivitäten umfassen Radfahren, Schwimmen und Tanzen.
Besonders das Tanzen
bereitet mir seit 5 Jahren durch die vielen Kontakte, die man knüpft besonders
viel Freude.
Ab meinem dreizehnten
Lebensjahr habe ich aktiv am Wasserwacht Training teilgenommen und diverse
Rettungsschwimmabzeichen abgelegt. Ich habe außerdem fortgeschrittene
Kenntnisse im Bereich der Datenverarbeitungstechnik, da ich seit meinem achten
Lebensjahr Erfahrung an Computern sammle.
Sehr großen Einsatz
erbringe ich in der Schule in sozialem Engagement.
Ich organisiere viele
Veranstaltungen, wie Tutorenseminar, Schulparty, Getränkeverkauf zugunsten
unserer Partnerschule in Afrika, etc.
Sollte meine
Verweigerung anerkannt werden, beabsichtige ich nach meiner Zivildienstzeit
eine Ausbildung in eine Berufsausbildung in Richtung Management zu beginnen.
Nach
reiflicher Überlegung habe ich mich dazu entschlossen den Kriegsdienst mit der
Waffe zu verweigern, um statt dessen Zivildienst zu leisten.
Ich habe mich nämlich
ernsthaft gefragt, wie ich als Soldat im Kriegsfall reagieren würde, wenn ich
den Befehl bekäme auf andere Menschen zu schießen. Diese Vorstellung ist für
mich unerträglich, mein Gewissen rebelliert dagegen Leben zu vernichten. Für
mich als Christ ist das Gewissen die letzte Instanz meines Handelns, es sagt
mir, was richtig und falsch, was gut und böse ist. Wenn ich obigen Befehl
bekäme, müßte ich auf Menschen schießen, die mir nie etwas getan haben. Krieg
ist irrsinnig und verachtenswert, Probleme lassen sich durch ihn nicht lösen.
Er dient nur dazu mit Gewalt Leben zu vernichten, dies lehne ich ab.
Die Grundlage für die
Herausbildung meiner Wertvorstellung war in erster Linie meine Erziehung im
Elternhaus. Meine Mutter hat lange Zeit ihre Arbeit aufgegeben, um sich
vollständig meiner Erziehung und der meines Bruders zu widmen. Sie arbeitet in
unserer Kirchengemeinde aktiv mit und stellte eine christliche und gewaltlose
Erziehung in den Mittelpunkt. Durch viele Gespräche und das gelebte Vorbild
meiner Eltern und Großeltern wurde ich schon früh mit christlichen Werten
vertraut und wuchs in die katholische Pfarrgemeinde, damals unter der Leitung
von Pfarrer Blasius Wagner hinein. Ich lernte früh das menschliche Leben nach
christlichen Grundsätzen als höchsten Wert zu achten. Die christlichen Gebote
sind für mich verbindlich. Mein Glaube gebietet mir, meinen Nächsten zu lieben
und verbietet es mir, einen anderen Menschen zu töten. Da ich mich den
Forderungen der biblischen Aussagen stelle und nach ihnen lebe, kann ich dies
nicht mit dem Dienst an der Waffe vereinigen, denn bei der Bundeswehr wird man
zum Töten ausgebildet.
Von Anfang an habe
ich gelernt, Konflikte nicht mit Gewalt zu lösen. Insbesondere weil ich mit
einem jüngeren Bruder aufwuchs, wurde mir schon in früher Kindheit eine auf
gewaltfreie Diskussion und Kommunikation ausgelegte Konfliktlösung vermittelt.
Diese Art und Weise der Konfliktlösung bewährte sich mein ganzes bisheriges
Leben über, weil ich in meinen ersten 15 Lebensjahren meinen Mitschülern und
Kameraden körperlich unterlegen war. Ich lernte, daß es sinnvoll ist,
Streitfälle durch Diskussion von vornherein zu schlichten, daß man das Gespräch
suchen muß und daß Gewaltanwendung immer der falsche Weg ist.
