Nelson
Mandela
Ich
denke, jeder von euch hat den Namen Nelson Mandela schon einmal gehört. Doch
was hat dieser Mann eigentlich genau getan? Genau das möchte ich euch jetzt
erzählen:
Nelson
Rolihlahla (»Derjenige, der Schwierigkeiten anzieht / Unruhe stiftet«) Mandela
wurde am 18. Juli 1918 in der Nähe von Umtata, Südafrika geboren.
Er
besuchte eine Methodistenschule, in der britische Kultur und britische
Institution automatisch als hochwertiger angesehen wurde. So wurde ihm von
Anfang an weisgemacht, dass die Weissen die besseren Menschen wären.
In der Schule freundete sich Nelson zum erstenmal mit einem
Mitschüler an der nicht aus seinem Stamm kam. Mit dieser Freundschaft wurde er
sich zum erstenmal seiner Identität als
Afrikaner bewusst.
Während seines letzten Jahres auf dem Gymnasium begann sich
Mandela für Politik zu interessieren. Ihm wurde die Unterdrückung der schwarzen
Bevölkerung immer bewusster.
1938
ging Mandela nach Fort Hare, um dort an der damals einzigen Universität, die
auch Schwarzen zugänglich war, Jura zu studieren. Er studierte ausserdem
Englisch, Anthropologie, Politik und Eingeborenenverwaltung. Auf der
Universität betätigte er sich nun zum erstenmal politisch. Er trat einem
Komitee bei, das den Neuen die gleichen Rechte geben sollte wie den Alten. Dazu
äußert sich Nelson Mandela in seiner Autobiographie folgendermaßen:
„Dies war eine meiner ersten Auseinandersetzungen mit Autorität,
und ich verspürte das Machtgefühl, das daraus entspringt, recht zu haben und
Gerechtigkeit auf seiner Seite zu wissen.“
Damit meint er soviel wie: „ Ich spürte Macht, weil ich mir sicher
war, dass ich recht hatte.“
Ab
1948 herrschte in Südafrika die Apartheid. Das bedeutet die vollkommene
Trennung zwischen schwarzer und weisser Bevölkerung. Menschen aus den
verschiedenen Gruppen durften nicht miteinander leben. Es gab eigene Busse,
Kaufhäuser, Schulen und vorgeschriebene Lebensräume, Townships genannt, für
jede einzelne Menschengruppe. Obwohl die dunkelhäutigen Menschen die große
Mehrheit waren, wurden sie und die Farbigen wie auch Mischlinge von den Weißen,
die an der Macht waren, unterdrückt.
Die äusserst rassistische Apartheid geht auf das Zusammenrücken
der schwarzen und weißen Bevölkerung während des 2. Weltkrieges zurück. In den
Minenstädten mussten beide Volksgruppen um die Arbeitsplätze konkurrieren,
sodass die Afrikaner gezwungen waren ihre Arbeitskraft billiger anzubieten. Der
Hass auf die britische Bevölkerung verband sich mit dem Hass auf die Farbigen
und führte zu einem Afrikaaner-Nationalismus dessen politische Heimat die
Nationale Partei wurde. Damit man die weißen von den schwarzen Afrikanern
unterscheiden kann, führte man für die weiße Bevölkerung ein zweites a bei
Afrikanern ein. Hier sieht man schon wie tief der Rassenhass ging.
Nelson Mandela gelang es in einer weißen, jüdischen Anwaltskanzlei
als “ Ausbildungsclerk” anzufangen. 1944 heiratete er seine erste Frau Evelyne
Mase. Mit ihr hatte der schwarze Führer zwei Söhne und zwei Töchter, davon
erkrankte eine schwer und starb schon im Alter von 9 Monaten.
Afrikanische Stammeshäuptlinge gründeten 1923 den African National
Congress (ANC) der in den nächsten 4 Jahrzehnten versuchte mit legalen Mitteln
gegen die Ungerechtigkeit der Briten in Südafrika anzugehen. Mandela trat
dieser Organisation 1944 bei.
1948 gewann die sogenannte „Nationale Partei“ die Wahl und somit
wurden die Realisierung eines noch strengeren Apartheidgesetzes beschlossen.
Ziel dieser Gesetze war es die 4 Rassen (Schwarze, Weiße, Farbige und Asiaten)
strikt zu trennen. Mandela fragte sich immer mehr, wohin dieser Rassismus das
Land noch bringen würde.
Bei vielen Aktionen machte Mandela mit, immer mit dem Ziel die
afrikanische Bevölkerung zu befreien. Eine der wichtigsten Aktionen war sicher
die “Missachtungskampagne”. Es wurden Apartheidgesetze bewusst übertreten und
dafür wurde man eingesperrt. Da das zehntausendfach gemacht wurde, kann man
sich vorstellen wieviel Arbeit die Polizei hatte und wie voll die Gefängnisse
waren. Nach dieser Aktion wurde das Hauptquartier der ANC durchsucht und ihre
Führungsmitglieder, unter ihnen Mandela, für 9 Monate ins Gefängnis gesteckt.
Dies war der Anfang vieler Verhaftungen, Bannungen und Verbote für öffentliche
Auftritte.
