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Erkenntnis

Erkenntnis, das Sichaneignen des m Sinngehalts von erlebten bzw. erfahrenen Sachverhalten, Zuständen, Vorgängen, mit dem Ziele der Wahrheitsfindung. E. heißt sowohl (ungenau) der Vorgang, der genauer als Erkennen bezeichnet wer- den muß, als auch dessen Ergebnis. Im Sinne der Philosophie ist Erkennen immer 'etwas als etwas erkennen', so wie man z. B. sagt: 'Er hatte ihn als Lügner erkannt.' In der E. ist also ein Beurteilen enthalten, das sich auf Erfahrungen stützt. Wer nicht weiß, was ein Lügner ist und daß es Lügner gibt, kann nie mals einen Menschen als Lügner erkennen. In der E. ist stets auch ein Wiedererkennen enthalten. Neue, von innerer und äußerer Erfahrung unabhängige E.e können nur durch die schöpferische , Phantasie entstehen.


Die E. wird seit der griechischen Philosophie untersucht nach den Gesichtspunkten von (objektiver) Quelle bzw. Herkunft (subjektiver) Fähigkeit, d.h. Vermögen dazu, Ziel und Zweck, Kennzeichen und Maßstäben, Grenzen u. Hindernissen Aporien und Antinomien) in einer Erkenntnislehre, die erst seit Kant als philosophisches Sondergebiet unter dem Namen E.theorie auftritt und im 19. sowie im Beginn des 20. Jh.s mitunter beinahe die ganze übrige Philosophie überwucherte. Inner- halb der E. wird unterschieden zw. der (uneigentlichen) formalen oder abstrakten E. und der (ei- gentlichen) inhaltlichen oder konkreten E. Diese zerfällt ihrer- in so viele E.arten, wie es wichtige Sachgebiete gibt.



Bei der E. stehen sich - Subjekt und- Objekt als Erkennendes und Erkanntes gegenüber. Das Subjekt erfaßt und das Objekt ist erfaßbar. Das Erfassen geschieht dadurch, daß das Subjekt gleichsam in die

Sphäre des Objekts hinübergreift und es in seine eigene hereinholt, genauer dadurch, daß die Bestimmungsstückedes Objekts im Subjekt entstehenden Abbild (-> Erscheinung) wiederkehren.

Auch dieses Abbild ist objektiv, d. h. das Subjekt unterscheidet es, an dessen Aufbau es selbst beteiligt ist, von sich selbst als ein Gegenüberstehendes. Das Abbild ist nicht identisch mit dem Objekt, aber ihm kommt 'Objektivität' zu. Das Ob- jekt ist unabhängig vom Subjekt. Es ist mehr als nur ein Gegenstand der E. und in diesem Mehr-als-bloßes- Ojektivsein ist es das 'Transobjekti- ve'. Neben dem Gegenstandsein besitzt das Objekt Ansichsein. Wird das Objekt unabhängig von der E.beziehung gedacht, so wird es zum Ding. Das Subjekt aber kann auch für sich selbst Subjekt sein, d.h. os kann ein Bewußtsein für seineFähigkeit des Erkennens haben. besitzt über seine Eigenschaft als eines rkennenden hinaus noch ein Führsichsein Das Ansichsein des bedeutet, daß neben dem am Objekt Erkannten noch ein unerkannter Rest übrig bleibt. Die Tatsache, daß wir den E.gegenstand nie vollständig und ohne Rest,nie in der Fülle seiner Bestimmtheit erfassen können, spiegelt sich wider in der Nichtübereinstimmung zwischen Objekt und Abbild. Sofern das Subjekt von diesem Unterschied weiß, ergibt sich das Phänomen des Problems, das den weiteren E.vorgang mit Spannung lädt und auf immer weitere E.bemühungen drängt. Der Ausgleich einer solchen Spannung liegt in der Richtung eines E.progresses, durch den die Grenze zwischen dem, was bereits erkannt wurde, und dem, was erkannt werden sollte, auf das Transobjektive hin verschoben wird.