Ich bin daher der
Meinung, daß kein Konflikt sich auf lange Sicht hin mit Gewalt lösen läßt.
Diese Erkenntnis ziehe ich auch aus der deutschen Geschichte, die wir in meinem
Geschichte Grundkurs in der Schule besonders ausführlich behandelten.
Gewalt fördert
Gegengewalt und verschärft dadurch Konflikte nur. Haß und Rachegefühle werden
erzeugt und führen zu immer neuen, immer intensiveren Eskalationen. Das heißt,
daß sich durch Gegenwehr im Krieg die Situation der Menschen, deren höchstes
Gut, ihr Leben, es zu schützen gilt, nicht bessert sondern dramatisch
verschlechtert. Militärische Handlungen halte ich daher für ungeeignet, um
Konflikte zu lösen.
Dies zeigt das
Beispiel Jugoslawien.
In meiner
Grundschulklasse waren mehrere jugoslawische Kinder, die, bevor der Krieg
begonnen hat, jedes Jahr in ihre Heimat in den Urlaub gefahren.
Durch den Krieg haben
ihre Verwandten alles verloren, was sie besaßen, auch viele Verwandte, die
jetzt in meinem Alter wären sind getötet worden. Ich finde das schrecklich,
vorallem, weil wir es vor 10 Jahren nie für möglich gehalten hätten.
Bei der SMJ
(Schönstadt Mannes Jugend), einer katholischen Jugendgruppe, ähnlich den
Pfadfindern, der ich 5 Jahre lang angehörte, und bei den Ministranten, denen
ich 3 Jahre lang angehörte, habe ich in vielen Rollenspielen, Beispielen aus
dem realen Leben und Zeltlagern sehr intensiv gelernt, was es heißt
Gemeinschaftsgeist zu entwickeln, diesen zu leben und zu pflegen. Dazu gehört
auch mit anderen zu teilen, zusammenarbeiten, und den “Schwächeren” zu helfen
und vor allem Gewaltfrei Konflikte zu lösen.
In der Schule
unterstützen wir mit einer kleinen Schülergruppe unsere Partnerschule Madunda
im Ludewa District in Tansania. Wir verkaufen Sekt bei Konzerten um mit dem
Erlös den Schülern Stipendien zu finanzieren. Ich habe viele Bilder von dort
gesehen und es schockiert mich immer wieder, wie die Armut Menschen dazu bringt
mit Waffengewalt andere zu berauben oder zu töten. Ein Lehrer ist bei einer
Schießerei verletzt worden. Allein die Sinnlosigkeit eines solchen Überfalls
ist für mich schockierend.
Durch meine Erziehung
und meine bisherige Lebenserfahrung habe ich gelernt, das Leben als höchstes
Gut der Menschen zu schätzen. Meine Großmutter väterlicherseits starb, als ich
noch in der Grundschule war. Dieser erste Todesfall in der Familie, den ich
miterlebte, war ein scharfer Einschnitt in mein Leben. Plötzlich erfuhr ich,
was Schock, Trauer und Leid bedeuteten. Die Tage zwischen Tod und Beerdigung
meiner Oma, die immer für mich da war, waren die schrecklichsten meines Lebens.
Diese schrecklichen Tage mußte ich erst vor kurzem wieder durchmachen, als ein
guter Freund und langjähriger Klassenkamerad, Tim Görgen, im August bei einem
Autounfall in Italien verstarb. Die ganzen negativen Gefühle, die ich seit dem
letzten Todesfall verdrängt hatte, kamen wieder hoch. Es war ein Gang durch die
Hölle. Ich möchte es nicht erleben, einen Menschen im Krieg - egal auf welcher
Seite er kämpfen mag - sterben zu sehen.
Der 2. Weltkrieg ist
immer noch ein abschreckendes Beispiel für Kriege.
