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Nationalsozialistische Wirtschaftspolitik und Kriegswirtschaft - NS-Wirtschaft




Nationalsozialistische Wirtschaftspolitik und Kriegswirtschaft

(1933 - 1945)

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S



S.2

Die Grundlinien der Wirtschafts- und Sozialpolitik der Zeit bis 1938

S.3

Die Entwicklung der tatsächlichen Verhältnisse bis 1938

·     Die Arbeitsbeschaffungspolitik (S.3)

·     Die Entwicklung im sekundären Sektor (S.6)

·     Der tertiäre Sektor (S.7)

·     Die Landwirtschaft (S.9)

·     Die Sozialpolitik (S.10)

·     Das öffentliche Finanzwesen (S.11)

S.11

Die Beurteilung der nationalsozialistischen Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik

S.12

Die nationalsozialistische Kriegswirtschaft 1939-1945

·     Kriegskosten und Kriegsfinanzierung (S. 14)

S.15

Das Ergebnis der nationalsozialistischen Herrschaft

S.16

Quellen

S.17

Wichtige Daten zur Wirtschaft im Nationalsozialismus


I. Die Grundlinien der Wirtschafts- und Sozialpolitik in der Zeit bis 1938

Als Grundlinien der Wirtschafts- und Sozialpolitik der Zeit bis 1938 kann man folgende Erscheinungen ansehen, die rechtliche Grundlagen der Gestaltung wurden:

13. September 1933

Reichsnährstandsgesetz: Regelung für die Bereiche Landwirtschaft, Garten- und Weinbau, Fischerei

29. November 1933

Gesetz über den vorläufigen Aufbau des Handwerks: Einführung von Pflichtinnungen und Führerprinzip

20. Januar 1934

Das Gesetz "zur Vorbereitung der nationalen Arbeit" erhebt die DAF zur alleinigen Repräsentantin des "schaffenden Volkes" und überträgt das Führerprinzip auf Betriebe. Der Kern der neuen Ordnung ist die "Betriebsgemeinschaft"

27. Februar 1934

Gesetz zur Vorbereitung des organischen Aufbaus der deutschen Wirtschaft (kurz: Aufbaugesetz): Wirtschaftsverbände als alleinige Repräsentanten des jeweiligen Wirtschaftszweigs, die damit in der nationalsozialistischen Wirtschaftsplanung eine Schlüsselrolle erhielten, und eine Verfeinerung der Organisation der Wirtschaft darstellten.

7. Juli 1936

Der Erlaß des Reichs- und Preußischen Wirtschaftsministers über die Reform der Organisation der gewerblichen Wirtschaft: Stärkere Vereinheitlichung und Übersichtlichkeit der Organisation der Wirtschaft.

Der materielle Inhalt der rechtlichen Grundlage und des Willens der Partei war:

·     Die Gliederung der Wirtschaft in Verbände, welche alleinige Vertreter der Unternehmen im Staat waren und im Rahmen des Führerprinzips die Bindeglieder zwischen Unternehmen und Staat bilden sollten

·     Der Reichswirtschaftsminister berief die Führer der Verbände ab, d.h. das Verbändesystem war nicht demokratisch

·     Sämtliche Unternehmer wurden in die Befehlshierachie eingegliedert

·     Die Kammern, als bisherige Organe einer teilweisen Selbstverwaltung blieben bestehen, da sie als Behörden nur schwer in die Befehlsstruktur eingebaut werden konnten

Zum  Aufbau der Wirtschaft läßt sich folgendes sagen: Die Gliederung enthielt mit den Reichs- und Wirtschaftsgruppen (Verbände) die fachliche Ordnung und mit den Kammern die regionale Ordnung. Außerdem gab es im Laufe der Jahre einige Anderungen, so wurden z.B. die Industrie- und Handelskammern, sowie die Bezirksgruppen in die Bezirkswirstschaftskammern aufgenommen. In Beiräten waren die Querverbindungen zu den Gemeinden und dem Reichsnährstand hergestellt. Die gleichzeitige Organisation der Arbeitnehmer in der Deutschen Arbeitsfront (DAF) führte auch im Bereich der Arbeitsverfassung zur Beseitigung der Tarifvertragsfreiheit, der Streiks und der Aussperrung.


Diese "gebundene Wirtschaft" sollte sich auf Eingriffe des Staates nach den Zielen der NSDAP, insbesondere hinsichtlich der Rüstungspolitik, auf Preise, Löhne und Produktionsvolumen beschränken und die Entscheidungen nicht vollends nach oben verlegen. So wurde wegen der Notwendigkeit der Kriegswirtschaft erst 1942 die Planwirtschaft eingeführt. Doch galt der Grundsatz der persönlichen Verantwortung, den das Eigentum an Produktionsmitteln lag in privater Hand: "Gemeinnutz geht vor Eigennutz". 

