Tierzucht
Züchten setzt ein gewünschtes Zuchtziel voraus, das
durch bestimmte Zuchtverfahren und Zuchtmethoden erreicht werden soll.
Vermehrung hingegen ist die Reinzucht im Sinne der Arterhaltung zur
Konservierung der typischen Merkmale einer Art.
Bei jeder Vermehrung unter künstlichen oder naturnahen Bedingungen
können Kümmerlinge und Mißbildungen auftreten, sie werden im natürlichen
Lebensraum der Auslese zum Opfer fallen.
Die herkömmliche, planmäßige Tierzucht fußt auf den
Vererbungsregeln und macht sich das Wissen vom Erbgang einzelner Eigenschaften
zunutze. Die Reinzucht wird als Züchtungsverfahren entweder mit einem
Stammvater und seinen männlichen Nachkommen oder über die Stammutter und ihre
weiblichen Nachkommen durchgeführt.
Bei der Typenzucht werden Tiere mit
charakteristischen Merkmalen gepaart; ist der Typus gefestigt, wird mit
Reinzuchtverfahren weitergearbeitet (bei den meisten Hunde- und Katzenrassen).
Bei der Blutauffrischung, die dazu dient
Degenerationserscheinungen zu vermeiden, wird ein Tier aus einer fremden
Zuchtlinie mit möglichst ähnlichen Merkmalen eingekreuzt.
Bei der Inzestzucht (Verpaarung von verwandten
Individuen ersten Grades) besteht die große Gefahr das rezessive Erbleiden
auftreten. Die Folge sind Störungen der Fortpflanzung oder Mißbildungen.
Bei der Kreuzung werden Tiere verschiedener
Gattungen, Arten, Unterarten oder Fortpflanzungslinien verpaart. Das Ergebnis
bezeichnet man als Bastard. Die Auswahl der Kreuzungspartner bestimmt
letztlich das Zuchtergebnis. Bei Nutztieren wird im Zuge der
Veredelungskreuzung gezielt eine Bluteinmischung eingesetzt, um Merkmale einer
anderen Rasse in den Zuchtstamm einzubringen.
Die gewünschten Merkmale können auch als sprunghafte
erbliche Veränderungen (Mutationen) auftreten. Vor allem rezessive Mutationen
führen zu zahlreichen Färbungs- und Zeichnungsvarianten sowie zu Veränderungen
am Haar- oder Federkleid.
Bei
Heimtieren wurden albinotische (Albinos), amelanotische oder melanotische
(Melanos oder Nigrinos) Formen sowie Tiere mit Abweichungen in der
Farbverteilung des Fells bzw. Gefieders in Inzuchtstämmen genauso gefestigt wie
die Fellvarianten “Gelockt”, “Gewellt”, “Kraushaar”, “Langhaar”, “Angora” oder
“Nackt”.
Albinos fehlt jedes Farbpigment in der Haut und
auch in der Iris, sodaß die durchschimmernde Aderhaut den Eindruck von roten
Augen vermittelt (z. B. weiße Maus).
Melanotische Tiere sind völlig schwarz; fallweise sind
Ansätze einer Fellzeichnung zu erkennen (z. B. schwarzer Panther).
Amelanotische Tiere vermissen schwarzes Pigment, sodaß nur
andere Farbpigmente zum tragen kommen (z. B. rein gelbe Wellensittiche).
Trisomie (ein Chromosom ist dreifach vorhanden) führt beim
Wellensittich zur Ausbildung überlanger Federn, die ihn flugunfähig machen.
Diese Tiere sind allerdings kaum lebensfähig.
Abweichungen in der Fell- oder Gefiederfärbung können aber
auch andere Ursachen haben. Diese Modifikationen sind bei Vögeln häufig auf die
Nahrungsgrundlage und die Lebensbedingungen zurückzuführen.
Die herkömmliche planmäßige Tierzucht eröffnet viele
Veränderungsmöglichkeiten an diesen Organismen. Es können aber nur die
Eigenschaften genutzt werden, die im genetischen Material der Ausgangstiere
jeder Verpaarung vorliegen.
Die Biotechnologie ermöglichte Veränderungen am Genom, was
zur kompletten Neuschöpfung von Lebewesen führt, d.h. das die Nachkommen
Eigenschaften besitzen, die nicht im elterlichen genetischen Material verankert
sind.