Die Lektüre von
Literatur über den Krieg von Tucholsky und Kästner hat bei mich tief geprägt.
Vor allem Erich Maria Remarques Buch 'Im Westen nichts Neuses' hat
mich sehr bewegt und in meiner Überzeugung bestärkt. In meinem Geschichte
Grundkurs haben wir auch den 1. und 2. Weltkrieg sehr ausführlich behandelt,
wobei wir auch Original-Filmmaterial und Augenzeugenberichte miteinbezogen, was
uns die Grausamkeit dieser beiden Kriege recht eindrucksvoll darstellte.
Abgesehen davon können einen schon die blanken Todeszahlen über den 2.
Weltkrieg aufs Tiefste bestürzen. Was man selten berücksichtigt ist die
gigantische Verwüstung, die ein Krieg hinterläßt. Die Berichte meiner
Großeltern über die große Not, die der Krieg über sie gebracht hat, den Hunger
und die Armut, erschüttern mich immer wieder.
Ebenso läuft es mir
eiskalt den Rücken hinunter, wenn ich ein Mahnmal, wie z.B. die Panzersperre in
Moskau, die Skulpturen im Warschauer Ghetto oder das KZ Dachau sehe. Dabei
werden mir erst wieder die Auswirkungen eines Krieges auf die unschuldige
Bevölkerung bewußt.
Allein die
Vorstellung, daß ich einen anderen Menschen zu töten habe, nur weil er in einem
anderen Land geboren ist, ist für mich völlig abwegig und würde, wenn ich die
Rolle des Soldaten wahrnehmen müßte, einen schweren Gewissenskonflikt in mir
auslösen. Für mich hat jeder Mensch, egal welcher Herkunft, welchen
Geschlechtes, welchen Glaubens oder welcher Hautfarbe das gleiche
unveräußerliche Recht zu leben.
Diese Einstellung hat
sich vor allem in Schüleraustauschprogrammen verstärkt. Ich war vor 3 Jahren
für 10 Tage in Moskau und letztes Jahr in Warschau zu Gast .
Die Herzlichkeit, mit
der ich in den Gastfamilien aufgenommen wurde, macht einem erst so richtig
bewußt, was Gastfreundschaft und Nächstenliebe heißt. Wenn man einige Zeit mit
diesen Menschen zusammenlebt, dann bemerkt man, daß es Freunde wie alle anderen
auch sind. Diese Menschen, egal ob Polen oder Russen oder anderer Nationalität,
sind meine Freunde. Es ist völlig egal, woher man kommt, welche Sprache man
spricht oder wie man aussieht, denn Freundschaft kennt keine Ländergrenzen.
Die Vorstellung, das
Töten von Menschen, die auch meine Freunde sein könnten, während des
Wehrdienstes trainieren zu müssen, ekelt mich an. Waffen, deren einziger Zweck
es ist, andere Menschen zu töten, bringen nur Leid und Zerstörung und sind
deshalb für mich das schlimmste, was der Mensch je geschaffen hat. Ich bin
nicht bereit Befehle auszuführen, die gegen meine Überzeugung und gegen mein
Gewissen verstoßen und fühle mich deshalb als ungeeignet für den Dienst an der
Waffe.
Deshalb möchte ich
unter Berufung auf Artikel 4 Absatz 3 Satz 1 des Grundgesetzes 'Niemand
darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden.'
den Kriegsdienst verweigern. Dabei möchte ich keinesfalls den Dienst an meinem
Staat umgehen. Ich kenne die Pflichten, die ich meinem Land schuldig bin und
möchte diese durch soziales Engagement beim Zivildienst leisten. Ich nehme
dafür gerne den 3 Monate längeren Dienst in Kauf und hoffe damit der
Gesellschaft einen Dienst zu erweisen, weil ich mit meinem vollem Gewissen
dahinter stehe .
Ich bitte um
Anerkennung meiner Entscheidung.
Mit freundlichen
Grüßen