Für die Einordnung und Beurteilung  der nationalsozialistischen  Wirtschafts- und Sozialpolitik wurden folgende Faktoren entscheidend:

·     Die Hervorhebung des Berufsstandes: "Der Stand wird also Sachwalter der Rechtmäßigkeit der seiner Führung unterstellten wirtschaftlichen Selbstverwaltung" (Hans Merkel, 1935)

·     Die Bereitwilligkeit der Mehrzahl an Personen, sich in die neue Ordnung einzufügen, also die Machtausübung der NSDAP zu unterstützen, wobei die finanziellen Hilfen für die NSDAP  vor allem aus kleinen Einzelspenden und Spenden der mittleren Unternehmen kamen


Versucht man, die Wirtschaftsordnung der Nationalsozialisten mit einem Begriff zu bezeichnen, dann könnte man auf die Organisation der Stände als Grundeinheiten beruflicher und sozialer Großgruppen abzielen, aber auch darauf, daß durch das Führerprinzip die demokratische Verfassung ausgeschlossen wurde. Entscheidend aber war die Tatsache einer Ordnung eigener Art. Im übrigen muß bedacht werden, daß für Adolf Hitler nicht die Verwirklichung einer irgendwann einmal für richtig gehaltenen Wirtschafts- und Sozialordnung das angestrebte Ziel war, sondern die Ausdehnung der Macht:

·      Die Wirtschaft hatte die Machtmittel (Rüstung) bereitzustellen

·      Die Nation war eine Idee, die Hitler helfen sollte, einen Machtanspruch zu formulieren und Macht auszuüben.

Im Prinzip lebte der Nationalsozialismus fast bis zum Ende des Krieges

·      von der Bereitwilligkeit breiter Bevölkerungsschichten die allgemeine Entwicklung mindestens zu tolerieren (Mitläuferproblem, insbesondere in der Beamtenschaft) und

·      von der Improvisation, die zahlreiche Planungslücken und Fehlplanungen unschädlich machte.

Die Diktatur ließ dem einzelnen zum beiderseitigen Vorteil häufig einen großen Freiraum.

II. Die Entwicklung der tatsächlichen Verhältnisse bis 1938

 

Die Arbeitsbeschaffungspolitik

Zum Zeitpunkt der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten bestanden schon einige Vorarbeiten für die Arbeitsbeschaffung, darüber hinaus waren unter den Vorgängern Hitlers (Papen und Schleicher) bereits einige Maßnahmen begonnen worden. Dadurch wurde es der NSDAP innerhalb kürzester Zeig möglich, der Konjunktur einen entscheidenden Impuls zu geben. Zudem hatte auch die NSDAP im Juli 1932 das sogenannte Strassersche Sofortprogramm angekündigt, das nach dem Austritt Strassers aus der Partei im Dezember 1932 als "Das nationalsozialistische Arbeitsbeschaffungsprogramm und seine Finanzierung" bezeichnet wurde, welches die wichtigsten Elemente einer Arbeitsbeschaffungspolitik aufzeichnete.


Propagandagrundsätze sollten diese Maßnahmen als erforderlich und die Geldwertstabilität schmackhaft machen: "Arbeitslosigkeit bringt Not. Arbeit schafft Brot", "Nicht Kapital schafft Arbeit, Arbeit schafft Kapital". Die Beseitigung der Arbeitslosigkeit wurde als der Schlüssel für die Überwindung der Krise angesehen

Die Finanzierung der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen erfolgte:

·     zu einem Viertel aus eingesparten Unterstützungen

·     zur Hälfte durch den gegenwärtigen Einsatz künftiger, durch die zunehmende wirtschaftliche Aktivität steigende, Steuereinnahmen

·     zu einem Viertel durch "produktive Kreditschöpfung"

Das erste einschlägige Gesetz war in Deutschland das Gesetz zur Aufhebung der Kraftfahrzeugsteuer. Die Wirkungsmöglichkeit war eine doppelte:

·     Die Erhöhung der Nachfrage nach Automobilen sollte die Produktion ausdehnen

·     Die Gründung der "Reichsautobahnen" (27. Juni 1933) und deren Weiterführung konnte mit der Ausdehnung der Automobilproduktion in enge Verbindung gebracht werden.

Erst am 1. Juni 1933, d.h. vier Monate nach der Machtübernahme, kam das "Erste Gesetz zur Verminderung der Arbeitslosigkeit", das sogenannte Reinhardt-Programm, benannt nach dem Staatssekretär im Reichsministerium Fritz Reinhardt. Dem Reichsfinanzminister hatte damit die Möglichkeit, kurzfristige Kredite zur Arbeitsbeschaffung - meistens durch Einschaltung der bereits 1930 gegründeten Gesellschaft für öffentliche Arbeiten - in Höhe von 1 Milliarde RM aufzunehmen.

Zur Vielzahl der nationalsozialistischen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen gehörten:

·      Abschaffung der Kraftfahrzeugsteuer (10. April 1933)

·      Erstes Gesetz zur Verminderung der Arbeitslosigkeit vom 1. Juni 1933 (Ergänzung am 1. September 1933)

·      Gesetz über die Errichtung des Unternehmens Reichsautobahnen (27. Juni 1933)

·      Gebäudeinstandsetzungsgesetz (21. September 1933)

·      Steuersenkungen für Wohnungsbau und Landwirtschaft (21. September 1933)

·      Einführung der allgemeinen Wehrpflicht (16. März 1935)

Die Höhe der für diese Maßnahmen aufgebrachten Mittel in Form von

·      Krediten

·      Steuersenkungen oder -erlassen

·      direkten Unterstützungen (verlorene Zuschüsse)



wird  in den ersten beiden Kalenderjahren meistens mit 5 Millionen RM und mehr angegeben.

