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Horvath - Gott oder die Menschlichkeit




Horváth

- Jugend ohne Gott -

"Gott" oder "die Menschlichkeit"

im Dritten Reich




Horváth

- Jugend ohne  Gott -

In Ödön von Horváths Roman Jugend ohne Gott wird anhand des Grundmotives der Unzu­gänglichkeit des Herzens die radikale Mentalität im "Zeitalter der Fische" [1] - also dem natio­nalsozialistisch gesinnten Vorkriegsdeutschland - aufgezeigt. Der faschistisch-nationalsoziali­sche Geist wird, stellvertretend für Gesamtdeutschland, durch eine Schulklasse eines Gymnasi­ums verkörpert. Horváth verwendet kurze Kapitel, die er relativ selbständig zu einem Ganzen zusammenfügt. Er umreißt das schlichte Volk und den braven Kleinbürger, der - Gott verlas­sen, in der Anonymität der Aktenzeichen "5679u/33" [2] verstümmelt - sich zum mimiklosen Fisch wandelt.

Die "politische Dämonisierung der Schüler" [3] nimmt zu Anfang in kleinen Details - wie z.B. in dem Streit um eine Semmel - Gestalt an, entwickelt sich über die unreflektierte Verurteilung des Lehrers hin zu der Kulmination in einem Mord. Horváth nennt es geschickt Jugend ohne Gott. In diesem Zusammenhang darf Gott nicht als religiös verkörperte Person gesehen werden - Horváth benutzt Gott als Synonym für Menschlichkeit, rationale Entscheidungskraft, Gefühl, Liebe und Nächstenliebe. Ist es da nicht rechtens zu fragen, wie es möglich sein soll, daß pupertäre 14 jährige Schüler, die noch fast keine Lebenserfahrung besitzen, ohne Gott sein sollen?

Die Zwistigkeiten dieser Jugend im Natzideutschland basieren auf  der Ideologie des Rechts­radika­lismus, der quer über das Land von den erwachsenen Marionetten des "Oberplebejers" [4] Adolf  Hitler verbreitet wird. Es gibt keinen Ausweg, um an dieser braunen Brühe vorbeizu­kommen, da der Alltag - sei es im Radio oder auf der Straße - von ihr bestimmt wird. Jeder muß diesen nihilistischen Weg des geringsten Widerstandes mitgehen - oder er bleibt auf der Strecke und wird als "Unkraut" [5] von der verrohten Gesellschaft vernichtet. Die Demagogen der Hitlerdiktatur in Deutschland strecken die freien Gedanken nieder und bringen die Früchte des gesunden Menschenverstandes an den Pranger. Die Folgen derartiger Geistes- und Seelen­verstümmelungen der damaligen Zeit wurden von Horváth genauestens beobachtet und in seinem Roman verarbeitet. Die Schüler - Opfer der Verblendung - richten sich in ihrem triebhaften Terror nur nach den ihnen bekannten Idealen. Sie können nichts dafür, daß sie in diesem brutalen Interessenkampf, der gegeneinander geführt wird, involviert sind. Gottlos sind somit nicht sie, sondern die Erwachsenen Bürger des Landes, die stolzen Mutes die rechte Hand erheben und den totalen Krieg fordern. Was Väter und Mütter im großen Stil begehen, dem folgen ihre Kinder im noch kleinen Maße. Das Leben dieser Kinder ist ein Trugschluß, welcher aus "schiefen Voraussetzungen falsche Schlußfolgerungen zieht" [6]. Wer würde auch freiwillig und besten Gewissens mit einer unschuldigen Kinderseele behaupten: "Alle Neger sind hinterlistig, feig und faul" 5 ? Die aus solchen Aussagen dominierende Stärke wirkt auch nur im Kollektiv, abgeschottet von den Sonnenstrahlen der Welt, kein Verständnis - herabstili­siert auf sich selbst ohne Rücksicht auf Leben.

Nur wenige schaffen es gegen diesen Strom der Fische anzukämpfen und die Strömung des Terrors zu überwinden. Nur heimlich und unter Verschluß sind Gefühle, Gedanken und das Einfach-anders-sein erlaubt. Die schlichten Liebesempfindungen des "Z" gegenüber dem armen Kind aus dem Wald passen nicht in das Weltbild der Nazis. Horváth stellt diesen Bruch mit der Tugend der 30er & 40er Jahre geschickt dar. Die mystischen Personen "Z" und das Mädchen sind auf dem richtigen Weg zu Gott - sie bekommen Namen und heißen Adam und Eva; ihre Liebe kennt keine Standesgrenzen und überwindet marodes Gedankengut. Gott streckt in diesem Moment die Hand nach ihnen aus, um ihre Seelen - ihr Bewußtsein - aus den faschistischen Fesseln zu befreien. Der "Z" kann allerdings sein Menschlichkeit im Rahmen der damaligen Zeit nicht eingestehen bzw. preisgeben, und somit verteidigt er sie in Form seines Tagebuches, welches er gut verschlossen aufbewahrt - "Gott wird schon helfen"  [7]! Dies tat er auch, vielleicht etwas übermütig, aber "Z" empfand es als seine Pflicht, die Sünden seiner Eltern an den Dienstmägden auf sich zu nehmen und an einem armen Geschöpf wiedergutzumachen, um somit Eva ein weiteres, ihr ebenbürtiges Leben zu ermöglichen.