Der E.drang des Bewußtseins, dessen Wirkung der E.progreß ist, ist ein fortschreitendes Sich-empfänglich-machen für die Bestimmtheiten des Objekts. Für den E.drang ist das, was erkannt werden soll, unerschöpflich, für ihn ist es ein Unendliches. Der Erkenntnisprogreß findet seine Schranke an der selten verschiebbaren Grenze der Erkennbarkeit. Dahinter beginnt das Unerkennbare, das Transintelligible (irreführend oft das Irrationale genannt). Wie das Transobjektive in der verlängerten Richtung des Erkannten liegt, so liegt innerhalb des Transobjektiven das Transintelligible in der verlängerten Richtung des Erkennbaren' (Nie. Hartmann). Die Existenz des Transintelligiblen ist es, die den E.vorgang nicht zur Ruhe kommen läßt. Der Bereich desTransintelligiblen, dem Ansichsein (-> auch Realität) und Fürsichsein zugehören, ist das Medium, das den Wirkungszusammenhang zwischen Objekt und Subjekt ermöglicht. In welcher Weise die Übertragung der Bestimmungsstücke des Objekts auf das Subjekt er-folgt. ist im wesentlichen unbekannt. Geht man aber davon aus, daß alles Seiende, da der gemeinsamen Sphäre des Unerkennbaren angehörend, sich gegenseitig irgendwie bedingt und bestimmt, bedenkt man ferner, daß das Subjekt das reaktionsfähigste und empfindsamste unter allem Seienden ist, so ergibt sich, daß das ganze System des Seienden vom Transobjektiven her über das Objekt und das Abbild vor dem Subjekt in Erscheinung treten muß. E. ist, so gesehen, ein Erfassen der dem Subjekt zunächst gelegenen Glieder der Beziehungen zwischen Objekt und Subjekt.


Die E.prinzipien, d. h. die Art und Weise, in der E. stattfindet, müssen also für alle Subjekte die gleichen sein. Andererseits ergibt sich, z. B. aus der (innerhalb der bekannten Fehlerbereiche möglichen) Berechenbarkeit physikalischer Vorgänge, daß die Gesetze der mathematischen Logik (und somit die Gültigkeit apriorischer Einsichten) die logisch-mathernatische Sphäre überschreiten und darüberhinaus Gültigkeit haben. Die Anwendung eines mathematischen Satzes auf ein Naturgescheben bedeutet ein Übergreifen der logischen Sphäre auf die reale. Es gibt logische Zusammenhänge und Beziehungen, die mit denen des Rea- übereinstimmen. Die logische Sphäre vermittelt demnach zwischeu der Weit der Abbilder und der Welt des Realen. Die E.prinzi- sind also nicht nur für alle Sub- dieselben, sondern sie treten auch in der Welt der Objekte auf, und zwar als die Kategorien. E. ist möglich, weil E.kategorien und Seinskategorien identisch sind. Aber weder sind alle E.kategorien zugleich Seinskategorien, noch sind alle Seinskategorien zugleich E.ka- Träfe das erstere zu, so

würden alle E.e die reine Wahrheit zum Inhalt haben, träfe das letztere zu, so wäre alles Seiende ohne Rest erkennbar. Die Bereiche der Seins- der E.kategorien decken sich teilweise, und nur so ist es zu verstehen, daß sich das Naturgeschehen nach mathematischen Gesetzen zu richten scheint: daß z. B. die Planetenbahnen auch tatsächlich 'ellip- sind. Seit Beginn des 19. Jhts. wird E. hauptsächlich mit Erfah- der Naturwissenschaften gleichgesetzt. Während - Geisteswissenschaften über die rationale E. hinauszugreifen gezwungen sind.



Erkenntnislehre, die Wissenschaft von der -> Erkenntnis. Man kann unterscheiden: 1. Die Erkenntnistheorie als spezialisierteste Untersuchung der Erkenntnis; sie gliedert sich in Erkenntniskritik, die von einem vorher bestehen den Erkenntnistypus ausgeht, an dem sie die vorhandenen Kenntnisse kritisch mißt (so Kant in seiner i 'Kritik der reinen Vernunft"), und Erkenntnismetaphysik, die das Wesen der Erkenntnis erforscht und dabei meist von den im Sein des Erkennenden und des Erkannten beschlossenen Möglichkeiten des Erkennens ausgeht.

Im 19. Jh. und zu Beginn des 20. Jh.s entstand eine Fülle von Richtungen der E.: - Empirismus, Empiriokritizismus, Idealismus, Illusionismus, Konventio- Kritizismus, Phänomena- Positivismus, Pragmatis- Sensualismus, Skeptizismus. In der Gegenwart verliert die E. ihre Selbständigkeit und ihre Bedeutung. Bei Scheler ist sie nur ein Ausschnitt aus der Lehre von den objektiven Wesenszusammenhängen. Im Neuthomismus, bei Nie. Hartmann und Sam Alexander wird sie in die Metaphysik einbezogen. Die Existenzphilosophie sucht die Subjekt-Objekt-Beziehung durch das - Inderweltsein des Menschen zu ersetzen. Grundfragen der E. werden heute im Rahmen der , Wissenschaftstheorie mehr formallogisch behandelt.