Unsicherheiten beruhen auf folgenden Faktoren:

·      Es kann nicht immer zwischen Arbeitsbeschaffungs- und Aufrüstungsfinanzierung unterschieden werden

·      Die Finanzierung über staatseigene Einrichtungen verwischte die Übersicht

·     Die Steuerausfälle durch Steuererlaß und Steuerstundungen sind nicht immer exakt registriert worden.


Die Maßnahmen zur Verminderung der Arbeitslosigkeit lassen sich folgendermaßen untergliedern: 30.05.1997

·     Ausbau des Eisenbahnnetzes: 1 Mrd. RM

·     Wohnungsbau: 2,5 Mrd. RM

·     Autobahnbau: 2,5 bis 3 Mrd. RM

·     Landeskulturelle Maßnahmen: 1,5 Mrd. RM

·     Militärausgaben: ca. 60 Mrd. RM

Im ersten Jahr nach der Machtübernahme standen zwar die zivilen Ausgaben noch im Vordergrund, die Militärausgaben überstiegen aber bereits 1934 die Zivilausgaben beträchtlich. Die Zahl der Beschäftigten und Arbeitslosen entwickelte sich folgendermaßen:

Jahr

1932

1933

1934

1935

Arbeitslose

5,2 Mio.

4,1 Mio.

3,4 Mio.

1,7 Mio.

Arbeitnehmer

12,8 Mio.

14,1 Mio.

15,9 Mio.

17,1 Mio.

Die Beurteilung der nationalsozialistischen Arbeitsbeschaffungspolitik erfolgte durch die Zeitgenossen unter folgenden Gesichtspunkten:

·     1935 hatte die Arbeitslosenzahl im August mit 1,7 Millionen eine Stufe erreicht, die vergleichbar mit den sogenannten Goldenen Zwanzigern war

·     in einigen Berufzweigen trat bereits 1935 ein spürbarer Mangel an Fachkräften auf (vor allem in der Metallverarbeitung), was darauf hindeute, daß bald die Grenzen des Arbeitsmarkts erreicht sein würden.

Im ganzen läßt sich sagen:

·     Die Grundsätzliche Art der Wirtschaftsbelebung durch Neuverschuldung war richtig

·     Die Ausdehnung dieser Methode über die Erreichung der Vollbeschäftigung im Jahre 1937 hinaus war für den Bestand der Währung gefährlich und konnte nur durch eine Festlegung der Preise und Löhne neutralisiert werden

·     Die Finanzierung der Rüstungsausgaben machte die Arbeitsbeschaffung unsolide, da die Reduzierung der Staatsschulden dadurch nicht mehr möglich war und die Anhäufung der Rüstungsgüter zwangsweise in die Katastrophe des zweiten Weltkriegs führte


Die Entwicklung im sekundären Sektor

Da der sekundäre Sektor in der Weltwirtschaftskrise am stärksten geschrumpft war, hatte er im folgenden konjunkturellen Aufschwung die günstigste Ausgangsbasis. Gemessen an der Zahl der Beschäftigten wuchsen die einzelnen Branchen des sekundären Sektors:

Metallgewerbe

+ 207

Baugewerbe

+ 226

Steine, Erden, Chemie

+ 132

Elektro, Optik, Feinmechanik

+ 140

Textil, Bekleidung, Leder

+ 54

Holz, Druck, Papier

+ 63

Nahrungsmittelgewerbe

+ 27

Bergbau

+ 84

Gewerbe insgesamt

+ 106

Von der privaten Nachfrage gingen dabei keine wesentlichen Impulse für die konjunkturelle Entwicklung aus.  Die Konjunktur wurde im gewerblichen Bereich überwiegend durch die Wiederaufrüstung getragen.

Im Rahmen der Autarkiepolitik wurde:

·     der Ausbau derjenigen Branchen bevorzugt gefördert, mit deren Hilfe Einfuhren aus dem Ausland ersetzt werden konnten

·     Darüber hinaus wurden neue industrielle Standorte eingerichtet, um die Anfälligkeit der Wirtschaft gegen gewaltsame Eingriffe von außen zu vermindern

Im einzelnen sind darunter zu verstehen:

·     Der Ausbau der Industrie in Mitteldeutschland, vor allem in den Zweigen Chemische Industrie, Fahrzeugindustrie und Flugzeugbau; wegen der strategisch günstigen Lage der vorhandenen Bodenschätze: Eisenerz, Kali und Braunkohle

·     Ausbau der Industriegebiete in Österreich, wegen der großen Entfernung zu englischen Flugplätzen

Nicht gedeckt werden konnte aber trotz aller Anstrengungen der Bedarf an:

·     Speziellen Rohstoffen (Mangan, Chrom, Nickel, Wolfram)

·     Spezialmetallen (Eisenerz, Aluminium, Kupfer, teilweise Zink)

·     Treibstoffen

·     biologischen Rohstoffen (Wolle, Flachs, Leder)


Insgesamt war der sekundäre Sektor:

·     fast völlig in die nationalsozialistische Politik eingefügt, was vor allem die Rüstungsaufträge und die Autarkiepolitik betrifft

·     es bestand aber auch eine umfangreiche Aktivität seitens Industrieller, die mindestens zeitweise die NSDAP und deren Politik finanziell und auf andere Weise unterstützten.

