“Outfit, call-by-call, Software, Job, Talkshow…- die
Liste der englischen Wörter, die uns täglich begegnen, ließe sich fast beliebig
fortsetzen. Erläutere Gründe für diese Entwicklung und beurteile diese
Tendenz.“
Vor einiger Zeit hat mir eine Freundin erzählt, ihre
Mutter hätte einen Job in einer Talkshow und in ihrer Homezone würden sie jetzt
call-by-call telefonieren, weil sonst ihre Wireless-LAN Software nicht bootet.
Bei diesem Ausspruch wurde mir bewusst, wie viele englische Wörter wir ganz
selbstverständlich in unserer Alltagssprache benutzen. Aber woher kommen alle diese
Fremdwörter und warum gehören sie fast schon zu unserer Sprache dazu?
Viele dieser englischen Wörter gehören zu einer modernen
Szenen- oder Jugendsprache, andere wiederum kommen aus dem technischen oder
wirtschaftlichen Bereich. Tatsache ist, sie begegnen uns in fast allen
Situationen unseres Lebens.
Medien wie Fernsehen oder Internet üben einen sehr großen
Einfluss auf Jugendliche aus. Im Fernsehen werden sehr viele neue Begriffe
geprägt, die dann auch von den Jugendlichen benutzt werden. Beispiele hierfür
sind Talkshow oder Telefon-Voting. Was im Fernsehen gesagt wird, ist bei der
Jugend angesagt. Wer also auf der Höhe der Zeit sein will, der benutzt diese
Wörter und nimmt sie in seinen Wortschatz auf.
Viele unserer Stars, Idole und Vorbilder kommen aus den
USA, bestenfalls gutaussehende Schauspieler aus Hollywood. Sie sind von morgens
bis abends in den Medien präsent. Vor allem Szene-Kanäle wie der Musiksender
MTV berichten ständig von ihnen. Dann berichtet Julia Roberts von ihrem neuen
„Outfit“, Liz Hurley vom angesagten „Style“ und Ben Affleck von seinem letzten
„movie“. Diese Wörter werden von unserer Gesellschaft einfach übernommen, ohne
groß darüber nachzudenken. Schließlich reden die „Stars“ ja auch so.
Auch Musik ist etwas, das unser Leben stark beeinflusst.
Überall ist Musik. Zu Hause, im Autoradio auf dem Weg zur Schule oder zur
Arbeit, in der Werbung usw. Doch die wenigsten Musiktitel, die gehört werden,
sind in deutscher Sprache. Auch hier dominiert Englisch. Wenn wir den ganzen
Tag sowohl bewusst, als auch unbewusst mit englischer Musik beschallt werden,
prägen sich bestimmte Begriffe bei uns ein. Die englischen Aussprüche werden so
auch in der Alltagssprache immer geläufiger.
Aber nicht nur die Star und die Musik kommen aus den USA
oder aus England, sondern auch sehr viele Erfindungen, vor allem im technischen
Bereich, wie Unterhaltungselektronik und Computer. Mit dem Software-Hersteller
Microsoft sind die USA die Marktführer in Sachen Computer. Viele neue
Entwicklungen, die von dort kommen, werden von uns einfach namentlich
übernommen. Es überlegt sich niemand ein „deutsches“ Wort für „Setup“,
„Wireless-LAN“ oder „E-Mail“. Selbst wenn man sich diese Mühe machen würde,
könnte man damit das englische Wort nicht verbannen.
Ich möchte das am Beispiel „E-Mail“ kurz erklären. Die
deutsche Übersetzung würde dann wohl „elektronische Nachricht“ lauten. Dieses
Wort würde aber vermutlich niemand benutzen, da es viel zu lang und unhandlich
ist. Selbst die Abkürzung
„e-Nachricht“ wird sich gegen das kurze und prägnante „e-Mail“ nicht
durchsetzen können. Es hat sich also gezeigt, dass im technischen Bereich für
viele englische Begriffe überhaupt keine deutsche Alternative existiert, weil
diese zu umständlich wäre. Außerdem wird das Wort „e-Mail“ nahezu überall
verstanden. Unsere Welt wächst immer enger zusammen und das zeigt sich eben
auch in der Sprache.
Besonders deutlich tritt das im geschäftlichen Bereich
hervor. Hier ist Internationalität alles. Die großen Konzerne wie
Daimler-Chrysler, Bosch oder Siemens agieren auf der ganzen Welt. Und auf der
ganzen Welt wird englisch gesprochen. Dementsprechend groß ist auch das
englische Wortfeld, das daraus entsteht. Management, Meeting, Marketing und
noch vieles andere mehr.
Es ist also vor allem die jüngere Generation, die mit den
englischen Begriffen am selbstverständlichsten umgeht. MTV, Internet, Technik,
internationaler Handel; das sind alles Bereiche, mit denen ältere Menschen
nicht sehr viel zu tun haben.
Genau hier liegt jedoch das Problem bei dieser
Entwicklung. Für die Jugend ist Englisch kein Problem. Kinder lernen diese
Sprache ja heutzutage bereits in der Grundschule. Sie können sehr gut damit
umgehen. Die älteren Menschen können das aber ganz und gar nicht. Wenn wir
unseren Großeltern von unserem neuen Outfit erzählen, werden sie wahrscheinlich
nicht verstehen, was wir ihnen sagen wollen. Manche von unseren Eltern habe
schon Schwierigkeiten sich mit uns über solche Themen zu unterhalten. Aber wie
soll der Enkel seiner Großmutter erklären, was eine Talkshow oder was Fast Food
ist? Die Generationen driften immer weiter auseinander. Wer nicht mehr jung und
modern denkt, der lebt sich sprachlich aus der Gesellschaft heraus.
Unserer Muttersprache schadet diese Entwicklung mit der
Zeit ganz erheblich. Wenn es schon heute für viele Wörter keine „deutsche“
Bedeutung mehr gibt, so wird sich das in Zukunft wohl nicht ändern, sondern
eher noch verschlimmern.
Ich persönlich sehe dieser Entwicklung sehr kritisch
entgegen. Denn was ist eine Sprache noch wert, wenn sich ein Volk nicht mehr
damit unterhalten kann? Aufhalten wird man diese Entwicklung aber nicht können,
denn wir alle wachsen zusammen zu einem globalen Dorf und entwickeln auch eine
globale Sprache. Vielleicht werden in ferner Zukunft alle Menschen eine Sprache
miteinander sprechen und sich auf der ganzen Welt verstehen. Wenn dabei die
eigene Muttersprache trotzdem noch gepflegt wird und nicht in totale
Vergessenheit gerät, würde ich diese Entwicklung sehr gut für alle Menschen
dieser Welt finden.