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Max Frisch HOMO FABER




Max Frisch: HOMO FABER; Ein Bericht

Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main; Originalausgabe, Erste Auflage 1998 (erstmals erschienen 1957); ISBN.: 3-518-18803-8.

Wer selbst Tagebuch schreibt, weiß, welche Schwierigkeiten auf einen zukommen können. Es gibt immer etwas aus der Zeit vor dem Aufzeichnungsbeginn nachzutragen oder aufzufrischen. Man beginnt also, die Vergangenheit zu rekonstruieren und zu begreifen, wie naiv man auf eine Selbsttäuschung hereingefallen ist. Zwischen die Zeilen mischen sich dann meist Vorausdeutungen und man wird manchmal nicht an einem Tag fertig. Daraus ergibt sich dann, daß man die jüngsten Ereignisse solange zwischendurch anführen muß, bis man schreibend die Gegenwart erreicht hat. In Walter Fabers Fall ist es die Gegenwart des Todes.

Aus den Aufzeichnungen, die die Hauptperson auf seinem Flug nach Caracas und kurz vor ihrer Operation in einem Athener Krankenhaus niederschreibt und die von ihrem vergangenen Leben, den entscheidenden Ereignissen der letzten Monate und schließlich Tage berichten, geht hervor, daß er in den dreißiger Jahren, als Assistent an der Züricher Technischen Hochschule, eine Halbjüdin, die Münchner Studentin Hanna Landsberg liebte. Als die Situation für Hanna bedrohlich wurde, beschloß er, das Mädchen, das ein Kind von ihm erwartete, zu heiraten; gleichzeitig jedoch nahm er ein glänzendes berufliches Angebot in Bagdad an. Durch seine Kälte verletzt, lehnte Hanna die Heirat schließlich ab, und beide beschlossen, das Kind solle nicht zur Welt kommen. 1936 verließ Faber seine Freundin.



Zwanzig Jahre später erfährt der inzwischen fünfzigjährige UNESCO-Ingenieur, daß Hanna, nach der er nie mehr geforscht und die er für tot gehalten hatte, als Archivarin in Athen lebt und eine Tochter hat. Auf einer Schiffsreise nach Europa, durch einen glimpflich abgelaufenen Flugzeugabsturz hatte Walter Faber ein wenig Flugangst bekommen, begegnet er einem Mädchen, seiner eigenen Tochter Elisabeth, die er auf "Sabeth" "umtauft". Er erkennt sie nicht weil sie den Nachnamen Piper trägt, doch mit ihrem "Hanna-Mädchen-Gesicht" erinnert sie ihn stark an seine frühere Geliebte. Er begleitet die zwanzigjährige Studentin auf ihrer Heimreise durch Italien nach Griechenland, schläft mit ihr und will sie heiraten, obgleich er inzwischen erfahren hat, daß sie die Tochter von Hanna ist, die, nachdem er sie verlassen hatte, ihren gemeinsamen Freund Joachim geheiratet hat. "Ich rechnete im Stillen pausenlos, bis die Rechnung aufging, wie ich sie wollte: Sie konnte nur das Kind von Joachim sein! Wie ich's rechnete, weiß ich nicht, ich legte mir die Daten zurecht, bis die Rechnung wirklich stimmte, die Rechnung als solche." In Athen bestätigt ihm Hanna, was er im Grunde schon längst wußte, sich aber nicht eingestehen wollte: Sabeth ist sein Kind, das Hanna 1936 nicht hatte abtreiben lassen. Zu Fabers Inzest kommt hinzu, daß die ahnungslose Tochter durch eine Verkettung unglückseliger Umstände, an denen Faber nicht ganz schuldlos ist, tödlich verunglückt. Kurz vor seinem Tod, Faber ahnt, daß die Operation in Athen die Diagnose eines unheilbaren Magenkrebses ergeben wird, muß er erkennen, daß er das Leben seiner Tochter, sein eigenes Glück und das der Mutter vernichtet hat, ohne es zu wissen: "Was ist denn meine Schuld?"