Solch einen Weg zu seinen inneren Werten fanden und folgten in einer so schwierigen Zeit nur wenige einzelne Personen. Von Horváths Akteuren finden neben "Adam und Eva" nur einzelne diesen verborgenen aber ehrlichen Pfad des Lebens. Der "Klub" wandte sich noch rechtzeitig in die rechte Richtung vorbei an falschen und kriminellen Idealen, die leider zur Normalität empor gestiegen sind. Sie lesen nicht um zu verhöhnen, sondern um zu verstehen und um das System langsam aber sicher zu meiden. Eigentlich gehören sie zu einer Generation, die es nicht lernen wird zu leben und zu lieben. "Die Kälte als Schuld"  [8] ist der Feind der Toleranz - sie nicht zu verlieren oder gegebenenfalls wiederzuerlernen ist der Lichtblick am Horizont des düsteren Dritten Reiches, das Ziel des Klubs! Diese jungen Knaben erbringen eine gewaltige Leistung, von einer enormen psychischen Anspannung begleitet, aber mit einem klaren Ziel und vor allen Dingen einem Erfolg vor Augen.

Der Lehrer, der sich nach den Intrigen gegen ihn in der Schule nicht mehr sehen lassen darf, erfährt eine moralische Unterstützung durch den Klub. Er befand sich bis zu dem Verhandlung-stag des Mordfalls in einer scheinbar ausweglosen Situation. Hin- und hergerissen zwischen seinen althergebrachten Gefühlen für ein harmonisches Zusammenleben unterliegt er zeitweise dem nazistischen Gedankengut von Egoismus und Intoleranz. Er besitzt nicht die nötige Kraft, um ehrlich zu sein und z.B. den Bruch des Kästchens zuzugeben - die Tragödie hätte gar nicht ihren Lauf nehmen können.




Der Fall in eine isolatorische Ohnmacht lähmte die Sinne und ließ den Weg zu Gott nicht zu. In dieser Situation  ist die Abtrünnigkeit von Gott eine logische Folgerung, da sich das kalte Ge­dankengut von Hitlers Regime nicht mit dem "Schöpfer" in Einklang bringen läßt. Somit muß man eine strikte Trennung zwischen Kirche und Gott ziehen. An Gott glauben ist eines, mit der Kirche sympathisieren ist eine andere Sache. Selbst der Pfarrer bei Horváth sagt dies auf die Feststellung des Lehrers hin: "Ich denke, daß die Kirche immer auf der Seite der Reichen steht."  "Das stimmt []"  [9]. Die Kirche ist ein Verbund von Gläubigen, Gott ist eine Über­zeugung für das würdige Leben.

Der Lehrer muß es also aus eigener Überzeugungs- und Willenskraft schaffen seine menschlich korrekte Seite zu finden. Die Unterstützung des Klubs hilft ihm sich zu entscheiden und schließlich das "Zeitalter der Fische"  nicht als seines zu verstehen. Leider fehlt auch ihm der Mut, um "die tobenden Irrsinnigen in die Zwangsjacken zu stecken" [10]. Den Ausweg findet der bislang unpolitische Lehrer in seiner "Flucht" vor dem Chaos. Seine Emigration vor der "Division der Charakterlosen unter dem Kommando von Idioten" [11] nach Afrika läßt für den Leser den faschistischen Zeitgeist eher in den Hintergrund des Romans treten und scheint nur als Rahmen um eine Handlung gelegt zu sein. Der Problemgehalt des brisanten Werkes erfordert somit eine genaue Auffassungsgabe und eine geschickte Differenzierung zwischen Handlung und atmosphärischem Hintergrund.



[1] Horváth / Jugend ohne  Gott / Seite 30

[2] Horváth / Jugend ohne  Gott / Seite 19

[3] Kindlers Neues Literaturlexikon / Herausgeber: Walter Jens München 1988-92 / Band #8 / Seite 68f

[4] Horváth / Jugend ohne  Gott / Seite 113

[5] Horváth / Jugend ohne  Gott / Seite 42

[6] Horváth / Jugend ohne  Gott / Seite 13

[7] Horváth / Jugend ohne  Gott / Seite 135

[8] Frank Werfel in Kindlers Neues Literaturlexikon / Band #8 / Seite 68f

[9] Horváth / Jugend ohne  Gott / Seite 48f

[10] Horváth / Jugend ohne  Gott / Seite 44

[11] Horváth / Jugend ohne  Gott










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