Rationalismus


Unter Rationalismus (von lat. ratio: 'Vernunft') verstehen wir philosophische Richtungen, die der geistigen Tätigkeit den Vorrang bei der Erkenntnis geben.


Damit geht eine Abwertung der Sinneswahrnehmung einher, die nach rationalistischem Verständnis trügerisch und ungenau ist. Da sie uns deshalb kein Wissen ermöglicht, müssen wir vor aller Erfahrung (a priori) über angeborene Erkenntnismöglichkeiten verfügen.


Wir können Bilder, Menschen, Landschaften als schön empfinden. Aber unter allen sinnlichen Eindrücken, die wir von ihnen haben, finden wir 'die Schönheit' nicht.


Für PLATON ist daher offensichtlich, dass wir bereits ein Wissen von dem haben müssen, was ein Baum, Schönheit oder mathematische Prinzipien sind.


Dieses uns angeborene Wissen nennt PLATON Ideen. Im Unterschied zur veränderlichen Welt der Erfahrung sind sie unvergängliche Formen und Maßstäbe, die nicht den Sinnen, sondern nur dem Denken zugänglich sind.


Erkenntnis besteht deshalb in der Loslösung von der empirischen Welt hin zur inneren Schau der Ideen, die uns deutlich werden, wenn wir philosophisch zu denken lernen. Die Schritte dieses Weges verdeutlicht PLATON mit Hilfe des nebenstehenden 'Liniengleichnisses'.


Die Seele ist unsterblich und gelangt nach dem Tod in die rein geistige Welt der Ideen, die sie sich dort einprägt. Nach einer erneuten Wiedergeburt vergisst sie zunächst das Gesehene. Der Vorgang des Erkennens ist dann die Wiedererinnerung an das, was die Seele in ihrer vorherigen Existenz erfahren hat. (Platon)




Nicht nur die äußere Sinneswahrnehmung kann uns täuschen, sondern auch unser Gedächtnis, und warum sollen wir uns nicht auch irren, sooft wir zwei und drei addieren. Es wäre ja ja a möglich, dass es einen ' bösen Geist ' gibt, der uns beiallem, was wir für wahr halten, hinters Licht führt.(Descartes)


Ich finde in mir die Vorstellung Gottes. Aus der äußeren Sinneswahrnehmung kann ich sie nicht haben, erfunden haben kann ich sie auch nicht, weil ein endliches Wesen wie der Mensch nicht von sich aus den Gedanken eines unendlichen Wesens erzeugen kann. Deshalb kann sie mir nur von Gott selbst eingegeben worden sein. Da Gott wahrhaftig ist, ist die Annahme eines bösen Geistes, der mich täuscht, hinfällig. Alle Vorstellungen, die ich in mir, unabhängig von der Sinneserfahrung, klar und deutlich einsehe, stammen von Gott und täuschen mich nicht. (Descartes)


DESCARTES greift in seiner Argumentation also auf die Existenz Gottes zurück, um zu erklären, wie wir zu angeborenen Vorstellungen kommen und warum sie wahr sind.



Rationalismus (lat.), Verstandesbzw. Vernunftstandpunkt, Gesamtheit der philos. Richtungen, die auf verschiedene Art die Vernunft (die ratio), das Denken, den Verstand subjektiv, die Vernünftigkeit, die logische Ordnung der Dinge objektiv in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen stellen. Nach Ansätzen zu einem objektivistischen R. im Altertum erfuhr der eigentliche, der subjektivistische R. seine Systematisierung im 17. und 18. Jh. durch Descartes, Spinoza, Leibniz und Wolff. Pascal, sowie die Empiristen Locke, Hume, Condillac bekämpfen ihn, Kant hebt den Gegensatz von Empirismus und R. in der höheren Einheit seines Kritizismus auf: Fichte, Schelling, Hegel kehren teilweise zu einem objektivistischen R., besser Panlogismus, zurück. Völlig rationalistisch sind der historische Materialismus, der Positivismus, der Pragmatismus und die von diesen Philosophien abhängigen oder beeinflußten Denkrichtungen der Gegenwart: Marxismus, Neupositivismus, Logizismus, Physikalismus.