                             Die Werkbiographie und die Biographie von Max Frisch (*1911) überlagern sich in der Entstehungsgeschichte von Frischs "Homo faber". Die erlebten Anlässe liegen aber weit zurück: Die Handlung in Grundrissen findet sich schon in einer vom Autor in seinem Tagebuch (1950) erzählten Kalendergeschichte von 1946.

In einer autobiographischen Erzählung von Frisch scheint bereits das Vorbild der Hanna auf: Im Frühjahr 1943 hatte der Student der Germanistik und angehende "Dichter" Max Frisch jemanden kennengelernt. Käte Rubensohn, 1914 in Hildesheim geboren, stammt aus einer bürgerlich-intellektuellen Familie jüdischer Herkunft, die bis zuletzt nicht wahrhaben wollte, daß man sie eines Tages nicht mehr als Deutsche akzeptieren würde. Ihr Vater war Altphilologe und Archäologe, grub in Griechenland, leitete ein Museum und unterrichtete schließlich an einem Gymnasium. Sie war als Jüdin nach Berlin emigriert. Im Jahr 1936 wollte Frisch Käte Rubensohn heiraten, sie lehnte den Heiratsantrag aber ab. Hanna sagte zu Walter: "Du heiratest ja bloß, um zu beweisen, daß du kein Antisemitist bist."

Begonnen hatte Frisch die Arbeit an "Homo faber" Ende 1955, in diese Entstehungszeit fallen auch drei große Reisen, die mit den Schauplätzen des Romans teilweise übereinstimmen, es gibt also Ahnlichkeiten: Im Juni/Juli 1956 mußte Frisch in Aspen/Colorado einen Vortrag über städtebauliche Fragen halten, er verbrachte auf der Hinreise einige Tage in Italien wo er in Rom das "Thermenmuseum" besichtigte. Dann schiffte er sich in Neapel nach New York ein. In den USA besuchte er von Aspen aus San Francisco, Los Angeles und Mexico City, darüber hinaus noch die Halbinsel Yucatàn und Havanna. Nimmt man außer diesen Reisen noch die Griechenlandfahrt des folgenden Jahres hinzu, so deckt sich die Reiseroute Walter Fabers weitgehend mit der des Max Frisch während der Entstehungszeit des "Homo faber".

                             Der Titel des Buches charakterisiert bereits den Haupthelden und Ich-Erzähler des "Berichts": Der Protagonist Walter Faber ist der Typ eines rationalitätsgläubigen, diesseitsorientierten, modernen Menschen, dessen technologisch-mathematisches Weltverständnis ihn blind macht für die Erkenntnis, daß das Leben mit all seinen Unwägbarkeiten und schicksalhaften Zufällen sich den Gesetzen der Logik entzieht. Er denunziert alles, was nicht berechenbar ist, als bedeutungslos, weigert sich, Kunst, Stimmungen, Liebe und Religion zu kennen und will nicht wahrhaben, daß seine technologische Weltorientierung nicht ausreicht, um menschlicher Schuld und schicksalhaftem Verhängnis zu entgehen. Nach dem Tod Sabeths ahnt er, der moderne Ödipus, daß er schuldig geworden ist, jedoch bleibt ihm unverständlich, was Hanna, die ihn einst "homo faber" nannte, mit der Außerung meint, daß alles kein zufälliger Irrtum gewesen sei, sondern ein Irrtum, der zu ihm gehöre wie sein Beruf, wie sein ganzes Leben: "Du behandelst das Leben nicht als Gestalt, sondern als bloße Addition, daher kein Verhältnis zur Zeit, weil kein Verhältnis zum Tod." Sie meint damit, daß er nur eine Gegenwart anerkennen würde, die vom Ablauf der Zeit abgeschnitten ist, und die Zukunft die ihm vorschwebt, ist die, welche mechanisch dem Zeitablauf folgt, und nicht die, die unvorhersehbare Risiken in sich birgt.