1952 erhielt Mandela seine Zulassung als Anwalt und er eröffnete
mit einem Freund eine Anwaltskanzlei. Im September 1953 wurde er gezwungen aus
dem ANC auszusteigen und von nun an war sein Angagement illegal.
1961 übernahm er die Führung des ANC. Im selben Jahr wurde seine
Presseerklärung in London veröffentlicht:
Er wies auf kommende Aktionen im Rahmen des unerbittlichen
Massenkampfes gegen die südafrikanischen Rassenfanatiker hin und die Erklärung
schloss mit den legendären Worten:
„Ich werde gegen die Regierung kämpfen, Seite an Seite mit euch,
Meter und Meter und Meile für Meile, bis der Sieg errungen ist. Was werdet ihr
tun? Ich für meinen Teil habe meine Entscheidung getroffen, weder werde ich
Südafrika verlassen, noch werde ich kapitulieren. Nur durch Leiden, Opfer und
militante Tat kann Freiheit erreicht werden. Der Kampf ist mein Leben. Ich
werde bis zum Ende meiner Tage für die Freiheit kämpfen.“
Das
passte der Regierung natürlich überhaupt nicht! Also wird nach Jahren dauernder
Terrorisierung am 12. Juni 1964 das Urteil über eine lebenslängliche Haft
ausgesprochen. Beinahe 26 Jahre verbrachte Nelson Mandela im Gefängnis, 18
Jahre davon abgeschirmt von der Aussenwelt auf der Gefängnisinsel Roben Island.
Die Haftbedingungen waren am Anfang sehr schlecht. Die Gefangenen
mussten Sommer wie Winter in kurzen Hosen herumlaufen. Sie bekamen keine
Unterwäsche und mussten hart arbeiten. Trotz dieser schlechten Umstände erhielt
sich Mandela seine Menschlichkeit. Ein Mitgefangener erzählt:
„Als
ich einmal krank und nicht in der Lage war, meinen Nachttopf zu entleeren, kam
Nelson in die Zelle, er erkundigte sich nach meinem Befinden und sagte“: Du
ruhst dich aus.” Er nahm den Topf, leerte und reinigte ihn und brachte ihn
zurück. Das war eine wahrhaft großmütige Geste, ein Moment den ich nie
vergessen werde.“
1980 kam mit der Schlagzeile “ Free Mandela!” In der Sunday Times
eine Kampagne zur Freilassung der politischen Gefangenen in Südafrika ins
Rollen. Fortan beherrschte trotz Veröffentlichungsverbot, Nelson Mandela die
Schlagzeilen in aller Welt.
Und es brachte etwas: 1986 begannen heimliche Gespräche der
Regierung mit Nelson Mandela. Es kam sogar ein Gespräch mit den damaligen
Präsidenten Botha zustande. Zu dieser Zeit wurden auch politische Gefangene
frei gelassen. Erst mit dem Amtsantritt von
De Klerk 1990 war die reelle Chance da, dass auch der berühmteste
Gefangene der Welt entlassen werden konnte. In der Rede zur Eröffnung der neuen
Parlamentsperiode gab De Klerk
die Entlassung Mandelas bekannt, und eine Woche später nach über einem
Vierteljahrhundert Haft tat er seine ersten Schritte in der Freiheit.
Gegen allen Erwartungen wurde die Gewaltwelle, die in Südafrika
wütete, mit der Entlassung Mandelas nicht weniger sondern sie verstärkte sich noch.
Im Oktober 1990 war es dann soweit. Der Präsident Südafrikas widerrief die
Apartheidgesetze. Mandela hatte dem Land einen grossen Dienst erwiesen!
Trotzdem gingen im ganzen Land die Gewalttaten unvermittelt
weiter. 1993 wurde ein Studentenführer von einem weißen ermordet. Jetzt war die
Gefahr, dass die Gewalt unkontrollierbar wurde, aber Nelson Mandela rette die
Situation in letzter Minute mit einer Ansprache, die alle besänftigte.
Am 14. Dezember erhielten Nelson Mandela und Frederik de Klerk den
Friedensnobelpreis für die gemeinsamen Leistungen im südafrikanischen
Friedensprozess und zweifellos auch als Ermutigung für die beiden um auf diesem
Wege fortzufahren.
Am 26., 27. und 28. April 1994 fanden in Südafrika die ersten
freien Wahlen für Schwarze und Weiße statt. Erstmals stand nun das Schwarze
Hauspersonal neben dem weißen Arbeitgeber und warteten auf den historischen
Moment der Stimmabgabe. Die IEC ( Aufsichtsorgan bei den Wahlen) erklärten die
Wahlen für fair und frei. Somit war die Wahl gültig und da die ANC die stärkste
Partei war wurde Nelson Mandela der erste Schwarze Präsident.
Am 4. Februar 1997 trat die neue, endgültige Verfassung des Landes
in Kraft. Sie gilt als eine der fortschrittlichsten der Welt. Angesichts dieser
Verfassung und eines politisch relativ gefestigten Landes Südafrikas kann
Mandela stolz auf seine Regierungsarbeit sein.
1999 trat er aus Altersgründen zurück. Sein Nachfolger Thabo Mbeki
führt seine Politik der Versöhnung fort.
Auch heute noch setzt sich Mandela für gute Zwecke und vor allem
für Frieden auf der ganzen Welt ein.