Der R. ist die Denkweise der - Aufklärung und teilt deren Optimismus, insofern er an eine unbegrenzte menschl. Erkenntniskraft glaubt, die sich über kurz oder lang alles Seienden geistig bemächtigen wird, Für den R. gibt es nur vorläufig. nicht aber grundsätzlich unlösbare Probleme.

Im Zeitalter des R. entstand der neue Begriff der Wissenschaft, der gleichbedeutend wurde mit dem der Mathematik und der Naturwissenschaften. 'Wissenschaftlich' heil.,[[ seither: in mathematisch-naturwis- senschaftlicher Sprache darstellbar bzw. dargestellt. Ferner entstand der Begriff der 'wertfreien Wissen schaft', der besagt, daß die Wissen schaft sich nicht darum zu kümmei n habe, ob die Gegenstände und im mentlich auch die Ergebnisse ihres Forschens ethisch wertvoll oder wertwidrig sind, ob sie Heil oder Unheil in sich tragen. Der R. räumt der Ratio eine unbeschränkte Herr- r schaft ein, gegen die an keine hoh, re Instanz appelliert werden kaim Für Metaphysik ist im System des R. kein Raum. Die Geschichte der r Philosophie verzeichnet deshall, ei- nen Niedergang der - Metaphysik während der Vorherrschaft des R.

Gegner des R. sind Romantik, Irrationalismus (Schopenhauer, Kierkegaard, Maine de Biran, Nietzsche) und Lebensphilosophie (Bergson, Dilthey), doch bleiben sie oft selbst ungewollt dem R. verhaftet. - Unter religiösem R. versteht man den Höhepunkt d. aufklärerischen Theologie im 18. Jh., in dem die überlieferten Offenharungslehren völlig in Vernunftwahrheiten umgedeutet werden. - Kritischer R.



Empirismus


Der Empirismus (griech. empeiros: 'erfahren') lässt daher die Annahme angeborener Ideen fallen und erklärt, 'dass nichts im Verstand ist, was nicht vorher in den Sinnen war'. All unsere Bewusstseinsinhalte stammen ausschließlich aus der Erfahrung.


Nach JOHN LOCKE (1632-1704), einem Vertreter des englischen Empirismus, gleicht der menschliche Geist bei der Geburt einem unbeschriebenen Blatt. Mit der Zeit füllt er sich mit Vorstellungen (Ideen), die ihren Ursprung entweder in den äußeren Sinneseindrücken oder in der Wahrnehmung innerer Vorgänge (wie fühlen, wollen, zweifeln etc.) haben. Daraus bilden sich zunächst einfache Ideen, z. B. Farben, räumliche Ausdehnung, Gefühlsqualitäten (angenehm - unangenehm). Sie sind der' Rohstoff', aus dem der Geist komplexe Ideen zusammenbaut. Dazu gehören Allgemeinbegriffe ('der Mensch', 'die Gerechtigkeit') oder auch Naturgesetze (wie der Ursache-Wirkungs-Zusammenhang).


Empirismus erkenntnistheoreti- Richtung, welche alle Erkenntnis aus Sinnes-Erfahrung (Empirie) ableitet; methodologisch das Prinzip, alle Wissenschaft, ja alle Lebenspraxis und Sittlichkeit darauf zu gründen; --> Positivismus, - Pragmatismus. Der radikale E. läßt dabei allein die Sinneswahrnehmung gelten, der gemäßigte E. sie jedenfalls maßgeblich beteiligt sein. Gegensatz: - Rationalismus. - Empiristisch war bereits der mittelalterl. - Nominalismus. Der Begründer des erkerkenntnistheoretischen E. in der neueren Philosophie, der sich in enger Verbindung mit den Fortschritten der modernen experimentellen Naturwiss. entwickelte, ist Locke, der des methodologischen Francis Bacon; der Hauptvertreter des E. im 19. Jh. ist 3. St. Mill; zu den Kritikern am E. der Gegenwart gehört u. a. H. - Dingler. - Die Physik der Gegenwart wird von einem logisch orientierten E. getragen.



Kritizismus


Kant kritisiert die Empiristen (u. a. Hume), weil sie die Möglichkeit synthetischer Urteile a priori bestreiten. Es gibt eine Reihe von Urteilen, die von den Bedingungen handeln, die überhaupt jeder Sinneserfahrung zugrunde oder vorausliegen und folglich im Verhältnis zu dieser a priori sein müssen. Diese Urteile können - so Kant - nicht mit rein logischen Mitteln bewiesen werden, d. h. sie sind nicht analytisch, sondern synthetisch.