Der Ingenieur Walter Faber, gebürtiger Schweizer,  verändert sich während des "Schreibens". Er verwandelt sich praktisch vom "homo faber" der Ersten in einen "homo religiosus" in der Zweiten Station. Aber schon der vorgebliche Mitteilungsdrang, daß der Techniker Faber an sich überhaupt schreibt, erscheint wie ein Widerspruch in sich selbst. Auf diese Frage erläuterte Max Frisch in einem Interview: "Der "Homo faber" hat nur rational gesprochen diese Nötigung zu schreiben. Er ist auf den Tod krank, und er versucht sich Rechenschaft abzulegen, d.h., er versucht sich zu verteidigen, daß er an allem nicht schuld sei. Es bleibt aber, das muß ich zugeben, ein Rest, der nicht ganz aufgeht. Das kommt daher, daß man natürlich als Schriftsteller zu sehr annimmt, daß jeder Mensch diesen Drang hätte, sich durch Sprache zu manifestieren, und das muß ein Ingenieur nicht haben. Also dort liegt eine kleine Unstimmigkeit - ohne Zweifel." Interessiert hat Frisch eigentlich die Diskrepanz zwischen Fabers Sprache und dem, was er wirklich erfährt und erlebt. Für den Autor ist die "Sprache der eigentliche Tatort."



                             Ich möchte jetzt noch einmal genauer auf die Personen eingehen und beginne natürlich mit dem Protagonisten, Walter Faber, weil die ungelöste Spannung zwischen Fabers Ingenieursdenken und der Mystik das strukturtragende Element des ganzen Romans ist.

Faber erlebt in seinem fünfzigsten Lebensjahr praktisch die Wende in seinem Leben, bis zu diesem Zeitpunkt war er immer gewissenhaft und ein grandioser und "sicherer" Techniker. Er glaubte, die "Krise" seiner jungen Jahre überwunden zu haben und war sich sicher, seine Weltanschauung würde alles überdauern. Die ersten vorausdeutenden Ereignisse, wie der Flugzeugabsturz, verwirrten ihn zwar, warfen ihn jedoch noch nicht aus seiner Überzeugung heraus. Dann traf er seine leibliche Tochter, von der er dachte, sie wäre nie zur Welt gekommen, und verliebte sich in sie. Es sah so aus, als würde er nochmals von vorne beginnen können, doch dann änderte sich alles. Hätte Walter Faber  nicht so stur an seinem Glauben festgehalten, wäre er nur ein wenig davon abgewichen und hätte er sich treiben lassen, hätte er die überdeutlichen Vorzeichen vielleicht bemerkt und die Geschichte wäre wahrscheinlich anders verlaufen.

Auffallend an seiner Schreibweise sind seine ständigen Vorausdeutungen und Einschübe. Manchmal weiß man schon fünfzig Seiten vorher, was passieren wird, wie z.B.: "Was ändert es, daß ich meine Ahnungslosigkeit beweise, mein Nichtwissenkönnen! Ich habe das Leben meines Kindes vernichtet  und ich kann es nicht wieder gutmachen. (Zum Zeitpunkt, als Sabeth erstmals erwähnt wird!)

Die Einschübe treten besonders zu Beginn häufig auf:

"Ich war entschlossen, Herbert zu wecken und ihm zu sagen, daß ich mit dem nächsten Zug, der dieses Palenque verläßt, meine Rückkehr antrete.

Die schwirrenden Vögel-

Nie ein Flugzeug!

Wenn man den Kopf zur Seite dreht, .."

Manchmal erfährt man aber auch überhaupt nicht, was passiert ist, obwohl es zu diesem Zeitpunkt wichtig wäre, es wird dann entweder dreißig Seiten später "verschlüsselt" erwähnt oder man muß sich eine Buchausgabe mit Erläuterungen kaufen. Hier wird wahrscheinlich deutlich sichtbar, daß ich von diesen "Erzählmethoden" nicht besonders angetan bin.

 "Ich bin Techniker und gewohnt, die Dinge zu sehen, wie sie sind." - Faber legt einen großen Wert auf Fakten und schreibt seinen "Rechenschaftsbericht" deshalb auch sehr sachlich. Er versucht mit strenger Logik, das Geschehene zu rekonstruieren, wodurch sichtbar wird, wie er den Bedeutungsüberschuß und die "Überfülle der Zeichen", die Zukunft wird immer wieder angedeutet, verdrängt bzw. leugnet.

