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Naturalismus




NATURALISMUS

(1880 - 1900)

Ziele: Im Naturalismus findet ein vollkommener Bruch mit jeglicher traditioneller Lyrik statt, die Naturalisten wenden sich gegen die Schriftsteller der Gründerzeit (zB Felix Dahn, Paul Heyse, Emanuel Geibel) und deren Repräsentationskunst. Sie bezeichneten sich daher in ihren Anfängen auch gern als Moderne oder Jungdeutsche. Der Naturalismus fordert die Abwendung von aller Konvention, die Umkehr zur rücksichtslosesten Wahrheit. Er will die Natur beschreiben, ohne jegliche Schönfärberei.  Ahnlich einer wissenschaftlichen Studie wird hier mit der rücksichtslosen Wahrheit die Realität beschrieben. Die Naturalisten lehnten alles Metaphysische (alles, was über die Natur hinausgeht wie z. B. Gott, Seele, Unsterblichkeit, Freiheit etc.) und Transzendente (das Übersinnliche, Übernatürliche) ab. Sie verachten das Wirtschaftswunder der Bismack-Ara, welches das Grossbürgertum vermögend machte und das Proletariat verarmen ließ. Sie kämpfen gegen Philistertum (kleinbürgerliche, engstirnige Menschen Spießbürger).



Lage der Bevölkerung: Durch erste Wirtschaftskrisen in den 70ern wird die Lage eines Großteils der Nation immer schlechter, die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer grösser. Die Verstädterung setzt in  Deutschland ein, leben um 1870 noch 36% der Deutschen in Städten sind es 1910 schon 60%. Viele Arbeiter leben unter dem Existenzinimum, viele verdienen gerade das nötigste zum Leben.

Die grossen Städte sind gekennzeichnet von Gegensätzen nebeneinander, so grenzen Prunkvillenviertel an Arbeiterkasernen. Viele junge deutsche Literaten ziehen vom Land in die Städte, um das Elend dort zu erfahren, wissenschaftlich zu studieren und dann zu beschreiben.

Die Schriftsteller: Die naturalistischen Schriftsteller fühlen sich als Rebellen gegen die bestehende gesellschaftliche Ordnung sie beschäftigen sich mit den Schattenseiten menschlicher Existenzen, im Gegensatz zu den Realisten, die eher von der Sonnenseite des Lebens erzählen.

Themen:

·       die Darstellung der Armut

·       Verwahrlosung

·       das  Kinderelend

·       unglückliche Ehen und Ehebruchs

·       die Situation unehelicher Kinder

·       die Ausbeutung on Arbeitern

·       der Alkoholismus

·       Brutalität und Verbrechens

Durch diese Themen der Naturalisten, durch diese Rebellion der Literatur entstehen viele Gegner dieser neuen Kunst, sie bezeichnen sie als "Asphaltliteratur", "reinster Schmutz", "Affentheater" oder als "absolut stinkende Schweinerei".

Diese modernen Schriftsteller wollen mit ihrer objektiven Wiedergabe der Zustände ihrer Zeit das Gewissen der Bürgerlichen aufrütteln, sie wollen eine Veränderung der sozialen Zustände erreichen.

Die naturalistischen Schriftsteller kommen stammen fast alle aus diesem sozialem Umfeld des Bürgertums ab. Mitte der 80er schliessen sie sich in Berlin und München zu literarischen und gesellschaftspolitischen Gruppen zusammen. Heinrich Hart, Julius Hart, Hermann Conradi, Arno Holz, Johannes Schlaf, Hermann Bahr, (später Sprecher des Jungen Wien) Gerhard Hauptmann, Michael Georg Conrad (er bringen ab 1885 die Münchner Monatsschrift "Die Gesellschaft" heraus)

Vorbilder: Da der Durchbruch des Naturalismus in Deutschland es später als in den anderen europäischen Ländern stattfindet, greifen die jungen Literaten auf literarische Vorbilder im Ausland zurück Der Franzose Emile Zola beschreibt in seiner literatur-theoretischen Schrift "Le roman experimental (Der Experimentierroman)" das die Menschen und deren Schicksale durch Vererbung, Rasse und sozialem Milieu vorherbestimmt sind. Einfluss auf Zola und die deutschen Naturalisten hat der britische Forscher Charles Darwin durch seine Studie über "die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl" Er will nachweisen, dass die Evolotion einer strengen Auslese der Besten unterliege.




Emile Zola verlangt von den Romanautoren, die Wirklichkeit wie ein Forscher zu begreifen, die fotographisch genau und ohne psersönliche Anteilnahme beschreiben, die soll mit streng wissenschaftlichen Methoden erfolgen. Im Roman "Germinal" macht er einen Bergarbeiterstreit zum Thema.

