Die NATO ist ein am
4.4.1949 in Washington von Belgien, Dänemark, Frankreich,Großbritanien, Island,
Italien, Kanada, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen, Portugal und den USA
abgeschlossener Beistandsvertrag zur gemeinsamen Verteidigung. Der Pakt sollte
der als Bedrohung empfundenen Sowjetunion in Europa, vor dem Hintergrunddes nach 1945 verschärften Ost-West-Konflikts
ein Gegengewicht entgegensetzen. Im Februar 1952 traten Griechenland und die
Türkei und am 5.Mai 1955 die Bundesrepublik Deutschland bei. 1966 zog
Frankreich seine Streitkräfte aus der integrierten Militärorganisation zurück,
blieb jedoch Mitglied der Allianz. 1968 versuchte die NATO den Weg für
Abrüstungsverhandlungen mit dem Warschauer Pakt zu ebnen.
Der Erfolg dieser
Initiative war 1973 die Aufnahme derbeiderseitig ausgewogenen Truppenreduzierungs-Verhandlungen (MBFR=
Mutual Balanced Forses Reductions)und Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa (=KSZE) in Helsinki. 1974 verließ Griechenland die
integrierte Miliärorganisation, trat ihr jedoch 1981 wieder bei.
Im Dezember 1979
faßte das Bündnis den NATO-Doppelbeschluß. Im Jahr 1982 trat Spanien als
vorläufig letztes Mitglied der Allianz bei. Ende der 80er Jahre verbesserte
sich das Klima zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt. Ausdruck dafür war
der Abschluß der ersten Phase der Konferenz über Vertrauensbildung und
Abrüstung in Europa 1986 und die Unterzeichnung des INF-Vertrags (Vertrag über
die vollständige Vernichtung der Mittelstreckenraketen) zwischen den USA und
der Sowjetunion 1987. Dadurch und durch den Zerfall des Warschauer Paktes verringert
sich die militärische Bedrohung für die NATO entscheidend. Heute bildet das
Bündnis eine Versicherung gegen ein mögliches Konfliktrisiko.
Organisation:
Politische
Organisation: Der NATO-Rat, bestehend aus Vertretern der Mitgliedsstaaten, ist
das höchste Beratungs-, Koordinierungs- und Entscheidungsgremium. Er tritt
zweimal jährlich in Form von Ministertagungen zusammen, wobei jedes Land von
seinem Außenminister vertreten wird. Gelegentlich finden auch Gipfeltreffen der
Staats- und Regierungschefs statt. Bei Beschlußfassungen ist auch für kleinere
NATO-Staaten ein Mitbestimmungsrecht sichergestellt. Fragen, die mit der
militärischen Verteidigung zusammenhängen, werden vom
Verteidigungsplanungsausschuß erörtert.Dieser Ausschußund die Nukleare Planungsgruppe tagt zweimal
jährlich, wobei jedes Land von seinem Verteidigungsminister vertreten wird
(Ausnahme: Frankreich). Vorsitzender der drei Ausschüsse ist der
Generalsekretär der NATO, der durch den Internationalen Stab unterstützt wird.
Die Fachausschüsse werden zur Bearbeitung verschiedener militärischer,
politischer und spezialer Bereiche eingesetzt.
Militärische
Organisation: Der Militärausschuß, der dem NATO-Rat untergeordnet ist, ist
höchstes militärisches Gremium. Es steht ihm der Internationale Militärstab
(IMS) zur Seite. Er besteht aus den Stabschefs der Mitgliedsländer außerIsland. Geleitet wird der Militärausschuß von
einem Vorsitzenden im Rang eines Vier-Sterne-Generals. Der Ausschuß tagt
zweimal im Jahr.
NATO-Vertrag:
Beinhaltet insgesamt 14 Artikel:
Art.1., Die Unterteichnerstaaten verpflichten
sich, bei Konflikten untereinander, denfriedlichen Ausgleich zu suchen.
Art.2., legt die politische und
wirtschaftliche Zusammenarbeit fest.
Art.5., Ein bewaffneter Angriff gegen ein oder
mehrere Mitgliesländer wird als Angriff gegen alle gesehen. Allerdings folgt
daraus keine automatische militärische Beistandsverpflichtung. Vielmehr ist es
den Regierungen der einzelnen Bündnismitgliedern überlassen, unverzüglich und
im Zusammenwirken mit den anderen Partnern die
Maßnahmen zu treffen, einschließlich der
Anwendung von Waffengewalt, die sie Jeweils für notwendig halten.