·     zudem wurden die bestehenden Zusammenschlüsse innerhalb des sekundären Sektors (Kartelle, Konzerne, Verbände und Kammern) als wichtige Ansatzpunkte für die Organisation der Industrie genutzt.

Die enge Verbindung von Industrie und Nationalsozialismus war aber nicht Ausdruck einer einheitlichen und übereinstimmenden Konzeption des einzuschlagenden, politischen Weges. Die Nationalsozialisten waren auf die zustimmende Haltung der Industrie angewiesen und nutzten diese durch entsprechende Zusagen aus, die Industrie glaubte hingegen, die Nationalsozialisten für die eigenen Interessen einspannen zu können, die auch in der Industrie vorhandenen Gegenkräfte waren zu schwach oder zu wenig intensiv in ihren Bemühungen.

Der tertiäre Sektor

Auch der Dienstleistungssektor war in starkem Maße in die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik eingeordnet.

Der Binnenhandel wurde zur Unterstützung der Autarkiebestrebungen herangezogen:

·     Beeinflussung der Verbrauchsstruktur, z.B. Propagierung des Verbrauches von inländischen Produkten, die relativ reichlich vorhanden waren (Zucker: "Eßt mehr Zucker, Zucker nährt, Zucker sparen grundverkehrt")

·     Regelung des Einzelhandels und der Preise durch Marktordnungen usw.

Der Außenhandel, der für das industrialisierte Deutschland bereits vor dem ersten Weltkrieg eine große Bedeutung erlangt hatte, konnte dieses Ausmaß auch nach der Überwindung der Weltwirtschaftskrise nicht wieder erhalten.

Während die Eisenbahnen keine besonderen Aspekte aufzuweisen hatten, wurde der Straßenverkehr durch die Nationalsozialisten vorrangig gefördert. Bis zum Beginn des  Zweiten Weltkrieges wurden in Deutschland insgesamt 2.100 km Autobahnen fertiggestellt.

·     Die Anzahl der Personenwagen nahm von 0,5 Millionen auf 1,4 Millionen und die Anzahl der Lastkraftwagen von 0,15 Millionen auf 0,4 Millionen zu, fast eine Verdreifachung des Anfangsbestands

·     Die Eisenbahnen erhielten zwar im Zusammenhang mit den Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen ebenfalls neue Impulse, ein Ausbau des Streckennetzes erfolgte jedoch nicht mehr

·     Die Schiffahrt nahm, da auch der Außenhandel nicht zunahm, nur geringfügig zu


Aus verschiedenen Gründen versuchten die Nationalsozialisten auch das Geld- und Bankwesen in ihre Herrschaftsstrukturen einzugliedern. Im wesentlichen kam es zu folgenden Anderungen:

·     Durch Gesetz vom 27. Oktober 1933 wurde das Reichsbankgesetz vom 30. August 1924 geändert: Neben Gold, Devisen, Wechseln und Schecks konnte die Reichsbank nunmehr auch Schuldverschreibungen des Reiches, der Städte und der Bodenkreditbanken sowie Lombardforderungen entgegennehmen. Dies bedeutete eine erhebliche Ausdehnung der Geldbeschaffungsmöglichkeiten der Wirtschaft und der öffentlichen Hand, meistens über Banken

·     Durch Gesetz vom 12. Februar 1937 wurde die Selbständigkeit der Reichsbank beseitigt. Sie wurde unmittelbar dem (Führer und) Reichskanzler unterstellt.

Durch beide Maßnahmen wurde auch rechtlich die Bereitschaft der Reichsbankführung (seit 2. Februar 1933 Hjalmar Schacht; ursprünglich DDP, ein Vertrauensmann Hitlers, der Großindustrie und der internationalen Bankenwelt) zur Finanzierung der Arbeitsbeschaffung und der Rüstung abgesichert. Neben der Reichsbank wurde auch der übrige Teil des Bankensystems von den neuen Regelungen betroffen:

·     Im September 1933 wurde ein "Untersuchungsausschuß für das Bankwesen" eingesetzt. Er sollte die wichtigsten Voraussetzungen für den "ständischen Aufbau" des Bankensystems und die Ausschaltung des jüdischen Einflusses sorgen

·     Das Kreditwesengesetz vom 5. Dezember 1934 erweiterte die 1931 eingeführte Bankenaufsicht

Mit diesen Maßnahmen waren die wichtigsten Maßnahmen geschaffen worden für:

·     eine Vermehrung des Geldes (zur Finanzierung der NS-Vorhaben)

·     eine vorübergehend mögliche Vertuschung der Finanzierung unrentabler (Rüstungs-)  Projekte

·     eine zunehmende staatliche Verschuldung




Die Verwaltung erfuhr eine zunehmende Ausdehnung, weil die allgemeine und die spezielle Verwaltung des Staates durch die Wirtschaft und die Gesellschaft neue Arbeitsplätze schuf

Insgesamt kann man davon ausgehen, daß die Zahl der unproduktiv eingesetzten Personen, wie in jeder zur Planung angelegten Verwaltung, erheblich zunahm. Das Widersprüchliche hieran war aber:

·     die durchgehend vorhandene Doppelgleisigkeit von umfangreichen Mitarbeiterstäben in Verwaltung und Partei, nicht selten auch noch in den Verbänden

·     die weitgehend unrealistische Planung und die Improvisation, die Belassung von Einzelinitiativen für eben diese Improvisationen.