Seine Kategorisierung der Welt ist reduktiv und selektiv, er bleibt immer Gefangener seines eigenen Denkens. Der Autor selbst lastete seinem Protagonisten ähnliches an: "Dieser Mann lebt an sich vorbei, weil er einem allgemein angebotenen Image nachläuft, das von "Technik". Im Grunde ist der "Homo faber", dieser Mann, nicht ein Techniker, sondern er ist ein verhinderter Mensch, der von sich selbst ein Bildnis gemacht hat, der sich ein Bildnis hat machen lassen, das ihn verhindert, zu sich selber zu kommen."

Schon zu Beginn des Buches zeichnet sich ab, daß Walter krank ist. ("Mein Gesicht im Spiegel, während ich Minuten lang die Hände wasche, dann trockne: weiß wie Wachs, mein Gesicht, beziehungsweise grau und gelblich mit vielen violetten Adern darin, scheußlich wie eine Leiche.") Die Geschichte wird so lange beschrieben, bis sich der Kreis zur Gegenwart schließt, Walter Faber liegt im Krankenhaus. Der letzte Eintrag ist schließlich als Tag der Operation datiert. Walter, der bereits vorausgesehen hatte, was passieren wird ("Ich weiß alles. Morgen werden sie mich aufmachen, um festzustellen, was sie schon wissen: das nichts mehr zu retten ist. Sie werden mich zunähen, und wenn ich wieder zu Bewußtsein komme, wird es heißen, ich sei operiert. Ich werde es glauben, obschon ich alles weiß. Ich werde nicht zugeben, daß die Schmerzen wieder kommen, stärker als je. Das sagt man so: Wenn ich wüßte, daß ich Magenkrebs habe, dann würde ich mir eine Kugel in den Kopf schießen!"), wird an der Zivilisationskrankheit Krebs sterben.




In den letzten Wochen erscheint "Hanna schließlich nur noch in Weiß". obgleich sie vorher immer schwarz bekleidet war. Nach antiker Überlieferung erschienen die rächenden Erinnyen dem Muttermörder Orest nämlich schwarz, dann, nach seiner Sühne, aber weiß als Eumiden. (vgl. dazu das Werk, das Sabeth und Walter im Thermenmuseum besichtigt haben: "Kopf einer schlafenden Erinnye": Die Erinnyen wurden als die Rachegöttinnen der altgriechischen Erdreligion vorgestellt, sie waren eine Gruppe von Göttinnen, die den Muttermörder Orest jagten, aber vor der Tochter des Zeus zurückwichen. Sie setzten über alles die Ansprüche der Mutter, selbst wenn es keine rechtmäßigen Ansprüche waren. Eumiden ("die Wohlgesinnten") lautet der Name für die durch Sühne versöhnten Erinnyen.)

Walter Faber wird auch oft mit Ödipus verglichen. Interessant ist, daß Frisch den zweiten Teil seines Buches eigentlich mit "Die Eumiden" betitelte.

                             Die Reisen des Walter Faber ergeben eigentlich die gesamte Handlung des Buches, doch auch alle anderen Hauptpersonen sind Reisende. Es ergibt sich eine Struktur der Selbstwiederholung: Die erste Reise schließt Fabers Lebensreise zum Kreis und die zweite wiederholt und verkürzt die erste. Nicht der Fortschritt in die Zukunft, sondern jene sich verengenden Zirkel einer Spirale bilden also ein Lebensmuster, wie sie Faber auch einmal gedankenverloren nachzeichnet. ("Ich zeichnete auf das Marmor Tischlein, nichts weiter, nur eine Spirale, in dem gelben Marmor gab es eine versteinerte Schnecke, daher meine Spirale.") Die versteinerte Schnecke steht als Sinnbild der Verlangsamung bis hin zum Tod. Aufgefallen ist mir auch, daß Faber sich zu Beginn des Buches mit dem Flugzeug fortbewegt, dann mit einem Schiff, Europa bereist er mit einem Auto, mit einem Eselskarren bringt er die sterbende Sabeth ins Krankenhaus und schließlich muß er gar zu Fuß gehen. Ich denke, da die zwei Veränderungen simultan ablaufen, könnte dieser Übergang für das Überwechseln der Ereignisse von Technik zu Emotion und Mystik stehen.

