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Englischunterricht im Dritten Reich

Universiät Koblenz - Landau, Abt. Landau


Sommersemester 1996


(Wurde als Pro - Seminarschein mit 1,3 bewertet)


Englischunterricht im "Dritten Reich"



In dieser kurzen Ausarbeitung soll auf die besondere Thematik des Englischunterrichts im "Dritten Reich" eingegangen werden; um die besondere Situation dieses Faches aufzuzeigen wird zuerst auf die allgemeinen Rahmenpläne des Fremdsprachenunterrichts eingegangen, bevor die Zielsetzungen des Englischunterrichts erläutert werden. Die tatsächliche Unterrichtspraxis kann man natürlich am besten anhand der damals verwendeten Lehrbücher verstehen, da diese natürlich durch die politischen Vorgaben beeinflußt wurden.





I. Situation des Fremdsprachenunterrichts



Schon in seinen erziehungstheorethischen Passagen in " Mein Kampf" hatte Adolf Hitler unter anderem propagiert, daß es nicht einzusehen sei " warum Millionen von Menschen im Laufe der Jahre zwei oder drei fremde Sprachen lernen müssen, die sie zu dann nur zu einem Bruchteil verwerten können und deshalb auch in der Mehrzahl wieder vollkommen vergessen."[1] Auch andere Politiker im Ministerium für Bildung und hohe Funktionäre des NSLB vertraten ähnliche Pläne.

In den ersten Jahren nach 1933 vertrat z.B. auch der Ministerialrat Rudolf Benze  (gleichzeitig ein hoher Funktionär des Nationalsozialistischen Deutschen Lehrerbundes), der im Ministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung mit der geplanten Schulreform betraut war, daß eine erhebliche Reduzierung des neusprachlichen Unterrichts durchzusetzen sei.


In den folgenden Jahren wurden keine konkreten Pläne über eine Schulreform erstellt, so daß es keine konkrete Neukonzeption des Fremdsprachenunterrichts gab. Nur in zwei Erlassen zur "Vererbungslehre und Rassenkunde (15.1.1935)" und zur "Pflege der Luftfahrt (17.11.1934)" wurden auch die neusprachlichen Fächer mit eingebunden.


Konkrete Vorstellungen wurden nur in den Fachzeitschriften der Neuphilologen dargestellt, die Bedeutung der Fremdsprachen wurde betont, da :


- nur "über ein Verständnis der englischen, ., Mutter- und Kolonialländer Deutschlands Weg in die Welt, der Kampf um Weltbedeutung mit dem schicksalsmäßigen Rivalen erfolgreich sein könne"


- "nur die genaue Kenntnis der fremden Völker vor einer falschen Beurteilung der Weltlage und dem verkehrten Einsatz der Kräfte schütze."[5]


Die Inhalte der Englandkunde knüpften an die Kulturkunde der zwanziger Jahre an, deren Ziel das Erkennen von Wesen und Charakter des englischen Volkes war, damit der Schüler die eigene Nation um so deutlicher erkennen und zu schätzen wisse.


Im Jahr 1938 erschienen die neuen Rahmenpläne für den Fremdsprachenunterricht, und hier nimmt der Englischunterricht eine zentrale Rolle ein; im selben Jahr erschien ein "Lehrbuch für Lehrer" in dem die Ziele des Unterrichts noch einmal verdeutlicht werden.

So galt das englische Volk auch als Vorbild für das eigene Volk, die Rasseverwandtschaft aufgrund der gemeinsamen germanischen Herkunft wird immer wieder betont, aber vor allem werden die Ergebnisse der englischen Kolonialpolitik (Empire) immer wieder als Beispiel für die Überlegenheit des nordischen Volkes angeführt.[7]


Neben diesen politischen Beeinflussungen war weiterhin das Hauptziel  die " angemessene Beherrschung der Umgangssprache", die sogar den hohen Standard der Ziele des preußischen Lehrplans von 1925 übertraf.


Als entscheidende Neuerungen für den Unterricht der Oberstufe ist die Einbeziehung der rassekundlichen Betrachtungsweise von Sprache, Kultur und Geschichte, und die Ausweitung der Themengebiete auf die außenpolitische Forderungen des NS Staates "Kolonien, Lebensraum, ,Betonung des Deutschtums innerhalb der Amerikakunde" zu sehen.[9]


Während des Krieges wurde dann das Feindbild England auch im Unterricht verdeutlicht, so wurden dann vor allem die Niedergangserscheinungen und schwachen Führer als negatives Vorbild angegeben.[10]

Die Auswirkungen der Lehrpläne sollte jedoch nicht überschätzt werden, da nach Kriegsbeginn ein eher negatives Englandbild gefordert war, und durch die Kriegseinwirkungen ein systematischer Unterricht nicht immer gewährleistet war.



II. Politische Beeinflussung der Lehrbücher



Wie schon in den Richtlinien und Erlassen, so ist auch bei der Lehrbuch- oder Lektürefrage in den ersten Jahren der NS - Zeit keine entscheidende Beeinflussung durch den Staat zu erkennen; neue Lehrbücher für die Sexta gab es erst zum Schuljahr 1937/38, Oberstufenbücher kamen erst Ende 1942 an die Schulen. Daher wurden auch noch lange Jahre die Lehrbücher der Weimarer Zeit in Gebrauch, wenn auch zum Teil in veränderter Form.

In der Auftragserteilung des Erziehungsministeriums an die Verlage ist lediglich von einer nationalpolitischen Zielsetzung die Rede.