Die Wehrmacht nahm rein zahlenmäßig sogar eine noch größere Zahl von Arbeitskräften auf. Der Personalbestand entwickelte sich folgendermaßen:

1932 = 145.000

1935 = 1.000.000

1938 = 1.400.000


Die Landwirtschaft

Die Agrarpolitik der Nationalsozialisten war:

·     ein Teil der Wirtschaftspolitik, die auf Autarkie ausgerichtet war, aber auch

·     ein Teil der ideologiebestimmten gesellschaftlichen Gesellschaftspolitik (Förderung des Mittelstandes, der kleinen selbständigen Wirtschaftseinheiten)

Die "Blut- und Boden-" Politik enthielt demnach die beiden Komponenten:

·     die Förderung des Bauerntums als der wichtigsten biologischen Grundlage für einen gesunden Volkskörper (auf arischer Basis)

·     die Steigerung der Produktion zur Ernährung des Volkes

Für die "Schaffung eines "gesunden Bauerntums" wurden zwei Wege beschritten:

·     die bestehenden bäuerlichen Betriebe sollten mit Hilfe des am 29. September 1933 erlassenen Reichserhofgesetzes vor dem Übergang in familienfremde Hände gesichert werden, alle Höfe von 7,5 bis 125 ha Nutzfläche wurden registriert

·     die Vermehrung der bäuerlichen Wirtschaften sollte in Fortsetzung der aufgrund des Reichssiedlungsgesetzes vorgenommenen ländlichen Siedlung erfolgen.

Der Produktion- und Absatzbereich für Nahrungsmittel wurde durch die Gründung des "Reichsnährstandes" mit Gesetz vom 13. September 1933 in die nationalsozialistische Politik einbezogen:

·     Der Reichsnährstand umfaßte mit den Erzeugern, den Be-, und Verarbeitern von landwirtschaftlichen Produkten, ferner dem Handel den gesamten Bereich als wichtige Voraussetzung für die spätere Kriegswirtschaft

·     Die vertikale Gliederung in Landes-, Kreis- und Ortsbauernschaften wurde durch eine horizontale Gliederung in drei Hauptabteilungen (Der Mensch, Der Hof, Der Markt) ergänzt. Die Abteilung "Der Hof" versuchte über die sogenannte Hofkarte d.h. eine Produktionsübersicht, die Produktionswünsche der Regierung in der "Erzeugungsschlacht" durchzusetzen. Die Abteilung "Der Markt" bediente sich der ab 1934 gegründeten "Hauptvereinigungen" (für Getreide, Viehwirtschaft, usw.), um die Erfassung und Verteilung zu steuern, wobei hier neben den Mengen auch Einfluß auf die Preise genommen wurde (Preisfestsetzung).

Die Bemühungen zur Steigerung der Produktion waren vielfältig, durch die intensivere Nutzung von vorhandenen Flächen, Übergang zu ertragreichen Früchten (Zuckerrübe), Senkung der Düngemittelpreise und Ausdehnung der landwirtschaftlichen Beratung. Trotzdem war das Ergebnis dieser Bemühungen recht mager, da die Landwirtschaft von 1933 bis 1939 lediglich um 10% anwuchs.

Die Produktionsausdehnung wurde ab 1933 begleitet durch die Propagierung einiger bisher völlig unrentabler Produkte, die insbesondere unter dem Gesichtspunkt der weitgehenden Autarkie gefördert wurden:

·     die Flachsproduktion stieg von 2.000 (1933) auf 28.000t (1939)

·     die Zahl der Schafe stieg von 3,5 Millionen auf 5,5 Millionen

die Produktion an pflanzlichem Öl stieg innerhalb von fünf Jahren von 4.000 auf 45.000t


 

Die Sozialpolitik

Der Kern der nationalsozialistischen Sozialpolitik sollte die Schaffung einer Einheitsversicherung sein:

·     jeder Arbeitnehmer sollte hinsichtlich aller Risiken in einer Versicherung sein

·     der Arbeitgeberanteil sollte bei einer gleichzeitigen Lohnerhöhung von 8% abgeschafft werden

·     die Versicherung sollte möglichst breiten Schichten geöffnet werden

·     nicht ein bestimmtes Alter, sondern die Arbeitsunfähigkeit sollte für den Beginn von Rentenzahlungen entscheidend sein. Das Volk sollte nicht "zu einem Rentnervolk" erzogen werden

Diese Pläne wurden 1935 konkret formuliert, jedoch nicht verwirklicht. Die sozialpolitischen Maßnahmen der Nationalsozialisten lassen sich in drei Gruppen gliedern:

·     die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen sollten die Lage der ohne oder nur mit geringem Einkommen ausgestatteten Familien verbessern

·     die gesetzliche Sozialversicherung wurde in einigen Punkten verbessert, aber nicht grundlegend geändert

·     Durch Gesetz vom 29. Dezember 1938 wurde die Altersversorgung für das Handwerk eingeführt. Wahlmöglichkeit für den einzelnen Handwerker zwischen Versicherung bei einer öffentlichen oder privaten Lebensversicherung oder bei der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte

Infolge der Arbeitsbeschaffung, ging die Zahl der von den Bezirksfürsorgeverbänden betreuten Personen von fast 5 Millionen 1932/1933 auf 1,7 Millionen im Herbst 1937 zurück.