Auch der Norweger Henrik Ibsen übt starken Einfluss auf die deutschen Naturalisten aus. Er schrieb das Drama "Gespenster" , in dem ein Sohn von den wilden Gespenstern der Vergangenheit eingeholt wird, und das als erstes Stück auf der Freien Bühne in Berlin aufgeführt wird. Ein weiteres Stück von Ibsen ist "Nora oder Ein Puppenheim". Durch seine analytische Technik - die eigentliche Handlung wird erst im Laufe des Stückes enthüllt - macht er eine schonungslose Zustandsanalyse der bürgerlichen Gesellschaft und entlarvt so Lebenslügen.

Die deutschen Naturalisten bewundern bei Leo Tolstoj und Fjodor Dostojewskij den krassen Realismus und die genaue psychische Durchleuchtung von Komflikten, Hauptmann ließ sich bei seinem Drama "Vor Sonnenaufgang" von Tolstojs Tragödie "die Macht der Finsternis" anregen.

Lyrik:

In der Lyrik ließ sich das Programm des Naturalismus nur schwer verwirklichen, die miesten Lyriker schrieben politische Gedichte in der Tradition der Jungdeutschen und Vormärzdichter. Ein Vertreter ist Karl Henckell, der das Gedicht "Das bejahrte Freudenmädchen" verfasste, das in seiner ersten Phase noch ein Prosatext war und erst später i ein lyrisches Werk umgearbeitet wurde.

Für Arno Holz ist der Rhythmus der Dichtung wichtiger als der Reim, er versuchte eine Revolution der Dichtung, er wollte weg von der liedhaften Dichtung. Nach diesem Gedanke schrieb er den Großstadtzyklus "Phantasus". In diesem Werk, Die Hauptperson Phantasus, ein armer Poet, umgeben von Elend, flüchtet sich in eine bunte Traumwelt. Holz stellt hier die Grossstadt als total negatives dar.

Epik:

Die Freunde Arno Holz und Johannes Schlaf schreiben 1889 gemeinsam Prosastücke im Stil des konsequenten Naturalismus, zb "Papa Hamlet" oder "Ein Tod". Die Titelfigur in Papa Hamlet ist ein arbeitsloser Schauspieler namens Niels Thienwiebel, der unter ärmsten Verhältnissen lebt. Streit, Alkohol und Elend bestimmen das Leben des Ehepaares. Die Hauptperson erwürgt seinen Sohn, weil dieser nicht aufhörte zu schreien.

Nicht nur die Thematik, sondern auch die Sprache des Textes schockierte Zeitgenossen, die Autoren setzten Ausrufzeichen, Gedankenstirche und Punkte gezielt ein, sie versuchen Atempausen, Stammeln und Nebengeräusche konkret wiederzugeben. Ausserdem verwenden sie szenische Darstellung und direkte Reden (daher kann man die Texte von Holz und Schlaf auch als Dialoge mit Regieanweisungen lesen.)

Gerhard Hauptmann, Sohn eines Wirtshausbesitzers, veröffentliche 1887 das bekannte epische Werk "Bahnwärter Thiel. Novellistische Studie aus dem Märkischen Kiefernforst." Der Untertitel soll auf die Zwischenstellung des Textes zwischen der Novellentradition des Realismus und den naturalistischen Studien von Holz/Schlaf hinweisen. Inhalt: Thiel heiratet nach dem Tod seiner ersten Frau die ihn beherrschende Lene. Als sein erstes Kind durch eine Unachtsamkeit von Lene auf die Gleise läuft und dort überfahren wird, erschlägt Thiel seine Frau und schneidet dem gemeinsamen Kind die Kehle durch. Thiel wird ins Irrenhaus eingeliefert. Die Eisenbahn , die die Ruhe der Natur zerstört, ist eine Metapher für eine schicksalshafte Übermacht, die in Thiels Leben so grausam eingreift.

Drama:

Wichtigster Vorläufer des naturalistischem Drama ist der Österreicher Ludwig Anzengruber, der aber im Gegensatz zu den Naturalisten den Menschen nicht durch seine Verhältnisse determiniert sieht. Er nimmt seine Peronen aus den unteren Schichten. Besonders sein Großstadtdrama "Das vierte Gebot" lässt Anzengruber als Vorkämpfer des Naturalismus erscheinen.

Im Naturalismus gibt es keine knappe Regieanweisung mehr, alles wird ins kleinste Detail beschrieben, sowohl die Personen als auch der Handlungsort. Man kann schon vom Außeren der Figuren auf die innere Handlung schliessen. Die naturalistische Sprechweise dient der Charakterisierung der handelnden Personen, ihr milieugetreues Auftreten wird gesichert.

Gerhard Hauptmann: Der schon bekannte Autor schrieb das soziale Drama "Vor Sonnenaufgang" und löst damit ein Theaterskandal aus. Das Stück hat neben den sozialen Verhältnissen eines Kohlenreviers auch den moralischen Verfall einer reich gewordenen Bauernfamilie zum Thema. Es geht um Alkoholismus, Betrug in der Liebe und andere soziale Mißstände.










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