Rationalismus und Empirismus haben als einseitige Positionen Schwächen. IMMANUEL KANT (1724-1804) versucht beide miteinander zu verbinden:


Er gibt dem Rationalismus darin recht, dass alle Erfahrung schon bestimmte Verstandestätigkeiten voraussetzt, die nicht aus der Erfahrung stammen. Dem Empirismus ist darin zuzustimmen, dass die angeborenen (apriorischen) Denkformen auf sinnliche Gegenstände (auf die Anschauung) bezogen sein müssen, um überhaupt etwas zu erkennen. KANT fasst diesen Gedanken so zusammen:


Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind. Der Verstand vermag nichts anzuschauen und die Sinne nichts zu denken. Nur daraus, dass sie sich vereinigen, kann Erkenntnis entspringen.


Der Gegenstand unserer Erkenntnis entsteht also aus dem Zusammenspiel von Sinnlichkeit und Verstand. Daraus ergibt sich aber auch, dass wir die Weit nie so erkennen können, wie sie 'an sich', d. h. unabhängig von einem erkennenden Subjekt, ist. Denn die in uns vorhandenen Strukturen unserer Erkenntnis bedingen ja die Weise mit, wie uns der Gegenstand erscheint.


Solche Uberlegungen, wie uns Erfahrungsgegenstän de überhaupt gegeben sein können, nennt KANT transzendental, das bedeutet: 'die Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis betreffend'.


Erfahrung vor Wenn aber gleich alle unsere Erkenntnis mit der Erfahrung anhebt, so entspringt sie darum doch nicht eben alle aus der Erfahrung. Denn es könnte wohl sein, daß selbst unsere Erfahrungserkenntnis ein Zusammengesetztes aus dem sei, was wir durch Eindrücke empfangen, und dem, was unser eigenes Erkenntnisvermögen (durch sinnliche Eindrücke bloß veranlaßt) aus sic selbst hergibt, welchen Zusatz wir von jenem Grundstoffe nicht eher unterscheiden, als bis lange Übung uns darauf aufmerksam und zur Absonderung desselben geschickt gemacht hat. Es ist also wenigstens eine der näheren Untersuchung noch benötigte und nicht auf den ersten  Anschein sogleich abzufertigende Frage: ob es ein dergleichen von der Erfahrung und selbst von allen Eindrücken der Sinne unabhängiges Erkenntnis gebe'. Man nennt solche Erkenntnisse a priori, und unterscheidet sie von den empirischen, die ihre Quellen a posteriori, nämlich in der Erfahrung, haben.


Bsp:

1. Der Raum ist kein empirischer Begriff, der von äußeren Erfahrungen abgezogen worden. Denn damit gewisse Empfindungen auf etwas außer mir bezogen werden, (d. i. auf etwas in einem anderen Orte des Raumes, als darinnen ich mich befinde), imgleichen damit ich sie als außer- und nebeneinander, mithin nicht bloß verschieden, sondern als in verschiedenen Orten vorstellen könne, dazu muß die Vorstellung des Raumes schon zum Grunde liegen. Demnach kann die Vorstellung des Raumes nicht aus den Verhältnissen der äußeren Erscheinung durch Erfahrung erborgt sein, sondern diese äußere Erfahrung ist selbst nur durch gedachte Vorstellung allererst möglich.


2. Der Raum ist eine notwendige Vorstellung a priori, die allen äußeren Anschauungen zum Grunde liegt. Man kann sich niemals eine Vorstellung davon machen, daß kein Raum sei, ob


5 man sich gleich ganz wohl denken kann, daß keine Gegenstände darin angetroffen werden. Er wird also als die Bedingung der Möglichkeit der Erscheinungen, und nicht als eine von ihnen abhängige Bestimmung angesehen, und ist eine Vorstellung a priori, die notwendigerweise äußeren Erscheinungen zum Grunde liegt.


Die diesen Urteilsformen zugrundeliegenden Kategorien sind nach Kant die Formen, in denen der menschliche Verstand denkt. Anders kann er nicht denken, d. h., diese Denkformen sind vor aller Erfahrung durch die Natur unseres Verstandes festgelegt, genauso wie die Anschauungsformen Raum und Zeit durch die Natur unseres Vorstellungsvermögens. Erst im Rahmen solcher Formen können Erfahrungen gesammelt werden. In den apriorischen Formen des (menschlichen) Erkenntnisvermögens steckt gleichsam der Anteil, den der Rationalismus mit seinem Glauben an angeborene Erkenntnisse geliefert hatte; im konkreten Erfahrungsmaterial erscheint der Anteil, den der Empirismus im Auge hatte, als er behauptete, Erkenntnis ginge von den sinnlichen Wahrnehmungen aus. Kants Synthese gibt beiden Positionen recht, schränkt aber ihre Ansprüche auf Allgemeingültigkeit ein. Außerhalb des Rahmens von Sinnlichkeit und Verstand ist keine Erkenntnis möglich; 'transzendente' Erkenntnisse anzustreben, ist nach Kant aussichtslos.