Das Winterhilfswerk und die NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) standen völlig unter dem Einfluß der NSDAP und sollten die soziale Komponente der Partei hervorheben. Zur NS-Sozialpolitik ist aber auch zu zählen:

·     die Aufhebung der Gewerkschaften und der Arbeitgeberverbände

·     die Schaffung der Deutschen Arbeitsfront (DAF) am 10. Mai 1933 als faktische Zwangsvereinigung aller Beschäftigten (1936: etwa 20 Millionen Mitglieder), der "Bildung einer wirklichen Volks- und Leistungsgemeinschaft (Verordnung vom 24. Oktober 1934), vor allem durch die Beseitigung des Streikrechts, sowie die Einordnung jedes Deutschen an einem "Platz im wirtschaftlichen Leben", wo er "zur höchsten Leistung befähigt (ist) und damit den größten Nutzen für die Volksgemeinschaft gewährleistet"

Da die DAF zugleich eine Gliederung der Partei und mit staatlichen Aufgaben betraut war, entsprach sie dem in der Einheit von Partei und Staat begründeten Totalitätsanspruch.

Die sozialen Verhältnisse, insbesondere die Sozialstrukturen änderten sich über die Arbeitsbeschaffung hinaus nicht entscheidend.


Das öffentliche Finanzwesen

Das öffentliche Finanzwesen in den Jahren 1933 bis 1939 war durch eine zunehmende Staatsverschuldung gekennzeichnet. Bis zum Jahre 1938 wurde der überwiegende Teil der Neuverschuldungen über die Mefo-Wechsel finanziert. Gerade diese Schulden waren durch Militärausgaben bestimmt. Der enge Zusammenhang zwischen den Mefo-Wechseln und der Finanzierung der Rüstung wird auch daraus deutlich , daß Rüstungsproduzenten die Gesellschafter der Metallurgischen Forschungsanstalt GmbH waren: Krupp, Rheinmetall, Siemens und Deutsche Werke.

Insgesamt wurden vom Reich 105 Milliarden RM ausgegeben, davon etwa 60 Milliarden RM für militärische Zwecke, welche sich wie folgt unterteilen lassen:

·     20 Milliarden RM aus Steuermehreinnahmen

·     12 Milliarden RM aus Einnahmen von Bahn, Post, Reichsbank und anderen erwerbswirtschaftlichen Quellen

·     28 Milliarden RM durch Erhöhung der Nettoneuverschuldung

Gerade die Tatsache, daß mit der zunehmenden Ankurbelung der Wirtschaft ab 1933 die Steuereinnahmen des Reichs von 6 Milliarden RM auf 18 Milliarden RM im Jahre 1938 angestiegen sind, zeigt, daß die Form der Mittelbeschaffung insbesondere durch die Arbeitsbeschaffung bis zu diesem Zeitpunkt gerechtfertigt war. Doch die Verwendung dieser Mittel zu Rüstungszwecken, macht die NS-Wirtschafts- und Finanzierungspolitik verwerflich.

III. Die Beurteilung der nationalsozialistischen Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik

 

Vergleicht man die  Politik der Nationalsozialisten bis zum Kriegsbeginn mit dem vor der Machtergreifung bestehenden Parteiprogramm, dann kommt man zu folgendem Ergebnis:

·     die im 25-Punkte-Programm stehenden Ziele wurden im wesentlichen nicht erreicht

·     die aber im 25-Punkte-Programm ebenfalls enthaltenen antisemitischen und hegemonialen Vorstellungen wurden in einer Weise verwirklicht, die zuvor allenfalls als Befürchtung vermutet werden konnte

·     die Finanzierung der Rüstung durch eine Erhöhung der Staatsverschuldung brachte die Wirtschaft in ein nur noch mit drastischen Maßnahmen einhaltbares Gleichgewicht (Nachfrageüberhang)

·     die antisemitischen Auswüchse (bis nach Auschwitz) nahmen seit der sogenannten Kristallnacht 1938 zum erstenmal Formen an, die auch die letzten Zweifel an der eingeschlagenen Linie beseitigten oder wenigstens hätten beseitigen sollen


Man handelte im Bereich der Wirtschaft recht sporadisch und improvisierend. So wurden Wirtschaftspläne aufgestellt, die sich aber mehr an den Rüstungs- und Autarkiewünschen Hitlers als grundlegenden und abgesicherten Berechnungen ausrichteten. Dies zeigt sich auch daran, daß der erste Vierjahresplan (1933-1937) bereits vor seinem Ende durch den zweiten Vierjahresplan (1936-1940) abgelöst wurde. Auch der zweite Vierjahresplan  wurde dann nicht mehr voll durchgeführt. Die Arbeitsbeschaffung war anfangs ein wichtiges mittel zur psychologischen Unterstützung der "Bewegung", sie wurde aber gleichzeitig und überwiegend, bereits von Anfang an für die Aufrüstung, die sogenannte Wehrhaftmachung des Volkes, und damit für das wichtigste Ziel der Nationalsozialisten eingesetzt.