Daher gibt es bei den zehn zugelassenen Werke auch im Inhalt recht große Unterschiede.[11]


Das "Lehrbuch der englischen Sprache" von Gustav Schad (Diesterweg Verlag)bedient sich unpolitische Anfangsstoffe, aber schon im Vorwort werden einige Ziele recht deutlich : "Die Aufgabe der höheren Knabenschule unserer Zeit ist die Erziehung ihrer Schüler zu bewußt deutsch fühlenden, deutsch denkenden und handelnden politischen Männern.,, Die Beschäftigung mit englischem Wesen, englischer Sprache, Kultur und Literatur, die auf weiten Strecken Ausdruck nordisch-germanischer Geisteshaltung sind, liefert wertvolle Beiträge zur Formung des deutschen Menschen.,, Der englische Charakter ist in vielen Zügen unserem deutschen Wesen sehr nahe verwandt,, .

Auch die Behandlung der Züge des englischen Wesens, die von unserer deutschen Art verschieden sind, dienen der Erreichung des obersten Zieles unserer Erziehung. Gerade das Erkennen dieser Andersartigkeit wird zum tieferen, bewußten Erfassen des eigenen Wesens führen. ,,

Eine Durchsicht der Lesestücke wird aber zeigen, daß sie schon unter dem Gesichtspunkt ethischer und nationalpolitischer Wirkung und der Pflege männlich-soldatischen Denkens zusammengestellt sind."[12]

Aber im Vergleich zu anderen Lehrbüchern ist dieses Werk nur recht gering beeinflußt.


Eine ideologische Ausrichtung findet sich eher in "Teubners englischem Unterrichtswerk", da hier auch Lieder, Gedichte oder Landschaftsbeschreibungen als für den Erziehungsauftrag nutzlos abgelehnt werden.

In diesem Buch fällt vor allem der Bereich der Boy-Scout Bewegung auf, da immer wieder Vergleiche mit der HJ gezogen werden.[13]


Das Lehrbuch "Englisch für die Deutsche Jugend" von Alfred Bernhard geht dabei am radikalsten vor, in Texten wird immer wieder auf die rassischen Merkmale der Siedlungspolitik und die welpolitische Bedeutung des Empires  hingewiesen (Siehe Anhang).


Die Mittelstufenbücher weisen keine all zu großen Unterschiede auf, da auch erst in den Schuljahren 1937/38, bzw., 1939/40 neue Lehrbücher für

die Unter/Mittelstufe vorlagen. Die Oberstufenbände die ab 1942 zugelassen waren, vertreten dann schon wieder das feindliche Englandbild, jedoch wurden diese Bücher auch nur noch in Ausnahmefällen im Unterricht benutzt.[14]



Als Zusammenfassung kann gesagt werden, daß der Englischunterricht auch im "Dritten Reich" ein wichtiges Fach war (das mit mehr Wochenstunden an der Oberschule für Jungen sogar noch über dem Kernfach Deutsch lag), wobei der Unterrichtsalltag zwar teilweise durch die Rahmenpläne politisch geprägt war, jedoch hielt sich dies aus den schon erwähnten Gründen in Grenzen, zumal auch mit Kriegsausbruch das Fach Englisch immer weiter zurückgedrängt wurde, und von 1943 an nur noch unterrichtet werden sollte, wenn die Versorgung mit den führenden Unterrichtsfächern (Deutsch, Mathematik, Naturwissenschaften) gesichert war.[15]


Im Anhang sind noch einige Kopien aus Lehrbüchern angefügt.





Anhang


Literaturverzeichnis



Marie Duve, Karl Kreter, The New Guide - Englisches Unterrichtswerk für Jungen- und Mädchenmittelschulen, Neubearbeitung Frankfurt 1942



Paul Jäger, Alfred Thoran, Rudolf Wapler, Starting Englisch - Unterrichtsgang der englischen Sprache für Handels-, Wirtschafts- und Aufbauschulen, Leipzig 1939



Reiner Lehberger, Neusprachlicher Unterricht in der NS-Zeit. Rahmenbedingungen, Vorgaben und Unterrichtswirklichkeit unter besonderer Berücksichtigung des Englischunterrichts an höheren Schulen, : in Reinhard Diethmar(Hrsg.), Schule und Unterricht im Dritten Reich, Neuwied 1989



W.L.Wood, Gustav Schad, Lehrbuch der englischen Sprache für Oberschulen für Jungen Ausgabe A, Erster Teil, 3. Auflage Frankfurt 1939







Adolf Hitler, Mein Kampf, München 1940, S.465 f

Vgl. Reiner Lehberger, Neusprachlicher Unterricht in der NS-Zeit, in : Reinhard Dithmar(Hrsg.), Schule und Unterricht im Dritten Reich, Neuwied 1989, S. 117

Vgl. Reiner Lehberger, Neuwied 1989, S. 118

Reiner Lehberger, Neuwied 1989, S.118

Reiner Lehberger, Neuwied 1989, S.119

Reiner Lehberger, Neuwied 1989, S.119

Vgl. Ausstellung "Wie war das denn, damals; Unsere Schule im Dritten Reich, Arbeitsgemeinschaft Geschichte am Max-Slevogt -Gymnasium, 1990 bis 1992, heute im Stadtarchiv Landau.

Vgl. Reiner Lehberger, Neuwied 1989, S.122

Vgl. Ausstellung "Wie war das denn,damals", Stadtarchiv Landau

Vgl. Ausstellung "Wie war das denn, damals" , Stadtarchiv Landau

Vgl. Reiner Lehberger, Neuwied 1989, S.123f.

W.L.Wood und Dr. Gustav Schad, Lehrbuch der englischen Sprache, 3. Auflage, Frankfurt 1939, S.III

Vgl.Reiner Lehberger, Neuwied 1989, S.124

Vgl.Reiner Lehberger, Neuwied 1989, S.125

Vgl. Reiner Lehberger, Neuwied 1989, S.128






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