Kritizismus heißt in der Philosophie seit - Kant das Verfahren, die Möglichkeit, den Ursprung, die Gültigkeit, die Gesetzmäßigkeit und die Grenzen des menschlichen Erkennens festzustellen. Kant parallelisiert geistig das Kindesalter mit dem Dogmatismus, das Jünglingsalter mit dem Skeptizismus, das reife Mannesalter mit dem K. Systematisch hält der K. die Mitte zwischen Rationalismus und Sensualismus. Kants K. wendet sich 1. gegen die Mißachtung der Wahrnehmung beim Erkennen, 2. gegen die Behauptung, man könne aus bloßen Begriffen (Kategorien) ohne Grundlegung durch Wahrnehmung Erkenntnisse bilden, 3. gegen die Behauptung, Gott, Seele, Welt seien erkennbare Gegenstände, während sie in Wirklichkeit (systernbildende) Ideen sind. Hauptsatz des K.: Anschauungen ohne Begriffe sind blind, Begriffe ohne Anschau ungen leer.


Der Kritizismus ist ein von Kant geprägter Begriff, der für alle philosophischen Ansätze benutzt werden kann, mit der Entwicklung eines eigenen philosophischen Systems auch dessen Bedingungen und Voraussetzungen, Umfang und Grenzen herausarbeiten zu wollen. Kant wollte nicht in den Fehler eines Dogmatismus verfallen, unkritische und spekulative Systeme zu errichten, ohne recht auf die Fundamente des Bauwerks zu achten, auf der anderen Seite war er daran interessiert, die Möglichkeit objektiver Erkenntnis nicht völlig preisgeben zu müssen und damit den Standpunkt eines Skeptizismus einzunehmen. Der Kritizismus gibt als zu, daß es Grenzen der menschlichen Erkenntnis gibt, sagt aber trotzdem, daß Erkenntnis mit Einschränkungen und unter kritischer Prüfung möglich ist. Der Kritizismus kann auch als die Synthese von Empirismus und Rationalismus gesehen werden.



A priori (lat., von dem, was vorher kommt) nennt man etwas, das unabhängig von der Sinneserfahrung ist.

Im logischen Sinne ist etwas a priori, wenn seine Gültigkeit ohne Rückgriff auf die Sinneserfahrung erwiesen werden kann.

Ein Urteil oder eine Erkenntnis heißt im logischen Sinne a priori, wenn die Wahrheit des Urteils oder der Erkenntnis ohne Gebrauch der Sinneserfahrung, speziell ohne Gebrauch von empirischen Experimenten und Untersuchungen, bewiesen werden kann.


a priori (lat., 'vom früheren her-) heißt eine - Einsicht, deren Richtigkeit durch die Erfahrung weder bewiesen noch widerlegt werden kann. - Kant kennzeichnet damit Begriffe, die allein dem Verstande, der Vernunft entstammen, allerdings erst dann in Erscheinung bzw. Tätigkeit treten, wenn mit ihrer Hilfe Wahrnehmungen zu Begriffen geformt werden. Rein a. sind nach Kant die , Kategorien sowie, allerdings in nichtbegriffl. Form, Raum und Zeit (- Anschauungsformen); jedoch kann mit ihrer Hilfe ohne Hinzutreten von Wahrnehmungen keine Erkenntnis erzielt werden. 'Alle apriorische Einsicht ist objektiv allgemein, d. h. sie spricht in jedem Urteil, zu dem sie führt, von einer Totalität möglicher Realfälle, gleichgültig ob diese in Wirklichkeit vorkommen, vorgekommen sind oder vorkommen werden. Diese Totalität erstreckt sich darüber hinaus auf Fälle, die im Realzusammenhang der Welt niemals wirklich werden. Ideale Gegenstände (insbes. logische und mathematische) sind rein a. gegeben' (Nie. Hartmann, Zur Grundlegung der Ontologie, 21941); -> auch a posteriori, Kategorialanalyse.








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