 

IV. Die nationalsozialistische Kriegswirtschaft 1939 - 1945

 

Die Entwicklung der Produktion

Die Rüstungsproduktion unterschied sich in den ersten Kriegsjahren kaum von der der vorhergehenden Jahre der Wiederaufrüstung. Eine Kriegswirtschaft im eigentlichen Sinn war nicht vorbereitet, sondern "nur" die Organisation der Wirtschaft unter zwei Gesichtspunkten:

·     die Autarkiebestrebungen und -maßnahmen waren eine wichtige Voraussetzung für einen Krieg, der mit einer Handelsblockade Deutschlands verbunden war

·     die Aufrüstung führte dazu, daß die deutsche Wirtschaft am Anfang am weitesten zur Kriegswirtschaft hin entwickelt war

Unter diesen Gesichtspunkten läßt sich folgende Tendenz im Kriege erkennen:

·     zunächst lebte man durch die schnellen Siege, von der vollen Hand

·     Im Herbst 1940 wurde die Luftwaffe durch den sogenannten Kampf um England entscheidend getroffen

·     die Marine hatte ihre großen Verluste 1940 und 1941 bei den Überseeschiffen (Norwegenfeldzug, "Bismarck"-Versenkung) und bei den Unterseebooten 1944 (Radarortung)

·     das Heer hatte die entscheidenden Verluste bei den großen Kesselschlachten vom Juli bis Oktober 1941 in Rußland

·     die Anstrengungen ab 1942 (von Sauckel für den Arbeitseinsatz, von Speer für die Rüstung organisiert) brachten dann eigentlich den Übergang zur Kriegswirtschaft. Trotz der gewaltigen Steigerung der Produktion an Kriegsgütern hinkte man nunmehr immer etwas oder bald sogar stärker hinter den schon 1941 auf volle Touren gekommenen Kriegsanstrengungen der Gegner her

Wie sehr Hitler bereits im Herbst 1941 auf das Ende des Rußlandfeldzugs eingestellt war, ergibt sich daraus, daß:

·     aus dem Ersatzheer Soldaten entlassen wurden

·     die Produktion von Kriegsgütern nicht mehr ausgedehnt wurde


Die Neuorganisation der Wirtschaft als Kriegswirtschaft ab Frühjahr 1942 erfolgte unter folgenden Gesichtspunkten

·     es wurden Ausschüsse gebildet, die für einzelne Kriegsgüter zuständig waren



·     es wurden Ringe gebildet, die für bestimmte Warengattungen (z.B. Zahnräder) zuständig waren

Die Rüstungsproduktion im engeren Sinne umfaßte in Prozent der gesamten industriellen Produktion:

1938 = 7

1939 = 12

1940 =14

1941 = 19

1942 = 26

1943 = 37

1944 = 48

Die industrielle Produktion für den zivilen Bedarf wurde von der Rüstungsproduktion zunächst nicht wesentlich beeinträchtigt, ging aber von 1942 bis 1944 um 30% zurück.

Die Nahrungsmittelproduktion wurde durch folgende Maßnahmen beeinflußt, so daß Ernährungsschwierigkeiten in dem Ausmaße, wie sie im Ersten Weltkrieg aufgetreten waren, vermieden wurden:

·     die Vorratsbildung 1939 mit z.B. 6 Millionen t Brotgetreide und 0,6 Millionen t Nahrungsfett bereits soweit entwickelt, daß verbunden mit schnellen  Bewirtschaftungsmaßnahmen Fehler (wie z.B. Verschwendung) unterblieben

·     die zahlreichen Eroberungen bis zum Herbst 1941 ermöglichte es die Grundversorgung durch Lieferungen aus dem Ausland sicherzustellen

Bis in den Sommer 1944 konnte so eine Ernährung mit täglich fast 2.000 Kalorien aufrechterhalten werden. Erst danach und vor allem in den Jahren 1946 und 1947  sank die Kalorienversorgung aus den Zuteilungen auf einen erheblich und dem erforderlichen Maß von 2.300 Kalorien liegenden Pegel.


Kriegskosten und Kriegsfinanzierung

Die Kosten des Zweiten Weltkrieges lagen mit insgesamt 4 Billionen RM (davon 510 Milliarden RM auf deutscher Seite) und 5 bis 6 Billionen RM indirekte Kriegskosten (z.B. Sachverluste) wesentlich über denen des Ersten Weltkrieges. Die erforderlichen Mittel für die Kriegsausgaben  wurden folgendermaßen aufgebracht:

·     200 Milliarden RM Steuereinnahmen, davon rein rechnerisch 5% für Kriegskosten

·     40 Milliarden RM sonstige Einnahmen aus Post, Bahn, Reichsbank, usw.

·     95 Milliarden RM Kontributionen, Naturalienlieferungen der besetzten Gebiete und "Matrikularbeiträge" der verbündeten Länder

·     350 Milliarden RM Neuverschuldung

Die Neuverschuldung erfolgte "geräuschlos", d.h. die Kapitalsammelstellen erwarben Schuldtitel des Reiches.

Im Ergebnis war ein umfangreicher Nachholbedarf bei der Zivilbevölkerung entstanden. Diesem Nachholbedarf stand die vor allem in den beiden letzten Kriegsjahren wachsende zusätzliche Kaufkraft in Form der bei der Reichsbank befindlichen Schuldtitel gegenüber. Die größte Gefahr mußte aber davon ausgehen, daß bei einem verlorenen Krieg auch der potentielle Kaufkraftüberhang vom Publikum realisiert wurde und die Kapitalsammelstellen gezwungen waren, sich durch Vorlage der Schuldtitel bei der Reichsbank zu refinanzieren.