Art.6., In diesem Artikel greift die
Beistandspflicht ein, bei jedem bewaffneten Angriff auf das Gebiet eines dieser
Staaten in Europa oder Nordamerika, auf das Gebiet der Türkei oder auf die der
Gebietshoheit einer der Parteien unterliegenden Inseln im nordatlantischen
Gebiet nördlich des Wendekreises des Krebses; auf die Streitkräfte, Schiffe
oder Flugzeuge einer der Parteien, wenn sie sich in oder über diesen Gebieten
oder irgendeinem anderen europäischen Gebiet, in dem eine der Parteien eine
Besatzung unterhält, oder wenn sie sich im
Mittelmeer oder im nordatlantischen Gebiet nördlich des Wendekreises des Kreises
befinden.
Art.10., besagt, daß die Mitgliedstaaten durch
einen einstimmigen Beschluß, jeden europäischen Staat, zum Beitritt einladen,
der in der Lage ist, die Grundsätze dieses
Vertrags zu fördern und zur Sicherheit des
nordatlantischen Gebiets beizutragen.
Aufgabe in Friedenszeiten:
Die Aufgabe in Friedenszeiten ist die
Friedenssicherung durch Ausarbeitung von Verteidigungsplänen,
Rüstungszusammenarbeit, Errichtung von Infrastruktur undgemeinsame Übungen. Seit 1991 verstärkt die
NATO ihre politische Funktionen und hat neueAufgaben der Friedenserhaltung und Krisenbewältigung zur Unterstützung
der VereintenNationen (UN) und der
Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (>OSZE),z.B. in Bosnien-Herzegowina und jetzt im
Kosovo, übernommen, um neuen sicherheitspolitischen Herausforderungen in enger
Abstimmung mit anderen Staaten und internationalen Organisationen zu begegnen.
NATO-Strategie:
Die Grundlage der
Sicherheitspolitik war seit dem Ende der 60er Jahre, daß zwischen den Staaten
im Osten und Westen ein stabileres Verhältnis anzustreben sei. Das militärische
Konzept sollte Gegenüber der Androhung oder Anwendung von kriegerischen
Gewaltmaßnahmen gegen das Bündnis oder einzelne Mitgliedsstaaten
kriegsverhindernd wirken sowie im Falle eines Angriffes die territoriale
Integrität des nordatlantischen Gebiets so rasch wie möglich wiederherstellen
zu können. Die Militärstrategie der NATO unterlag verschiedenen Anderungen. Man
unterscheidet zwischen zwei zeitlich aufeinanderfolgenden Doktrinen: die
Strategie der „massiven Vergeltung“ (bis1967) und die Strategie der „flexiblen
Reaktion“ (ab 1967).
1949 standen in
Kontinentaleuropa 14 westliche gegen 200 sowjetische Divisionen. Aufgrund der
Unterlegenheit waren die westeuropäischen Staaten vollkommen von den USA
abhängig, die zu diesem Zeitpunkt noch das Kernwaffenmonopol hatte. Das
strategische Konzept bestand darin, jeden feindlichen Angriff mit einem
vernichtenden Kernwaffenschlag zu beantworten. 1957 wurde dieses Konzept durch
die „Schert-Schild-Doktrin“ ersetzt (Streitkräfte wehren als „Schildkräfte“
begrenzte Angriffe ab, bei einer großangelegten Aggression werden die nuklearen
„Schwertkräfte“ eingesetzt). Sie galt nur solange als kriegsverhindernd, wie
sowjetische Kernwaffen die USA nicht erreichen konnten. Das änderte sich jedoch
in der ersten Hälfte der 60er Jahre.