Eine weitere wichtige Hauptperson ist Hanna, die "Andere", Frau, Jüdin, Kommunistin und "Proletarierin der Schöpfung". Sie ist das genaue Gegenstück zu ihrem Ex-Geliebten, ist als Archäologin mit den Mächten der Erde verbunden und verkörpert eine Mutter in "Reinnatur". Wie oben beschrieben rächt sie sich für den Tod Sabeths, an dem Walter ja nicht ganz unschuldig war. Auch dürfte sie ihm die Geschichte rund um ihre gemeinsame Beziehung in früheren Jahren noch nicht ganz verziehen haben, sie ist ihm gegenüber, trotz genauer Kenntnis von Walters Natur, sehr abweisend. (vgl. die Nacht, die Walter in ihrer Wohnung verbringt)

Hanna "kleistert die Vergangenheit zusammen", sie repräsentiert die zu Fabers technischer Bewältigung der Welt komplementäre Seite der Moderne ( "Hanna", sage ich, "du bist ja fortschrittlich geworden!"), die wissenschaftliche Reflexion des Sinns. Hanna hält rein gar nicht von Statistiken ("Hanna hält nichts von Statistik, das merkte ich bald" "Du mit deiner  Statistik! Wenn ich hundert Töchter hätte, alle von einer Viper gebissen, dann ja! Dann würde ich nur drei bis zehn Töchter verlieren. Erstaunlich wenig. Du hast recht.")

Den Titel des Buches erklärt Max Frisch dadurch, daß Hanna Walter einmal "Homo faber" nannte. Hannas spöttisches Spiel mit dem Namen Faber greift die bekannte anthropologische Bestimmung des "Menschen als Handwerker" auf, als damals klar wurde, daß der Name "Homo sapiens" für unsere Art doch nicht so gut paßte, weil wir am Ende doch nicht gar so vernünftig sind, stellte man neben diese Bezeichnung für unsere Spezies den Namen "Homo faber", der schaffende Mensch.

Sabeth, die "ungewollte" Tochter der beiden, in die sich Walter verliebt, sorgt für die Wende in der Geschichte. Charakteristisch für sie ist ihr Outfit, "schwarze Cowboyhose, rötlicher Roßschwanz, schwarzer Pullover mit Rollkragen, eine Halskette aus gewöhnlichem Holz, Espadrilles und der grüne Kamm, der in der hinteren Tasche ihrer Hose steckte" und "das blaue Abendkleidchen", sowie ihre Liebe zur Kunst. Im wörtlichen Sinn ist sie Walters "Hermes-Baby". Die Geliebte und die Schreibmaschine geleiten den desorientierten Techniker zur seiner Existenz. Als Sabeth stirbt, beginnt ein neuer Abschnitt in Fabers Leben, als sie ihm dann sein "Hermes-Baby wegnehmen", ändert sich auch etwas, nämlich das Schriftbild, weil er mit der Hand schreiben muß.



Sabeth hat Fabers Lebens "belebt", aber damit auch Hannas Rache aufgeweckt. Die Himmelszeichen kommentieren die Liebesnacht von Faber und Sabeth als bloße "Konstellation" von Körpern, die gesetzmäßig eine Verfinsterung des Daseins bewirkt, es ist aber keine Vereinigung in liebender Erkenntnis. Eine komplementäre Konstellation - hier zwischen den antiken Kunstwerken (antik = Hanna) "Geburt der Venus" und "Schlafende Erinnye" - stellt dieses Spiel mit dem Licht der Erkenntnis dar. Wenn Sabeth sich der Venus, also der Göttin der Liebe, nähert, entsteht sogleich wieder ein "Schatten", der nun die Rachegöttin "geradezu wild" erscheinen läßt, eine Vorausdeutung auf die Todeswahrheit dieser Liebe.