Während des Krieges versuchte man die hiervon ausgehenden inflazionären Entwicklungen einzudämmen:

·     "Sparfeldzüge" und "eisernes Sparen" sollten die überschüssigen Geldmittel bei den Kapitalsammelstellen zusammenführen

·     Preis- und Lohnfestsetzungen setzten die entsprechende Politik der Währungsstabilisierung der Vorkriegsjahre fort

Insgesamt war damit die Situation im Jahre 1945 keine günstigere als Ende 1918.  Auch jetzt war die Steuerschraube nur geringfügig angezogen worden, auch jetzt vertraute man auf die Finanzierung des Krieges durch Leistungen der Besiegten nach einem erfolgreich beendeten Krieg.


V. Das Ergebnis der nationalsozialistischen Herrschaft

Im Mai 1945 war die Wirtschaft Deutschlands auf einem Tiefpunkt angelangt, der nur mit wenigen Katastrophen früherer Jahrhunderte vergleichbar ist:

·     umfangreiche Gebiete (etwa 25%) wurden von Deutschland abgetrennt

·     die dort lebende Bevölkerung wurde vertrieben

·     das restliche Gebiet wurde in vier Besatzungszonen aufgeteilt, aus denen die Bundesrepublik Deutschland und die DDR hervorgingen

·     mit 8 Millionen Toten hatte das deutsche Volk erhebliche Verluste aufzuweisen

·     die wirtschaftlichen Kapazitäten Deutschlands waren im Durchschnitt auf  70-80% gesunken (im industriellen Bereich auf 30-35%)

·     Verlust an landwirtschaftlicher Nutzfläche von 28%

Ein langwieriger Leidensweg schien den Menschen in Deutschland bevorzustehen.

VI. Quellen:

·     Hermann Schäfer: Wirtschaftsgeschichte der deutschsprachigen Länder (Ploetz, ISBN: 3-87640-345-6)

·     F.-W. Henning: Das industrialisierte Deutschland 1914 bis 1986 6. Auflage (UTB 337 Schöningh, ISBN: 3-506-99393-3)

·    


Wichtige Daten zur Wirtschaft im Nationalsozialismus

2. Februar 1933

Hjalmar Schacht wird Reichsbankspräsident

Anfang April 1933

Gleichschaltung der landschaftlichen Organisationen: "Reichsnährstand"

10. April 1933

Aufhebung der Kraftfahrzeugsteuer zur Ankurbelung der Nachfrage nach Automobilen

Mai 1933

Mit dem "Gesetz zum Schutz des Einzelhandels" wird die Gewerbefreiheit abgeschafft.

Gründung der Metallurgischen Forschungsgesellschaft mbH (Mefo) zur Tarnung der Rüstungsfinanzierung

1. Mai 1933

Erstmals offiziell als Arbeiterfeiertag anerkannt.

10. Mai 1933

Bildung der "Deutschen Arbeiterfront" (DAF) als faktische Zwangsvereinigung von Arbeitern, Angestellten und Unternehmen , der NSDAP angeschlossen und Robert Ley unterstellt.

1. Juni 1933

Erster Reinhardt-Plan sieht Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen vor. Als Ehestandsdarlehen werden Bedarfsdeckungsscheine für Möbel und Hausrat ausgegeben.

23. September 1933

Baubeginn der Reichsautobahn (Frankfurt - Heidelberg)

29. September 1933

Das Reichserbhofgesetz setzt für alle Bauernhöfe von etwa 7,5 bis 12,5 ha die Eigenschaft als "Erbhof" fest, der ungeteilt auf den ältesten Sohn im Erbfall übergeht.

20. Januar 1934

Das "Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit" erhebt die DAF zur alleinigen Repräsentantin des "schaffenden Volks". Der Kern der neuen Ordnung ist die "Betriebsgemeinschaft"

27. Februar 1934

Gesetz "zur Vorbereitung des organischen Aufbaus der deutschen Wirtschaft" erkennt die bestehenden Wirtschaftsverbände als alleinige Vertreter ihrer Wirtschaftszweige an. Einführung des Führerprinzips.

Herbst 1935

Rüstungsausgaben übersteigen erstmals die zivilen Investitionen.

Winter 1936

Das "Winterhilfswerk" der NSDAP veranstaltet erstmals sonntägliche Eintopfessen in Verbindung mit großangelegten Spendenaktionen.

1. April 1938

Ersatz der Mefowechsel durch Lieferschaftsanweisungen des Reiches. "Geräuschlose" Rüstungsfinanzierung durch Zwangsanleihen bei Banken, Sparkassen und anderen Kapitalstellen.

9./10. November 1938

"Reichskristallnacht". Unter dem Vorwand des Ausgleichs wirtschaftlicher Schäden wird den Juden außerdem eine Sondersteuer von 1,12 Mrd. RM aufgebürdet.

Juli 1939

Das kreditpolitische Ermächtigungsgesetz beseitigt endgültig alle institutionellen Kontrollen staatlicher Kredit- und Finanzpolitik.










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