So formulierte die
Strategie die flexible Reaktion oder Antwort. Sie sah keinen nuklearen
Automatismus vor. Es gibt 3 mögliche Reaktionsarten: Die „Direktverteidigung“
(Verteidigung auf der vom Gegner gewählten Stufe des militärischen Konflikts),
die „vorbedacht Eskalation“ (kalkulierter Kernwaffeneinsatz oder räumliche
Ausdehnung des Konflikts) und die allgemeine nukleare Reaktion“ (äußerste
Reaktion mit Einsatz des gesamten militärischen Potentials einschließlich der
strategisch-nuklearen Mittel). Um auf Aggressionsformen reagieren zu können,
bildete die NATO einen Kräftebund der als „NATO-Triade“ bezeichnet wird. Dieser
Kräftebund sollte ein lückenloses Spektrum von Reaktions- und
Eskalationsoptionen schaffen. 1990 kam der NATO-Rat angesichts der sich
mindernden Spannungen
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Im
Ost-West-Konflikt überein, eine neue Militärstrategie auszuarbeiten. Es kommt
zu zwei wesentlichen Veränderungen: Das nukleare Element der flexiblen Reaktion
soll nur noch als allerletztes Mittel dienen und von der klassischen
Vorneverteidigungsoll abgegangen werden. Das heißt daß hinter der ehemaligen
innerdeutschen Grenze stationierte Korps aufgelöst werden und durch verminderte
Stationierungen auf dem Gebiet der alten Bundesrepublik Deutschland und der
Benelux-Staaten ersetzt wird.
NATO-Doppelbeschluß:
ist der Beschluß
der NATO am 12.Dezember.1979 zurModernisierung ihrer Mittelstreckenraketen, wobei sie gleichzeitig ein
Angebot an Moskau richtet, über den
Abbau
entsprechender sowjetischer Waffen inVerhandlung zu treten.Nach Beginn der Stationierung der westlichen
Raketen und Marschflugkörpern wurden die 1981 begonnenen INF-Gespräche zwischen
den USA und der UdSSR 1983 von der Sowjetunion abgebrochen, jedoch 1985 wieder
aufgenommen. Nach erfolgreichem Abschluß der Verhandlungen (Einigung auf
beiderseitige „doppelte Nullösung“) wurde im Dezember.1987 der INF-Vertrag
unterzeichnet.
Integrierte Militärstruktur:
Militärausschuß MC (Military Committe) ist das
höchste militärische Beratungsgremium und tagt mindestens zweimal im Jahr und
empfiehlt im Frieden Maßnahmen für die gemeinsame Verteidigung. Frankreich
hatte sich 1966 aus der integrierten militärischen Struktur des Bündnisses
zurückgezogen. Die Kommandostruktur über das Vertragsgebiet ist den beiden
Oberkommandos Europa und Atlantik zugeordnet. Ihre Oberbefehlshaber bilden die
oberste militärische Führung; beiden Amter werden traditionell von
US-Offizieren versehen (Europa: General Wesley K. Clark).
Entwicklung seit 1991: Nach dem
Auseinanderbrechen der UdSSR und der Auflösung des Warschauer Pakts entstand
ein neues Sicherheitsumfeld in Europa. Die NATO änderte ihre strategische
Doktrin, u.a. durch eine Reduzierung der konventionellen und nuklearen
Streitkräfte, eine deutliche Einschränkung der Reaktionsfähigkeit und eine
Neugliederung der Streitkräfte. Am 3.6.1996 beschlossen die Außenminister der
16 NATO-Staaten das Konzept der Combined Joint Task Forces CJTF, welches die
europäische
Verteidigungsidentität innerhalb der NATO
stärken soll.
Am Gipfeltreffen im Madrid am 8./9.7.1997
beschlossen die Staats- und Regierungschefs der 16 NATO-Mitgliedstaaten,
Polen Ungarn und die Tschechische Republik zur
Aufnahme von Beitrittsverhandlungen einzuladen. Die Beitrittsprotokolle wurden
noch Ende 1997 unterzeichnet, so daß sie zum 50. Jahrestag der NATO-Gründung im
April 1999 in Kraft treten können.
Friedenssicherung im UN-Rahmen:
Der Nordatlantikrat erklärte am 17.12.1992
seine Bereitschaft, friedenserhaltende Operationen unter der Autorität der UN
zu unterstützen. Damit widersetzte sich der NAC der Auffassung, der
NATO-Vertrag begründe nur die Möglichkeit der Selbstverteidigung des in Art.6
definierten Hochheitsgebiets. Im früheren Jugoslawien beteiligte sich NATO
erstmals an diesen UN-Operationen, seit Feber 1994 auch durch
Luftwaffen-Kampfeinsätze
zur Durchsetzung von UN-Sanktionen. Am
15.12.1995 ermächtigte der UN-Sicherheitsrat die NATO, mit der 60.000 Mann
starken IFOR (Implementation Force) die Umsetzung des Friedensabkommen von
Dayton bzw. Paris für Bosnien-Herzegowina zu Überwachen. Am 20.12.1995
übergaben die UN-Blauhelme die Befehlsgewalt offiziell an die NATO.