Wichtig ist auch das "Methapernspiel" zwischen Sabeth und ihrem Vater, es zeigt unterschiedliche Ansichten, aber auch nach dem Flugzeugabsturz geschieht eine ähnliche "Perspektivengegenüberstellung": z.B.: Felsen - Rücken von urzeitlichen Tieren; Formen der Erosion - versteinerte Engel; Schatten - Gespenster; Wüste - Totenreich;

Frisch verwendet in seinem Roman überdies eine Art "poetische Vokabeln", so steht das "Auto" beispielsweise für die "soziale Identität auf der Lebensreise", "Wüste" für "Lebensleere" und das "Meer" für die "Weite des Möglichen". Er verwendet solche Kurzchiffren in mehreren seiner Bücher.

Der Autor versucht, die Glaubwürdigkeit des technischen Menschen dadurch zu erhöhen, das er ihn schlechter Deutsch sprechen läßt: "Unser Pingpong ging schlechter, als meinerseits erwartet./Meinerseits keine Ahnung, was ich gedacht hatte. "Solche Kurzschlüsse entstehen, wenn ein Autor im Ich-Ton schreibt und die Geschichte einem Menschen in den Mund legt, der mit dem Dichter keine Berührungspunkte haben darf.

Die Themenkreise aber scheinen deutlich durch: Man könnte sagen, das Buch thematisiert Traditionsbruch und Technikgläubigkeit, aber die Sinnhaftigkeit geht noch viel weiter. Die Zeit des Wiederaufbaus der Welt und der Wirtschaft war seinerzeit von einer großen Euphorie über die gewaltigen technischen Fortschritte begleitet. ("Wir leben technisch, der Mensch als Beherrscher der Natur, der Mensch als Ingenieur ..") "Technik und Männlichkeit" galten beinahe als "Schlüssel zum Glück". Diese "Technikgläubigkeit" kritisiert Frisch, indem er seine Hauptfigur dem Schicksal begegnen läßt, welches diese nicht überlebt: Der Zufall einer dramatischen Handlung besteht darin, wann und wo jemand zufällig wem begegnet. Je planmäßiger die Menschen vorgehen, desto wirksamer vermag der Zufall sie zu treffen. Was geschieht, wenn Mythos und Technik aufeinandertreffen? Kann man aus dem Beispiel Walter Faber lernen?

Faber ist das Bild für die Technik, für den Mythos stehen Unterdrückung und Weiblichkeit, die Faber als das "Andere" ansieht. Aber Mythos und Technik sind in diesem Buch keine Gegensätze, sie sind komplementäre Systeme der Weltauslegung.

Insgesamt scheinen die Themen "Technik", "Amerika" und "Modernisierung" so nachhaltig im europäischen Bewußtsein verankert zu sein, das die Wertung beim ersten Erscheinen des Buches durchwegs positiv ausfielen.

                             Ich habe mich bemüht, während des Schreibens die negativen Einflüsse wegzulassen und mich auf die Fakten zu konzentrieren. Seit wir die Aufgabenstellung für diese Facharbeit bekommen haben, habe ich mich nämlich beinahe täglich eine halbe Stunde mit dem Buch beschäftigt. (Auf dem Heimweg.) Dadurch habe ich mich daran langsam "sattgelesen" und gedacht.

Aber meine Wertung fällt trotzdem durchaus positiv aus: Das Buch hat mir sehr gut gefallen, zu einen, weil es "moderner" war. Außerhalb des Schulstresses bin ich ja nur noch die typischen "Literaturbücher" (Faust, Der Mantel, ..) gewohnt und lese nur noch selten etwas Eigenes. Darum erscheint mir dieses Buch fast realitätsgetreu, d.h. in einer "normalen" Sprache geschrieben.

Zum anderen gefiel mir einfach das Buch an sich, die Schreibweise ist gut verständlich, die wenigen Fremdwörter erfordern keine zusätzliche Konzentration, sondern machen das Lesen nur interessanter, und das Thema ist so tiefgründig  und gut überdacht wie wenige zuvor.

Während des Arbeitens bin ich zu dem Schluß gekommen, daß das Buch für eine Interpretation gut, fast schon zu gut geeignet ist. Man kann eine gewaltige Menge an Informationen sehr einfach herauslesen, welche man selbst in einer "Facharbeit" nicht fassen kann, in diesem Fall war mir eher die Aufgabenstellung zu weiträumig als der Text zu kurz.

3.037 Wörter










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