AM 12.121996 erteilte der UN-Sicherheitsrat
der NATO das Mandat für die Nachfolgetruppe SFOR (Stabilization Force) mit
30.000 Soldaten, die den Auftrag hatten, ein sicheres Umfeld für die
Friedenserhaltung in Bosnien zu schaffen.
Zivile Organisation:
Die Staats- und Regierungschefs oder Außen-
bzw. Verteidigungsminister der 16 Mitgliedstaaten treten in der Regel zweimal
im Jahr zusammen (NATO-Gipfel). Im 1963
geschaffenen Ausschuß für Verteidigungsplanung
DPC (Defence Planning Committe) legen die Verteidigungsminister der
Mitgliedstaaten die militärische Linie fest. Die 1967 geschaffene Nukleare
Planungsgruppe NPG (Nucler Planning Group) beschließt die Einsatzplanung der
von Nuklearmächten zur Verfügung gestellten Systeme. Die Nordatlantische
Versammlung aus 188 Parlamentariern der 16 Mitgliedstaaten tagt halbjährlich
und dient der Vorbereitung nationaler Parlamentsentscheidungen. Die
Parlamentarier Mittel- und Osteuropas sowie
Zentralasiens nehmen an der Versammlung seit 1990 als assoziiert Mitglieder
teil, haben aber nur Rederecht. Der 1991 geschaffene Nordatlantische
Kooperationsrat NACC (North Atlantic Council) aus 43 Staaten zur Zusammenarbeit
mit Partnerstaaten aus Mittel- und Osteuropa sowie Zentralasien in
sicherheitspolitischen relevanten Bereichen wurde am 30.5.1997 durch den
Euro-Atlantischer Partnerschaftsrat EAPC (Euro-Atlantic Partnership Council)
abgelöst.
Die neutralen Staaten Finnland, Österreich und
Schweden beteiligen sich bei friedenserhaltenden Missionen.
Vereinbarungen mit Rußland und der
Ukraine:
Am 27.5.1997 unterzeichneten die Staatschefs
der NATO-Mitglieder und der russische Präsident Boris Jelzin in Paris die
Grundakte über gegenseitige Beziehungen, Zusammenarbeit und Sicherheit zwischen
der NATO und der Russischen Föderation, die einen Schlußstrich unter den 50
Jahre dauernden Ost-West-Konflikt zieht. Im Dokument steht fest, daß die NATO
und Rußland keine “Gegner“ mehr seien und unterstreichen den Willen, gemeinsam
einen dauerhaften Frieden in der euro-atlantischen Region zu schaffen.
Die NATO erklärt, daß sie ihre eigene
Anpassung an das veränderte Sicherheitsumfeld fortsetzen sowie die Fähigkeit
zur Friedenserhaltung und Krisenbewältigung in Zusammenarbeit mit den
OSZE-teilnehmerstaaten weiter ausbauen würde. Als Modell für die Zusammenarbeit
mit Rußland wird ausdrücklich die SFOR-Mission in Bosnien-
Herzegowina
erwähnt. Als höchstes Konsultationsforum dient ein Ständiger Gemeinsamer
NATO-Rußland-Rat. Rußland entsendet einen ständigen Vertreter ins NATO-
Hauptquartier, hat
aber kein Vetorecht gegen NATO-interne Entscheidungen. DieGrundakte ermöglicht
die Ost-Erweiterung der NATO, obwohl Boris Jelzin diese erneut
ablehnte.
Unmittelbar nach der Unterzeichnung kündigte Jelzin an, daß die russischen Atomwaffen
nicht mehr gegen die NATO gerichtet seien. Er meinte aber damit nicht, daß
die Sprengköpfe
vernichtet werden.
Am
9.7.1997 unterzeichneten die Ukraine und die NATO ein Partnerschaftsabkommen,
für eine künftige politische und militärische Zusammenarbeit. Die Themen der
Zusammenarbeit sind z.B. die Reform der ukrainischen Armee und die Planung
gemeinsamer Manöver für Friedensmissionen. Die NATO sicherte zu, nicht nur die
Unabhängigkeit der Ukraine, sondern auch ihre territoriale Integrität zu unterstützen.
+:
Behandelt sowohl die Geschichte und Entwicklung der NATO, als auch die aktuelle
Lage. Geht auch genauer auf den NATO-Vertrag ein.
-:
Geopolitische Überlegungen der NATO fehlen. Kein Literaturverzeichnis.